Leserstimmen zu
Thomas der Schwindler

Jean Cocteau

Manesse Bibliothek (7)

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Den Namen des Autors Jean Cocteau haben die meisten zumindest schon einmal gehört. Mir war die Beschreibung eines Pariser Dandys der 10er und 20er Jahre bekannt, der opiumsüchtig und gut mit Coco Chanel befreundet war. In Künstlerkreisen war er bestens intigriert und sein Buch Thomas l’imposteur, das 1923 erschien ist fast eine Autobiographie. Er bringt sehr viele wirklich erlebte Berichte in Form von Thomas mit ein. Meine Meinung: Auch hier muss ich wieder einmal die hübsche Manesse-Ausgabe loben! Durch die handliche Größe passt das Buch wunderbar auch in meine kleine Handtasche und ist unterwegs immer mit dabei. Die Fußnoten und Anmerkungen sind wie immer interessant und sehr hilfreich bei der Lektüre gewesen. Mich hat zunächst irritiert, dass die Kapitelüberschriften weggelassen und erst im Anhang wieder erwähnt wurden. Vor allem weil große Absätze die einzelnen Kapitel eigentlich deutlich abgrenzten. Im Nachwort gibt es jedoch eine plausible Erklärung dazu. Dieses Layout scheint näher am französischen Original zu sein. Ich muss zugeben, dass ich zuvor noch nie etwas von Cocteau gelesen hatte und ich muss leider sagen: Das Buch ist überhaupt nicht mein Fall. Ich kann nicht sagen, dass der Schreibstil schlecht war, denn er war ganz im Gegenteil sehr gut. Ich kann auch nicht sagen, dass es langweilig war. Trotzdem konnte ich mich nur oberflächlich für diesen Roman begeistern. "Ein unverschämt heiterer Hochstapler-Roman vor der düsteren Kulisse des ersten Weltkriegs." - so der Verlag. Und genau diese unverschämte Heiterkeit hat mich verwirrt und mir auch nicht so wirklich gefallen. Den ersten Weltkrieg als Abenteuer anzusehen und alles in einem amüsanten Ton zu halten, dazu gehört definitiv eine Portion Mut und Skrupellosigkeit. Das Spiel von Schein und Sein sowie das gesellschftliche Ansehen stehen in diesem Roman an erster Stelle. Damit wollte Cocteau vermutlich die absurde Haltung der feinen Pariser Gesellschaft zur Zeit des ersten Weltkriegs darstellen und kritisieren. Vor lauter Langeweile wollte diese nämlich Schützengräben besichtigen, wie andere den Eiffelturm Das hat der Autor hervorragend dargestellt, dazu muss man jedoch beachten, dass er selbst Teil dieser Gesellschaft war. Fazit: Die Formulierungen und die Botschaft hinter dem Roman sind großartig. Trotzdem hat er keinen bleibenden Eindruck hinterlassen und ich habe ihn leider mit wenig Freude gelesen. Vermutlich kann ich einfach die Lebenseinstellung der Reichen und Schönen zu dieser Zeit einfach nicht nachvollziehen. Das ist nur meine persönliche Meinung und ich kann durchaus verstehen, was in diesem Roman als Meisterwerk gesehen wird.

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