Leserstimmen zu
Die Zwillinge

Tessa de Loo

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Anna und Lotte sind Zwillinge. Allerdings haben sie ihr Leben nicht wie die meisten Geschwister gemeinsam verbracht, sondern wurden im Alter von nur sechs Jahren nach dem tragischen Tod ihrer Eltern getrennt. Anna blieb bei ihren Großeltern in Deutschland, während Lotte bei Verwandten väterlicherseits in den Niederlanden aufwuchs. Was heute keine große Entfernung mehr darstellt, war 1922 schier unüberwindbar. Die Zeit der Weimarer Republik und der sich anbahnende Zweite Weltkrieg trennte das Geschwisterpaar viele Jahre. Der Kontakt wurde nie wieder so innig wie sie ihn als Kinder hatten und brach schließlich ganz ab. Erst im Alter von über 70 Jahren treffen sich die beiden im Belgischen Kurort Spa wieder. Zögerlich berichten sie von ihren Leben, die so unterschiedlich verbracht wurden. Tessa De Loo schafft mit ihrem Roman über die Zwillinge Anna und Lotte eine außergewöhnliche Sichtweise auf die Entwicklung eines Menschen und wie sehr das Umfeld prägend sein kann. Gleichzeitig legt sie ein Zeitzeugnis über die Umbruchszeit in der Weimarer Republik ab. Anna verbringt ihr Leben in Westfalen, wo sie auf dem Hof ihrer Großeltern helfen muss. Viel Zeit für eine schulische Ausbildung blieb ihr nicht. Ganz anders erging es Lotte, die in den Niederlanden ein privilegiertes Leben führte. Diese Unterschiede haben offenbar dazu geführt, dass die beiden Frauen sich auch charakterlich unterschiedlich entwickelten. Anna ist lebensfroh und geht offen auf andere Menschen zu, während Lotte introvertiert ist und anderen gegenüber eine ablehnende Haltung hat. Selbst ihrer Schwester gegenüber gibt sie sich spröde. In ihr brodelt eine Wut, die Anna zunächst nicht nachvollziehen kann. Die beiden Frauen haben nun in ihrer Kur Gelegenheit, die Jahre ihrer Trennung aufzuarbeiten. Die Gespräche schildern die unterschiedlichen Lebensbedingungen der benachbarten Länder. Die Zeit vor dem Krieg wird bei ihnen überschattet mit der Trauer um die Eltern und der Sehnsucht nacheinander. Der Krieg wirft natürlich andere Probleme auf, in denen die Frauen reifen. Ihre Lebenswege sind so unterschiedlich, dass sie sich mehr und mehr entfremden, bis sie sich schließlich nichts mehr zu sagen haben. Das familiäre Band reißt dennoch nie ganz ab. Die Autorin schafft hier einen dermaßen großen Einblick in die Charaktere, dass der Leser sich wie ein heimlicher Beobachter der Szene fühlt. Die gegenseitigen Schuldzuweisungen schließen sowohl persönliche Handlungen als auch politische mit ein. Das Lesen ist nicht nur unterhaltsame Zeitgeschichte, sondern fördert durch Anna und Lotte das Völkerverständnis. Tessa De Loo beeindruckt mit ihrem Roman. Die fiktive Geschichte ist detailliert ausgearbeitet und durchgängig glaubhaft. Lottes Enttäuschung über die Trennung von ihrer Schwester ist wie ein roter Faden durch ihren gesamten Lebenslauf. Nur schwerfällig lässt sich diese entstandene Lücke füllen. Mit dem Ausbruch des Kriegs verliert sie obendrein ihre Wurzeln und schämt sich hinterher sogar ihrer Herkunft. Auch hier ist es der Autorin gelungen, der jüngeren Generation die Denkweise der Älteren begreifbar zu machen. Die Dialoge lassen die Leser ganz nah an die Figuren herankommen und mitfühlen. Die Zeit soll nicht etwa vergessen, sondern vielmehr durch Verständnis füreinander aufgearbeitet werden. Die Erzählweise weckt Emotionen und ist ein nachhaltiges Leseerlebnis, das ich gerne empfehle.

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Über das Buch: Genre: Roman Format: Taschenbuch Verlag: Diana (Link zum Buch) ISBN: 9783453359079 Preis: 10,99 Euro Seiten: 525 Originalsprache: Deutsch Erschien: 1993 Vielen Dank dem Diana Verlag und dem Bloggerportal für das kostenlose Rezensionsexemplar! Inhalt: Die Zwillingsschwestern Anna und Lotte haben sich fast ein ganzes Leben nicht gesehen, als sie sich mit 74 Jahren zufällig begegnen. Nach dem frühen Tod der Eltern wurden sie kurz vor Ausbruch des Zweiten Weltkrieges auseinandergerissen. Während Anna beim Großvater in Deutschland blieb, wuchs Lotte bei niederländischen Verwandten auf. Ihre Begegnung führt sie zurück in die dunkelste Zeit des 20. Jahrhunderts, zu einer dramatischen Geschichte von Liebe, Schuld und Vergebung – und endlich wieder zueinander. Das Cover: Das Cover zeigt die Zwillinge und wie sie auseinander laufen. Genauso ein Gefühl übermittelt auch die Geschichte. Das Cover gefällt mir nicht so. Die ersten 3 Sätze: "Meine Güte, was ist denn das? Ein Sterbehaus?" Lotte Goudriaan schreckte aus einem wohligem Schlummer hoch, einer leichten Betäubung: alt sein und doch den Körper nicht spüren. Meine Meinung: In dieses Buch musste ich erst reinfinden. Der Anfang der Geschichte war mir zu stockend. Es hat nur ganz langsam an Spannung aufgebaut. Es hat mich auch nicht so gefesselt. So nach etwa 150 Seiten wurde es etwas interessanter. Die Geschichte springt immer wieder zu der Zeit vom Zweiten Weltkrieg und von heute. Aber auch die Szenen von dem Zweiten Weltkrieg haben nicht den Schrecken gezeigt, wie man es kennt. Es kam für mich so rüber, als wäre die Zeit nur halb so schlimm gewesen. Was mir gut gefallen hat, war das Anna nicht aufgegeben hat um Lotte zu kämpfen. Man merkt beiden an, das sie bei unterschiedlichen Leuten undin verschiedenen Welten aufgewachsen sind. Aber Anna war mir von Anfang an sympathischer. Lotte finde ich, ist zu sehr in sich gekehrt. Sie gibt Anna nicht wirklich ne Chance sie wieder näher an sich zu lassen. Das Ende der Geschichte fand ich sehr traurig. Da hätte ich mir gerne ein anderes Ende gewünscht. Schade. Fazit: Mir bleiben noch viele Fragen offen und es hätte mitreißender geschrieben sein können! Über den Autor: Tessa de Loo, geboren 1946, ist eine der erfolgreichsten niederländischen Schriftstellerinnen. Der Durchbruch gelangt ihr mit dem Roman Die Zwillinge, der auch in Deutschland wochenlang auf den Bestsellerlisten stand und verfilmt wurde. Ein Musical-Start in Deutschland ist in Planung. Heute lebt die Autorin in Portugal.

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Inhalt: Die Zwillinge Anna und Lotte werden als Kinder im zarten Alter von sechs Jahren (1922) in Köln getrennt und verbringen ihre Kindheit in unterschiedlichen Lebensräumen. Anna wächst bodenständig auf einem Bauernhof im Teutoburger Wald auf und Lotte lebt bei Verwandten in Holland. Sie verlieren infolge der Kriegsereignisse fast jeden Kontakt zueinander. obwohl beide in Gedanken oft bei der anderen Schwester sind. Zufällig treffen sich die beiden älteren Damen , (1990), inzwischen vierundsiebzig Jahre alt, wegen arthritischer Beschwerden in einem Spa wieder und knüpfen vorsichtig Kontakt miteinander, erzählen sich ihre Lebensgeschichte,,,, Meine Meinung: Die niederländische Autorin TESSA DE LOO lässt die beiden alten Damen abwechselnd, aber chronologisch aus ihren jeweilig eigenen Erinnerungen erzählen. Die Zeitgeschichte nach 1922 wird ausführlich beschreiben, das hat mich sehr angeregt und an die Erzählungen meiner Eltern und Grosseltern erinnert, die plötzlich wieder sehr lebendig vor mir standen. Anna , die es nicht leicht hatte in einem einfachen Dorf, umgeben von Gewalt , wenigen Bildungsmöglichkeiten und richtiger Armut war mir sehr sympathisch. Sie war eine Kämpferin und hat sich nie aufgegeben. Lotte, ein Kind von kränklicher Gesundheit, hat sich mit ihrer neuen Umwelt und holländischen Familie sehr identifiziert und wurde eine *echte Holländerin* vom Charakter und Handeln. Dieses Erzählen der beiden Frauen ermöglicht dem Leser die Zeit von 1922 - 1945 aus den verschiedenen Blickwinkeln der Holländer und der Deutschen zu verfolgen. Ein tolle, sehr persönlich beschriebene Geschichtsstunde des Zeitgeschehens. Es geht um gegenseitige Schuldzuweisungen der beiden Völker wegen des 2.Krieges, Missverständnisse, Vorurteile und eingefahrenen Denkweisen. Lotte findet auch nach langer Zeit kein echtes Versöhnen mit Deutschland und ihren Wurzeln, obwohl Anna immer wieder um Verständnis und Verstehen bittet mit ihren Erzählungen. Interessant fand ich auch die deutlich unterschiedliche Darstellung der beiden Charaktere von Anna und Lotte. Anna, immer positv und voller Tatendrang, korpulent und lebenslustig trotz herber Schicksalsschläge. Lotte, zart, zurückhaltend, spröde, eingestellt voller Bitternis zu ihren deutschen Wurzeln. Ein wenig schade fand ich, dass die Zeit nach 1945 in den Unterhaltungen der beiden alten Damen gar nicht zur Sprache kam. Wir erfahren fast nichts darüber. Ich denke, es ist aber von der Schriftstellerin mit Absicht so gestaltet worden. Das Anliegen von TESSA DE LOO war es, die deutsch-niederländischen Beziehungen vor und nach dem 2. Weltkrieg , anhand persönlicher Lebensgeschichten, dem Leser nahe zu bringen. Das ist ihr mit diesem Buch voll und ganz gelungen. Eine absolute Leseempfehlung mit fünf Sternchen von mir! Herzlichen Dank für das Leseexemplar an RandomHouse und die Autorin.

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Die Zwillinge

Von: Merendina

15.01.2017

Dieser Roman hat mich optisch schon sehr angesprochen. Das Buchcover gefällt mir sehr gut. Man sieht darauf zwei elegant gekleidete Frauen, die in die jeweils entgegengesetzte Richtung gehen. Das Cover passt perfekt zum Inhalt des Buches. Auch den Klappentext fand ich richtig interessant und deswegen war ich sehr auf dieses Buch gespannt. Die Autorin kannte ich bisher noch nicht, aber ich fand ihre Sprache sehr schön und bestens lesbar. Schon nach wenigen Zeilen ist man mitten in der Geschichte und kann das Buch kaum mehr aus den Händen legen. Der Roman handelt von den Zwillingsschwestern Anna und Lotte, die als kleine Kinder während des Krieges getrennt wurden, da sie früh zu Waisen wurden. Viele Jahre später treffen sie sich zufällig in einem Kurort wieder und erzählen sich über ihr Leben. Anna wächst in Deutschland auf, ihre Schwester Lotte in den Niederlanden. Während Anna auf dem Land auf einem Bauernhof lebt und dort viel helfen muss, lebt ihre Schwester in der Stadt in einer wohlhabenden Familie, in der viel Wert auf Kultur gelegt wird. Beide erleben die schlimmen Auswirkungen des Krieges wie Gewalt, Hunger, den Verlust geliebter Menschen. Lottes „Familie“ begibt sich zudem in große Gefahr, als sie Juden in ihrem Haus versteckt… Sehr interessant ist in diesem Buch, wie die verschiedenen Sichtweisen auf den Zweiten Weltkrieg dargestellt werden. Auf der einen Seite sind da die Erzählungen einer Deutschen, auf der anderen Seite die einer Niederländerin. Bei ihrem Treffen im belgischen Kurort Spa erscheinen die beiden Schwestern sehr unterschiedlich und haben jeweils viele Vorurteile. Ein wirklich wunderschönes Buch, bei dem man beim Lesen immer wieder hofft, dass sich die beiden Schwestern doch wieder aneinander annähern. Mehr möchte ich an dieser Stelle aber natürlich nicht verraten! Ich kann diesen oft sehr emotionalen Roman bestens weiterempfehlen und habe ihn sehr gerne gelesen. Ich gebe diesem spannenden Roman volle Punktzahl: fünf Sternchen!

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ZUM INHALT: Der Bestseller in neuer Ausstattung Die Zwillingsschwestern Anna und Lotte haben sich fast ein ganzes Leben nicht gesehen, als sie sich mit 74 Jahren zufällig begegnen. Nach dem frühen Tod der Eltern wurden sie kurz vor Ausbruch des Zweiten Weltkrieges auseinandergerissen. Während Anna beim Großvater in Deutschland blieb, wuchs Lotte bei niederländischen Verwandten auf. Ihre Begegnung führt sie zurück in die dunkelste Zeit des 20. Jahrhunderts, zu einer dramatischen Geschichte von Liebe, Schuld und Vergebung – und endlich wieder zueinander. MEINE MEINUNG: Dieses Buch hat meine Neugier geweckt, denn ich mag das Cover und der Klappentext hörte sich richtig gut an und da ich solche Geschichte von früher sehr gern lese, musste dieses bei mir einziehen und ich habe es auch sofort angefangen zu lesen. Zuviel zur Geschichte möchte ich gar nicht sagen, der Klappentext reicht vollkommen aus und man sich sollte sich einfach unvoreingenommen auf die Geschichte einlassen. Ich war absolut fasziniert von diesem Buch, von der Handlung, den Charakteren und dem Setting, wie alles verwoben wurde, einfach was die Autorin aus dieser Geschichte gemacht hat. Für mich ist dies ein ganz besonderes Buch, gerade in diesem Bereich, was solche Themen beinhaltet, denn ich finde schon, dieses Buch sticht da doch echt heraus. Es ist mit soviel Details geschmückt und die Autorin hat eine umwerfende Art zu Schreiben, mit so viel Wortgewalt und Kraft, die mich an das Buch gefesselt haben und ich nicht aufhören konnte zu lesen. Dieses Geschichte rund um zwei Schwestern hat mich tief bewegt und hallt sogar jetzt noch nach und deswegen kann ich jedem dieses Buch nur ans Herz legen, denn es ist ein schöne Schmöker der dem Leser einfach viel gibt. 5/5 Sterne

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Ich habe diesen Roman in seiner Originalsprache gelesen und fand diese Übersetzung gelungen. Es ist die Geschichte zweier Schwestern, die sich zwischen den Weltkriegen aus den Augen verloren haben, da eine Schwester in eine Pflegefamilie in den Niederlanden gegeben wurde, während die andere in Deutschland blieb. Viele Jahre später treffen sich die beiden zufällig wieder und tauschen sich über die vergangenen Jahre aus. Die History lässt die Autorin dabei auf eine sehr persönliche Weise einfließen. Deutsche und Niederländische Sichtweisen kommen zum Tragen: der zweite Weltkrieg, Schuld und Vergebung werden kritisch beleuchtet. Ein herausragender Roman, den jeder gelesen haben sollte!

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Die Zwillinge Anna und Lotte leben ein munteres Leben in Köln – bis beide Elternteile sterben. Im Alter von sechs Jahren werden sie – kurz vor Ausbruch des Zweiten Weltkrieges – auseinandergerissen. Anna bleibt bei ihrem Großvater in Ostwestfalen, wo sie als Arbeitskraft ausgenutzt wird und kaum Schulbildung erfährt. Lotte hingegen wird von einer verwandten niederländischen Großfamilie liebevoll aufgenommen, die ihr ein privilegiertes Leben ermöglicht. Erst Jahrzehnte später, mit 74 Jahren, kommt es zufällig zu einem Treffen in dem belgischen Kurort Spa. Anna ist hocherfreut und enthusiastisch, Lotte zögerlich und voller Vorwürfe. Sie beginnen sich einander ihre Lebensgeschichten zu erzählen, die scheinbar unauflöslich mit dem Dritten Reich und dem Zweiten Weltkrieg verbunden sind: Anna war – zwangsläufig – Mitglied im Bund Deutscher Mädel und heiratete einen regimekritischen Soldaten, der 1944 fiel. Lottes Familie hingegen nahm während des Kriegs Verfolgte auf und verlor einen guten jüdischen Freund. Für Lotte sind alle Deutschen schuldig und sie sträubt sich gegen eine Versöhnung mit Anna – bis zuletzt. Dennoch sehnen sich beide ein Leben lang nach der verlorenen Schwester. „Die Zwillinge“ ist ein romanhaftes Zeitzeugnis der Autorin Tessa de Loo. Sie erzählt die Geschichte des 20. Jahrhunderts anhand der Lebenserinnerungen der Protagonistinnen Anna und Lotte, wobei sie geschickt die gegenwärtige Geschichte mit der der Vergangenheit verknüpft. Episodenartig reiht de Loo die einzelnen Lebensetappen aneinander und schafft einen zusammenhängenden Blick auf die Geschichte des 20. Jahrhunderts. Auch bei den Charakteren der Protagonistinnen wählt die Autorin den Gegensatz: Anna ist eine herzliche, fröhliche, auf Menschen zugehende Person, die sich von Herzen freut, ihre Schwester, die sie fast 70 Jahre lang vermisste, wiederzusehen – trotz des harten Schicksals, das sie nach der Trennung erdulden musste. Lotte, die ein privilegiertes Leben genießen durfte – mit einer liebevollen Familie und guter Bildung – ist das Gegenteil: spröde, harsch, verbissen und wütend – auf alle Deutschen – auch auf Anna – ohne dabei einen Blick auf die Einzelschicksale zu werfen. Tessa de Loo gelingt mit „Die Zwillinge“ ein großartiger Roman, der von Zeitgeschichte, Familienbande, Geschwisterliebe und den Themen Schuld und Vergebung handelt. Der Autorin gelingt es hervorragend, trotz der großen emotionalen Themen, einen sachlichen Ton beizubehalten und nicht ins Sentimentale und Melancholische abzugleiten. Große Literatur!

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Die Zwillinge Anna und Lotte leben ein munteres Leben in Köln – bis beide Elternteile sterben. Im Alter von sechs Jahren werden sie – kurz vor Ausbruch des zweiten Weltkrieges – auseinander gerissen. Anna bleibt bei ihrem Großvater in Ostwestfalen, wo sie als Arbeitskraft ausgenutzt wird und kaum Schulbildung erfährt. Lotte hingegen wird von einer verwandten niederländischen Großfamilie liebevoll aufgenommen, die ihr ein privilegiertes Leben ermöglicht. Erst Jahrzehnte später, mit 74 Jahren, kommt es zufällig zu einem Treffen in dem belgischen Kurort Spa. Anna ist hocherfreut und enthusiastisch, Lotte zögerlich und voller Vorwürfe. Sie beginnen sich einander ihre Lebensgeschichten zu erzählen, die scheinbar unauflöslich mit dem Dritten Reich und dem zweiten Weltkrieg verbunden sind: Anna war – zwangsläufig – Mitglied im Bund Deutscher Mädel und heiratete einen regimekritischen Soldaten, der 1944 fiel. Lottes Familie hingegen nahm während des Kriegs Verfolgte auf und verlor einen guten jüdischen Freund. Für Lotte sind alle Deutschen schuldig und sträubt sich gegen eine Versöhnung mit Anna – bis zuletzt. Dennoch sehnen sich beide ein Leben lang nach der verlorenen Schwester. „Die Zwillinge“ ist ein romanhaftes Zeitzeugnis der Autorin Tessa de Loo. Sie erzählt die Geschichte des 20. Jahrhunderts anhand der Lebenserinnerungen der Protagonistinnen Anna und Lotte, wobei sie geschickt die gegenwärtige Geschichte mit der der Vergangenheit verknüpft. Episodenartig reiht de Loo die einzelnen Lebensetappen aneinander und schafft einen zusammenhängenden Blick auf die Geschichte des 20. Jahrhunderts. Auch bei den Charakteren der Protagonistinnen wählt die Autorin den Gegensatz: Anna ist eine herzliche, fröhliche, auf Menschen zugehende Person, die sich von Herzen freut, ihre Schwester, die sie fast 70 Jahre lang vermisste, wiederzusehen – trotz des harten Schicksals, das sie nach der Trennung erdulden musste. Lotte, die ein privilegiertes Leben genießen durfte -mit einer liebevollen Familie und guter Bildung – ist das Gegenteil: spröde, harsch, verbissen und wütend – auf alle Deutschen – auch auf Anna – ohne dabei einen Blick auf die Einzelschicksale zu werfen. Tessa de Loo gelingt mit „Die Zwillinge“ ein großartiger Roman, der von Zeitgeschichte, Familienbande, Geschwisterliebe und den Themen Schuld und Vergebung handelt. Der Autorin gelingt es hervorragend, trotz der großen emotionalen Themen, einen sachlichen Ton beizubehalten und nicht ins Sentimentale und Melancholische abzugleiten. Große Literatur!

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