Leserstimmen zu
Schreibwaren

Luca Bendandi, John Z. Komurki

(2)
(0)
(0)
(0)
(0)
€ 29,95 [D] inkl. MwSt. | € 30,80 [A] | CHF 41,50* (* empf. VK-Preis)

Ich gebe zu, ich zähle zu jener Spezies, die Bleistifte und Notizbücher sammeln wie andere Leute Uhren, Termine in Planer kritzeln und an keiner Papeterie vorbeigehen können ohne darin zu stöbern. Kein Wunder, dass mich dieses Buch über die Welt der Schreibwaren sofort angesprochen hat. Es ist nach verschiedenen Utensilien wie Bleistifte, Radierer, Spitzer und Notizbücher gegliedert und erläutert deren Ursprünge und kulturelle Entwicklung bis zur heutigen Zeit. Dabei erfährt man so manch interessante Fakten: zum Beispiel dass der Name des Unternehmens Sharp Electronics auf den 1915 entwickelten ersten mechanischen Bleistift namens Ever-Ready-Sharp-Pencil zurückzuführen ist. Das Buch öffnet auch den Blick für neue Betrachtungsweisen. So war der Bleistift für mich immer ein Symbol für skizzenhafte Notizen und Kreativität, da ich ihn nutze, um Gedanken und Ideen niederzuschreiben. Für Ingenieure und technische Zeichner dagegen steht der Bleistift für Maßarbeit und Präzision. Auch ein so schlichter Büroartikel wie die Büroklammer bietet eine riesige Bandbreite an Gestaltungsmöglichkeiten wie kreative Designer in Eindhoven beweisen. Was diesen Band zu etwas ganz Besonderem macht, ist die Vorstellung ausgewählter Konzeptläden aus der ganzen Welt, die sich auf Schreibwaren spezialisiert haben. Die Gründer bzw. Geschäftsführer kommen selbst zu Wort und teilen mit uns ihre Philosophie, ihre Liebe zum Detail und ihre ganz persönlichen Lieblingsstücke. Der Inhaber von 'Choosing Keeping' in London wünscht sich, dass alltägliche Gebrauchsgüter als nationale Kultur-Ikonen angesehen werden und sieht einen Laden als ein Mini-Museum von Objekten. Solche Geschäfte sind auch Anlaufstelles für Requisiteure, die Gegenstände für historische Filme suchen. Die 'pencil lady' Caroline Weaver, Gründerin des Bleistift-Dorados 'CW Pencil Enterprise', vermittelt ihren Kunden Hintergrundwissen zu jedem einzelnen Bleistift. Die Ladeninhaber sind schon zu beneiden: Sie reisen viel, entdecken Marken- und Nischenprodukte, Vintage- und Design-Objekte in Japan, Italien, Prag oder Skandinavien und holen sich weltweit Inspirationen. Eine Stärke des Buchs ist auch, dass der Autor nicht nur in nostalgischen Erinnerungen schwelgt, sondern auch interessante Verbindungen von Alt und Modern zeigt wie zum Beispiel einen zweisprachigen Podcast über Stifte. In diesem wunderschön gestalteten und reich bebilderten Band zu blättern ist ein wahrer optischer und haptischer Genuss. Am liebsten möchte man nach der Lektüre in den nächsten Schreibwarenladen rennen und sich eine eigene Sammlung schöner Stücke wie den legendären Radiergummi 'Pink Pearl' zulegen. Für alle, die ein Faible für Schreibutensilien, für formvollendetes Design und haptische Erlebnisse haben, ist dieses Buch ein Muss!

Lesen Sie weiter

Die Renaissance war die Wiedergeburt der Antike. Über Jahrhunderte vergessene Werte wurden im 15. und 16. Jahrhundert neu entdeckt und hervorgehoben. Mit der Renaissance in diesem Buch dagegen sind Alltagsgegenstände gemeint, die noch existieren und die wir als Kind zu bändigen lernten. Nach und nach wurden sie so selbstverständlich, dass sie heute, in der immer virtueller werdenden Welt in Vergessenheit geraten. Die Rede ist von Bleistift, Papier, Büroklammer, Kleber, Notizbuch und Briefumschlag. Als all diese Wunderwerke erfunden wurden, waren sie Kostbarkeiten. Der Schriftsteller Henry David Thoreaux finanzierte zum Beispiel sein erstes Buch mit selbstproduzierten Bleistiften. Da wir alle immer weniger mit den Händen arbeiten, kultivieren wir die Alltagsgegenstände. Heute kann man manch besondere Bleistiftsorte, deren Samtheit und Weichheit einst von bekannten Künstlern gepriesen wurde, und die aber nicht mehr produziert werden, einzeln wie Schmuckstücke bei Ebay ersteigern. Auf der anderen Seite schreibt kaum jemand noch einen Brief mit Füller und Papier, und in den Schulen soll die Handschrift abgeschafft werden. Deshalb ist dieses Buch eine Augenweide und ein Plädoyer zugleich. Eine Fülle an alten und neu zu entdeckenden Schreibutensilien werden nicht nur mit der Geschichte ihrer Entstehung, sondern auch mit Anekdoten rundherum vorgestellt. Wir erleben wie sich der Schwanenkiel, der als erste Schreibfeder diente, in einen Füller mit Wechselpatronen verwandelt. Wir betten unsere Ideen auf Ruhekissen, Papier genannt. Oder wir erfahren was der Radiergummi mit Azteken-Ritualen gemeinsam hat. Dabei besuchen wir internationale Hersteller und exklusive Schreibwarenläden. Bei der nächsten Reise werden nicht nur die üblichen touristischen Sehenswürdigkeiten abgeklappert, sondern auch der ein- oder andere Laden in Stockholm, London oder Mailand vorgemerkt. Ein Buch für alle, die besondere (Alltags-)Gegenstände lieben. Mit wunderschönen Abbildungen und einem sehr ästhetischen Layout. Jede Seite ist ein Hochgenuss. Am Ende sieht man nicht nur den Bleistift mit anderen Augen.

Lesen Sie weiter