Leserstimmen zu
Commissaire Le Floch und der Brunnen der Toten

Jean-François Parot

Commissaire Le Floch-Serie (2)

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Jean-François Parot war ein weitgereister Mann. 1946 in Paris geboren, schloss er sein Studium als anerkannter Experte des 18. Jahrhunderts ab, absolvierte seinen Militärdienst und wurde dann Diplomat. Die Liste der Stationen seiner Karriere ist lang; als er 1999 begann, die historische Krimi-Reihe „Nicolas Le Floch“ zu schreiben, arbeitete er im bulgarischen Sofia. An den Wochenenden hatte er viel Freizeit, also setzte er sich eines Tages hin, zückte seinen neuen Stift, ein Weihnachtsgeschenk seiner Mutter und seines Sohnes, und dachte sich das erste Abenteuer seines Ermittlers aus. Seitdem sind über 20 Jahre vergangen und 13 Bände erschienen, die Blessing ins Deutsche übersetzt. Den zweiten Band „Commissaire Le Floch und der Brunnen der Toten“ erhielt ich vom Bloggerportal als Rezensionsexemplar. Am Abend des 27. Oktober 1761 wird der Sohn des Grafen de Ruissec tot im Stadtpalais der Familie aufgefunden. Das Bild, das sich Commissaire Nicolas Le Floch am Tatort bietet, wirkt eindeutig: das Zimmer des jungen Vicomtes war von innen verschlossen, unweit seiner Leiche liegt eine Kavalleriepistole und auf dem Schreibtisch entdeckt Nicolas einen Abschiedsbrief. Alles deutet auf Selbstmord hin. Doch einige Details wecken Nicolas‘ Misstrauen. Als sich die Gräfin de Ruissec heimlich an ihn wendet und um ein geheimes Treffen bittet, ahnt der Commissaire, dass sie mehr über die Umstände des Todes ihres Sohnes wissen könnte. Unglücklicherweise erleidet sie einen schrecklichen Unfall, bevor das Treffen stattfinden kann. Nicolas ist alarmiert. Er glaubt nicht an einen Zufall und fürchtet, dass die Gräfin zum Schweigen gebracht werden sollte. Unerschrocken nimmt er die Ermittlungen auf, die ihn bis an den Hof von Versailles führen… Mit einem Fakt muss ich mich im weiteren Verlauf der Reihe „Nicolas Le Floch“ wohl abfinden: ohne die Führung des Protagonisten bin ich hoffnungslos verloren. Der Kriminalfall, den „Der Brunnen der Toten“ schildert, ist höllisch verzwickt und kompliziert. Ich hatte keine Chance, ihn selbst zu lösen oder auch nur ansatzweise korrekte Vermutungen über die Hintergründe aufzustellen. Ich behaupte, das ist nicht möglich, verfügt man nicht über denselben Wissensschatz wie der Autor Jean-François Parot. Parot war Historiker und Anthropologe, sein Fachgebiet war das Paris des 18. Jahrhunderts. Nur diese spezielle Expertise befähigte ihn, einen Kriminalfall für Kommissar Le Floch zu konstruieren, der die heiklen, unübersichtlichen Dynamiken am französischen Hof unter Louis XV. einbezieht. Es ist vorstellbar, dass sich im Umfeld des Königs zahlreiche Verschwörungen und unerwartete Allianzen formierten, aber ohne Nicolas, der den Leser_innen stets weit voraus ist und geheimniskrämerisch viele Verdächtigungen und Schlussfolgerungen für sich behält, hätte ich die Schuldigen niemals enttarnen können. Selbst mit seiner Hilfe und der Auflösung am Ende von „Der Brunnen der Toten“, die ich tatsächlich mehrfach lesen musste, um sie zu verstehen, war ich völlig aufgeschmissen. Ich frage mich nun, ob diese bewusst lancierte Unkalkulierbarkeit des Falles ein Grund zur Kritik ist. Hätte Parot die Ermittlungen seines Protagonisten nicht verdaulicher gestalten können und müssen? Aus der Perspektive eines normalen Krimis lautet die Antwort Ja. Nun handelt es sich bei den Bänden der Reihe jedoch nicht um normale Krimis. Es handelt sich um historische Krimis. Parot schildert nicht nur eine Mordermittlung, er proträtiert auch das 18. Jahrhundert. Ich bin überzeugt, seine Geschichten zielen primär darauf ab, seinen Leser_innen etwas beizubringen, sein Wissen über und seine Faszination mit dieser Epoche zu teilen. Das gelang ihm hervorragend. Deshalb gefiel mir „Der Brunnen der Toten“ sogar besser als „Das Geheimnis der Weißmäntel“, obwohl ich lernen musste, meine andauernde Ahnungslosigkeit zu akzeptieren. Ich kam viel tiefer in die Geschichte hinein, war sehr schnell durch und genoss die Lektüre, vielleicht gerade weil ich mich in Nicolas‘ fähige Hände begeben musste. Auch hatte ich weniger Schwierigkeiten mit seiner latenten Profillosigkeit, weil ich mittlerweile vermute, dass diese seiner Rolle als Kommissar geschuldet ist. Er transportiert den Fall, nicht mehr und nicht weniger, sein Privatleben ist weitgehend irrelevant. Daher benötigt er keine minutiös ausgearbeitete Charakterisierung; seine Funktion besteht darin, eine Ermittlung zu organisieren, die wiederum die gesellschaftlichen Umstände der Zeit wiederspiegelt. Für den zweiten Band griff Parot die bereits im Volk schwärende Unzufriedenheit mit dem starren Ständesystem auf, was ich äußerst interessant fand. Er zeigt zahllose Kleinigkeiten, deren Summe 28 Jahre später zur Französischen Revolution führt. Soweit ich weiß, wird Nicolas die Unruhen der Revolution auch miterleben – eine spannende Zukunftsperspektive für die Reihe und ein Grund mehr, sie weiterhin zu begleiten. Es überrascht mich immer noch, wie gut mir Jean-François Parots historische Krimis gefallen. Seine Beschreibungen der Pariser Gegenwart im 18. Jahrhundert sind vorzüglich; kleine, authentische und häufig kulinarische Details hauchen seinen fiktiven, fesselnden Kriminalfällen rund um reelle Persönlichkeiten Leben ein und lassen eine aufregende Epoche des politisch-gesellschaftlichen Umbruchs in Europa auferstehen. Seine Leidenschaft für sein Fachgebiet ist spürbar, denn er erging sich nicht in drögen akademischen Betrachtungen, sondern nutzte seine Begeisterung, um sein Wissen ganz nah zu seinen Leser_innen zu bringen. Diese Kombination knackt sogar meine Schale aus Skepsis hinsichtlich zwei Genres, die es normalerweise schwer haben, mich abzuholen. „Der Brunnen der Toten“ war eine mitreißende Lektüre und ich freue mich auf weitere Abenteuer mit Nicolas Le Floch – trotz der Erkenntnis, dass ich ohne ihn keinen einzigen Fall lösen könnte. Vielen Dank an den Verlag Blessing und das Bloggerportal von Random House für die Bereitstellung dieses Rezensionsexemplars im Austausch für eine ehrliche Rezension!

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Mit dem zweiten Band und der Reihe um den Commissaire Le Floch dürfen wir wieder in das Paris des 18.Jahrhunderts eintauchen. Wir streifen durch die Straßen von Paris und begeben uns an den königlichen Hof von Versailles und lernen auch das Pariser Theater kennen. Neben dem wunderschönen Setting dürfen wir natürlich Commissaire Le Floch bei seinem nächsten großen Fall begleiten, welcher ihn in das Haus des Grafen de Ruissec führt. In diesem wird der Sohn des Grafen Tod aufgefunden. Alles deutet auf Selbstmord hin, doch Le Floch kommen bei der ganzen Szenerie einige Zweifel auf. Le Flochs Aufgabe ist es nun, den Fall zu lösen und verstrickt sich dabei immer mehr in unbekannte Machenschaften. Typsich Le Floch also. Im Zweiten konnte ich definitiv eine Steigerung zum ersten Band feststellen. Einige Kritikpunkte, welche an dem Schreibstil des ersten Bandes hatte, waren für mich nicht mehr so präsent oder überhaupt nicht vorhanden. Der Schreibstil war für mich nicht mehr sehr störend, vermutlich, da ich mich dran gewöhnt habe bzw. ich wusste, auf was ich mich einlasse. Anzumerken habe ich allerdings den Punkt, dass es dennoch einige logische Fehler vorhanden waren. Ich vermute hier allerdings, dass es sich um Übersetzungsfehler handeln könnte. Als Beispiel sei genannt: „Um drei Uhr trennten sie sich. Nicolas beschloss, zu Fuss zum Kloster der Karmeliter zu gehen. […] Durch die Rue du Four und die Rue du Vieux kam er zur Rue Cassette, ritt am Kloster der Benedictines du Saint-Sacrement vorbei [...]“ Da ich nicht abgeneigt bin, dann dritten Band zu lesen, vermute ich, dass mir der Schreibstil doch irgendwann sehr gefallen könnte und ich immer schneller in die Bände eintauchen werde. Wenn sich die kleineren logischen Fehler ebenfalls mindern, dann umso besser. Nichtsdestotrotz hat mir der zweit Band ein wunderbares Lesevergnügen bereitet, da meiner Meinung nach Parot ein Händchen für das Setting hat. Er schafft es absolut die Zeit einzufangen und an den Leser zu übertragen. Als würde man sich ebenfalls in Paris befinden. Des Weiteren sind die Charaktere für mich wieder sehr gut gezeichnet und haben wieder dasselbe Gefühl hervorgebracht, wie beim ersten Band. Der Commissaire ist einen wieder ein Stückchen mehr ans Herz gewachsen, auch wenn dieser natürlich Ecken und Kanten hat. Ich kann auch den zweiten Band nur empfehlen, auch wenn er natürlich die ein oder andere Schwäche hat. Ich bin schon sehr gespannt auf den dritten Band.

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Commissaire Nicolas Le Floch soll im Auftrag des Polizeipräfekten einen heiklen Fall aufklären: Der ältere der beiden Söhne des Grafen de Ruissec ist in seinem Zimmer tot aufgefunden worden. Neben ihm liegen eine Pistole und ein Abschiedsbrief. Die Leiche des Selbstmörders sieht seltsam aufgebläht und entstellt aus. Dennoch geht der Vater von einem Selbstmord aus. Die Mutter des Verstorbenen ist jedoch anderer Meinung als ihr Mann und will unbedingt den Commissaire sprechen, und zwar heimlich in einem Kloster. Unmittelbar vor dem Treffen findet sie in einem geheimnisvollen Brunnen ihr Ende. Die gefährlichen Recherchen führen den jungen und sympathischen Nicolas Le Floch diesmal in die Welt des Theaters, der Klöster und des Hofes von Versailles. Nachdem ich schon vom Auftakt der Serie um den französischen Ermittler Le Floch, der im Paris der 1760er Jahre ermittelt, begeistert war, konnte ich es kaum erwarten, den zweiten Band zu lesen. Und was soll ich sagen? Ich wurde erneut nicht enttäuscht, der französische Autor und ehemalige Spitzendiplomat Parot hält das Niveau des Vorgängers problemlos. Nach einem Attentat auf Louis XV. wird Le Floch von seinem Vorgesetzten, dem Polizeipräfekten de Sartine, damit beauftragt, eine Aufführung in der Pariser Oper zu überwachen, da die Tochter des Königs diese besuchen möchte. Als am Ende des zweiten Aktes der Comte de Ruissec und seine Gattin die Nachricht erhalten, dass sich ihr Sohn in seinem Zimmer eingeschlossen und erschossen hat, scheint der Fall eindeutig: Selbstmord. Doch Le Floch zweifelt das allzu Offensichtliche an und beginnt zu ermitteln…. Der erste Fall führte Nicolas in die Welt der Bordelle und illegalen Spielsalons, jetzt ermittelt er in einer weiteren Parallellgesellschaft: in der Welt des Theaters. Und wie schon in seinem ersten Abenteuer muss der junge Ermittler auch hier Erfahrungen machen und sich Herausforderungen stellen, die ihm zuvor völlig unbekannt waren. Dass sein Vorgesetzter dabei scheinbar kein großes Interesse hat, die Wahrheit zu erfahren, sondern nur darauf bedacht ist, einen Skandal zu verhindern, macht die Aufgabe für den jungen Mann nicht unbedingt einfacher. Parot liefert mit „Commissaire Le Floch und der Brunnen der Toten“ eine äußerst gelungene Variante des klassischen „Locked Room Mystery“-Genres ab. Ein Mord in einem verschlossenen Raum, kein Mörder vor Ort, scheinbar ein unlösbares Rätsel, klassischer geht es kaum. Und wie schon in seinem ersten Auftritt reiht sich sein Ermittler problemlos unter seinen großen literarischen Vorbildern Poirot, Maigret oder Holmes ein. Das besondere an Le Floch sind dabei die Details, die sein Schöpfer immer wieder einfließen lässt und die, obwohl für den Fall oft unwichtig, doch zu der besonderen Atmosphäre des Romans beitragen. So erwähnt er beispielsweise beiläufig, dass die Kutschen der Adligen zu jener Zeit in der Regel nach Urin stanken, weil sich die Insassen während der Fahrt oft erleichterten. Durch solche Informationen erschafft er ein plastisches Abbild des vorrevolutionären Paris, das keine flache Kulisse, sondern eine pulsierende, lebenshungrige, aber oft auch alles verschlingende Metropole ist. Wenn es überhaupt einen Kritikpunkt gibt, dann ist er in der Person des Ermittlers selbst zu finden. Nicolas, der ja schon einige Erfahrungen gesammelt hat, ist oft immer noch naiv und ohne jeden Arg. Da hätte ich mir ein wenig mehr Entwicklung gewünscht, den ich denke, dass ein junger Mann, auch wenn er ein Landei ist, durch das Leben in Paris und seine Erfahrungen, die er schon gemacht hat, geprägt wird. Alles in allem ist auch der zweite Roman um Nicolas Le Floch ein historischer Kriminalroman, der Spannung, Atmospäre und glaubwürdige Charaktere in sich vereint und dabei nicht auf blutige und übermäßig brutale Szenen setzt. Für Fans klassischer Kriminalgeschichten ist auch dieser Band sicherlich einen oder mehrere Blicke wert. Der Roman ist unabhängig vom Vorgänger lesbar, allerdings ist es sicher nicht verkehrt, wenn man den ersten Band ebenfalls kennt, da sich Parot diesesmal weniger Zeit mit der Einführung der Protagonisten nimmt und diese als bekannt voraussetzt. Von mir gibt es diesesmal auch wieder 4,5 von 5 Louis d’Ors, denn der Roman war erneut ein wahres Lesevergnügen.

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Commissaire Le Floch soll als Vertreter der Polizei in der Oper für die Sicherheit der königlichen Familie sorgen. Deshalb ist er sofort zur Stelle als ein Bote in der königlichen Loge eine offensichtlich besorgniserregende Nachricht überbringt. Le Floch eilt zum Wohnsitz des Comte de Ruissec, wo er in der Lage ist, die Tür zu den Räumen des Sohnes der Familie zu öffnen. Der junge Mann liegt tot in seinen Gemächern. Die Umstände scheinen auf einen Selbstmord hinzuweisen. Das ist im Jahr 1762 allerdings eines der schlimmsten Vergehen, die ein Mensch begehen kann. Die Familie versucht daher den Todesfall als Unfall darzustellen. Die Untersuchungen des Commissaire Le Floch erweisen sich als schwierig. Polizeipräfekt Sartine erscheint etwas desinteressiert, was den jungen Ermittler ebenso misstrauisch macht wie die Spuren, die er an der Leiche gefunden hat. Natürlich macht er sich unter diesem Umständen um so hartnäckiger auf die Suche nach der Wahrheit. Gemeinsam mit seinem treuen Wachtmeister Bourdeau gelingt es Le Floch ein Komplott ungeahnten Ausmaßes aufzudecken. Gibt es etwa Zusammenhänge mit der politischen Situation des Jahres 1762 oder handelt es sich um ein rein familiäres Ereignis der de Ruissecs? Je tiefer Le Floch gräbt, desto verworrener werden die Hinweise. Schon bald gibt es eine weitere Leiche. In seinem zweiten Fall vermag Commissaire Le Floch ebenso zu überzeugen wie in seinem ersten. Der Autor versteht es aufs Beste das Paris des 18. Jahrhunderts zu beschreiben. Man hört die Kutschen, die Pferde, das Gemurmel der Menschen auf den Straßen, man meint die meist nicht gerade angenehmen Gerüche wahrzunehmen, die in den Gassen wabern. Man spürt die anheimelnde Atmosphäre, wenn Nicolas Le Floch im Kreise seiner Gönner und Freunde weilt. Man nimmt teil an den höfischen Intrigen und an der Tragödie der Familie de Ruissec. Nach und nach entfalten sich die Zusammenhänge. Geschickt werden die Handlungsstränge zunächst verflochten und dann wieder entwirrt. Dabei ist das höfische Leben und dessen Auswirkungen auf die öffentliche Ordnung immer gegenwärtig. Ein ruhiger Kriminalroman, der das Leben in Paris um 1762 detailliert und so lebendig beschreibt, dass man fast glaubt, es könne tatsächlich so zugegangen sein. Denjenigen, die des Französischen mächtig sind, kann gewiß auch die TV-Serie empfohlen werden, mit der bereits die ersten zwölf Teile der Reihe verfilmt worden sind.

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