Leserstimmen zu
Blutroter Sonntag

Nicci French

Psychologin Frieda Klein als Ermittlerin (7)

(12)
(11)
(5)
(0)
(1)
€ 15,00 [D] inkl. MwSt. | € 15,50 [A] | CHF 21,90* (* empf. VK-Preis)

Blutroter Sonntag - da könnte es um einen knalligen Sonnenaufgang gehen. Oder einen romantischen Sonnenuntergang. Aber weit gefehlt. Es handelt sich um einen Krimi mit Mord und Totschlag. Also meint blutrot genau das, was es meinen soll: Blut und rot eben. Und der ?Blutrote Sonntag" stellt das Ende einer Wochenserie dar, die mit "Blauer Montag" beginnt, als "Eisiger Dienstag" fortgesetzt wurde, über den "Schwarzen Mittwoch" zum "Dunklen Donnerstag" führte, der wiederum vom "Mörderischen Freitag" abgelöst wurde um Platz zu schaffen für den "Bösen Samstag". Und ganz ehrlich - ich bin froh, dass die Woche nicht noch mehr Tage hat. Auch wenn ich Montag bis Samstag nicht gelesen habe, so reicht der Sonntag, mir die gesamte Woche zu vergällen. Abgesehen von Plot, der derart wirr ist, dass man als Leser eigentlich nur den Kopf schütteln möchte. Am liebsten den des Autoren. Und ja - den der Übersetzerin gleich mit. Unter den Wohnzimmerdielen von Frieda Klein, ihres Zeichens Psychoanalytikerin, findet sich eine Leiche. Hä? Und wie bitte, kam die dorthin? Das fragt sich nämlich keiner. Zumindest nicht auf den ersten 100 Seiten, die mir mehr Pein bereiteten als ein veganes Frühstück. Es scheint auch niemand zu interessieren. Ist halt so. Dann ist es ausgerechnet auch noch der Privatdetektiv, den die Klein beauftragt hatte, ihren Widersacher Dean Reeve ausfindig zu machen. Obwohl der nach herkömmlicher Auffassung längst tot ist. Einzig Frieda - weiß Gott, einen langweiligeren Namen zu finden, war wohl nicht möglich. Und dann noch Klein! - hält ihn am Leben. Im Denken, Fühlen, Handeln. Nach dem Leichenfund, der die kleine Frieda keinesfalls davon abhält, wieder in ihr Haus zurückzukehren, werden ihre Angehörigen und Freunde drangsaliert und bedroht. Ach Gottchen. Tausendmal gelesen, tausendmal ist's gleiche passiert. So vorhersehbar. So platt. So phantasielos. Was Nicci French da zusammengeschustert haben, tut in der Übersetzung manchmal richtig weh. Die Übersetzerin scheint manche Formulierungen eins zu eins ins Deutsche übertragen zu haben. Statt sich an das heilige Motto der Schreiberlinge aller Genres zu halten: "Bilder müssen stimmen", vergewaltigt sie die deutsche Bildsprache. Da "blitzen Kameras" ? NEIN! Kameras blitzen nicht. Es sind die Blitzgeräte. Aber dann. Dieser Satz: "Hinter ihr folgten mehrere Anzug tragende Männer mit grimmigen, ernsten Mienen . . ." Bei so einem Satz gräbt sich mir die grimmige Miene einem Minenfeld gleich ins Gesicht. Ist die Frau nicht in der Lage, einen vernünftigen deutschen Satz zu formulieren? Wenn jemand folgt, dann befindet derjenige sich . . . na sagen wir mal ganz vorsichtig . . . in 100 Prozent der Fälle HINTER demjenigen, dem er folgt. Und "Anzug tragende Männer. . ." da tragen also Männer Anzug. Mal unterstellt, jeder der Männer trägt jeweils einen und nicht alle habe sich in ein einziges Exemplar gezwängt, dann stellt sich die Frage: Woher haben sie ihn? Haben sie den Anzug von der Wäscherei geholt? Tragen sie ihn über dem Arm, der Schulter, in der Einkaufstüte? Was die Autoren und auch ihre Übersetzerin sagen möchten, ist, dass die Männer mit Anzügen bekleidet sind. Aber, verdammt noch mal, warum sagen sie es dann nicht? Das sind nur einige Beispiele, deren Liste sich durchaus fortführen ließe. Nicci French ist ein Autorenehepaar, deren Pseudonym sich aus dem Vornamen von Nicci Gerrard und dem Nachnamen von Sean French zusammensetzt. Beide sind studierte Literaturwissenschftler. Aber warum lieber Schuster, bist du nicht bei deinen Leisten geblieben? Auf der Website des Goldmann Verlags wird ihre Arbeitsweise angerissen: "Jeder der beiden schreibt für sich allein." Danach, so heißt es weiter, überarbeite der Partner die Kapitel seines Co-Autors. Ehrlich gesagt merkt man davon nicht sehr viel. Vielmehr scheinen die Kapitel häufig aneinander geklatscht, ohne dass jemand auf Zusammenhänge achtete. Es stockt, es stottert; ein Lesefluss oder gar eine Leselust will bei diesem "Blutroten Sonntag" nicht aufkommen.

Lesen Sie weiter