Leserstimmen zu
Der achte Tag

Nicci French

Psychologin Frieda Klein als Ermittlerin (8)

(3)
(0)
(0)
(0)
(0)

Hier ist er also nun, der Abschluss der Frieda Klein-Reihe des englischen Autorenpaares Nicci Gerrard und Sean French. Seit 2011 verfolgen wir das Katz-und Maus Spiel zwischen Frieda, der Londoner Psychotherapeutin, und dem von ihr besessenen Psychopathen Dean Reeve. Er geht buchstäblich über Leichen, um an Frieda heranzukommen, und so ist es für jeden lebensgefährlich, sich bloß in ihrer Nähe aufzuhalten. So rücken immer wieder völlig Unbeteiligte in den Fokus des Killers, wie in diesem Fall Lola Hayes, die Studentin, die es sich nach dem Vorschlag ihres Dozenten in den Kopf gesetzt hat, ihre Seminararbeit über Frieda zu schreiben. Dazu muss sie aber mit ihr in Kontakt kommen. Gar nicht so einfach, den Frieda ist abgetaucht, um Reeves Nachstellungen zu entgehen. Aber dieser weiß schon, welche Knöpfe er drücken muss, um die Therapeutin aus ihrem Versteck zu locken, auch wenn dabei Menschen ihr Leben verlieren. Frieda ist die Einzige, die ihn stoppen kann, auch wenn sie dafür ihr eigenes Leben in den Ring werfen muss. Wie bereits in den vorherigen Bänden der Reihe entwickelt sich die Handlung langsam und bedächtig. Verschiedene Handlungsstränge und eine Vielzahl von Personen, die, wie es scheint, auf den ersten Blick keinen Bezug zu den zugrunde liegenden Ereingissen haben, entwickeln sich allmählich zu einer komplexen Story. Und hier kommt die Qualität des Autorenpaars deutlich zum Vorschein, die dadurch, dass sie jeder Figur eine entsprechende Hintergrundgeschichte mit auf den Weg geben, für Stimmigkeit sorgen und dem Leser das Gefühl vermitteln, zu keinem Zeitpunkt den Überblick zu verlieren. Auch wenn man das Gefühl hat zu wissen, wohin die Geschichte führt, gibt es doch genügend Überraschungsmomente, die keine Langeweile aufkommen lassen. Alles hat einmal ein Ende, und so gilt es, etwas wehmütig Abschied von einer spannenden Reihe zu nehmen, die mich über die Jahre begleitet hat. Wer Frieda noch nicht kennt, sollte das schleunigst nachholen. Aber bitte nicht mittendrin einsteigen, sondern mit “Blauer Montag”, dem ersten Band beginnen und sich dann chronologisch durch die Wochentage lesen. Spannende Unterhaltung ist garantiert!

Lesen Sie weiter

Das große Finale!

Von: Kaisu

13.11.2018

“Es war ein schöner, warmer Montagmorgen – zu warm für den Spätherbst -, und Charlotte Beck würde gleich die einzige wirklich dramatische Erfahrung ihres Lebens machen. Bereit war sie dafür nicht. Im Grunde fühlte sie sich für gar nichts bereit.” (Buchbeginn) Für diese Erfahrung wird wohl niemand bereit sein und jeder, der sie bereits gemacht hat, möchte das Laster gerne wieder abgeben. Sie wird Zeuge eines heftigen Unfalls. Ein Kleintransporter rast einen Hang hinunter, hinein in ein Schaufenster. Ein Paar wird darunter begraben. Er ist sofort tot, sie dagegen lebt noch und Charlotte hält sie in den Händen. Versucht den Blutstrom zu stoppen. Auch wenn diese Geste sinnlos scheint. Blutüberströmt übergibt sie diese kurz darauf an die Sanitäter und kehrt zu ihren Kindern zurück, die neben dem Unfallort warten. Mit offenen Mündern, starrend auf das Ereignis. Szenenwechsel. Pathologie. Die Sezierung der Leiche des Fahrers steht an. Doktor Franklin lernt ihre Studenten ein und bläut ihnen ein, sich niemals auf einen Polizeibericht zu verlassen. Sie müssen Dinge sehen, die andere nicht sehen. Was sie in diesem Fall auch machen. Der Mann hat nicht geblutet. Nach dem Aufprall hätte er eine Menge Blut verlieren müssen. Das machte er nicht. Was sagt uns das? Er war bereits tot. Noch ein Szenenwechsel. Ab in die Schule. An das Guildhall College der Universität von London. Eine junge Studentin sucht Rat bei ihrem Dozenten. Sie findet einfach kein Thema für ihre Seminararbeit. Da mag die Kriminologie noch so spannend sein, nichts reizte sie. Man macht ihr also den Vorschlag über Frieda Klein zu schreiben. Nicht einfach eine Biografie, nein, es sollte schon tiefer gehen. Begeistert nimmt Lola den Tipp an und stürzt sich in die Recherche. “Ich wünschte Sie wäre hier. Ohne sie ist es nicht dasselbe.” (S.107) Der Stein beginnt zu rollen. Denn Frieda Klein, ist wie vom Erdboden verschluckt. Untergetaucht. Lebt irgendwo ohne Kontakt zu ihren Liebsten. Warum macht sie das? Wenn man die Geschehnisse und ihren Charakter kennt, weiß man warum sie echt macht. Trotzdem schmerzt es den Freunden in der Seele. Zeitgleich sucht nun die Studentin Lola nach ihr. Klappert alles ab, Besucht Kollegen, Bekannte, Verwandte und versucht ihnen Informationen zu entlocken. Die aber keiner hat. Bis Lola eine Idee hat. Denn ein Mensch kann nie alle Laster ablegen. Wir haben also einen Unfall, der keiner war, also nicht im herkömmlichen Sinn, dann eine verschwundene Psychotherapeutin und eine Studentin, die wie ein Bluthund nach ihr sucht. Mittendrin versuchen Friedas Freunde ihr Leben zu leben und bereiten alles für eine Rückkehr vor. Die Polizei rauft sich die Haare, da immer mehr Leichen auftauchen und plötzlich ist da dieser Name im Raum, mit dem alles begann: Dean Reeve. “Interessant, dass du das sagst. Mir ist Dean Reeve immer wie ein Geist vorgekommen.” (S.138) Seit acht Bänden, genauer gesagt, seit 2012 verfolge ich diese Reihe und warte sehnlichst auf den Abschluss. Man wollte einfach immer wissen, wie das Autorenpaar alles enden lassen wird. Viele Varianten gab es da nicht: Frieda stirbt + Reese lebt, Frieda lebt + Reese stirbt, beide sterben, beide überleben, Frieda sieht wirklich Geister + Reese existiert nicht. Natürlich legt man sich seine eigene Version zurecht. Schließlich sympathisiert man mit diversen Charakteren und so bin ich mit der Version, die wir hier bekommen, absolut zufrieden. Sie passt zum Buch und dem Komplettwerk. Wer diese Reihe noch nicht kennt, sollte auf jeden Fall mit dem Auftakt starten. Abgesehen von der feinen Charakterentwicklung und dem Aufbau der Handlung, sollte man mit Frieda Klein zurechtkommen. Sie ist eigenwillig, stur und rechthaberisch. Gleichzeitig hat sie ein riesiges Herz und ist immer für ihre Familie da. Oh, und sie hat eine Katze! Die auch keinem Killer zum Opfer fällt. Dazu die kleinen biestigen Seitenhiebe auf Kriminalserien und Filme, die Nicci French hier einbauen. Perfekt. Denn wenn man glaubt, man weiß alles, kommt stets eine Frieda daher und belehrt einen des Besseren. Ein runder Abschluss, der die Geschichte um Frieda Klein absolut lesenswert macht!

Lesen Sie weiter

Kurze Zusammenfassung: Lola Hayes will ihre Semesterarbeit über Frieda Klein schreiben. Da Hayes mit ihren Recherchen nicht genug Stoff für eine Arbeit zusammen bekommt, möchte sie Frieda Klein interviewen, doch Frieda ist verschwunden. Nirgends findet sich eine Spur und Friedas Freunde halten entweder absolut dicht, oder wissen wirklich nichts. Gleichzeitig ereignen sich bizarre Morde in London. Ein Lieferwagen fährt in ein Geschäft und man stellt fest, dass der Fahrer schon lange vor dem Unfall selbst ermordet wurde, nicht weit entfernt geht ein Mann in Flammen auf, der auch schon lange vor dem Geschehen getötet wurde. Die Polizei tappt im Dunklen, findet weder eine Verbindung zu den Morden noch ein Motiv. Dann aber ergibt sich ein kleiner Hinweis, der in Frieda Kleins Richtung deutet. Währenddessen lässt Lola Hayes nicht locker und es gelingt ihr Frieda Klein zu finden. Doch Hayes war zu laut, hat zu viel gesprochen, war zu sichtbar, denn Dean Reeves hat sich an Lolas Fersen geheftet und nun säumen Leichen den Weg von Lola Heyes Recherchen. Frieda weiß, dass Reeves sie gefunden hat und mit seinen Morden die Schlinge um Friedas Hals immer enger zieht. Sie muss sich ihm stellen, bevor noch mehr Menschen ihr Leben verlieren .... Fazit: Ein klasse Finale. Frieda Klein ist sieben Bände lang einen Weg gegangen und dieser Weg kommt nun an sein Ende. Frieda wirkt in diesem Buch leer, ausgebrannt, des Kampfes müde und doch weiß sie, dass der wichtigste Kampf überhaupt noch bevorsteht. Lange hat sich Frieda versteckt, um ihre Lieben zu schützen, um irgendwie zu einem Plan zu kommen und während sie versteckt war, hat Reeves sie gesucht. Reeves Geduld ist nun zu Ende und er versucht Frieda mit Botschaften aus ihrem Versteck zu locken. Frieda ist die Einzige, die seine Botschaften versteht und in Frieda wächst die Bereitschaft die Geschichte mit Reeves zu einem Ende zu bringen, egal wie das Ende aussieht. In den vorangegangenen Büchern war Frieda immer irgendwie mit ihren Freunden und ihrer Familie beschäftigt, immer dabei etwas zu regeln oder wieder ins Lot zu bringen. Sie stand in Kritik oder unter Beschuss und hat sich mit dem was passierte aktiv auseinander gesetzt. Hier ist Frieda nun still, fokussiert auf die letzte Tür an die Reeves, oder sie selbst, klopfen werden. Friedas Lebendigkeit und geistige Frische sind fast gänzlich verschwunden und sie ist nur auf das Überleben reduziert, fast marionettenhaft kämpft sie sich durch die Tage im Untergrund. Da Frieda Klein in ihren Äußerungen und Regungen so reduziert erscheint, wirken die Taten Reeves und Lola Hayes Handlungen umso deutlicher. Je leiser Frieda ist, desto lauter empfindet man Lola, je weniger Frieda in Aktivität kommt, desto brutaler und fordernder wirkt Reeves. Ich hatte das Gefühl, dass mir Frieda schon vor dem Finale entgleitet, es fand ein Abschiedsschmerz statt, obwohl noch viele Seiten zu lesen waren. Ich hatte fast den Eindruck, als würde Nicci French wissen, dass der Leser Frieda nicht loslassen möchte, so wird eben der Leser von Frieda Klein losgelassen. Die Frieda Klein-Reihe war vom ersten Band an eine unheimlich packende Reihe und findet hier ihren würdigen Abschluss. Trotzdem würde ich aber Freudentänze hinlegen, wenn irgendwann doch ein neunter Band erscheinen sollte.

Lesen Sie weiter