Leserstimmen zu
Das Stunden-Buch

Rainer Maria Rilke, Gotthard Fermor

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Hardcover
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Das Buch der Pilgerschaft ist der zweite Teil des Stundenbuches von Rainer Maria Rilke. Er schuf seinen Gedichtzyklus in insgesamt drei Teilen. Seine Gedichte aus dieser Reihe, weisen alle einen religiösen Bezug auf. Er lehnte sich dabei an die Stundenbücher des Mittelalters an, welche sehr aufwendig gestaltet waren und Gebete und Andachten enthielten. Das Wort Stundenbuch kommt von der Praxis, dass man mehrere Gebete pro Tag betete, die einige Stunden auseinander liegen. Inspiriert zu dem Werk, wurde Rilke auch stark von seiner Russland-Reise, bei der er die orthodoxe Lebensweise kennenlernte. Außerdem hat er sich beim Schreiben direkt auf seine Empfindungen und Sehnsüchte bezogen. Es ist also ein sehr gefühlvolles Buch, was weniger von Außen beeinflusst wurde, als von Innen. Da in seinen Gedichten sehr viel steckt, wäre sicher auch eine literaturtheoretische Betrachtung interessant. Er wurde wahrscheinlich auch von Nietzsche und russischen Zeitgenossen beeinflusst. Ich habe aber auf Anhieb nicht so viele Informationen über sein Werk gefunden. Es scheint, dass es durch den religiösen Kontext etwas weniger beachtet und bekannt ist, als seine anderen Werke. Man braucht aber gar keine Angst vor dem religiösen Thema zu haben. Ich finde das Ganze ist ein sehr interessanter Einblick auf mehreren Ebenen. Zum einen als spirituell, meditative Suche eines Individiums, zum anderen auch als Abbild und Gedankenbilder der russisch orthodoxen Gesellschaft dieser Zeit. Rilke dichtet in seinem Stundenbuch wundervoll poetisch, es ergibt sich ein Klang und eine Sehnsucht, die man auf jeder Seite spürt. Es sind spirituelle Gedichte, die aber nicht protzen, sondern sich auf die innere Wahrnehmung beziehen und darum auch durchaus nicht nur christliche Menschen ansprechen. Seine Poesie ist ungeheuer kraftvoll und schön. Ich glaube dieser Abschnitt, beschreibt gut Rilkes Verhältnis zu Gott und gibt den Takt seiner Gedichte an. Er spricht über inneres Empfinden, aber auch über das Pilgern, über Dörfer und Kirchen und wird dabei auch oft kritisch. Innere Wahrnehmung der Religiosität und äußeres Erleben der religösen Gesellschaft, steht im Wechselspiel und Kontrast. Seine Gedichte haben einen meditativen Charakter. Dazu passt auch schön die beiliegende CD. Man kann die Augen schließen und den Worten mit dem Herzen folgen. Nach einem größeren Abschnitt, gibt es immer eine Pause, die mit Musik untermalt ist. Die Gedichte haben nun Zeit und Raum, zu klingen und nachzuhallen. Das Buch ist nach Abschnitten eines Weges gegliedert. Die Gedichte als einen Weg zu sehen, gefällt mir sehr gut und fühlt sich hinsichtlich der Pilgerschaft auch sehr passend an. Wenn man doch lieber liest, wird man von stimmungsvollen schwarz-weiß Fotografien begleitet. Die Fotos sind in Worpswerde entstanden, denn in dieser Region, genauer im Nachbarort Westerwede, hat Rilke tatsächlich das Stundenbuch geschrieben. Der Band ist auf jeden Fall eine erweiterte Form der lyrischen Begegnung und gibt den Gedichten neuen Raum, sich noch besser zu entfalten. Auch das Vorwort und die Einleitung fand ich sehr gelungen. Wer sich für Rilkes Stundenbuch interessiert, dem ich würde ich empfehlen, zuerst eine Leseprobe zu lesen und dann zu schauen, ob man den religiösen Stil mag. Wer offen dafür ist, kann sicher einige schöne Gedanken und Anregungen finden.

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