Leserstimmen zu
Das Buch vom Meer oder Wie zwei Freunde im Schlauchboot ausziehen, um im Nordmeer einen Eishai zu fangen, und dafür ein ganzes Jahr brauchen

Morten A. Strøksnes

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Das Buch vom Meer oder Wie zwei Freunde im Schlauchboot ausziehen, um im Nordmeer einen Eishai zu fangen und dafür ein ganze Jahr brauchen. Das ist die „Handlung“ des Buchs. Und da dieser „Roman“ auf wahren Tatsachen beruht und die beiden (menschlichen) Hauptpersonen, Morten A. Strøksnes und Hugo Aasjord, noch leben, kann man sich denken, dass es nicht sonderlich dramatisch wird. Das muss es auch nicht, denn rund um diese Rahmenhandlung erfährt der Leser einiges über Hugo, den Eishai, norwegischen Wal- und Fischfang und noch viel mehr. Und dabei legt der Autor einen sehr angenehmen Witz an den Tag, so dass sonst trockenes Wissen auf sehr heitere und verständliche Art an den Leser gebracht werden. Allerdings ist das Wissen manchmal eher aus der Kategorie „Unnützes Wissen (Australische Surfer tragen kein orange und gelb weil Haie darauf aggressiv reagieren, Nordnorweger mögen den Geschmack von Makrelen nicht …) Und während der Leser mit Wissen über des Meer unterhalten wird versuchen zwei Freunde im Schlauchboot einen Eishai zu fangen. Ach ja, ein Schottisches Hochlandrind spielt auch eine Rolle. Das Buch vom Meer ist kein Sachbuch, aber auch kein Abenteuerroman, und doch wird es nie langweilig (obwohl auch nicht wirklich etwas passiert). Absolut lesenswert.

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Lange habe ich kein Buch mehr so verschlungen wie dieses. „Das Buch vom Meer oder Wie zwei Freunde im Schlauchboot ausziehen, um im Nordmeer einen Eishai zu fangen, und dafür ein ganzes Jahr brauchen“ von Morten A Stroksnes ist eine ganz tolle Story von Freundschaft, Ausdauer und Mut. Angereichert von Geschichten hinter der Geschichte und einem Füllhorn an Wissen über das Meer und seine Bewohner. Und darum geht es: Wie der Untertitel schon verrät, wollen der Autor und sein Freund Hugo vor den Lofoten einen Eishai fangen. Weil dieser seltene Fisch einem aber mal nicht so eben an den Haken geht, bedarf es einer gründlichen Vorbereitung. Man benötigt den richtigen Köder. Das Wetter im äußersten Norden Norwegens muss stimmen. Und die beiden Freunde und Hobbyangler müssen das Vorhaben nicht nur mit ihren Jobs in zeitlichen Einklang bringen. Sie müssen auch mit den Marotten des anderen klarkommen. So vergeht also ein Jahr. Von „Moby Dick“ zum Eishai Doch was macht der Autor, wenn die Eishaiangelei gerade auf Eis liegt? Er schreibt übers Meer. Und das so spannend, so anschaulich und so informativ, dass man die Geschichten förmlich aufsaugt. Ich habe beim Lesen immer wieder gestaunt, wie Morten A Stroksnes es mühelos schafft, die Genres Roman und Sachbuch in seinem Werk zu vereinen. Was er – quasi nebenbei – an Wissen über das Meer als Lebensraum, als Gegenstand in Kunst und Literatur, als unverzichtbaren Teil der Erd- und damit unserer Geschichte vermittelt, ist grandios. Zwangsweise streift er dabei Themen wie Mythologie und Naturwissenschaften, Walfang und Überfischung, Umweltschutz und Klimawandel. Er zieht Vergleiche und zitiert aus vielen Klassikern der Literatur. Unter anderem aus Herman Melvilles „MobyDick“ oder Jules Vernes „20.000 Meilen unter dem Meer“. „Das Buch vom Meer“ ist wie der Mahlstrom Stark wie der Sog des Mahlstroms, in dessen Nähe der Autor und sein Freund den Eishai jagen, sind die maritimen Geschichten im „Buch vom Meer“. Die Storys von Fischen, Forschern, Seeungeheuern und Schiffen ziehen den Leser in ihren Bann. Mal poetisch, mal philosophisch, mal abenteurlich und mal wissenschaftlich geschildert. Doch nie langweilig! Stroksnes ist mit dem Werk eine Hommage, ja eine Hymne an das Meer gelungen. Wer sich so akribisch und umfassend mit dem 71 Prozent der Erdoberfläche bedeckenden Gewässer auseinandersetzt, der muss es wirklich lieben. Und wer das Meer liebt, wird auch dieses Buch lieben.

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Vorweg: Es handelt sich hier nicht um einen Roman im engeren Sinne. Es ist ein Sachbuch, als Roman verpackt. Und doch beruht es auf einer wahren Begebenheit. Morten und sein Freund Hugo haben Großes vor. Hoch oben im Norden, im Vestfjord, ca. 100 km nördlich des Polarkreises, wollen sie einen Eishai fangen. "Der Eishai ist ein Urzeitwesen, das am Grund tiefer norwegischer Fjorde bis hinauf zum Nordpol schwimmt." Er ist der größte fleischfressende Hai der Welt und kann bis zu 200 Jahre alt werden. "In etwas fünfhundert Metern Tiefe ist es stockfinster. Dort ist keine Fotosynthese mehr möglich, für Pflanzen ist hier endgültig Schluss. In dieser Tiefe lebt der Eishai." Die Überresten eines schottischen Hochlandrindes (als Leckerbissen für den Hai), 350 Meter Seil und sechs Meter Kette sind notwendig, um den Hai an den Kragen zu gehen. Die Haut des Haies ist so rau, dass sie nur einer Kette stand hält, wenn der Hai unten um sein Leben kämpft. Wenn man den Eishai gegen die Schwimmrichtung streichelt, würde man sich seine ganzen Finger aufschneiden, da "die Haut des Eishais mit einer Art Zähnchen bedeckt [ist], die scharf wie Rasierklingen sind." Nicht nur das Wetter, die Kälte und der Eishai stellen die Geduld der Männer auf die Probe. Auch die Macken des anderen auszuhalten, will geübt sein. War das ganze Unternehmen doch anfangs nur für 3 Tage geplant. Morten A.Strøksnes nimmt uns mit an und auf das Meer. Erzählt von den Bewohnern an der Küste und dann immer wieder ganz wissenschaftlich und doch auch poetisch von den Bewohnern im Meer. Aber wir erfahren hier auch jede Menge über Evolutionsbiologie, Geschichte, Philosophie, Geologie. Keine Wissenschaft wird ausgeklammert. "Wenn wir alles zusammennehmen, was wir über die Tiefe und Flächenausdehnung des Meers wissen, dann folgt daraus, dass die gesamte Landmasse der Erde - alle Gebirg, Hügel, Felder, Wälder, Wüsten, ja, auch alle Städte und alles von menschenhand Erschaffene - problemlos im Meer Platz finden könnten. Die Durchschnittshöhe der Landmasse beträgt nur achthundertvierzig Meter. Selbst wenn wir denn gesamten Himalaja an der tiefsten Stelle des Meeres versenken würden, erklänge bloß ein lautes Platschen, dann würde die Gebirgskette sinken und spurlos verschwinden. Im Meer ist so viel Wasser, dass alle Kontinente kilometertief unter Salzwasser liegen würden, sollte sich der Meeresboden an die Oberfläche heben. Nur die Gipfel der höchsten Gebirgskette würde aus dem Wasser ragen." Meine Meinung: Es ist eine Liebeserklärung ans Meer. So poetisch und weich erzählt, so voller Ruhe. Es ist kein Buch, was man mal so eben wegliest. Diese Ruhe, mit der er es erzählt, hat auch mich immer wieder zur Ruhe angehalten. Es sind so unheimlich viele interessante Informationen. Und dass er von so vielen Wissenschaften etwas einfließen lässt, macht es eben auch so spannend. Ich würde Euch am liebsten ganz vieles zitieren. Wie die Großgrundbesitzer sich untereinander das Meer aufteilten, vom Blauflossen-Thunfisch, der sechzig Stundenkilometer erreicht. Von der wahren Geschichte des Moby Dick. Wie die RNA- und die DNA-Moleküle letztlich festlegten, ob wir eine Blume, ein Fisch oder ein Mensch wurden. Und trotz all des Wissenschaftlichen so leicht erzählt. Nicht nur für die leicht verständlichen Fakten und die wunderbare Sprache (hier auch ein dickes Danke an die Übersetzerinnen, die tolle Arbeit geleistet haben), sondern auch für die Idee, das Sachbuch in einen Roman zu verpacken, gibt es von mir 5 Sterne

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„Die größten Entdeckungen warten im Meer.“ Zitat, Seite 21 In den Tiefen des Nordatlantiks lauern sie: die sagenumwobenen Eishaie. Es ist der gemeinsame Traum von Morten A. Strøksnes und Hugo Aasjord, einen von ihnen zu fangen. Ein schwieriges Unterfangen, das absolute Windstille erfordert und den Launen der Natur unterliegt. Denn das Gebiet zwischen dem norwegischen Festland und den Lofoten ist unberechenbar: das Warten auf Windstille erfordert Geduld. Voller Tatendrang fahren die beiden Freunde raus aufs Nordmeer und beobachten beim Warten das Schauspiel der Natur: sie lauschen dem sanften Flüstern und der peitschenden Gischt des Meeres, atmen die salzige Seeluft ein und blicken in das unergründliche tiefe schwarze Meer, das so viele Geheimnisse in sich birgt. „Die Moleküle setzen sich in schwindelerregendem Tempo zu ständig neuen Variationen zusammen, so wie sich Buchstaben zu neuen Wörtern fügen, um dann zu Sätzen und am Ende zu ganzen Büchern werden. Stellt man sich die Wassermoleküle als Buchstaben vor, könnte man sagen, dass das Meer alle Bücher enthält, die jemals in bekannten oder unbekannten Sprachen geschrieben wurden.“ Zitat, Seite 135 Die Insel Skrova, die zur beeindruckenden Inselgruppe der Lofoten zählt, wird dabei zum Ausgangspunkt des Haifangprojekts. Hier gewährt ihm sein Künstlerfreund Aasjord Unterschlupf in der ehemaligen Fischfabrik Aasjordbruket, die er gemeinsam mit seiner Ehefrau Mette zu einem Kulturzentrum umbaut. Doch die anfängliche Euphorie, eins der ungeheuerlichsten Meereswesen ins Netz zu bekommen, ebbt über die Zeit ab. Das kleine Schlauchboot der beiden Freunde scheint den unberechenbaren Strömungen des Nordmeeres nur bedingt standzuhalten und lässt sie ihr Unterfangen langsam aber sicher in Frage stellen. „Das tiefe, salzige, schwarze Meer brandet uns entgegen, kalt und gleichgültig, ohne jede Empathie. Es ist sich selbst genug, es braucht uns nicht, es schert sich nicht um unsere Hoffnungen, unsere Ängste – und schon gar nicht um unsere Beschreibungen. Die dunkle Masse des Meeres ist von überlegener Kraft.“ Zitat, Seite 216 Während die Wellen die Sagen und Mythen des Meeres an ihr Boot spülen, erzählt Strøksnes unterdes vom schier unermesslichen Facettenreichtum der Meeresbewohner, von mutigen Polarforschern, Walfängern, Kartografen und vom harten Alltag der norwegischen Inselbewohner. Auch vor der Brutalität des Walfangs, der Überfischung der Meere und der unerschütterlichen Jagd auf die Eishaie macht er keinen Halt und würzt sein Werk mit grausamen Wahrheiten. Der Norweger erweist sich über sein gesamtes Werk als sensibler und aufmerksamer Beobachter. Durch seine detailgetreuen und farbenfrohen Beschreibungen erwacht nicht nur das Insel- und Meerestreiben zum Leben, sondern macht „Das Buch vom Meer“ auch zu einer abenteuerlichen Entdeckungsreise. Es liest sich daher wie eine Mischung aus Sachbuch und Belletristik. Der unterhaltsame Ton des Autors hilft dem Leser dabei über so manche Flut an naturwissenschaftlichen Informationen hinweg. Es ist ein Sehnsuchtsbuch. Ein Buch, das vor Leben sprudelt und die Faszination um das Meer in sich trägt. Strøksnes schenkt uns mit seinem Werk sowohl eine Meeresenzyklopädie als auch einen lebendigen Reiseführer. Es reserviert dir einen Platz auf dem Schlauchboot und katapultiert dich unvermittelt raus aufs Meer. Damit bin ich meinem Wunschreiseland Norwegen schon ein kleines bisschen näher gekommen. „Das Meer ist der Ursprung aller Dinge. Wellen einer weit zurückliegenden Urzeit durchströmen uns wie das leise Echo eines sanften Plätscherns in einer unzulänglichen Höhle am Meer. Manchmal, wenn wir bei einem starken Sturm am Ufer stehen, hat es den Anschein, als verlangte uns das Meer zurück.“ Zitat, Seite 163

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Gleich der Einstieg in "Das Buch vom Meer" gelang mir mühelos und ich fand mich sehr schnell in die Handlung ein. Beide Protagonisten waren mir von Anfang an sympathischen. Man merkte förmlich, wie sehr sie das Meer liebten und auch von seinen Bewohnern fasziniert waren. Gleichzeitig spürte man aber auch ihren Respekt vor dem Meer als Naturgewalt. Die Sprachen von Stroksnes ist schön und flüssig, Schnörkel werden nur minimal gesetzt, immer dann, wenn es um Mythen und Legenden geht. Wer bei "Das Buch vom Meer" jedoch einen reinen Roman erwartet, liegt hier falsch. Vielmehr ist das Buch eine Mischung zwischen Roman und Sachbuch, da der Autor hier auf informative Weise versucht, Wissen über das Meer und die Evolution seiner Bewohner sowie einige Mythen und Legenden zu vermitteln. Die Jagd nach dem Eishai bietet nur den Rahmen. Daher ist ein Spannungsbogen nur dezent gesetzt. Jedoch wird immer wieder die Frage aufgeworfen, wann und ob es den beiden Protagonisten überhaupt gelingt, einen zu fangen. Das Cover des Buches ist blaues Leinen, in das in Dunkelblau der Umriss eines Hais sowie ein Boot mit zwei Menschen und auf der Rückseite ein Fisch geprägt sind. Insgesamt passt das Cover sehr gut zur Handlung und verleiht dem Buch gleichzeitig auch einen Touch Vintage, da es sich anfühlt, wie sich ältere Bücher anfassen. Alles in allem hat mir das Buch einige schöne Lesestunden beschert und bekommt daher 5 von 5 Sternen und eine absolute Leseempfehlung, gerade für Menschen, die das Meer lieben.

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Zwei die loszogen um einen Eishai zu fangen. Ganz ehrlich? Ich hatte noch nie von einem Eishai gehört, bezweifelte zunächst dessen Existenz und fand dann heraus, dass er auch „Grönlandhai“ genannt wird. Erzähler ist der Autor selber, der sich mit seinem Freund und Künstler Hugo Aasjord auf den Weg macht, einen Eishai zu fangen. Ich musste ein wenig recherchieren, um herauszufinden, dass dies eine wahre Begebenheit und ein langwieriges Unterfangen war. Den Künstler Hugo Aasjord gibt es wirklich. Zu all dem hätte ich mir einfach ein Vorwort des Autors gewünscht. Über ein Jahr fahren die beiden bei jeder sich bietenden Gelegenheit und einigermaßen guten Wetterverhältnissen aufs Meer bei den Lofoten hinaus um zu „jagen“. Dieses Jagen mutet aber oft eher wie eine meditative maritime Spazierfahrt an. Man hat viel Zeit zum nachdenken in der gewaltigen Natur. Der Autor Morten A. Stroksnes kommt erzählend von einem ins andere, zum Beispiel was mit der Suche nach dem Kadaver eines Schottischen Hochlandrindes (zur Haifütterung) beginnt führt über Abhandlungen zu verschiedene Pflanzen, Singvögel, Landschaftsbeschreibungen, einen Opferaltar, Fäulnisgase der Wale und Fischereibetriebe bis zur Fundstelle um den Köder für den Eishai zu entnehmen. Diese „abschweifenden Gedanken“ und das Sachwissen zu allen möglichen Themen rund ums Meer, Ozean, Fischen, Tiefsee und Küsten lassen sich unterhaltsam lesen. Der Eishai ist praktisch Hauptdarsteller dieser Erzählung: Das Fleisch giftig, stinkt wie Urin und nach seinem Verzehr fällt man in einen alkoholähnlichen Rausch. In Island gilt es als „Hakarl“ als eine Delikatesse. Eishaie werden heute erforscht, sie werden mit Sendern ausgestattet, um ihre Bewegungen aufzuzeichnen. Sie sind blind durch eine bestimmte Art von Parasiten in den Augen. Es gibt schöne Beschreibungen über das Meer, wie es vom Autor und seinem Freund empfunden wurde. Das Rausfahren in den Vestfjord, das Meer, die Natur, die Gespräche, das Schweigen. Sie genießen die Augenblicke, ob stürmisch oder ruhig. Zitat S.107: „Das Meer ist kalt und aufgewühlt, der Regen peitscht die Wellen so stark, dass sie weiß werden und geräuschvoll an Land rollen. See und Himmel bilden einen gehetzten Kreislauf.“ Zitat S.126: „Die Stunden vergehen. Wir sind mit uns und der Welt zufrieden, und ich habe nicht den Wunsch, irgendwo anders zu sein. Die Landschaft ist nichts, was vor mir liegt und was ich hinter mich bringen muss. Nein, sie ist um mich herum und unglaublich präsent – mitten in diesem physischen Strömungen vor dem Leuchtturm von Skrova und weit entfernt von den Informationsströmen, in denen wir uns normalerweise bewegen“. Zitat Seite 259: „Wir unterhalten uns gelegentlich, sitzen ansonsten aber schweigend da. Schweigen wird von uns fast nie als bedrückend erlebt, und das mag durchaus als Definition für Freundschaft taugen.“. Überhaupt bietet das Buch eine wahres Füllhorn an maritimen Wissen. Hier eine kleine Auswahl in loser Reihenfolge: Erwähnt wird der Maler Christian Krogh beim imposanten Anblick der Lofoten: Von dieser Großartigkeit überwältigt, weiß er fast nicht, wie er das malen soll, er hat keine adäquaten Farbtöne und weiß nicht, wo er ansetzen soll. Zitat Seite 46: „Die Erhabenheit und Größe wiederzugeben, ebenso wie die unerbittliche, unbarmherzige Ruhe und Gleichgültigkeit der Natur.“ Michael Sars und Sohn Georg Ossian waren Meeresforscher unter einfachsten Bedingungen, norwegische Forschungsschiffe wurden nach ihnen benannt. Vieles wird über die Tiefsee erzählt. Hier ein Zitat auf Seite 56: „In der Tiefe blinkt und glüht es allenthalben. Da dort unten mehr Arten leben als an Land, ist die Verständigung über Leuchtsignale die wohl verbreitetste Kommunikationsform auf der Erde.“ Auch über Märchen und Sagen wird sich dem Meer genähert. Christian Asbjornsen wurde durch seine entsprechenden Sammlungen an Volksmärchen berühmt. Oder die „Carta Marina“, in der damaligen Zeit durchaus real und bestimmt nicht als Märchen gedacht. Olaus Magnus schrieb die Geschichte der nordischen Völker und spann Seemannsgarn, und zeichnete 1555 in die Carta Marina die „Standtorte“ der Seeungeheuer ein, auch vor Deutschlands Küsten gab es eines. Dazu gab er praktische Ratschläge und Tipps, diese Ungeheuer, Meerjungfrauen und Meermänner zu besiegen. Ein weiteres Thema der Wind: man schrieb dem Wind bestimmte Eigenschaften zu und es früher gab es Windbeschwörer. Meteorologen kennen acht Windrichtungen, und auf der Insel Senja gibt es 30 lokale verwendete Begriffe für unterschiedliche Windarten Es gibt alle denkbaren Informationen über Wale z.B. Finnwale hören sich nur auf bestimmten Frequenzen. Leuchttürme: Für einsame Leuchtturmwärter gab es Wanderbibliotheken. Die norwegische Leuchtturm-Erbauer- Familie Mork wird vorgestellt und der Pendand dazu die schottischen Leuchtturmbauer-Familie Stevenson. Ja, die Familie des Robert Louis Stevenson der das Buch „die Schatzinsel geschrieben hat. Es gibt auch unerwartete Sätze und Beschreibungen mit subtilen Humor wie der „Besenstielmord“ oder ich sage nur die „NASA und der Walspeck“. Oder kurioses wie die „WM im Kabeljaufischen“. Es wird natürlich auch auf die Umweltverschmutzung der Meere eingegangen, auf die riesigen Plastik-Strudel die es in den Ozeanen gibt und wie der Schiffsverkehr die Navigation der Wale erschwert. Ich musste dabei an das Buch von Janice Jakeit „Row for Silence“ denken. Das passt auch gut zu dem Thema Unterwasserlärm. Sie berichtet von einer Nacht, in der sie Geräusche wie Schmirgelpapier unter ihrem Boot hörte: Haie. Die Verbindung dazu: Morten A. Stroksnes beschreibt wie Schmirgelpapier aus Eishaihaut nach Deutschland exportiert wurde. Zudem werden ganz viele Namen genannt: Kartographen, Forscher, Maler, historische Berühmtheiten, Sammler, Namen aus der Mythologie und und und. Es gibt gefühlte hunderte Literaturhinweise (ich liebe Literaturhinweise!) und diese sind auch am Schluss nochmal zusammengefasst. Ich habe mir überlegt, ob ich diese Stichwörter hier erwähnen soll oder nicht. Sie hören sich vielleicht langweilig an und manch einer denkt sich „das interessiert mich eigentlich nicht“. Der Clou an der Sache aber, dass dies im Buch während des Lesens gar nicht auffällt, weil es kurzweilig und erhellend geschrieben ist. Deswegen möchte ich die Liste nun doch hier anfügen: Hier nur kurze Stichwörter zu Themen, die angesprochen wurden: Seestern „Brisinga endecacnemos“ (S.51), benannt nach dem Halsschmuck der Brisingamen Ernst Haeckel (Zoologe, Philosoph und Freidenker) Mehr Menschen im All als in der Tiefsee Herman Melville - Moby Dick Ambra/Amber Anziehungskraft des Meeres Jagd nach Seewölfen Kabeljauzungen Espenholz fault nicht in Salzwasser Alte Fachbegriffe wie Skytinga und hogginga und seltene Wörter wie siybarturn (90) Thunfische im Vestfjord (S.88) Australische Surfer mögen kein orange und gelb wegen Haien (S.102) Nordnorweger essen keine Makrelen wegen dem Geschmack !? (S.105) Vergleich: Neue Raumsonden werden mit Sonnensegel zur Energiegewinnung gebaut, erinnern an Segelboote, Meeresgott Okeanus Raumsonde Rosetta sucht nach Wasser auf anderen Planetn (S.133) – Warum gibt es im Universum Wasser? Elefant Topsy wird hingerichtet, Thomas Edison (S.154) “Electrocuting an Elephant” Mythologie Meerdraug (?) Kaffeekabeljau, wenn Kabeljau über 30kg wiegt gibt die Zeitung Lofotenposten als Belohnung ein Päckchen Kaffee (S. 200) und vielleicht noch einen kleinen Bericht. Kabeljau- und Eishaileber eignen sich hervorragend zur Herstellung langlebiger Farbe für Holzhäuser (S.225) Lutefisk + Stockfisch (S. 226+227) Johan Hjort: norwegischer Zoologe Pytheas entdeckt eine neue Insel und nennt sie Thule Seelilienexepert Philip Herbert Carpenter Charles Wyville Thomson Herstellung verschiedener Transorten und Verwendung Originell fand ich auch die ironischen Bemerkungen und „das auf den Arm nehmen“ der beiden Freunde mit trockenstem Humor. So eine Art Freundschafts-Dialog entsteht nur, wenn man sich lange und tief genug kennt und nur so kann wahrscheinlich auch diese Idee geboren worden sein, einen Eishai zu jagen. Die Jagd nimmt mit den Köderresten aus der Kabeljau-Leber ein Ende. Diese Köderreste sind manche Erwähnung wert und tatsächlich interessant. Man kann es eigentlich nicht vergleichen, aber beim Lesen über den Fischfang und die Methoden musste ich an die Doku-Serie „Der gefährlichste Job Alaskas“ denken, hier gehen Königskrabbenfischer ihrer Arbeit in der Beringsee nach. Ich fragte mich während des Lesens, was ist das eigentlich für ein Buch? Eine Erzählung? Eine wahre Geschichte? Ein Abenteuer? Eine Erfahrung? Ein bisschen Autobiografisches? Ein Sammelsurium an maritimen Fakten und Hintergründen? Diese ganzen Informationen, Kleinigkeiten, Begebenheiten, alles aneinandergereiht wie „Wissens“-Perlen wie auf einer Schnur, ein ewiger Kreislauf? Morten A. Stroksnes berichtet von einem ins andere, schafft Verbindungen, erklärt Sachwissen auf verständliche Art und wie nebenbei. Überhaupt hat der Erzählton seinen ganz eigenen Reiz. Zum einen merkt man gar nicht, dass man sich so viel Sachwissen anliest, zum anderen wird die Küstenlandschaft vor den Lofoten und dem Vestfjord so beschrieben, dass man meint das Meer schon zu riechen. Allerdings sollte ein generelles Interesse an Sachwissen zu allerlei maritimen Themen da sein, ansonsten besteht die Gefahr, dass es zu viele Längen gibt und man einige Textpassagen „überfliegen“ will. Die Handlung selber, die Jagd nach dem Eishai wird nicht allzu oft erwähnt, ist aber im Hintergrund stets präsent. Der feine Spannungsbogen besteht aus der Frage, ob und wie es ihnen gelingt, den Eishai zu fangen. Es ist eher eine Art behäbige und ruhige Dokumentation der Geschehnisse, auch wenn sie mal gerade nicht auf dem Meer sind. Ich würde empfehlen, dieses Buch bedächtig und genussvoll zu lesen, ja, man kann es sich sogar gut häppchenweise gönnen. Da all dieses Sachwissen unterhaltsam und gut verständlich ist, eignet es sich nicht nur für Interessierte rund ums Thema Meer, Fische, Norwegen, Boote, sondern auch für Laien, die etwas dazu lernen wollen. Tja, die Sterne. Wie viel kann ich geben? Schwierig. Wenn ich es als Roman sehe, kann ich wahrscheinlich nur 2-3 Sterne vergeben, weil die Spannung durch zu viele Unterbrechungen auf der Strecke bleibt, weil es zu viel Ablenkung gibt. Das Thema mit dem Fangen eines Eishais spielt sich dezent im Hintergrund ab, bildet praktisch nur den „Aufhänger“ für all das Sachwissen zu vermitteln. Wer einen Abenteuer- oder Erfahrugsroman erwartet, liegt komplett falsch. Dennoch sind die Themen kurzweilig und der Erzählton einnehmend. Wenn ich als Sachbuch sehe, würde ich es als erzählendes Sachbuch sehen und da kann ich gut und gerne 5 Sterne vergeben, weil es auf ruhige, aber unterhaltsame Art Wissen vermittelt. Bei amazon wird es unter der Kategorie Abenteuer und Reiseberichte geführt, dem kann ich aber gar nicht zustimmen. Ich würde es also in die Kategorie Sachbücher einordnen. Ich entscheide mich nun für einen Mittelweg und vergebe vier Sterne.

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Als ich den Titel las, dachte ich, noch so ein „Hundertjähriger-der-aus-dem-Fenster-stieg“ Ableger? Och nö! Wieder so eine quasi-lustige Kopie des Bestsellers, als würde die Kreativität der Verlage darnieder liegen. Aber nun, warum nicht das verkaufen, was gut läuft. Doch als ich das Buch in einem Buchladen in der Hand hielt, waren alle Bedenken dahin. Schon optisch und haptisch ist das Buch ein Genuss. Der stilisierte Hai ist wie in einem Relief in den Buchdeckel geprägt. Das Buch hat ein ungewöhnliches aber nicht unangenehmes Format. Bei dem erzählenden Teil dieses überraschenden Buches, schreibt der Autor über zwei Freunde die einen Eishai fangen wollen, vor den Lofoten, einer Inselgruppe im Norden von Norwegen. Überraschend ist dieses Buch insofern, da die Geschichte dem Autor dazu dient, Unmengen an Fakten dem Leser zu vermitteln, Fakten über das Meer. Wissen das ich vorher so noch nicht gelesen habe. Dabei werden diese Fakten in die erzählte Geschichte mit einbezogen und der Autor Stroksnes holt dabei weit aus; über die Geschichte, in der Mystik, über die Biologie aber auch mal über die Krimi Serie Derrick (!), wird sinniert. Schon das Umfeld in dem die beiden Männer angeln, auf einem kleinen Boot inmitten der Größe der Natur, ist für den Autor berauschend und inspirirend: „Der Anblick der berühmten Lofotenwand hat bereits auf viele Menschen Wirkung gehabt. Als der Maler Christian Krohg an einem Wintertag 1895 über den Vestfjord kam, schrieb er: ‚Ja, es ist nicht zu leugnen – ein imposanter Anblick: Das Reinste vom Reinsten, das Kälteste vom Kältesten, das Jungfräulichste vom Jungfräulichsten, das Vornehmste was man sich denken kann. Altäre für den Gott der Einsamkeit und die Unberührtheit göttlicher Keuschheit. Schwierig – schwierig, dies zu malen! Die Erhabenheit und Größe wiederzugeben ebenso wie die unerbittliche, unbarmherzige Ruhe und Gleichgültigkeit der Natur.“ Das Meer ist ein faszinierendes, weitgehend unentdecktes Feld. Ab einer gewissen Tiefe ist das Meer tödlich für den Menschen und so hat er sich dessen Erforschung nicht näher zugewandt, obwohl dessen Tiefe und Flächenausdehnung die gesamte Landmasse der Erde bei weitem übersteigt. Selbst der Himalaja würde an der tiefsten Stelle des Meeres spurlos verschwinden. Auch die Artenvielfalt ist ein vielfaches von dem was auf dem Land kreucht und fleucht. Jede Woche werden neue Arten oder Rassen entdeckt, ein Ende ist nicht abzusehen. Der Mensch ist dieser Hölle, dieser Finsternis entkommen die im Meer herrscht, doch sollte er sich darauf besinnen, dass er doch nur ein umgebauter Fisch ist, dass im Meer seine Wurzeln liegen. Die Angel-Treffen der Freunde auf den Lofoten, die sich mit Unterbrechungen über ein Jahr hinziehen, sind für den Autor, der in einer Art Autobiografie über diese Zeit schreibt, auch ein Quell der Ruhe und Besinnlichkeit. In dieser Gegend, die unberührt von unserer modernen Zivilisation ist, spürt er die Magie der Worte, er spürt, was es heißt am Meer zu leben. „Nachts schlafe ich bei offenem Fenster. Es geht nur eine leichte Brise, und das sanfte Plätschern von Wasser gegen Stein findet seinen Weg durch die dünne Membran des Schlafes. Auf der Westseite der Vesteralen gibt es ein eigenes Wort für dieses Geräusch, das in einer milden Sommernacht durchs offene Schlafzimmerfenster dringt und vom Meer erzeugt wird, das auf weichen Sandstrand trifft: ’sjybarturn‘.“ Die Menschen, die dort in Fischerdörfern leben, haben sicherlich ein direkteres Verhältnis zur Jagd nach Fischen als andere, es ist in der Tat ihre einzige Möglichkeit zu Überleben. Sie wissen um das Zusammenspiel von Walen, Haien, Korallen, Fischen und welches Wetter welche Möglichkeit bietet, erfolgreich die See zu befischen. Leider haben moderne Fischfangmethoden und die Gier nach maximalem Profit, viele Arten ausgerottet und damit auch das komplexe ökologische Zusammenspiel der Flora und Fauna verändert, wenn nicht sogar zerstört. Damit verschwindet leider auch das Wissen über diese Zusammenhänge und das dazugehörige Vokabular. Kritisch setzt sich der Autor mit dieser ökologischen Katastrophe auseinander, wenn auch das Hauptaugenmerk nicht ganz darauf liegt. Wenn er davon spricht dass durch Schleppnetze Korallen zerstört werden, ist das natürlich eine verwerfliche Art der Fischerei, und man nimmt es ihm durchaus ab. Aber dann sich selbst in ein Boot zu setzen und ein vom Aussterben bedrohtes Tier zu fangen karikiert seine Aussage. So wie der Umweltaktivist, der zu Hause den Müll nicht trennt. Der Eishai greift Menschen nicht aktiv an, ist erst nach 150 Jahren geschlechtsreif, lebt so lange wie kein anderes Wirbeltier (400 Jahre) und sein Fleisch ist für den Menschen nicht zum Verzehr geeignet. Warum ihn dann jagen? Hier bekam ich dann doch meine berechtigten Zweifel am Tun des Autors. Morten A. Stroksens ist ein starkes Buch gelungen, ein Buch das den Leser gerade in seinen Sachbuch Passagen fordert. Geschickt, manchmal etwas langatmig, aber nie langweilig, vermischt er diese Fakten mit den lyrioschen Beschreibungen der Ausflüge der beiden Freunde auf das Meer. Nicht ganz überzeugt war ich von seiner, mir zu dezenten und nicht ganz authentischen Kritik, an der Umweltzerstörung. Dennoch hat er dies literarisch in einem Absatz wunderschön subtil ausgedrückt: „Massenaussterben sind uns durchaus bekannt. Wir sind erst seit wenigen Jahrtausenden hier, aber wir haben uns bis in die letzten Winkel der Erde ausgebreitet. Wir waren fruchtbar und haben uns vermehrt. Wir haben die Erde bevölkert und sie uns untertan gemacht. Wir herrschen über die Fische im Meer und über die Vögel unter dem Himmel und über alles Getier, das auf Erden kriecht.“ Amen!

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Norwegen 2015 Das Buch vom Meer Alternativ: Das Buch vom Meer oder wie zwei Freunde in einem Schlauchboot ausziehen, um im Nordmeer einen Eishai zu fangen, und dafür ein ganzes Jahr brauchen Originaltitel: Havboka – eller Kunsten å fange en kjempehai fra en gummibåt på et stort hav gjennom fire årstider Autor: Morten A. Strøksnes Veröffentlichung: 29.08.2016 bei DVA Übersetzung: Ina Kronenberger, Sylvia Kall Genre: - "Seeleute an Land wirken häufig wie rastlose Gäste. Selbst wenn sie nie wieder zur See fahren werden, erwecken sie in Gesprächen und in ihrem Verhalten den Anschein, als wären sie nur kurz zu Besuch. Die Sehnsucht nach dem Meer werden sie nie ganz los. Das Meer, das nach ihnen ruft, muss sich jedoch mit ausweichenden Antworten begnügen. Einen solchen geheimnisvollen Drang muss auch mein Ururgroßvater verspürt haben, als er das schwedische Binnenland verließ und durch Täler und über Berge nach Westen wanderte. Wie ein Lachs folgte er den großen Flüssen, zuerst gegen den Strom, dann mit ihm, bis er das Meer erreichte. Als Grund für die Wanderung soll er angegeben haben, er müsse unbedingt das Meer mit eigenen Augen sehen. Er hatte aber ganz sicher nicht die Absicht, jemals wieder dorthin zurückzukehren, von wo er gekommen war. Vielleicht ertrug er den Gedanken nicht, für den Rest seines Lebens mit gebeugtem Haupt über die kargen Äcker einer schwedischen Berglandschaft zu laufen. Er muss ein Mensch gewesen sein, der sich von Stimmungen leiten ließ, ein Träumer mit kräftigen Beinen, denn er schaffte es bis zur norwegischen Küste. Hier gründete er eine Familie und heuerte später auf einem Frachtschiff an. Irgendwo im Pazifik ging sein Schiff dann unter, und alle an Bord ertranken, ganz so, als wäre der Mensch vom Meeresgrund gekommen und müsste auch wieder dahin zurück. Als gehörte er eigentlich dorthin und hätte es die ganze Zeit über gewusst. So stelle ich es mir jedenfalls vor." ("Das Buch vom Meer", Morten A. Strøksnes. Übersetzung Ina Kronenberger und Sylvia Kall für DVA) Der Blog vom Meer bekommt nun Unterstützung durch "Das Buch vom Meer". Morten A. Strøksnes Geschichte über 2 Freunde, die das Meer lieben und einen Eishai (besser bekannt als Grönlandhai) fangen wollen, hat sich zu einem kleinen Geheimtipp avanciert. Strøksnes ist in seiner Heimat natürlich kein unbekanntes Lichtchen. Als Journalist und Autor sind seine Aktivitäten relativ umfangreich. In Norwegen schätzt man Strøksnes Schreibkunst besonders im Segment der Sachbücher. Bei seinem neunten Buch, nämlich dem hier besprochenem "Buch vom Meer", hat der Autor sich dazu entschieden, das Sachbuch mit der Belletristik zu verbinden. Auf dem Papier ist der Roman Fiktion, verziert ist dieser aber mit Passagen, die genau so gut in eines seiner Sachbücher passen könnte. Zwischen Fiktion, etwas Naturwissenschaften und Wortwitz ist dem Norweger ein interessanter wie kurzweiliger Genremix gelungen. Leser, die ein gewaltiges Abenteuer im Stile von Moby Dick erwarten, könnten jedoch enttäuscht werden. "Das Buch vom Meer" benötigt nicht lange, um direkt zum Punkt zu kommen. Strøksnes hält sich nicht lange mit Vorbereitungen auf und führt besonders die Charaktere zügig ein. Da hätten wir einmal den Ich-Erzähler, der den Leser durch die Geschichte geleitet (und ihm einen Platz auf dem Boot reserviert), gleichzeitig aber auch als Naturwissenschaftler agiert und die ganze Geschichte wie eine Dokumentation, aber auch einen Reisebericht beschreibt. Als zweiten Protagonist haben wir den langjährigen Kumpel des Erzählers, Hugo Aasjord. Der Erzähler nimmt sich keine Zeit uns Hugo bei der Begrüßung näher vorzustellen. Stattdessen webt er Hugos Hintergrundgeschichte (inklusive seiner Beschreibung) intelligent in separate Erzählungen beinahe beiläufig ein. Hugo ist ein etwas kauziger Zeitgenosse der am Meer aufgewachsen ist und regelrecht vernarrt und verliebt in seine Boote ist (und so ziemlich alles, was mit der See zu tun hat). Die Geschichte dieser beiden Herren beginnt an einem milden Sommertag. Die Vorbereitungen sind so gut wie getroffen, das teure Schlauchboot ist aufgepumpt und beide Männer wollen ihren Traum erfüllen, den sie lange im voraus geplant haben: Sie wollen einen Eishai fangen. Was beinahe schon simpel klingt, entpuppt sich für die beiden als eine langwierige Odyssee. Wie ich schon beschrieben habe ist "Das Buch vom Meer" kein furioser Abenteuerroman. Stattdessen fährt Morten A. Strøksnes hier etwas ruhigere Gewässer an. Was aber nicht heißt, der Roman ist langweilig oder schwer zu lesen. Man muss ein wenig eigenen Enthusiasmus mitbringen, wenn man das Buch liest, sich besonders für die vielen dokumentarischen Anmerkungen des Erzählers interessieren, sich darin hineinversetzen können. Im laufe der Geschichte gibt es sicherlich immer mal wieder weniger interessante oder gar langwierige Abschnitte, die werden aber häufig durch wunderbar eingesetzten trockenen Humor kompensiert. Eines der Grundthemen des Buches ist die Sehnsucht und die Faszination des Meeres. Genau diese Mischung macht "Das Buch vom Meer" zu einem würdigen Vertreter, auf meinem Blog präsentiert und besprochen zu werden. Denn genau das ist die außergewöhnliche, exotische Literatur, nach der ich suche. So gesehen teile ich hier eine Leidenschaft mit den Protagonisten, auch wenn es wohl nun leicht an der Absurdität grenzen würde, wenn ich ein Buch mit einem Eishai vergleichen würde..... oder etwa..... Resümee "Der Weg ist das Ziel". Ein moosbewachsener Spruch, der zu diesem Roman aber großartig passt. Bei all den wundervollen Beschreibungen rund um die Natur und der See, da gerät das eigentliche Ziel dieser zwei relativ ungleichen Freunde schon einmal aus den Augen. Und dies gilt nicht als Kritik gemeint, die Beschreibungen, ganz besonders die Erklärungen, machen den Reiz dieser Geschichte aus. Auf den letzten Seiten des Buches findet sich noch ein ausführliches Register, bei dem man Begriffe und Ereignisse nachschlagen kann. Auf dem Meer mag man sich als Laie verloren und hilflos vorkommen, in diesem ruhigen Abenteuer aus Norwegen haben wir mit Morten A. Strøksnes jedoch einen ausgezeichneten Reiseführer. "Das Buch vom Meer" ist Lesestoff für die kalte Jahreszeit. Und wenn einem das norwegische Klima doch einmal etwas zu nasskalt ist, hilft bestimmt ein warmer Glühwein aus.

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