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Das Buch vom Meer oder Wie zwei Freunde im Schlauchboot ausziehen, um im Nordmeer einen Eishai zu fangen, und dafür ein ganzes Jahr brauchen Blick ins Buch

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Gebundenes Buch, Leinen ISBN: 978-3-421-04739-7

Erschienen:  29.08.2016
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Der Titel verrät die Handlung

Von: Martin Datum : 10.10.2017

www.beutelwolf.martin-skerhut.de/

Das Buch vom Meer oder Wie zwei Freunde im Schlauchboot ausziehen, um im Nordmeer einen Eishai zu fangen und dafür ein ganze Jahr brauchen.
Das ist die „Handlung“ des Buchs. Und da dieser „Roman“ auf wahren Tatsachen beruht und die beiden (menschlichen) Hauptpersonen, Morten A. Strøksnes und Hugo Aasjord, noch leben, kann man sich denken, dass es nicht sonderlich dramatisch wird.
Das muss es auch nicht, denn rund um diese Rahmenhandlung erfährt der Leser einiges über Hugo, den Eishai, norwegischen Wal- und Fischfang und noch viel mehr. Und dabei legt der Autor einen sehr angenehmen Witz an den Tag, so dass sonst trockenes Wissen auf sehr heitere und verständliche Art an den Leser gebracht werden. Allerdings ist das Wissen manchmal eher aus der Kategorie „Unnützes Wissen (Australische Surfer tragen kein orange und gelb weil Haie darauf aggressiv reagieren, Nordnorweger mögen den Geschmack von Makrelen nicht …)
Und während der Leser mit Wissen über des Meer unterhalten wird versuchen zwei Freunde im Schlauchboot einen Eishai zu fangen.
Ach ja, ein Schottisches Hochlandrind spielt auch eine Rolle.
Das Buch vom Meer ist kein Sachbuch, aber auch kein Abenteuerroman, und doch wird es nie langweilig (obwohl auch nicht wirklich etwas passiert).
Absolut lesenswert.

Eintauchen und mitreißen lassen

Von: Lars Schmidt (Nord bei Nordost) aus Neu Isenburg Datum : 07.09.2017

www.nordbeinordost.de

Lange habe ich kein Buch mehr so verschlungen wie dieses. „Das Buch vom Meer oder Wie zwei Freunde im Schlauchboot ausziehen, um im Nordmeer einen Eishai zu fangen, und dafür ein ganzes Jahr brauchen“ von Morten A Stroksnes ist eine ganz tolle Story von Freundschaft, Ausdauer und Mut. Angereichert von Geschichten hinter der Geschichte und einem Füllhorn an Wissen über das Meer und seine Bewohner.

Und darum geht es: Wie der Untertitel schon verrät, wollen der Autor und sein Freund Hugo vor den Lofoten einen Eishai fangen. Weil dieser seltene Fisch einem aber mal nicht so eben an den Haken geht, bedarf es einer gründlichen Vorbereitung. Man benötigt den richtigen Köder. Das Wetter im äußersten Norden Norwegens muss stimmen. Und die beiden Freunde und Hobbyangler müssen das Vorhaben nicht nur mit ihren Jobs in zeitlichen Einklang bringen. Sie müssen auch mit den Marotten des anderen klarkommen. So vergeht also ein Jahr.
Von „Moby Dick“ zum Eishai

Doch was macht der Autor, wenn die Eishaiangelei gerade auf Eis liegt? Er schreibt übers Meer. Und das so spannend, so anschaulich und so informativ, dass man die Geschichten förmlich aufsaugt. Ich habe beim Lesen immer wieder gestaunt, wie Morten A Stroksnes es mühelos schafft, die Genres Roman und Sachbuch in seinem Werk zu vereinen. Was er – quasi nebenbei – an Wissen über das Meer als Lebensraum, als Gegenstand in Kunst und Literatur, als unverzichtbaren Teil der Erd- und damit unserer Geschichte vermittelt, ist grandios.

Zwangsweise streift er dabei Themen wie Mythologie und Naturwissenschaften, Walfang und Überfischung, Umweltschutz und Klimawandel. Er zieht Vergleiche und zitiert aus vielen Klassikern der Literatur. Unter anderem aus Herman Melvilles „MobyDick“ oder Jules Vernes „20.000 Meilen unter dem Meer“.
„Das Buch vom Meer“ ist wie der Mahlstrom

Stark wie der Sog des Mahlstroms, in dessen Nähe der Autor und sein Freund den Eishai jagen, sind die maritimen Geschichten im „Buch vom Meer“. Die Storys von Fischen, Forschern, Seeungeheuern und Schiffen ziehen den Leser in ihren Bann. Mal poetisch, mal philosophisch, mal abenteurlich und mal wissenschaftlich geschildert. Doch nie langweilig!

Stroksnes ist mit dem Werk eine Hommage, ja eine Hymne an das Meer gelungen. Wer sich so akribisch und umfassend mit dem 71 Prozent der Erdoberfläche bedeckenden Gewässer auseinandersetzt, der muss es wirklich lieben. Und wer das Meer liebt, wird auch dieses Buch lieben.

Eine Liebeserklärung ans Meer

Von: Lilly Sjöberg Datum : 29.07.2017

lillysjoeberg.blogspot.de/

Vorweg:
Es handelt sich hier nicht um einen Roman im engeren Sinne.
Es ist ein Sachbuch, als Roman verpackt. Und doch beruht es auf einer wahren Begebenheit.

Morten und sein Freund Hugo haben Großes vor. Hoch oben im Norden, im Vestfjord, ca. 100 km nördlich des Polarkreises, wollen sie einen Eishai fangen.

"Der Eishai ist ein Urzeitwesen, das am Grund tiefer norwegischer Fjorde bis hinauf zum Nordpol schwimmt."
Er ist der größte fleischfressende Hai der Welt und kann bis zu 200 Jahre alt werden.
"In etwas fünfhundert Metern Tiefe ist es stockfinster. Dort ist keine Fotosynthese mehr möglich, für Pflanzen ist hier endgültig Schluss. In dieser Tiefe lebt der Eishai."

Die Überresten eines schottischen Hochlandrindes (als Leckerbissen für den Hai), 350 Meter Seil und sechs Meter Kette sind notwendig, um den Hai an den Kragen zu gehen. Die Haut des Haies ist so rau, dass sie nur einer Kette stand hält, wenn der Hai unten um sein Leben kämpft. Wenn man den Eishai gegen die Schwimmrichtung streichelt, würde man sich seine ganzen Finger aufschneiden, da "die Haut des Eishais mit einer Art Zähnchen bedeckt [ist], die scharf wie Rasierklingen sind."

Nicht nur das Wetter, die Kälte und der Eishai stellen die Geduld der Männer auf die Probe. Auch die Macken des anderen auszuhalten, will geübt sein. War das ganze Unternehmen doch anfangs nur für 3 Tage geplant.

Morten A.Strøksnes nimmt uns mit an und auf das Meer. Erzählt von den Bewohnern an der Küste und dann immer wieder ganz wissenschaftlich und doch auch poetisch von den Bewohnern im Meer.
Aber wir erfahren hier auch jede Menge über Evolutionsbiologie, Geschichte, Philosophie, Geologie. Keine Wissenschaft wird ausgeklammert.

"Wenn wir alles zusammennehmen, was wir über die Tiefe und Flächenausdehnung des Meers wissen, dann folgt daraus, dass die gesamte Landmasse der Erde - alle Gebirg, Hügel, Felder, Wälder, Wüsten, ja, auch alle Städte und alles von menschenhand Erschaffene - problemlos im Meer Platz finden könnten. Die Durchschnittshöhe der Landmasse beträgt nur achthundertvierzig Meter. Selbst wenn wir denn gesamten Himalaja an der tiefsten Stelle des Meeres versenken würden, erklänge bloß ein lautes Platschen, dann würde die Gebirgskette sinken und spurlos verschwinden. Im Meer ist so viel Wasser, dass alle Kontinente kilometertief unter Salzwasser liegen würden, sollte sich der Meeresboden an die Oberfläche heben. Nur die Gipfel der höchsten Gebirgskette würde aus dem Wasser ragen."

Meine Meinung:
Es ist eine Liebeserklärung ans Meer. So poetisch und weich erzählt, so voller Ruhe.
Es ist kein Buch, was man mal so eben wegliest. Diese Ruhe, mit der er es erzählt, hat auch mich immer wieder zur Ruhe angehalten.
Es sind so unheimlich viele interessante Informationen. Und dass er von so vielen Wissenschaften etwas einfließen lässt, macht es eben auch so spannend.

Ich würde Euch am liebsten ganz vieles zitieren. Wie die Großgrundbesitzer sich untereinander das Meer aufteilten, vom Blauflossen-Thunfisch, der sechzig Stundenkilometer erreicht. Von der wahren Geschichte des Moby Dick. Wie die RNA- und die DNA-Moleküle letztlich festlegten, ob wir eine Blume, ein Fisch oder ein Mensch wurden.

Und trotz all des Wissenschaftlichen so leicht erzählt.

Nicht nur für die leicht verständlichen Fakten und die wunderbare Sprache (hier auch ein dickes Danke an die Übersetzerinnen, die tolle Arbeit geleistet haben), sondern auch für die Idee, das Sachbuch in einen Roman zu verpacken, gibt es von mir 5 Sterne

Meeresenzyklopädie

Von: lesenslust Datum : 20.03.2017

lesenslust.wordpress.com

„Die größten Entdeckungen warten im Meer.“

Zitat, Seite 21

In den Tiefen des Nordatlantiks lauern sie: die sagenumwobenen Eishaie. Es ist der gemeinsame Traum von Morten A. Strøksnes und Hugo Aasjord, einen von ihnen zu fangen. Ein schwieriges Unterfangen, das absolute Windstille erfordert und den Launen der Natur unterliegt. Denn das Gebiet zwischen dem norwegischen Festland und den Lofoten ist unberechenbar: das Warten auf Windstille erfordert Geduld.

Voller Tatendrang fahren die beiden Freunde raus aufs Nordmeer und beobachten beim Warten das Schauspiel der Natur: sie lauschen dem sanften Flüstern und der peitschenden Gischt des Meeres, atmen die salzige Seeluft ein und blicken in das unergründliche tiefe schwarze Meer, das so viele Geheimnisse in sich birgt.

„Die Moleküle setzen sich in schwindelerregendem Tempo zu ständig neuen Variationen zusammen, so wie sich Buchstaben zu neuen Wörtern fügen, um dann zu Sätzen und am Ende zu ganzen Büchern werden. Stellt man sich die Wassermoleküle als Buchstaben vor, könnte man sagen, dass das Meer alle Bücher enthält, die jemals in bekannten oder unbekannten Sprachen geschrieben wurden.“

Zitat, Seite 135

Die Insel Skrova, die zur beeindruckenden Inselgruppe der Lofoten zählt, wird dabei zum Ausgangspunkt des Haifangprojekts. Hier gewährt ihm sein Künstlerfreund Aasjord Unterschlupf in der ehemaligen Fischfabrik Aasjordbruket, die er gemeinsam mit seiner Ehefrau Mette zu einem Kulturzentrum umbaut.

Doch die anfängliche Euphorie, eins der ungeheuerlichsten Meereswesen ins Netz zu bekommen, ebbt über die Zeit ab. Das kleine Schlauchboot der beiden Freunde scheint den unberechenbaren Strömungen des Nordmeeres nur bedingt standzuhalten und lässt sie ihr Unterfangen langsam aber sicher in Frage stellen.

„Das tiefe, salzige, schwarze Meer brandet uns entgegen, kalt und gleichgültig, ohne jede Empathie. Es ist sich selbst genug, es braucht uns nicht, es schert sich nicht um unsere Hoffnungen, unsere Ängste – und schon gar nicht um unsere Beschreibungen. Die dunkle Masse des Meeres ist von überlegener Kraft.“

Zitat, Seite 216

Während die Wellen die Sagen und Mythen des Meeres an ihr Boot spülen, erzählt Strøksnes unterdes vom schier unermesslichen Facettenreichtum der Meeresbewohner, von mutigen Polarforschern, Walfängern, Kartografen und vom harten Alltag der norwegischen Inselbewohner. Auch vor der Brutalität des Walfangs, der Überfischung der Meere und der unerschütterlichen Jagd auf die Eishaie macht er keinen Halt und würzt sein Werk mit grausamen Wahrheiten.

Der Norweger erweist sich über sein gesamtes Werk als sensibler und aufmerksamer Beobachter. Durch seine detailgetreuen und farbenfrohen Beschreibungen erwacht nicht nur das Insel- und Meerestreiben zum Leben, sondern macht „Das Buch vom Meer“ auch zu einer abenteuerlichen Entdeckungsreise. Es liest sich daher wie eine Mischung aus Sachbuch und Belletristik. Der unterhaltsame Ton des Autors hilft dem Leser dabei über so manche Flut an naturwissenschaftlichen Informationen hinweg.

Es ist ein Sehnsuchtsbuch. Ein Buch, das vor Leben sprudelt und die Faszination um das Meer in sich trägt. Strøksnes schenkt uns mit seinem Werk sowohl eine Meeresenzyklopädie als auch einen lebendigen Reiseführer. Es reserviert dir einen Platz auf dem Schlauchboot und katapultiert dich unvermittelt raus aufs Meer. Damit bin ich meinem Wunschreiseland Norwegen schon ein kleines bisschen näher gekommen.

„Das Meer ist der Ursprung aller Dinge. Wellen einer weit zurückliegenden Urzeit durchströmen uns wie das leise Echo eines sanften Plätscherns in einer unzulänglichen Höhle am Meer. Manchmal, wenn wir bei einem starken Sturm am Ufer stehen, hat es den Anschein, als verlangte uns das Meer zurück.“

Zitat, Seite 163

Meeresfaszination

Von: Ira Christina Boysen Datum : 24.12.2016

jadesbuecherstube.blogspot.de/p/impressum.html

Gleich der Einstieg in "Das Buch vom Meer" gelang mir mühelos und ich fand mich sehr schnell in die Handlung ein. Beide Protagonisten waren mir von Anfang an sympathischen. Man merkte förmlich, wie sehr sie das Meer liebten und auch von seinen Bewohnern fasziniert waren. Gleichzeitig spürte man aber auch ihren Respekt vor dem Meer als Naturgewalt.
Die Sprachen von Stroksnes ist schön und flüssig, Schnörkel werden nur minimal gesetzt, immer dann, wenn es um Mythen und Legenden geht.
Wer bei "Das Buch vom Meer" jedoch einen reinen Roman erwartet, liegt hier falsch. Vielmehr ist das Buch eine Mischung zwischen Roman und Sachbuch, da der Autor hier auf informative Weise versucht, Wissen über das Meer und die Evolution seiner Bewohner sowie einige Mythen und Legenden zu vermitteln. Die Jagd nach dem Eishai bietet nur den Rahmen. Daher ist ein Spannungsbogen nur dezent gesetzt. Jedoch wird immer wieder die Frage aufgeworfen, wann und ob es den beiden Protagonisten überhaupt gelingt, einen zu fangen.

Das Cover des Buches ist blaues Leinen, in das in Dunkelblau der Umriss eines Hais sowie ein Boot mit zwei Menschen und auf der Rückseite ein Fisch geprägt sind. Insgesamt passt das Cover sehr gut zur Handlung und verleiht dem Buch gleichzeitig auch einen Touch Vintage, da es sich anfühlt, wie sich ältere Bücher anfassen.
Alles in allem hat mir das Buch einige schöne Lesestunden beschert und bekommt daher

5 von 5 Sternen

und eine absolute Leseempfehlung, gerade für Menschen, die das Meer lieben.

Kein Abenteuer/Erfahrungs-Roman, dennoch ein wahres Füllhorn an maritimen Wissen unterhaltsam vermittelt.

Von: Bücherfüllhorn Datum : 19.12.2016

https://buecherfuellhorn.wordpress.com

Zwei die loszogen um einen Eishai zu fangen. Ganz ehrlich? Ich hatte noch nie von einem Eishai gehört, bezweifelte zunächst dessen Existenz und fand dann heraus, dass er auch „Grönlandhai“ genannt wird. Erzähler ist der Autor selber, der sich mit seinem Freund und Künstler Hugo Aasjord auf den Weg macht, einen Eishai zu fangen. Ich musste ein wenig recherchieren, um herauszufinden, dass dies eine wahre Begebenheit und ein langwieriges Unterfangen war. Den Künstler Hugo Aasjord gibt es wirklich. Zu all dem hätte ich mir einfach ein Vorwort des Autors gewünscht.

Über ein Jahr fahren die beiden bei jeder sich bietenden Gelegenheit und einigermaßen guten Wetterverhältnissen aufs Meer bei den Lofoten hinaus um zu „jagen“. Dieses Jagen mutet aber oft eher wie eine meditative maritime Spazierfahrt an. Man hat viel Zeit zum nachdenken in der gewaltigen Natur. Der Autor Morten A. Stroksnes kommt erzählend von einem ins andere, zum Beispiel was mit der Suche nach dem Kadaver eines Schottischen Hochlandrindes (zur Haifütterung) beginnt führt über Abhandlungen zu verschiedene Pflanzen, Singvögel, Landschaftsbeschreibungen, einen Opferaltar, Fäulnisgase der Wale und Fischereibetriebe bis zur Fundstelle um den Köder für den Eishai zu entnehmen. Diese „abschweifenden Gedanken“ und das Sachwissen zu allen möglichen Themen rund ums Meer, Ozean, Fischen, Tiefsee und Küsten lassen sich unterhaltsam lesen.

Der Eishai ist praktisch Hauptdarsteller dieser Erzählung: Das Fleisch giftig, stinkt wie Urin und nach seinem Verzehr fällt man in einen alkoholähnlichen Rausch. In Island gilt es als „Hakarl“ als eine Delikatesse. Eishaie werden heute erforscht, sie werden mit Sendern ausgestattet, um ihre Bewegungen aufzuzeichnen. Sie sind blind durch eine bestimmte Art von Parasiten in den Augen.

Es gibt schöne Beschreibungen über das Meer, wie es vom Autor und seinem Freund empfunden wurde. Das Rausfahren in den Vestfjord, das Meer, die Natur, die Gespräche, das Schweigen. Sie genießen die Augenblicke, ob stürmisch oder ruhig.
Zitat S.107: „Das Meer ist kalt und aufgewühlt, der Regen peitscht die Wellen so stark, dass sie weiß werden und geräuschvoll an Land rollen. See und Himmel bilden einen gehetzten Kreislauf.“

Zitat S.126: „Die Stunden vergehen. Wir sind mit uns und der Welt zufrieden, und ich habe nicht den Wunsch, irgendwo anders zu sein. Die Landschaft ist nichts, was vor mir liegt und was ich hinter mich bringen muss. Nein, sie ist um mich herum und unglaublich präsent – mitten in diesem physischen Strömungen vor dem Leuchtturm von Skrova und weit entfernt von den Informationsströmen, in denen wir uns normalerweise bewegen“.

Zitat Seite 259: „Wir unterhalten uns gelegentlich, sitzen ansonsten aber schweigend da. Schweigen wird von uns fast nie als bedrückend erlebt, und das mag durchaus als Definition für Freundschaft taugen.“.

Überhaupt bietet das Buch eine wahres Füllhorn an maritimen Wissen. Hier eine kleine Auswahl in loser Reihenfolge:

Erwähnt wird der Maler Christian Krogh beim imposanten Anblick der Lofoten: Von dieser Großartigkeit überwältigt, weiß er fast nicht, wie er das malen soll, er hat keine adäquaten Farbtöne und weiß nicht, wo er ansetzen soll. Zitat Seite 46: „Die Erhabenheit und Größe wiederzugeben, ebenso wie die unerbittliche, unbarmherzige Ruhe und Gleichgültigkeit der Natur.“

Michael Sars und Sohn Georg Ossian waren Meeresforscher unter einfachsten Bedingungen, norwegische Forschungsschiffe wurden nach ihnen benannt.

Vieles wird über die Tiefsee erzählt. Hier ein Zitat auf Seite 56: „In der Tiefe blinkt und glüht es allenthalben. Da dort unten mehr Arten leben als an Land, ist die Verständigung über Leuchtsignale die wohl verbreitetste Kommunikationsform auf der Erde.“

Auch über Märchen und Sagen wird sich dem Meer genähert. Christian Asbjornsen wurde durch seine entsprechenden Sammlungen an Volksmärchen berühmt. Oder die „Carta Marina“, in der damaligen Zeit durchaus real und bestimmt nicht als Märchen gedacht. Olaus Magnus schrieb die Geschichte der nordischen Völker und spann Seemannsgarn, und zeichnete 1555 in die Carta Marina die „Standtorte“ der Seeungeheuer ein, auch vor Deutschlands Küsten gab es eines. Dazu gab er praktische Ratschläge und Tipps, diese Ungeheuer, Meerjungfrauen und Meermänner zu besiegen.

Ein weiteres Thema der Wind: man schrieb dem Wind bestimmte Eigenschaften zu und es früher gab es Windbeschwörer. Meteorologen kennen acht Windrichtungen, und auf der Insel Senja gibt es 30 lokale verwendete Begriffe für unterschiedliche Windarten

Es gibt alle denkbaren Informationen über Wale z.B. Finnwale hören sich nur auf bestimmten Frequenzen.

Leuchttürme: Für einsame Leuchtturmwärter gab es Wanderbibliotheken. Die norwegische Leuchtturm-Erbauer- Familie Mork wird vorgestellt und der Pendand dazu die schottischen Leuchtturmbauer-Familie Stevenson. Ja, die Familie des Robert Louis Stevenson der das Buch „die Schatzinsel geschrieben hat.

Es gibt auch unerwartete Sätze und Beschreibungen mit subtilen Humor wie der „Besenstielmord“ oder ich sage nur die „NASA und der Walspeck“. Oder kurioses wie die „WM im Kabeljaufischen“.

Es wird natürlich auch auf die Umweltverschmutzung der Meere eingegangen, auf die riesigen Plastik-Strudel die es in den Ozeanen gibt und wie der Schiffsverkehr die Navigation der Wale erschwert. Ich musste dabei an das Buch von Janice Jakeit „Row for Silence“ denken. Das passt auch gut zu dem Thema Unterwasserlärm. Sie berichtet von einer Nacht, in der sie Geräusche wie Schmirgelpapier unter ihrem Boot hörte: Haie. Die Verbindung dazu: Morten A. Stroksnes beschreibt wie Schmirgelpapier aus Eishaihaut nach Deutschland exportiert wurde.

Zudem werden ganz viele Namen genannt: Kartographen, Forscher, Maler, historische Berühmtheiten, Sammler, Namen aus der Mythologie und und und. Es gibt gefühlte hunderte Literaturhinweise (ich liebe Literaturhinweise!) und diese sind auch am Schluss nochmal zusammengefasst.

Ich habe mir überlegt, ob ich diese Stichwörter hier erwähnen soll oder nicht. Sie hören sich vielleicht langweilig an und manch einer denkt sich „das interessiert mich eigentlich nicht“. Der Clou an der Sache aber, dass dies im Buch während des Lesens gar nicht auffällt, weil es kurzweilig und erhellend geschrieben ist. Deswegen möchte ich die Liste nun doch hier anfügen:
Hier nur kurze Stichwörter zu Themen, die angesprochen wurden:
Seestern „Brisinga endecacnemos“ (S.51), benannt nach dem Halsschmuck der Brisingamen
Ernst Haeckel (Zoologe, Philosoph und Freidenker)
Mehr Menschen im All als in der Tiefsee
Herman Melville - Moby Dick
Ambra/Amber
Anziehungskraft des Meeres
Jagd nach Seewölfen
Kabeljauzungen
Espenholz fault nicht in Salzwasser
Alte Fachbegriffe wie Skytinga und hogginga und seltene Wörter wie siybarturn (90)
Thunfische im Vestfjord (S.88)
Australische Surfer mögen kein orange und gelb wegen Haien (S.102)
Nordnorweger essen keine Makrelen wegen dem Geschmack !? (S.105)
Vergleich: Neue Raumsonden werden mit Sonnensegel zur Energiegewinnung gebaut, erinnern an Segelboote,
Meeresgott Okeanus
Raumsonde Rosetta sucht nach Wasser auf anderen Planetn (S.133) – Warum gibt es im Universum Wasser?
Elefant Topsy wird hingerichtet, Thomas Edison (S.154) “Electrocuting an Elephant”
Mythologie Meerdraug (?)
Kaffeekabeljau, wenn Kabeljau über 30kg wiegt gibt die Zeitung Lofotenposten als Belohnung ein Päckchen Kaffee (S. 200) und vielleicht noch einen kleinen Bericht.
Kabeljau- und Eishaileber eignen sich hervorragend zur Herstellung langlebiger Farbe für Holzhäuser (S.225)
Lutefisk + Stockfisch (S. 226+227)
Johan Hjort: norwegischer Zoologe
Pytheas entdeckt eine neue Insel und nennt sie Thule
Seelilienexepert Philip Herbert Carpenter
Charles Wyville Thomson
Herstellung verschiedener Transorten und Verwendung

Originell fand ich auch die ironischen Bemerkungen und „das auf den Arm nehmen“ der beiden Freunde mit trockenstem Humor. So eine Art Freundschafts-Dialog entsteht nur, wenn man sich lange und tief genug kennt und nur so kann wahrscheinlich auch diese Idee geboren worden sein, einen Eishai zu jagen. Die Jagd nimmt mit den Köderresten aus der Kabeljau-Leber ein Ende. Diese Köderreste sind manche Erwähnung wert und tatsächlich interessant. Man kann es eigentlich nicht vergleichen, aber beim Lesen über den Fischfang und die Methoden musste ich an die Doku-Serie „Der gefährlichste Job Alaskas“ denken, hier gehen Königskrabbenfischer ihrer Arbeit in der Beringsee nach.

Ich fragte mich während des Lesens, was ist das eigentlich für ein Buch? Eine Erzählung? Eine wahre Geschichte? Ein Abenteuer? Eine Erfahrung? Ein bisschen Autobiografisches? Ein Sammelsurium an maritimen Fakten und Hintergründen? Diese ganzen Informationen, Kleinigkeiten, Begebenheiten, alles aneinandergereiht wie „Wissens“-Perlen wie auf einer Schnur, ein ewiger Kreislauf? Morten A. Stroksnes berichtet von einem ins andere, schafft Verbindungen, erklärt Sachwissen auf verständliche Art und wie nebenbei. Überhaupt hat der Erzählton seinen ganz eigenen Reiz. Zum einen merkt man gar nicht, dass man sich so viel Sachwissen anliest, zum anderen wird die Küstenlandschaft vor den Lofoten und dem Vestfjord so beschrieben, dass man meint das Meer schon zu riechen. Allerdings sollte ein generelles Interesse an Sachwissen zu allerlei maritimen Themen da sein, ansonsten besteht die Gefahr, dass es zu viele Längen gibt und man einige Textpassagen „überfliegen“ will. Die Handlung selber, die Jagd nach dem Eishai wird nicht allzu oft erwähnt, ist aber im Hintergrund stets präsent. Der feine Spannungsbogen besteht aus der Frage, ob und wie es ihnen gelingt, den Eishai zu fangen. Es ist eher eine Art behäbige und ruhige Dokumentation der Geschehnisse, auch wenn sie mal gerade nicht auf dem Meer sind.
Ich würde empfehlen, dieses Buch bedächtig und genussvoll zu lesen, ja, man kann es sich sogar gut häppchenweise gönnen. Da all dieses Sachwissen unterhaltsam und gut verständlich ist, eignet es sich nicht nur für Interessierte rund ums Thema Meer, Fische, Norwegen, Boote, sondern auch für Laien, die etwas dazu lernen wollen.

Tja, die Sterne. Wie viel kann ich geben? Schwierig. Wenn ich es als Roman sehe, kann ich wahrscheinlich nur 2-3 Sterne vergeben, weil die Spannung durch zu viele Unterbrechungen auf der Strecke bleibt, weil es zu viel Ablenkung gibt. Das Thema mit dem Fangen eines Eishais spielt sich dezent im Hintergrund ab, bildet praktisch nur den „Aufhänger“ für all das Sachwissen zu vermitteln. Wer einen Abenteuer- oder Erfahrugsroman erwartet, liegt komplett falsch. Dennoch sind die Themen kurzweilig und der Erzählton einnehmend. Wenn ich als Sachbuch sehe, würde ich es als erzählendes Sachbuch sehen und da kann ich gut und gerne 5 Sterne vergeben, weil es auf ruhige, aber unterhaltsame Art Wissen vermittelt. Bei amazon wird es unter der Kategorie Abenteuer und Reiseberichte geführt, dem kann ich aber gar nicht zustimmen. Ich würde es also in die Kategorie Sachbücher einordnen. Ich entscheide mich nun für einen Mittelweg und vergebe vier Sterne.

Unendliche Tiefen

Von: ralfreitze Datum : 02.12.2016

https://feinerbuchstoff.wordpress.com/

Als ich den Titel las, dachte ich, noch so ein „Hundertjähriger-der-aus-dem-Fenster-stieg“ Ableger? Och nö! Wieder so eine quasi-lustige Kopie des Bestsellers, als würde die Kreativität der Verlage darnieder liegen. Aber nun, warum nicht das verkaufen, was gut läuft. Doch als ich das Buch in einem Buchladen in der Hand hielt, waren alle Bedenken dahin. Schon optisch und haptisch ist das Buch ein Genuss. Der stilisierte Hai ist wie in einem Relief in den Buchdeckel geprägt. Das Buch hat ein ungewöhnliches aber nicht unangenehmes Format.

Bei dem erzählenden Teil dieses überraschenden Buches, schreibt der Autor über zwei Freunde die einen Eishai fangen wollen, vor den Lofoten, einer Inselgruppe im Norden von Norwegen. Überraschend ist dieses Buch insofern, da die Geschichte dem Autor dazu dient, Unmengen an Fakten dem Leser zu vermitteln, Fakten über das Meer. Wissen das ich vorher so noch nicht gelesen habe.

Dabei werden diese Fakten in die erzählte Geschichte mit einbezogen und der Autor Stroksnes holt dabei weit aus; über die Geschichte, in der Mystik, über die Biologie aber auch mal über die Krimi Serie Derrick (!), wird sinniert. Schon das Umfeld in dem die beiden Männer angeln, auf einem kleinen Boot inmitten der Größe der Natur, ist für den Autor berauschend und inspirirend:

„Der Anblick der berühmten Lofotenwand hat bereits auf viele Menschen Wirkung gehabt. Als der Maler Christian Krohg an einem Wintertag 1895 über den Vestfjord kam, schrieb er: ‚Ja, es ist nicht zu leugnen – ein imposanter Anblick: Das Reinste vom Reinsten, das Kälteste vom Kältesten, das Jungfräulichste vom Jungfräulichsten, das Vornehmste was man sich denken kann. Altäre für den Gott der Einsamkeit und die Unberührtheit göttlicher Keuschheit. Schwierig – schwierig, dies zu malen! Die Erhabenheit und Größe wiederzugeben ebenso wie die unerbittliche, unbarmherzige Ruhe und Gleichgültigkeit der Natur.“

Das Meer ist ein faszinierendes, weitgehend unentdecktes Feld. Ab einer gewissen Tiefe ist das Meer tödlich für den Menschen und so hat er sich dessen Erforschung nicht näher zugewandt, obwohl dessen Tiefe und Flächenausdehnung die gesamte Landmasse der Erde bei weitem übersteigt. Selbst der Himalaja würde an der tiefsten Stelle des Meeres spurlos verschwinden. Auch die Artenvielfalt ist ein vielfaches von dem was auf dem Land kreucht und fleucht. Jede Woche werden neue Arten oder Rassen entdeckt, ein Ende ist nicht abzusehen. Der Mensch ist dieser Hölle, dieser Finsternis entkommen die im Meer herrscht, doch sollte er sich darauf besinnen, dass er doch nur ein umgebauter Fisch ist, dass im Meer seine Wurzeln liegen.

Die Angel-Treffen der Freunde auf den Lofoten, die sich mit Unterbrechungen über ein Jahr hinziehen, sind für den Autor, der in einer Art Autobiografie über diese Zeit schreibt, auch ein Quell der Ruhe und Besinnlichkeit. In dieser Gegend, die unberührt von unserer modernen Zivilisation ist, spürt er die Magie der Worte, er spürt, was es heißt am Meer zu leben.

„Nachts schlafe ich bei offenem Fenster. Es geht nur eine leichte Brise, und das sanfte Plätschern von Wasser gegen Stein findet seinen Weg durch die dünne Membran des Schlafes. Auf der Westseite der Vesteralen gibt es ein eigenes Wort für dieses Geräusch, das in einer milden Sommernacht durchs offene Schlafzimmerfenster dringt und vom Meer erzeugt wird, das auf weichen Sandstrand trifft: ’sjybarturn‘.“

Die Menschen, die dort in Fischerdörfern leben, haben sicherlich ein direkteres Verhältnis zur Jagd nach Fischen als andere, es ist in der Tat ihre einzige Möglichkeit zu Überleben. Sie wissen um das Zusammenspiel von Walen, Haien, Korallen, Fischen und welches Wetter welche Möglichkeit bietet, erfolgreich die See zu befischen. Leider haben moderne Fischfangmethoden und die Gier nach maximalem Profit, viele Arten ausgerottet und damit auch das komplexe ökologische Zusammenspiel der Flora und Fauna verändert, wenn nicht sogar zerstört. Damit verschwindet leider auch das Wissen über diese Zusammenhänge und das dazugehörige Vokabular.

Kritisch setzt sich der Autor mit dieser ökologischen Katastrophe auseinander, wenn auch das Hauptaugenmerk nicht ganz darauf liegt. Wenn er davon spricht dass durch Schleppnetze Korallen zerstört werden, ist das natürlich eine verwerfliche Art der Fischerei, und man nimmt es ihm durchaus ab. Aber dann sich selbst in ein Boot zu setzen und ein vom Aussterben bedrohtes Tier zu fangen karikiert seine Aussage. So wie der Umweltaktivist, der zu Hause den Müll nicht trennt.

Der Eishai greift Menschen nicht aktiv an, ist erst nach 150 Jahren geschlechtsreif, lebt so lange wie kein anderes Wirbeltier (400 Jahre) und sein Fleisch ist für den Menschen nicht zum Verzehr geeignet. Warum ihn dann jagen? Hier bekam ich dann doch meine berechtigten Zweifel am Tun des Autors.

Morten A. Stroksens ist ein starkes Buch gelungen, ein Buch das den Leser gerade in seinen Sachbuch Passagen fordert. Geschickt, manchmal etwas langatmig, aber nie langweilig, vermischt er diese Fakten mit den lyrioschen Beschreibungen der Ausflüge der beiden Freunde auf das Meer. Nicht ganz überzeugt war ich von seiner, mir zu dezenten und nicht ganz authentischen Kritik, an der Umweltzerstörung. Dennoch hat er dies literarisch in einem Absatz wunderschön subtil ausgedrückt:

„Massenaussterben sind uns durchaus bekannt. Wir sind erst seit wenigen Jahrtausenden hier, aber wir haben uns bis in die letzten Winkel der Erde ausgebreitet. Wir waren fruchtbar und haben uns vermehrt. Wir haben die Erde bevölkert und sie uns untertan gemacht. Wir herrschen über die Fische im Meer und über die Vögel unter dem Himmel und über alles Getier, das auf Erden kriecht.“

Amen!

Gemütliches flanieren auf dem Meer: Das Buch vom Meer

Von: Aufziehvogel (Marcel) Datum : 14.11.2016

misteraufziehvogel.blogspot.de/

Norwegen 2015
Das Buch vom Meer
Alternativ: Das Buch vom Meer oder wie zwei Freunde in einem Schlauchboot ausziehen, um im Nordmeer einen Eishai zu fangen, und dafür ein ganzes Jahr brauchen
Originaltitel: Havboka – eller Kunsten å fange en kjempehai fra en gummibåt på et stort hav gjennom fire årstider
Autor: Morten A. Strøksnes
Veröffentlichung: 29.08.2016 bei DVA
Übersetzung: Ina Kronenberger, Sylvia Kall
Genre: -



"Seeleute an Land wirken häufig wie rastlose Gäste. Selbst wenn sie nie wieder zur See fahren werden, erwecken sie in Gesprächen und in ihrem Verhalten den Anschein, als wären sie nur kurz zu Besuch. Die Sehnsucht nach dem Meer werden sie nie ganz los. Das Meer, das nach ihnen ruft, muss sich jedoch mit ausweichenden Antworten begnügen.
Einen solchen geheimnisvollen Drang muss auch mein Ururgroßvater verspürt haben, als er das schwedische Binnenland verließ und durch Täler und über Berge nach Westen wanderte. Wie ein Lachs folgte er den großen Flüssen, zuerst gegen den Strom, dann mit ihm, bis er das Meer erreichte. Als Grund für die Wanderung soll er angegeben haben, er müsse unbedingt das Meer mit eigenen Augen sehen. Er hatte aber ganz sicher nicht die Absicht, jemals wieder dorthin zurückzukehren, von wo er gekommen war. Vielleicht ertrug er den Gedanken nicht, für den Rest seines Lebens mit gebeugtem Haupt über die kargen Äcker einer schwedischen Berglandschaft zu laufen. Er muss ein Mensch gewesen sein, der sich von Stimmungen leiten ließ, ein Träumer mit kräftigen Beinen, denn er schaffte es bis zur norwegischen Küste. Hier gründete er eine Familie und heuerte später auf einem Frachtschiff an. Irgendwo im Pazifik ging sein Schiff dann unter, und alle an Bord ertranken, ganz so, als wäre der Mensch vom Meeresgrund gekommen und müsste auch wieder dahin zurück. Als gehörte er eigentlich dorthin und hätte es die ganze Zeit über gewusst. So stelle ich es mir jedenfalls vor."
("Das Buch vom Meer", Morten A. Strøksnes. Übersetzung Ina Kronenberger und Sylvia Kall für DVA)



Der Blog vom Meer bekommt nun Unterstützung durch "Das Buch vom Meer". Morten A. Strøksnes Geschichte über 2 Freunde, die das Meer lieben und einen Eishai (besser bekannt als Grönlandhai) fangen wollen, hat sich zu einem kleinen Geheimtipp avanciert. Strøksnes ist in seiner Heimat natürlich kein unbekanntes Lichtchen. Als Journalist und Autor sind seine Aktivitäten relativ umfangreich. In Norwegen schätzt man Strøksnes Schreibkunst besonders im Segment der Sachbücher. Bei seinem neunten Buch, nämlich dem hier besprochenem "Buch vom Meer", hat der Autor sich dazu entschieden, das Sachbuch mit der Belletristik zu verbinden. Auf dem Papier ist der Roman Fiktion, verziert ist dieser aber mit Passagen, die genau so gut in eines seiner Sachbücher passen könnte. Zwischen Fiktion, etwas Naturwissenschaften und Wortwitz ist dem Norweger ein interessanter wie kurzweiliger Genremix gelungen. Leser, die ein gewaltiges Abenteuer im Stile von Moby Dick erwarten, könnten jedoch enttäuscht werden.

"Das Buch vom Meer" benötigt nicht lange, um direkt zum Punkt zu kommen. Strøksnes hält sich nicht lange mit Vorbereitungen auf und führt besonders die Charaktere zügig ein. Da hätten wir einmal den Ich-Erzähler, der den Leser durch die Geschichte geleitet (und ihm einen Platz auf dem Boot reserviert), gleichzeitig aber auch als Naturwissenschaftler agiert und die ganze Geschichte wie eine Dokumentation, aber auch einen Reisebericht beschreibt. Als zweiten Protagonist haben wir den langjährigen Kumpel des Erzählers, Hugo Aasjord. Der Erzähler nimmt sich keine Zeit uns Hugo bei der Begrüßung näher vorzustellen. Stattdessen webt er Hugos Hintergrundgeschichte (inklusive seiner Beschreibung) intelligent in separate Erzählungen beinahe beiläufig ein. Hugo ist ein etwas kauziger Zeitgenosse der am Meer aufgewachsen ist und regelrecht vernarrt und verliebt in seine Boote ist (und so ziemlich alles, was mit der See zu tun hat). Die Geschichte dieser beiden Herren beginnt an einem milden Sommertag. Die Vorbereitungen sind so gut wie getroffen, das teure Schlauchboot ist aufgepumpt und beide Männer wollen ihren Traum erfüllen, den sie lange im voraus geplant haben: Sie wollen einen Eishai fangen. Was beinahe schon simpel klingt, entpuppt sich für die beiden als eine langwierige Odyssee.

Wie ich schon beschrieben habe ist "Das Buch vom Meer" kein furioser Abenteuerroman. Stattdessen fährt Morten A. Strøksnes hier etwas ruhigere Gewässer an. Was aber nicht heißt, der Roman ist langweilig oder schwer zu lesen. Man muss ein wenig eigenen Enthusiasmus mitbringen, wenn man das Buch liest, sich besonders für die vielen dokumentarischen Anmerkungen des Erzählers interessieren, sich darin hineinversetzen können. Im laufe der Geschichte gibt es sicherlich immer mal wieder weniger interessante oder gar langwierige Abschnitte, die werden aber häufig durch wunderbar eingesetzten trockenen Humor kompensiert. Eines der Grundthemen des Buches ist die Sehnsucht und die Faszination des Meeres. Genau diese Mischung macht "Das Buch vom Meer" zu einem würdigen Vertreter, auf meinem Blog präsentiert und besprochen zu werden. Denn genau das ist die außergewöhnliche, exotische Literatur, nach der ich suche. So gesehen teile ich hier eine Leidenschaft mit den Protagonisten, auch wenn es wohl nun leicht an der Absurdität grenzen würde, wenn ich ein Buch mit einem Eishai vergleichen würde..... oder etwa.....


Resümee

"Der Weg ist das Ziel". Ein moosbewachsener Spruch, der zu diesem Roman aber großartig passt. Bei all den wundervollen Beschreibungen rund um die Natur und der See, da gerät das eigentliche Ziel dieser zwei relativ ungleichen Freunde schon einmal aus den Augen. Und dies gilt nicht als Kritik gemeint, die Beschreibungen, ganz besonders die Erklärungen, machen den Reiz dieser Geschichte aus.

Auf den letzten Seiten des Buches findet sich noch ein ausführliches Register, bei dem man Begriffe und Ereignisse nachschlagen kann. Auf dem Meer mag man sich als Laie verloren und hilflos vorkommen, in diesem ruhigen Abenteuer aus Norwegen haben wir mit Morten A. Strøksnes jedoch einen ausgezeichneten Reiseführer. "Das Buch vom Meer" ist Lesestoff für die kalte Jahreszeit. Und wenn einem das norwegische Klima doch einmal etwas zu nasskalt ist, hilft bestimmt ein warmer Glühwein aus.

Das Buch vom Meer

Von: Fernwehge Datum : 26.10.2016

fernwehge.com

Der Titel hätte nicht passender gewählt sein können: „Das Buch vom Meer“ oder „Wie zwei Freunde im Schlauchboot auszogen, um im Nordmeer einen Eishai zu fangen, und dafür ein ganzes Jahr brauchen“ von Morten A. Strøksnes, bringt die zwei Hauptthemen des Buches auf den Punkt. Zum einen wäre da die Erzählung darüber, wie der Autor mit seinem Freund Hugo versucht einen Eishai in den Lofoten zu fangen. Mit Hilfe verschiedener Köder, verschiedener Boote und zu den unterschiedlichsten Jahreszeiten. Zum anderen bekommen wir einen Einblick in die unglaubliche Geschichte und Artenvielfalt des Meeres geboten.

Wer hier einen Roman erwartet, wird entweder enttäuscht oder aber positiv überrascht. Fließend gelingt es dem Autor, zwischen Erzählung und geschichtlichen, oder auch wissenschaftlichen, Fakten zu wechseln und er meistert dabei den Spagat zwischen Erzählung und Sachbuch.

Klappentext: Zwei Freunde in einem kleinen Boot, die sich einen lang gehegten Traum erfüllen: Aus den Tiefen des Nordatlantiks wollen sie einen Eishai ziehen, jenes sagenumwobene Ungeheuer, das sich nur selten an der Oberfläche zeigt. Während sie warten, branden wie Wellen die Meeresmythen und Legenden an das Boot, und Morten A. Strøksnes erzählt von echten und erfundenen Wesen, von Quallenarten mit dreihundert Mägen, von Seegurken und Teufelsanglern. Von mutigen Polarforschern, Walfängern und Kartografen und natürlich vom harten Leben an arktischen Ufern, vom Skrei, der vielen Generationen das Überleben auf den Lofoten sicherte, von der Farbe und dem Klang des Meeres. Eine salzige Abenteuergeschichte über die Freiheit und das Glück, den Naturgewalten zu trotzen – und ein atemberaubendes Buch, das uns staunen lässt über die unergründlichen Geheimnisse des Meeres.

Der Autor schafft es, sein Wissen über das Meer, dessen außergewöhnliche Flora und Fauna, den Fischfang in Norwegen, alten Sagen und vielem mehr, so geschickt in die Erzählung einzufügen, dass man erst nach einer Weile merkt, wie man sich plötzlich nicht mehr in einem Boot auf dem Fjord befindet, sondern eingetaucht ist – in das Meer.

Da ich vor kurzem erst eine Dokumentation über die Lebewesen der Tiefsee geschaut habe, konnte ich mir vieles bildlich und lebhaft vorstellen und wusste wie die verschiedenen Fische aussehen, über die Strøksnes schreibt. Zum Beispiel der Fisch, der mit seinen Flossen, wie auf Beinen, über den Meeresgrund läuft.

Mit seinen Ausflügen in die Wissenschaft und die Geschichte, rückt die Erzählung über die Jagd des Eishais oft in den Hintergrund. Doch auf dem Meer bleibt schließlich viel Zeit zum nachdenken, sobald der Köder ausgeworfen wurde und man nur noch warten kann.

Fazit: Das Buch heißt nicht umsonst „Das Buch vom Meer„. Hier steht weniger die Erzählung, die in der Ich-Perspektive geschrieben wurde, im Vordergrund, sondern die Faszination des Meeres. Während wir dabei sind, wie Hugo zusammen mit seiner Frau Mette eine alte Fischfabrik auf der Insel Skrova in Schuss bringt und die zwei Freunde sich weder von schlechtem Wetter, noch von Rückschlägen entmutigen lassen einen Eishai zu fangen, rücken immer wieder Fakten über den Fischfang in der Vergangenheit, den Walfang, Tiefseeforscher, oder auch Mythen von Meeresungeheuern in den Fokus.

Äußerst interessant und packend geschrieben. Manche Themen waren mir allerdings etwas zu ausführlich und hätten für meinen Geschmack kürzer gefasst werden können. So war es für mich kein Buch, dass ich lange am Stück lesen konnte, sondern mir in kleineren Häppchen gegönnt habe.

Zur Aufmachung ist zu sagen, dass ich richtig begeistert bin. Heutzutage hält man nur noch äußerst selten in Leinen gebundene Bücher in den Händen und das Cover-Design tut sein Übriges.

All diejenigen, die schon in den Lofoten waren, oder sich gerne hin träumen möchten, die, die das Meer und die Seefahrt lieben, werden große Freude an diesem Buch haben.

Eine tiefe Leidenschaft

Von: AG Datum : 24.10.2016

https://storiesonpaper.net

„Das Buch vom Meer“ von Morten A. Strøksnes (DVA) berichtet von der einjährigen Jagd auf einen Eishai, den der Autor gemeinsam mit seinem Freund Hugo an der Küste Nordnorwegens fangen möchte. Die Handlung wird neben der romanhaften Erzählung immer wieder von Exkursen in die Tiefen des Meeres unterbrochen. So berichtet Stroksnes u.a. von der Unterwasserflora und –fauna, schreibt über die Entwicklung der Erde und erzählt von anderen Seeleuten – das Stichwort ist immer das Meer, für das der Autor eine große Liebe hegt.

Der Klappentext verrät es schon ein wenig: mit diesem Buch liegt nicht nur eine Abenteuergeschichte vor. Es werden auch historische und geografische Fakten miteingebunden, sodass „Das Buch vom Meer“ wahrlich ein Buch vom Meer ist und eher als Sachbuch stehen kann. Für mich war dies leider das große Manko an dem Buch. Das ständige Gespringe zwischen der Geschichte um die Jagd nach dem Eishai und den Ausschnitten, die eher an ein Lexikon erinnerten, war für mich eher hinderlich am Lesefluss. Aus der versprochenen Abenteuergeschichte wurde so eine knappe Erzählung mehrerer Angelausflüge, bei denen nicht viel passiert. Schon auf den ersten 50 Seiten wurde mir klar, dass ich mit dieser Mischung leider nicht viel anfangen konnte und versuchte so, das Buch so schnell wie möglich zu lesen. Dass der Autor eine große Faszination für das Meer inne hat, hat er mit dieser regelrechten Ode an das Meer bewiesen, dennoch konnte der Funke bei mir nicht überspringen.

Strøksnes gehört zu den bekanntesten und beliebtesten Autoren Norwegens und auch für sein neues Buch erhielt er zahlreiche Preise. Mit mehreren Sachbüchern reiht sich „Das Buch vom Meer“ in seine Schriftstellerkarriere ein und mir ist nicht klar, ob der Autor mit diesem nun ein weiteres Sachbuch vorlegen wollte, dass Romanelemente mit den Fakten verknüpft und diese somit auflockert oder sich auf die neue Ebene der Erzählung wagen wollte. Ich muss hierbei zugeben, dass „Das Buch vom Meer“ für mich das erste Buch des Autors war und ich daher auch vielleicht einfach nicht wusste, was mich erwartet. Für mich war das Experiment aus Roman und Sachbuch leider genau das falsche. Ich konnte ein paar interessante Fakten über das Meer mitnehmen, würde „Das Buch vom Meer“ aber weder noch einmal lesen, um mich zu unterhalten, noch um mich weiterzubilden. Leider kann ich diesem Buch daher nur 2 von 5 Sternen geben und bleibe sehr enttäuscht zurück. Einen großen Minuspunkt muss ich auch dem Ende geben, denn die Handlung wurde genau da abgebrochen, wo es für mich am spannendsten wurde. Lobend erwähnen möchte ich allerdings noch die wunderschöne Aufmachung des Buches, die mit dem Leineneinband wirklich etwas hermacht!

Fantastische Reise in die eisige Unterwasserwelt Skandinaviens

Von: Melissa R. Datum : 23.10.2016

mellis-produkttests.blogspot.de/

Ich war mir anfangs nicht ganz sicher, ob es sich bei diesem Buch um einen Roman handelt oder doch ein Sachbuch. Auch nachdem ich damit durch war, kann ich auf diese Frage nicht genau antworten und gerade das macht für mich den Reiz an dem "Buch vom Meer" aus.

In Bezug auf den erzählerischen Verlauf kann man sagen, dass der Plot sehr geradlinig und klar ersichtlich ist. Zwei Freunde wollen zusammen einen Eishai fangen. Natürlich gibt es überraschend spannende Stellen und kleine Abweichungen, die für den Plot nicht wichtig sind, aber die Erzählung insgesamt auflockern.

Das Besondere an dem mehrfach ausgezeichneten Werk von Morten A. Strøksnes waren für mich vor allem die Ausflüge in die Meeresbiologie. Dabei beschränken sich die Schilderungen nicht auf trockene Fakten zu den skandinavischen Gewässern - ganz im Gegenteil! Der Leser wird auf eine fantastische Reise in die eisige Unterwasserwelt mitgenommen. Strøksnes offenbart angesammeltes Wissen, das vom Walfang über Riesentintenfische bis zu furchteinflößenden Urzeitwesen reicht. Ich habe wohl selten so viel parallel nachgelesen, wie für dieses Buch. Ganz besonders kann ich es empfehlen, immer mal wieder nach den Orten zu suchen, an denen sich die geschilderten Ereignisse abspielen. Ich konnte jedenfalls nicht widerstehen, nach Aufnahmen der Lofotenwand zu suchen und schon ergriff mich das Fernweh.

Kurz gesagt: ich kann das Buch für alle empfehlen, die keinen Thriller erwarten und Interesse an der maritimen Lebenswelt haben. Strøksnes versteht es wie kein anderer, die Eindrücke atemberaubender Natur-Spektakel zu beschreiben - mit ihm steht man wahrlich direkt an der Küste Norwegens, den Blick auf das stürmische Meer gerichtet.

Die Liebe zum Meer in geschriebener Form

Von: meggie Datum : 14.10.2016

Zwei Freunde, ein Boot, ein Eishai und das Meer... Der Erzähler und sein Freund Hugo haben sich vorgenommen, einen Eishai zu fangen, in einem Schlauchboot, auf dem Meer, in Norwegen. Und so fängt eine Geschichte an, die die Liebe zum Meer zeigt.

Das Buch ist vieles: eine Erzählung über die Liebe zum Meer und dessen Bewohner. Eine Hommage an die Erde, die so ist, wie sie ist. Ein Bildnis des Lebens und der Freundschaft. Aber vor allem ist es ungewöhnlich. Ungewöhnlich liebevoll, ungewöhnlich anders, ungewöhnlich schön.

Die eigentliche Geschichte, das Fangen des Eishais, tritt in den Hintergrund und wird mehr nebenbei erzählt. Im Vordergrund stehen unzählige kleine Erzählungen über "unnütze" und doch hochinteressante Dinge.
Allen voran die vielen Vergleiche, die gezogen werden. Hier zuerst das Meer und das Weltall. Der Autor, der auch gleichzeitig der Erzähler ist, hat sich in viele Dinge eingelesen und gibt diese in dem Buch wieder.
Es ist vieles. Kleine Geschichten aus der norwegische Geschichte, man erfährt einiges über den Walfang, Leuchttürme, Norwegen, historische Persönlichkeiten (Wissenschaftler, Autoren, Seefahrer) oder eben das Leben in Norwegen. Dramatische Ereignisse wie auch erfreuliche Erlebnisse finden einen Weg in die Erzählung.

Diese "Zwischeninfos" verdrängen eben die eigentliche Geschichte über die beiden Hauptcharaktere Hugo und den Erzähler. Die ständigen Abschweifungen von dem Hauptthema sind jedoch zeitweise richtig spannend und haben auch ständig das gleiche Thema: das Meer.

Unzählige Fußnoten runden die Geschichte ab. Hier störte mich jedoch, dass ich ständig auf die letzten Seiten blättern musste, um die Fußnoten zu lesen. Nach ungefähr der Hälfte des Buches hörte ich damit jedoch auf. Ich hätte mir gewünscht, die Fußnoten auf der zugehörigen Seite lesen zu können. Dies war jedoch aufgrund der Länge mancher Fußnoten nicht möglich.

Eigentlich ist das Buch kein Roman, sondern ein Sachbuch über das Meer und die damit verwandten Themen. Auch skurrile Dinge werden erzählt. Wusstet Ihr, dass bis ins 19. Jahrhundert hinein, Tiere angeklagt und ihnen der Prozess gemacht wurde?

Ich finde es schön, wie der Autor das Meer mit alltäglichen Dingen vergleicht. So z. B. vergleicht er Wassermoleküle mit Buchstaben, die sich zu Worten (Wasser) zusammensetzen, ganze Wörter bilden und letztendlich in Büchern (Meer) enden und damit wunderbare Geschichten erzählen.
Aber auch mit Musik wird das Meer verglichen. Mythen, Sagen und Geschichten werden erwähnt.

Der Autor ist ein wahrer Wortvirtuose und mach aus einfachen Sätzen richtige Kunstwerke.
Alles zeigt eins: Wir sind nur ein kleiner Teil in der unermesslichen Weite des Alls. Und doch sind wir einzigartig und groß.

Es scheint ganz so, als hätte der Autor alles aufgesaugt, was auch nur im Entferntesten mit dem Meer zu tun hat.
Aber auch negative Dinge werden erwähnt. Die Entwicklung des Arbeitsmarktes, der Rückgang des Fischfangs, Überfischung, Tote, Unglücke, Untergang von Schiffen, Not, Elend.

Das Buch an sich muss ich auch noch erwähnen. Es liegt wunderbar in der Hand, was nicht zuletzt auch an der Größe liegt. Es ist etwas kleiner als normale Bücher und der Einband fühlt sich weich und samtig an, da es in Leinen gebunden ist.

Fazit:
Eine wundervolles Buch mit vielen kleinen Untertönen und einer wunderbaren Geschichte über das Leben, das Meer und einen Eishai.

Morten A. Strøksens gibt seine Leidenschaft der Unterwasserwelt an den Leser weiter

Von: Katis-Buecherwelt Datum : 11.10.2016

katis-buecherwelt.blogspot.de/

Zum Buch:
Dieses sehr schlichte, dennoch auffällige Cover hat mich neugierig gemacht. Der Einband ist aus einer Art Leinen überzogen und ein übergroßer Hai setzt sich in den Vordergrund ab. Im Inneren des Buches fand ich auf jeder Seite Illustrationen - die Wellen des Meeres. Die Kapitelzahlen sind in Form des Hais vom Cover verziert.

Meine Meinung:
"Das Buch vom Meer" ist das neunte Buch von Morten A. Strøksnes, der bereits einige Preise mit seinen Werken gewonnen hat. In Norwegen wurde sein aktuelles Buch zum Nr. 1. Besteller. Mir wurde der Titel im Rahmen der "Buchflüsterer-Aktion" von buecher.de zur Verfügung gestellt und war neugierig auf das, was mich erwarten würde.

Zwei Freunde aus alten Zeiten haben sich als Ziel gesetzt einen Eishai auf traditionelle Weise zu fangen. Das ist sich allerdings gar nicht so leicht. Zwischen stinkenden, verwesten Ködern und kalter, rauer See, erzählen die Freunde von vergangenen Stories, aber auch über das Meer, von der Entstehung des ersten Lebens, bishin zum Überleben in der Tiefe.

Aus der Ich-Perspektive schreibt der Autor einen flüssig zu lesenden Text. Die ersten Seiten des Buches las ich mit Begeisterung. Mit der Zeit schwenkte meine Euphorie in Langeweile und in uninteressanten Erzählungen ab.
Ich fand es wissenswert, etwas über die Tier- und Pflanzenwelt des Meeres zu erfahren, allerdings gab es einige sehr ausschweifende Erzählungen, die weit in die Geschichtsepoche hineinreichen. Über bekannte Seefahrer oder andere geschichtliche Personen wurde berichtet, was mich einschläferte.
Die Abenteuer der Freunde dagegen wurden spannend erzählt, und waren insgesamt zu weit in den Hintergrund gerückt.
Den beiden Protagonisten kam ich nicht näher, was aber auch nicht schlimm war. Die Freunde sind sogesehen nur eine Einleitung zu den sachlichen Erklärungen und Geschichten.

Stilistisch gesehen ist die Mischung aus einer abenteuerlichen Geschichte und dem lehrreichen Material sehr gelungen. Die Ableitungen von einer Erzählung in die Nächste mit objektiven Berichten wurden optimal umgesetzt.
Am Ende des Buches fand ich eine Auflistung zu Fakten und weiteren Hintergrundinformationen, passend zu einzelnen Passagen im Buch.

Ich möchte dieses Buch an Leser empfehlen, die das Meer genauso lieben wie der Autor Morten A. Strøksnes selbst, der mit Leidenschaft darüber berichtet. Wer keinen Draht zum Meer, den Lebewesen und der Seefahrt besitzt, wird meiner Meinung nach, wie ich selbst, nur bedingt hingerissen sein von diesem Sachbuch. Häppchenweise gelesen kann ich mir vorstellen, dass es mehr zusagt, als an einem Stück gelesen.

Fazit:
"Das Buch vom Meer" von Morten A. Strøksnes erzählt in einer Mischung aus Abenteuer und Sachbuch über das Meer. Für Liebhaber der Meere, der Seefahrt und die mehr über Flora und Faune erfahren möchten. Morten A. Strøksens gibt seine Leidenschaft der Unterwasserwelt an den Leser weiter. ~ lehrreich ~ abenteuerlich ~ mystisch und poetisch angehaucht

Wenn zwei sich aufmachen, einen Eishai zu fangen

Von: Vanessas Bücherecke Datum : 05.10.2016

vanessasbuecherecke.wordpress.com

Klappentext:
Zwei Freunde in einem kleinen Boot, die sich einen lang gehegten Traum erfüllen: Aus den Tiefen des Nordatlantiks wollen sie einen Eishai ziehen, jenes sagenumwobene Ungeheuer, das sich nur selten an der Oberfläche zeigt. Während sie warten, branden wie Wellen die Meeresmythen und Legenden an das Boot, und Morten A. Strøksnes erzählt von echten und erfundenen Wesen, von Quallenarten mit dreihundert Mägen, von Seegurken und Teufelsanglern. Von mutigen Polarforschern, Walfängern und Kartografen und natürlich vom harten Leben an arktischen Ufern, vom Skrei, der vielen Generationen das Überleben auf den Lofoten sicherte, von der Farbe und dem Klang des Meeres. Eine salzige Abenteuergeschichte über die Freiheit und das Glück, den Naturgewalten zu trotzen – und ein atemberaubendes Buch, das uns staunen lässt über die unergründlichen Geheimnisse des Meeres.

Meinung:
Wenn zwei sich aufmachen, einen Eishai zu fangen, dann muss man viel Zeit und Geduld mitbringen. Und das bringt natürlich viele Gelegenheiten und Raum für Gedanken und Überlegungen mit sich, die der Autor dafür nutzt, über das Meer, seine Geschichte und seine Bewohner zu machen zu sinnieren. Viele interessante Fakten fördert er dabei zutage, einige bekannt, einige nicht, und schafft es, diese unterhaltsam und informativ in einen Roman zu packen, dessen Verlauf man als Leser bereitwillig folgt.
Egal ob Fakten oder Fiktion, eine Sage, eine wissenschaftliche Erkenntnis oder eine Kritik an der Gesellschaft, Kapitelweise erfährt man hier nach und nach mehr über dieses doch eher für mich noch unbekannte Gebiet des Meeres. Und natürlich wird auch der Eishai und seine Jagd nicht vergessen. Die Mischung ist es hier, die es macht, und diese ist wirklich gut gelungen. Morten A. Strøksnes kann spannend erzählen und unterhalten. Zwischenzeitlich fühlte ich mich immer wieder an Frank Schätzing und sein Werk Nachrichten aus einem unbekannten Universum erinnert, sein Sachbuch, dass er nach Der Schwarm auf den Markt brachte und dessen Recherchearbeit mich damals schon beeindruckt hat. Auch dieses Buch scheint richtig gut recherchiert zu sein und ist mit vielen Anekdoten durchsetzt.
Erzählt wird das Buch in der Ich-Perspektive. Die Kapitel haben eine angenehme Länge und dank der spannenden Thematik und dem gut geplotteten Handlungsverlauf liest sich das Buch flüssig und fesselnd. Und egal, ob man das Buch von vorne bis hinten liest, was sich aufgrund der Geschichte zwar empfiehlt, oder ob man quer rein liest und immer wieder mal in ein Kapitel reinstöbert, immer wird man gut unterhalten und lernt etwas neues dazu.

Fazit:
Ich mag Sachbücher, die eine spannende Geschichte erzählen und Wissen unterhaltsam vermitteln können. Und genau das findet man bei Das Buch vom Meer. Gut recherchiert, spannend, informativ und unterhaltsam taucht man hier tief in die Geheimnisse des Meeres ein und fiebert mit den Freuden auf der Jagd nach ihrem Eishai.
Vielen Dank an den DVA Verlag für das Rezensionsexemplar.

Ein Unikat

Von: Das Buchmonster Datum : 04.10.2016

dasbuchmonster.blogspot.com/

Der Inhalt:
Die beiden Männer Morten und Hugo sind seit Lebzeiten Freunde, sie beschließen, im Nordmeer einen Eishai zu fangen und entführen den Leser dabei in eine außergewöhnlich interessante Meereswelt.


Das Cover:
Das Cover ist sehr hübsch, es sieht nicht nur aus wie Stoff, sondern hat eine stoffähnliche Struktur. Die schöne, blaue Farbe passt sehr gut zum Thema Meer.


Der Inhalt:
In diesem Roman gehen zwei Freunde ein Jahr lang auf Eishai- Jagd, an sich passiert folglich nicht gerade viel, was die Handlung angeht. Der Leser erhält jedoch auf einem anderen Level Inhalt, das Meer und seine Bewohner werden nämlich sehr detailliert beschrieben, sodass man alles Interessante rund ums Meer erfahren kann. Darunter sind auch sehr skurrile Informationen, was für mich ein Vergnügen war.


Der Schreibstil:
Das Buch ist aus der Sichtweise von Morten geschrieben, größtenteils ist der Schreibstil informativ - malerisch, was eine interessante Kombination ist. Ich konnte mich als Leser jedoch gut darin hineinfinden, es war einfach mal was ganz anderes. Das Lesefeeling hat mir sehr gut dabei gefallen, als würde ein alter, rauer Seebär mir aus vergangenen Zeiten und alles rund ums Meer erzählen, darunter zählten teilweise auch Informationen, die mich nicht so sehr interessiert haben. Alles in allem hat der Schreibstil jedoch ein authentisches Gefühl hergestellt, trotz dieser merkwürdigen Kombination. Das Buch ist auf jeden Fall ein Unikat.


Mein Fazit:
Ein stimmungsvolles, wissenswertes Buch, welches mich in die Meereswelt mitgenommen hat, mit einer sowohl rauen als auch malerischen Kulisse. Die Handlung war praktisch nicht vorhanden, sodass sich das Buch stellenweise gezogen hat. Ich hatte teilweise das Gefühl: was soll das eigentlich? Wodurch meine Begeisterung zu dem Buch etwas geschmälert hat. Ich war jedoch trotzdem sehr froh, dieses Buch lesen zu dürfen,



Von mir gibt es daher 4 von 5 Punkten.

Das große Sehnsuchtsbuch vom Meer

Von: Nicoles Bücherwelt Datum : 22.09.2016

nicolesbuecherwelt.blogspot.de/

Die beiden Freunde Hugo und Morten haben einen großen Traum: Sie möchten einen Eishai fangen - ein großes Wesen, das in den Tiefen des Nordatlantiks zuhause ist und nur selten an die Meeresoberfläche kommt. Als es die Wetterverhältnisse endlich zulassen, fahren die Freunde in Hugos Schlauchboot hinaus aufs Meer. Doch um einen Eishai zu fangen, braucht man Zeit und Geduld - während sie warten, erinnern sich die beiden an Legenden und Meeresmythen, erzählen von vergangenen Abenteuern und sagenumwobenen Meereswesen. Auch das Leben im Norden Norwegens hat viele Facetten - keiner weiß das besser als Hugo, der an einem großen Projekt arbeitet. Und natürlich ist der Eishai ein großes Thema - wird es ihnen gelingen, jenes Urzeitwesen zu fangen?

"Hugo hat in seinem ganzen Leben noch kein Fischstäbchen gegessen. Und er hat auch nicht die Absicht, den Geschmack davon zu ergründen." -Seite 12

"Wir genießen die Stille. Die Gedanken befreien sich von ihrer Vertäuung und lassen sich mit der Strömung treiben. Da oben die Sterne, hier unten das Meer. Die Sterne plätschern, das Meer glänzt und funkelt." - Seite 129

Dieses Buch ist mir vor allem durch die wunderschöne Covergestaltung aufgefallen. Zusammen mit dem besonderen Titel passt diese perfekt zu der Geschichte.
Anfangs lernt man Mortens Freund Hugo Aasjord kennen, der auf die Idee kam, einen Eishai zu fangen. Das Buch ist in der Ich-Perspektive geschrieben. Neben den aktuellen Geschehnissen werden immer wieder interessante Fakten aufgelistet - wie etwa, welche Farbe das Meer wirklich hat oder das erstaunliche Alter, welches ein Eishai erreichen kann. Aber auch über aktuelle, ernste Themen wie der Klimawandel und die Verschmutzung der Meere äußert sich der Autor ausführlich.
Doch dieses sind nur kleine Einblicke in das Buch, in dem es noch so viel mehr zu entdecken gibt. Nicht nur über das Meer und dessen viele Bewohner erfährt man Einiges, sondern auch über das Leben im Norden Norwegens und den Fischfang. Zwischen den vielen interessanten Informationen über die man manchmal einfach nur staunen kann, wird auch sehr gut die Vorgehensweise des Eishaifangs der beiden beschrieben.

"Als Kind habe ich oft Eisenbahnschienen gesehen, die man auf flachen Felsen und Stränden verlegt hatte und auf denen man Boote zu einem Schuppen oder einer Helling zog. Ich hingegen stellte mir vor, dass sie für Züge gedacht waren, die zum Meeresgrund fuhren - mit wasserdichten Abteilen, durch deren Fenster man fantastische Dinge sehen konnte." - Seite 161

Mein Fazit: Ein wahres Sehnsuchtsbuch vom Meer, wunderbar geschrieben und sehr informativ. Ob es nun um Sagen, Meeresbewohner, Leuchttürme oder Norwegens Vestfjord geht - alles wird vom Autor sehr gut erzählt und detailreich beschrieben. Ein kleines Abenteuerbuch mit vielen interessanten Fakten, von denen ich vieles noch nicht wusste. Nicht nur inhaltlich gelungen, sondern auch äußerlich ein Schmuckstück: Das Buch hat keinen Papierumschlag, sondern ist aus Leinen.
Ein schönes Lesehighlight!

Eine Geschichte über Freundschaft, Ausdauer und Mut

Von: Margarete Rosen Datum : 19.09.2016

www.therapeutic-touch-west.de

Eine Geschichte über das Meer, der Menschen, die dort wohnen, leben und sterben.
Das Buch hat mich überrascht. Denn laut Klappentext hatte ich mystische Geschichten und eine ein Jahr dauernde Odyssee durchs Nordmeer erwertet.
Lesen konnte ich dann eine Geschichte über die langandauernde und manchmal recht pragmatische Freundschaft zweier Männer, die von einer tiefsitzende Achtung und Respekt zeugt.
Stroksnes erzählt viel wissenswertes aus Wissenschaft und Forschung, altes und neues über das Meer, seine Bewohner und Nutzer.
Einen Eishai zu fischen auf die alte tradidionelle Weise bedarft Ausdauer, Mut und Erfahrung, genauso wie den Pragmatismus eine Niederlage als den Angfang eines neuen Versuches zu sehen.
Die Geschichte Nordnorwegens und des Nordmeeres werden aus verschiedenen Seiten beleuchtet. Fast nebenbei plaudert er über familiäre Zusammenhänge und Erlebnisse seines Freundes Hugo, der als Künstler das alte Fabrikanwesen seiner Familie wieder restauriert und als Künstlerort aufbauen möchte.
Wie pragmatisch Menschen, die am, mit und auf dem Meer leben, mit Leben und Tod umgehen und wie selbstverständlich die eigene Vergänglichkeit ist, wird in den einzelnen Episoden deutlich.
Auch spricht Stroksnes ganz unspektakulär über das Überfischen der Weltmeere, wobei ganze Arten ausgerottet werden nur des Profits willen. Dabei setzt er das Leben der Fischer früher und heute gegenüber. In kleinen Geschichten erfahren wir, wie sie gelebt haben, wie sich die Zeiten änderten, vermeindlicher Wohlstand zu späterer Verarmung führte.
Das Buch hat mich so gefesselt, dass ich es an einem Wochenende ausgelesen habe.

Eine kleine, feine, stille und tief berührende Geschichte. Absolut Lesenswert.

Von der Liebe zum Meer

Von: Sallys Books Datum : 17.09.2016

like-jackandsallysbooks.blogspot.de/

Das Cover:
Allein schon das das Buch nicht wie normal mit einem Papierumschlag ist, sondern aus Leinen macht es für mich total lesenswert. Auch das Cover gefällt mir, es ist schlicht, aber man weiß direkt um was es geht. Auch die Farben sind gut gewählt.

Die Protagonisten
Über den Haupterzähler des Buches erfährt man hier nur sehr wenig, jedoch haben wir ja noch einen zweiten Protagonisten, über den wir sehr viel Erfahren.Hugo lebt schon sein ganzes Leben am Meer, seine Familie hat den Fisch- und Walfang bereits Generationen hinter sich. Jedoch hat er selbst noch nie einen Eishai gesehen und genau das ist sein Traum. Gemeinsam mit seinem Freund zieht er raus aufs Meer und möchte seinen Traum wahr machen, das dies aber länger dauert als gedacht macht diese Gesichte umso wunderbarer.

Der Schreibstil:
Unglaublich! Das ist so das erste Wort das mir zu diesem Schreibstil einfällt. Ich bin mit diesem Buch in eine Art Skandinavien-Urlaub gefahren, der mir richtig Fernweh hinterlassen hat. Man wird nicht einfach mit einer Geschichte abgespeist, sondern bekommt unglaublich viel Wissen über das Meer und seine Bewohner serviert, was ich wirklich super fand. Man kann bei diesem Buch also neben der Geschichte auch noch was lernen. Da ich mich eh für das Thema Meer und unerforschtes interessiere, war das genau das richtige für mich.

Der Autor:
Morten A. Strøksnes, 1965 in Kirkenes an der Barentssee geboren, hat Philosophie, Literaturwissenschaft und Geschichte in Oslo und Cambridge studiert. Er lebt heute als Journalist und Autor in Oslo. Er publiziert in renommierten Medien und hat mehrere viel beachtete Sachbücher vorgelegt. 2011 bekam Strøksnes den Preis des Sprachrats, der für Sachbücher von herausragender literarischer Qualität vergeben wird. „Das Buch vom Meer“ ist sein neuntes Buch und wurde in Norwegen zum Nr.-1-Bestseller. Es erhielt den Kritiker-Preis und den Brage-Preis, den wichtigsten norwegischen Buchpreis, und erscheint in über 15 Ländern.

Mein Fazit:
Was soll man mehr über dieses Buch sagen als: LEST ES! Es ist einfach so unglaublich schön das es für mich definitiv mein Jahreshighlight geworden ist. Vielen Dank an den Autor, das er so ein tolles Buch geschrieben hat!

Zwei Männer, das Meer und ein großer Fisch

Von: Papiergeflüster Datum : 13.09.2016

www.papiergefluester.com/

Zwei Freunde, die nun endlich einen lange gehegten Traum wahr machen. Sie wollen einen Eishai fangen. Zu zweit in einem Boot auf dem Nordatlantik, da bleibt viel Zeit für Geschichten und Berichte um und über die verschiedensten Meeresbewohner, die Inseln und Schären in Norwegen, Walfang und natürlich den Eishai selbst. Ein faszinierender Fisch, der mehrere hundert Jahre alt werden kann.

Man lernt in diesem Buch wirklich viel über das Meer und die Folgen unseres Umgangs damit, ohne dass hier die Moralkeule geschwungen wird. Der Autor kommt eher fatalistisch zu dem Schluss, dass es sowieso schon zu spät ist. Der Mensch rottet sich selbst aus und die Erde bekommt dann ihre Chance, sich wieder von uns zu erholen. Aber das ist nur am Rande Thema.

Neben der Freundschaft der beiden Männer, die in diesem Jahr viel Zeit miteinander verbringen, was ihre Freundschaft auch durchaus mal auf die Probe stellt, gibt es unendlich viele Geschichten rund ums Meer und seine Bewohner zu lesen. Wer sich mit dem Thema noch nicht intensiver beschäftigt hat, bekommt hier enorm viel Wissen serviert, in kleinen, leicht verdaulichen Happen. Mit einem Biologie-Studium und einigen Jahren Interesse an der Meereswelt sieht das anders aus, für mich gab es leider wenig neues zu erfahren, blieb vieles zu oberflächlich. Immer wieder kam ich an den Punkt, an dem ich gerne mehr erfahren hätte, da kam aber nichts mehr. Immerhin gibt es eine ausführliche Liste mit Quellen, die ich abarbeiten könnte. Aber das ist ein spezielles Problem, von anderen Lesern weiß ich, dass sie mit dem, was sie im Buch erfahren konnten, sehr glücklich waren.

Die Landschaftsbeschreibungen haben mich dagegen in ihren Bann gezogen. Norwegen ist nach dieser Lektüre auf die Liste der Wunschreiseziele gewandert.

Haptisch und Optisch ist dieses Buch ein Kleinod. Die Gestaltung des Covers ist wunderschön und passt bestens zum Thema des Inhalts, das Blau versetzt den Leser von Anfang an mitten in die Geschichte. Etwas ganz Besonderes: dieses Buch wurde in Leinen gebunden. Heutzutage findet man das immer seltener, dabei fühlt es sich so wunderbar an.

Alles in allem eine schöne Lektüre, die mich für ein paar Stunden in eine nasse, kalte und faszinierende Welt entführte, aus der danach wieder aufzutauchen gar nicht so einfach war.

Wunderbar mit Emotion erzählt

Von: Michael Lehmann-Pape Datum : 09.09.2016

www.rezensions-seite.de

Allein schon von der ruhigen kraftvollen Sprache bildet dieses Buch eine wunderbare Lektüre. Sachlich-ruhig erzählt und doch mit spürbarer Emotion dem Meer und dem, was drin ist, gegenüber. In einer Sprache, bei der man genauso sagen kann, es sei ein Kinderbuch, das auch Erwachsene gerne lesen werden, wie auch, es sein ein kluges Sachbuch, das sich dem Erleben und der Verständigkeit von Kindern nicht entzieht.

„Jedes Mal wenn ich Oslo verlasse und in den Norden reise, habe ich ein Gefühl von Befreiung“.

Denn es wartete die Weite des Meeres, der salzige Geruch, das Geheimnisvolle. Und eines dieser Geheimnisse ist die Ursache des Buches. Der Erzähler will mit seinem Freund Hugo (wieder einmal) auf die Suche gehen. Einen Eishai finden. Sehen, Vielleicht gar erjagen. Was Beiden noch nie gelungen. Nichts von alldem.

Aber diese Suche und Jagd bildet letztlich nur den erzählerischen Rahmen für die Betrachtung vieler einzelner Stationen, Begegnungen auf dem Meer und durch das Meer.

Wie es sich lebt und wie man überlebt an nördlichen Meeresufern, die im Winter sehr unwirtlich werden. Was für Wesen zu finden waren oder wären (wobei nicht alle dieser Wesen tatsächlich existieren, aber auch in den Fantasiegeschichten des Buches schwingt immer auch etwas von dem mit, um das Stroksnes in der Tiefe geht und was das meer wirklich in ihm auslöst:

„Die Stunden vergehen. Wir sind mit uns und der Welt zufrieden, und ich habe nicht den Wunsch woanders zu sein. Die Landschaft (des Meeres) ist nichts, was vor mir liegt und was ich hinter mich bringen muss. Nein. Sie ist um ich herum und unglaublich präsent“.

Ein Gefühl der Verbundenheit mit sich und dem Leben, der Natur, der Welt an sich. Denn woher kam diese Welt? Aus dem Meer natürlich, ursprünglich.

Wie das ging, welchen Umgang mit dem Meer dann später die Menschen lernten (Transportwege und Navigation), wie es sich lebt als Meeresbewohner, welche althergebrachten Instinkte immer noch den Kurs ganzer Fischschwärme bestimmen und zu manch unerklärbaren Verhalten führen (die Wanderung der Wale, das Laichen bestimmter Kabeljaue an den Lofoten und vieles mehr)

Sehr kenntnisreich und dabei sehr fließend im erzählerischen Ton bringt Stroksnes dem Leser das (vor allem nördliche) Meer und was darinnen und darum herum ist nahe.

Eine sehr zu empfehlende Lektüre, die nie belehrend, aber immer informiert und informativ wirkt.

ein Buch über die Leidenschaft für´s Meer

Von: Klopstockblog Datum : 07.09.2016

www.klopstockblog.blogspot.de

Mit dem Meer konnte man mich schon lange begeistern. Ich finde unglaublich spannend, was dort unten kräucht und fläucht und sauge jede Information, die heutzutage über die Tiefen unserer Ozeane vorhanden ist, auf wie ein Küchentuch. Dieser Wissendrang musste immer mehr dem weichen, was man allgemein als „abiturrelevant“ bezeichnet. Umso schöner ist es, sich bei Gelegenheit den einen oder anderen Fisch zu widmen, der irgendwo im Atlantik umher schwimmt und darauf wartet, gefangen zu werden.

Inhalt
„Das Buch vom Meer“ ist ein Ausflug in die Tiefen der atlantischen Meere, umrahmt von der Geschichte einer nordischen Männerfreundschaft. Dieser Begriff trifft es meiner Meinung nach recht präzise, da beide die meiste Zeit in einem Boot auf dem Nordatlantik, hauptsächlich mit den eigenen Gedanken beschäftigt, verbringen. Das Ziel des gesamten Unterfangens ist, einen nordischen Eishai an den Harken zu bekommen und ins Boot zu verfrachten. Der stinkende Rinderkadaver ist als Köder im Meer versenkt und die Jagd auf den Eishai beginnt…

Aus meiner Sicht
Zu aller erst muss ich loben, wie hochwertig das Buch gestaltet ist. Das Hardcover ist mit Stoff überzogen und die Buchseiten an sich sind mit Wellen und kleinen Eishaien gestaltet. Ich freue mich jedes Mal, wenn ich ein Buch in der Hand habe, das aussieht, als hätte jemand mit Liebe daran herum getüftelt, dass sein Werk optisch aus der Masse heraus sticht. Das Äußere ist wie das innere: nicht auffällig, laut oder skurril sondern stilvoll und mit Hingabe an die kühle Atmosphäre des Atlantiks angepasst.
Beim Lesen merkt man die Passion des Autoren Morten A. Strøksnes für sein Thema. Es wirkt authentisch, dass er hinter einer Geschichte über die Faszination des Meeres steht. Das Buch besteht eher aus den oft schwärmerischen Abschweifungen zwischen den zurückhaltend auftauchenden Anzeichen einer Handlung. Wer sich Aufregung, Spannung und Nervenkitzel wünscht, ist bei diesem Buch genauso falsch, wie bei einem Trip zu den norwegischen Fjorden.
Das Buch hat mich in die stumme, kühle Welt der eisigen Fjorde entführt und mich einiges über Fischfang, das Wetter und Lebensweise einiger Meeresbewohner wissen lassen. Strøksnes hat hinter der Romanfassade ein wunderbar geschriebenes Sachbuch produziert, dass Freude am Lesen bereitet. Als Roman hat das Buch jedoch eindeutig versagt, da Leser, die eine Handlung erwarten eindeutig enttäuscht werden. Eine freudige Überraschung ist der gut aufbereitete Wissensschatz im Buch nur, wenn man ein gehöriges Interesse für das in Salzwasser getränkte Thema mitbringt.

Fakten
Originaltitel: Havboka eller Kunsten a fange en kjempehai fra en gummibat pa et stort hav gjennom fire arstider
Verlag: DVA
1. Auflage 2016
Seiten: 349
ISBN 978-3-421-04739-7

Das Buch vom Meer - Morten A. Strøksnes

Von: Nordicwanabe.com Der Skandinavien-Blog Datum : 04.09.2016

www.nordicwannabe.com

Zuerst muss ich sagen, dass dies das beste Buch ist, dass ich bisher vom DVA-Verlag gelesen habe. Warum? "Das Buch vom Meer" ist eine Mischung aus Erzählung und Sachbuch. Es stillt die Sehnsucht nach Meer, nach Norwegen, nach den Lofoten und Vesterålen und es informiert sehr anschaulich über das Leben an der rauen Küste, am Meer, als Fischer, als Norweger und über den Ursprung des Lebens. Die Jagd der zwei Freunde nach dem Eishai rückt somit immer wieder in den Hintergrund, bildet aber gleichzeitig den roten Faden - ein tolles Buch!

Die Geschichte ist eigentlich nicht sehr aufregend: Der Autor versucht mit seinem Freund Hugo, der sich nicht mehr übergeben kann und gerne Radio hört, einen Eishai vor den Lofoten Norwegens zu fangen. Ob sie es am Ende schaffen oder nicht, bleibt hier in der Rezension ein Geheimnis. Sie versuchen es mit unterschiedlichen Booten, unterschiedlichen Ködern und zu unterschiedlichen Tagen. Doch ich kann an dieser Stelle verraten, dass mich das Buch vom ersten Moment an in die Geschichte gezogen hat auf den Vestfjord - zusammen mit den beiden auf dem RIB-Boot. Ich weiß nicht, ob es daran liegt, weil ich selbst schon auf den Lofoten war und mir deshalb alles so genau vorstellen konnte. Oder ob es an der wunderbaren und genialen Art liegt, wie das Buch geschrieben ist. Ich denke, es ist Letzteres. Das Buch ist einfach super und ein Must-have für Norwegen-Liebhaber.

Über den Autor "Das Buch vom Meer"

Morten A. Strøksnes wurde 1965 in Kirkenes an der Barentssee geboren. Das ist zwischen Norwegen und Russland, ganz im Norden. Er hat Philosophie, Literaturwissenschaft und Geschichte in Oslo und Cambridge studiert. Heute lebt er als Journalist und Autor in Oslo. „Das Buch vom Meer“ ist sein neuntes Buch und wurde zum Nr.-1-Bestseller in seinem Heimatland. Hut ab!

Hier ein paar Bilder von meinem Urlaub auf den Lofoten. Die roten Holzhäuser, die Berge, der Trockenfisch, die Kabeljau-Köpfe und die Wale. All das gibt es in diesem Buch!

Über das Buch "Das Buch vom Meer"

Vorab hatte ich mich nicht über das Buch informiert, das sehr hochwertig verarbeitet wurde. Das Cover ist sehr gelungen und bringt den Inhalt des Buches auf den Punkt. Ich dachte zunächst, dass es ein Roman sei und war mir gar nicht sicher, ob es wirklich einen Eishai gibt. Ich musste das erst mal googeln. :-) Ab jetzt steht fest, dass ich in Norwegen nicht mehr im Meer baden gehe. Denn den Hai gibt es wirklich. Dreh- und Angelpunkt (tolles Wortspiel?) ist der Ort Skrova auf den Lofoten, quasi gegenüber von Svolvær. Hier wohnt Hugo mit seiner Frau Mette, die dort eine alte Fischfabrik restaurieren. Von Skrova aus fahren die beiden Freunde immer wieder aufs Meer hinaus, um den Eishai zu fangen.

Sachbuch, nett verpackt:

Während die beiden Männer auf Ihrem RIB-Boot immer wieder raus aufs Meer fahren, erfahren wir Leser viel über das Meer. Wie leben die Haie? Wie leben die Wale? Wieso kommt der Skrei (Winterkabeljau) immer wieder beim Laichen auf die Lofoten? Wie entstand die Erde? Welche Rolle spielen die Sterne für die Seefahrt? Was machen Strömungen und was passiert mit den Innereien der Meerestiere nachdem man sie gefangen hat?

Eins ist sicher: Wir wissen bisher noch sehr wenig über das Meer und seine Untiefen. Doch mit "Das Buch vom Meer" wissen wir wieder etwas mehr und das auf eine sehr spannende, unterhaltsame Art und Weise. Ich kann gar nicht mehr über das Buch schreiben. Es ist einfach nur toll und zieht einen wie eine Wasserströmung tief in die Handlung. Wer zum Lesen zu faul ist, kann sich auch das gleichnamige Hörbuch zulegen.



Werbung: "Das Buch vom Meer" von Morten A. Strøksnes ist beim DVA-Verlag erschienen mit der ISBN 978-3-421-04739-7 für 19,99 Euro.

Mein Fazit "Das Buch vom Meer":

"Das Buch vom Meer" von Morten A. Strøksnes ist ein absolutes Meisterwerk. Es verbindet die Inhalte eines Sachbuches mit der Geschichte von zwei Freunden, die einen Eishai fangen wollen auf dem Vestfjord vor den Lofoten. Dieses Buch ist ein perfektes Geschenk für Männer. Denn es gibt Abenteuer, viel Wissen über das Meer und für Norwegen-Freunde ist es eh ein Must-have, denn es erzählt auch so viel über das Leben an der rauen Küste Nordnorwegens. Von mir gibt es 5 von 5 NW-Punkten!

Die Geschichte vom Hai im Heuhaufen

Von: Stephanie Jaeckel Datum : 30.08.2016

www.klunkerdesalltags.wordpress.com

Nein, ein Hai ist keine Nadel, aber auch das Meer ist größer als ein Heuhafen. Hier einen seltenen und eher tief schwimmenden Eishai zu erwischen, ist schon eine Leistung. Da geht man nicht eben mal raus zum Angeln. Da sind Pläne zu machen, Ausrüstung zu besorgen und viele Wochen über das Jahr verteilt freizuhalten, um wieder an die Stelle hoch im Norden zu fahren, wo der Eishai das Wasser kreuzt. Warum man so einen alten Gesellen fangen will – die Tiere können, neuesten Untersuchungen zufolge sogar 400 Jahre alt werden – bleibt seltsam ungreifbar, zumindest für mich – Angeln gehört bei mir eher in die Rätselecke. Aber gut. Es gilt einen seltenen Fisch zu fangen und anbei so einiges über die Meere zu hören, da bin ich dabei, ohne mich um szenische Details allzu viel zu kümmern.

Angekündigt wird „Das Buch vom Meer“, der Erstlingsroman des norwegischen Wissenschaftsjournalisten Morten A. Strøksnes als Sehnsuchtsepos, Abenteuergeschichte und Sachbuch von herausragender literarischen Qualität. Es ist schön in einen Leinenumschlag verpackt und hat ein handliches Format auch für Menschen wie mich, mit eher kleinen Flossen (und ja! auch das lernen wir: Der Mensch kommt aus dem Wasser – kann aber froh sein, dass er nicht wieder zurück muss – Wer will schon einem Hai begegnen?) Große Töne, ein gut gemachtes Objekt, aber leider kein guter Text.

Die Rahmenhandlung – zwei Männer in einem Boot – ist zu dünn, der Parcours durch alle möglichen Wissensgebiete rund um das Meer und um die Landschaft oben in Norwegen zu geschäftsmäßig abgespult, als dass irgendein Rhythmus entstünde, geschweige denn eine Verbindung zwischen beiden Textsträngen. Natürlich gibt es auf dem Wasser brenzlige Situationen, die eine gewisse Spannung erzeugen – von der eigentlichen Frage einmal abgesehen, ob die Freunde überhaupt einen Hai erwischen. Strøksnes versteht es durchaus, die Landschaft unter dem wechselnden Wetter zu beschreiben, er macht mir zumindest den Mund wässrig mit dem einen oder anderen Fischgericht, das abends zubereitet wird und wartet sogar mit einem veritablen Alptraum auf. Aber es fügt sich keine der geschilderten Ereignisse zu einer Erzählung.

Fast noch schwieriger zu lesen, weil in zu großem Tempo und in einer oft wie willkürlich aneinander gereihten Folge kommen die Sachinformationen daher. Das Meer ist groß und fremd. Es leben unendlich viel mehr Wesen dort, als auf den Kontinenten, kaum etwas davon ist bekannt. Wir tappen regelrecht im Dunkeln, obwohl es im 19. Jahrhundert langsam losging mit der Meeresforschung. Es folgt ein kurzes Referat über die Challenger-Expedition. Danach hat ein Hochlandrind seinen Auftritt, wir hören die Familiengeschichte des Freundes, mit dem Strøksnes sein Angelabenteuer bestreitet, und damit auch etwas über die Fischerei im Norden Norwegens, um dann wieder in die weitgehend unbekannten Tiefen der Meere zu tauchen. Die Landschaften dort werden beschrieben, die Dunkelheit der Tiefsee und die verschiedenen Ausformungen biolumineszierender Lichter. Und endlich der Eishai. Gleich dreimal wird uns erklärt, dass er nicht sehen kann, weil seine Augen von Parasiten zerfressen sind. Ganz schön eklig, geradezu unsympathisch diese ersten Auftritte, der dann ganz kippt, als sich Strøksnes in den Hai zu versetzen sucht. Darth Vader ist nix dagegen, der Weiße Hai schon gar nicht. Wenn es das Böse im Meer gibt, dann ist es der Eishai:

„Die dunkle kalte Tiefe ist seine Welt, dort unten gleitet er dahin, langsam und lautlos wie eine Maschine aus Fleisch, mit Giftstoffen im Speck, im Blut und in der Leber, mit fast blinden Augen, aus denen Parasiten hängen, lange Larven, die den Augapfel durchbohren. Sein einziges Bestreben ist die Aufrechterhaltung und Weiterführung seiner Existenz, er empfindet wohl kaum Gefühle wie Freude und Trauer, und auch kaum Schmerz. (…) Und jede Paarung ist eine brutale Vergewaltigung.“

Nicht, dass ich große Sympathien für Haie hege. Aber das geht mir zu weit. Immerhin gibt der Autor zu, dass die meisten Menschen an Wespenstichen sterben (ich würde eher auf Mücken tippen, bin aber zugegebenermaßen nicht vom Fach). Die Faszination für ein Lebewesen, das gleich mehrere Jahrhunderte auf dem Buckel haben kann, kommt mir doch sehr zu kurz. Vielleicht wäre es auch interessanter, über den unendlich weiträumigen Lebensraum dieser Tiere nachzusinnen oder eben über die Frage, wie sich Zeit in so einem Organismus niederschlägt oder wie sie wahrgenommen wird – und vielleicht mögen Fische ja auch harten Sex?

Ja, aber es geht munter weiter: Wale werden uns vorgestellt, mit allem was sie können oder auch nicht, die Umweltverschmutzung kommt zur Sprache, der Plastikmüll, die akustische Verpestung der Meere und der Klimawandel, der die Tiere zum Wandern in andere Regionen zwingt, nicht zuletzt die Überfischung der Ozeane. Ein Tintenfisch wird uns wie eine moderne Mehrzweckwaffe geschildert, dann geht es zur griechischen Mythologie, zu den Tiefseevulkanen und den ersten Meereskarten. Ach, halt! Möchte ich rufen und den Autor bitten, sein Wissen noch einmal anders aufzufädeln. Denn ist es nicht so, dass im Meer wirklich alles mit allem zusammenhängt? Könnte man aus den einzelnen Geschichten und den beiden Textsträngen nicht doch eine Art Netz weben, das alles und jedes, was da vorkommt wirklich zusammenhält? Einmal noch wird die Rahmenhandlung am Ende interessant, da, wo die beiden Männer sich merklich auf die Nerven gehen und Streit in der Luft liegt. Hier passiert denn auch endlich mal was, aber nur kurz, dann geht es noch mal aufs Meer und dann ist Schluss.

Tolles Thema, tolle Idee, nur eben die Ausführung liest sich wie eine erste Anordnung, nicht wie ein fertiges Buch. Es gab viele Passagen, die mir gefallen haben, manches habe ich dazu gelernt, wobei ich doch erstaunlich vieles fand, was ich schon wusste. Beim Lesen fühlte ich mich zu oft als Passagier auf einem Touristenschiff, wo der Kapitän die ewig gleichen Fakten an den ewig gleichen Stellen vorträgt, statt in einer Geschichte. Der Einfall, Fakten in eine Story zu packen ist natürlich nicht neu – vor allem im Kinderbuchsektor hat er Erfolg. Das meine ich nicht abwertend. Denn was Kinder mögen, kann für Erwachsene nicht falsch sein. Insofern bin ich schon gespannt auf das nächste Buch von Morten A. Strøksnes.

Für das Rezensionsexemplar ein herzlicher Dank an Random House.

Morten A. Strøksnes: Das Buch vom Meer – oder wie zwei Freunde im Schlauchboot ausziehen, um im Nordmeer einen Eishai zu fangen, und dafür ein ganzes Jahr brauchen. DVA 2016.

Paradies in Gefahr

Von: Constanze Matthes Datum : 30.08.2016

zeichenundzeiten.com

Mit einer dünnen Angel am Ufer zu stehen, im Rücken hoch aufragende Berge, voraus die Weite des Meeres, füllt einen mit Demut und dem Gefühl einer gewissen Verlorenheit. Geschehen vor einigen Jahren in Nordnorwegen auf der Insel Senja. Ich hatte damals wenig Anglerglück. Die Fische zogen einen weiten Bogen um mich. Zugegeben: Meine Reaktion auf einen Fisch, wie er den Köder schluckt, wäre wohl eine eher unbedarfte, ungeschickte gewesen. Mein Vater war da der Angler und Experte in der Familie. Wie muss man sich wohl fühlen, wenn man mit einem kleinen Schlauchboot aufs Nordmeer fährt, um einen riesigen Fisch zu fangen, dem Schauergeschichten vorauseilen? Der Norweger Morten A. Strøksnes hat in „Das Buch vom Meer“ darüber geschrieben, und das erzählt nicht nur von jenem speziellen Abenteuer, das in dem langen Nebensatz „oder Wie zwei Freunde Wie zwei Freunde im Schlauchboot ausziehen, um im Nordmeer einen Eishai zu fangen, und dafür ein ganzes Jahr brauchen“ bereits angedeutet wird.

Wer sonst als ein Norweger sollte vom Meer und dem Fischfang berichten. Das skandinavische Land zählt zu den traditionsreichsten auf dem Gebiet der Fischerei, wenn es auch mit seinem Walfang noch immer in der Kritik vieler Tierschützer und -freunde steht. Des Weiteren weist es mit der zweitlängsten Küstenlinie der Welt einen nicht uninteressanten Spitzenplatz vor. Mit der Inselgruppe Skrova rückt der Autor den Schauplatz seines Buches in die Nähe der wohl eindrucksvollsten Küstenlandschaft: die der Lofoten. Auf Skrova lebt und arbeitet sein Freund Hugo Aasjord, ein Künstler, der nicht nur seinem kreativen Beruf nachgeht, sondern gemeinsam mit seiner Frau Mette das Gelände einer ehemaligen Fischfabrik in ein Gemeinschafts- und Kulturzentrum verwandelt. Zwischendurch bleibt Zeit für ein besonderes Vorhaben: die Jagd nach dem Eishai, einem der angsteinflößendsten Geschöpfe der Weltmeere. Mehrere Hundert Jahre alt kann der Eishai werden. Doch die Suche ist kein leichtes Unterfangen, zumal Morten und Hugo nur mit einem Schlauchboot, später mit einem Kunststoff-Boot aufs Meer fahren, unberechenbare Strömungen und Wetterunbilden für Gefahren sorgen.

Doch Strøksnes erzählt nicht nur von der verwegenen Jagd nach dem Eishai, die neben guten Bedingungen auch mehrere Quäntchen Glück benötigt. Der Norweger lädt vielmehr ein zu einer besonderen Entdeckungstour zum großen und bis heute noch wenig bekannten Schatz der Erde: zum Meer und die Wesen, die in ihm leben, bekannt, gefürchtet oder, in der Tiefsee angesiedelt, wohl noch nie gesehen worden sind. Der Autor reist weit in die Geschichte unseres Planeten zurück, berichtet von der Entstehung der Ozeane, des Wassers, des Lebens und stellt die Mythen der Griechen und Gedanken großer Künstler und ihr Verhältnis zum Meer vor. Immer wieder kehrt er indes zurück in sein Heimatland und schildert dessen einmalige landschaftliche Schönheit und vom Leben der Menschen damals wie heute. Wie Strøksnes vor allem über das Zusammentreffen der Elemente und die vielfältigen Erscheinungen des Lichtes im Norden schreibt, ist poetisch und magisch zugleich. Wer schon einmal im Winter das Land besucht hat, womöglich mit einem der Postschiffe der Hurtigruten die Küste entlang gefahren ist, wird mit diesem Buch in Erinnerungen schwelgen und sicherlich ein Haut Wehmut verspüren. Ich habe mir im vergangenen Jahr mit einer Tour auf der MS Polaris ein Traum erfüllt.

Der Norweger, der in der Finnmark und damit im nördlichsten Teil des Landes aufgewachsen ist, erweist sich als sensibler und genauer Beobachter und als großer Lehrmeister, der seine Lektion mit faszinierenden und wohl kaum bekannten Fakten anreichert. So hat es einst für die norwegischen Leuchtturmwärter eine Wanderbibliothek gegeben, damit sie auf ihrem Posten die Einsamkeit überstehen, wurde die Haut des Eishais vor dem Krieg vielfach nach Deutschland exportiert, wo sie zu Sandpapier verarbeitet wurde. Für die Lektüre des Buches braucht es für einige Szenen jedoch einen rüstigen Magen, und nicht jeder wird es mögen, über Fischfang und die Tötung der Tiere zu lesen. An einer Stelle beschreibt er die grausame Fang-Weise, den Hai ohne Leber oder ohne Schwanz, aber noch immer lebendig wieder zurück ins Meer zu werfen, wo er ein entsetzliches Ende nimmt.

„Das Buch vom Meer“ ist dabei von ganz verschiedenen Stimmungen geprägt. Der Autor legt in Plauderlaune Heiterkeit und Humor an den Tag, um wenig später mit Melancholie und auch wohl dem Gefühl der Entrüstung über die Gefahren für die Meere und ihrer reichhaltige Flora und Fauna zu berichten. Seine Kritik richtet sich dabei auch auf sein eigenes Land, in dem die noch immer boomende Ölindustrie sowie seismische Untersuchungen die Unterwasserwelt bedrohen. Hinzu kommen weltweit die Überfischung, die Vermüllung sowie die Erderwärmung. Eine Erklärung für das Umdenken braucht es nicht, vielmehr rückt Strøksnes einen faszinierenden Gedanken ins Zentrum seiner Überlegungen, nicht als mahnenden und erhobenen Zeigefinger, sondern als grundlegenden Fakt: Wir Menschen stammen aus dem Meer, ohne Meer, ohne Wasser gibt es kein Leben. Dass uns eine Sehnsucht nach dem Meer ergreift, hat also seine Ursachen, tief in der Urzeit verankert.

Der Autor ist für sein Werk vielfach ausgezeichnet worden, er erhielt den Kritikerpreis sowie mit dem Brage-Preis die renommierteste literarische Auszeichnung seines Landes. Beim Lesen habe ich mich manches Mal an Jostein Gaarders Kultbuch „Sofies Welt“ zurückerinnert; ein ganz anderes Thema, aber eine ähnliche Erzählweise, die in einer auf den ersten Blick kleinen Geschichte große Fragen und Gedanken behandelt. Ob Strøksnes an den Welterfolg herankommt, wird die Zukunft zeigen. Zu wünschen wäre es ihm, weil er der Öffentlichkeit eines der dringendsten Probleme der Gegenwart vor Augen hält und zudem den Reichtum und die Einmaligkeit der Meere und Ozeane auf unvergessliche Weise beschreibt. Die deutsche Ausgabe zeigt sich im Übrigen in einer wunderschönen Leinen-Optik, die man sehr gern berührt.

Und so wahr ....

Von: Ceeler aus Berlin Datum : 25.08.2016

... das Faszinierendste an diesem Buch für mich ist dass ich die Protagonisten persönlich kenne und bestätigen kann, dass sie 100% echt sind. Insbesondere Hugo ist ein wirklicher Charakter, ich bin sehr begeistert wie treffend und lebendig Morten ihn widergibt. Bis jetzt gibt es Mortens Bücher nur auf norwegisch, daher freue ich mich umso mehr ihn endlich in meiner Muttersprache lesen zu können. Wenn man weiß mit wieviel Hingabe und Liebe Morten zu seiner Heimat und dem Meer lebt, dann ist die Intensität seiner Geschichten umso deutlicher zu spüren. Ich bin darüber glücklich dass Menschen auf der ganzen Welt nicht nur Hugo kennen lernen (dessen Anekdoten auch heute uns und seine Umgebung erheitern) sondern auch ein Stück mehr den Wert unserer Ozeane schätzen werden. Wir sind zutiefst mit diesem Medium verbunden, nicht nur als Ursprung allen Lebens. Ein kluges und unterhaltsames - wohlgemerkt - Sachbuch, das man sich nicht entgehen lassen darf. Der Kritikerpreis in Norwegen war ihm sicher. Die Leseprobe macht auf jeden Fall Lust auf mehr. Mehr von Hugo, mehr von Morten, mehr vom Meer.

Ein Sachbuch, dass wie ein Abenteuer geschrieben ist

Von: Cornelia Armborst-Winterhagen aus Saarbrücken Datum : 18.08.2016

Morten Stroksnes erzählt uns die Geschichte zweier Freunde, die auszogen, um ein waghalsiges und letztlich nicht wirklich sinnvolles Abenteuer zu erleben. Als dritte Person an Bord eines Schlauchboots, dass sich eigentlich nicht zum Eishaifischen eignet, erleben wir die Natur auf einem ungestümen Meer und schmecken durch Stroksnes wunderbare Erzählart das Salz des Meeres auf unseren Lippen. An Land erfahren wir vieles über das Meer, die Menschen, Flora und Fauna. Und wir werden in die Pflicht genommen, uns über unseren Umgang mit der Vielfalt, die wir zerstören, Gedanken zu machen.

Mir war nicht klar, wir spannend ein Sachbuch sein kann. Danke Morton, ich werde mehr aus Deiner Feder lesen.