Leserstimmen zu
Jahrhundertzeugen

Tim Pröse

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Ein sehr schönes Buch, das man nur mit Schwierigkeiten beiseitelegen kann. Es fesselt von der ersten Sekunde an. Namen werden zu Menschen, Schicksale zu (Mit)gefühlen. Der Autor hat die besondere Gabe, für den Leser Geschichte erlebbar zu machen und bezaubert durch seine magische Sprache! Ein Muss für jeden, der sich für deutsche Geschichte interessiert und das, was sie in der Welt angerichtet hat.

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Holocaust-Überlebende, Kriegsveteranen, Widerständler. Eine Menge Material und Bücher gibt es dazu. Doch dieses ist anders. Der Autor macht keinen Hehl daraus, dass er seinen persönlichen Blick auf Menschen zeigt. Seine Empfindungen leiten dieses Buch. Seine Helden haben etwas ganz Besonderes zu erzählen, sie haben Großes erlebt, Schreckliches, manchmal so viel, wie man es in einem einzigen Leben kaum vermutet. Das lebendig zu machen schafft Tim Pröse wie kein Zweiter. Er hat eine Nähe zu den Helden, die er in seinem Buch sprechen lässt, so dass es einem scheint, man wäre selbst ganz mit ihnen vertraut und würde ihre Lebensgeschichte direkt aus ihrem Munde erfahren. Das ist ein besonderes Verdienst, der Autor öffnet unsere Herzen. Ich lese gern Biographien und Zeitgeschichte. Das ganz Große, das einem Gänsehaut beschert, das kommt in diesen Büchern selten zum Ausdruck. Es steckt manchmal in kleinen Gesten. In diesen gefühlvollen Geschichten liest man von großen Helden, die im Kleinen handeln und harmlos wirken. Das macht uns klar, worauf es ankommt im Leben. Man kann diesem Buch nur viele Leser wünschen.

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„Ihm stehen Tränen in den Augen. Er sagt, das sei der Wind. Er hat seine Schirmmütze ins Gesicht gezogen, gegen die Böen, doch viel mehr noch gegen die Wehmut. Er blinzelt in den Wind, der von Westen kommt. „Er weht so stark wie damals“, sagt der alte Mann zu mir. „Damals“, das ist für ihn der 6. Juni 1944...“ Es hat Brillanz wie es Tim Pröse – wie in diesem Auszug über eine Begegnung mit dem Wehrmachtssoldaten Kurt Keller – gelingt, den Schrecken der Vergangenheit in unserer Gegenwart begreifbar zu machen. Liebevoll, fast scheu, dann aber doch mächtig im Ausdruck nähert er sich seinen 18 Protagonisten. Den Widerstandskämpfern, Holocaust-Opfern und Menschenrettern, diesen verletzten und verletzlichen, aber doch innerlich so starken und robusten Charakteren des Buches „Jahrhundertzeugen“. Es ist ein wichtiges Buch, eines gegen das Vergessen, eines mitten hinein in eine Zeit, in der rechtes Gedankengut wieder salonfähig wird, in der sich in ganz Europa rechtsgerichtete Parteien immer erfolgreicher auf Stimmenfang begeben. Die Botschaft der „letzten Helden gegen Hitler“, dieser Einzelnen hinter der Geschichte, findet sich mitunter zwischen den Zeilen, ist manchmal mehr noch zu spüren als zu lesen. Sie ist auch ein Aufruf zum Mut, zur Würde und zur Freiheit. Werte, die es zu schützen gilt. Damit der Schrecken der Vergangenheit nicht eines Tages wieder Gegenwart ist. „Für den Mann aus Deutschland, der über den weiten Strand blickt, ist die Geschichte Gegenwart“, heißt es im Kapitel über Kurt Keller. „Er spürt das schon sein Leben lang und heute ganz besonders, wenn er den Wellen zuschaut, wie sie an den Strand branden, damals, am D-Day, waren sie rot gefärbt von Blut der Soldaten.“

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Tim Pröses Buch Jahrhundertzeugen berührt den Leser gerade deswegen so stark, weil es bewusst die Vogelperspektive vermeidet und sich nicht scheut, tiefes Mitgefühl für die Opfer, tiefe Verehrung für die Widerstandshelden und einen ebenso tiefen Abscheu vor dem Horror zu bezeugen, den die Untaten des Nazi-Regimes in dem Autor ausgelöst haben. Da ist einer, der sich mitreißen lässt von den Geschichten der Menschen, die er mit ungemein sensiblem Einfühlungsvermögen porträtiert. Und trotzdem sind seine Lebensbeschreibungen keine Hagiographien. Oskar Schindler zum Beispiel war allem Anschein nach kein Heiliger. Dennoch war er ein Held, der 1200 Juden das Leben rettete. Dass er obendrein ein Säufer, ein Spieler und auch ein Frauenverehrer war, der es mit der Treue nicht so genau nahm, fällt für Pröse zwar ins Gewicht, mindert für ihn aber die Lebensleistung dieses Gerechten unter den Völkern nicht.

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