Leserstimmen zu
Wenn nachts der Ozean erzählt

Zana Fraillon

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Wenn nachts der Ozean erzählt ist ein unglaublich schönes, tolles und vor allem ein super wichtiges Buch, gerade in unserer Zeit. Es geht um Flüchtlinge und darum wie unmenschlich geflohene Menschen in Flüchtlingslagern behandelt werden. Es ist toll geschrieben, ich liebe die Charaktere und natürlich vor allem die Thematik. Das Buch ist für Kinder geschrieben und auf jeden Fall angebracht für junge Leser und eine gute Möglichkeit für Kinder viel über die Situation von Flüchtlingen zu lernen. Aber auch ich als Erwachsene hab es geliebt und kann es auf jeden Fall weiterempfehlen!

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*** ZUM INHALT: *** Der neunjährige Subhi lebt mit seiner Mutter und seiner Schwester Queeny im Familienzelt eines Auffanglagers, in dem verdorbenes Essen und Gewalt an der Tagesordnung sind. Und damit sind nur zwei der Schrecken genannt, die Subhis Leben im Flüchtlingslager ausmachen. Seine Schwester brachte ihm einst das Lesen und Schreiben bei, und seitdem liest der empfindsame Junge alles, was ihm zwischen die Finger kommt. Dadurch erhält er zumindest eine vage Vorstellung von der Welt hinter dem Stacheldrahtzaun. Außerdem liebt Subhi die Geschichten und Erzählungen der Alten, denn sie sind voller Erinnerungen an ein Leben außerhalb des Lagers. Erinnerungen, die er nicht haben kann, denn Subhi wurde in diesem Auffanglager geboren. Eines Nachts steht das Mädchen Jimmie vor ihm, ganz urplötzlich, wie eine aus dem Boden gewachsene Erscheinung. Aber das taffe Mädchen ist kein Geschöpf seiner ausgeprägten Phantasie, sondern Realität, und: Sie kommt von draußen! Jimmie kann trotz ihrer zehn Jahre noch immer nicht lesen. Die Mutter ist vor drei Jahren verstorben, und dem Vater und ihrem Bruder verheimlichte sie bisher ihre Leseschwäche. Jimmie hat ein Buch von ihrer Mutter, welches sie wie einen Schatz hütet. Aus diesem Buch lässt sie sich von Subhi vorlesen. Bei jedem ihrer geheimen Treffen gelingt es den beiden Kindern, ihre Einsamkeit für kurze Zeit zu vergessen und es entsteht eine innige Freundschaft. Aber dann überschlagen sich die Ereignisse: Subhis geliebte Mutter will eines Tages gar nicht mehr aufwachen, sein bester Freund fasst einen gefährlichen Plan, und obendrein wird Jimmie sehr krank. Subhis bisherige Welt gerät völlig aus den Fugen und er steht vor schweren Entscheidungen... *** MEIN FAZIT: *** In „Wenn nachts der Ozean erzählt“ hat die australische Autorin Zana Fraillon das hochaktuelle und brisante Thema Flüchtlinge in ein Jugendbuch gepackt. Eine sicherlich schwierige Aufgabe, die ihr aber hervorragend gelungen ist, und dieses wertvolle Buch nicht nur für junge Leser, sondern auch für Erwachsene sehr lohnenswert macht. Darüber hinaus ist der anspruchsvolle Roman sicherlich eine Bereicherung für jede Schulbibliothek, mit viel Diskussionsstoff für einen lebhaften Unterricht. Auch wenn das Erzählte im Buch frei erfunden ist, entspricht leider vieles einer traurigen Realität. Im Vordergrund steht die Geschichte von Subhi, sein Leben in diesem furchtbaren Flüchtlingslager, und die Bedeutung von Freundschaft, Freiheit und Menschlichkeit. Beiher wird aber auch das harte Leid der Rohingya angesprochen. Die Rohingya sind eine muslimische Volksgruppe in Myanmar. Eine unterdrückte Minderheit, die in der eigenen Heimat verfolgt wird und auch woanders unerwünscht ist. Ein Konflikt, von dem die Welt wenig mitbekommt. Der tapfere und liebenswerte Hauptprotagonist Subhi ist mir schnell ans Herz gewachsen, ebenso wie die kleine kesse Jimmie. Das Tun und die Gedankengänge der Kinder beschreibt die Autorin sehr einfühlsam, dadurch sind deren Emotionen für den Leser verständlich und nachspürbar. Die Geschehnisse im Lager werden zwar schonungslos und wirklichkeitsnah vermittelt, auf der anderen Seite gibt es wunderschöne Passagen im Buch, die poetisch und märchenhaft anmuten. Diese Stellen lockern den schwer verdaulichen Lesestoff auf und machen viel Freude. Insgesamt gesehen war dieser Roman für mich ein äußerst beeindruckendes Leseerlebnis, welches mich zutiefst berührt und erschüttert hat. Die Autorin selbst sagt über ihr Buch, sie wünschte, dass sie es nie hätte schreiben müssen. Nach der Lektüre kann man ihr nur zustimmen und ich persönlich empfinde Hochachtung für ihr aufrüttelndes Werk. Sehr gerne vergebe ich hier voller Überzeugung fünf Sterne und spreche eine unbedingte Leseempfehlung aus!

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WOW! Ich bin immer noch total geplättet. Dieses Buch war einfach so wunderschön und traurig zugleich, dass mir einfach die Worte fehlen. Eins der Bücher, die ich niemals wieder vergessen werde und über das ich noch lange lange Zeit nachdenken werde.

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Die Geschichte den jungen Flüchtlingsjungen Subhi, der in einem australischen Flüchtlingscamp geboren wurde und nichts anderes kennt als Ungerechtigkeit, Unterdrückung und Erniedrigung hat mich tief bewegt. Ich kann das Buch jedem ans Herz legen! Ein sehr aktuelles Thema, das so in dieser Ehrlichkeit öfter besprochen werden sollte.

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Subhi wächst in einer Parallelwelt auf. Er wurde in einem australischen Flüchtlingslager geboren und kennt die Welt jenseits des Zaunes nicht. Mittlerweile ist er mindestens zweiundzwanzigeinhalb Zaunlatten groß, ganz sicher, aber vielleicht auch nicht. Er ist schon länger nicht mehr gemessen worden. Das hat seine Gründe: Seine Mutter, die er liebevoll Maá nennt, ist mittlerweile fast immer müde. Früher hat sie ihm jede Menge Geschichten erzählt, und wenn er ihr etwas berichtete, hat sie gelächelt, manchmal sogar gekichert. Seit einer Weile erzählt sie kaum noch etwas, meist liegt sie nur auf ihrem Bett, das Subhi Bett nennt, seine große Schwester Queeny aber bloß „alte Armeepritsche“, und schläft. Neuerdings hat sie auch keinen großen Hunger mehr. Neben Maá und Queeny gibt es noch Eli, der sehr wichtig für Subhi ist. Eli ist ein Teenie und alleine, er hat keine Familie mehr. Weil er aber minderjährig ist, darf er auch ohne Familie in einem Familienzelt leben. Das klingt romantischer als es ist: In Elis Zelt wohnen siebenundvierzig Leute, in Subhis zweiundvierzig. "Dass der Altersunterschied zwischen Eli und mir noch größer ist als zwischen Queeny und mir, ist nicht wichtig, er ist trotzdem mein bester Freund und wir erzählen uns alles. Eli sagt, wir sind sogar mehr. Wir sind Brüder." In lakonischem Stil lässt Zana Fraillon den kleinen Subhi in ihrem Buch „Wenn nachts der Ozean erzählt“ aus dem Lagerleben berichten. Die Beklemmung, die der Leser bei all dem verspürt, ist Subhi fremd. "Maá sagt, ich soll mir das Essen nie zu genau ansehen, und wenn ich Fliegen oder Würmer darin finde, erklärt sie mir jedes Mal, dass ich besonderes Glück habe, weil ich auf diese Art Eiweiß bekomme. Einmal habe ich sogar einen menschlichen Zahn in meinem Reis gefunden. >Hey, Maá, bringt der auch Glück?<, fragte ich und Maá sah ihn sich an und sagte: >Wenn du Zahn brauchst.< Sie lachte lange über ihren Witz." Das Camp ist für Subhi Normalität, er kennt ja nichts anderes, der durch Zäune abgesteckte Bereich ist seine Heimat. Das hilft ihm, schützt ihn und macht ihn stark. Und doch gibt es Dinge, die ihm Angst einflößen. Als kleiner Junge hatte er Albträume, seine Mutter und seine Schwester zu verlieren. Nur zu verständlich, denn seine Mutter musste mit der kleinen Queeny an der Hand und Subhi unterm Herzen ohne ihren Mann aus Burma fliehen. Subhi kennt seinen geliebten „Ba“ nur aus Erzählungen. Er weiß, dass sein Ba verhaftet wurde, weil er Rohingya ist, und weil er früher Gedichte schrieb, die irgendwem nicht passten. Kein Wunder, dass Subhi Angst hat, auch noch den Rest seiner Familie zu verlieren. Und dann gibt es noch die fiesen Alltagsprobleme – Aufpasser zum Beispiel, die alle Flüchtlinge nur bei ihrer Identifikationsnummer rufen und immer unfreundlich sind. Beaver ist der schlimmste von allen, denn er wurde einmal angegriffen von einem durchgedrehten Lagerinsassen. Seither hasst Beaver alle Flüchtlinge und lässt keine Chance aus, sie zu demütigen. Der bedrückenden Atmosphäre entflieht Subhi auf seine ganz eigene Art. Er träumt sich davon. Auf wunderbare Weise unterhält er sich tagsüber mit seinem Gummi-Enterich, der ihm, es erscheint einem völlig natürlich, auch antwortet. Und nachts, ja, nachts liegt Subhi auf seiner Pritsche und träumt vom Ozean. Ganz laut hört er dann die Wellen und mit diesen Wellen kommen Geschichten und Schätze zu ihm. Zur selben Zeit liegt Jimmie in ihrem Bett. Sie lebt auf der anderen Seite des Lagerzauns. Sie ist zehn Jahre alt, frei und ihr stehen alle Türen offen. Rein objektiv gesehen. Doch schaut man genauer hin, ist auch sie eine Gefangene. Ihre Mutter starb vor drei Jahren, seither droht der Rest der Familie im Chaos zu ertrinken. Der Vater ist durch seine Trauer wie gelähmt, der Bruder pubertär und vor allem mit sich beschäftigt. Seit dem Tod ihrer Mutter geht Jimmie kaum noch zur Schule, denn keiner hat die Zeit, sie zum Bus zu bringen, der nur einmal am Tag kommt. Also bleibt sie meist zu Hause oder spaziert alleine durch die Nachbarschaft. Bei einem dieser Streifzüge kommt sie an den Zaun des Lagers. Und plötzlich will etwas in ihr wissen, wie es dort drin aussieht. Jeder Zaun, so sagt ihr großer Bruder, hat eine Schwachstelle – man muss sie nur finden. Eines Nachts findet sie sie. Und dann ist sie drin. Als Subhi in genau jener Nacht nicht schlafen kann, krabbelt er aus seinem Familienzelt – und findet sich plötzlich Jimmie gegenüber. Einfach so steht dieses fremde Mädchen vor ihm. Lange schauen sie sich einfach nur an und dann beginnt eine erstaunliche Freundschaft. Denn trotz seines eingeschränkten Lebens im Lager kann Subhi nämlich etwas, was Jimmie in ihrer Freiheit dort draußen nicht gelernt hat – lesen. Doch wie das Leben so ist: Es gibt einem schöne Dinge, doch gleichzeitig nimmt es einem auch welche. Und so passiert am Tag nach der hoffnungsfrohen Begegnung mit dem Mädchen von draußen etwas ganz Furchtbares: Subhis bester Freund Eli muss den Familientrakt des Lagers verlassen und nach „Alpha“ umziehen. Eli, der zwar ein paar Jahre älter als Subhi ist, aber noch lange nicht volljährig. Der Bereich „Alpha“ ist für alleinstehende Männer. Keiner versteht, was das soll. Es ist bürokratische Willkür. "Es passiert etwas mit den Männern, wenn sie so zusammenleben, ohne ihre Familien, ohne die Möglichkeit zu arbeiten oder etwas zu lernen oder etwas zu tun, und dabei die ganze Zeit auf die Aufpasser und ihre ständig klimpernden Schlüssel hören müssen. Es verändert einen Menschen, sagt Eli." Je schöner die nächtlichen Treffen mit Jimmie werden, umso schrecklicher wird die Situation im Lager. Während Subhi nachts Jimmie aus dem Tagebuch ihrer verstorbenen Mutter vorliest und Jimmie ihm im Gegenzug heiße Schokolade in der Thermoskanne mitbringt und vom Leben jenseits des Zaunes berichtet, spitzt sich die Lage in den Flüchtlingszelten zu. Manche der seit Jahren Wartenden treten in Hungerstreik, machen Fotos vom Zustand im Lager und stellen sie ins Internet. Doch Subhi kann sich damit nicht wirklich auseinandersetzen, er hat ein ganz anderes Problem: Eines Nachts bei einer ihrer Vorlese-Sitzungen, bemerkt er, dass Jimmie krank ist. Als sie zitternd und verwirrt nach Hause schwankt, verliert sie das Buch ihrer Mutter. Subhi nimmt es an sich und wartet darauf, dass Jimmie zurückkehrt, um es an sich zu nehmen. Doch sie kommt nicht. Und dann entdeckt er am Nachthimmel ihren vereinbarten Hilferuf: Zweimal lang blinken mit der Taschenlampe. Subhi weiß, was er tun muss … Zana Fraillons Buch ist zu Recht für die Cilip Carnegie Medal 2017 nominiert und auf der Shortlist für den Guardian Children’s Fiction Prize 2016 gelandet. Fraillon hat viel recherchiert für ihren Roman und das merkt man. Sie kombiniert das fundierte Wissen mit Emotionen und setzt es gelungen in Szene. Man kann sich dem Charme, den der kleine Protagonist Subhi versprüht, nicht entziehen, trotz des erschütternden Themas. (Wer wissen möchte, wie sie auf das Thema kam, kann hier weiterlesen.) Offensichtlich hat Claudia Max in ihrer Übersetzung alles richtig gemacht, denn die herrliche Sprache, derer Subhi sich bedient, ist so lebendig, berührend und überzeugend kindlich, dass Inhalt und Form perfekt verschmelzen. Es ist gleichzeitig gut und schlecht, dass „Wenn nachts der Ozean erzählt“ dem Genre Jugendroman zugeteilt wurde. Gut, weil der Titel dann hoffentlich viele junge Menschen erreicht, vielleicht auch solche, die ohne diesen wundervollen Roman eine ganz andere Meinung über das Thema Flüchtlinge hätten. Schlecht ist es, weil die Geschichte dadurch vielen Erwachsenen entgehen wird, denn wer schaut sich jenseits der zwanzig schon bei Jugendromanen nach der nächsten Lektüre um? Ich möchte diesen kleine Schatz jedem in die Hand drücken: meinen Kindern, meinem Mann, meinen Eltern, meinen Nachbarn. Keinen kann es unberührt lassen, wenn Subhis Stimme erklingt. Und wenn alle mit ihm mitleiden und -fühlen, könnte sich viel verändern.

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Ich stelle euch heute ein Buch vor, dass mir den Atem geraubt hat und mich stumm weinen lies. Ich kann euch vorneweg nur bitten euch dieses Buch unbedingt anzuschauen, denn es bietet einem so viel, vor allem aber Tiefsinnigkeit. Es gibt keinen einzigen negativen Kritikpunkt, den ich euch über dieses Buch erzählen könnte. Für mich war alles an diesem Buch, von Gestaltung (sowohl äußerlich als auch innerlich) bis über den Schreibstil der Autorin und alles andere, perfekt. Die Art und Weise, wie die Autorin den Weg von Subhi beschreibt ist unglaublich poetisch und tiefgründig. Sie erschafft aus wenigen Worten Sätze voller Gefühle. In wirklich jedem Satz steckt eine so große Wortgewalt, dass es einem des öfteren beim Lesen eiskalt den Rücken runter läuft. Sie kann Umstände, Personen, Gefühle und Situationen mit solch emotionaler Stärke beschreiben, sodass man Realität nicht mehr von Fiktionalität unterscheiden kann. Mit wirklich jedem Satz hat die Autorin etwas in mir ausgelöst. Es passieren in dieser Geschichte so viele schreckliche Dinge, bei denen man während des Lesens hofft, dass sie nur erfunden sind. Was natürlich leider nicht der Fall ist. Jedoch geschehen auch einige schöne Dinge. Ebenso Subhis Gedankenwelt ist sehr schön, aber auch traurig. Die ganze Geschichte ist in einem traurig-schönem Stil geschrieben. Vor allem ist sie aber herzzerreißend. Die Autorin schreckt auch nicht davor zurück die andere Seite zu beschreiben, die viele sehen wollen wenn sie das Wort "Flüchtlinge" hören, denn es gibt in jedem Land gut und böse. So gibt es diese in dem Flüchtlingslager natürlich auch. Mir haben alle Darstellungen richtig gut gefallen! Der Schreibstil macht diese wundervolle Geschichte zu einem wahrhaftigen Meisterwerk! Denn wie schon gesagt, benötigt die Autorin nicht viele Worte um zu beschreiben in welch schlimmer Lage diese Menschen sich befinden. Es erfordert auch nicht viele Worte um Charaktere zu beschreiben, welche man aber trotzdem perfekt abgebildet im Kopf hat. Diese sind mir nach wenigen Sätzen schon so sehr ans Herz gewachsen, dass ich sie nicht gehen lassen wollte. Ich habe mir, trotz der Dünne dieses Buches, eine ganze Menge Zeit beim Lesen gelassen. Denn diese einzelnen Kapitel können einen ganz schön umhauen. Ich wünsche mir sehr, dass eine so emotionale, realistische und tiefgründige Geschichte mal als Schullektüre eingeführt wird. Dieses Thema betrifft uns momentan alle, weshalb es dem einen oder anderen bestimmt helfen würde eine solche Geschichte zu lesen. Ich bitte euch inständig diesem Buch eine Chance zugeben, selbst wenn euch das Thema nicht anspricht.

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Subhi ist in einem Auffanglager geboren, denn seine Familie ist aus ihrem Land, vor Zerstörung und Terror geflohen. Er kennt nur diese Fleckchen Erde, dass durch unüberwindbare Zäune gesäumt ist. Und so träumt Subhi vom Nachtmeer, das ihm geheime Schätze und Geschichten bringt. Doch eines Tages gelingt es einem einsamen kleinen Mädchen eine Lücke im unüberwindbaren Zaun zu finden und Subhis Leben verändert sich ab da drastisch. Aufgrund meines Studiums (Lehramt für sonderpädagogische Förderung mit dem Schwerpunkt Inklusion) setzte ich mich fast täglich mit dem Leid oder dem Leben von Menschen, die flüchten mussten auseinander. Ich war daher umso gespannter, ob es der Autorin gelingt mich bei diesem Thema abzuholen und es authentisch zu vermitteln, ohne etwas zu beschönigen oder kleinzureden. Doch schon nach wenigen Seiten war mir klar, dass die Autorin sich traut das problematische Thema erbarmungslos zu schildern und in eine zu tiefst traurige Geschichte einzubetten. Es gelingt ihr die Gewalt, den Hunger und auch die Angst die in einem „Auffanglager“ herrscht einzufangen und die Nöte der Menschen in Worte zu fassen. Subhi und die anderen geflüchteten Menschen leben in einer menschenunwürdigen Umgebung, voller Unterdrückung und Rassismus. All diese Eindrücke werden aus der Perspektive von Subhi geschildert, sodass die Geschichte eine kindliche Klarheit erhält, die tief bewegend ist. Alles wirkt so verdammt realistisch, auch wenn der Roman fiktiv ist, spiegelt er die Realität wider. Subhi versucht halt in seinen Geschichten und Bildern zu finden, denn seine Mutter und auch seine Schwester scheinen selbst am Ende ihrer Kräfte zu sein. Er wirkt oft einfach noch so jung und gleichzeitig schon so schrecklich alt. Die Freundschaft zwischen Subhi und dem kleinen Mädchen verleiht dem Buch eine gewisse Hoffnung. Ich denke, dass die Autorin damit die Brutalität und die ständige Traurigkeit abmildern wollte, denn so eine Freundschaft kann man nur in Büchern oder Filmen wiederfinden. „Wenn nachts der Ozean erzählt“ ist eine realistisch und zu gleich tragische Geschichte, über das Leben als geflüchteter Mensch, voller Wahrheiten, Schmerz und auch Hoffnung.

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Maá sagt, ich soll mir das Essen nie zu genau ansehen, und wenn ich Fliegen oder Würmer darin finde, erklärt sie mir jedes Mal, dass ich besonderes Glück habe, weil ich auf diese Weise Eiweiß bekomme. Einmal habe ich sogar einen menschlichen Zahn in meinem Reis gefunden. "Hey Maá, bringt der auch Glück?", fragte ich und Maá sah ihn an und sagte: "Wenn du Zahn brauchst." Sie lachte lange über ihren Witz. Dabei war er eigentlich überhaupt nicht lustig. -- INHALT: Der junge Subhi ist ein Kind in einem australischen Flüchtlingslager. Er ist dort geboren worden und kennt die Welt "draußen" hinter dem Zaun nicht, seine Heimat ist das Camp. Er vertreibt sich seine Zeit damit, mit einer Quietscheente zu sprechen und auf das Nachtmeer zu warten, das sein Vater ihm von weit her schickt. Seine Tage sind heiß und eintönig - bis eines Nachts plötzlich ein fremdes Mädchen im Lager steht. Jimmie heißt es und kommt von draußen. Die Beiden ergänzen sich perfekt: Er liest ihr das Buch ihrer Mutter vor, sie erzählt ihm Geschichten von hinter dem Zaun. Schnell werden sie zu heimlichen Freunden. Doch als sich die Lage im Flüchtlingscamp immer weiter zuspitzt, scheint es unmöglich, sich weiter zu sehen... MEINE MEINUNG: Die Flüchtlingskrise ist uns noch frisch im Gedächtnis, das Leid der Menschen in Kriegsgebieten wie Syrien noch lange nicht vorbei. Und doch lässt das Interesse immer mehr nach, die Grenzen sind schon länger mehr oder weniger zu, Flüchtlinge werden in Camps inhaftiert oder sterben auf dem Weg in eines der sicheren Länder. Gerade an diesem Punkt in Zana Fraillons "Wenn nachts der Ozean erzählt" so wichtig. Ohne den Zeigefinger zu erheben zeigt es wie wichtig es ist, Menschlichkeit zu zeigen und Kriegsflüchtlinge nicht wie Verbrecher zu behandeln. Protagonist Subhi erzählt seine herzergreifende Geschichte aus der Ich-Perspektive und trotz seiner leicht naiven, kindlichen Stimme beschreibt der die Umgebung und die Umstände so wunderschön-traurig, so intelligent, dass das keine Probleme bereitet. Immer mal wieder gibt es auch Kapitel aus Jimmies Sicht, die privilegierter ist als er, aber viele Gedanken mit ihm teilt und ihn wunderbar ergänzt. Vor allem wird eines wieder ganz deutlich: Kinder kennen keinen Rassismus. Subhi ist ein für sein Alter sehr gewitzter Junge voller Träume und Fantasie. Mit seiner jungen Unschuldigkeit ist er der perfekte Erzähler: Er sieht zwar auch die Grausamkeit einiger der Aufseher und den Dreck des Camps, aber er findet auch in den kleinen Dingen immer wieder einen Grund zur Freude. Er traut sich oft nicht, für sich einzustehen und lässt daher seine Badeente in diesen Momenten für sich sprechen. Im Laufe der Handlungen wird er aber immer mutiger - und findet letztendlich auch die Kraft, über sich hinauszuwachsen. Jimmie ist neugieriger und abenteuerlustiger als Subhi, schließlich traut sie sich ganz allein in das Flüchtlingscamp, verfolgt aber genau wie er ihre eigenen Träume. Sie hat ein gut entwickeltes Unrechtsbewusstsein und insbesondere die Hingabe, mit der sie Subhi eine Freude machen will, lässt sie sehr sympathisch werden. Und auch bei den Nebenfiguren hat die Autorin voll ins Schwarze getroffen: Mit Subhis bestem Freund Eli, der ihn wie ein Löwe beschützt; seiner zickigen Schwester, die sich trotzdem um ihn kümmert und dem Aufseher Harvey, der sich als einziger für die Menschen einsetzt, wird das Buch wunderbar lebendig. Die erste Hälfte beschäftigt sich größtenteils mit der Einführung in die Lebensumstände und der Charakterisierung der Personen. Vielfach erwähnt Subhi sein "Nachtmeer", das ihm, so glaubt er, von seinem Vater geschickt wird und das ihm die verschiedensten Schätze bringt. Vieles, was in diesen Nächten geschieht, ist nicht real, eine Mischung aus Metaphorik und Fantasie - darauf muss man sich einlassen. Die Freundschaft zwischen Jimmie und Subhi ist dafür umso glaubwürdiger, obwohl die beiden sehr schnell einen Draht zueinander finden. Zwischen ihnen herrscht ein Verständnis ohne vieler Worte zu bedürfen, was sehr berührt. Genauso wie die Art, wie sie füreinander einstehen. Füreinander überwinden sie ihre größten Ängste und geben sich gegenseitig Kraft. Als sich im letzten Drittel dann die Zustände im Camp geradezu überschlagen, wird es richtig dramatisch, sowohl für Jimmie als auch für Subhi. Spätestens ab diesem Zeitpunkt ist es nicht mehr möglich, sich von den Seiten loszureißen, weil man so stark mit den Charakteren mitfühlt, mitleidet und mithofft. Letztendlich bleibt ein leiser Hoffnungsschimmer, aber auch viel Traurigkeit über die Erlebnisse der Flüchtlinge. Das Nachwort zu den Umständen in Australien und auch anderen Ländern sollte unbedingt gelesen werden. FAZIT: Es macht ziemlich betroffen, dass ein Buch wie dieses noch immer so dringend notwendig ist. Zana Fraillon erzählt in "Wenn nachts der Ozean erzählt" eindrücklich, sensibel und menschlich die Geschichte einer Freundschaft zwischen einem australischen Mädchen und einem Flüchtlingsmädchen. Zwischenzeitlich wird auf einiges zu detailreich eingegangen, berührend ist der Roman nichtsdestotrotz. Knappe 4,5 Punkte.

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