Leserstimmen zu
Ich bin raus

Robert Wringham

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Paperback
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Arbeit die Nichts mit Handwerk und Freiwilligkeit zu tun hat ist bedeutungslos und wertlos" Inhalt:  Der Entfesselungskünstler Houdini, befreite sich aus vielerlei Gefängnissen sogar aus den Innereien eines Wals. Seine Aufführungen machten ihn in der westlichen Welt bekannt, aber nicht nur durch seine eigentliche Kunst...sondern auch was diese Entfesselungen symbolisierten. "Die Befreiung von den Fesseln der entstehenden Konsumgesellschaft der1900er - Jahre. 80 Prozent sind mit ihrem Job unzufrieden, trotzdem verbringen wir durchschnittlich 87000 Stunden bei der Arbeit. 5000 Stunden in Zügen, Bussen und Staus. Trotz der vielen Arbeit sind die meisten Menschen verschuldet, weil wir unsere Würde durch ein Eigenheim wieder herstellen müssen, was wiederum mit tollen Dingen befüllt werden muß. Robert Wringham nimmt uns mit auf einen Weg aus der Arbeit, dem Konsum und der Verzweiflung. Rezension: Kann ein Job die eigene Identität ausmachen ????? Man sollte sich diese Frage wirklich einmal stellen. Ist der Mensch nicht noch viel mehr als das ? Sollte man sich nur über seine Job definieren...? Fakt ist das man durch seine täglich gebundene Arbeit überhaupt keine Freiheit in Anspruch nehmen kann. Man kann nicht spontan verreisen oder andere Dinge planen, ohne es mit der Arbeit abzugleichen. All das wird getan um überhaupt zu existieren und die Grundbedürfnisse abzudecken. Grundbedürfnisse sichern die Existenz , darauf geht Wringham auch ein und spricht ein bedingungsloses Grundeinkommen an. Wie würde die Welt aussehen wenn jeder ein bedingungsloses Einkommen bekäme ohne etwas dafür zu tun. Und jeder Luxus der darüber hinausgeht müßte dazu verdient werden. Man könnte sein Leben ganz anders planen, ohne nächtliche Alpträume darüber ja genügend zu verdienen das man auch alles bezahlen kann. Wringham sagt es würde ein ganz neue Ära entstehen, der Mensch wäre freier in seinem Denken und seinen Entscheidungen. Er geht aber auch darauf ein warum wir immer mehr Geld verdienen wollen, um immer mehr Unrat anzuschaffen, der uns im Endeffekt  wieder belastet, oder weil es andere auch besitzen. Das Buch ist 3 Teile aufgeteilt. 1.Die Falle, Wie geraten wir in die Falle von Konsum,Arbeit und Bürokratie?  2.Die Freiheit, Was ist ein gutes Leben ? Entfesselungskunst & was 1 Jahr in Montreal in Wringham ausgelöst hat. 3.Die Entfesselung Wie man der Arbeit, dem Konsum & der Bürokratie entkommt. Was unsere dummen Gehirne damit zu tun haben und wie ein Leben nach der Entfesselung aussehen kann. Fazit: Das Buch bekommt meine absolute Empfehlung. Denn jeder der ein wenig nachdenken kann und sich ein Bild von der heutigen Gesellschaft macht, bekommt meist den Eindruck wir Leben zu schnell aber nicht mehr Achtsam. Wir schlafen zu wenig, arbeiten zu viel, messen uns mit anderen, kaufen unnötiges Zeug um im nachhinein festzustellen... Wofür das alles? Was ist wirklich wichtig im Leben ? Jeder hat andere Ansichten mit dem was ihn glücklich macht. Aber ist weniger nicht auch manchmal mehr und nimmt es einen dann vielleicht auch die ein oder andere Sorge ? Man ist umgeben von Hektik und Krach, alles wird immer lauter. Es werden Medien und andere Dinge konsumiert nur um sich nicht mit sich selbst zu beschäftigen und mal in sich hinein zu horchen. " Ich lebe für meine Arbeit " Dieser Satz ist so merkwürdig....und fragt man dann  " Was machst du sonst so?", dann kommt erst einmal NICHTS. Aber dann folgt meist " Ja wenn ich die ganze Woche arbeite bleibt ja nicht viel Zeit übrig." Ist das Freiheit ????? Ist das Leben ????? Ist das glücklich sein ????? Für mich definitiv nicht. Es ist schon sowas von normal geworden das der Mensch sich über seine Arbeit definiert, das er anderen die einen Mittelweg gefunden haben einredet/ vermittelt er sei faul. Nur weil sie mit weniger glücklicher sind. Was ist deiner Meinung nach richtiges Arbeiten??? Wird Arbeit denn nur als Arbeit gesehen wenn es ein Chef gibt der einen entlohnt? Ist eine Mutter für die der Tag manchmal erst Nachts endet nicht irgendwie auch der eigene Chef. Oder ein Künstler der seinen eigenen Weg gehen möchte.... Würden die meisten Mütter nicht lieber mehr Zeit mit dem eigenen Kind verbringen, statt es nach einem Jahr in wildfremde Hände geben zu müssen weil es die Gesellschaft  so will? Denn das ist die Realität. Man könnte noch viel mehr Beispiele aufzählen die einem absolut unnormal vorkommen wenn man sich etwas länger damit auseinander setzt. In Wahrheit bestimmen wir doch schon lange nicht mehr über unser Leben, wir sind umgeben von Zwängen und Pflichten....einer Endlosspirale. Selbst wenn dieses Buch der Menschheit nicht verhilft frei zu werden sollte es gelesen werden. Denkanstöße sind dir garantiert und holt dich vielleicht auch aus deiner Lethargie.

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„In meinem Kopf existiert nur ein einziger Gedanke: Ich will frei sein! Ich will mich befreien! Und dieses Berauschtsein an der Freiheit, am Erfolg, ist etwas Erhabenes.“ Dieses Zitat stammt von Harry Houdini, dem berühmtesten Entfesselungskünstler der Welt und hat sehr viel mit dem Inhalt des Buches „Ich bin raus“ von Robert Wringham zu tun. Entfesselung durch Zauberei Robert Wringham hat mit etwa Mitte 20 großes Interesse für Zauberei entwickelt. Zauberei nicht im Sinne von Harry Potter, sondern von Trickkünstlern, die ihre Zuschauer belustigen. Die Geschichte der Zauberei ist etwas Merkwürdiges – sie wirkt leicht veraltet und zugleich haftet an ihr etwas Geheimnisvolles an. Robert Wringham tat das nicht einfach so, denn eigentlich wollte er etwas für seine Karriere als Kabarettist lernen, stattdessen hat Houdini ihm zu einer entscheidenden Erkenntnis verholfen. „Die Wahrheit ist: Wir stecken in der Falle. Wir alle.“ (Aus: „Ich bin raus“ von Robert Wringham, Seite 18) Mit der Falle meint Robert Wringham in erster Linie den Kapitalismus und unsere moderne Gesellschaft. Wir haben ein ganz bequemes Leben durch den ganzen Überfluss, den Konsum. Andererseits werden wir innerlich verbraucht und erdrückt von der Last der Möglichkeiten. Aber wie kommt man aus dem Hamsterrad hinaus? „Wir sollten Houdinis Kunst auf das wirkliche Leben anwenden. Die moderne Welt braucht die Entfesselungskunst. Wir brauchen Dietriche, Geduld, Wissen und Humor um den Fesseln und Gefängniszellen zu entkommen.“ (Aus: „Ich bin raus“ von Robert Wringham, Seite 25 f.) Ich bin raus Die Wahrheit ist, kaum jemand ist absolut glücklich mit seinem Job. Es gibt immer irgendwas zu kritisieren oder Dinge, die unzufrieden machen. Robert Wringham stellt infrage, warum wir dann überhaupt 40 Stunden die Woche arbeiten gehen, wenn der Job so schlechte Laune macht. Warum eigentlich? Weil wir das Geld brauchen. Aber brauchen wir es überhaupt? Wir arbeiten, um zu konsumieren und konsumieren, weil wir uns von unserer beschissenen Arbeit ablenken wollen. Aber eigentlich hat Robert Wringham recht, wenn er schreibt: „Nichts, was wir kaufen können, hilft uns dabei, ein besserer oder ein freierer Mensch zu werden. Jeder ist sich selbst genug.“ (Aus: „Ich bin raus“ von Robert Wringham, Seite 92) Der zweite Grund ist, dass Arbeit an sich in unserer Gesellschaft noch zur höchsten Tugend glorifiziert worden ist. Wenn du keine Arbeit hast, dann bist du nichts. Ein Arbeitsloser, ein Schmarotzer ohne Wert. Niemand möchte ohne Identität sein. Also lieber einen langweiligen und sinnlosen Job ausüben als gar keinen. Was hilft Robert Wringham bringt mich über viele Entwicklungen in unserer Gesellschaft zum Nachdenken. Er widmet sich ausgiebig den Bereichen Arbeit, Konsum, Bürokratie und unseren Gehirnstrukturen. Warum ist das so? Muss das so sein? Kann ich etwas tun? In meinen Augen ist das der größte Verdienst des Buches. Manche Kapitel sind auch überflüssig und langweilig. Zum Beispiel, wenn er in einem Kapitel darstellt, wie sein Leben im Lauf der Jahreszeiten in Montreal war. Und nervig ist, dass er sehr viel Werbung für seine Zeitschrift „New Escapologist“ macht. Ist das notwendig? Im dritten und letzten Teil von „Ich bin raus“ beschreibt er, wie man sich als Mensch entfesseln kann. Wieder geht er auf die Bereiche Arbeit, Konsum, Bürokratie und der Mensch selbst ein. Manche dieser Tipps sind nützlich, aber nicht alle. Im Grunde lässt sich viel darauf reduzieren, dass man erkennen muss, was man wirklich braucht und den Rest hinter sich lässt. „Ich bin raus“ ist ein Plädoyer für Eskapismus. Das ist ohne Frage nicht für jeden Menschen etwas. Eskapismus ist auch nicht ohne Minimalismus zu schaffen. Nichtsdestotrotz war „Ich bin raus“ ein Buch, was mich meinen Lebensentwurf infrage stellen ließ und mich zum Nachdenken brachte, ob das alles so richtig ist. Das ist erstmal unbequem, aber hilft auf lange Sicht. Ich werde nun sicher nicht zum radikalen Eskapisten, aber nach dem Lesen des Buches fühlte ich mich tatsächlich ein wenig wie Houdini, der gerade aus einer Gefängniszelle entkommen war.

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Ich bin raus

Von: Merendina

19.05.2017

Robert Wringhams Buch hat mich schon vom Titel sehr angesprochen. Auch der Klappentext klingt sehr interessant: „Haben Sie auch allzu häufig von der Arbeit die Schnauze voll?“, „Wird das Fernsehprogramm jeden Abend langweiliger?“, usw. Davon bin ich persönlich zwar nicht betroffen, dennoch musste ich dieses Buch unbedingt lesen. Meiner Meinung nach wird nämlich viel zu viel konsumiert. Sei es der Konsum von Kleidung und Lebensmittel, der Medienkonsum, etc. Muss man das alles haben oder ist es möglich, aus dieser Falle zu gelangen? Das Buchcover finde ich sehr passend zum Inhalt des Buches gewählt. Man sieht darauf vier uniform gekleidete Menschen, die in Reih und Glied stehen und sich an den Händen halten. Eine fünfte Person, die anders gekleidet ist, bricht aus dieser Ordnung aus und entfernt sich von den anderen. Nach einem Vorwort und einer Einleitung über die Herausforderungen des kleinen Mannes findet man drei große Kapitel. Kapitel 1 widmet sich der Falle. Hier wird berichtet, warum der Mensch in der Klemme sitzt. Es wird auf Arbeit, Konsum, Bürokratie und die dummen Gehirne der Menschen Bezug genommen. Im nächsten Kapitel geht es um die Freiheit, die Suche nach Alternativen. Wringham schreibt, was gutes Leben ist, wie Entfesselungskünstler ihre Freiheit nutzen usw. Teil 3 beschäftigt sich mit der Entfesselung , dem Finden von Fluchtwegen. Hier werden Tipps und Tricks genannt, wie man der Arbeit, dem Konsum und der Bürokratie entkommen kann, wie wir unseren dummern Gehirnen entkommen können und wie das Leben nach der Entfesselung aussehen könnte. Der Schreibstil des Autors gefällt mir sehr gut. Man kann das Buch gut und flüssig lesen. Oft machte mich das Buch nachdenklich, denn es stimmt, dass man ein einfacheres Leben haben könnte, wenn man sich auf wesentliche Dinge konzentriert, mehr Ballast abwirft. Man sollte sich im Leben viel mehr mit dem beschäftigen, was einem persönlich wichtig ist. Braucht man den wirklich die neuesten Kleidungsstücke, die angesagtesten Küchengeräte oder das ultimative Smartphone? Muss man seine Freizeit stupide vor dem Fernseher verbringen? Man muss kein Minimalist sein, aber oft ist weniger einfach mehr. Auch wenn ich persönlich nicht in der „Falle“ sitze und ich schon immer auf Nachhaltigkeit und Stressvermeidung achte, hat mir dieses Buch doch einige Denkanstöße gegeben. Mir hat es richtig gut gefallen und die 334 Seiten waren sehr kurzweilig für mich. Ich kann dieses Buch bestens weiterempfehlen und vergebe deswegen auch volle Punktzahl: fünf Sternchen!

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Ich bin raus liest sich wie eine Brandrede, denn Robert Wringham ist ein entflammter Autor. Einer, der Wege aus der Arbeit, dem Konsum und der Verzweiflung aufzeigen möchte. Einer, der bereits im Vorwort sämtliche Formen der „Lohnknechtschaft“ verteufelt. Einer, der keinen bzw. kaum Platz für Menschen lässt, die ihren Job nicht grundsätzlich als moderne Sklaverei und alternativlose Tretmühle empfinden. Der Herausgeber des Magazins New Escapologist benutzt – wie passend – eine historische Figur, die als Metapher und Vorbild den Weg aus den Fesseln der modernen Konsumgesellschaft beschreiben soll: Harry Houdini, amerikanischer Entfesselungs- und Zauberkünstler. Arbeit und Konsum entkommen Wir werden benebelt und verbraucht. Von den sozialen Fesseln der Gesellschaft, von Personalabteilungen, Großraumbüros, unbefriedigenden Berufen, (selbstverursachten) Schuldenbergen, 40-Stunden-Wochen uvm. Wenn man Arbeitszeit, Konsumzeit und Schlafzeit abrechnet, bleibt nicht mehr viel Zeit für Freiheit, so Wringham. Sein Alter Ego Houdini dagegen beherrscht eine Kunst, die auch wir auf das wirkliche Leben anwenden sollen: Raus aus den sklavischen Gedanken, die uns die Wirtschaft einimpfen möchte, darunter ein stetes Gefühl der ungesättigten Unzufriedenheit dank ausgeklügelter Marketingstrategien. So weit, so gut. Doch spätestens an dieser Stelle wird die Wut des Autors zu einem Flächenbrand. Der gebürtige Engländer fordert den Leser dazu auf, seinen Job zu kündigen und sein Recht auf Faulheit einzufordern. Dabei geht es keineswegs um das totale Nichtstun, nein. Es geht um eine kreativere, bewusstere und befriedigendere Tätigkeit. Und hier möchte und muss ich gleich „Stopp“ rufen. Setzen wir das bedingungslose Grundeinkommen voraus und die Tatsache, dass jeder nach seiner Façon wirtschaften kann: In einer Welt, die lediglich aus Poeten und Künstlern besteht, können wir dennoch nicht leben. Es sei denn, Digitalisierung und Roboterisierung sind so weit fortgeschritten, dass wir uns weder ums tägliche Brötchen, das Leeren der Aschentonnen und sonstige (unbequeme) Tätigkeiten Gedanken machen müssen. Geht es nach Wringham, sind die meisten Jobs heute jedoch nichts anderes als Bullshit-Bingo, dazu angedacht, uns zu verwahren und uns mit sinnlosen Tätigkeiten zu beschäftigen. Wir stecken in Angestellten- oder Service-Jobs fest, die die Wirtschaft stützen, den Reichen noch mehr Einkommen verschaffen und uns zu einer Sache verleiten: Schrott zu verkaufen, den keiner braucht. Wir sind völlig besessen davon, dass Arbeit an sich schon ein Wert ist. Und diese Wertvorstellung wird auf rund 330 Seiten konsequent angefochten. Entfesselt Euch! ch will nicht abstreiten, dass für diesen Kampf einige brauchbare Modelle in der Lektüre vorgeschlagen bzw. Alternativen genannt werden, die die Arbeits- und Lebensqualität verbessern können. Dazu gehört die sog. „Tele-Arbeit“ in Form von Skype und Co. sowie eine Auflockerung der Präsenzpflicht, die uns nicht mehr länger an einen festgelegten Platz bindet. Viele moderne Firmen leben das längst vor. Interessant ist in diesem Zusammenhang ein Blick auf die menschliche Geschichte, der zeigt, dass Arbeit historisch betrachtet nicht immer den heutigen Stellenwert hatte – gar mit Fluch, Würdelosigkeit, später mit Tugend oder einem kurzfristigen Übel belegt war. Heute – so die These – steht hinter unserem Arbeitsethos nur mehr ein Antrieb: unsere Möglichkeiten als Konsument zu verbessern. Verschärft ausgedrückt: Beim Shoppen holen wir uns ein bisschen Würde zurück, indem wir coole Produkte kaufen. Mit anderen Worten: Shopping ist eine vollkommene Abwechslung von der Arbeit, man hat es sich im wahrsten Sinne des Wortes verdient. Der Konsum wird zum Lebenszweck, jede verbrauchte Ressource in diesem Zusammenhang ist uns ebenso egal wie die eingeplante Obsoleszenz. Vom Haben zum Sein Diese Vorwürfe muss man aushalten. Zumal Robert Wringham in seinem emotionalen Rundumschlag in weiten Teilen außer Acht lässt, dass es mittlerweile genügend Gegenbewegungen und -strömungen gibt, wie Zero-Waste-Pionierin Bea Johnson oder Mark Boyle, der Mann ohne Geld, zeigen. Bei Wringham immerhin eine Erwähnung wert, der seine Empörung im zweiten Teil des Buches dankenswerter Weise mehr und mehr hinter sich lässt und auf eine sachlichere Ebene zurückkehrt. Eine spannende These, die unter Kritikern des Minimalismus durchaus zurecht für Stimmung sorgt: Bevor wir uns Werten wie Raum, Zeit, Privatsphäre sowie einer besseren Gesundheit hingeben, müssen wir uns erst ausgiebig mit der Anschaffung von Sachen beschäftigt haben. Am Ende sind wir also nicht die Summe unseres Besitzes, agieren aber evolutionspsychologisch betrachtet immer noch wie der Höhlenmensch in einer digitalisierten Welt: Aus Angst vor Dürrezeiten und materiellem Mangel horten wir (unbewusst), dass die Schwarte kracht. Übermäßiges Essen, sexueller Opportunismus und Ehrgeiz inklusive. Konkurrenzdenken, Eitelkeit, Ego und Geltungskonsum tun ihr übriges. Minimalismus als Fluchtweg und alternatives Lebensmodell Folgt man dem Lebensmodell des Schriftstellers, dann sind nur wenige Dinge der Konsumwelt wirklich wichtig und nicht entbehrlich, genauso wie Minimalismus am Ende mehr meint als das bloße Entrümpeln. Minimalismus ist eine persönliche Form des Protests gegen die Überflussgesellschaft. Genauso wie das polarisierende, lautstarke, emotionale und persönliche Buch von Robert Wringham. Eine Lektüre, die die Wut des Verfassers auf den Leser überträgt. Und am Ende doch noch Vorbilder und gangbare Lebensmodelle aufzeigt.

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Wir alle sitzen in der Falle. Wie die Maus, die gerne das fette Stück Speck hätte. Doch heißt unsere Falle: Arbeit und Konsum. Wie wir uns daraus befreien können, sagt uns der Autor und „Entfesselungskünstler“ Robert Wringham. Robert Wringhams Buch „Ich bin raus“ ist in drei Teile gegliedert. Es hat eine klassische Ratgeberstruktur, in dem es zuerst die Ist-Situation des Lesers beleuchtet (Die Falle), dann die Soll-Situation erklärt (Freiheit) und schließlich im letzten Kapitel (Entfesselung) den Weg zur Soll-Situation darlegt. Teil I beschreibt unser Leben in der Falle. Wringham startet im Unterkapitel Arbeit mit Beschreibungen von typischen Arbeitsverhältnissen und Situationen aus der Arbeitswelt, in denen sich ein Großteil der Leser wiedererkennen wird. Dazu kommen Erzählungen aus seinem eigenen Arbeitsleben. Besonders lehrreich an diesem Kapitel ist die Beleuchtung der Geschichte der Arbeit. Das Unterkapitel schließt mit dem Fazit „unserer“ Ist-Situation: Wir arbeiten um Geld zu verdienen, um zu konsumieren. Das Unterkapitel Konsum erklärt, welche negativen Auswirkungen Konsum auf uns hat und wieso wir so viel konsumieren: Es wurde uns eingetrichtert, dass Konsum gleichbedeutend ist mit Spaß. Und wer möchte bitte keinen Spaß haben, wenn er schon jeden Tag acht Stunden arbeiten muss? Welchen Part die Bürokratie in der Falle spielt und warum auch unsere „Höhlenmenschengehirne“ schuld an unserem Fallen-Dasein sind, erklären die letzten beiden Unterkapitel. In Teil II führt der Autor uns vor Augen, wie ein Leben außerhalb der Falle aussehen könnte. Das Stichwort ist hier: Das Gute Leben. Das Gute Leben besteht aus: in Frieden arbeiten, in Würde leben und sein Glück finden. Welche Voraussetzungen es dafür braucht, wie andere „Entfesselungskünstler“ leben und wie der Autor selber ein gutes Leben lebt, sind die zentralen Inhalte in Teil II. Nachdem der Leser weiß, wie die Falle aussieht und funktioniert und wie es anders gehen könnte, fehlen noch die Ratschläge, wie man sich daraus befreit. Diese folgen in Teil III. Der Autor macht zahlreiche Vorschläge, um der Arbeit, dem Konsum, der Bürokratie und unseren Höhlenmenschengehirnen zu entkommen und vergisst auch nicht, davon zu berichten, was nach der „Entfesselung“ wichtig ist. Der Untertitel des Buches „Wege aus der Arbeit, dem Konsum und der Verzweiflung“ verspricht viel. Und dieses Versprechen wird gehalten. Was sich nicht von jedem Ratgeber sagen lässt. Die Beschreibung der Arbeits- und Lebenssituation vieler Menschen zu Beginn des Buches, trifft den Nagel auf den Kopf. Als Leser beendet man so gut wie jeden Satz mit einem Kopfnicken. Die Leichtigkeit der Sprache und der Humor des Autors helfen glücklicherweise dabei, nicht an der eigenen Situation zu verzweifeln. Und am Ende steht das Fazit, das man selber vor einiger Zeit schon gezogen hat. Doch man selbst hielt sich für einen Spinner, so zu denken. Das Buch lässt einen aber erkennen, dass man kein Spinner ist, wenn man sich danach sehnt, sein Leben jetzt zu leben und nicht erst nach 40 Jahren Lohnsklaverei, wenn es vielleicht schon zu spät ist. Und nach dieser Erkenntnis brennt der Leser darauf, endlich den Ausweg kennenzulernen - und der Autor zeigt uns welche auf. Und zwar für jeden: Teilzeitarbeit für vorsichtige Entfesselungskünstler bis hin zu verrückten Entfesselungsideen. Die Voraussetzung bei allen Auswegen ist immer eine Reduzierung des Konsums. Welche Möglichkeiten es dabei gibt, wird ebenfalls anschaulich erklärt, so dass der Leser am Ende das Gefühl hat, dass die Flucht wirklich gelingen kann. Die unterbreiteten Vorschläge sind nie realitätsfern und die Aussagen des Autors werden untermauert durch Verweise auf andere Autoren, auf historische Persönlichkeiten und Beispiele aus dem Hier und Jetzt. Ich bin froh dieses Buch gelesen zu haben, das mich daran glauben lässt, dass ein anderes, ein freies Leben möglich ist!

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