Leserstimmen zu
All das zu verlieren

Leïla Slimani

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People who are never satisfied destroy everything around them. All das zu verlieren von Leïla Slimani ist im Mai 2019 erstmals in deutscher Auflage erschienen und erzählt die Geschichte von Adèle. Die junge Frau scheint ein erfülltes Leben zu füllen: Sie arbeitet als Journalistin für eine große Pariser Zeitung, wohnt mit ihrem Ehemann und ihrem Sohn in einem schicken Viertel und ist unabhängig. Doch sie ist nicht glücklich: Immer öfter versucht sie aus der familiären Enge auszubrechen, trifft sich mit anderen Männern, um Sex zu haben und Drogen zu nehmen. Sie weiß, dass sie damit all ihre Privilegien, ihre Familie verlieren könnte, und setzt trotzdem alles aufs Spiel. Adèle ist eine sehr vielschichtige Protagonistin, die von all ihren Sehnsüchten nach Abenteuer, ihrer Lustlosigkeit gegenüber ihrer Ehe und dem damit verbunden Schwermut zerrissen wird. Eindringlich beschreibt die Autorin ihre zugleich stille und explosive Selbstzerstörung und obsessive Manie. Der erste Teil des Romans wird aus der Sicht von Adèle beschrieben, was diesen Effekt noch verstärkt und ihre Gedanken und Gefühle verdeutlicht. Die Kapitel sind kurz verhaltene Eindrücke und erzeugen ein schnelles Tempo, das seinen Höhepunkt in der Entdeckung der Affäre findet. Von da an ändert sich der Charakter von Adèle grundlegend und hält den Leser bis zu ihrer letzten Handlung in Atem. Leila Slimani hat einen denkwürdigen Roman über Feminismus, Verlustängste und kaputte Familienstrukturen, der individuell großen Interpretationsspielraum lässt. Jeder sollte sich selbst einen Eindruck verschaffen und seine eigenen Ansichten damit abgleichen. Vielen Dank an den Luchterhand-Verlag für das #Rezensionsexemplar!

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Das Tanzen am Abgrund beherrschen ihre Protagonisten in Perfektion. Leïla Slimani erschafft weibliche Charaktere die jeden Psychologen gespannt aufrecht im Sessel sitzen lassen. Adèle ist eine Frau mit äußerer gutbürgerlichen Fassade, aber innerlich leer und ihre Seele scheint weit weg. Für mich eine psychologisch hochinteressante Charakterzeichnung einer Frau, die scheinbar alles hat und doch alles sucht. Zwiespältig, ängstlich und trotzdem geht sie auf volles Risiko. Als hätte sie Angst um ihr Leben und doch wirft sie es weg. Innere Leere treibt sie beinahe nymphoman in sexuell außergewöhnliche Situationen. Sie erinnern an Rape-Fantasien zwischen zwei zustimmenden Erwachsenen und scheinbar unstillbarer Lust, die nie gänzlich befriedigt werden kann. Die depressive Leere die sie in sich spürt, kann niemand von außen ausfüllen. Ein wirklich sehr interessanter Roman mit faszinierenden Charakteren! Fazit: Beide Bücher, welche ich von Leïla Slimani gelesen habe, kann ich wieder mal ausnahmslos empfehlen. Die Autorin ist zurecht eine der gefragtesten in Frankreich und ebenso weltweit. Spannende Charaktere und aufregend erzählt. Sie schreckt vor keinem Thema oder Stigma zurück: erweiterter Selbstmord, Sexbesessenheit, Depression, Borderlinestörung und das negative Erleben der Mutterrolle. In diesen beiden Werken setzt sie sich hauptsächlich mit weiblichen psychopathischen Rollen auseinander und gibt erschreckende und faszinierende Einblicke in düstere Seelen. Der grandiose Erzählstil der Autorin sowie die sehr gelungenen Übersetzungen von Amelie Thoma überzeugen auf ganzer Linie. 

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Adèle könnte eigentlich glücklicher nicht sein. Sie hat einen Mann, einen kleinen Sohn und wohnt in einem Pariser Schickeria-Viertel. Nach außen hin erscheint alles perfekt, aber nur, weil Adèle dieses glückselige Familienporträt als Deckung benötigt um ihre eigentliche Identität zu verbergen. Denn Adèle führt ein Doppelleben und ihre Nymphomanie bestimmt all ihr Handeln. Sie trifft sich zwischen Tür und Angel mit Männern, das Äußere dieser ist ihr dabei völlig egal. Im Gegenteil, je vulgärer ihre Männer aussehen, desto besser. Immer nur kurz hält die Befriedigung an und man hetzt als Leser*in hinter Adèle her, die auf der Suche nach einem neuen Kick ist. Ich musste an das Verhalten autoaggressiver Menschen denken, die sich erst richtig spüren, wenn sie sich Verletzungen zufügen. Man ahnt direkt zu Beginn der Geschichte, dass dieses Doppelleben nicht ewig so weitergehen kann, dass Adèle auf ein Unheil zusteuert und es einen großen Knall geben wird. Irgendwie bangt man doch um sie als man ihre ausweglose Lage erkennt und merkt, dass sie einfach nicht aus ihrer Haut kann. Sympathisch ist diese Figur trotz allem nicht, sie ist egoistisch und angeödet von allen Menschen, denen sie begegnet. Ja, nicht nur das, sie fühlt sich teilweise überlegen und das ist meiner Meinung nach auch das Perfide an diesem Buch. Adèle ist einfach kein sympathischer Mensch, mit dem man tatsächlich großes Mitleid empfinden würde und trotzdem fühlt man ihren Schmerz und ihr ausgezehrtes Inneres. Sie macht wütend und traurig zugleich, lässt einen fassungslos zurück. Slimani schreibt aus Sicht von Adèle und ihrem Mann und ich finde, letzterem hätte gar nicht bedurft. Auch so war die ganze Tragweite der Handlung zu spüren. Es war stellenweise wirklich harte Kost, ich musste das Buch immer mal wieder weglegen, um eine Pause einzulegen und über das Gelesene nachzudenken. Aber genau das schätze ich einfach so an Büchern: Wenn sie wehtun, zum Nachdenken anregen und auch mal unbequem sind.

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Auf den ersten Blick führt Adéle ein nahezu perfektes Leben: Journalistin einer Pariser Tageszeitung. Verheiratet mit einem Chirurgen. Ein kleiner Sohn. Wohnhaft in einem schicken Viertel. Doch dieses bürgerliche Durchschnittsleben langweilt sie, erfüllt sie nicht. Stattdessen lebt sie mit anderen Männern ihre sexuellen Obsessionen aus.⠀ ⠀ #allesdaszuverlieren von Leila Silmani ist kein Roman für romantische Seelen. Sondern einer, der mit den bürgerlichen Sexualnormen bricht. Der alles auf den Kopf stellt. Abstand nimmt von einem perfekten Familienideal. Adéle kann damit nichts anfangen. Essenseinladungen. Smalltalk. Gesellschaftliche Normen und Zwänge. Sie fühlt sich getrieben. Angetrieben, sich anderen Männern hinzugeben. Wahllos. Nicht nur den reichen und attraktiven, sondern auch den schmuddeligen. Immer. An jedem Ort. Brutal, erniedrigend, aber immer begehrend. Diese sexuelle Unterwerfung ist ihr Gefühl für Lebendigkeit. Sie betrügt ihren Mann nach Strich und Faden. Sie führt ein Doppelleben. Das auffliegt. Aber nicht wirklich endet. Auch nicht, als ihr Mann alles erfährt.⠀ ⠀ Ein lapidarer, grausamer Roman, in dem der Leser hin- und hergerissen ist zwischen Verständnis und Abscheu. Man fühlt sich immer wieder ertappt dabei, wie sich Wohlwollen für diese Frau entwickelt. Die eine tiefe existenzielle Einsamkeit empfindet. So viel ist klar. Alles andere bleibt im Dunkeln. Eine Geschichte in konsequenter Sprache, die wichtige Antworten verweigert.

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In Leïla Slimani’s Roman „All das zu verlieren“ hat die in Paris lebende Journalistin Adèle eigentlich alles und könnte mit ihrem Leben zufrieden sein: Einen Arzt als Ehemann, einen kleiner Sohn, einen Job bei einer Zeitung. Doch diese konservativ-bürgerliche Welt engt Adèle eher ein. Sie flieht immer wieder in ihr Doppelleben, in ihre Affären auf eine fast krankhafte und suchtstrukturierte Art, sucht sie sich scheinbar wahllos bekannte und unbekannte Männer. Und um diese Affäre zu verstecken, lügt sie alle an: ihren Mann, Sohn, Chef und hält ihre beste Freundin Laura als vermeintliches Alibi hin. Ruhe in ihrer Familie kann sie nicht finden, ihre Arbeit langweilt sie zunehmen. Ihr Interesse gilt allein ihren sexuellen Obsessionen. Adèle Leben ist ein Aushalten dieser Obsession, ein Kampf mit sich und der inneren Zerrissenheit: „Seit einer Woche hält sie durch. Eine Woche schon ist Adèle standhaft geblieben. Vernünftig.“ Die Zurückhaltung ihrer Sexualität fällt ihr schwer, schwermütig, lustlos beugt sie sich dem Scheinfrieden ihrer Ehe, den Essenseinladungen und dem Leben auf dem Land, welches einem Gefängnis gleicht. Ich bin mir unsicher ob man in Adèle eine Nymphomanie, mit einer stillen Selbstzerstörungskraft oder ein Versuch des Ausbruches aus den Unfreiheiten und der Ausweglosigkeit des Lebens lesen kann. Slimani schafft es die stillen Abgründe ohne vulgäre Beschreibungen in sachliche Worte zu fassen und die Spannungen von Adèles Leben zu beschreiben.

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Adele: Oberflächlich betrachtet hat sie ein perfektes Leben. Einen Liebenden Ehemann, einen gesunden Sohn und einen tollen Job als Journalist. Aber was, wenn dich so ein Leben nicht erfüllt. Genau damit beschäftigt sich die Autorin hier. Adele fühlt sich gefangen in ihrer Ehe, das Mutter sein erfüllt auch nicht das was es verspricht und ihr Job langweilt sie. Sie hat Bedürfnisse, will gesehen und geliebt werden. Will spüren. Und das erreich sie, in dem sie ihren Mann betrügt. Immer und immer wieder. Es ist aufregend, sie fühlt sich begehrt und entflieh für einige Momente ihrem Alltag. Gleichzeitig will sie aufhören. Sie hat Angst, dass ihr Mann es erfährt und sie alles verliert. Sie ist zerrissen. Die Autorin beschreibt den Abgrund an dem Adele steht. Und man wünscht sich manchmal, dass sie fällt. Und als es dann passiert leidet man mit ihr und ihrem Ehemann. Literatur vom Feinsten 👌🏼

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Adèle ist gelangweilt von ihrem Leben an der Seite ihres Mannes in Paris. Sie versucht immer wieder verzweifelt "normal" zu sein und sich in ihr Leben einzufügen: "Sie wird ihr Leben ausmisten, sich nach und nach ihrer Ängste entledigen. Sie wird tun, was von ihr verlangt wird." Es klappt nicht. Immer wieder geht Adèle mit fremden Männern ins Bett und lässt sich teilweise von ihnen körperlich misshandeln, um sich zu spüren. Sie ist süchtig nach Sex und dem Kick, den es ihr gibt, Männer zu verführen. Die Autorin beschreibt Adèles Zwiespalt eindrucksvoll, ihr Schreibstil ist klar, fast brutal, sie beschönigt nichts. Auch wirft sie einen Blick auf Adèles Mann, der eines Tages herausfindet, dass seine Frau ein Doppelleben führt: "Er hätte jemanden anrufen, sich an der Schulter eines Freundes ausweinen können. Doch wie hätte er es erzählen sollen? Was hätte er sagen sollen? Adèle glaubt sicher, dass er aus Scham mit niemanden darüber spricht. Dass er lieber sein Gesicht wahrt, als den Beistand freundschaftlichen Mitgefühls zu suchen. Sie muss denken, dass er Angst hat, als Gehörnter dazustehen, gedemütigt. Doch er pfeift darauf, wie die anderen ihn sehen. Er fürchtet vielmehr, was sie über Adèle sagen werden, wie sie sie abstempeln, sie heruntermachen werden. Am meisten fürchtet er, dass sie ihn zu einer Entscheidung drängen, dass sie mit überzeugter Miene sagen: "Unter diesen Umständen, Richard, kannst du sie nur verlassen." Über Dinge zu reden macht sie irreversibel." Ein schonungsloser Roman, der einen Blick hinter die Fassade einer perfekten, kleinen Familie wirft und dabei hervorragend beschreibt, was in den Figuren vorgeht.

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Es liest sich, wie es wirken soll – im Rausch. Mit knappen, kühlen Worten erzählt Slimani die Geschichte von Adèle und ihrer Sucht nach Sex und Männern, nach Unterdrückung und Eskapismus. Dabei hat sie alles, die junge Französin, Journalistin, Ehefrau und Mutter eines heißgeliebten Sohnes. Aber wer hat heutzutage noch alles und ist glücklich damit? Das fragt dieser Roman irgendwie frech, aber auch brutal und ehrlich. Dabei geht es ja gar nicht um Adèle. Es geht um ihren Mann, der erfahren muss, dass seine heißgeliebte Frau ein Handy besitzt, in dem all diese Namen und Nummern gelistet sind, mit den schmutzig klingenden Worten in den unzähligen Nachrichten, alle getippt von Männern mit Zungen, die kurz zuvor im Halse seiner Frau steckten. Er ist derjenige, der reagieren muss und der der Frage gegenübersteht, was falscher ist: Mit der Frau zusammenzubleiben, die ihre Ehe mit Füßen getreten hat, oder die Mutter seines Sohnes verlassen, mit der er viele Jahre schon glücklich zusammenlebt? Doch auch darum geht es doch nicht. Das Buch stellt subtil die Frage, wohin Sexsucht einen Menschen treiben kann, wie man sich fühlt, wenn die Lust zu Dingen antreibt, die anwidern, wie es sich mit der Schuld leben lässt, an der keiner Last tragen kann. Oder doch? Adèle ist im Grunde eine furchtbare Frau und kann sich selbst nicht hassen, hasst dafür ihren Job, ihre Spießigkeit und die Idee, mit ihrem Mann alleingelassen auf dem Land zu leben. Kann man sie dafür hassen, dass sie so ist wie sie ist und Angst vor der Alternative hat – allein zu sein? Kann man sich ein Urteil über eine Mutter erlauben, die ihren Sohn nicht zurücklassen kann und deswegen in einer Ehe mit einem Mann bleibt, den sie vielleicht nicht liebt, vielleicht langweilig findet, manchmal verabscheut oder sich sogar über ihn lustig macht? Ist sie boshaft, gemein; Und musste sie nicht so werden, wegen der nicht weniger boshaften Mutter und wegen des passiv-ruhigen Vaters ohne Meinung, Eltern, die sie womöglich in ein Leben getrieben haben, das sie nicht wollte, weil sie vor ihnen flüchten musste, um sich selbst zu retten? Womöglich ist Adèle nichts als eine verzogene Göre, die mit nichts zufrieden ist und in ihrer Unersättlichkeit die Unterdrückung dieses Selbst sucht, die sich mit nichts zufriedengeben kann, weil sie es nie gelernt hat. All diese Fragen wirft Slimani auf, wenn sie Adèles Geschichte erzählt. Es geht um Schuld, Verständnis, Wut und Liebe, um ihre Zusammenhänge und um Sex. Viel Sex. Und trotz der Körperlichkeit hält sie sich im Roman an der poetischen Sprache fest, die ihren Figuren das Rückgrat geben, das sie brauchen, um nicht ungelenk zu wirken. Sie fasst ein Gefühl auf, eine Unzufriedenheit vielleicht, aber noch mehr das Fragende dahinter. Sie gibt uns eine unsympathische Heldin und ein Leben im Nihilismus, das wir zu verstehen haben, während die Autorin uns keine Anhaltspunkte gibt, wonach zu fragen ist, wer unzufrieden ist oder sein soll – und am allerwenigsten, wer Recht hat. Damit ist mit diesem Roman ein Schwung gelungen, der sich kaum in Worte fassen lässt. Natürlich geht es dabei um das, was zu verlieren ist, aber die aufgeworfenen Fragen sind dabei das eigentlich meisterhafte. Der Leser ist gefordert, man soll richten und in sich horchen, wer gerade welchen Fehler macht. Und als Antwort kommt dabei womöglich die eine oder andere Überraschung heraus. Welche – dafür sollte dieses grandiose Buch gelesen werden.

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