Leserstimmen zu
All das zu verlieren

Leïla Slimani

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Hardcover
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Schauplatz ist Frankreich/Paris. Wir lernen die Journlistin Adèle kennen. Sie ist verheiratet mit Richard, einem renomierten Arzt und gemeinsam haben sie einen dreijährigen Sohn namens Lucien. Die Ehe ist sehr trostlos und dümpelt vor sich hin. Adèle ist insgesamt mit ihrem Leben sehr unzufrieden, auch der Job füllt sie nicht aus. Sie stürzt sich in die Welt der Affären. Wir verfolgen ihre teils verstörenden Liebschaften bis sie kurz davor ist alles zu verlieren... Von der Autorin habe ich bisher noch kein Buch gelesen. All das zu verlieren ist für mich eine Geschichte, die teils krakhafte Szenen beschreibt und gleichzeitig berührt und zum Nachdenken anregt. Zu Adèle konnte ich keinen Bezug aufbauen, sie war nicht besonders sympathisch wohingegen ihr Mann für mich als Held aus der Geschichte geht. Der Schreibstil von Slimani ist gewöhnungsbedürftig, es sind sehr kurze Sätze, teilweise mit 2-3 Wörtern. Mich konnte das Buch packen und auch wenn für mich die Sexszenen zu viel waren und ich mir mehr über die Entwicklung zwischen ihr und Richard gewünscht hätte, konnte mich das Buch durchaus überzeugen und berühren. Slimani hat einen sehr treffenden Schreibstil,man kann sich sehr gut in die Szene hineinversetzen. Ich werde mit Sicherheit noch weitere Bücher von der Autorin lesen.

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Adele ist unzufrieden. Jeden Tag, zu fast jeder Minute. Ihre Arbeit als Journalistin ödet sie an. Ihren dreijährigen Sohn empfindet sie als Last und ihren Mann Richard hat sie nur geheiratet, weil er eben der erste war, der sie gefragt hat. Nach außen hin ist Adele schön und lebendig – innerlich aber ist sie tot und verwest. Nur in den kurzen Augenblicken, in denen sie Sex mit Männern hat, die nicht ihr Ehemann sind, glaubt sie, am Leben zu sein – als würde ihr Herz im Takt der Stöße der Männer schlagen. Täglich verstrickt sie sich tiefer in das Meer aus Lügen, das sie aufrechterhält, damit ihr Mann Richard nichts von den anderen Männern ahnt. Täglich schafft sie es seltener, aus dem Meer aufzutauchen, nach Luft zu schnappen, bevor sie erneut in den Strudel gerät, der sie immer weiter hinab in dunkle Tiefe zieht … Von der Kritik verschrien als eine moderne Madam Bovary, ist Adele eine absolut hassenswerte Protagonistin. Sie betrügt pausenlos und scheint zu Empathie oder gar Liebe nicht einmal in der Lage zu sein, und das, obwohl ihr Mann Richard und ihr kleiner Sohn ihr Zuneigung entgegen bringen. Adele kann man als Leser nicht leiden – aber verstehen, ja, das kann man sie. Sie fühlt sich verloren im öden Alltag als Ehefrau, Mutter und Teilzeitjournalistin. Und nur die Augenblicke mit fremden Männern, scheinen ihr ein wenig Erlösung davon zu bringen. Dass es letztendlich nicht gutgehen kann, dass Adele irgendwann untergehen muss, scheint unausweichlich. Das Buch ist abstoßend, es nimmt kein Blatt vor den Mund und reißt die Zäune der Komfortzone um. Gerade das macht es so gut.

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Meine Meinung: „Die Männer haben sie aus der Kindheit befreit. Sie haben sie aus dem schlammigen Alter herausgeholt, und sie hat ihre kindliche Passivität gegen die Sinnlichkeit einer Geisha eingetauscht.“ Die Perspektive einer von innerer Leere in sexuelle Abenteuer getriebenen Ehefrau und Mutter könnte mir sicher ferner kaum sein und genau darin lag für mich der Reiz, mir diese durch den neuesten Roman von Leïla Slimani be- und greifbar machen zu lassen. Genau das ist der Autorin von Beginn an hervorragend gelungen, denn auch wenn ich keinerlei Sympathie für Adèles Verhaltensweisen empfinden konnte, so erhielt ich in diese sehr eindrucksstarke Einblicke, die von der Autorin durch einen glaubhaften Transport der Gedankenprozesse ihrer Protagonistin verstärkt wurden. Mit dem Bewusstsein, einem nahenden Zusammenbruch entgegenzusteuern, war ich emotional sehr gefangen vom Verlauf der Handlung, die obwohl sie von vulgären Bildern begleitet wird, nie an sprachlicher Ästhetik einbüßt. Den Abschluss bildet ein geschickt platzierter Perspektivwechsel zu Adèles Ehemann Richard, dessen Sichtweise sehr eindringlich/emotional greifbar gestaltet wird und zu einem passenden Ende führt. Fazit: Ein ungewöhnliches aber durchaus gelungenes Porträt und ein sprachlicher Hochgenuss!

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Ein Ehemann, der sich aufarbeitet, um die Familie zu ernähren, eine wunderschöne Wohnung im 18. Pariser Arrondissement und einen kleinen Sohn – all das hat Adèle zu verlieren. Und dennoch: Sie kann nicht anders. Sexsucht, Anorexie, Angststörungen, all das beherrscht ihre Gedanken, ihr Verhalten, ihre Person. Und so konstruiert sie über viele Jahre hinweg in fast schon liebevoller Kleinarbeit ein Doppelleben mit zweitem Laptop, geheimem Handy und einer endlos langen Liste an Affären. Bis ihre größte Angst eines Tages Wirklichkeit wird und ihr Geheimnis auffliegt – mit unerwarteten Folgen. Mit „All das zu verlieren“ gelingt Leïla Slimani ein bitterböses Porträt über eine durch und durch narzisstische Frau, deren viele psychische Baustellen erst nach und nach ihre wahren Ausmaße preisgeben. Während ihre Ess- und Angststörung recht lapidar daherkommen – und damit die Anpassungsfähigkeit vieler chronisch psychosomatisch Erkrankter hervorragend widerspiegeln – schlägt uns Slimani die sexuelle Besessenheit ihrer Protagonistin förmlich ins Gesicht. Mir wurde das beim Lesen teilweise zu anstrengend und an der ein oder anderen Stelle auch zu brutal. Die Entwicklungen, nachdem Adèle auffliegt, sind bedrückend, die Geschichte kippt auf eine völlig andere Weise ins Düstere, und obwohl ich das Buch immer wieder recht aufreibend fand, ergibt es in seiner Gesamtheit vollkommen Sinn, mit all seinen strapaziösen Bildern. Slimani erzeugt mit ihren Worten die gleichen Emotionen in den Lesenden wie sie die Protagonistin durchlebt: Ekel, Schmerz, Fassungslosigkeit und so viele Fragen. Einzig das Ende, das ich nicht vorweg nehmen möchte, hat mich äußerst unbefriedigt zurück gelassen – was trotzdem, irgendwie, zur Geschichte passt.

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Adèle hat eigentlich alles, was man sich wünschen kann. Verheiratet mit ihrem erfolgreichen Arzt lebt sie in Paris, hat einen bezaubernden kleinen Sohn und arbeitet mehr zum Zeitvertreib als Journalistin. Nach außen ist das Familienleben perfekt, aber in Adèle tobt ein Krieg, sie lebt ein Leben, das sie nicht will. Geheiratet hat sie nur, weil es günstig war, um aus den bescheidenen Familienverhältnissen zu entfliehen, aber ihr Mann kann ihr nicht geben, was sie braucht. Schon lange ist ihr Liebesleben nicht mehr existent und sie such tagtäglich den Kick. Mal mit fremden Männern, mal mit Bekannten. Sie will begehrt werden, sonst hat sie den Eindruck nicht zu existieren. Ihren Alltag bekommt sie immer weniger in den Griff und zu ihrem Sohn konnte sie nie eine Verbindung aufbauen, denn ihr ganzes Denken dreht sich nur um eines: den nächsten Mann finden, der ihr verfällt. Leïla Slimanis erster Roman erscheint jetzt erst in Deutschland, interessanterweise nach „Sex und Lügen“, das als direkte Reaktion darauf entstanden ist, denn in ihrer marokkanischen Heimat hat man nur wenig begeistert auf das Buch reagiert, das ein Verhalten einer Frau beschreibt, das gegen alle Konventionen ist und scharf verurteilt wurde. Die Geschichte ist eigentlich nur eine Momentaufnahme aus Adèles Leben, denn die Handlung ist recht reduziert. Es reiht sich ein Abenteuer an das nächste, ohne dass es hier eine tatsächliche Entwicklung gäbe. Zwar ahnt man, dass sich der Konflikt zwischen den Ehepartnern zuspitzen muss, was auch geschieht, vor allem nachdem Adèles Mann hinter das Doppelleben kommt und sich gezwungen sieht, darauf zu reagieren, was ihn zunächst einigermaßen überfordert. Die Figur der Adèle ist leider etwas begrenzt in ihrer Komplexität. Ihre Sexsucht steht im Zentrum der Handlung und ihrer Persönlichkeit und alles andere wird diesem untergeordnet. Woher dies kommt, bleibt offen, auch scheint sie wenig reflektiert in Bezug darauf, was die Sucht mit ihr und ihrer Familie macht. Sie wird beherrscht durch das Verlangen und schaltet dabei alle anderen Gedanken aus, was unweigerlich in der Katastrophe enden muss. Psychologisch jedoch in sich stimmig und nachvollziehbar, wie ein Leben durch eine Abhängigkeit egal welcher Art völlig dominiert wird und sich nur noch darum dreht.

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