Leserstimmen zu
Die radikalisierte Gesellschaft

Ernst-Dieter Lantermann

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"Die radikalisierte Gesellschaft" deckt nicht nur politische oder religiöse Themen ab, sondern auch das Alltagsverhalten der Menschen. Gerade das hat mich gereizt und war letztendlich der Grund, warum ich mich für dieses Buch entschieden habe. Besonders die Themen Körperoptimierung und Veganismus fand ich im Nachhinein sehr interessant. Obwohl Lantermann sowohl radikale Fremdenfeindlichkeit als auch Vegetarismus und Veganismus behandelt, bedeutet das natürlich noch lange noch nicht, dass hier eine Gleichstellung Rechtsradikaler mit Veganern stattfindet. Wer meint, dass diese beiden Gruppen hier auf eine Stufe gestellt werden, hat den Kerngedanken des Buches nicht komplett begriffen. Es geht nicht darum, allen Veganern vorzuwerfen, sie würden fanatisch versuchen, ihre Weltanschauung durchzusetzen, sondern darum, herauszufinden, warum sich immer mehr Menschen diesen Bewegungen anschließen und welche Ziele sie bewusst oder unbewusst damit verfolgen. Im Mittelpunkt steht dabei fast immer das Bedürfnis nach Sicherheit in unsicheren Zeiten. Dies wird auch im Kapitel zu den Gated Communities ausführlich behandelt. Das Buch gibt einen groben Überblick über verschiedenste Themen rund um die Radikalisierung unserer Gesellschaft. Es ist eine gute Anfangslektüre, die viele Anregungen für weiterführende Literatur enthält und fast schon dazu auffordert, sich weiter in die Thematiken einzulesen. Insgesamt ist das Buch wirklich nur als kleiner Einblick in verschiedene Bereiche zu verstehen, dafür ist es aber kurzweilig gehalten und alltagsnahe.

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ZUM AUTOR Ernst-Dieter Lantermann, geboren 1945 in Oberhausen, ist Psychologe und emeritierter Professor für Persönlichkeits- und Sozialpsychologie an der Universität Kassel. Seine Gastprofessuren führten ihn nach Leipzig, Mannheim, Bern und Potsdam. Lantermann ist Autor und Herausgeber einer ganzen Reihe von Artikeln und Fachpublikationen zum Verhältnis von Mensch und Umwelt, Denken und Gefühl, Komplexitätsmanagement und schreibt über viele weitere Themen. In den vergangenen 15 Jahren leitete er bedeutende Studien zum Thema Bewältigungsstrategien von Unsicherheit. Gemeinsam mit dem Soziologen Heinz Bude erforscht er die Hintergründe und Folgen gesellschaftlicher Exklusion. INHALT In Die radikalisierte Gesellschaft untersucht Lantermann derzeitige gesellschaftliche Entwicklungen und deren Bedeutung für das gesellschaftliche Zusammenleben. In Zeiten der allgemeinen Verunsicherung wächst das Bedürfnis nach Sicherheit, Orientierung und klaren Strukturen. Ungewissheiten erzeugen Selbstzweifel und Selbstunsicherheiten. Um seine Selbstsicherheit zurückzugewinnen, entwickelt der Einzelne spezifische Handlungs- und Entscheidungsstrategien, die von Lantermann als selbstwertdienliche Unsicherheitsreduktionen bezeichnet werden. Der verunsicherte Bürger begegnet den gesellschaftlichen Herausforderungen also mit dem Versuch einer Komplexitätsreduktion. Hier greift der Fanatismus ein: Er stillt das Bedürfnis nach Klarheit und festen Wahrheiten und gibt dem Verunsicherten sein Selbstbewusstsein zurück. In drei Schritten analysiert Lantermann die Dynamiken gesellschaftlicher Veränderungen und macht Ursachen für eine zunehmende Radikalisierung deutlich. MEINUNG Lantermanns jüngstes Werk ist nicht nur lesenswert weil es ein Thema behandelt, das höchste gesellschaftlicher Relevanz besitzt. Das Buch erweitert zugleich den eigenen Verständnishorizont und verschafft den Lesern Einblick in die Dynamiken sozialer Phänomene. Lantermann geht gesellschaftlichen Radikalisierungstendenzen auf den Grund und durchbricht eine rein oberflächliche Betrachtung offensichtlicher Symptomatiken. Mit einem klaren, gut verständlichen Schreibstil führt der Autor den Leser durch das Buch, sodass es jedem möglich wird ein tiefergehendes Verständnis für die zunehmende Radikalisierung der Gesellschaft zu entwickeln. Zugleich regt das Buch den Lesenden dazu an, die eigene gesellschaftliche Rolle zu reflektieren. Der Wissenschaftlichkeit des Buches wird mit den Quellen im Anhang des Buches Genüge getan. Indirekte Zitate und Bezugnahmen auf weiterführende Quellen können vom Leser somit jederzeit nachgeschlagen werden. Ein Buch, das sich durch eine einfache Sprache und einen hohen Erklärungsgehalt auszeichnet und somit absolut lesenswert ist! Von mir gibt es wunderbare viereinhalb Sterne und eine absolute Kaufempfehlung.

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Das Lantermann in seinem neuen Werk den Blick auf Islamismus, den Koran oder andere konkrete, radikale Gruppen weitgehend auslässt und eben nicht diese Form der „Radikalisierung“ als erstes in den Blick nimmt, mag auf den ersten Blick Verwundern in Hinsicht auf den Titel des Buches. Umgehend aber erschließt sich, was Lantermann wirklich als Objekt der Betrachtung setzt und welchen tiefen Wert seine Gedanken für die gesamte Problematik der Radikalisierung in jeder Form besitzen. Als Psychologe ist es Lantermann gewohnt, systemisch zu denken. Und ebenso systemisch legt er nun seine Analyse eines konkreten innerlich motivierten und äußerlich sich zeigenden Bewegung vor, die mehr ist als eine „Gemütslage“, aber auch nicht „vom Himmel fällt“, sondern auf deutlich erkennbaren Entwicklungslinien in der Verfassung einer Gesellschaft beruht. In der sich mehr und mehr Gruppen mit ganz eigenem Wertgefüge und „Schwarz-Weiß“ Denken etablieren (nicht nur bei Demonstrationen politisch, wie Lantermann an einer ganzen Reihe von „Lebenshaltungen“ ausführen wird. Ein „systemischer Effekt“ somit ist (auch) eine zunehmend beobachtbare Tendenz zur Radikalisierung. Wobei die „Unsicherheit in der alltäglichen Erfahrung“, das „abgehoben“ und nur mehr abstrakt wahrnehmbare Agieren mit immer größeren fiskalischen Summen, das Ausgrenzen bis Abhängen unterer Lohn- und Bildungsschichten, der unsichere Ausblick in die Zukunft einer Industrie, in der „sichere Arbeitsplätze“ zunehmend angezweifelt werden, in der durch die geforderte hohe Mobilität „sichernde“ Verbünde aufgelöst werden und so eine Gefühlslage allgemeiner Verunsicherung und, damit eng begleitend einhergehend, eine starke Bedrohung des Selbstwertgefühls des Einzelnen auf den Plan tritt. Wenn Lantermann dies konstatiert und dann die (eigentlich angesichts der Probleme der Welt fast lächerlich anmutenden) hilflosen „Gegen-Wert-Bewegungen) des „optimierten Körpers“ und des „sinnstiftenden Essens“ ruhig betrachtet und erläutert, dann wir umgehend scharf und deutlich, dass für einen weiten Teil der Bevölkerung eben keine innere Sicherheit über die Verhältnisse und das eigene Leben „automatisch“ als Haltanker vorliegen und kein verbindlicher Wertege3danke („Der Staat und die Politik“ mehr als „große Klammer“ stehen, sondern „Ersatzmechanismen“ eintreten, die eine „Gefühl der Sicherheit“, aber eben nur für den Moment und nur für eine bestimmte Grupp „Gläubiger“ geben. Fast als zwangsläufige Logik eines wie immer zu wertenden „Selbstschutzes“ kommt es zu solchen „Ersatz-Sinn-Gebern“ oder eben zu einem Zusammenschluss in neuen Peer Groups, die das „Alte“ (eher das „Nun Eigene“) vehement verteidigen, bzw. Wiederherstellen wollen. Weg mit dem Fremden (der die eh schon innerlich prekäre Lage noch mehr anheizt und bedroht) und hin zum vermeintlich Sicherheit bietenden „Nur noch unter meinesgleichen“. Was zwar am sicherheitsbedrohenden Wandel der Welt und dessen Bürde gerade für die meisten jungen und „normalen“ Bürger nichts ändert, aber zumindest das Gefühl eines „Rudels“ und der dazugehörigen Sicherheit samt der Möglichkeit zur Steigerung des Selbstwertes innerhalb der überschaubaren Gruppe bietet. Ohne Brüche entfaltet Lantermann so seine „Logik des Fanatismus“ und zeigt mit klarer Analyse auf, wo die wirklichen Wurzeln einer „Entwurzelung“ liegen. Am Wegbrechen wichtiger Sicherheiten und äußeren Möglichkeiten der Stärkung des Selbstwertes, dem der Einzelne (so er nicht zu „denen da oben gehört“ sich gegenüber ohnmächtig erlebt, Und mit dem reagiert, was in der Einzeltherapie „Abwehrveralten genannt werden würde. Ein Erleben des Verlustes der Kontrolle, dass zu einer permanenten aggressiven Grundstimmung zunächst in Einzelnen und dann in größer werdenden Gruppen der Gesellschaft sich auswächst, wenn nicht früh diese Ängste und Unsicherheiten aufgenommen und gelöst werden. Ein deswegen wichtiges Buch, weil es nicht an „Symptomen“ und vordergründigen Ängsten „herumdoktert“, sich keinen Sand durch markige Worte in die Augen streuen lässt, sondern auf die „Krankheit“, die „Störung“ selbst hinweist, aus der Radikalismus in der Regel her gesellschaftlich entsteht. Und damit auch einen Leitfaden an die Hand gibt, wo gegengesteuert werden könnte (wenn einem der materielle Preis nicht zu hoch erscheint und man deswegen das alles laufen lässt).

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Ein neues Sachbuch ist erschienen, über das ich berichten möchte: „Die radikalisierte Gesellschaft. Von der Logik des Fanatismus“, verfasst 2016 von Ernst-Dieter Lantermann, Emeritus für Sozialpsychologie an der Universität Kassel. Er hat sich in seinem neuen Text dieses höchst aktuellen und bedeutsamen Themas angenommen. Um es gleich vorweg zu sagen: es ist aus meiner Sicht ein lesenswertes Werk geworden! An fünf Themenfeldern illustriert er das, was er “selbstwertdienliche Unsicherheitsreduktion“ nennt: die Entstehung von Fremdenfeindlichkeit und Fremdenhass; das Wohnen in geschlossenen Wohnkomplexen („gated communities“); der Rückzug in kleine soziale Welten; die Perfektionierung des eigenen Körpers durch Body Building, Schönheitsoperationen und Piercing; die Entscheidung zur sinnstiftenden Mahlzeit. In allen Themenfeldern sieht der Autor vergleichbare Mechanismen am Werke, die zu Radikalisierungen führen: das Erleben einer unsicheren Welt, die Angst erzeugt und den Selbstwert des Einzelnen in Frage stellt. Der dann einsetzende Mechanismus “Komplexitätsreduktion” schafft wieder Boden unter den Füßen und lässt mich die Welt zusammen mit Gleichgesinnten wieder als beherrschbar und verständlich erscheinen. Andere Meinungen und Fakten werden ausgeblendet und ignoriert. Wichtig sind die Differenzierungen, die Lantermann immer wieder darlegt. So sieht er etwa Fremdenfeindlichkeit gespeist aus verschiedenen Motivlagen heraus, wie z.B. die “Gruppe der verhärteten Selbstgerechten”, die gut situiert sind, über ein robustes Selbstbewusstsein verfügen und sich nach besseren Zeiten zurück sehnen, wo alles noch einfach war; die “Gruppe der Beleidigten”, die in prekären Verhältnissen leben und sich ungerecht behandelt fühlen; die “Gruppe der Verbitterten”, die ebenfalls in prekären Verhältnissen lebt und die sich etwa im Vergleich mit Muslimen, die andere Werte als die Verbitterten haben, wieder selbst wertschätzen können. Am Beispiel der Vegetarier wird deutlich gemacht, wie verschiedene Stufen des Fanatismus entstehen und wie auf einmal Veganismus zu einem selbstwertdienlichen Lebensstil wird (Essen als Weltanschauung). Was macht das Buch lesenswert? Zum einen ist es gut verständlich geschrieben – die wissenschaftlichen Quellen und vertiefenden Erläuterungen sind in den Anhang verschoben und stören den Lesefluss nicht. Zum zweiten werden psychologische Mechanismen und Prozesse in anschaulicher Weise beschrieben und machen psychologische Theorien lebendig. Vor knapp 30 Jahren ist es Dietrich Dörner gelungen, mit seinem Werk „Logik des Misslingens“ (1987) eine allgemeinverständliche Beschreibung des Forschungsfeldes „Komplexes Problemlösen“ zu liefern (bis heute empfehle ich es allen Personen, die wissen wollen, womit ich mich beschäftige). Mit dem vorliegenden Werk tritt Ernst-Dieter Lautermann erneut den Beweis an, dass psychologische Vorstellungen verständlich dargestellt werden können; sein Buch belegt den Erklärungswert sozio-psychologischer Theorien und Befunde. Ich wünsche seinem Werk viele Leserinnen und Leser sowie positive Resonanz!

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