Leserstimmen zu
Taxi Curaçao

Stefan Brijs

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Sehr gut.

Von: Sarah Janina

02.08.2017

Dieses Buch ist toll. Es war für mich ein Experiment, da ich in diesem Genre nicht so oft lese und auch mit männlichen Hauptcharakteren relativ selten konfrontiert werde. Dennoch muss ich sagen, das gerade das wirklich schön war. Mal etwas aus der anderen Sicht zu sehen, Gedankengänge kennenzulernen, war wirklich gut. Gerade auch die Gedankengänge in diesem Buch haben mir gut gefallen und das Buch vermittelt eine dichte Stimmung und Atmosphäre. Ein Werk, das man auf jeden Fall weiterempfehlen kann, gerade an die Menschen, die gerne etwas über Familienbande lesen, aber auch über die Suche nach sich selbst und der eigenen Bestimmung.

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Stefan Brijs ist ein 47-jähriger Autor und Lehrer, der mehrere Preise erhalten hat. Bislang sind in deutscher Sprache im btb Verlag »Taxi Curaçao«, »Der Engelmacher« und der Kriegsroman »Post für Mrs. Bromley« erschienen. Im deutschsprachigen Raum hat der Autor noch keinen großen Bekanntheitsgrad. Es bleibt zu hoffen, dass sich dieser Umstand bald ändern wird. Selten hat eine Sprache und Konstellation einer Familiengeschichte so tiefe und langandauernde Eindrücke hinterlassen können wie der Roman »Taxi Curaçao«. Der Roman wird aus der Ich-Perspektive eines Lehrers und Ordensbruders aus Curaçao erzählt. Seine Erzählung umfasst die Tage des 18. und 19.7.2001 und spiegelt seine Gedanken des Istzustandes. Ergriffen von den Umständen des Lebens beginnt er die Geschichte der Familie Tromp zu erzählen. Eine Familie, die zum Stück seines Lebensinhaltes geworden ist. Kapitelweise durchwühlt er die frühen Lebensphasen und arbeitet sich Stück für Stück in die Gegenwart hinein. Man wird als Leser auf eine Reise geschickt, die zu einem Erinnerungsbecken wird, in welches man immer wieder gerne zurückkehren und hineinspringen will. Es ist eine Generationengeschichte. Sie beginnt mit dem Großvater Roy. Ein stolzer Mann, dem der Ruf seines Lebens den Lebenstakt vorgibt. Nichts ist wichtiger, als sich einen großen Namen zu machen und diesen weiter mit zahlreichen erfundenen Geschichten der Welt zu präsentieren. Im ersten Teil des Romans wird sein vogelfreies Leben reflektiert. Man durchlebt die Geschichte dieser Figur durch alle Facetten des Lebens. Sein Kerngeschäft ist das Taxifahren, von dem er so sehr überzeugt ist, dass für seinen Sohn keine andere Berufung infrage kommt. Sein Dodge, der ihn sein ganzes Vermögen und noch mehr gekostet hatte, ist dabei heiliger als seine Familie. Bis hin zum Ruhestand, ohne dass die Geschichte hierbei zur Ruhe kommen würde, denn es heftet sich nun an die Geschichte seines Sohnes Max. Bei ihm schlägt ein Generationswechsel an. Es sind die 60er und 70er Jahre. Ende 69 kam es zu einer Ölkrise und somit auch zu einer Geldkrise. Max ist anders als sein Vater. Zielstrebiger. Klüger. Er will der Armut entfliehen und etwas aus seinem Leben machen. Hier spielt der Ich-Erzähler, der sich Daniel nennt und sein Lehrer ist, eine tragende Rolle. Er wird nicht nur ein Freund der Familie. Sondern viel mehr die Stütze, die Beraterfigur und der Erzähler einer unfassbar spannenden Geschichte. Das Schicksal von Max meint es, trotzt zahlreicher guter Absichten, nicht immer gut mit ihm. Curaçao ist die Armut in Person. Da wo Armut herrscht, steckt man tief in ihr drinnen. Hinauszukommen ist beinahe unmöglich. Max kämpft um ein besseres Leben. Versucht dem Taxigeschäft den Rücken zu kehren. In der dritten Generation steckt nun der Sohn von Max: Sonny. Es ist die erste Generation, der es nicht mehr so sehr an Geld fehlt. Seine Eltern versuchen alles, um ihm ein Leben zu ermöglichen, welches sie niemals hatten. Trotz zahlreicher Möglichkeiten schlittert Sonny genauso wie seine männlichen Vorgänger immer zwischen Erfolg und tiefer Niederlage. Klug, jedoch scheinen die Klauen der Familientradition immer nach ihm zu greifen. Selbst das Vater-Sohn Verhältnis scheint ein Spiegelbild der männlichen Tradition zu sein. An welchem Punkt scheitert man als Vater? Zur Jahrtausendwende durchlebt die Insel Curaçao in jener dritten Generation einen Aufschwung. Dieser manifestiert sich jedoch durch das Drogengeschäft. Curaçao liegt zwischen Venezuela und Kolumbien. Sodass Drogenbosse aus der Insel ein Transitland gemacht haben. Curaçao ist ein Land des Königreichs der Niederlande. Die Einwohner gehören zahlreichen Ethnizitäten an. Während die Amtssprache niederländisch ist. In dieser Familiengeschichte wird Barber, ein armer Stadtteil der Insel Curaçao, belichtet. Schwarzhäutige Menschen, die um ihre Rechte kämpfen und hoffnungsvoll eine Veränderung der desolaten Zustände herbeisehnen. Stefan Brijs erzählt auf eine unfassbar filigrane Weiße von einer Welt, die man so nicht gekannt hat. Gesellschaftskritisch deutet er darauf hin, wie kleinräumig wir blicken. Wie klein unsere Probleme und Sorgen sind. Dass es Nöte gibt, die wir nie für möglich gehalten hätten. Menschen die über unsere großen Probleme und Sorgen lachen würden. Dieser Roman regt an, die Schwierigkeiten seines eigenen Lebens anders zu reflektieren. Seine Konstruktion zwischen fiktionaler Geschichte und historischem Hintergrund eröffnet eine atemberaubende Anekdote, die auf diesem Niveau in den letzten Jahrzehnten kaum Konkurrenz findet. Sehnsucht und Trauer empfindet man nach dem Ende des Buches. Die Sprache, die einen nach dem letzten Wort verlässt, ist wie die verlorene Liebe, die man erst dann begreift, wenn sich nicht mehr da ist.

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Curaçao, 1961. An einem Septembermorgen bringt der Taxifahrer Roy Tromp seinen zwölfjährigen Sohn Max zum ersten Mal in die weiterführende Schule zu Bruder Daniel. Max ist der erste in seiner Familie, der sie besuchen kann, und erweist sich als talentierter Junge, der davon träumt, Lehrer zu werden und den gesellschaftlichen Aufstieg aus der Armut zu schaffen. Bruder Daniel, der selbst von der Insel stammt, will ihm dabei helfen. Denn so prächtig der azurblaue Dodge Matador ist, mit dem Roy seinen Sohn zur Schule bringt, so bettelarm ist die Familie des Trinkers und Spielers. Vierzig Jahre später ist der Traum geplatzt und Max, der längst selbst Vater eines erwachsenen Sohnes ist, verschwindet aus heiterem Himmel in die Niederlande, womöglich für immer ... Ahhh, die Karibik. Mal ehrlich, wenn man das Wort hört, hat man doch sofort weiße Sandstrände vor Augen, schmeckt förmlich den Cocktail und hört liebliche Musik - Zeit, sich entführen zu lassen auf die Niederländischen Antillen. Und festzustellen, dass das Leben dort eben auch nicht nur ein Dauerurlaub ist, sondern ebenso seine Schattenseiten aufweist. Über 40 Jahre lang verfolgt man an der Seite Bruder Daniels das Leben der Männer der Familie Tromp und damit auch das Leben der Arbeiterklasse und die politische Entwicklung der Insel. Das wird mit genug Lokalkolorit durch die landeseigene Sprache, durch Gepflogenheiten und Erklärungen geliefert, dass ich als Leser mich freue, gleichzeitig etwas zu lernen und unterhalten zu werden. Was mir dabei jedoch nicht ganz so gefällt, ist die Erzählperspektive durch Bruder Daniel, der zwar alle Beteiligten seit Jahrzehnten kennt, aber eben nicht in ihrer Haut steckt. So schleichen sich gelgentlich Längen ein, wenn er klarmachen will, wie eine Person ich fühlt, statt dass ich als Leser den direkten Weg gehen kann und deren Perspektive einnehme. Andererseits beobachte ich dadurch die Personen sehr viel besser und hinterfrage ihre Handlungen auch durchaus mehr als in anderen Romanen, es kann also durchaus hilfreich sein. Ich finde das Buch insgesamt aber durchaus gelungen. Vor allem, wie gesagt, weil es einen Einblick in eine doch eher fremde Welt bietet und mit einigen Klischeevorstellunge bezüglich der Karibik aufräumt. Die Personen sind lebensecht und wachsen einem auch ans Herz, je länger man ihnen folgt, und besonders Roy ist mit Ecken und Kanten ausgestattet, aber auch trotzdem jemand, den man nicht missen will. Ja doch, das Buch ist gut, man sollte sich aber ein wenig Zeit nehmen für die Lektüre, statt sie einfach nur schnell zu verschlingen und sofort zum nächsten Buch zu schreiten.

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An einem Morgen im Jahr 1961 bringt der Taxifahrer Roy Tromp seinen Sohn Max in die Schule, die von der Kirche in einem armen Teil Curaçaos betrieben wird. Roy Tromp ist ein Spieler, der gerne trinkt und viel erzählt wenn der Tag lang ist. Sein gesamtes Geld hat er in seinen Wagen gesteckt - einen neuen, glänzenden Dodge Matador. Als er mit Max vor der Schule vorfährt, laufen die anderen Schulkinder zusammen und bestaunen das prächtige Gefährt. Roy Tromp hat einen Traum: "Tromp und Sohn" - denn auch in zweiter Generation soll "Taxi Tromp" Touristen und wohlhabende Bürger über die Insel fahren. Max Tromp träumt von anderem: Er will Lehrer werden. Darin bestärkt ihn Bruder Daniel, der ihn unterrichtet und bemerkt, dass der Junge Talent hat. Er setzt sich dafür ein, dass ihm ein Stipendium für den Besuch einer weiterführenden Schule zukommt. Bruder Daniel fungiert auch als Erzähler der Geschichte. Er stammt selbst aus Curaçao und bemüht sich als Lehrer - später als Schulleiter - darum, die Lage der Inselbewohner zu verbessern und insbesondere den Kindern Perspektiven zu schaffen. Jahrelang begleitet er Roy und Max Tromp - auch als Max auf die weiterführende Schule geht, hält er Kontakt. Er berichtet nicht nur von der Familie Tromp, sondern auch von dem Aufstand der Bevölkerung gegen die niederländischen Kolonialherren 1969 und dem Aufschwung des Drogenhandels. Erzählt, wie sich viele junge Männer als Drogenkuriere verdingen um schnell viel Geld zu verdienen. Erzählt von dem Gefühl, zwischen zwei Kulturen zu stehen und davon, wie es sich anfühlt, ohnmächtig zusehen zu müssen wie andere ihr Leben wegwerfen. Erzählt von Sonny, Max' Sohn, der mindestens so intelligent ist wie sein Vater damals, und dem doch nun wirklich endlich alle Wege offen stehen sollten... Stefan Brijs ist mit Bruder Daniel eine wirklich gute Erzählstimme gelungen. Zum einen ist der schwarze Mönch ein spannender Charakter, der insbesondere während und nach dem Aufstand 1969 hin und her gerissen ist zwischen seiner Identität als ein Sohn Curaçaos und Loyalität gegenüber seiner Kirche und dem niederländischen Sitz seines Ordens. Zum anderen ist er ein gründlicher und unaufdringlicher Erzähler, der 40 Jahre ohne Längen Revue passieren lässt und die Männer (und Frauen) der Familie Tromp in glatten Dialogen zum Leben erweckt. Taxi Curaçao ist ein Karibikausflug, der nachdenklich stimmt.

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Taxi Curacao

Von: Myriade

27.03.2017

Taxi Curaçao Das Buch spielt in einer in unseren Breiten wenig bekannten Gegend: auf den niederländischen Antillen. Die Insel Curaçao gehört zu den Inseln unter dem Wind. Allein schon die Bezeichnung! "Inseln unter dem Wind", da höre ich die Segel im Wind und rieche das Meer ... Zufällig habe ich auch auf einem blog einen Bericht mit sehr vielen Bildern von Curaçao gesehen: Bericht über Curacao Um romantische Bilder und Vorstellungen von Europäerinnen geht es in diesem Buch aber ganz und gar nicht. Die Geschichte beginnt im Jahr 1961 in den Slums der Insel. Der junge Max wird von seinem Vater in die Schule gebracht. Der Vater, Roy Tromp (ja, es ist ein "o" kein "u") ist ein verantwortungsloser Schmalspurcasanova, der aber selbst eine so schwierige Kindheit und ein so hartes Alter erlebt, dass er einem fast sympathisch wird. Roy Tromp ist im Besitz eines Dodge Matador (siehe Umschlag) und arbeitet als Taxifahrer. Dieses Auto spielt eine zentrale Rolle in der Familie, ist gleichzeitig das einzige Kapital und die einzige Einkunftsquelle, aber auch Grund und Vorwand für Unglück und enttäuschte Träume. Max kommt also in die Schule. Dort lernt ihn der Ich-Erzähler kennen, ein aus Curaçao stammender Pater, der an einer Schule unterrichtet und auch sozial sehr engagiert ist. Er verfolgt das Leben von Max, seiner Mutter und auch seines Vaters. Max heiratet und bekommt einen Sohn, auch diese kleine Familie betreut der Pater und erfährt so von ihrem Leben. Die Geschichte erzählt von Armut und enttäuschten Hoffnungen, aber auch von Liebe, Loyalität und Mitgefühl. Sie erzählt von vielen Jahren des Auf und Abs im Leben von Max und seiner Familie. Sie erzählt vom Leben in einer holländischen Kolonie, von Überlebenskunst und buntem Leben auf den Antillen und schließlich vom wirtschaftlichen Niedergang der Insel. Im Laufe der Geschichte verdichtet sich der Eindruck dass die Geschehnisse sich in Richtung Katastrophe bewegen. Sonny, der Sohn von Max und Lucia, ein vielversprechendes Kind gerät als Jugendlicher in viele Schwierigkeiten. Und Max fliegt in die Niederlande. Dies erfahren wir im ersten Satz des Buches. Warum er das tut und was daraus wird, erfahren wir aber erst am Ende. "Klar, eingängig, rau, manchmal fast kantig, Stefan Brijs zeigt, wie viel und zugleich wie wenig das Leben wert ist." HP/DE Tijd Mit vielem Dank an den Verlag für die Überlassung des Rezensionsexemplars

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