Leserstimmen zu
Tagebuch meines Verschwindens

Camilla Grebe

Die Profilerin (2)

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Atemberaubender Psychothriller

Von: Karin Elsen aus Fürth / Bayern

07.03.2020

Dabei ist es ein Thriller der leisen Art. Ort des Geschehens ist nicht die Welt und touristisch anziehende Orte, wie in einem James Bond oder Jason Bourne Film, sondern ein kleines, halb verlassenes Provinzkaff Ormberg. Die Polizisten die den Fall aufklären sind keine glamourösen Ermittler oder CSI-Spezialisten sondern eine der Demenz verfallende Polizistin, eine junge Polizistin die ihrem biederen engstirnigen Verlobten den Laufpass gibt, ein dicker Polizist der Wert auf sein Äußeres legt, ein Polizist der seine Scheu und Bewunderung für die junge Kollegin hinter dummen Aufreißersprüchen versteckt. Es wäre schön, noch andere Fälle von diesem Team lösen zu lassen, gell Frau Grebe? In diesem Buch fließt das Blut nicht in Strömen, es explodieren weder Brücken noch Autos, es sterben insgesamt „nur“ 3 Menschen, und das in einem Zeitraum von mehreren Jahren. Die Täter sind nicht Superschurken, die die Welt erobern wollen, sondern Bürger, die, wenn sie nicht gerade ihre Mitmenschen umbringen, den anderen hilfsbereit und freundlich entgegenkommen. Und doch ist das Buch so spannend, dass man es kaum aus der Hand legen mag. Und da ist noch Jake, der Teenie der ein dunkles Geheimnis mit sich trägt: er glaubt sich verdorben, krank, verkommen, weil er gerne heimlich Kleider seiner verstorbenen Mutter oder seiner Schwester trägt. Als ob das ein schreckliches Verbrechen wäre. Wenn das in Ormberg bekannt werden würde, wäre das der Supergau für ihn, für seine Schwester, für seinen alkoholischen Vater. Jake wird von Vincent, einem Mitschüler, brutalst gemobbt, bis er einmal die Qualen, Erniedrigungen und Schläge nicht mehr erträgt und sich wehrt. Melinda, seine Schwester entdeckt zufällig Jakes Geheimnis, ist zuerst geschockt, signalisiert ihm aber danach ihr Verständnis und Liebe. Auch Sana, Jakes Freundin, die zwar von seiner Vorliebe für Frauenkleider nichts weiß, aber auch wenn sie es wüsste, würde das nicht viel ausmachen, denn sie akzeptiert und liebt Jake so wie er ist. Letztendlich trägt er nicht unwesentlich zur Lösung des Falls bei. Immer wieder taucht das Flüchtlingsheim in Ormberg im Roman auf. In den Neunzigern war es ein Heim für Kriegsflüchtlinge aus Ex-Jugoslawien, nun, in der Gegenwart sind es muslimische Flüchtlinge aus Syrien. Damals wie jetzt sehen sich die Flüchtlinge den Schikanen der ansässigen Bevölkerung ausgesetzt. In den Augen vieler Ormberger sind sie schuld an der Tristesse und Misere, dabei waren die Fabriken lange bevor die Flüchtlinge ankamen, schon geschlossen, in Billiglohnländer abgewandert. Aber es ist doch so einfach einen Sündenbock für die eigene Trostlosigkeit zu finden. Und dann vergisst so mancher, dass er aus eigenem Verschulden lange vor der Fabrikschließung entlassen wurde; oder weil keine Arbeit im Ort ist, wird eine Bohrinsel im Atlantik erfunden, wo der Vater arbeitet, dabei sitzt der im Gefängnis wegen Pädophilie. Wenn man genauer hinsieht, entdeckt man überall in Ormberg Zeichen und Spuren des Zerfalls, der Gewalt, die alle bedroht. Sanas Mutter hat einen Freund, der schonmal wegen Gewalt verurteilt war. Bloß Margareta und ihr Sohn, Magnus, der harmlose Dorftrottel Magnus, helfen und leben für die Gemeinschaft. Margareta verteilt Elchfleisch, setzt sich für Verbesserung der Straßen und der öffentlichen Beleuchtung ein, auch für das Flüchtlingsheim. Ich frage mich, ob Ormberg nicht überall ist? Überall dort wo Unzufriedenheit, Neid, Existenzangst, Missgunst vergessen lassen, wie gut es uns geht. Uns vergessen lassen, dass wir ein Dach über dem Kopf haben, jeden Abend satt zu Bett gehen, wir nicht verfolgt, getötet oder deportiert werden wegen unseres Glaubens, unserer Hautfarbe. Ein paar Worte über die Aufmachung des Buches: spannendes Titelbild, der Zusammenhang zwischen Bild, Titel und Buchinhalt erschließt sich im Verlauf. Das Klappeninnenbild unterstreicht die Abgeschiedenheit und Verlorenheit Ormbergs, irgendwo in und hinter dichten dunklen Fichtenwäldern.

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In einem kleinen, fast vergessenen, Ort in Schweden wurde vor einigen Jahren die Leiche eines kleinen Mädchens gefunden. Nun wird dieser Cold Case wieder aufgerollt. Der Profilerin Hanne wird die junge Polizistin Marlin, die damals zusammen mit Freunden das tote Kind auf einer Geröllhalde fand, an die Seite gestellt. In einer stürmischen Nacht wird die völlig verwirrte Hanne von dem jungen Jake im Wald gefunden, ihr Lebensgefährte und Partner Peter ist verschwunden. Da er sich gerne Frauenkleider anzieht, bringt er nicht den Mut auf, der Polizei das Tagebuch von Hanne zu übergeben, das sie im Wald verliert. In diesem Tagebuch hat Hanne akribisch alle Schritte in den Ermittlungen festgehalten, um sie nicht zu vergessen. Zeitgleich wird an der Stelle, an der das Mädchen vergraben war, die Leiche einer Frau entdeckt. Während die Beamten weiter ermitteln, und Hanne versucht sich zu erinnern, liest Jake Hannes Tagebuch und kommt so dem Täter gefährlich nahe. Dieser Roman war meine erste Begegnung mit der Autorin. Aber ihr angenehmer und ruhiger Schreibstil hat mich von Anfang an überzeugt. Es bleibt bei einer fast sachlichen Schilderung, selbst wenn sich die Ereignisse überschlagen. Die einzelnen Personen sind fein gezeichnet und haben tiefgehenden Charakter. Das macht es umso interessanter die Geschichte zu lesen. Die Story wird aus unterschiedlichen Sichtweisen erzählt. Anfangs wechseln sich hauptsächlich die Erzählungen von Jake und Marlin ab. Später kommt auch Hanne hinzu, die sich immer mehr an die Vorkommnisse im Wald erinnert. Jedes einzelne Kapitel endet mit einem kleinen Cliffhanger, der einen neugierig macht auf das nächste Kapitel. Trotz seiner enormen Länge von immerhin 600 Seiten, habe ich das Buch innerhalb weniger Tage verschlungen, und kann es bedingungslos weiterempfehlen.

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Da ich mit Begeisterung alle bisherigen Bücher von Camilla Grebe gelesen habe, war ich sehr gespannt auf "Tagebuch meines Verschwindens", das bei btb erschienen ist und wurde nicht enttäuscht. Die düsteren Farben, in denen das Cover gestaltet ist und die vorne in das Buch gezeichnete Karte von 'Ormberg', wo die Geschichte spielt, hat mich gleich an die Stimmung der Serie "Dark" erinnert. Alles dreht sich um Ormberg und um den Ormberg, denn hier wird - und damit beginnt die Geschichte - die Leiche eines kleinen Mädchens gefunden. Um diesen alten Fall noch einmal aufzurollen, wird ein Ermittler-Team in den Ort geschickt, zu dem auch die Profilerin Hanne gehört, die wir aus Camilla Grebes Roman "Wenn das Eis bricht" kennen. Hanne leidet an beginnender Demenz und notiert alle ihre Beobachtungen in ein Tagebuch, das "Tagebuch meines Verschwindens", das für die weitere Geschichte eine wichtige Rolle spielt. Lange Zeit suchen die Ermittler verzweifelt nach einer Spur. Eigentlich sind es nur einige Tage, die jedoch sehr detailliert abwechselnd aus der Perspektive von Hanne, der jungen Polizistin Malin und dem Jungen Jake erzählt werden. Diese sich abwechselnden Sichtweisen machen das Buch sehr lebendig und erzeugen auf knapp 600 Seiten eine soghafte Spannung. Ganz besonders gut hat mir die Atmosphäre gefallen, die Camilla Grebe in ihrem Buch schafft. Der Ort Ormberg liegt abgelegen in den riesigen Kieferwäldern. Es ist dort karg, es herrscht Arbeitslosigkeit und für viele auch Hoffnungslosigkeit und doch hält die Schönheit der Landschaft sie gefangen. Der Roman von Camilla Grebe ist genau das richtige Buch für graue Wintertage und sei allen LiebhaberInnen von skandinavischen Krimis wärmstens empfohlen.

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Die junge Polizistin Malin kehrt nach ihrer Ausbildung in das kleine schwedische Dorf Ormberg zurück, um den bisher ungelösten Tod eines kleinen Kindes aufzuklären, deren Leiche sie als Teenager sie selbst gefunden hat. Als ihr Kollege Peter verschwindet, dessen Frau Hanne aber verwirrt am Rande des dichten Waldes aufgefunden wird, bekommen Malins Ermittlungen neuen Schwung. Denn trotz ihrer Demenz ist Hanne immer noch eine hervorragende Profilerin... Camilla Grene hat mit ihrer Reihe um die demente Profilerin Hanne ihre erste Buchreihe ganz allein geschrieben und mit dem ersten Teil bereits Erfolge gefeiert. Der Nachfolger „Tagebuch meines Verschwindens“ überrascht dabei erst einmal, da der Blick auf Hanne zunächst gar nicht im Fokus steht, neben der Polizistin Malin ist doch ein weiterer, junger Dorfbewohner als Hauptfigur anzusehen, die beiden Perspektiven wechseln zunächst ab, bis auch Hanne später ihren Teil beiträgt. Trotz dieser verschiedenen Perspektiven erzählt Grebe sehr geradlinig und verliert nie den roten Faden der Handlung. Es ermöglicht ihr aber, an verschiedenen Stellen anzusetzen und die Handlung mit vielen Details auszuschmücken. Und so bringt sie dann auch viele gesellschaftspolitisch relevante Themen mit ein, wobei die trostlose Kleinstadt Ormberg eine düstere Ausstrahlung hat. Verbitterte Bewohner, scheinbarer Zusammenhalt, der bei der kleinsten Erschütterung zusammenbricht, dunkle Geheimnisse - all das ist nicht nur ein Spiegel für die Gesellschaft, sondern auch die Bühne für äußerst interessante Charaktere, die Grebe sehr treffend beschreibt. Der erste Teil der Handlung ist noch recht ruhig, entfaltet aber spätestens ab der Hälfte eine Sogwirkung, der ich mich kaum entziehen konnte. Die Ereignisse sind dann nicht nur enger getaktet, sondern lassen den Leser auch noch mehr miträtseln, was hinter dem Fall steckt. Die korrekten Hinweise werden zwar gestreut, aber auch durch andere Spuren überdeckt, sodass die Auflösung des Ganzen tatsächlich überraschen konnte. Die Struktur des Romans erinnert zwar stark an den Vorgängeroman, wird aber mit vielen neuen Einfällen angereichert, sodass eine sehr individuelle Stimmung entsteht. Toll, wie Camilla Grebe es geschafft hat, nicht nur die Figur der Hanne weiterzuentwickeln, sondern auch eine sehr intensive Stimmung zu schaffen und die trostlose Atmosphäre ihres Schauplatzes lebendig werden zu lassen. Die vielen gesellschaftlichen Themen sind hervorragend eingebaut und überzeugen mit ihrem starken Ausdruck, sodass „Tagebuch meines Verschwindens“ trotz des etwas holprigen Starts erneut sehr lesenswert geraten ist.

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"Tagebuch meines Verschwindens" brilliert durch demenzielle Veränderungen, die dem Thriller ein ganz besonderes Gewand verpassen. Mir gefiel, die authentische Darstellung der Demenz, die Menschen in ihrem Wesen verändert. Es erscheint äußerst glaubwürdig und ist in meinen Augen der Aufhänger des Thrillers, wobei natürlich auch die Mordermittlungen eine große Rolle spielen und die Ermittler vor große Rätsel stellt. Flüchtlinge haben hier ebenfalls einen großen Stellenwert. Hinzu kommt Jake, der sich mit seinen eigenen Gedanken und Ängsten plagt. Mailin aber durch das Tagebuch immer näher kommt. Das Tagebuch zu nutzen, um mehrere Lebensgeschichten miteinander zu verknüpfen, ist wirklich hochkarätig. Für mich ist es der erste Thriller der Autorin den ich las, aber da mir der Schreibstil und die Hochspannung auf über 600 Seiten sehr gefallen hat, werde ich wohl des öfteren auf Camilla Grebe zurückkommen. Zudem mag ich schwedische Krimis oder Thriller, da mir das Land sehr zusagt. Bisher wurde ich selten enttäuscht, was Land und Leute betrifft. Das Cover selbst wirkt düster und das Medallion in den toten Händen bekommt eine ganz eigene Bedeutung. Weshalb hat Malin dieses um den Hals? Es ist der zweite Teil einer Thrillerreihe, in der die Protagonistin Hanne persönlich involviert wird. Es ist erschreckend und dennoch wirkt es glaubwürdig am Ende. Manche Geheimnisse müssen irgendwann ans Licht kommen, sonst sind Lebenslügen erdrückend und überschatten das Miteinander zutiefst. Hanne wird letztendlich mit einer schmerzhaften Wahrheit konfrontiert, die ihre Liebe zu ihrer Mutter in den Grundfesten erschüttern wird. Es gibt viele Verdachtsmomente, die lediglich dem Leser / der Leserin vorherbestimmt sind und als es sich bestätigt, wird dieses zu einem Moment der Erkenntnis. Der Thriller "Tagebuch meines Verschwindens" beinhaltet jede Menge Raum für eigene Interpretation, wobei die Autorin es scheinbar genießt, zu verwirren und eigene Grenzen zu erkennen. Es ist nicht nur die Demenz die einfließt, sondern auch Fremdenhass und der Umgang mit Menschen mit einer Behinderung. Alles Dinge, die nachdenklich stimmen. Erschreckend ist, das der wahre Wert eines Menschen, der nicht unserem Land entstammt wie ein Haustier gehalten wird. Es erschüttert mich zutiefst. Insgesamt gesehen liefert der Thriller, echte Schauer aus Abschau über meinen Rücken, da ich Denken und handeln nicht verstehe. Ich war dennoch fasziniert, wie so viele unterschiedliche Probleme innerhalb eines Thrillers zu einem Buch werden, welches keine Fragen offen lässt und Stück für Stück einen Mord entschlüsselt. Die Seiten waren schnell gelesen und das jede Seite brachte mich dem Ziel, die Wahrheit zu erkennen einen Schritt näher. Gerne vergebe ich eine Leseempfehlung, da ich "Tagebuch meines Verschwindens" mehr als zufrieden gestellt besendet habe.

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Wer Wind sät, wird Sturm ernten

Von: Büchermaulwurf

05.11.2019

Der kleine, trostlose Ort Ormberg, umgeben von dunklen Kiefernwäldern, ist Schauplatz dieses atmosphärischen und düsteren Psychothrillers. Hier sind viele ohne Arbeit, seit die örtlichen Fabriken stillgelegt wurden. Die Dorfbewohner schauen misstrauisch auf das örtliche Flüchtlingsheim und seine Bewohner. Vor Jahren wurde hier das Skelett eines kleinen Mädchens gefunden - ein Cold Case, der nie gelöst wurde. Nun soll der Fall neu aufgerollt werden mit Hilfe des Kommissars Peter aus Stockholm und seiner Partnerin, der Profilerin Hanne. Mit zum Team gehört die Polizistin Malin, die aus Ormberg stammt und als Teenager damals das Kinderskelett fand. Doch während der Ermittlungen verschwindet Peter spurlos und Hanne wird verletzt und ohne Erinnerung aufgefunden. Bei der Suche wird eine Frauenleiche genau an der Stelle gefunden, an der das Kinderskelett lag. Gibt es einen Zusammenhang zwischen den Fällen? Erzählt wird die Geschichte abwechselnd aus der Ich-Perspektive der Polizistin Malin und dem 15-jährigen Jake und gegen Ende auch aus der Sicht von Hanne. Diese Wechsel sorgen für Tempo und Spannung und ermöglichen einen guten Einblick in die Gedanken und Gefühlswelt der jeweiligen Person. Über Malin erhält man Einblicke in die polizeiliche Ermittlung und die Suche nach Peter. Beides bleibt lange ohne Erfolg, obwohl es Verdächtige gibt. Sie hat hier ihre Familie und kennt alle Dorfbewohner, ist aber nach ihrer Ausbildung fortgezogen. Am meisten beeindruckte mich Jake, der eine große Wandlung machte, vom ängstlichen Mobbingopfer zum mutigen Helden. Er spielt eine Schlüsselrolle, da er Hannes Tagebuch findet und behält, da er sonst sein eigenes Geheimnis preisgeben müsste. Über dessen Inhalt erfährt der Leser zusammen mit Jake häppchenweise was zum Verschwinden der beiden führte und erhält Hinweise auf den Mörder. So ist man der Polizei immer einen Schritt voraus. Besonders berührt hat mich Hanne, die an Alzheimer erkrankt ist. Es war sehr berührend über ihr Tagebuch zu erfahren, wie schrecklich es ist, wenn einem das Leben langsam entgleitet und man Personen nicht mehr erkennt. Mit jedem Kapitel wechselt die Sichtweise und sorgt so für durchgängige Spannung trotz der 600 Seiten. Ich war von den ersten Seiten an gefesselt und wollte das Buch kaum zur Seite legen. Camilla Grebe hat ihre Protagonisten sehr glaubwürdig gezeichnet und mit Tiefe ausgestattet und damit eine große Nähe zu ihnen ermöglicht. Ich bin ihnen gerne gefolgt und mit ihnen in das Dorfleben eingetaucht, in dem das Flüchtlingswohnheim eine tragende Rolle spielt. Sie hat das Psychogramm der Dorfbewohner sehr spannend und lebendig gezeichnet. Die Abgründe, die sich hier auftaten waren wirklich erschreckend. Die Auflösung war überraschend und gleichzeitig schockierend und hat mich noch einen Weile beschäftigt. Ein wirklich gelungener Psychothriller mit starken Charakteren, der Gesellschaftskritik enthält und aufzeigt, dass Ormberg in der heutigen Zeit überall existiert und seine Nahrung aus Resignation, Unzufriedenheit oder auch purer Tristesse holt. Am Ende formuliert die Autorin klar ihre Botschaft: Jeder könnte selbst derjenige sein, der vor Hunger und Krieg geflohen ist. Ein großartiger Thriller mit Tiefgang, der zum Nachdenken anregt!

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DEUTSCHE ERSTAUSGABE Aus dem Schwedischen von Gabriele Haefs Originaltitel: HUSDJURET Originalverlag: Wahlström & Widstrand Paperback , Klappenbroschur, 608 Seiten, 13,5 x 20,6 cm, 2 s/w Abbildungen ISBN: 978-3-442-71881-8 Erschienen am 09. September 2019 Eine Tote, mitten im Wald. Getötet an dem Ort, wo vor Jahren das Skelett eines kleinen Mädchens lag. Ein cold case, der nie gelöst wurde. Wer sind die Toten? Was hat der spurlos verschwundene Kommissar mit ihnen zu tun? Und warum erinnert Profilerin Hanne sich an keine Ermittlungsergebnisse? Die Einwohner des kleinen trostlosen Omberg, das mitten zwischen dunklen Kiefernwäldern liegt, halten sich bedeckt. Doch niemand, nicht einmal die Polizei, kann der Wahrheit entkommen, die sich nach jahrelangem Schweigen bahnbricht… Zur Autorin Camilla Grebe und Åsa Träff sind Schwestern, aufgewachsen in Älvsjö in der Nähe von Stockholm. Der Roman „Die Therapeutin“ war ihr erstes Gemeinschaftsprojekt, fast zwangsläufig entstanden aus ihrer Liebe zur Kriminalliteratur. Camilla, geboren 1968, lebt in Stockholm mit ihrem Mann, zwei Kindern und einem Dalmatiner. Sie ist studierte Betriebswirtin, hat den Hörbuchverlag „StorySide“ gegründet und betreibt ein Beratungsunternehmen. Åsa, geboren 1970, lebt in Gnesta mit ihrem Mann und zwei Kindern. Sie arbeitet als Psychologin mit dem Schwerpunkt Verhaltenstherapie und betreibt in Stockholm mit drei Kollegen eine Gemeinschaftspraxis, die sich auf Angststörungen und neuropsychologische Störungen spezialisiert hat. Meine Meinung Ich habe ja vor einiger Zeit auch schon mit Begeisterung den 1. Teil dieser Reihe gelesen, obwohl ich es bei Thriller nicht so gerne mag, wenn die Bücher über 500 Seiten haben. Es fing hier aber direkt sehr spannend an. Malin, jetzt bei der Polizei, hat damals als Kind mit Freunden das Skelett einer Kinderleiche entdeckt. Nun wird in der Gegend eine Frauenleiche gefunden, gleichzeitig verschwinden zwei Ermittler, Hanne und Peter. Was hat das alles miteinander zu tun. Und warum wird Hanne im Wald aufgefunden, ohne Erinnerung an das Geschehene. Es war alles sehr mysteriös und ich habe gar nicht gemerkt, wie schnell ich im Buch vorankam. Der Schreibstil war sehr flüssig und es hatte auch nur wenige Längen. Zum Ende hin wurde es dann auch richtig spannend. Mir hat der Nebencharakter Jake sehr gut gefallen. Er findet Hannes Tagebuch, das diese schon länger wegen ihrer Erinnerungslücken führt und gerät auch in Gefahr. Auch fand ich den Bezug zum Titel des Buches sehr interessant. Man erfährt dadurch sehr viel von der Ermittlerin Hanne. Alles in allem hat mir auch dieser 2. Teil richtig gut gefallen. Es war trotz der vielen Seiten fast durchgängig spannend und konnte mich total fesseln. Daher kann ich eine klare Kauf- und Leseempfehlung aussprechen und vergebe sehr gute 4,5 Sterne. 4,5 von 5 Sternen Cover, Buchdetails und Klappentext: ©btb Verlag Infos zur Autorin: ©btb Verlag Rezension: ©lenisveasbücherwelt.de Beitragsbild: ©lenisveasbücherwelt.de

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Inhalt: Ormberg, ein kleiner trostloser und düsterer Ort in Schweden, in mitten dunkler Kiefernwälder: Im Oktober 2009 entdeckt die 15-jährige Malin im Wald das Skelett eines kleinen Mädchens. Acht Jahre später ist Malin Polizistin und arbeitet an genau diesem alten Fall. Unterstützung bekommt sie dabei von der Profilerin Hanne und deren Kollegen und Lebensgefährten Peter. Eines Abends wird Hanne verletzt und verwirrt im Wald gefunden, während Peter spurlos verschwunden ist. Kurze Zeit später wird eine Frauenleiche gefunden - an der selben Stelle wie damals das Skelett… Meine Meinung: „Tagebuch meines Verschwindens“ hat mich von Anfang an gefesselt. Der Schreibstil von Camilla Grebe gefällt mir richtig gut und durch die relativ große Schrift lässt sich das Buch auch sehr schnell lesen. Auch wenn der Spannungsbogen zunächst nur langsam steigt, fand ich keine Seite langweilig. Die Geschichte wird im Wechsel aus den Perspektiven von Malin und Jake erzählt, zusätzlich gibt es Einblicke in ein Tagebuch, das nach und nach die Geschehnisse bis zur Mordnacht schildert. Malin konnte als Polizistin vor einigen Jahren Ormberg verlasssen, wird jedoch für den alten Fall in ihren Heimatort zurückgeholt, weil sie die Einwohner und vor allem den Wald dort genau kennt. Sie fühlt sich jedoch in dem Ort mit den trostlosen Gebäuden und den eigenwilligen Einwohnern, die den Bewohnern des ortsansässigen Flüchtlingsheims mit großem Argwohn begegnen, nicht mehr wohl. Jake ist vierzehn Jahre alt und in einer schwierigen Phase der Pubertät. Er mag gerne Frauenkleider und Schminke und bezeichnet seine Neigung selbst als Krankheit. Vor einem Jahr ist seine Mutter gestorben und sein Vater ist seitdem fast immer betrunken. Er findet das Tagebuch und liest darin, bis er sich schließlich entschließt, zu handeln. Die Profilerin Hanne spielt in diesem Buch eine zwar kleinere, aber doch sehr wichtige Rolle. Durch den winterlichen und düsteren Ort Ormberg, mit seinen alten, teilweise verfallenen Häusern, geschlossenen Läden, stillgelegten Fabriken und dem Wald, herrscht im gesamten Buch eine düstere Atmosphäre. Im letzten Drittel nimmt die Spannung dann sehr schnell zu, es gibt einige Überraschungen und Wendungen und ich konnte das Buch nicht mehr aus der Hand legen. Fazit: Das Buch hat mir wegen seines psychologischen Aufbaus, des mitreißenden Schreibstils und des völlig überraschenden Endes sehr gut gefallen.

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