Leserstimmen zu
Armageddon Rock

George R.R. Martin

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Ein früher Roman, der die Karriere von GRRM für einige Jahre in die Knie zwang. Jetzt wiedergelesen beeindruckt mich das Buch noch mehr als 1992 in der ersten Heyne Ausgabe und wird hoffentlich viele, viele Leser finden. Reiseroman, Musikroman, Horrorgeschichte, Martin vereint gekonnt und stilsicher alles zu einem faszinierenden, stilsicheren Epos und einer Rockdoku. In diesem Roman zeigt sich die ganze Klasse des Autors, sein Geschick, sein Wissen, seine sichere Hand dafür, Stoffe genau so ausufernd und detailliert wie faszinierend zu erzählen, trotz des gemächlichen Tempos nicht eine Seite lang Langweile aufkommen zu lassen. Lesenswert. Schlicht und ergreifend.

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Schon die Widmung des bereits 1983 in Amerika erschienenen Romans „Armageddon Rock“ des hochprämierten Autor George R.R. Martin macht klar, wohin die Reise geht. In die musikalische Zeit der 60er, 70er Jahre, als überall auf der Welt die Popkultur aufblühte und die Träume, durch die eingenommenen Drogen zumeist bunter waren. Der Optimismus und der Drang die Welt zu verändern, waren überall zu spüren und die schöne neue Welt greifbar nahe. Damals … Damals war alles besser, wir hegen bittersüße Gedanken an gesehene Filme, erlebte Begegnungen, gehörte Musik, doch kann das Damals noch mit dem Heute standhalten? Manches ist aus dem heutigen Blickwinkel betrachtet überholt, veraltet und oft stellt man sich die Frage, ‚Was habe ich bloß daran gefunden?‘ Trotzdem erinnert man sich gerne an frühere Begebenheiten, wann man bestimmte Bücher gelesen, Orte besucht oder Musik gehört hat. Diesen Zauber, den insbesondere Musik in uns hervorruft, davon erzählt Armageddon Rock. Dieses Buch hatte ich in den 80er Jahren schon mehrmals gelesen und innig geliebt. Da es verschollen ist, habe ich mich gefreut dass der Heyne Verlag diesen Band neu aufgelegt hat. Dass George R.R. Martin inzwischen eher als Fantasyautor bekannt ist, aber schon früher großartige Romane schrieb, wissen meist nur die eingefleischten Fans. Doch kann ein 30 Jahre altes Buch die damalige Magie wieder aufleben lassen? Das Altamont Free Concert 1969 war für viele das symbolische Ende der Unschuld der Hippiebewegung, die mit Woodstock noch so verheißungsvoll angefangen hatte. In Armageddon Rock erweitert Martin das Trauma der Hippies um das West Mesa Festival, bei dem der Leadsänger der (erfundenen) Gruppe Nazgûl während des Auftritts von einem Scharfschützen erschossen wird. Zehn Jahre später erhält Sandy Blair, ein freier Journalist und Schriftsteller, von seinem früheren Arbeitgeber bei einer bekannten Popzeitschrift, den Auftrag, den Mord an einem bekannten Rockpromoter, der die Nazgul unter lebenslangem Knebelvertrag hatte, zu untersuchen. Ihm wurde zu Hause, während die letzte Platte der Nazgul lief, das Herz herausgerissen. Auf den Tag genau dreizehn Jahre nach dem Tod des Sängers der Nazgul. Sandy, frustriert von seiner derzeitigen Lebenssituation, macht sich auf den Weg, die drei verbliebenen Bandmitglieder zu finden. Auf seinem Weg besucht er auch alte Freunde und seine eigene Vergangenheit. Der Tenor ist hauptsächlich: Was ist aus uns geworden. „Ich erinnere mich, zum Teufel, ich weiß, es war beschissen damals, wir hatten den Krieg und Rassismus und Nixon und den alten Spiro, aber weißt du, wir hatten auch … ich weiß nicht … so was wie Optimismus. Wir wussten, dass die Zukunft besser werden würde. Wir wussten es. Wir würden dafür sorgen. Wir würden die Dinge um uns herum verändern, und wir hatten unsere Jugend, stimmt, also war die Zeit auf unserer Seite. Wir wussten was richtig und was falsch war, wir wussten, wer die Bösen waren, und es gab ein Gefühl der Zusammengehörigkeit.“ Jeder der Besuchten hat einen anderen Lebenslauf hinter sich – und wer in dieser Zeit aufgewachsen ist, findet bei den beschriebenen Charakteren sicherlich den ein oder anderen vertrauten Charakterzug. Die Öko-Frau die sich in eine Hippiekommune zurückgezogen hat, der Außenseiter, der Hedgefondmanager geworden ist, der unter der Fuchtel seines faschistischen Vaters stehende, gebrochene Sohn. Alle Kinder ihrer Generation. Eine verlorene Generation, die es eigentlich recht einfach hatte: „[…] wir waren wirklich anders als alle Generationen, die sich vor uns aufgemacht hatten, weil wir so verdammt viele waren. Wir sind die Babyboomer, der größte, haarigste Haufen, den man je eingeladen hatte, in die Party des Lebens reinzuplatzen. Unser ganzes Leben lang war die amerikanische Gesellschaft damit beschäftigt, sich in unserer Gestalt neu zu erschaffen. Die Vorstädte wurden gebaut, um uns zu beherbergen. Spielzeug, Windeln und Babynahrung hatten ihre große Zeit, als wir sie benutzten. Die Medien sind uns auf Schritt und Tritt in unseren süßen, rosigen Arsch gekrochen.“ Immer mehr verdichten sich die Gerüchte um eine Reunion der Nazgûl. Doch wer sollte den Part des charismatischen Leadsängers spielen. Hier hält George R.R. Martin noch die eine und andere Überraschung bereit. Armageddon Rock ist im Grunde genommen ein Musik-Thriller mit Krimianleihen. Was das Buch so besonders macht, ist der sehr gute Blick und die treffende Beschreibung der Babyboomer, ihrer geplatzten Träume und den Versuchen einen Platz in der Gesellschaft zu finden. Die Charaktere sind alle sehr lebensecht und authentisch. Sandy Blair taucht wieder in die 60er Jahre ein, als er seinem Auto den Namen Tagtraum gibt. Dass dieses ein hippieuntypischer Sportwagen der Marke Mazda ist, ist für ihn zweitrangig. Irgendwie muss das Gefühl doch wiederkommen. Martin versteht es, die Spannung aufrechtzuerhalten, seine Beschreibung der Konzerte der Nazgûl sind lebensecht, fast vermeint man die treibende Kraft und Spannung der Musik zu hören. Seitenlang liest man Beschreibungen der Konzerte und hört das Pulsieren der Musik, so echt wirken die Darstellungen. Ein nach 30 Jahren immer noch packender und elektrisierender Roman, der keinerlei Patina angesetzt hat und zeitlos wirkt. Ein frühes Buchhighlight des jungen Jahres.

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Meine Meinung: Zuerst einmal, dies war mein erster eigenständiger Roman von George R.R. Martin. Bisher hatte ich nur Wild Cards gelesen, für das der Autor mit Schriftstellerkollegen zusammengearbeitet hatte. Dann war mir nicht bewusst, wie alt dieses Buch eigentlich schon ist, normalerweise meide ich Bücher, in denen die Helden eine Telefonzelle suchen müssen, wenn sie Kontakt zu jemandem aufnehmen wollen. Zu Punkt 1: Jetzt kann ich verstehen warum es Leser gibt, die geduldig auf Bücher des Autors warten. Martins Erzählkunst fesselte mich von der ersten Seite an. Er schickt seinen Protagonisten Sandy auf eine Reise quer durch Amerika, an Orte und zu Menschen die eng verbunden sind mit seiner Vergangenheit und die die Geschichte der friedlichen Revolution erzählen, die das Land in den 60iger Jahren auf besondere Weise beeinflussten. Der Autor lässt in Armageddon Rock ein Lebensgefühl wieder auferstehen, er lässt seine Leser teilhaben an den Träumen und Idealen von Millionen von Menschen, die wirklich daran glaubten etwas ändern zu können und die doch scheiterten. Manchmal wünschte ich mir beim Lesen, dabei gewesen zu sein und nicht nur als Teenager in Deutschland die letzten Zuckungen der Flower Power erlebt zu haben. Andererseits wird Sandys Roadtrip stellenweise zu einem Horrortrip, denn je näher er seinem Ziel kommt, der Aufklärung des Mordes an Jamie Lynch, desto mehr wird klar, das etwas schreckliches geschehen wird. Zu Punkt 2: Der Telefonzelle. Sonderbarerweise hat mich das überhaupt nicht gestört. Die Handlung hätte genauso gut 30 Jahre später spielen können, da ich die Erstausgabe nicht gelesen habe, kann ich nicht sagen, ob Martin einen zeitlosen Schreibstil hat oder ob hier das Lob dem Übersetzer und dem Lektor gebührt. Mein Fazit: So wie Sandy Blair seine Reise nicht einfach abbrechen konnte, so lang sie auch manchmal schien, so konnte ich das Buch nicht aus der Hand legen. Ich musste herausfinden, was mich am Ende erwartet. Ich gebe eine absolute Leseempfehlung.

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Großartig

Von: Sebastian

29.12.2016

Ich war nie ein Freund von Martins Fantasy-Epos „Das Lied von Eis und Feuer„, doch schon nach „Planetenwanderer“ war ich froh, ihm noch eine Chance gegeben zu haben. „Armageddon Rock“ geht nun noch einmal eine völlig andere Richtung. Wobei „viele andere Richtungen“ wahrscheinlich wesentlich treffender wäre. Martin vermischt in diesem Roman, der im Original bereits 1983 erschienen ist, die verschiedensten Genres zu einer sehr interessanten Mischung. Es finden sich Versatzstücke auf dem Fantasy- und dem Mysterie-Bereich, dazu eine große Portion Thriller. Garniert wird das Ganze mit einem popkulturellen Einschlag, der das Lebensgefühl aus gleich zwei Jahrzehnten (den 60ern und den 80ern) gut einfängt. Dadurch entsteht eine sehr interessante, weil weitestgehend bodenständige, Atmosphäre. Diese wird immer wieder zusätzlich durch die Fantasy- und Mysterie-Elemente angeheizt und wirkt damit sehr eigenständig und originell. Durch den Turn Richtung Thriller kommt auch die Spannung nicht zu kurz, sondern bewegt sich durchgehend auf einem hohen Niveau, welches auch bis zum Schluss gehalten wird. „Armageddon Rock“ wirkt auch durch die Figuren außergewöhnlich. Zwar hat man zunächst den Eindruck, es mit ganz normalen Menschen in einer zugegebenermaßen schwierigen Zeit ihres Lebens zu tun zu haben, doch ändert sich das schlagartig, wenn die alten Hippiefreunde von Hauptfigur Sandy auftauchen. Hier wird dann besonders die Popkultur zelebriert, während in der zweiten Hälfte dann die phantastischen Themen etwas dominanter werden. In jedem Fall ist es Martin aber gelungen, mit jedem seiner Akteure eine einzigartige, nachvollziehbare und vor allem auch interessante Figur zu schaffen, welche für die Geschichte als solches auch unerlässlich ist. Der Roman liest sich deutlich anders als noch „Planetenwanderer„. Zwar finden sich auch in „Armageddon Rock“ Stilelemente, die sich offenbar durch Martins gesamtes Schaffen ziehen (wie zum Beispiel kleinere, dafür aber halbwegs blutig ausgefallene, Gewaltspitzen), insgesamt hat er sich aber auch in diesem Punkt eine gesunde Originalität bewahrt. Die Sprache ist sehr bildhaft ausgefallen, sodass man die Umgebung immer unmittelbar vor Auge hat. Viel wichtiger ist aber noch, dass der Autor es geschafft hat, nicht nur Bilder vor meinem Auge entstehen zu lassen, sondern auch Songs einer Band fast schon hörbar zu machen, die es nie gegeben hat. Das ist ganz großes Tennis! All das wird in der deutschen Übersetzung von Peter Robert stimmig und zusammenpassend weitertransportiert. Fazit: „Armageddon Rock“ ist ein Buch, welches sich in kein Genre pressen lässt. Zu vielfältig sind die unterschiedlichen Einflüsse, zu eigenständig die Geschichte. In jedem Fall ist es aber ein großartig geschriebenes und atmosphärisch wahnsinnig starkes Werk. Die Figuren wissen zu überzeugen, und der Soundtrack, der hinter meiner Stirn ablief, klang super. Ein echtes Highlight.

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