Leserstimmen zu
Der Verrat

Ellen Sandberg

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eBook
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Als Pias Schwester Nane ohne ihr Wissen nach 20 Jahren Haft entlassen wird und auf dem Weingut von Pias Familie auftaucht, steht die Welt Kopf. Pias älterer Ehemann Thomas erleidet einen Schlaganfall und kommt ins Krankenhaus und plötzlich braucht das Weingut für längere Zeit eine andere Führung. Thomas‘ Kinder treten auf den Plan. Und alle sind auf einmal wieder interessiert, was vor 20 Jahren wirklich geschah, als Thomas‘ Sohn Henning zu Tode kam. Nane hat 20 Jahre im Gefängnis gesessen. Wegen Mord. Mord an Henning. Doch was passierte in der Sommernacht 1998 wirklich? Inge Löhning, die hier unter dem Pseudonym Ellen Sandberg schreibt, begeisterte Ende 2017 mit „Die Vergessenen“ ihre Leserinnen und Leser. Mit „Der Verrat“ strickt sie eine neue Geschichte. Auch hier hat die Vergangenheit, wenn auch die jüngere Vergangenheit einer einzigen Familie, einen großen Stellenwert. Vor 20 Jahren passierte ein Unglück, welches Thomas‘ Sohn Henning zu Tode brachte. Was genau passiert ist, scheint unklar, obwohl es ein Verfahren gab und Nane verurteilt wurde. Vor allem Pia scheint darauf bedacht, die Vergangenheit ruhen zu lassen. Sie will Nane nicht zu nah kommen und auch vermeiden, dass diese Thomas noch einmal zu der Unglücksnacht befragt. In der Geschichte haben viele Figuren ihren Anteil. Die drei Schwestern Nane, Pia und Birgit, Thomas, dem das Weingut gehört, seine Kinder, die wichtigsten Hausangestellten, die schon vor 20 Jahren dabei waren. Jeder hat sich seine Theorie über das Unglück gebildet und es gibt verschiedene Wissensstände über die damalige Nacht. Als Leserin oder Leser tappt man lange im Dunkeln und kann mit den Figuren gemeinsam recherchieren auf der Suche nach der Wahrheit. Im Roman gibt es allerdings keinen klassischen Sympathieträger. Selbst Pia, die so etwas wie die Protagonistin ist, kann man irgendwie nicht sympathisch finden. Am interessantesten sind diesbezüglich wohl noch Thomas‘ übrige Kinder, die in der verhängnisvollen Nacht noch zu jung waren, um wirklich Zusammenhänge zu verstehen. Ansonsten haben alle Figuren gefühlt etwas zu verbergen und so gut wie jeder der damals Erwachsenen war zum Zeitpunkt des Unglücks auf dem Weingut. Der Autorin gelingt es hervorragend eine spannende Geschichte mit vielen Geheimnissen zum Entdecken zu entwickeln. Bis kurz vor Schluss kann man nur ahnen, was wirklich passiert ist. Und das führt dazu, dass man gerne weiterliest und sich für den Fortgang der Handlung interessiert. Ein sehr gelungener Roman!

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Dieser Roman hat viel von einem Krimi oder Thriller, aber auch von einem Familienroman. Als Nane nach 20 Jahren aus dem Gefängnis entlassen wird, will sie den Mord für den sie verurteilt wurde, für sich selber aufarbeiten. Denn obwohl sie ihre Strafe abgesessen hat, kann sie sich selber nicht verzeihen. Sie hat eine Schwester, die sie unterstützt und eine, die sie nicht sehen will. Auch der Rest der Familie ist sehr speziell, so dass die Aufklärung in diesem Umfeld nicht einfach ist. Die einzelnen Charaktere wandeln sich im Laufe der Geschichte: manche werden plötzlich sympathischer, manche dagegen sind es irgendwann überhaupt nicht mehr. Nach und nach versteht man die Hintergründe. Der Roman ist dadurch spannend und lässt sich dabei immer gut lesen.

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20 Jahre hat Nane im Gefängnis verbracht. Nach ihrer Entlassung, will sie Frieden schließen, um Vergebung bitten und vor allem ihre fehlenden Erinnerungen an das Verbrechen, das ihr zu Last gelegt wurde, auffrischen. So tritt sie wieder in das Leben ihrer Familie und der des Opfers. Doch auf der Suche nach der Wahrheit kommen so einige Lügen zu Tage. Ellen Sandberg ist das Pseudonym von Inge Löhnig, deren solide und lebensnahe Krimireihe um den Ermittler Dühnfort ich sehr gerne gelesen habe. Der Verrat ist nun ein anderes Genre, aber auch ein ganz anderes Leseerlebnis. So hat der Verrat alles was ein Schicksalsroman braucht, Geheimnisse, Intrigen Lügen, unerfüllte Liebe, Hass, Neid, Eifersucht. Handwerklich gibt es da auch nichts zu rütteln. Die Geschichte kann sprachlich durchaus fesseln, die Erzählstränge auf zwei Zeitebenen lassen sich gut verfolgen Aber dieses Buch konnte meinen Lesenerv nicht treffen, mich nicht erreichen. Ich fühlte mich nicht wohl, in diesem Schickimicki Ambiente. Die griechische Tragödie am Weinberg lässt an einen ZDF Zweiteiler denken, mit idyllischen Landschaftsbildern und dramatischen Akteurinnen. Was hier an tragischen Ereignissen zusammenkommt, war mir bald zu viel des Guten. Bei jeder Person schlägt das Schicksal zu und wenn man glaubt es geht nicht mehr, legt Sandberg noch ein bisschen nach. Da hätte für meinen Geschmack „weniger ist mehr“ dem Buch besser getan.

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Am Zorn festhalten ist wie Gift trinken und erwarten, dass der andere daran stirbt. Zwanzig Jahre hat Nane im Gefängnis gesessen wegen Mordes. Sie hat ihre Strafe verbüßt, aber ihrer Schwester Pia und deren Mann Thomas scheint das immer noch nicht genug, doch Nane hat Fragen, die sie über all die Jahre beschäftigt haben und diese will sie nun stellen. Als sie zu Thomas‘ und Pias Weingut kommt und ihrem ehemaligen Liebhaber gegenübertritt, erleidet der einen schweren Herzinfarkt und ihre Schwester jagt sie davon. Warum hegt Pia so einen Groll und weshalb will sie das, was in der unsäglichen Nacht geschah, unbedingt für immer totschweigen? Nane riskiert alles, sogar ihre Bewährung, um endlich Gewissheit zu haben, ob sie wirklich eine Mörderin ist, denn ihre Zweifel scheinen berechtigt. Ellen Sandbergs zweiter Roman ist ein überzeugendes Spiel zwischen starken Figuren. Interessant ist dabei, dass es vor allem die Frauenfiguren sind, die das Spiel gegeneinander austragen und aus völlig verschiedenen Motiven, aber mit allen verfügbaren Mitteln in den Kampf gehen und zum Äußersten bereit sind. Parallel lässt sie die Geschehnisse Ende der 90er Jahre und die aktuellen Ereignisse ablaufen, der Leser muss so die Puzzleteile nach und nach zusammensetzen, um den perfiden Komplott zu durchschauen, der durchaus noch einmal Figuren in einem anderen Licht erscheinen lässt. Der Roman beginnt mit einem recht gemächlichen Tempo und bietet einiges an Vorlauf, bevor so wirklich Spannung aufkommt. Für das Agieren der Figuren ist dies jedoch wichtig, denn in genau dieser Phase liegt das entscheidende Motiv. Die Handlung ist insgesamt clever aufgebaut und überzeugend konstruiert, mir fehlten jedoch ein wenig die Sympathieträger, mit denen man mitfühlt und für die man sich Gerechtigkeit wünscht. Die Protagonistinnen Pia und Nane ebenso wie Thomas‘ Schwester sind von negativen Emotionen zerfressen, die sie zwanghaft bedienen. Keine kann vergeben, keine kann loslassen und keine gönnt einem anderen Glück. Es gibt diese Menschen, aber es ist erschreckend, wie sehr die drei darin gefangen sind und aus purem Egoismus auch bereitwillig das Leben der anderen zerstören und sogar deren Tod in Kauf nehmen. Die Töchtergeneration ist noch zu naiv und schwach, um diesen Frauen etwas entgegenzusetzen, ihre einzige Handlungsoption ist das Weglaufen. Insgesamt ein runder und spannungsreicher Roman, der zwar nicht als Psychothriller kategorisiert ist, aber durchaus auch in diesem Genre angesiedelt sein könnte, denn die Handlung lebt von dem Psychospiel der Figuren. Abzug gibt es von mir einzig wegen der wenig überzeugenden erotischen Passagen, die sprachlich wie auch bezogen auf die Handlung etwas gestelzt wirken und bei denen weniger sicher mehr gewesen wäre.

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