Leserstimmen zu
Der Verrat

Ellen Sandberg

(96)
(53)
(23)
(5)
(0)
€ 15,00 [D] inkl. MwSt. | € 15,50 [A] | CHF 21,90* (* empf. VK-Preis)

Verrat und Liebe, Sehnsucht und Hoffnungen Die Restaurateurin Pia lebt gemeinsam mit ihrem Mann auf einem schönen Weingut. Sie hat alles erreicht, was das Leben zu bieten hat. Pia ist glücklich mit ihrem Mann und ihrer Tochter. Was macht es schon, dass es ein dunkles Geheimnis aus ihrer Vergangenheit gibt, welches nach etlichen Jahren mit Macht ans Licht kommen will? Nane ist die Schwester von Pia und endlich, nach 20 Jahren Gefängnis, wieder frei. Jetzt muss sie versuchen, sich ein neues Leben aufzubauen, aber ihre Schuld ist immer noch nicht abgetragen, dies jedenfalls glaubt Nane. Werden die Schwestern wieder zueinanderfinden oder ist der Graben, der sie trennt, zu groß? Und was ist damals vor 20 Jahren geschehen, als Nane ins Gefängnis musste? Auf welcher Seite steht die dritte im Bunde? Ellen Sandberg erzählt hier eine Familiengeschichte aus verschiedenen Perspektiven. Es ist die Geschichte der drei Schwestern Pia, Nane und Birgit. Sie alle verbindet eine Kindheit, die jede für sich auf ihre eigene Art, empfunden hat. Erst so nach und nach kommt zutage, wie sie ihre Kindheit verlebt haben und wie ihre Verhältnisse zu den Eltern und untereinander sind. Von Lügen und Verrat ist die Rede. Von Verletzen Gefühlen und Enttäuschungen. Jede für sich hat sich ein Leben aufgebaut oder je nach Sichtweise auch verbaut. Wie das einzelne Verhalten der Schwestern auch das Leben der anderen beeinflusst hat, kommt so nach und nach hervor. Dieses Verwirrspiel hat mir gut gefallen. Geheimnisse werden nur angedeutet und klären sich so nach und nach. Mir hat gefallen, dass durch das Hin und Her wechseln der Zeiten, so nach und nach die Vergangenheit herauskommt. Die Autorin hat es gut verstanden, immer im richtigen Zeitpunkt zu wechseln und so die Spannung zu halten. Auch gibt sie immer nur häppchenweise die Einzelheiten heraus, sodass man beim Lesen durchaus noch mitraten kann, was wirklich geschehen ist. Allerdings gab es auch einige Szenen, die ich so nicht gebraucht hätte und wo ich mir andere Lösungen gewünscht hätte. Dadurch wurde für mich die Handlung teilweise unglaubwürdig. Fazit: „Der Verrat“ ist ein interessanter Roman über Familienbande. Er erzählt davon, wie gerade das Leben der anderen das eigene Leben verändern kann, aber auch von Einsamkeit und Verlustängsten, von Liebe und Verrat und den Wunsch nach Rache und Vergebung.

Lesen Sie weiter

Ich mag die düstere Aura, die Ellen Sandbergs Bücher stets umgibt. Man weiß nie so richtig, was man erwarten kann und das macht das Ganze sehr reizvoll. Es dreht sich vieles um Geheimnisse und Enthüllungen und um familiäre Verhältnisse, die oftmals sehr angespannt sind wie im Fall von Pia und Nane, die nach so einer langen Zeit wieder aufeinander treffen und alte Wunden aufreißen. Es ist sehr gelungen, eine Mischung aus Kriminalroman und Familienroman. Ich finde die Charakterkonstellationen sehr gut und die Handlung bleibt stets spannend. Auch der Schreibstil ist äußerst flüssig und angenehm zu lesen. Der Plot nachvollziehbar. Ebenso die Taten und Entscheidungen der Charaktere, die ebenfalls schlüssig und gut ausgearbeitet sind. Sie haben Ecken und Kanten und haben allesamt eine Last zu schleppen. An manchen Stellen verlor ich die Lust am Lesen jedoch leider, obwohl ich nicht genau sagen kann, wieso dem so war. Dementsprechend vergebe ich vier von fünf Sternen für Ellen Sandbergs Buch. Ich freue mich bereits darauf, weitere zu lesen.

Lesen Sie weiter

Titelbild und Titel haben mich angezogen – von Inge Löhnig (hier unter dem Pseudonym Ellen Sandberg) habe ich bereits Bücher gelesen, die mir gut gefallen haben. Beschreibung des Buches: „Der Verrat“ ist 2019 im Peguin-Verlag als Taschenbuch mit 462 Seiten erschienen. Auf dem Titelbild sieht man einen Weinberg mit Weingut unter dunklen Regenwolken, es wirkt geheimnisvoll. Kurze Zusammenfassung: Nane kommt nach 20 Jahren Haft aus dem Gefängnis auf Bewährung frei. Der Sohn ihres Ex-Freundes starb durch einen Autounfall durch von ihr manipulierte Bremsen. An jene Nacht kann sich Nane kaum noch erinnern, deshalb versucht sie Licht in das Dunkel der Vergangenheit zu bringen. Dazu gehört auch, das Verhältnis zu ihren Schwestern Pia und Birgit zu beleuchten. Pia, die ein schönes Leben auf einem Weingut führt, merkt schnell, dass sich das Blatt wenden kann, wenn Nane die Wahrheit erfährt. Mein Leseeindruck: Mir hat dieser Roman gut gefallen, was nicht zuletzt auch am Schreibstil lag. Ich fand den Roman von Anfang an spannend und geheimnisvoll. Die Wahrheit kommt ganz langsam zu Tage, immer wieder gibt es neue Spuren und Andeutungen, doch ständig wendet sich das Blatt. So bleibt das Familiengeheimnis bis fast zur letzten Seite ein großes Rätsel. Rätsel ziehen mich an, somit habe ich mit der Protagonistin „mitgefiebert“. Der Roman ist in zwei Zeitebenen geschrieben. Abwechselnd befindet man sich im Jahr 1998, das Jahr des Unfalls, dann wieder im Jahr 2018. Der Fokus liegt nicht nur auf Nane. Als Leser taucht man auch ein in das Leben der beiden anderen Schwestern. Die Schauplätze sind Frankfurt am Main und ein Weingut an der Saar. Das hat mir als Frankfurt Liebhaber besonders gut gefallen. Die Autorin hat in diesem Roman Liebe, Schuld und Rache verarbeitet. So ist hier ein spannendes Familiendrama entstanden. Fazit: Das wird nicht das letzte Buch sein, das ich von der Autorin gelesen habe.

Lesen Sie weiter

Nane wird nach 20 Jahren auf Bewährung aus dem Gefängnis entlassen. Angeklagt wegen Mordes. Denn sie hatte das Auto ihrer verhassten Schwester Pia manipuliert. Jedoch ist nicht Pia, sondern Henning umgekommen. Sohn aus erster Ehe von Thomas, Pia's Mann und Winzer. Eines lässt Nane nicht los. Sie weiß noch, dass sie Thomas damals mit einem Anruf warnen wollte. Niemand mit Pia's Auto fahren zu lassen. Doch dieser hatte das im Prozess bestritten. Im Gegenteil. Er wäre von ihr beschimpft worden. Nane möchte nun nach 20 Jahren noch einmal mit Thomas reden und findet ihn in den Weinbergen röchelnd und nach Luft ringend...... "Der Verrat" ist ein spannender Roman um Schuld und Vergebung. Dabei erzeugt die Autorin eine unterschwellige Spannung. Am liebsten möchte man das Buch nicht mehr aus der Hand legen. Wozu auch der lockere und flüssige Schreibstil beiträgt. In 2 Zeitebenen erfährt der Leser nach und nach Details. Dabei ist die eine aus der Sicht von Nane und später auch Pia in den Jahren 1997/1998 geschrieben. Hier erfährt man viel über deren Leben und über die jeweiligen Charaktereigenschaften. Die Zweite spielt im Jahr 2018 mit den aktuellen Ereignissen nach Nanes Entlassung. Alle Protagonisten sind nicht wirklich sympathisch und man merkt schnell, dass es ein Geheimnis gibt. Nichts bleibt wie es scheint. Oder doch? Ellen Sandberg hat geschickt einige Wendungen eingebaut. Nie ist man sich sicher, wie es tatsächlich war. Das erfährt man erst ganz zum Schluss, wenn beide Ebenen zusammenlaufen. Ein klein wenig hat mich jedoch gestört, dass ein paar Dinge, die sowohl Nane als auch Pia gemacht bzw. gedacht haben, immer wieder betont wurden. Davon hätte ich mir ein bisschen weniger gewünscht. Fazit: Ein Roman mit einer unterschwelligen Spannung, den man kaum aus der Hand legen kann. Sehr empfehlenswert.

Lesen Sie weiter

Ein Weingut an der Saar. Ein altes Verbrechen. Und eine Schuld, die nie verjährt … Als Nane nach zwanzig Jahren Haft aus dem Gefängnis entlassen wird, hat sich vieles verändert. Nicht aber die Schuld, die weiter auf ihr lastet. Nicht die Erinnerung an die Nacht, die ihr Leben zerstörte und schon gar nicht das Verhältnis zu ihrer Schwester Pia. Pia hat es gut getroffen. Die erfolgreiche Restaurateurin lebt mit ihrem Mann auf einem idyllischen Weingut an der Saar. Da lässt es sich gut verdrängen, auf welch zerbrechlichem Fundament ihr Glück gebaut ist. Doch dann tritt ihre Schwester Nane wieder in ihr Leben und Pia ahnt: Es ist Zeit für die Wahrheit. Und damit Zeit für Rache – oder Vergebung. GEDANKEN ZU „DER VERRAT“ Pia von Manthey führt ein geordnetes, sicheres Leben mit ihrem Mann Thomas, das sie sich über die Jahre aufgebaut hat. Dieses geordnete Leben droht zu zerbrechen, als ihre Schwester aus der Haft entlassen wird. Die Ablehnung und die Kluft, die zwischen den Schwestern herrscht, sind fast augenblicklich greifbar. Sympathieträger sind sie aber alle nicht. Negative Gefühle und Egoismus spielen bei allen eine große Rolle. Selbst die Nebencharaktere wie Thomas Schwester Margot oder Birgit, die ebenfalls eine Schwester von Pia und Nane ist, wirken unsympathisch oder blass. Ich konnte zu niemanden einen wirklichen Zugang finden, alle wirken sie distanziert. Am Ende mussten die Personen aber alle diese Charakterzüge aufweisen und so handeln und agieren, wie sie es tun, damit sich ein Gesamtbild der Geschichte ergibt. „Der Verrat“ beginnt sehr langsam und ist eher ein Buch der ruhigeren Art. Es ist irgendwas zwischen Krimi, Spannungsroman und Familiendrama. Erzählt wird die Geschichte aus unterschiedlichen Perspektiven auf zwei Zeitebenen. Dabei befindet man sich einmal in der Gegenwart, in der Pia versucht sich und ihrer Familie ihre Schwester Nane vom Leib zu halten und ihr geordnetes Leben zu retten. Dann gibt es immer wieder Rückblenden in die Vergangenheit vor 20 Jahren und den sich aufbauenden Ereignissen, die letztlich dazu führten, dass Nane im Gefängnis landet. Manchmal wurde mir an einigen Stellen in der Vergangenheit zu weit ausgeholt und auch die eine oder andere Nebenhandlung sowohl in Gegenwart als auch Vergangenheit stellen den Hauptstrang teilweise in den Schatten. Aufgrund der verschiedenen Zeitebenen und den Informationen, die man stückchenweise erhält, baut sich dennoch ein guter Spannungsbogen auf. Nach und nach setzt man die Puzzleteile an die richtige Stelle und es wird immer klarer, was vor 20 Jahren passiert ist und warum Pia ihre Schwester Nane heute nicht mehr in ihrem Leben haben möchte. In „Der Verrat“ geht es um Liebe und Leidenschaft, Eifersucht und Geschwisterrivalitäten. Und um Lügen. Die Entscheidung für eine Lüge, die alles ins Rollen brachte. Die eine Lüge, die sich zu weiteren Lügen aufbaute und aufgrund derer man am Ende vor einem großen Netz aus Geheimnissen, Verstrickungen und Schuld steht. Dieses Netz wurde von der Autorin sowohl psychologisch und als auch logisch gut aufgebaut. Man fängt an das Netz zu entwirren und ich musste solange weiterlesen, bis ich am Ende angekommen und das Netz aufgelöst habe. Das Ende selbst war für mich aber etwas unbefriedigend. Erstens war es ab einem gewissen Zeitpunkt in diese Richtung absehbar und zweitens wurde es mir zu schnell abgehandelt. Es gab noch ein, zwei mehr Punkte, die für mich am Ende nicht funktionierten, auf die ich aber aus Spoilergründen nicht eingehen werde. Das Ende zeigt aber auch auf sehr eindrucksvolle und gleichzeitig erschreckende Weise, wie tief die menschlichen Abgründe sein können. KURZ & KNAPP „Der Verrat“ ist ein gut konstruierter Roman, der zwar langsam beginnt, im Verlauf aber sehr spannungsreich wird. Man setzt im Verlauf die Ereignisse in eine Reihenfolge und beginnt zu verstehen, was zu diesem Bruch, dem Drama, der Schuld geführt hat. Bis auf wenige Abstriche, wie den teils ausschweifenden Nebenhandlungen, ist dies ein gelungener Roman, bei dem sich viel auf der psychologischen Ebene abspielt. Und wer wie ich ebenfalls keine ausschweifenden Mordszenarien benötigt, dem sei dieser Roman sehr empfohlen.

Lesen Sie weiter

Ellen Sandberg ist das Pseudonym von Inge Löhnig, von der meine sehr geliebte Kommissar Dühnfort Reihe stammt. Um sich von dieser Reihe besser absetzen zu können, wählte die Autorin das Pseudonym. Ich habe unter diesem Pseudonym schon Die Vergessenen gelesen und ebenfalls gemocht. Auf Der Verrat habe ich mich dementsprechend sehr gefreut. Die Geschichte beginnt schon sehr flüssig und spannend, denn natürlich hat mich brennend interessiert, weswegen Nane einen Mord begangen hat. Es stellt sich relativ schnell heraus, dass Nane den Sohn von dem Mann ihrer großen Schwester Pia getötet haben soll. Ellen Sandberg erzählt die Geschichte auf zwei Zeitebenen: 2018 ist die Gegenwart und 1998 spielt die Vergangenheit. Der Gegenwartsteil hat ein deutlich höheres Erzähltempo, denn Nane wurde aus dem Gefängnis entlassen und sucht nach Antworten. Das passt Pia natürlich überhaupt nicht, die ihr wohl geordnetes, behütetes Leben mit ihrem Mann Thomas in Gefahr sieht. Der Kern der ganzen Geschichte ist eigentlich die Beziehung zwischen Pia und Nane. Es gibt noch eine dritte, mittlere Schwester, Birgit, die immer versucht zwischen den beiden zu schlichten, obwohl das eigentlich völlig aussichtslos erscheint. Die Fronten zwischen Pia und Nane sind schon sehr verhärtet. Als man sich langsam durch die Vergangenheit liest, merkt man auch warum. Pia ist immer das Goldmädchen der Eltern gewesen. Sie ist eine erfolgreiche Restauratorin, aber in ihrem Herzen ist nicht wirklich Platz für Liebe und Gefühle. Sie ist sehr kühl und später auch einfach berechnend. Nane ist das ganze Gegenteil davon. Sie ist impulsiv, leidenschaftlich und liebt mit ganzen Herzen. Allerdings hat sie große Verlustängste und verfällt dadurch in unkontrollierte Verhaltensmuster. Am Ende helfen ihr dagegen nur Tabletten, die sie als weiße „Helferlein“ bezeichnet, wobei es sich sicherlich um Antidepressiva oder etwas Vergleichbares handelt. Davon ist sie irgendwann abhängig und es dreht sich vieles im Leben bei ihr nur noch darum. Nane hätte meiner Meinung nach mal eine Therapie machen müssen. Als sie aus dem Gefängnis entlassen wird, wirkt sie allerdings absolut verloren und erreicht auch nicht so ganz die Kraft der alten Nane. Ein stückweit ist sie einfach gebrochen. Ihre Wut auf ihre Schwester kann ich absolut verstehen. Das Buch ruft generell sehr viele Emotionen beim Lesen hervor, denn besonders auf Graven gibt es sehr viel Grabenkämpfe. Dreh- und Angelpunkt scheint immer Pia zu sein. Die Autorin hat hier wirklich einen Charakter geschaffen, an dem man sich bis zum Schluss reiben kann und die einfach auch Unverständnis hervorruft. Pia ist auch kein bisschen einsichtig, sondern denkt nur an sich und ihre Familie, wozu Thomas und ihre Tochter Lissy gehören. Die Autorin hat hier auch noch eine Art Familienfluch eingebaut. Jede Frau aus der Familie von Pia, Nane und Birgit schenkt einmal im Leben dem falschen Mann das Herz und stürzt sich damit absolut und alle um einen herum in den Abgrund. Die Idee hat mir sehr gut gefallen und war mal etwas Neues und anderes. Als die Geschichte am Höhepunkt der Emotionen gewesen ist, kommt dann die völlig überraschende Auflösung und dann ist das Buch ganz überstürzt vorbei. Ich hätte ich mir einfach einen ausführlicheren Epilog gewünscht, wie es jetzt mit einigen Personen weiter geht. Für mein persönliches Gerechtigkeitsempfinden wäre das einfach wichtig gewesen. FAZIT: Der Verrat hätte ich am liebsten an einem Stück gelesen, weil es so spannend war und sich sehr flüssig lesen ließ. Es wäre für mich ein 5-Sterne-Buch gewesen, wenn der Schluss nicht so abrupt gewesen wäre. Freue mich auf die nächste spannende Geschichte aus der Feder von Ellen Sandberg. Ich vergebe 4 von 5 Sternen.

Lesen Sie weiter

Verrat in der Familie

Von: Nightflower

04.02.2019

Inhalt: Ein Weingut an der Saar. Ein altes Verbrechen. Und eine Schuld, die nie verjährt ... Als Nane nach zwanzig Jahren Haft aus dem Gefängnis entlassen wird, hat sich vieles verändert. Nicht aber die Schuld, die weiter auf ihr lastet. Nicht die Erinnerung an die Nacht, die ihr Leben zerstörte und schon gar nicht das Verhältnis zu ihrer Schwester Pia. Nun ist Zeit für die Wahrheit. Und damit Zeit für Rache – oder Vergebung. Meine Meinung: Insgesamt ein sehr spannendes Buch! Mir hat die Tiefgründigkeit und realistische Darstellung der Protagonisten sehr gut gefallen. Auch die Ortsbeschreibungen schaffen es einen sofort in den Weinberg und andere Orte zu ziehen. Auch bleibt bis zum Ende unklar, was damals wirklich geschah und alle meine Ideen liefen am Ende ins Leere. Einziger Kritikpunkt: wieso müssen alle in dem Buch so viel durchmachen (Eltern tot, Mutter verschwindet, Vater tot...). Das war mir ein wenig viel des Guten.

Lesen Sie weiter

Darum geht's: Nach vielen Jahren im Gefängnis ist Ariane, genannt Nane, endlich auf Bewährung frei. Ihre Schwester Birgit hilft ihr mit Wohnung und Job, doch ihre andere Schwester Pia möchte am liebsten überhaupt keinen Kontakt mehr zu Nane haben. Obwohl sie ihre Strafe verbüßt hat, hat Nane sich selbst noch nicht vergeben. Sie braucht endgültig Klarheit über die Einzelheiten der Mordtat, die sie begangen hat und dabei können ihr nur ihre Schwester Pia und deren Mann Thomas helfen. Und wenn Pia und Thomas sich weigern, die Vergangenheit wieder aufzurollen, dann muss Nane sie eben dazu zwingen. So fand ich's: "Der Verrat" blickt durch zwei Zeitebenen auf die drei Schwestern Arnholdt und die Winzerfamilie von Manthey, die mit einander verstrickt sind und auch so manche Geheimnisse miteinander teilen. Relativ schnell werden ziemlich viele Personen aus mehreren Generationen vorgestellt. Ich hatte anfangs ein paar Orientierungsprobleme, da die meisten von ihnen eher oberflächlich skizziert wurden und ich dazu neigte, sie zu verwechseln oder nicht mehr genau zu wissen, wer das nun wieder war. Nachdem ich mir einen Stammbaum gezeichnet hatte, war dieses Problem allerdings behoben. Informationen fließen erst nach und nach und ich musste mich langsam zurechtfinden. Auch wichtige Fakten, z. B. wen Nane denn nun umgebracht hat, bekommt man erst langsam und häppchenweise geliefert. Die beiden Handlungsstränge von 1997/98 und 2018 mit den gleichen Personen waren für mich gleichermaßen interessant. Ich fand es spannend, das Leben im Heute zu sehen, wie sich frühere Sympathien oder Verletzungen auf das aktuelle Leben ausgewirkt haben, (noch) ohne zu wissen, was in der Vergangenheit passiert ist. Gleichzeitig wird diese Vergangenheit vor uns aufgerollt. Manches passt nicht zusammen, anderes von Anfang an nur zu gut. Manche Figuren sind emotional, impulsiv und in gewisser Weise getrieben, werden zum Stalker oder Intriganten und manche Enttäuschungen und Lebensbrüche führen zu einem Verhalten, das man zwar nicht immer gutheißt, aber doch die Motivation dahinter versteht. Gerade wenn es um Familie geht, gibt es oft Konkurrenz und einen subtilen Kampf um den eigenen Platz im Gefüge und das wird hier sehr greifbar erzählt. Niemand von den Beteiligten trifft immer die richtigen Entscheidungen. Der vermeintlich leichte Weg entpuppt sich als Sackgasse. Man lebt mit Schuld und Verletzungen. Eigentlich war keine der Figuren rundherum sympathisch und liebenswert, alle hatten ihre Schwächen und verhielten sich in meinen Augen regelmäßig falsch, egoistisch oder durchgeknallt. Doch das machte die Erzählung umso lebensnäher, die Figuren umso menschlicher, für meinen Geschmack allerdings manchmal einen Tick zu übertrieben. Sie sind kein Idealbild eines Menschen, sondern reagieren manchmal souverän, dann aber wieder kindisch und unvernünftig. Da sie es alle nicht wirklich schaffen, sich von den Verwicklungen und persönlichen Verletzungen zu distanzieren, bleiben sie teilweise unberechenbar und halten bis zum Schluss ein paar Überraschungen bereit. Das Ende war für meinen Geschmack zu moralisch und wollte zu sehr einen runden, perfekten Abschluss. In diesem Fall wäre es mir tatsächlich lieber gewesen, wenn es nicht für alles eine wie auch immer geartete "Lösung" gegeben hätte. Da ich überhaupt kein Freund von offenen Enden bin, erstaunt mich selbst, dass ich mit diesem Eindruck das Buch zugeklappt habe. Der Schreibstil von Ellen Sandberg (hinter der sich die Krimiautorin Inge Löhnig verbirgt) ist routiniert und souverän und macht es einem leicht, an der Handlung dranzubleiben und auch die etwas langatmigeren Passagen flott wegzulesen. Auch wenn es keine nervenzerfetzenden Actionszenen gibt, sondern die Spannung sich eher aus den zwischenmenschlichen Verflechtungen ergibt, haben mich gerade die intensiven, übersprudelnden Emotionen, die sich teilweise hinter analytischer Kälte verstecken, bei der Stange gehalten. Ein lesenswertes Familiendrama, das mich trotz kleiner Mängel insgesamt gut unterhalten hat und in die teilweise tragische Familienggeschichte hat eintauchen lassen. "Der Verrat" ist zwar nicht direkt ein Krimi, denn es gibt keinen Ermittler, tendiert aber doch in diese Richtung und war damit genau mein Lesegeschmack.

Lesen Sie weiter