Leserstimmen zu
Der Verrat

Ellen Sandberg

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Nane wurde vor zwanzig Jahren wegen Mordes verurteilt. Nach dieser langen Zeit wurde sie nun vorzeitig auf Bewährung entlassen. Sie kämpft immer noch mit ihrer Schuld und denkt seit zwanzig Jahren darüber nach was in der verhängnisvollen Nacht schief gelaufen ist. Antworten können ihr nur ihre Schwester Pia und deren Ehemann Thomas geben. Doch wird Pia mit ihr sprechen? Was wirkt stärker? Rache oder Vergebung? Das Buch "Der Verrat" habe ich sehr gerne gelesen. Es beginnt als "normaler" Familienroman und entwickelt sich zunehmend zu einem fesselnden Drama mit vielen unterschiedlichen Wendungen. Die Autorin beleuchtet in ihrem Buch ein düsteres Familiengeheimnis, sie zeigt auf, wohin Geschwisterrivalität führen kann bis zum bitteren Ende. Die Handlung ist logisch aufgebaut und gut durchdacht, es "stimmt" einfach von Anfang an. Auch die Verflechtung der beiden Handlungsstränge Vergangenheit/Gegenwart sorgen für ein unterhaltsames Lesevergnügen. Gerade durch den steten Wechsel zwischen 1997/98 und 2018 wird der Verrat aus verschiedenen Ebenen betrachtet und erst ganz zum Schluss aufgelöst. Das hat mir sehr gut gefallen. Die Charaktere sind gut und realitätsnah ausgearbeitet. Nane, Pia und auch Margot waren mir nicht sympathisch, ihr Verhalten und ihre Einstellungen sind so gar nicht meins. Aber gerade das passte perfekt und hat für mich dieses Familiendrama so interessant gemacht. Beim Lesen wurde ich überhaupt nicht davon beeinflusst, dass mir eine Protagonistin lieber gewesen wäre als die andere. Gut gewählt finde ich als Kulisse ein herrschaftliches Weingut inmitten von Weinbergen und lieblicher Landschaft. Wer denkt denn schon, dass sich in solch einer Idylle ein düsteres Familiengeheimnis verbirgt. Beim Lesen dachte ich oft "Das gibt's doch nicht", denn der Abgrund wurde von Wendung zu Wendung breiter und tiefer. Das war für mich fast schon wie in einem Psychothriller. Es fiel mir schwer, das Buch aus der Hand zu legen, so gefesselt war ich. Das lag sicher auch am klaren und flüssigen Schreibstil der Autorin, die Seiten verlogen im Nu. Fazit: Gelungenes, spannendes Familiendrama mit unerwarteten Wendungen

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Die drei ungleichen Schwestern Pia, Birgit und Ariane (Nane) wachsen in Frankfurt am Main auf, in einem gutbürgerlichen Haushalt, in dem ihre schöne Mutter ihre Schuld hinter einem Mythos versteckt und der Vater geistig/emotional abwesend ist. Pia, die kühle Schöne, die rational Pragmatische ist der Liebling der Eltern und ihr scheint alles zu gelingen. Was ihr nicht zufliegt, das nimmt sie sich. So sieht es zumindest ihre jüngste Schwester Nane, die stets eine tiefe Abneigung gegen die scheinbar Perfekte hegt, ein Umstand, den die harmoniebedürftige Mittlere Birgit mit all ihren Vermittlungsbemühungen nicht ändern kann. Birgit folgt ihrem Herzen und Nane lässt ihren Emotionen freien Lauf. Beide sind damit nicht gut gefahren und Pia schwört sich, nie so zu werden wie sie. Als Restaurateurin Pia heiratet, nimmt das Unglück seinen Lauf, ein Unglück, das Nane für 20 Jahre ins Gefängnis bringt, während Pia ein Leben wie aus dem Bilderbuch führt, auf einem schlossgleichen Weingut, hoch über den Saarschleifen. Nach 20 Jahren endlich wird Nanes Restfreiheitsstrafe zur Bewährung ausgesetzt. Alles in ihr schreit nach Klarheit, denn ihre Erinnerungen an die Nacht von vor 20 Jahren sind verschwommen Sie will wissen, wie groß ihre Schuld wirklich ist, mit der sie leben muß. Dabei ist sie bereit alles zu riskieren, doch sie muss es wissen, sie ist getrieben. Dies ist der neue Roman der Bestsellerautorin Ellen Sandberg („Die Vergessenen“) und psychologisch spannender und packender als die meisten Krimis, die ich dieses Jahr gelesen habe. Es geht um die ganz großen Gefühle, die die Menschen antreibt. Liebe, Verlangen, Hass, Rache, Schuld, Sühne, Geborgenheit, Angst und trotz der Komplexität der Gefühle wird es nie kitschig oder rutscht ins Triviale ab. Nane weiß nicht mehr genau was damals vor 20 Jahren geschehen ist, aber sie braucht die Klarheit und Gewissheit, daß sie nicht völlig skrupellos ist, um weiterleben zu können. Sie versucht die Puzzlestücke zusammenzusetzen, auch wenn die, die es gut mit ihre meinen, ihre Getriebenheit nicht nachvollziehen können. Aber Nane kann nicht anders, sie muss es wissen! Daher wird die Geschichte in zwei Zeitebenen geschildert. Damals 1997/1998 als sich das Drama anbahnte und heute, nachdem Nane vorläufig wieder auf freiem Fuß ist. Vorläufig, denn sie steht unter laufender Bewährung, verstößt sie gegen die Auflagen, ist die Freiheit nur von kurzer Dauer gewesen. Doch es gibt da jemanden, der sie lieber heute als morgen wieder in der vermeintlichen Sicherheit der Mauern einer Justizvollzugsanstalt wüsste. Dies ist ein Punkt, der mir sehr gut gefällt. In diesem Roman stimmt alles, auch die juristische Seite, es ist sehr gut recherchiert (gut, mit dem Weinbau kenne ich mich nicht genug aus, aber daher geht die Autorin auch hier nicht so sehr ins Detail, ebenso bei der medizinischen und juristische Seite. Aber was sie schreibt, das stimmt.). Normalerweise mag ich Erzählungen in Rückblicken nicht so. Oft finde ich es unnötig und habe den Eindruck, daß es sich nur um eine literaturtechnische Mode handelt. Doch hier ist dies nicht nur sinnvoll, sondern zwingend, aus der Geschichte heraus. Neben Nane sucht auch die Tochter des Opfers nach der Wahrheit dessen, was damals wirklich passiert ist, um darüber ein Buch zu schreiben. Dabei ist die Umsetzung ganz klar, man weiß stets, in welcher Zeit der aktuelle Erzählstrang spielt, denn es steht fett über jedem Zeitsprung. Nane ist emotional nicht die Stabilste. Sie kennt die ganz großen Gefühle und das bringt sie oft in unglaubliche Schwierigkeiten. Mithilfe von kleinen weißen Pillen (sie werden nie benannt, es dürfte sich aber wohl um den Wirkstoff Diazepam) handeln, versucht sie ihr Leben in den Griff zu bekommen. Dabei übertreibt sie es auch hier mit der Dosis und sie merkt, wie sie sich selbst entgleitet. Immer wieder versucht sie davon loszukommen, aber das Zeug und ihre Emotionen sind tückisch. Das ist unglaublich gut geschildert, sehr nah und sehr realistisch, wie ich es nach den Schilderungen eines Substitutionsmediziners sehe, mit dem ich mal lange sprach. Interessant sind auch immer wieder kulturelle Anspielungen auf Kunst, Literatur und Antiquitäten. Unglaublich geschickt finde ich das Spiel der Autorin mit den Emotionen des Lesers. Eigentlich ist Nane ziemlich unmöglich und dennoch komme ich nicht umhin sie zu mögen, ebenso wie ihre idealistische Schwester Birgit, während mir Pia immer unsympathischer wird und ich spüre, wie Nane mich für sich vereinnahmt. Da die Arbeit auf einem Weingut vieler Hände bedarf, dreht sich nicht alles nur um diese drei Schwestern, doch auch die übrigen Charaktere sind vollständig ausgearbeitet und man fragt sich stets, was man von ihnen halten soll? Sind sie gut, sind sie böse? Welche Rolle spielen sie eigentlich in diesem Drama shakespeareschem Ausmaßes? Unglaublich packend und spannend, dabei immer emotional nachvollziehbar, detailreich und gut recherchiert. Trotz der Details fand ich es nie langatmig und hatte ausnahmsweise nicht das Bedürfnis dieses über 400 Seiten lange Buch zu kürzen. Man ahnt, was auf einen zukommt, aber kommt es tatsächlich? Sind die bösen Vorahnungen richtig? Am Ende dachte ich mal, oh, nun ist sie zu weit gegangen, nun hat sie es übertrieben, aber nein, es kommt anders. Die Personen bleiben sich treu und das macht diesen Roman nicht nur fesselnd, sondern gibt ihm auch einen runden Abschluss. Absolut gelungen. Ich bedanke mich ganz herzlich beim Penguin Verlag für dieses Vorabexemplar mit der absoluten Leseempfehlung.

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Der Verrat

Von: Nicole Plath

23.12.2018

Nane wird nach zwanzig Jahren auf Bewährung aus der Haft entlassen und kommt bei ihrer Schwester Birgit unter. Doch auch in Freiheit wird Nane ihre Schuldgefühle nicht los. Sie möchte mit ihrem Schwager sprechen. Ihre Schwester Pia möchte allerdings nichts mehr mit ihr zu tun haben. Sie ist glücklich mit Thomas verheiratet, und das Auftauchen von Nane verändert alles. Nane versucht, nach der Zeit im Gefängnis in der heutigen Gesellschaft klar zu kommen. Dazu gehört auch, eine Frage aus der Vergangenheit beantwortet zu bekommen. Jedoch setzt ihre Schwester Pia alles daran, dass Nane sich von ihrer Familie fernhält. Zusätzlich hat Pia auch noch mit Problemen auf ihrem Weingut zu kämpfen. Ihr aufgebautes Leben gerät immer mehr ins Wanken. Viele gut bis sehr gut ausgearbeitete Figuren mit ihren eigenen Sorgen und Nöten machen das Lesen zum Vergnügen. Die mittlere Schwester Birgit kommt allerdings etwas unscheinbar beim Leser an. Doch auch das ist passend für diese Figur, denn Birgit ist die ruhige, zurückhaltende Schwester. Sie hat ebenfalls ihre Stärken, diese sind zwischen den Zeilen zu finden. Immer wieder gibt es Rückschauen auf das Jahr 1998, das das Leben aller Charaktere verändert. Einige Situationen werden aus verschiedenen Sichtweisen geschildert, was einen weiteren Reiz dieses Buches ausmacht. Die Wahrnehmung dieser unterschiedlichen Personen zeigt gut, wie unterschiedlich eine Situation gedeutet werden kann. Ellen Sandberg hat viele Wendungen eingebaut, und so bleibt es bis zum Schluss offen, was damals wirklich geschah. Mit ihrem sehr guten Schreibstil hat sie ein wunderbares Kopfkino ausgelöst. Die Emotionen aller Protagonisten reißen den Leser förmlich mit. Mit einer Analyse eines jeden könnte man Stunden verbringen, so vielschichtig sind diese. „Der Verrat“ hat alles, was ein gutes Buch über Familiengeheimnisse und Dramen ausmacht. Stück für Stück kommt die Auflösung näher und sorgt immer mehr für Kopfschütteln. Den Leser erwartet eine spannende Familiengeschichte, welche bei mir ein großes Kopfkino ausgelöst hat. Ich danke dem Bloggerportal und dem Penguin Verlag für die Zusendung dieses Rezensionsexemplars. Der Roman von Ellen Sandberg hat 480 Seiten (ISBN: 978-3-328-10090-4) und ist über die bekannten Online-Plattformen und den örtlichen Buchhandel zu beziehen.

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Highlight kurz vor Jahresende

Von: Daniela Keller aus Naila

23.12.2018

Allein vom Klappentext her klang „Der Verrat“ nicht wirklich interessant für mich, aber da Ellen Sandberg / Inge Löhnig mich bisher noch nie enttäuscht hat, war mir der Inhalt zunächst einmal egal und mir war klar, dass ich diesen Roman auf jeden Fall lesen muss. Eine gute Entscheidung, denn kurz vor Jahresende habe ich hier nochmal ein Buch gefunden, dass es auf meine Highlights 2018 Liste geschafft hat. „Der Verrat“ ist ein Roman, aber es könnte genauso gut ein Krimi sein. Der Spannungsbogen geht stetig nach oben und ich konnte das Buch kaum aus der Hand legen. Die Handlung ist ein wenig von allem. Familiengeheimnisse, Rivalität unter Geschwistern, Liebesgeschichte, Lügen, Mord. Quasi alles, was man sich nur vorstellen kann. Im Zentrum stehen die Schwestern Pia und Ariane, genannt Nane. Es gibt noch eine dritte Schwester, Birgit, die jedoch mehr als Randfigur fungiert. Ihr ganzes Leben lang standen Pia, die Perfektionistin und Nane, die Chaotische, im Konkurrenzkampf zueinander, der in einer Verkettung von Ereignissen gipfelt und Nane für 20 Jahre ins Gefängnis schickt. Nun ist sie wieder auf freiem Fuß. Ihr größter Wunsch ist es, das Unglück von damals zu klären, aber nicht alle Beteiligten sind damit einverstanden. Diese Geschichte ist so vielschichtig, wie eine Matroschka Puppe. Es gibt keinen klaren Täter oder Opfer. Jedes Mal, wenn ich dachte, durchschaut zu haben, was passiert ist, öffnete sich eine neue Tür und weitere Verstrickungen kamen zu Tage. Erst ganz zum Schluss wird das Ausmaß der Tragödie offenbart und ließ mich direkt einen Moment lang schockiert zurück. Am Ende ist man nicht unbedingt froh, den Bösewicht gefunden zu haben sondern es überwiegt ein Gefühl der Bestürzung über die Vielzahl der zerstörten Leben, ausgelöst durch eine Verkettung von Zufällen und Fehlentscheidungen. Ein großartiger Roman, den ich uneingeschränkt empfehlen kann. Wie schon mit Kommissar Dühnfort ist es der Autorin übrigens erneut gelungen, eine männliche Hauptfigur zu erschaffen, auf die ich beim Lesen selbst ein Auge geworfen habe. Der Winzer Thomas von Manthey war sozusagen mein book crush in „Der Verrat“ und definitiv eine Figur, die dafür gesorgt hat, dass ich die Geschichte mit noch größerem Interesse verfolgt habe.

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Es handelt sich um den 2.Roman unter dem Pseudonym Ellen Sandberg und er hat mich restlos begeistert. Dieser "Krimi" ist in zwei Zeitebenen gegliedert und sehr temporeich mit einem hohen Maß an Spannung geschrieben. Diese bleibt konstant bestehen. Es geht um Schuld und Sühne, der Leser wird durch neue Wendungen überrascht und geschockt. Die menschlichen Abgründe werden allzu klar sichtbar. Der Schreibstil ist sehr bildhaft und wunderbar flüssig zu lesen. Alle Charaktere sind sehr authentisch dargestellt. Ich habe diesen Roman fast in einem Rutsch gelesen und habe atemlos die Puzzelteile zu einem grausamen Bild zusammengefügt. Das Cover verdient auch ein Lob. Der dunkle, wolkenverhangene Himmel über dem Winzergut schliesst auf ein Unheil. Fazit: Ein brillanter Krimi, bei dem alles passt. Ich vergebe verdiente 5/5 🌟

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Die Lüge

Von: Miss Norge

23.12.2018

Nane, Birgit und Pia, drei Schwestern wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten und ein 20 Jahre altes, gut gehütetes Geheimnis, welches so langsam an die Oberfläche dringt. Nane kommt nach 20 Jahren aus dem Gefängnis frei und Starthilfe leistet ihre Schwester Birgit, die ihr eine Unterkunft und Arbeit stellt, damit die restliche Strafe zur Bewährung ausgesetzt wird. Pia, die an der Saar auf dem Weingut Graven ihres Mannes Thomas lebt, hat den Kontakt zu ihren beiden Schwestern schleifen lassen, zu Nane sogar ganz abgebrochen, aus gutem Grunde. Doch nun ist Nane wieder frei und will wissen, was damals 1998 wirklich geschehen ist. Sie reißt alte Wunden auf und einige Menschen in ihrem Umfeld werden nervös und hoffen, das nie zu Tage kommt, was vor 20 Jahren geschah. Der Plot ist zum großen Teil mit weiblichen Personen belegt und diese lassen nichts aus. Neid, Hass, Feindschaften und Rache spielen eine große Rolle und diese Eigenschaften haben mich keiner der Frauen näher gebracht. Im Grunde möchte man mit keiner verwandt oder befreundet sein, nur Nane tat mir ein bißchen leid. Was damals 1998 geschah erfährt man Häppchenweise und irgendwie spürte ich beim Lesen, dass das doch noch nicht alles gewesen sein kann. Mir dieser Unruhe und Ungewissheit spielt Ellen Sandberg hervorragend. Man wartet förmlich auf die Wendungen die einen endlich ans wahre Ziel führen, doch dafür lässt sie sich lange Zeit, fast bis ganz zum Schluß. Ein wenig Kritik muss ich leider auch üben, denn an einigen Stellen, vor allem in der Mitte des Romans, wurde es mir etwas zu zäh und zu ausufernd. Nach über 200 Seiten weiß ich als Leserin wie die Figuren ticken, welche privaten Probleme sie haben, ob alleine und untereinander. Dies wurde mir zu oft erwähnt. Zudem hat dieser Roman es nicht nötig gehabt, diese erotischen Szenen so detailliert zu beschreiben, hier wäre weniger mehr gewesen. Diese wirkten für mich etwas deplatziert und sprachlich zu hölzern. Dieses Roman (Krimi? / Thriller? / Psycho-Thriller?) hat mir gefallen, trotz meiner kleinen Kritikpunkte, aber "Die Vergessenen" fand ich um einiges besser. Da haben mich die Personen und das Thema mehr packen können, was hier leider auf der Strecke blieb.

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Der Verrat Ellen Sandberg Ich habe den ersten Roman der Autorin unter ihrem Pseudonymen Ellen Sandberg, nicht gelesen und weiß nun daß ich dies dringend nachholen sollte! Denn ich habe zu hundert Prozent ein mega Buch verpasst. Avantgardistisch stellt sie in ihren Sandberg Krimis die Familienbande in den Vordergrund. Und da öffnen sich Abgründe, die ausgezeichnet durchdacht und dargelegt werden. In diesem Meisterwerk geht es um die drei Schwestern, Birgit, Pia und Nane. Nane ist die jüngste und hat zwanzig Jahre Gefängnis hinter sich. Sie wurde für den Tod an Pias Stiefsohn Henning verurteilt. Pia lebt mit ihrem Ehemann Thomas auf dessen Weingut an der Saar. Nach ihrer Haftentlassung findet Nane keine Ruhe. All die offenen Fragen aus der Vergangenheit, will sie in der Gegenwart klären um endlich frei für eine Zukunft zu sein. Doch ausgerechnet ihr viel älterer Schwager Thomas, der nach zwei Jahrzehnten Licht in die Dunkelheit bringen könnte, erleidet einen Herzinfarkt als er Nane erblickt. Der Roman ist in zwei Zeitebenen geschrieben, dies hat die Autorin perfekt umgesetzt, während meiner gesamten Lesezeit konnte ich ihr wunderbar folgen. Ich war zum Teil erschüttert über das was die Mutter der drei verbockt hat. Ihr Mantra Liebe bringt Unglück hat sich in den Mädchen verankert. Allerdings war ihnen nicht bewußt warum ihre Mutter dies in ihr täglich Gebet mit aufnahm. Nicht wegen eines Klinik Aufenthalt, oh nein! Dann stellt sich die Frage, was weiß Thomas, warum bekommt er im Weinberg bei Nanes Anblick einen Infarkt und fällt ins Koma. Die Autorin versteht es glänzend ihre Leser auf eine fantastische Lesereise zu bringen. Mich hat sie mühelos gleich zu Beginn abgeholt und mit der dargelegten Spannung in Atem gehalten. Mitreißend habe ich Schuld und Sühne der Generationen verfolgt und war fasziniert von der Vielfalt in diesem temporeichen Krimi. Der Schreibstil ist schwungvoll, agil, bildlich und vollkommen im Fluss. Ihren Protagonisten haucht Sie perfekt Leben ein und platziert jede einzelne Figur real in Szene. Jeder einzelne Charakter konnte mich völlig überzeugen und hat seinen ganz besonderen Reiz und Platz im Buch. Unglaublich geschätzt habe ich die konstante Spannung die sich über die komplette Buchlänge legt. Mitreißend und brillant geschrieben habe ich diesen Krimi in einem Durchlauf gelesen. Ich vergebe sehr gerne verdiente fünf Sterne und eine absolute Kauf - und Leseempfehlung für diesen spektakulären spannenden Krimi.

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Am Zorn festhalten ist wie Gift trinken und erwarten, dass der andere daran stirbt. Zwanzig Jahre hat Nane im Gefängnis gesessen wegen Mordes. Sie hat ihre Strafe verbüßt, aber ihrer Schwester Pia und deren Mann Thomas scheint das immer noch nicht genug, doch Nane hat Fragen, die sie über all die Jahre beschäftigt haben und diese will sie nun stellen. Als sie zu Thomas‘ und Pias Weingut kommt und ihrem ehemaligen Liebhaber gegenübertritt, erleidet der einen schweren Herzinfarkt und ihre Schwester jagt sie davon. Warum hegt Pia so einen Groll und weshalb will sie das, was in der unsäglichen Nacht geschah, unbedingt für immer totschweigen? Nane riskiert alles, sogar ihre Bewährung, um endlich Gewissheit zu haben, ob sie wirklich eine Mörderin ist, denn ihre Zweifel scheinen berechtigt. Ellen Sandbergs zweiter Roman ist ein überzeugendes Spiel zwischen starken Figuren. Interessant ist dabei, dass es vor allem die Frauenfiguren sind, die das Spiel gegeneinander austragen und aus völlig verschiedenen Motiven, aber mit allen verfügbaren Mitteln in den Kampf gehen und zum Äußersten bereit sind. Parallel lässt sie die Geschehnisse Ende der 90er Jahre und die aktuellen Ereignisse ablaufen, der Leser muss so die Puzzleteile nach und nach zusammensetzen, um den perfiden Komplott zu durchschauen, der durchaus noch einmal Figuren in einem anderen Licht erscheinen lässt. Der Roman beginnt mit einem recht gemächlichen Tempo und bietet einiges an Vorlauf, bevor so wirklich Spannung aufkommt. Für das Agieren der Figuren ist dies jedoch wichtig, denn in genau dieser Phase liegt das entscheidende Motiv. Die Handlung ist insgesamt clever aufgebaut und überzeugend konstruiert, mir fehlten jedoch ein wenig die Sympathieträger, mit denen man mitfühlt und für die man sich Gerechtigkeit wünscht. Die Protagonistinnen Pia und Nane ebenso wie Thomas‘ Schwester sind von negativen Emotionen zerfressen, die sie zwanghaft bedienen. Keine kann vergeben, keine kann loslassen und keine gönnt einem anderen Glück. Es gibt diese Menschen, aber es ist erschreckend, wie sehr die drei darin gefangen sind und aus purem Egoismus auch bereitwillig das Leben der anderen zerstören und sogar deren Tod in Kauf nehmen. Die Töchtergeneration ist noch zu naiv und schwach, um diesen Frauen etwas entgegenzusetzen, ihre einzige Handlungsoption ist das Weglaufen. Insgesamt ein runder und spannungsreicher Roman, der zwar nicht als Psychothriller kategorisiert ist, aber durchaus auch in diesem Genre angesiedelt sein könnte, denn die Handlung lebt von dem Psychospiel der Figuren. Abzug gibt es von mir einzig wegen der wenig überzeugenden erotischen Passagen, die sprachlich wie auch bezogen auf die Handlung etwas gestelzt wirken und bei denen weniger sicher mehr gewesen wäre.

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