Leserstimmen zu
Die Terranauten

T.C. Boyle

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T.C. Boyle ist bekannt dafür, dass er in seinen Romanen oft historische Ereignisse aufgreift und auf sarkastische bis absurde Art verarbeitet. Ich kannte bislang von ihm nur „Willkommen in Velville“ und war sehr gespannt auf die Erlebnisse der Terranauten. Auch hier gibt es einen historischen Hintergrund, denn Anfang der 90er Jahre wurde tatsächlich das von einem texanischen Ölmilliardär finanzierte Projekt „Biospäre 2“ in der Wüste Arizonas ins Leben gerufen, in dem 4 Männer und 4 Frauen für 2 Jahre in einem abgeschlossenen Ökosystem sich selbst versorgen sollten, autark mit Tieren, Pflanzen, einem eigenen kleinen Ozean mit Korallenriff, Regenwald und simulierten Gezeiten. Für den Roman „Die Terranauten“ bilden diese historischen Tatsachen den Hintergrund, T.C.Boyle spinnt die Geschichte jedoch weiter, denn im Gegesatz zur Realität wird das Experiment mit dem Einschluss von 8 weiteren Terranauten fortgesetzt. Die Geschichte wird erzählt aus der Perspektive dreier Hauptcharaktere: der attraktiven Nutztierwärterin Dawn und dem Charmeur Ramsay, der für die Kommunikation der Gruppe nach Außen zuständig ist, als Teil der Crew, sowie Linda, der besten Freundin von Dawn, die "draußen" bleiben muss und das Projekt von dort begleitet. Hierin liegt schon der erste Konflikt des Projekts, denn Linda neidet trotz aller Freundschaft Dawn und den anderen ihren Erfolg und fühlt sich nicht zuletzt aufgrund ihrer asiatischen Herkunft benachteiligt. Neben diversen zu erwartenden zwischenmenschlichen und gruppendynamischen Problemen, treiben technische Defekte wie ein Stromausfall, Sauerstoffmangel und die stets knappen Nahrungsmittelrationen die Crew an ihre Grenzen. Aber auch von die Projektleitung, von T.C. Boyles typisch sarkastisch als „Gottvater“, „Jesulein“ und „Judas“ betitelt, greift immer wieder von außen ein und forciert die Spaltung der Gruppe. Das tatsächliche Experiment war schon eine Farce, Boyle treibt es in seiner Version auf die Spitze, führt das Engagement Crew und ihrer Helfer ins Absurde und karikiert gelichzeitig TV-Events wie „Big-Brother“ oder „ Das Dschungelcamp. Allerdings bleibt ihm nicht viel Spielraum, weil in der wahren Geschichte schon zu viel Tragik und Komik stecken. Die Charaktere sind glaubhaft angelegt, durch die bildhafte Sprache und die wechselnden Perspektiven ist der Spannungsbogen durchweg hoch. Im Hörbuch werden die unterschiedlichen Erzählperspektiven durch die verschiedenen Sprecher verdeutlicht. Leider wirkt der Part von Dawn sehr nüchtern vorgelesen und wenig lebendig, obwohl gerade ihr Charakter sehr emotional belegt ist, das gibt für das Hörbuch einen Punkt Abzug.

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„Die Terranauten“ – das sind vier Männer und vier Frauen, welche allesamt für einen langen Zeitraum ein Leben abgeschottet „unter einer Glaskuppel“ führen sollen. Jeder Terranaut für sich bringt eine besondere Ausbildung/Eigenschaft mit in das Team ein, die für dieses Leben als hilfreich empfunden wurde – so der Beginn der Geschichte von T.C.Boyle’s „Die Terranauten“. Solch ein reales Experiment namens „Biosphere 2“ (im Roman Ecosphere 2 genannt) gab es Anfang der 90er Jahre in Arizona, ein Leben unter einem riesengroßen Glashaus. Vor dem Hören dieses Hörbuches hatte ich mir einige Berichte über genau dieses Experiment durchgelesen und war umso gespannter auf die nun folgende Geschichte, welche sich der Autor T.C. Boyle rund um die E2 ausgedacht hat. Man lernt als erstes einige Hauptpersonen des Romans kennen, welche alle in irgend einer Art und Weise mit der Ecosphere2 zu tun haben werden. Diese Kapitel nennen sich „Vor dem Einschluß“ und man erfährt, wie teilweise verbissen die zukünftigen Bewohner des Experiments darauf hinarbeiten, teil dessen sein zu dürfen. Das gesamte Hörbuch wird abwechselnd von drei Sprechern gelesen – August Diehl, Ulrike C. Tscharre und Eli Wasserscheid. So erfährt der Hörer in immer abwechselnder Weise die Geschichten von Dawn (einer Terranautin), Ramsay (einem Terranauten) und Linda (sie wäre gerne Terranautin geworden, hat es aber leider nicht in die Auswahl geschafft). Am gesamten Projekt sind insgesamt 8 Terranauten beteiligt (4 Frauen und 4 Männer), die allesamt in langen Auswahlverfahren vorher ausgewählt wurden – für ein Leben unter einem riesigen Glashaus. Anfangs scheint die Euphorie noch zu überwiegen, doch je länger das Leben unter dem Glasdach andauert, desto verbissener wird an der anfänglichen Devise „nichts rein – nichts raus“ festgehalten…jedenfalls von vereinzelten Terranauten. Noch dazu steht das Projekt (und somit auch die Bewohner) unter ständiger Beobachtung – sei es nun durch die Touristen, welche einen Blick in die „fremde Welt“ riskieren wollen oder auch durch die Mitwirkenden, welche das Projekt E2 mit aufgebaut haben und nun von der anderen Seite des Glasdaches ein Auge darauf haben. Doch schon bald wird das Leben der acht Terranauten vor ganz besonders schwierige Herausforderungen gestellt….die vorher so ganz sicher nicht mit eingeplant wurden……. Durch die abwechselnde Erzählweise wird eine gewisse Spannung gleich zu Anfang der Geschichte mit eingebaut, denn natürlich ist man als Hörer neugierig darauf, was die Terranauten bei diesem Projekt erwarten wird und wie sich ihr Leben unter der Glaskuppel gestaltet. Doch schon im Mittelteil hat es sich meiner Meinung nach ein wenig sehr in die Länge gezogen, für mich war die Spannung genommen und es hat sich einige Zeit lang im Kreis gedreht. Auch hätte ich mir mehr Handlung rund um das eigentliche Leben in der Ecosphere 2 gewünscht, dies kam meiner Meinung nach ebenso ein wenig zu kurz. Kurzzeitig habe ich sogar überlegt, das Hörbuch abzubrechen. Allerdings bin ich froh, es doch noch weitergehört zu haben, denn das letzte Drittel hat mir wieder besser gefallen. Es handelt sich hier um eine gekürzte Lesung mit einer Gesamtlänge von ca. 16 Stunden 46 Minuten, verteilt auf 2 MP3-CDs. Erschienen bei DerHörverlag. Ebenso ist das gleichnamige Buch im CarlHanserVerlag erhältlich.

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gekürzte Lesung 2 MP3-CDs, Laufzeit: 16h 46 Gelesen von August Diehl, Ulrike C. Tscharre, Eli Wasserscheid Darum geht's: Vier Männer und vier Frauen werden in eine hermetisch abgeriegelte Welt eingeschlossen, in der sich die Wissenschaftler zwei Jahre lang selbst versorgen und nur von und mit dem leben sollen, was sich an Tieren und Pflanzen mit ihnen in ihrer Glaskuppel befindet. Die Welt schaut ihnen dabei zu. So fand ich's: Insgesamt drei Sprecher teilen sich die Erzählung dieser Hör-Version gleichmäßig untereinander auf. Dawn hat es in die Crew von "Ecosphere 2" geschafft und erzählt uns aus der abgeschlossenen Welt, genauso wie Ramsey, der ebenfalls zur Crew gehört. Linda dagegen musste draussen bleiben, obwohl sie zum engeren Kreis der Bewerber gehörte und unterstützt das Projekt nun von aussen, bis die Entscheidung darüber gefallen ist, wer zu "Ecosphere 3" gehören wird. Diese Geschichte ist nicht geprägt von der Handlung, denn besonders viel passiert nicht. Der Schwerpunkt liegt im Bereich der Charaktere und der besonderen Situation, in der sich alle Mitwirkenden am Ecosphere-Projekt befinden, ob nun innerhalb oder außerhalb der abgeschlossenen Kuppel. Die 8 Terranauten leben auf engstem Raum zusammen und es gibt kaum Möglichkeiten, sich zurückzuziehen. Das Essen ist knapp und wenn im Winter die Pflanzen nur wenig Sauerstoff produzieren, wird selbst die Atemluft zum Luxusgut. Der Tag der Terranauten ist gefüllt damit, sich um die Tiere und Pflanzen zu kümmern, die Technik am Laufen zu halten und die Sponsoren und die Öffentlichkeit mit Interviews und Statusberichten zu unterhalten. Die Leute, die außerhalb der Kuppel am Projekt arbeiten, müssen ebenfalls darauf bedacht sein, wie Ecosphere in der Öffentlichkeit dasteht, woher Gelder und Untrstützer kommen und ob sie es in die Crew der nächsten Runde, Ecosphere 3, schaffen werden. Da Ecosphere 1 sehr in die Kritik geraten ist, weil der abgeschlossene Lebensraum doch nicht so abgeschlossen blieb und man eine Terranautin kurz heraus ließ, weil sie medizinische Hilfe brauchte, und Sauerstoff zugeführt wurde, als die Pflanzen nicht genug selbst produzierten, ist die Crew von Ecosphere 2 umso fanatischer entschlossen, diese hermetische Abriegelung aufrecht zu halten und das Projekt auf keinen Fall zu kompromitieren. Wer einmal Big Brother oder eine ähnliche Sendung verfolgt hat, der kann sich ungefähr vorstellen, wie so eine Situation sich auf den menschlichen Faktor auswirkt. Es werden Freundschaften geschlossen und zweckdienliche Verbindungen eingegangen, es wird spioniert und intrigiert, der eigene Vorteil gesucht und selbst die geheimen Sehnsüchte bleiben nicht verborgen. Obwohl im Grunde sehr wenig passiert, hat mich diese Konzentration auf das Zusammenleben und die Gefühlswelt der Menschen doch fasziniert und so gut unterhalten, dass bei mir keine Langeweile aufkam. Der Schluss war für meinen Geschmack etwas zu abrupt, passte sicher gut zu der Art, wie das Buch endete, hat aber den Wunsch bei mir hinterlassen, noch mehr Erklärungen zu bekommen und zu wissen, wie es weitergeht. Andererseits war die Stelle, an der wir aus der Geschichte ausgestiegen sind, auch wieder passend. Dass das Hörbuch gekürzt war, ist mir nicht aufgefallen, denn nichts wirkte gehetzt oder kam zu kurz, und immerhin blieben fast 17 Stunden ausführliche Hördauer übrig. Die Sprecher machen alle drei einen sehr guten Job, jeder für sich las lebendig und dadurch, dass sie sich abwechselten, fiel auch längeres Zuhören absolut nicht schwer. Wer ein Buch mit wissenschaftlicher Note erwartet,wird hier nicht fündig werden. In erster Linie geht es hier um das Zwischenmenschliche, das in dieser extremen Lebenssituation aber bis in die hintersten, schmutzigen Winkel ausgelotet und kurzweilig erzählt wird.

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Total Meins

Von: Suse

09.04.2017

In einem geschlossenen Ökosystem unternehmen Wissenschaftler in den neunziger Jahren in den USA den Versuch, das Leben nachzubilden. Zwei Jahre lang darf keiner der acht Bewohner die Glaskuppel von „Ecosphere 2“ verlassen. Egal, was passiert. Touristen drängen sich um das Megaterrarium, Fernsehteams filmen, als sei es eine Reality-Show. Eitelkeit, Missgunst, Rivalität – auch in der schönen neuen Welt bleibt der Mensch schließlich doch, was er ist. Und es kommt, wie es kommen muss: Der smarte Ramsay verliebt sich in die hübsche Dawn – und sie wird schwanger. Kann sie das Kind austragen? T.C. Boyles prophetisches und irre komisches Buch, basierend auf einer wahren Geschichte, berührt die großen Fragen der Menschheit. Der Autor: Tom Coraghessan Boyle wurde 1948 in Peekskill/New York geboren. Er promovierte 1977 an der University of Iowa mit einer Kurzgeschichtensammlung und lehrt heute Creative Writing an der University of Southern California. Boyle lebt in Santa Barbara. Meine Meinung: Oh wie ich auf dieses Hörbuch gewartet habe. Die Geschichte hat mich zu hundertprozent angesprochen und ich wollte sie unbedingt entdecken. Die Idee ist einfach vielversprechend und lässt Spannung vermuten. Ich wurde nicht enttäuscht. Das Hörbuch ist sehr angenehm gesprochen und man kann der Geschichte wunderbar folgen. Es ist erst mein drittes Hörbuch, aber ich werde immer mehr zum Fan davon. Die Geschichte ist super spannend. Ich konnte es immer kaum erwarten einfach weiter zu hören. Sie ist spannend und mitreizend. Ich mag ja solche Geschichten sehr, wo Menschen sich in eine extreme Situation begeben. Wie sie damit umgehen, was sie denken und fühlen. Was es für Auseinandersetzungen gibt. Es war so packend. Ich denke als Buch hätte es noch ein bisschen mehr gewirkt, weil ich beim lesen einfach besser in die Geschichte finde. Aber hier kann ich einfach nichts schlechtes finden. Eine Geschichte die unglaublich tief geht und den Leser mit auf eine spannende Reise nimmt. Ich kann dieses Hörbuch absolut empfehlen. Es ist zwar etwas teurer und auch das Buch, aber es lohnt sich. Für mich eines der besten Bücher die ich dieses Jahr bis jetzt gelesen und gehört habe. Tolle Geschichte. Regt zum nachdenken an!

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Die Terranauten

Von: Elizzy

06.04.2017

Zusammengefasst Für die jungen Anwärter zum Projekt Biosphäre 2 gibt es nichts wichtigeres als die Mission selbst. Sie sind fest entschlossen, sich für 2 Jahre in eine Glaskuppel einsperren zu lassen, um ein Leben auf dem Mars zu simulieren. Das wichtigste dabei ist „Nichts rein – Nichts raus“ zu lassen, um das Projekt so glaubwürdig wie möglich zu gestalten. Den die erste Crew scheiterte und das Projekt geriet ins Wanken, umso entschlossener sind die Anwärter zu Mission 2 alles richtig zu machen. Nach langen Monaten voller Tests und Aufgaben wurden nun 8 Terranauten – 4 Frauen und 4 Männer – ausgewählt und dürfen in die Biosphäre 2 einziehen. Es wird viel von Teamwork gesprochen und alle sind zu Anfangs euphorisch und können es kaum erwarten der Menschheit zu beweisen wie wichtig und erfolgreich dieses Projekt sein wird. Doch schnell entwickelt sich die Geschichte in eine andere Richtung. Plötzlich steht nicht mehr die Mission und das grosse ganze im Vordergrund, sondern viel mehr das Zwischenmenschliche. Hunger, Kakerlaken, schwierige Luftbedingungen gestalten das Leben in Eco2 zu einer Qual. Die Geschichte wird abwechselnd aus der Sicht von Dawn – eine Terranautin, die mit voller Überzeugung hinter dem Projekt steht – Ramsay – ein Terranaut, der sich als hinterlistiger als gedacht entpuppt – und Linda – eine Anwärterin, die es nicht in Eco2 geschafft hat – erzählt. Dabei kommen die Persönlichkeiten der einzelnen Protagonisten von Kapitel zu Kapitel immer besser zur Geltung. Denkt man noch, dass Linda die einfühlsame Freundin ist und Dawn sich zu 100% auf sie verlassen kann, erfährt man schnell aus Lindas Sicht – wie sie mit allem zu kämpfen hat und so gar nicht „einfühlsam und verständnisvoll“ ist wie sie vor Dawn zu sein scheint. Eine wirklich interessante Erfahrung zu hören wie hinterlistig die Menschen doch sein können und wie sehr man sich in einzelne Personen täuschen kann. Die ganze Geschichte entwickelt sich so rasant und hat 2-3 Wendungen, die es ganz schön in sich haben, dass es fast keine langweiligen Stellen hat. Ohne zu viel verraten zu wollen: das ganze entwickelt sich so, wie es keiner zu Anfangs auch nur geahnt haben konnte! Einzig ein grosser Minuspunkt war das Ende! Es lässt einen mit zu vielen Fragen zurück und hört einfach zu abrupt auf. Ich hätte gerne noch viel mehr von der Geschichte gehört! Klang, Stimmung und Länge Die drei Sprecher August, Ulrike und Eli gefielen mir wirklich sehr, die Kapitel wurden flüssig gelesen und ich habe mich schnell an die Stimmen gewöhnt und mochte es wie einzigartig sie die Passagen vorlesen konnten. Die Kapitel hörten immer an der richtigen Stelle auf und interessant war auch immer wieder die Sicht von der anderen Person auf das gleiche Ereignis, so hatte man als Leser / Zuhörer immer den ganzen Überblick über das Geschehen. Die Stimmung war beschwingt, traurig, ergreifend und manchmal auch wütend. Ich fand das die Sprecher jede einzelne Emotion richtig gut rüber bringen konnten und das Hörerlebnis so auf jeden Fall steigerten. Die Länge des Hörbuchs war auf jeden Fall lang – doch da ich das Hörbuch bei Hausarbeiten oder Gassi gehen hörte – fiel mir das gar nicht so auf und ich kam richtig gut voran! Fazit Ein wirklich tolles Hörbuch, dass mich bis auf den Schluss auf jeden Fall begeistern konnte. Die Geschichte ist gut strukturiert und macht neugierig auf mehr. So habe ich kurz nach dem Ende des Hörbuchs recherchiert und stiess dabei auf diesen Artikel – hier – welcher über das echte Projekt, welches in den Jahren 1991 bis 1993 ausgeführt wurde, berichtet. Ich finde das Thema auch heute noch sehr interessant und bin gespannt, ob es vielleicht in ein paar Jahren wirklich mal so weit sein wird – und ein Leben auf einem anderen Planeten möglich wäre.

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Darauf haben sie hingearbeitet, sich gequält, ihr Bestes gegeben. 1994 sind sie die auserwählten Terranauten von "Ecosphere 2“ und dürfen zwei Jahre lang in einem künstlich erzeugten Ökosystem ein neues Leben erproben. Ihre streng durchstrukturierten Aufgaben bestehen zumeist aus körperlicher Arbeit, um das System zu betreiben und genug Nahrungsmittel zu erzeugen. Acht Menschen, die sich auserwählt fühlen und sich ihr eigenes Mantra "Nichts rein, nichts raus" vorsagen, um zu zeigen, wie wichtig ihnen ihre Mission ist. Doch zwei Jahre sind lang und nicht alles kann man vorher planen. Angelehnt an ein tatsächliches Experiment in den 90er-Jahren in Arizona lässt T. C. Boyle vier Frauen und vier Männer als Terranauten in ein gigantisches Terrarium einziehen, das aus Savanne, Regenwald, Ozean und Anbauflächen besteht und unterschiedliche Spezies an Pflanzen und Tieren aufweist. Was vom Betreiber als dauerhaftes Experiment zur Vorbereitung der Marsbesiedelung geplant ist, entwickelt sich mehr und mehr zu einer Sozialstudie. Perfekt für ein Hörbuch ist die Erzählperspektive des Buches. Drei Erzähler, die gekonnt von August Diehl, Ulrike C. Tscharre und Eli Wasserscheid gesprochen werden, berichten aus der Ich-Perspektive von ihren Erlebnissen vor und während des Experiments. Womanizer Ramsay Roothoorp und die Schönheit Dawn Chapman sind die glücklichen Teilnehmer des Experiments, während Linda Ryu als verschmähte Bewerberin schmollend aus der Außenperspektive berichtet. Der Wechsel zwischen den Sprechern lockert die Laufzeit von knapp 17 Stunden deutlich auf, denn die Spannung des Romans hält sich in Grenzen. Detailliert und lang gezogen wird beschrieben, wem welche Aufgaben zugeordnet sind und wie der Alltag der Terranauten aussieht. Man meint selbst einen Blick auf die durch Kameras überwachten Missionsteilnehmer zu werfen. Genauso fern und oberflächlich, wie durch einen Bildschirm betrachtet, bleiben die handelnden Personen dann auch. Statt eine Gemeinschaft zu bilden, entfernen sich die Personen immer mehr voneinander. Gelenkt durch das autoritäre System der äußeren Führung, an dessen Spitze der Boss, genannt Gottvater steht, kann keine eigene Gruppendynamik entstehen. Durch das vorgegebene Setting einer geschlossenen Umgebung hatte ich mir mehr Emotionen, Auseinandersetzung und Lebendigkeit erhofft. Stattdessen wird über Banalitäten wie Schönheitsideale oder Essensträume gesprochen. Selbst dramatische Ereignisse wie das Auftreten von Sauerstoffmangel oder die Nahrungsmittelknappheit während des Winters lassen den Spannungsbogen nur kurz ansteigen. Statt wissenschaftlicher Erkenntnisse erlebt man einen menschlichen Kleinkrieg auf niedrigstem Niveau. Kleine Gemeinheiten, Neid und Zwietracht stehen im Vordergrund. Vom Autor gewollt, um die Schlichtheit des Menschen herauszuarbeiten? Mich hat das Buch ein wenig ratlos zurückgelassen. Vielleicht war meine Erwartungshaltung auch einfach zu groß. Das Thema an sich fand ich sehr interessant, nur die Umsetzung war mir zu flach und undynamisch. Meine Bewertung liegt knapp unter vier Sternen.

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"Ein Schwur ist ein Schwur. Nichts rein, nichts raus." Vier Männer und vier Frauen bilden das Team der Mission 2. Sie wurden ausgewählt, um gemeinsam zwei Jahre lang in Ecosphere 2 (E2) zu leben - einem 1,3 Hektar großen Raum, der 3800 tierische und pflanzliche Spezies beherbergt, in dem die Ökologie und das Leben in einem geschlossenen System untersucht werden und so das Überleben auf dem Mars simuliert werden soll. Die Geschichte wird dabei von drei Personen erzählt: Dawn Chapman, die als Nutztierwärterin in E2 lebt, Ramsay Roothoorp, der fanatisch an das Projekt glaubt und für einen Erfolg auch den Tod in Kauf nehmen würde, und Linda Ryu, die beste Freundin Dawns, die für Mission 2 abgelehnt wurde und nun sehnsüchtig auf Mission 3 wartet. Auch der mittlerweile 16. Roman von T.C. Boyle basiert auf einer wahren Geschichte, die der Autor für sein Buch abgewandelt und mit Details gefüttert hat und die er da weitererzählt, wo die Geschichte in der Realität endet. In Die Terranauten thematisiert Boyle das Experiment "Biosphere 2", das in den 1990er Jahren in der Sonora-Wüste in Arizona durchgeführt wurde, wo in zwei Versuchen gezeigt werden sollte, dass ein Leben in einem geschlossenen System langfristig möglich ist, wobei beide Versuche scheiterten. Boyles Roman hat mich vor allem aufgrund der akkuraten Darstellungen des Lebens in E2 begeistert und fasziniert. Ihm ist es gelungen, mich mit in das riesige Terrarium mit seinen fünf Biomen (Regenwald, Savanne, Wüste, Meer und Marsch) zu nehmen, er ließ mich mit Spannung den Vorbereitungen lauschen, bevor das Team E2 besiedelte, hat fesselnd und lebendig vom Alltag in E2 geschildert, konnte mir Besonderheiten des künstlichen Ökosystems nahebringen und mir relevante wissenschaftliche Aspekte erklären und verdeutlichen. Gelesen wird das (gekürzte) Hörbuch von Eli Wasserscheid (Dawn), August Diehl (Ramsay) und Ulrike C. Tscharre (Linda). Ich empfand alle drei Perspektiven als hervorragend vorgetragen und als packend erzählt, wobei der Perspektivenwechsel für viel Abwechslung sorgt und die Geschichte von mehreren Seiten beleuchtet, was zusätzlich Spannung aufbaut und die Geschichte noch glaubwürdiger macht. Letztendlich empfand ich auch die Schilderungen der zwischenmenschlichen Konflikte, die sich durch das Zusammenleben auf engstem Raum, bei anstrengender Arbeit und unzureichender Kost ergeben, überzeugend, so dass ich den Roman bzw. das Hörbuch rundum empfehlen kann. T.C. Boyle: Die Terranauten. Aus dem Amerikanischen von Dirk van Gunsteren. Gelesen von August Diehl, Ulrike C. Tscharre und Eli Wasserscheid. Der Hörverlag, 2016; 24,99 Euro.

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Das Leben auf der Welt ist endlich, immer mehr wird die Umweltzerstörung unseren Lebensraum dahinraffen und uns die Existenzgrundlage entziehen. Zeit nach Alternativen zu suchen. Ein Terrarium in der amerikanischen Wüste dient als Experimentierfeld. Die erste Mission ist gescheitert, aber die zweite soll erfolgreich sein. Vier Männer und vier Frauen werden zwei Jahre lang in der künstlichen Atmosphäre leben und sich nur von dem ernähren, was sie selbst zu produzieren wissen. Linda konnte sich leider nicht für das Team qualifizieren, von außen berichtet sie, wie sie die unsäglich langen 24 Monate von „Ecosphere 2“ erlebt. Dawn und Ramsey sind unter den Auserwählten und berichten vom Leben drinnen, abgeschnitten von der Außenwelt und zum Erfolg verdammt, denn das Projekt darf nicht scheitern. Was mich beim Hören besonders begeisterte war, dass mit August Diehl, Ulrike C. Tscharre und Eli Wasserscheid drei verschiedene Sprecher für die erzählenden Figuren eingesetzt wurden, was es sehr viel einfacher machte, dem Text zu folgen. Die Handlung beginnt in den letzten Zügen der Vorbereitungen und damit an einem menschlich kritischen Punkt, denn nur die Hälfte der Bewerber wird ausgewählt werden. Eine Zerreißprobe für die entstandene Freundschaft zwischen Dawn und Linda, die in der Folge zwischen Neid und Mitgefühl immer wieder schwankt und letztlich doch viel fragiler ist als die beiden jungen Frauen sich eingestehen. Sie sind Konkurrentinnen und wenig mehr als die identischen Aufgaben verbindet sie. Die anderen Figurenbeziehungen sind geprägt durch das Leben auf engstem Raum, das durch die schwierigen Rahmenbedingungen wie Mangel an Nahrungsmittel und Entbehrung aller zivilisatorischen Bequemlichkeiten noch verschärft wird. Missstimmungen bleiben nicht aus und Alleingänge und insbesondere das Gefährden der Mission durch einzelne Crewmitglieder stellt sie auf eine harte Bewährungsprobe. Insgesamt haben mir die Figurenzeichnung und die Entwicklung von Dawn am besten gefallen. Ist sie zu Beginn noch recht naiv, verunsichert und unbedarft, wird sie immer deutlicher in ihren Ansichten und Überzeugungen und weiß am Ende sogar sehr egoistische Entscheidungen zu treffen. Auch Linda wirkt wehr authentisch in ihrem Handeln und vor allem ihren Emotionen. Die Hintergrundhandlung selbst basiert auf dem realen Projekt „Biosphere“ aus dem Jahr 1991. Viele technische Details bestimmen gerade zu Beginn die Handlung bleiben jedoch in einem den Fluss nicht störenden Rahmen. Einige der Zwischenfälle in der künstlichen Welt sind vorhersehbar und überraschen den Leser nicht wirklich, aber es sind weniger die technischen Aspekte und die Realisierbarkeit der Studie, die im Fokus stehen, sondern das, was diese Situation mit den involvierten Menschen macht. So kann die Geschichte letztlich überzeugen und unterhalten.

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