Leserstimmen zu
Neanderthal

Jens Lubbadeh

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Neanderthal

Von: Manuela Hahn

21.12.2017

Inhalt: Gesund und schön sollen sie sein, die Bürger Deutschlands im Jahr 1953 und dank der Fortschritte im Bereich der Genforschung ist das auch kein Problem, Krankheiten werden schon vor der Geburt eliminiert in dem die Gene die dafür verantwortlich sind editiert werden. Kontinuierliche Überwachung durch die Krankenkasse tut ihr übriges um die Menschen dazu zu bringen ihren Körper und Geist rein zu halten und fit zu bleiben. Nur gegen die neue Volkskrankheit *Die große Depression* die vor allem jüngere Menschen befällt, scheint es kein Mittel zu geben, und so steigt auch die Gefahr des Selbstmordes bei jungen Menschen. Auf der anderen Seite häufen sich Ehrenmorde an behinderten oder missgestalteten Menschen, verübt durch ihre Angehörigen. Von solch einem Ehrenmord geht Kommissar Nix zunächst aus, als er zu einem Toten gerufen wird der verblüffende Ähnlichkeiten mit einem Neandertaler aufweist, sein Smartphone führt den Kommissar ins nahe gelegene Neandertal, wo die Überreste weiterer Menschen gefunden werden. Um auszuschließen das es sich um Prähistorische Leichen handelt werden die Paläontologen Max Stiller und Sarah Weiss hinzugezogen und die trauen ihren Augen nicht, es handelt sich bei den Knochen um Neandertal Überreste, aber sie sind kaum 30 Jahre alt. Hier mache ich mal Schluss, sonst habe ich das Buch komplett erzählt. Meine Meinung: Klappentexte sind dafür da, potentielle Leser neugierig zu machen, das ist hier auf jeden Fall gelungen. Ich musste dieses Buch unbedingt lesen und ich habe es nicht eine Sekunde bereut. Der Autor beschreibt die durchaus vorstellbare Entwicklung einer Gesellschaft in der vieles möglich ist und die viele dieser Möglichkeiten auch ausschöpft und dies bis an den Rand der Katastrophe. Lubbadeh legt sein Hauptaugenmerk recht schnell auf Stiller und Weiss, Nix von dem ich nach dem Lesen des Klappentext erwartet hatte das er der Hauptprotagonist ist, verschwindet im Lauf des Buches fast völlig, schade eigentlich denn ich mochte seinen Charakter. Aber auch Stiller und Weiss, beide alles andere als makellos, machen sich gut als Hauptcharaktere, sie sind sympathisch und ihre Handlungsweisen schienen für mich durchaus realistisch zu sein. Auch die anderen Protagonisten beschreibt er glaubhaft und realistisch. Immer nur kurz beschreibt der Autor das öffentliche Leben, also die Auswirkungen der Genmanipulationen auf die Menschen und die *Große Depression* , aber wenn er das tut, dann so das ich recht klare Bilder im Kopf hatte. Kur vor Ende des Buches,wechselt Lubaddeh den Hauptcharakter nochmals aus, was jetzt etwas nervig klingen mag, ist während des Lesens absolut nachvollziehbar und schlüssig, ich könnte mir keine andere Lösung vorstellen um die Geschichte zum angestrebten Ende zu bringen, ohne in hanebüchene Verwirrungen zu landen. Ich weiß nicht ob die Beschreibungen des Autors die Gentechnik betreffend, realistisch sind, wie viel Wahrheit und wie viel Fantasy es enthält, aber das ist mir auch egal, ich wurde gut unterhalten, das Buch war zu keiner Zeit langweilig und darum vergebe ich eine uneingeschränkte Leseempfehlung.

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Neanderthal

Von: Manuela Hahn aus Haigerloch

21.12.2017

Inhalt: Gesund und schön sollen sie sein, die Bürger Deutschlands im Jahr 1953 und dank der Fortschritte im Bereich der Genforschung ist das auch kein Problem, Krankheiten werden schon vor der Geburt eliminiert, indem die Gene, die dafür verantwortlich sind, editiert werden. Kontinuierliche Überwachung durch die Krankenkasse tut ihr übriges, um die Menschen dazu zu bringen, ihren Körper und Geist rein zu halten und fit zu bleiben. Nur gegen die neue Volkskrankheit *Die große Depression*, die vor allem jüngere Menschen befällt, scheint es kein Mittel zu geben, und so steigt auch die Gefahr des Selbstmordes bei jungen Menschen. Auf der anderen Seite häufen sich Ehrenmorde an behinderten oder missgestalteten Menschen, verübt durch ihre Angehörigen. Von solch einem Ehrenmord geht Kommissar Nix zunächst aus, als er zu einem Toten gerufen wird, der verblüffende Ähnlichkeiten mit einem Neandertaler aufweist, sein Smartphone führt den Kommissar ins nahe gelegene Neandertal, wo die Überreste weiterer Menschen gefunden werden. Um auszuschließen, dass es sich um prähistorische Leichen handelt, werden die Paläontologen Max Stiller und Sarah Weiss hinzugezogen, und die trauen ihren Augen nicht, es handelt sich bei den Knochen um Neandertal-Überreste, aber sie sind kaum 30 Jahre alt. Hier mache ich mal Schluss, sonst habe ich das Buch komplett erzählt. Meine Meinung: Klappentexte sind dafür da, potentielle Leser neugierig zu machen, das ist hier auf jeden Fall gelungen. Ich musste dieses Buch unbedingt lesen und ich habe es nicht eine Sekunde bereut. Der Autor beschreibt die durchaus vorstellbare Entwicklung einer Gesellschaft, in der vieles möglich ist und die viele dieser Möglichkeiten auch ausschöpft, und dies bis an den Rand der Katastrophe. Lubbadeh legt sein Hauptaugenmerk recht schnell auf Stiller und Weiss, Nix, von dem ich nach dem Lesen des Klappentext erwartet hatte, dass er der Hauptprotagonist ist, verschwindet im Lauf des Buches fast völlig, schade eigentlich, denn ich mochte seinen Charakter. Aber auch Stiller und Weiss, beide alles andere als makellos, machen sich gut als Hauptcharaktere, sie sind sympathisch und ihre Handlungsweisen schienen für mich durchaus realistisch zu sein. Auch die anderen Protagonisten beschreibt er glaubhaft und realistisch. Immer nur kurz beschreibt der Autor das öffentliche Leben, also die Auswirkungen der Genmanipulationen auf die Menschen und die *Große Depression*, aber wenn er das tut, dann so, dass ich recht klare Bilder im Kopf hatte. Kur vor Ende des Buches wechselt Lubaddeh den Hauptcharakter nochmals aus, was jetzt etwas nervig klingen mag, ist während des Lesens absolut nachvollziehbar und schlüssig, ich könnte mir keine andere Lösung vorstellen, um die Geschichte zum angestrebten Ende zu bringen, ohne in hanebüchenen Verwirrungen zu landen. Ich weiß nicht, ob die Beschreibungen des Autors die Gentechnik betreffend realistisch sind, wie viel Wahrheit und wie viel Fantasy es enthält, aber das ist mir auch egal, ich wurde gut unterhalten, das Buch war zu keiner Zeit langweilig und darum vergebe ich eine uneingeschränkte Leseempfehlung.

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Es sei vorausgeschickt: ich habe ihn verschlungen ! Genau mein Lieblings-Science-Fiction-Genre ! In Deutschland ist man wieder einmal mit der Normierung des Menschen beschäftigt. Diesmal geht es nicht um einen Rassen- sondern um einen Gesundheitswahn. Die genetische Medizin ist so gut geworden, dass die Veranlagungen für praktisch alle Krankheiten pränatal eliminiert werden können. Jede Art von Behinderung kann vermieden werden. Es ist eine beängstigende „schöne neue Welt“ in der sich die äußerst spannende Handlung abspielt. Einer der Protagonisten, ein Anthropologe gehört zu den letzten „Behinderten“, er ist taub und weigert sich, dies als Behinderung zu sehen. Seine Kollegin, die auch zu den Hauptpersonen des Romans gehört, hat ebenfalls einige außergewöhnliche körperliche Merkmale. Sowohl diese beiden Figuren als auch viele andere, sind sehr plastisch herausgearbeitet. Niemand kann es wirklich erklären, aber die absolut gesunden, perfekten Menschen werden zu einem erschreckend hohen Prozentsatz depressiv. Hier hat der Autor einen heftigen Seitenhieb auf sein Heimatland eingebaut: in Amerika existiert der deutsche Extremgesundheitswahn nur in sehr geringem Ausmaß und es gibt daher dort auch keine Depressionsepidemie. Im Neandertal, nach dem der homo neanderthalensis benannt wurde, werden Knochen und Schädel gefunden, die eindeutig von Vertretern dieser Menschenart stammen, aber nur wenige Jahre alt sind, was die Wissenschaft in Erstaunen versetzt, da doch der Homo Neanderthalensis vor rund 30.000 Jahren ausgestorben ist. Jahrtausendelang lebte die Gattung in Europa bis der homo sapiens aus Afrika, dem gemeinsamen Ursprung von neanderthalensis und sapiens nach Europa kam. Was dann letztlich passiert ist, warum der Neanderthaler ausgestorben ist, der homo sapiens aber blüht und gedeiht, ist nicht bekannt. Tatsache ist aber, dass es Vermischungen zwischen diesen beiden Menschenarten gegeben hat. Wir alle haben noch „Neanderthaler-Gene“. Ausgehend von diesen über Neanderthaler bekannten Tatsachen entwickelt der Roman sowohl eine spannende Handlung als auch interessante Theorien, aus denen ein überraschender plot entstanden ist. Die Überraschungen verrate ich natürlich nicht. Parallel zu der Haupthandlung, die einige Jahrzehnte in der Zukunft spielt, gibt es auch eine Nebenhandlung, die in sehr grauer Vorzeit, zur Zeit der Begegnung zwischen Neanderthalern und Homo Sapiens spielt. Insgesamt ein sehr gelungener Unterhaltungsroman mit ein bisschen wissenschaftlichem background, viel Fantasie und einer humanistischen Grundhaltung.

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Bei einer Leiche werden enorme Ähnlichkeiten mit einem Neandertaler festgestellt. Kommissar Nix ruft die Wissenschaftler Sarah und Max zu Hilfe, die Koryphäen auf dem Gebiet der Neandertaler-Forschung sind. Durch diverse Untersuchungen deutet alles darauf hin, dass die vor Zehntausenden von Jahren ausgestorbenen Vorfahren des Menschen wieder zum Leben erwacht sind. Wurden sie etwa geklont? Sarah und Max dringen immer tiefer in ein geheimnisvolles Komplott ein, in dem nicht nur die Wissenschaft sondern auch die Politik involviert ist. . Der Roman beginnt wie ein mysteriöser Kriminalfall und lässt den Leser erst einmal erstaunt innehalten, weil er sich von dem Cover und der Inhaltsbeschreinung eigentlich etwas völlig anderes versprochen hat. 😉 Aber das Ganze dauert nicht lange und wechselt in einen Abenteuer-Wissenschafts-Thriller über, der mich des öfteren an Michael Crichton aber auch an Dan Brown erinnert hat. Jens Lubbadeh nimmt seine Leser mit auf eine atemberaubende Hetzjagd, die sich über mehrere Jahre hinweg erstreckt und dadurch eine unglaubliche Authentizität erreicht. Es sind faszinierende Ideen, die sich durch den gesamten Plot hindurchziehen und mal mehr und mal weniger in den Vordergrund rücken. Ich will damit sagen, dass Jens Lubbadeh auch sozialkritische Botschaften zwischen den Zeilen verstreut, die nur in einem einzigen Satz angedeutet werden. Das macht den Roman zu einem unersättlichen Füllhorn an „Gedankenstupsern“ für den aufmerksamen Leser. Neben der rasanten Hautphandlung, die aus meiner Sicht in der Tat aus der Feder des leider viel zu früh verstorbenen Michael Crichton stammen könnte, baut Lubbadeh aber auch ein sehr interessantes Zukunftsszenario auf, das oftmals schon sehr nah an der Realität dran ist und an anderen Stellen absolut glaubwürdig und nachvollziehbar erscheint. In „Neanderthal“ wird dem Leser eine Zukunft Deutschlands gezeigt, die erschreckend realistisch erscheint und in fast allen Belangen Hand und Fuß hat. Wer genau aufpasst, wird sehr viele Anspielungen auf aktuelle Ereignisse finden, die geschickt in diese Zukunftsvision eingebaut wurden. Dieser Wissenschafts-Thriller ist nicht nur reine Unterhaltungsliteratur, sondern zwingt den Leser förmlich zum Nachdenken mit all seinen verschiedenartigen Facetten, die das Leben, den Tod, die Schönheitsideale und den Machthunger vieler Menschen behandeln. Es wird zum Beispiel in einem Kapitel eine Fernseh-Talkshow wiedergegeben, die inhaltlich und von den Dialogen her dermaßen echt wirkt, dass es eine wahre Freude ist, sie zu lesen. Ich persönlich empfand diese Zukunftswelt als ungemein realistisch. Auch wenn an manchen Stellen die wissenschaftlichen Ausdrücke und Erklärungen zu sehr ins Detail gingen, versteht man auch als Laie wirklich alles, was vor sich geht. Es ist eine sehr vielschichtige Handlung, die Jens Lubbadeh hier präsentiert. Und auch wenn sich das Buch sehr flüssig lesen lässt, sollte man sorgfältig lesen, um auch wirklich alles (auch die oben erwähnten, zahlreichen Anspielungen zwischen den Zeilen) zu verstehen. „Neanderthal“ wirkt aufgrund seiner teilweise sehr düsteren Stimmung an einigen Stellen fast schon wie eine Dystopie. Gerade die fiktive, politische Entwicklung Deutschlands, die sehr gut vom Autor ausgearbeitet wurde, und die Politiker stellten für mich den größten Schrecken des Buches dar. Denn die Neandertaler sind sehr menschlich und sympathisch und geben dem Roman eine außergewöhnliche emotionale Note, die mich manchmal sehr berührt hat. Einziger Wermutstropfen von „Neanderthal“, sofern man das so bezeichnen darf, ist der oftmalige Wechsel des Hauptprotagonisten. Kaum hat man nämlich zu dem Ermittler Kommissar Nix eine Beziehung aufgebaut (bei mir durch eine wirklich fantastisch geschriebene Szene in einem Bordell geschehen), fällt dieser quasi sang- und klanglos aus der Handlung und wird von den Wissenschaftlern Sarah und Max abgelöst (wenig später passiert dies dann sogar noch einmal, dass der Protagonist wechselt). Da habe ich mir während des Lesens schon ein paar Mal gewünscht, dass Kommissar Nix noch einmal mitgespielt hätte, denn ich mochte ihn. Aber wenn man sich wiederum die epische Bandbreite ansieht, auf der die Geschichte angelegt ist, dann hat das alles durchaus Sinn. Man muss ich eben nur darauf einlassen (können) und ein wenig abseits von Schema F denken. Mir hat das Gesamtwerk außerordentlich gut gefallen, was nicht nur an der spannenden Abenteuerstimmung, sondern auch an der perfekt ausgearbeiteten Zukunftswelt lag. Schade finde ich, dass es die Vorgeschichte „Das Neanderthal-Projekt“ lediglich als ebook gibt. Für mich als Papierbuchliebhaber, der nicht einmal einen ebook-Reader besitzt, ist das natürlich sehr schade, auch wenn das ebook kostenlos angeboten wird. Ich freu mich jedenfalls schon auf das neue Buch von Jens Lubbadeh. . Fazit: Spannend und gut recherchiert vermittelt das Buch nicht nur Abenteuer, sondern auch eine erschreckende Zukunftsvision Deutschlands. © 2017 Wolfgang Brunner für Buchwelten

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„German Angst oft he Great Depression“. So titelt die New York Times im Buch am 29. Juli 2053. Und das nicht ohne Grund. Denn durch das „Ministerium für Glück und Gesundheit“, die durchgängig übliche Orientierung des „Volkes“ auf Tracker, intensive ärztliche Betreuung und bereits Genreparaturen im Mutterleib, in Verbindung mit der Ächtung von Alkohol und Rauchen samt einer so gut wie lückenlosen Überwachung der Bürger hätte man doch im besten Sinne gedacht, dass ein „glückliches und brachial gesundes Volkswesen“ in der Mitte Europas den Vorreiter für die Welt geben kann. Wenn da nur nicht dieser Hand zur Deprression wäre. Vor allem zur gefürchteten „Großen Depression), die bereits Kinder befällt, die für Jugendliche die Gefahr des Suizids ungemein vergrößert und gegen die aktuell noch kein Kraut gewachsen ist. Ein Szenario, dem Lubbadeh als atmosphärische Rahmung der Welt im Buch durchaus nachgeht und damit den Leser fasziniert. Denn hier tauchen keine noch völlig unbekannten technischen Erfindungen auf, sondern das aktuell bereits vorliegende und genutzte ist nur konsequent zu Ende gedacht. Dass die Verbindung zur depressiven Neigung dabei von Lubbadeh im Werk wenig hintergründig, sondern eher platt gesetzt daherkommt, schadet der Faszination für diese Ausgestaltung des Alltags in naher Zukunft kaum. Ist allerdings auch ein Beispiel dafür, dass im Gesamten die Geschichte ein stückweit zu schlich erzählt wird, um den Leser zum Rätselraten einzuladen. In langen Dialogen werden alle Wichtigkeiten der Ereignisse und deren Hintergründe (in manchmal zu sachlicher Sprache) relativ zeitnah dem Leser bekannt gegeben. Dass Lubbadeh auch anders kann und sehr wohl den Blick für spannungsgeladene und emotional dichte Momente besitzt, zeigt sich daher eher an Randszenen (wie ein „Verhör“ einer Wissenschaftlerin durch eine hohe Angestellte des Ministeriums“, in der Angst, Erregung, warmer Atem, ein deformiertes Ohrläppchen und eine intensive Dichte gleichermaßen den Leser ebenso intensiv mit in die Szene hineinnehmen. Und das alles ob des wohl Selbstmordes eines „Behinderten“ (auch das ein gut eingesetztes Thema in dieser Welt des „Gesundheits-Fetisch“, die Lubbadeh plakativ vor Augen führt. Der nur einen ziemlich merkwürdigen Knochenbau besitzt. Und das in unmittelbarer Nähe des Neandertals in Düsseldorf. Was schon auf den ersten Seiten eigentlich die Ausgangslage völlig klärt. Dass nebenbei noch die Geschichte eines Neandertaler-Jägers aus der Zeit vor 40.000 Jahren erzählt wird, vertieft die Klarheit um die Ereignisse natürlich noch, bleibt aber für die eigentliche Geschichte, die Auflösung des Falles, die überaus gut gesetzten Figuren des Kommissars „Nix“ und des gehörlosen Fachmannes „Max“ kaum von Bedeutung und so vor allem für an Frühgeschichte interessierte Leser ein lesenswerter Anteil des Buches. Auch wenn eine echte Spannungskurve durch zu plakative Erzählweise, Ereignisse und zu einfache „Fluchten“ nicht wirklich entsteht, ergibt sich doch eine anregende Unterhaltung eben durch diese nahe und doch fremde Lebensart, die sich auch aus der Gegenwart heraus umgehend und leicht entwickeln könnte. Was nicht unbedingt wünschenswert ist, folgt man den Folgen, die Lubbadeh griffig vor Augen führt.

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Das neue Werk von Jens Lubbadeh ist für mich die Überraschung schlechthin und zudem noch ein richtiges Highlight, wenn auch sehr beängstigend und erschreckend. Das Cover hat mich sofort mit seiner mysteriösen Art sehr angezogen und der Klappentext tat sein übriges. Der Inhalt hört sich zunächst etwas nach einem Ermittler Thriller an, doch weit gefehlt. Zunächst bekommt man zwar dieses Gefühl, doch mit der Zeit verläuft sich das immer mehr und macht viel Größerem Platz. Das Buch ist dabei in drei Teile gegliedert, was sehr passend ist. Denn es erstreckt sich über mehrere Jahre. Das Ganze erfahren wir aus der Sicht der dritten Person und begleiten so verschiedene Menschen auf ihrem Weg. Verschiedene Schicksale die auf gekonnte und brisante Art und Weise miteinander verknüpft werden und voller Tragik und Dramatik sind. Zunächst brauchte ich eine gewisse Eingewöhnungszeit um mich an die verschiedenen Personen und Handlungsstränge zu gewöhnen. Denn es ist doch recht komplex und man muss sich erst einen Überblick verschaffen. Nach einer gewissen Zeit hatte ich den Dreh raus und es gab kein halten mehr. Der Autor schreibt dabei sehr einnehmend, fließend und bildgewaltig. Es brach ein regelrechtes Kopfkino bei mir aus, das es wirklich in sich hatte. Er zeigt uns eine Welt, die sich in der Zukunft befindet und doch so einiges zu bieten hat. Von Zeile zu Zeile hat mich dieses Buch mehr fasziniert und nicht mehr losgelassen. Die Menschen in der Zukunft sind perfekt und gänzlich ohne Makel. Doch sind sie das wirklich? Wie lässt sich Perfektionismus thematisieren, wie realisieren? Oder ist es mehr Schein als Sein? Als das Massengrab in Düsseldorf entdeckt wird, ist es der Beginn einer wahren Odyssee und Hetzjagd ohne Grenzen. Plötzlich verliert sich alles, muss neu geordnet werden und die Blickwinkel verschieben sich merklich. Die Grenzen verschwimmen immer mehr ineinander und man muss selbst überlegen, was richtig und falsch ist. Man hat das Gefühl den Boden unter den Füßen zu verlieren und weiß nicht mehr, was man überhaupt noch glauben oder woran man glauben soll. Wer ist man wirklich? In diesem Buch hat mich ganz besonders Sarah berührt. Denn sie ist ein Kern des Ganzen und es ist nur der Anfang. Es ist ihre Geschichte und gleichzeitig geht es um Vergangenheit und Gegenwart. Es geht um Missstände, Macht und Kaltblütigkeit. Es geht darum, den Galuben an sich selbst und seine Geschichte nicht zu verlieren. Alles zu geben, Stärke und Mut zu zeigen, um irgendwie aus dem ganzen herauszukommen. Es geht darum die Welt besser zu machen und gleichzeitig hat man auch das Gefühl, alles wird zerstört. Die Verzweiflung und Ohnmacht kämpft sich immer mehr an die Oberfläche und man wird ein Teil des Ganzen. Oben oder Unten existiert nicht mehr, man ist mittendrin. Man wird gejagt und jagt gleichzeitig selbst. Hier wird eine Welt offenbart die wirklich beängstigend ist und gleichzeitig ist sie auch technisch geshehen ziemlich versiert. Es hat fast etwas gespenstisches an sich. Dabei stechen Max und Sarah ziemlich heraus. Warum das so ist, erfährt man nach und nach. Und gerade diese beiden Menschen habe ich ganz besonders ins Herz geschlossen, aber nicht nur. Es gab eine Person, die hat mir blankes Grauen beschert und ich konnte die Abgründigkeit und das Kalkül dessen extrem gut spüren. Es hat mir Schauer über den Rücken rieseln lassen und ich wollte nur noch die Augen schließen. Auch über die Hintergründe wird man nicht im Unklaren gelassen und erfährt im Laufe des Geschehen immer mehr darüber, was die Emotionen sprichwörtlich überkochen lässt. Die Handlung selbst ist vielschichtig und spielt sich auch an verschiedenen Handlungsorten ab, was mir sehr gut gefallen hat. Man bekommt ein Gefühl für die Orte, da man auch das ein oder andere Detail erfährt. Interessant waren hier wirklich die Charaktere, denn sie waren undurchschaubar und haben mich immer wieder überrascht und mit meinem Glauben an sie erschüttert und umdenken lassen. Der wissenschaftliche Aspekt des Buches war wirklich sehr interessant und facettenreich. Hin und wieder gab es zwar Momente die mich wirklich grübeln und erstmal ratlos zurückließen, aber im Großen und Ganzen ist es sehr verständlich. Die Einblendungen von Mitschnitten, Briefen sowie Einblicke in die Vergangenheit, fand ich sehr gut. Dadurch konnte man sich noch mehr an alles binden und das Ganze verinnerlichen. Es ist erstaunlich was für einen Sog dieses Werk auf mich ausgeübt hat. Denn von Seite zu Seite nahm die Spannung immer mehr zu. Es wurde explosiver und rasanter. Die Wahrheiten und Erkenntnisse zogen einem die Schuhe aus und oft wusste ich nicht ob ich bleiben oder wegrennen sollte. Die Wut brodelte in mir und gleichzeitig hatte ich auch Verständnis. Die Charaktere sind greifbar, tiefgründig und mit spürbaren Ecken und Kanten versehen. Man kann sich ein Bild von Ihnen machen, sich in sie hineinversetzen und einfach verstehen, was sie antreibt und in Ihnen vorgeht. Der Autor hat hier Wendungen eingewoben die man zwar bis zu einem gewissen Grat kommen sieht, die aber dennoch gut platziert sind und die unterschiedlichsten Emotionen auslösen. Und doch gibt es auch Überraschungen, die man so nie erwarten würde und die dann richtig einschlagen. Es gab Stellen die haben mir wirklich die Tränen in die Augen getrieben. Es ging mir wirklich unglaublich nahe, aber es hat mich auch fertig gemacht und nicht zur Riuhe kommen lassen. Das Ende des Ganzen hat mir gut gefallen. Ich kann schon jetzt sagen, das ich sicher noch einmal etwas von dem Autor lesen werde. Fazit: Jens Lubbadeh hat mit "Neanderthal" etwas sehr gewaltiges, vielschichtiges und enorm emotionales zu Papier gebracht. Ich bin wirklich schwer begeistert, auch wenn ich es extrem beängstigend und erschreckend empfand. Es hat mich grübeln lassen, fertig gemacht und an meine Grenzen gebracht. Die Grundidee wurde hervorragend ausgearbeitet und dabei schafft er es auch, die Charaktere lebendig werden zu lassen, das einem Hören und Sehen vergeht. Es geht viel um Wissenschaft und doch hat es auch Thrillerelemente in sich, was die Spannung immens ankurbelt. Ein explosives und emotionales Werk, das auch mit seinen gut platzierten Webndungen punkten und überzeugen kann. Unbedingt lesen.

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Faszinierende Zukunft

Von: JK

04.12.2017

Deutschland in der Mitte des 21. Jahrhunderts hat sich ganz der Gesundheit verschrieben. Schon seit Jahrzehnten zählen pränatale Optimierungen bei Embryos, bei denen Gene, die zu gefährlichen Krankheiten führen können, entfernt werden, zum Standard. Körperliche Einschränkungen und Krankheiten sind in der Gesellschaft mit sozialen Stigmata belastet. Als der Düsseldorfer Kommissar Philipp Nix die Leiche eines entstellten Mannes untersucht, geht er zunächst von einem Ehrenmord aus. Diese sind in letzter Zeit immer häufiger geworden und Richter bestrafen Familienmitglieder, die sich ihrer entstellten oder behinderten Angehörigen entledigen, zunehmend milder. Der Tote hatte keine Papiere dabei. Auf seinem Smartphone findet sich jedoch ein Hinweis auf die Ausgrabungsstätte im Neandertal. Dort macht die Polizei eine überraschende Entdeckung: Dutzende bisher unentdeckte Neandertalerskelette schlummern im Boden. Die angereisten Berliner Paleantologieexpertern Max Stiller und Sarah Weiss können ihren Augen kaum trauen. Noch nie haben sie so gut erhaltene Skelette gesehen. Eine Datierung kommt zu dem Schluss, dass die Knochen nur wenige Jahrzehnte alt sind und eine Untersuchung des unbekannten Toten in der Gerichtsmedizin deutet auf einen Neandertaler-Mensch-Hybriden hin. Sie können sich nicht erklären, was hier vorgeht. Sie sind dem Projekt Neanderthal auf die Spur gekommen und nun wird von höchster Stelle alles darangesetzt, dieses weiterhin zu vertuschen. Die Seuchenkontrolle ruft plötzlich den Notstand aus, richtet Internierungskamps ein und Nix, Stiller und Weiss werden von ihnen verschleppt. Zu Neanderthal erschien die Prequel-Kurzgeschichte Das Neanderthal-Projekt, die etwas mehr auf das Experiment eingeht, dass im Buch vertuscht wird. Ein wenig irritiert am Buch hat mich der mehrfache Wechsel der Hauptcharaktere. Zunächst wirkte das Buch so, und der Klappentext hat dies auch nahegelegt, als würde Kommissar Nix hier einen Fall lösen. Doch dieser scheidet nach einer Weile komplett aus der Geschichte aus. Es wird nur vereinzelnd richtig spannend, denn die Geschichte benötigt viel Zeit für Erklärungen und Untersuchungen. Der Funke springt dabei einfach nicht über. Die Spekulationen, die Jens Lubbadeh für die Zukunft von Deutschland betreibt, sind dabei allerdings überaus faszinierend, wie schon in seinem Buch Unsterblich. Für mich ist Neanderthal eine Mischung aus Thriller und Dystopie geworden.

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Mit ebenso faszinierenden wie verstörenden Ideen hat mich schon Jens Lubbadehs Romandebüt Unsterblich absolut umgehauen. Es gab zwar das ein oder andere, das mich an diesem Buch nicht ganz überzeugen konnte, aber ich war so gespannt darauf, was Lubbadeh in seinem neuen Roman wieder vorhat, dass ich Neanderthal einfach lesen musste. Und tatsächlich: Auch zwei Tage nach dem Lesen bin ich immer noch baff. Verstört. Angeekelt. Auf eine düstere Art und Weise fasziniert. Lubbadeh ist es mit der Geschichte um einen mysteriösen Knochenfund und die beispiellose Vertuschungsaktion dahinter gelungen, mich komplett in seinen Bann zu ziehen. Schon die Ausgangssituation und das Bild von einem Deutschland 30 Jahre in der Zukunft sind ebenso genial wie abstoßend und erschreckend realistisch konstruiert. Denn im Deutschland der 2050er herrscht (wieder einmal) eine strenge Diktatur. Das Ministerium für Gesundheit und Glück steht an der Spitze einer zweifelhaften Gesellschaftspolitik, in der Menschen, die anders sind, keinen Platz haben. Durch Genmanipulationen werden Behinderungen, Erbkrankheiten, Suchtprobleme und schwere Volkskrankheiten wie Diabetes und Adipositas systematisch ausradiert. Klingt auf den ersten Blick erstrebenswert und gut - schließlich arbeitet man genau daran ja heute schon mit Hochdruck. Aber wie genau entwickelt sich eine Gesellschaft mit diesem wissenschaftlichen Fortschritt? Lubbadeh zeichnet hier ein erschreckendes Szenario, das leider jedoch ziemlich vorstellbar scheint. Die Deutschen in den 2050er Jahren sind alle gleich - beziehungsweise sie streben danach, gleich zu sein. Gesund, fit, schön. Wer anders ist, sich nicht den regelmäßigen Gesundheitstests und Genmanipulationen unterzieht oder sich gar selbstverschuldet einer Sucht hingibt und sich absichtlich nicht fit hält, wird geächtet, ausgegrenzt und sogar von den Krankenkassen sanktioniert. Denn diese "regieren" Deutschland inoffiziell. Und mal ehrlich: Ist das nicht jetzt schon teilweise so? Lubbadeh nimmt unsere heutige Gesellschaft und treibt den Wahn vom Perfektsein auf die Spitze, um zu zeigen, wohin das alles in der Zukunft führen kann. Absolute Gesundheitskontrolle durch den Staat, maximale Abhängigkeit von den Krankenkassen, der ständige Druck, genauso zu sein, wie alle sind. Für mich ist das eine entsetzliche Vorstellung. Natürlich - Erbkrankheiten und den Ausbruch bestimmter Erkrankungen sicher verhindern zu können, klingt erstmal fantastisch. Aber Lubbadeh gibt zu bedenken, dass es immer zwei Seiten der Medaille gibt. Und wer das eine ausradiert, beschwört damit vielleicht das andere herauf... Wer jetzt denkt, das Ganze klingt doch verdächtig nach Rassenwahn, Eugenik und Euthanasie - der liegt goldrichtig. Denn Lubbadeh nimmt nicht nur unterschwellig Bezug auf den Nationalsozialismus, sondern immer wieder ganz explizit und offensichtlich. Etwa durch Begriffe wie "Gesundheitsfaschismus" oder eben die Ausgrenzung von Behinderten, die (vom Staat nur leicht bestraft und eher geduldet) vermehrt Ehrenmorden durch eigene Familienmitglieder zum Opfer fallen, damit diese die Schande nicht mehr ertragen müssen. Holla - Lubbadeh gibt uns in Neanderthal eine immense Menge Stoff zum Nachdenken und bringt uns vor allem dazu, uns selbst und unsere Ideale zu reflektieren. Der Traum vom perfekten Leben, vom perfekten Körper - ist der am Ende wirklich so perfekt? Zu dieser verstörenden Ausgangssituation kommt dann ein mysteriöser Todesfall hinzu, der einen Skandal ins Rollen bringt, der die gesamte Gesundheitspolitik in Deutschland ins Wanken bringen könnte. Der Fund einer seltsam deformierten Leiche führt Kommissar Nix und seine Kollegen zu einem Massengrab im Neandertal bei Düsseldorf - dem Ort, an dem die ersten Überreste eines Neandertalers gefunden wurden. Und seltsamerweise zeigen die Toten im Massengrab eindeutige Merkmale der Spezies Homo neanderthalensis, liegen jedoch noch nicht einmal seit 100 Jahren dort. Nix steht vor einem Rätsel und lässt die Knochen von den Anthropologen Sarah und Max untersuchen - beide sind "anders" (Sarah mit über 2 m deutlich zu groß für eine Frau, Max ein Gehörloser in einer Welt, in der es kaum noch Menschen mit Behinderung gibt). Der Fall entwickelt sich in einem rasanten Tempo zu einem unfassbaren Skandal und wird mit jedem aufgedeckten Puzzlestückchen verworrener und spannender. Lubbadeh taucht tief ein in die Welt der Genmanipulationen, wirft das auch im Deutschland der 2050er noch heiß umstrittene Thema des illegalen Klonens auf und zieht den Leser tief hinein in einen Strudel aus Wissenschaft und Ethik. Ich möchte natürlich nicht zu viel verraten, aber was es mit den mysteriösen Neandertaler-Knochen auf sich hat, ist so absurd, dass es schon fast wieder möglich erscheint. Ich war unglaublich fasziniert von Lubbadehs Ideen - irgendwie ist Neanderthal ein bisschen wie ein Unfall. Es ist furchtbar, schrecklich, grausam und man möchte wegsehen. Doch man kann nicht, weil es einen trotz allem auf eine morbide Art und Weise fasziniert. Was für eine geniale Konstruktion! Für mich ließ sich Neanderthal wesentlich besser lesen als Lubbadehs Romandebüt. Die Geschichte ist spannender, brisanter, verstörender. Aber sie hat trotz allem wieder ein paar Problemchen, die mich etwas gestört haben. Vor allem fehlte der Handlung meiner Meinung nach ein klarer Fokus. Man geht anfangs davon aus, dass Komissar Nix der Protagonist ist, doch bereits nach den ersten Kapiteln wird er von den Wissenschaftlern Sarah und Max abgelöst. Lubbadeh springt von Protagonist zu Protagonist und erschwert es dem Leser damit, mit den Charakteren mitzufiebern. Tatsächlich werden die handelnden Personen teilweise auf einzelne Merkmale reduziert (Sarah auf ihre Größe und körperlichen Makel, Max auf seine Taubheit, die Gegenspieler auf ihre Verbissenheit und Skrupellosigkeit) und sind mir daher etwas zu stereotyp und zu wenig menschlich. Nicht gekennzeichnete Zeitsprünge (teilweise über 20 bis 30 Jahre) und Ortswechsel stören den Lesefluss zusätzlich - handwerklich ist hier also auf jeden Fall noch allerhand Luft nach oben. Thematisch und spannungstechnisch aber ist dieses Buch sensationell! Rezension: Ein Buch, das man nicht aus der Hand legen kann, selbst wenn man es wöllte. Jens Lubbadehs Neanderthal ist unfassbar spannend, faszinierend, verstörend - und diese wirren und doch so vorstellbaren Ideen lassen einen so schnell nicht los. Für mich die perfekte Mischung aus großer Unterhaltung und aktuellem Zeitbezug - auch wenn die Handlung hier und da ein paar kleine Schwächen hat. Über diese sieht man angesichts der brisanten und rasanten Entwicklungen jedoch leicht hinweg.

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