Leserstimmen zu
Nach einer wahren Geschichte

Delphine de Vigan

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Wahr, was ist das? Darüber wird nicht nur vor Gericht gestritten, denn jede erinnerte Wahrheit besteht mehr aus Zusammengereimten als aus unumstößlichen Fakten. Was also kann an einer Geschichte wahr sein? Oder an einem Roman nach einer wahren Geschichte? Darf ein Roman überhaupt wahr sein? Delphine de Vigan macht diese spannenden Metafragen zum Gegenstand ihres neuen nicht minder spannenden Romans mit dem suggestiven Titel Nach einer wahren Geschichte. Die Schwierigkeit über Privates zu schreiben thematisierte die Autorin bereits in Das Lächeln meiner Mutter. Die Last des Erfolgs, den ihr dieser biographische Roman bescherte, schildert Vigan zu Beginn ihres neuen. Dessen Protagonistin Delphine trägt nicht nur den gleichen Vornamen wie die Autorin, sie lebt wie diese mit zwei fast erwachsenen Kindern in Paris, hat einen Partner, der im Buchbetrieb tätig ist, und arbeitet als Schriftstellerin. Alleine wieviel von der Geschichte, die dieses Grundgerüst trägt, aus Fiktion oder Fakten konstruiert ist, bleibt offen. Wir wissen also nicht, ob Delphine de Vigan wie ihre Figur Delphine tatsächlich eines Abends auf einer Party einer Frau begegnete, die bald zur Freundin und schließlich zur unentbehrlichen Beraterin wird. Auch wenn dies genau die Frage ist, die der Leser laut Vigan, so dringend zu wissen wünsche. Diese Andere, in der Geschichte nur mit der Initiale L. bezeichnete, diese Elle bleibt jedoch mysteriös. Im Laufe des Romans lockt sie den Leser zu verschiedenen Interpretationen. Mal scheint sie pure Fantasie, mal eine schizophrene Ausgeburt, dann ein Geist oder eine Traumgestalt. In der Art wie sie sich in Delphines Leben drängt, erweist sie sich sogar als Stalking-Albtraum. Er beginnt als Delphine erschöpft von den unzähligen Lesereisen, Diskussionsrunden und Interviews einen anonymen Brief erhält. Kaum hat sie ihn gelesen, ruft ausgerechnet ihre Partybekanntschaft L. an, der sie erleichtert von den Drohungen des Briefeschreibers berichtet. Erst viel später fragt sich Delphine, woher L. ihre Handynummer hatte. Die beiden Frauen kommen sich näher, erzählen sich von ihrem Leben. Anders als Delphine lebt L. alleine, sie hat keine Kinder und keinen festen Partner. Auch sie ist Autorin, eine Ghostwriterin für Schauspieler und andere Stars. Sie ist geübt durch Fragen in das Innere eines Anderen zu dringen, fast wie eine Psychoanalytikerin, denkt Delphine. „Es dauerte nie lange, bis L. die richtige Frage stellte oder die Bemerkung machte, an der ihr Gesprächspartner merkte, dass nur sie imstande war, ihn zu verstehen und zu trösten. L. wusste nicht nur auf den ersten Blick den Grund der Verstörung herauszufinden, vor allem fand sie den Riss, der, so tief er auch vergraben sein mag, in jedem von uns steckt.“ Delphines Verstörung ist die Schreibhemmung, die der überbordende Erfolg ihres letzten Romans ausgelöst hat. Es fällt ihr schwer, die Kraft für ein neues Projekt aufzubringen, trotz Unterstützung der neuen Freundin. Doch als sie dieser endlich ihre neue Idee präsentiert, ein Roman über die Manipulation von Darstellern in Reality-Shows, rät L. ihr vehement ab. Schriftsteller sollten sich dem Autobiographischen widmen und alle anderen Themen den Drehbuchschreibern überlassen. Literatur sollte vom wahren Leben erzählen, nicht davon ablenken. Doch L.s Forderung nach einer „wahren Geschichte“ treibt Delphine von der Schreibhemmung in die totale Schreibphobie. In ihrer Depression ist sie keines einzigen geschriebenen Worts mehr fähig, sei es eine noch so banale Notiz. L. wird zu ihrer rechten Hand, sie übernimmt die Beantwortung aller Anfragen, auch die Briefe von Delphines Freunden, die sie so von ihr fernhalten kann. L. isoliert sie, sie führen eine exklusive Freundschaft, weder Delphines Kinder noch ihr Freund François bekommen L. zu Gesicht. Je länger ihre Freundschaft dauert um so mehr schöpft Delphine Verdacht, daß etwas mit L. nicht stimmt. Dabei erschien sie ihr anfangs als Idol. „L. war vollkommen.“ „L. war genau die Sorte Frau, die mich fasziniert.“ „Wie lange braucht man, um so eine Frau zu werden?“ Doch anstatt sich L. anzugleichen, ist es L. die Delphine immer ähnlicher zu werden scheint. Ihr Aussehen, die Art sich zu bewegen und zu sprechen. Delphine bezeichnet es in der Rückschau, aus der sie diese ganze Geschichte erzählt, als „Behexung“. L. scheint die Symbiose anzustreben. Als sie jedoch bemerkt, daß Delphine sie allmählich durchschaut und ihr Verhalten für einen neuen Roman dokumentiert, versucht sie die Identität der Freundin vollkommen zu okkupieren, bis zur letzten Konsequenz. Vigans hochreflektiver Roman über Identität und Täuschung ist gleichzeitig eine kluge Auseinandersetzung mit dem Schreiben und dem Lesen. Sie zeigt, aus welchen inneren wie äußeren Quellen sich Literatur speist. Stets ist es die Kombination aus Erlebtem und Erfundenem und sei die Geschichte noch so wahr. Ihr Roman übt auf augenzwinkernde Weise Medien- und Literaturkritik. Die spannende psychologische Handlung unterbricht sie mit Überlegungen zur Manipulationsmacht von Literatur. Sie kritisiert die inflationäre Mode der Memoirs und ermutigt die Leser zur kritischen Rezeption sogenannter authentischer Stories. Anders als ihre Figur L. verlangt Vigan für die Literatur Phantasie und erweist ihr durch die Details aus fremden Büchern und Filmen in diesem Roman die größte Reverenz. Da mir dieser Roman in seiner Hörversion vorlag, sind mir ohne die Möglichkeit des Nachschlagens, vor allem Sie von Stephen King, David Vanns Im Schatten meines Vaters und Bryan Singers Film Die üblichen Verdächtigen in Erinnerung geblieben. Das Hörbuch ist trotzdem empfehlenswert. Nie war es schöner, die Geschichte zweier Frauen von einer einzigen vortragen zu lassen. Martina Gedeck verleiht der Erzählerin wie ihrer Gegenspielerin einen individuellen, stimmigen Ton. Es gelingt ihr die zeitweise fast bis zur Verschmelzung vollzogene Annäherung hörbar zu machen.

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Nach und nach fällt es der Autorin Delphine immer schwerer zu schreiben. Bis sie irgendwann nicht einmal mehr eine E-Mail verfassen kann. Nur ihre Freundin L. was von ihrem Geheimnis, ja, sie ist es sogar die Delphine deckt und ihre Texte verfasst, als jene nicht einmal mehr zwei Worte miteinander verbinden kann. Delphine hat gerade ihren großen Roman veröffentlicht. Die Geschichte ihres Lebens, die sie schnell zu einer der meist gefeiertsten Autoren Frankreichs machst. Doch immer wieder muss sie sich die gleiche Frage anhören: Wie viel aus dem Roman, der auf wahren Begebenheiten basiert, entspricht wirklich der Wahrheit und was wurde hinzugefügt? Gleichsam stellt sie sich die Frage, was sie überhaupt noch als nächstes schreiben soll oder vielmehr schreiben kann, denn im Schatten dieses Romans wird jedes andere Buch keine Chance mehr haben. Mitten in dieser Sinnkrise trifft sie auf einer Party die überaus beeindruckende L., die schnell zu einem festen Bestandteil von Delphines Leben wird, sie als Freundin unterstützt und ihr gleichzeitig immer wieder die Frage stellt, wann sie denn endlich ein neues Buch verfassen wird. Es ist auch L., die als erstes bemerkt, dass Delphine nicht mehr schreiben kann und nahe zu in Panik verfällt, wenn sie nur einen Brief beantworten soll. Und somit übernimmt L. nach und nach das Schreiben für Delphine. Und obwohl Delphine ihrer neuen Freundin kaum dankbarer sein könnt, kann sie doch nicht das Gefühl abschütteln, dass mit L. irgendetwas nicht stimmt. Phänomenaler Roman mit unglaublich guter Erzählstimme Mit Nach einer wahren Geschichte ist Delphine de Vigan ein wahres Meisterwerk gelungen, welches sich mit zwei großen Fragen der Literatur auseinandersetzt. Zum einen thematisiert der Roman den Roman als solches. Er fragt danach was ein Roman leisten kann, was er über einen Autoren aussagt und vor allem wie viel Wahrheit ein Roman enthalten kann. Selbst bei einem autobiographischen Roman schwingt immer die Perspektive des Autors mit und wird uns niemals ein objektives oder wahres Bild liefern können. Zum anderen fragt Nach einer wahren Geschichte was überhaupt „wahr“ ist. Wann wird etwas zur Wahrheit oder Wirklichkeit? Wenn genug Menschen an etwas glauben, wird es dann wahr? Und wenn dieses Wahre von einem Autor festgehalten wird, entspricht es dann immer noch der Wahrheit oder wird es lediglich zu einer Geschichte, wie jede andere? „Selbst wenn es geschehen ist, selbst wenn etwas geschehen ist, was dem gleicht, selbst wenn etwas nachprüfbare Fakten sind, bleibt es immer noch eine Geschichte, die man sich erzählt. Wir spielen uns gegenseitig etwas vor. Und im Grunde ist vielleicht das das Entscheidende.“ – Nach einer wahren Geschichte – Delphine de Vigan Diese Frage nach der Wahrheit ist es, die die Protagonisten immer wieder in Gesprächen thematisieren. Auch sorgen sie dafür, dass Delphine jene Filme und Bücher, die sie sieht und liest, immer kritischer hinterfragt, denn viel zu viele basieren auf wahren Begebenheiten, ohne dass sie kennzeichnen würden, wo die Fantasie aufhört und die Wahrheit beginnt. Und so ist es auch sie, die Erzählstimme des Romans – und somit des ungekürzten Hörbuchs –, die uns immer wieder darauf hinweist, dass das, was wir gerade lesen, nur ein Roman ist. Eine Geschichte, die zwar für sich beansprucht Nach einer wahren Geschichte entstanden zu sein und dennoch nur ein Roman ist. Dieser unzuverlässige Erzähler, der uns permanent eine Geschichte als autobiographisch verkaufen möchte nur um dann wieder zu sagen, dass wir ihm auf keinen Fall trauen dürfen, ist es, die diesen Roman zu einem der besten macht, den ich jemals gelesen habe. Eine Stimme zum verlieben, eine Stimme, der man nicht trauen darf In der ungekürzten Hörbuchfassung von Randomhouse Audio verleiht die Schauspielerin Martina Gedeck (Nachtzug nach Lissabon, Das Tagebuch der Anne Frank) Delphine ihre Stimme. Ihre sanfte, melancholisch und gleichzeitig kräftige Stimme, lässt direkt das Bild einer fröhlichen Französin entstehen, die durch die Straßen von Paris streift, mit ihren Freunden philosophiert und sich ihrer Macht als Frau durchaus bewusst ist. Sie entführt den Zuhörer in ihre eigene Welt und dort bleibt ihm nichts anderes übrig, als gebannt an ihren Lippen zu hängen und jedem ihrer Wörter zu lauschen, bis sie ihre Erzählung beendet hat. Dabei bin ich sehr, sehr froh, dass sich der Verlag gegen eine gekürzte Fassung entschieden hat, denn Nach einer wahren Geschichte ist ein Roman, der von jedem noch so winzigen Detail lebt. Eine Geschichte über eine beiläufige Geschichte über einen Fantasiefreund kann schnell dafür sorgen, dass man das komplette Geschehen der Geschichte in Frage stellt. Und dieser eine Nebensatz, der viele Seiten später noch einmal aufgegriffen wird, bekommt plötzlich eine vollkommen neue Bedeutung, wenn man ihn in einem anderen Zusammenhang liest. Und genau diese Überraschungen, die der Roman beinhaltet, werden von Gedecke mal nachdenklich, mal voller Überzeugung nicht nur vorgelesen, sondern mit Leben versehen. Und immer ist es ihr leicht schelmischer Unterton, der uns fragt: „Ist dies alles wahr?“

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Der schriftstellerische Erfolg ist für Delphine ein zweischneidiges Schwert. Ihre Leser erwarten einen neuen Bestseller von ihr, doch ihr bleiben die Ideen aus. Gerade in diesem Moment der Krise taucht L. in ihrem Leben auf. Ganz selbstverständlich und scheinbar uneigennützig kümmert sie sich um Delphine, wird ihre Vertraute und beste Freundin. Doch Delphine entdeckt Ungereimtheiten an deren Identität und erste Zweifel kommen ihr an L.'s Aufrichtigkeit. Sie versucht sich zu lösen, Abstand zu gewinnen, aber L. übernimmt die Kontrolle, bis es fast zu spät ist. Delphine de Vigan spielt gekonnt mit der menschlichen Vorstellungskraft. Schon bevor man die ersten Szenen erlebt, beginnt das Spiel. Zufall, dass die Hauptprotagonistin den gleichen Vornamen wie die Autorin trägt oder erzählt sie ihre eigene Geschichte? Ist es möglich, dass man fremd bestimmt gegen den eigenen Willen gesteuert wird, ohne es zu merken, es sogar als Hilfe ansieht? Unvergleichlich gut gesprochen von Martina Gedeck erlebt man im Hörbuch das facettenreiche Spiel um Fiktion und Wirklichkeit. Schon zu Beginn erfährt man, dass L. - im französischen ausgesprochen "elle" also "sie" - von Delphine für ihre Schreibblockade verantwortlich gemacht wird. Das Warum steht hier im Vordergrund. "Heute weiß ich, dass einzig und allein L. der Grund für meine Schreibunfähigkeit war. Und dass mich die beiden Jahre, in denen wir in Beziehung standen, fast endgültig zum Schweigen gebracht hätten." Delphine erzählt in der Ich-Form von ihrer Begegnung mit L., einer Ghostwriterin. Anfänglich harmlos entsteht ein Disput der Frauen, über den Inhalt des neuen Romans. Dabei wird gekonnt die Autor-Leser-Beziehung betrachtet. Wie viel darf ein Autor von sich selbst aufgeben, um die Erwartungshaltung seiner Leser nicht zu enttäuschen. Dann fassungslos, verfolgt man den Wandel der beiden Frauen. Die anfänglich zurückhaltende L., die Delphine als Autorin schätzt, übernimmt mehr und mehr deren Rolle. Kopiert ihr Aussehen, übernimmt als Doppelgängerin Lesungen und beantwortet deren E-Mails oder ist dies nur eine Erfindung von Delphine, die mit ihrem Erfolg nicht zurechtkommt. Man stellt sich die Frage, ob dies eine Erfindung von Delphines Krise sein kann oder dies alles wirklich geschehen ist? Der Roman wandelt sich zum Psychothriller, der Steven Kings Kapitelüberschriften immer ähnlicher wird. Ein kluges Verwirrspiel beginnt, an dessen spannungsgeladenem Ende man nicht sagen kann, welcher Version man nun Glauben schenken soll. Dieser Roman hat mich nicht von Anfang an in seinen Bann gezogen, am Ende aber alle Register gezogen, um mich sprachlos zurückzulassen.

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Jetzt möchte ich euch ein Hörbuch vorstellen, welches mir sehr ans Herz gewachsen ist. Ein Hörbuch, wo ich jede Minute "inhaliert" habe, welches einen ungewöhnlich hohen Sog auf mich hatte. "Nach einer wahren Geschichte" von Delphine de Vigan. Die Schriftstellerin Delphine ist mitten in einer Schreibblockade. Ihr fällt es nicht nur schwer, ein neues Buch anzufangen, sie kann keinen Stift zur Hand nehmen, keine Überweisungen ausfüllen. Sie kann nicht mehr schreiben. In dieser Zeit trifft sie auf L.. Es scheint eine zufällige Begegnung zu sein und L. ist ganz anders. Sie ist offen, sie packt die Dinge an und sie schleicht sich immer mehr in Delphines Leben ein. Sie bezieht ein Zimmer in deren Wohnung, nimmt vieles in die Hand und bestimmt das Leben von Delphine. Doch mit der Zeit wird das Verhältnis immer angespannter. L. ist überall und L. nimmt sich Dinge heraus, die man als gute Freundin nicht macht. Aber ist es wirklich so, oder spinnt sich Delphine etwas zusammen? Die Geschichte um die Schriftstellerin Delphine hat mich mitgenommen und gefangen gehalten. Es ist ein großer Sog, den das Hörbuch auf mich auslöste und mich faszinierte. Und immer stand irgendwie die Frage im Raum, was ist Realität, was ist Fiktion. Wie viel von der Schriftstellerin Delphine de Vigan steckt in der Figur Delphine aus ihrer Geschichte. Als Hörer hat man schon recht früh heraus, dass mit L. irgendwas nicht stimmt. Sie ist auf einmal da, es scheint ein Zufall zu sein, aber ihr Verhalten, das ist schon sehr zweifelhaft. Für Delphine ist es in dem Moment ein Segen. Da ist jemand der er zur Seite steht, der ihr Helfen möchte. Aber nach und nach kommt es ihr komisch vor. Denn L. beginnt nach und nach sich immer mehr in ihr Leben einzumischen. Und die Geschichte wird dann nach und nach zu einem Thriller. Sehr packend und spannend. Martina Gedeck hat die passende Stimme für dieses Hörbuch gehabt. Ruhig und ohne große Emotionen liest sie das Buch. Sie trägt die Geschichte in die Welt hinaus. Schon von der Stimme her, konnte ich nicht aufhören, dieses Hörbuch zu hören. Ich kann es kaum in Worte fassen, Martina Gedeck und das Buch passen zusammen. "Nach einer wahren Geschichte" von Delphine de Vigan ist mein Hörbuchhighlight in diesem Jahre. Mich hat schon lange kein Buch mehr so berührt, meinem Atem anhalten lassen und mich immer wieder vor die Frage gestellt: Was ist Fiktion und was ist vielleicht doch so passiert. Mit der Stimme von Martina Gedeck ist es eine perfekte Umsetzung des Buches.

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Ich habe mich schon immer gefragt, wer sich bloß für die ganzen Reality-Shows und Doku-Soaps interessiert, von denen es in den Fernsehprogrammen nur so wimmelt. Dieses Hörbuch von Delphine de Vigan könnte Aufschluss geben. Die Protagonistin heißt ebenfalls Delphine, ist Schriftstellerin und befindet sich in einer Schaffenskrise. In ihrem letzten erfolgreichen Buch, das vom Selbstmord ihrer Mutter handelt, gab sie zu viel preis und hat seitdem keine Zeile geschrieben. Ihr Leben erfährt eine Wende, als sie auf einer Party eine Frau kennenlernt, die sie fortan L. nennt. Sie ist fasziniert von der hübschen und intelligenten Frau, die richtig Anteil an Delphines Leben und Krise nimmt. Das glaubt sie zumindest und lässt es zu, dass L. nicht nur in ihre Wohnung zieht und Aufgaben für sie übernimmt, sondern auch immer mehr Kontrolle über Delphines Leben gewinnt. L. ist Ghostwriterin für Prominente und gibt ihrer neuen Freundin zu verstehen, dass die Leser nicht an Fiktion, sondern an Geschichten mit Echtzeitszertifikat, am Klang der Wahrheit interessiert sind. Als Delphine allmählich begreift, welche Gefahr von L. ausgeht, reißt sie das Ruder herum. Die Geschichte hat eine unglaubliche Sogkraft, allein durch die Verschmelzung zwischen Konstruktion und Inhalt. Beide Frauen beschäftigen sich mit den Grenzen zwischen Fiktion und Realität und experimentieren mit Erzählformen. Erst macht sich L. in Delphines Leben breit, um sie zu manipulieren, später taucht Delphine in das Leben von L. ein, um einen Roman über sie zu schreiben. Sie spiegeln sich zunehmend in der anderen Person und als Leser ist man sich nicht mehr sicher, ob es sich um zwei Identitäten handelt oder ob L. eine fiktive Figur, eine Wunschprojektion oder auch Delphines Gewissen darstellt. Martina Gedeck ist perfekt für die Rolle der Sprecherin und trägt durch ihren mal energischen, mal feinfühligen Ton einiges dazu bei, dass man sich in Delphines Gedankenwelt begeben und die beängstigenden und bedrohlichen Schwingungen mitfühlen kann. Ich habe schon einige Bücher gelesen, die von Schriftstellern, ihren Krisen und dem Schreibprozess handeln, doch dieses ragt durch seine originelle Idee und experimentellen Umsetzung besonders heraus. Es wirft viele Fragen auf, zum Beispiel, was es heißt, mit der eigenen Geschichte in der Öffentlichkeit zu stehen oder wie viel Fiktion und Realität die Leser erwarten. Manche Biografien werden vielleicht erst lesenswert, wenn sie ein wenig ausgeschmückt werden. Dann fiel mir der Roman „Die Fotografin“ von William Boyd ein, der reine Fiktion ist, aber so authentisch erzählt wird, als hätte es die Figur Armory Clay tatsächlich gegeben. Delphine de Vigan hat auf jeden Fall alles richtig gemacht und mit ihrer spannend konstruierten und ausdrucksstark erzählten Geschichte, ob wahr oder unwahr, meine Erwartungen übertroffen.

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Delphine de Vigans neuester Roman „Nach einer wahren Geschichte“ lässt den Leser bzw. Hörer an die Grenzen von Wahrheit und Fiktion gehen bis beides verschwimmt und nicht mehr klar auszumachen ist: Was ist echt und was nicht? In „Nach einer wahren Geschichte“ trifft die angesehene Schriftstellerin Delphine auf die Ghostwriterin L. Beinahe sofort entsteht eine tiefe Freundschaft zwischen den beiden. Sie tauschen sich aus, fühlen einander verbunden. Sie führen Diskussionen über den Wahrheitsgehalt von Geschichten. L. ist der Ansicht, dass Geschichten immer wahr sein müssten. Das irritiert Delphine und lässt sie an sich zweifeln. So sehr, dass sie in eine schwerwiegende Schaffenskrise gerät, in der ihr kein Text mehr gelingen will, ja, es sogar soweit geht, dass sie nicht einmal mehr ihren Computer anschalten kann, um einfache Mails zu beantworten. Da ist L. zur Stelle. Sie hört ihr nicht nur zu und versteht sie, sondern hilft ihr auch, indem sie ihr viele Dinge im Haushalt, aber auch ihrer künstlerischen Tätigkeit abnimmt. Sie beantwortet Mails, sagt Interviews ab und bittet den Verlag um zeitlichen Aufschub. Delphine ist erleichtert und sieht in L. eine Verbündete, wie es ihre bisherigen Freunde und Freundinnen nie waren. L. fasziniert sie. L. ist immer da. L. kann sie vertrauen und L. kennt sie besser als Delphine sich selbst, aber irgendetwas ist da, was sie stört, was ihr merkwürdig vorkommt. Ist L. die eine Person, der sie vertrauen kann? Martina Gedeck verleiht Delphine eine ausdrucksvolle Stimme, wodurch die Lesung an Kraft und Stärke und die Personen an Authentizität gewinnen. Die ruhige, aber doch bestimmende Tonart der Sprecherin unterstreicht den Inhalt und die Aussage des Buches auf gekonnte Art und Weise, weshalb ich es nicht bereue, mich für die Hörbuchversion entschieden zu haben. Der Roman selbst kommt ohne Ausschmückungen daher, ist klar und präzise erzählt, wenn nicht sogar ein wenig unterkühlt. Dennoch handelt es sich um einen Psychothriller, den man so schnell nicht mehr vergisst. Es sind die Kleinigkeiten im Geschehen, die auf den Leser/Hörer bedrückend und mitreißend zugleich wirken. Zum Beispiel der Name, L., der nie im Ganzen genannt wird und ihr dadurch eine Art mystischen, unnahbaren, aber doch interessanten Charakter verleiht. Bis zum Schluss und vielleicht sogar darüber hinaus wird eine beinahe unerträgliche Spannung aufgebaut und aufrechterhalten, die einen letzten Endes an allem Zweifeln lässt. Was ist Wahrheit, was ist Fiktion? Diese Frage lässt sich auch nach Beendigung des Buches nicht beantworten, das ist aber auch gar nicht gewollt. Vielmehr hat die „wahre“ Geschichte die Intension den Leser etwas verwirrt, aber vor allem nachdenklich zu hinterlassen. Er soll sich fragen, ist die Geschichte wahr oder ist sie es nicht? Das ist de Vigan auf höchst unspektakuläre, aber sehr intensive Art und Weise gelungen. Man wird sich noch lange fragen: Spricht sie von sich selbst oder ist es doch bloß Fiktion?

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Hallo Heute möchte ich das Hörbuch von Delphine de Vigan vorstellen. :) Hierbei handelt es sich um eine wahre Geschichte. Ich muss sagen, dass mir diese Hörbuch sehr gut gefallen hat und ich dieses bei gelegenheit nochmal anhören werde. :) **** Name: Nach einer wahren Geschichte Autor: Delphine de Vigan Gelesen von Martina Gedeck Ausgabe: Audio CD 21,99- € (Hier) ISBN: 978-3-8371-3641-8 Erschien: August 2016 Verlag: Random House Audio Gesamtlaufzeit: ca. 9 h 37 min. , 8 CD´s Inhalt/ Klappentext: Delphine ist eine gefeierte Schriftstellerin, doch der Erfolg ihres letzten, überaus erfolgreichen Romans stürzt sie in eine Schaffenskrise. Da lernt sie scheinbar zufällig eine Frau kennen, die sie fasziniert: L. Völlig selbstlos nimmt L. ihr Erledigungen und Pflichten ab – und einen immer größeren Teil ihres Lebens ein. Als Delphine entdeckt, dass L. sogar ihre intimsten Notizen liest, spitzt sich die Situation zu: Ist Delphine paranoid oder liegt der wahre Stoff für ihren nächsten, großen Roman direkt vor ihren Augen? Martina Gedeck leiht de Vigans preisgekröntem Meisterwerk ihre unverwechselbare Stimme. ( Quelle: Amazon, Random House Audio, Delphine de Vigan, Nach einer wahren Geschichte) **** Meine Meinung: Dieses Hörbuch hat es geschafft mich von Anfang bis zum Ende zu fesseln. Direkt zu Beginn des Hörbuches wird es dem Hörer direkt deutlich, dass die Autorin von ihren eigenen Erfahrungen spricht. Diese lernt man im laufe des Hörbuches immer mehr kennen und man erfährt etwas über ihre Ängste und Wünsche. Bei diesem Hörbuch erfährt man etwas über zwei Autorinnen die aufeinander treffen und zudem ihre Leben gegenseitig beeinflussen. Jedoch steht bei diesem Hörbuch die Autorin Delphine de Vigan im Vordergrund. Durch dieses Hörbuch erfährt der Hörer vieles über die Welt eines Autoren. Die Leserin Martina Gedeck empfand ich als sehr angenehm. Sie hat die Geschichte sehr gut an den Leser vermittelt Ich gebe diesem Hörbuch 4 von 5 Sternen. ⭐️⭐️⭐️⭐️ Lg Verena/ Instagram: Chino_Kafuu_Chan

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Delphine de Vigan versteht es in ihrem atmosphärisch dichten Roman "Nach einer wahren Geschichte" den Leser zu fesseln, zum nachdenken zu bringen und schließlich verwirrt wieder sich selbst zu überlassen. Die erfolgreiche, aber zurückhaltende Autorin Delphine lernt auf einer Party die faszinierende L. kennen, die als Ghostwriterin arbeitet. Delphine ist glücklich über die Gemeinsamkeiten und fühlt sich verstanden wie schon lange nicht mehr. Ungewöhnlich schnell entwickelt sie ein freundschaftliches Verhältnis zu der klugen eleganten Frau. Als sie L. gegenüber die Idee für ihr nächstes fiktives Buch preisgibt, reagiert diese ablehnend und fordert immer vehementer, dass Delphine über die Wahrheit schreiben müsse. Bald darauf gerät Delphine in eine massive Schreibblockade, in der ihr L. nicht von der Seite weicht und immer mehr Bereiche ihres Lebens übernimmt. Ich entschied mich für das Hörbuch-Version dieses Romans und habe es nicht bereut. Gelesen wurde es von der Schauspielerin Martina Gedeck, die mit ihrer Stimme eindrucksvoll die immer dichter und bedrückender werdende Stimmung verdeutlichen konnte und die Protagonisten in den Dialogen authentisch lebendig werden ließ. Das Cover zeigt auf rotem Hintergrund das stilvolle Profil einer jungen Frau, von der man sich fragt, ob dies eine echte Fotografie zu der laut Titel erwähnten "wahren Geschichte" ist. Da es sich bei diesem Buch jedoch ausgewiesenermaßen um einen Roman handelt, kann dies nur eine Vermutung sein, die im Laufe des Buches allerdings aufgrund des andersartigen Aussehens der im Buch agierenden Personen jedoch entkräftigt wird. So ist bereits das Cover ein erstes Verwirrspiel, das die Autorin hier beginnt. Da die Protagonistin des Buches jedoch ihren Namen trägt, erweckt dieser Roman schnell den Eindruck, dass Delphine de Vigan hier auf eine sehr ruhige und unaufgeregte Weise von ihrem großen Erfolg „Das Lächeln meiner Mutter“ und ihrem Leben als Autorin, aber auch als Privatperson berichtet. Das alles geschieht in nachvollziehbarer und interessanter Weise, so dass man als Leser viel übers Schreiben erfährt und das Gefühl hat, die sympathische Autorin tatsächlich etwas besser kennenzulernen. So ist es auch tragisch mitzuerleben, wie sich aus der scheinbar hilfsbereiten und vertrauenswürdigen L. immer mehr eine übergriffige, seltsame, besitzergreifende und neurotische Frau entwickelt, die von der faszinierenden Freundin schließlich zur unberechenbaren Kontrahentin wird. Gleichzeitig erwecken Diskussionen zwischen Delphine und L., bei denen es um die Erwartungshaltung der Leser gegenüber dem Wahrheitsgehalt von Büchern geht, irgendwann Skepsis gegenüber des Buches, das man gerade liest und bei dem man von vornherein automatisch einen großen Wahrheitsgehalt vorausgesetzt hatte. So gerät man nebenher immer mehr ins Nachdenken und glaubt diesem Buch immer weniger, obwohl man mit Delphine mitfiebert. Die Autorin spielt hier gekonnt mit dem Leser, lässt schließlich auch noch an Delphine zweifeln und entwickelt dadurch einen Spannungsbogen, der einen unbedingt wissen lassen will, wie sich diese ganze Situation auflöst.

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