Leserstimmen zu
Die Enthüllung

Mario Vargas Llosa

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Hörbuchsprecher Hanns Zischler ist insbesondere als Schauspieler (Tatort und viele mehr), aber auch als Regisseur, Autor, Dramaturg, Fotograf und Übersetzer bekannt. Außerdem sprach er mehr als 15 Hörbücher, darunter von Gabriel Garcia Marquez, Heinrich Heine und Helmut Schmidt, ein. Seine Stimme, seine Intonation, sein Stil, passten bestens zu der Geschichte. Insbesondere zu Beginn gelang es Hanns Zischler mich mit seiner Stimme in die Geschichte einzuführen und auch später noch, als ich von "Die Enthüllung" nicht mehr ganz überzeugt war, bei Laune zu halten. Für mich war "Die Enthüllung" mein erstes Buch von Mario Vargas Llosa und ich bin überzeugt davon, dass ich auch weitere Bücher von ihm lesen werde. Der Schreibstil des Buches hat mir enorm gut gefallen. Wortgewaltig erzählt er seine Geschichte um Enrique Cardenas und konnte mich gleich zu Beginn bezüglich seiner Sprache und seines Stils begeistern. Die Geschichte selbst begann mich leider ab der Mitte zu langweilen. Enrique Cardenas wird von dem Klatschreporter Rolando Garro mit pikanten Fotos, auf welchen er selbst bei einer Orgie zu sehen ist, erpresst. Die Veröffentlichung der Fotos bedeutet seinen Ruin. Sein Ruf, seine Karriere und seine Ehe scheinen zerstört. Doch als kurz darauf Rolando Garro brutal ermordet aufgefunden wird, sieht sich Enrique Cardenas noch ganz anderen Problemen gegenüber. Dass mich ebendiese Handlung nicht packen konnte, lag hauptsächlich an der Antipathie, die ich für die einzelnen Charaktere empfand. Abgesehen von dem ekelhaften Rolando Garro, der so perfekt schmierig war, dass er für die ein oder andere lustige Szene sorgte, interessierten mich Enrique sowie dessen Frau und Freunde einfach nicht. Die Charaktere sind (absichtlich?) sehr oberflächlich, was mich nur weiter abstieß. Sie denken niemals an etwas anderes als ihren Ruf, ihre Karriere und denken selten weiter, als bis zum nächsten Schritt. So ist das Hauptproblem von Enriques Frau nicht, dass ihr Mann sie betrogen hat, sondern die Demütigung vor ihren Freunden und Bekannten. Jeder betrügt und hintergeht jeden. Es scheint, als kritisiere Mario Vargas Llosa die peruanische Gesellschaft der 90er und deren Oberflächlichkeit durch die oberflächliche Zeichnung seiner Charaktere. Eine Verbundenheit zu den Charakteren kann der Leser deshalb nur schwer herstellen. Umso mehr hingegen packten mich die gesellschaftlichen und politischen Beschreibungen des Autors. Der omnipräsente Terror und wie dieser die peruanische Gesellschaft prägte. Ausgangssperren, das Fehlen einer Mittelschicht, die Aufteilung in "arm" und "reich" sowie allgegenwärtige Gewalt bestimmten das Peru der 90er. Authentisch erzählt Llosa diesen Teil der Geschichte, über welchen ich bislang nur wenig wusste. Sex gibt es reichlich und in verschiedensten Varianten. Leider weder besonders geschmackvoll noch in einer angenehmen Sprache. Diese drei Komponenten (Übermäßigkeit, Geschmacklosigkeit und Vulgarität) führten dazu, dass ich während verschiedenster Sexszenen lediglich genervt und/oder gelangweilt war. Fazit: Schlechter Sex, unangenehme Charaktere, mittelmäßiges Crime, aber hochinteressante Schilderungen des Perus der 90er Jahre. Dabei hervorragend gelesen von Hanns Zischler.

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