Leserstimmen zu
Der Kult

Marlon James

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Good vs Evil

Von: Katja

09.04.2019

Das Buch hat einen sehr einzigartigen Stil und ich bin froh, dass ich es in deutscher Sprache gelesen habe. Ich glaube, ich hätte mit den Teilen zu kämpfen gehabt, die in der englischen Version in afrikanischem Dialekt geschrieben sind (leider weiß ich nicht, welchen Dialekt, da das Dorf fiktional ist ) Der Machtkampf, der sich aus mehr und weniger treuen Bürgern zusammensetz, steigert sich immer weiter hoch auf eine sehr spannende Weise die einen in seinem Bann hält. Es ist gewalttätig und explizit in bestimmten Bereichen, die meines Erachtens wichtig waren, um den dunklen Einfluss der fanatischen Predigten und Regeln zu zeigen, die den Dorfbewohnern auferlegt werden. Manchmal sprang die Erzählung in der Zeit, als sich ein Charakter an etwas erinnerte, und es war nicht wirklich klar, wann und wo das passierte, was mich manchmal aus der Geschichte riss. Das Buch sagt auch viel über die Psyche von Menschen aus, die so unsicher sind, dass sie bereit sind, schreckliche Dinge zu tun, nur um jemanden zu haben, der sie führt und ihnen sagt, was sie tun sollen. Am Ende ist die Frage ob es wirklich noch um Religion und Glauben geht, oder um etwas ganz anderes.

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(Engl.: John Crow's Devil) Now available in a beautiful new German edition by Heyne! In his dark and mystical debut novel, the brilliant Marlon James explores the human longing for purpose and direction and the ways in which it can be perverted. Set in Jamaica in 1957, we witness the epic battle for the position of religious leader in a remote village: Hector Bligh (the "Rum Preacher"), an alcoholic who in the past has neglected his duties as a priest, faces off against the newly arrived Lucas York ("Apostle York"), a fanatic whose strict rules seem to provide order and whose cruelty is declared to be justified by God. Both men are haunted by their pasts, and at the core, the exorcisms they try to impose on the village are mainly directed against themselves. As usual, leaders need followers - who will the villagers side with? Both Bligh and York have village women at their sides who, in search of salvation, join them in their fights. Many other villagers play important roles as well, as sinners, enforcers, and bystanders - it is easy to see parallels not only to other religious sects, but also to authoritarian and fascist regimes. The intense and haunting atmosphere is heightened by the depiction of sex and (sometimes self-inflicted) violence - there are lots of bodily fluids in this text, but none of these scenes are gratuitous, so I didn't mind. On top of Christian religious theory and Jamaican witchcraft, James also employs elements of magical realism to illustrate the spiritual state of the village, especially in the form of birds who attack or fall from the skies. Which brings us to the theme of racism which also plays a role in the book: Not only do we repeatedly encounter magical "John Crows" - which, as I learnt, is the common name for a black vulture in Jamaica, but which also reminded me of "Jim Crow" -, but there is also a lot of black/white symbolism, most strikingly in the white dress of York, the outsider who aims to bring the village under his control. In the story, James also writes about homosexuality as being perceived as a shameful sin - this is particularly painful to read if you know that Jamaican-born James left Kingston because of the discrimination he experienced as a gay man. All in all, this is an unsettling and exciting book that offers many layers of meaning. I can't wait to read James' upcoming book "Black Leopard, Red Wolf", and all German-speakers out there can now get the re-issue of James debut in an edgy new edition that reflects the darkness of the text.

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Marlon James Debüt "Der Kult" ist erstmals 2009 unter dem Titel "Tod und Teufel in Gibbeah" erschienen. "Der Kult" ist nicht einfach -kein Buch, das man einfach so runter liest. Warum das so ist? Für mich gibt es da dann doch mehrere Antworten. Zum einen den Gassenjargon, die Ausdrucksweise von Marlon James ist an manchen Stellen schon sehr derbe, auf der anderen Seite wird der Fanatismus durch eine Unmenge an Bibelzitaten dargestellt - zudem hatte ich manchmal das Gefühl einfach pausieren zu müssen. Der Schreibstil ist eigentlich eher anspruchsvoll, trotz derber Ausdrucksweise, und so musste ich auch einige Stellen zum Verständnis zwei mal lesen - der Lesefluss ist ansonsten aber auch ganz gut. Auch die Charaktere sind sehr eindrucksvoll, haben Wiedererkennungswert und strahlen im Laufe des Buches immer mehr Tiefe aus - und dennoch konnte mich "Der Kult" irgendwie nicht zu 100% von sich überzeugen. Zumal ich das Thema "Gut gegen böse" oder "menschliche Apokalypse" schon mehr als reizvoll finde. "Der Kult" ist ohne Frage ein starkes Debüt, dass mir leider nicht komplett lag, dennoch würde ich Marlon James jederzeit eine zweite Chance geben, da ich davon überzeugt bin, dass er ein starker Schriftsteller ist.

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So gar nicht meins

Von: reBmi9

12.09.2018

Leider habe ich in dieses Buch nicht hineingefunden. Mir liegt die Story überhaupt nicht. Aber, man kann ja nicht alles mögen.

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Im Dorf Gibbeah ist man schon lange nicht mehr gottesfürchtig, aber böse Omen kann man deuten und die Bewohner wissen, wann sie Angst haben müssen. Als bei der Messe ein toter Geier durch die Kirche fliegt und neben dem Prediger aufschlägt, ist dies so ein Moment. Dass kurze Zeit später dann auch noch Apostel York erscheint und den Prediger aus seinem eigenen Gotteshaus vertreibt, muss ein Zeichen des Himmels sein. Sie haben zu lange in Sünde gelebt und sind verkommen, doch der neue Gottesmann wird die Ordnung wieder herstellen und sie auf den rechten Pfad zurückführen. Ehebrecher werden bestraft werden, Opfer müssen erbracht werden und Tugend wird wieder Einzug halten. Doch nicht allen gefällt der neue Stil, vor allem Hector Bligh, der jahrelang in Ruhe über seine Gemeinde herrschte – oder eher, von dieser beim Saufen nicht gestört wurde und die geringen Erwartungen an seine Predigten fast erfüllte – will nicht kampflos dem Fremden das Feld überlassen. Der jamaikanische Autor Marlon James wurde durch seinen dritten Roman „A Brief History of Seven Killings“ um den Mordanschlag auf Bob Marley 2014 berühmt und gewann neben zahlreichen anderen Preisen auch den renommierten Man Booker Prize. „Der Kult“, im Original „John Crow’s Devil“, ist sein erster Roman, der bereits 2005 veröffentlicht wurde und zunächst unter dem Titel „Tod und Teufel in Gibbeah“ im Verlag F. Stülten erschien. Heyne Hardcore hat ihn 2018 unter anderen Titel neuaufgelegt. Schon nach wenigen Zeilen hat man den Eindruck, dass James eigentlich fürs Kino schreibt. Die Bilder, die er in seinem Roman hervorruft, sind ausdrucksstark und brutal und davon lebt die Geschichte: Zuerst kam der Krähenschwarm. Hunderte. Sie tauchten wie aus dem Nichts auf, verdunkelten die Sonne und wurden zu einer sich ständig verändernden Sonnenfinsternis, die sich auf Gibbeah niedersenkte. Die Vögel flogen in einem schwarzen Zug die Straße hinauf, ihre Flügel schnitten durch den Wind und flößten sogar den kleinsten Kindern Angst ein. Man muss als Leser schon einiges aushalten, denn die Sprache ist vielfach nicht nur direkt, sondern geradezu derb und abstoßend. Aber dies wird der Situation des verkommenen jamaikanischen Dorfes zu Ende der 1950er Jahre gerecht. Daneben herrscht eine feine Ironie, mit der das Agieren des selbsternannten Apostels und das blinde Folgen der Bewohner ins rechte Licht gerückt wird. Sie folgen ihrem neuen Anführer, trotz der anfänglichen Bedenken, aber dank seines Charismas überzeugt er die Menschen und macht sie zu willfährigen Gefolgsleuten, die ihre letzten Zweifel bald aufgeben: (...) manche dachten, es sei ein Scherz. Der Rest von uns sagte, dass es ein Gottesurteil war und dass niemand dafür verantwortlich war als die beiden garstigen Neger, die den Tempel des Heiligen Geistes beschmutzt haben. Hinzu kommt, dass man in Gibbeah ein Exempel dafür statuieren muss, dass wir Menschen des HERRN sind und dass Ungehorsam nicht geduldet wird – das sagt der Apostel. Und so wird noch härter ausgepeitscht und die erforderlichen Tode sind ja letztlich alle im Sinne des Herrn. Der Kampf zwischen den beiden Widersachern wird bis auf Blut ausgefochten, denn es geht immerhin um die verlorenen Seelen, die errettet werden müssen. Man kann sich leicht vorstellen, wie ein ganzes Dorf in die Hände eines solchen Anführers gerät und die Augen vor dem offenkundigen verschließt. Aber es sind nicht nur die beiden männlichen Protagonisten, die interessant gezeichnet sind und denen man sprachlos folgt. Auch zwei weibliche Figuren wurden von Marlon James als außergewöhnliches Gegengewicht geschaffen und ihre Geschichten erzählen ebenfalls vieles über das Land und den Zustand nach dem 2. Weltkrieg. „Der Kult“ schafft das Paradoxon des anziehenden Abstoßenden. Man will das eigentlich gar nicht lesen, ist aber so fasziniert, dass man den Roman auch nicht weglegen kann.

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Quentin Tarantino in Schreibform.....

Von: Andy G

25.07.2018

"Der Kult" von Marlon James ist kein einfaches Buch, das man ebenso schnell mal nebenbei lesen kann. Es begibt sich in einem kleinen fiktiven Ort namens Gibbeah am Ende der 50'er Jahre. Hector Bligh ist der Pastor der katholischen Kirche in einem kleinen Dorf in Jamaika. Die Einwohner des Dorfes nennen ihn nur den Rum-Prediger, weil Hector Tag und Nacht betrunken ist und keine peinliche Situation auslässt. Eines Tages taucht ein Fremder in der Kirche auf, beschimpft Bligh als Teufel, vermöbelt ihn, wirft ihn aus dem Dorf und übernimmt das Pastorenamt. Er nennt sich Apostel York, predigt über Rache und Verdammnis - aber dennoch entsteht ein Kult um seine charismatische Person. Der Rumprediger Bligh gibt sich aber nicht geschlagen und so entbrennt ein Glaubenskampf zwischen den beiden. Kurz: zwischen Gut und Böse, Sünde und Vergebung, zwischen schwarz und weiß. In den ersten 50 Seiten hab ich mir, wenn ich ehrlich bin, überlegt ob ich das Buch "Der Kult von Marlon James" überhaupt zu Ende lese. Ich habe es bis zum Ende gelesen und bin mir nun sicher, Marlon James ist ein Ausnahmetalent. Wenn man sich auf den Schreibstil einlässt, fesselt einen das Buch in seinen Bann aus dem man nur schwer wieder auftauchen kann. Sein Schreibstil, seine Sprache ist hart und klar, fast schockiert sie. Er hält mit keinem Tabuthema hinter der Hand. Sei es Sodomie, Inzest, Pädophilie Schwarze Magie und so vieles mehr. Der Roman fordert beim Lesen unsere volle Aufmerksamkeit. Er ist vielschichtig, tiefgründig und die vielen Bibelzitate und Metaphern haben es in sich. Dieser Roman ist nichts für Zartbesaitete und "Schön Wetter Leser"

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Nachdem Marlon James vor einer Weile mit seinem Wälzer „Eine kurze Geschichte von sieben Morden“ etwas im Spotlight war, wurde ich doch irgendwie erst mit seinem neuen Buch, „Der Kult“, aufmerksam. Es geht um ein Dörfchen mitten im Nirgendwo, das eine aktive Kirchengemeinde hat. Eines Tages wird Pastor Bligh, der wegen seines Alkolkonsums nur „Rumpfarrer“ genannt wird, gewaltsam aus der Kirche vertrieben, als der sich selbst als Apostel bezeichnende Pfarrer York ins Dorf kommt. Ganz Gibbeah ist außer sich, aber auch von den andersartigen Predigten vom Apostel in den Bann gezogen. Während Pastor Bligh seine Wunden leckt und in ein tiefes Loch aus Depressionen und noch mehr Alkohol fällt, ruft Apostel York seine Lämmchen zu immer gewaltsameren Taten auf, stiftet sie zu Verbrechen aus Hass an und hetzt im Grunde genommen die gesamte Gemeinde gegeneinander auf. Trotzdem sind die Anwohner Gibbeahs folgsam. Bis sie sich eines Tages an die ruhigen Zeiten unter Leitung des Rumpriesters sehnen. Dafür ist es nun allerdings zu spät. Oder? "Wer ist bereit, für den HERRN Gewalt anzuwenden?" „Der Kult“ ist nicht zu vergleichen mit irgendeinem Buch, das ich bisher gelesen habe. Während ich diese Worte schreibe, bin ich mir immer noch nicht sicher, ob ich es mochte oder nicht. Ich konnte den Wahn nicht ganz nachvollziehen. Apostel York ist aber ein sehr starker und auch sehr fanatischer Charakter, der das Dorf von allem „Unreinen“ befreien möchte, und es schafft, das Dorf in seinen Bann zu ziehen. Durch seine „Reinigungen“ werden beispielsweise auch eine Ehefrau und ihr Liebhaber bestraft, die gemeinsam Ehebruch begangen haben. Nach der „angemessenen“ Bestrafung kann die „sündige“ Ehefrau im Dorf nicht einmal mehr Mehl und Butter kaufen, ohne beschimpft zu werden — nicht, dass ihr nach der Sache noch irgendetwas verkauft würde! Der Irrsinn Yorks nimmt also immer schlimmere Ausmaße an und lässt ein Sekten-Gefühl aufkommen. Während York nun mit seinem teilweise kranken Wahn immer weitere Kreise zieht, erholt sich Bligh bei der Witwe Greenfield von den ihm zugefügten Verletzungen (ja, das Buch ist sehr gewalttätig!) und plant im Alkoholentzug seine Rache an York. Alles spitzt sich immer mehr zu und wird nur durch mehrere kleine Stelldicheins zwischen York und Bligh „aufgelockert“, die sich die Seele aus dem Leib prügeln. Marlon James erzählt seine Geschichte aus mehreren Perspektiven: aus der Sicht Pastor Blighs und der Witwe Greenfield, die aufgrund eines angeblichen „Lebens in Sünde“ auch vom Apostel verschrien werden; aus den Augen von Lucinda, die als einziger Charakter nicht mit Nachnamen angesprochen wird, die ein euphorischer Anhänger Yorks ist; und aus der Perspektive der Gemeinde, die allerdings keine Namen haben, sondern mehr die Masse widerspiegeln sollen. "Nachdem der Apostel zu Ende gesprochen hatte, waren wir bereit, den sündigen Mann und die sündige Frau sofort umzubringen, sodass wir erst mal bis zehn zählen mussten und dann gleich noch mal. Der Apostel ist sehr hart zu uns, aber die Wahrheit ist auch hart." Fazit: Dieses Buch ist nichts für Zartbesaitete! Explizit wird hier beschrieben, wie Apostel York seinen Kult um sich schart und wie seine Methoden aussehen. Auch der Wahnsinn, der York und nach und nach Gibbeah beherrscht, ist nicht leicht „mitanzulesen“. Dennoch (oder gerade deswegen) ist der Kampf um die Kirchengemeinde des kleinen Örtchens spannend und aufgrund der angenehmen Schreibe von Marlon James gut zu lesen. Ein ungewöhnliches Buch. Ich glaub, ich mag’s.

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In einem kleinen Dorf namens Gibbeah taucht eines Tages ein schwarz gekleideter Unbekannter auf, der sich „Apostel York“ nennt und dem bis dato dort predigenden Hector Bligh den Posten streitig macht. Bligh ist ein versoffener alter Mann, der von York ohne Mühen von der Kanzel gestoßen wird. Denn York ist charismatisch und schlägt die Dorfbewohner sofort in seinen Bann. Schon bald entbrennt ein erbitterter Kampf sowohl um die Seelen der Bewohner als auch um die religiöse Macht über das Dorf. . Zu Anfang sei angemerkt, dass es sich bei „Der Kult“ nicht um ein neues Buch handelt, sondern um den Debütroman von Marlon James, der bereits 2009 unter dem Titel „Tod und Teufel in Gibbeah“ erschienen ist. Man muss sich schon auf Marlon James‘ Schreibstil einlassen können, um das Buch zu genießen (und vielleicht auch verstehen) zu können. Und obwohl des Öfteren derbe Ausdrücke benutzt werden, wirkt der Roman dennoch auf hohem literarischem Niveau verfasst. James‘ benutzt eine sehr außergewöhnliche Bildsprache, die sich dem Leser oftmals erst im Nachhinein offenbart. Es sind atmosphärisch dichte, filmreife Bilder, die der Autor mit seiner unkonventionellen Ausdrucksweise im Kopf des Lesers heraufbeschwört. Jede Menge Zitate aus der Bibel werden geschickt in die Handlung mit eingeflochten und lassen dabei ein etwas zweifelhaftes Bild auf Religionen und deren fanatischen Anhänger entstehen. Marlon James packt den Leser von Anfang an und lässt ihn einfach nicht mehr los. Man gerät als Leser ähnlich wie die Protagonisten in einen Strudel aus Sex und Gewalt, dem man sich nicht mehr entziehen kann (und irgendwie auch nicht möchte), denn zu stimmungsvoll sind die Beschreibungen der Ereignisse. Alkohol, sündhafte sexuelle Ausschweifungen und fanatische Schwarzmalerei führen zu einem Kampf zwischen Gut und Böse, zwischen Moderne und mittelalterlich erscheinender Vergangenheit. Mit spärlichen, aber hundertprozentig treffsicheren Worten lässt Marlon James eine Welt vor den Augen des Lesers entstehen, vor der man sich fürchtet, aber gleichermaßen auch vollkommen in Bann gezogen wird. Gerade die fast schon vulgären, sexuellen Beschreibungen, die an Dantes „Göttliche Komödie“ oder apokalyptische Bilder von Hieronymus Bosch erinnern, sind es, die den besonderen Reiz dieses Romans ausmachen. „Der Kult“ wirkt in der Tat apokalyptisch und dystopisch, aussichtslos und deprimierend. Viele Szenen und Bilder wirken so lange nach, das sie sich dem Leser erst nach Genuss der Lektüre, erschließen. Beeindruckend schildert James, wie sich eine ganze Stadt von den Predigten eines einzigen Mannes beeinflussen lässt. Die Bewohner verhalten sich teilweise wie Marionetten oder Lemminge, die sich einzig auf die Stimme ihres „Apostels“ verlassen. Marlon James zeigt gekonnt auf, wie einfach es für einen einzigen Mann ist, Menschen derart zu beeinflussen, dass sie ihm letztendlich hörig sind. Viele sündhafte Ausschweifungen und menschliche Abgründe werden in „Der Kult“ beschrieben: Sodomie, Pädophilie, Ehebruch oder Untreue. An manchen Stellen werden Marlon James‘ Beschreibung fast schon pornographisch, aber sie könnten nicht passender sein, denn sie arbeiten auf einen unglaublich intensiven Kampf zwischen Gut und Böse hin. Und erneut kommen einem beim Lesen Vergleiche mit Dante und Bosch in den Sinn. „Der Kult“ ist ein beeindruckender Roman über beängstigenden religiösen Fanatismus, sexuelle Entgleisungen und den Auswirkungen einer Massenhysterie in exzessive Gewalt. Die Geschichte ist ein Gleichnis über die Zerstörung einer Gesellschaft durch die Machtergreifung eines verblendeten Aufhetzers, der die Grenzen zwischen Wahrheit und Lüge (Gott und Teufel) verwischen lässt. Oft gleitet Marlon James ins Surreale ab und begibt sich damit auf literarische Pfade, die sonst nur der Regisseur David Lynch auf filmischem Weg betritt. Die Auseinandersetzung der beiden Priester, die das Gute und Böse im Menschen verkörpern (?) ist episch, aber auch mystisch und brennt sich szenenweise unaufhaltsam ins Gehirn ein. Den Roman einem Genre zuzuordnen fällt sehr schwer, denn zu vieles wurde vom Autor darin verpackt, um einer geraden, einfachen Linie zu folgen. „Der Kult“ ist Kult. . Fazit: Kultverdächtig, episch und beeindruckend. © 2018 Wolfgang Brunner für Buchwelten

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