Leserstimmen zu
Das weiße Feld

Lenka Hornakova-Civade

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Ist Schicksal vererbbar wie andere Dinge die durch das Blut weitergegeben werden können? Hat man eigentlich die Möglichkeit sich gegen das Schicksal zu setzen? Kann man aus den Fehlern anderer lernen, oder hat man auch darauf keinen Einfluss? Diese Fragen beschäftigen mich seit gestern Abend, als ich das Buch fertiggelesen habe. „Das weiße Feld“ erzählt die Geschichte von drei Frauen, die dasselbe Schicksal teilen, sie wachsen jeweils ohne Vater auf, besser gesagt, ohne ihren leiblichen Vater. Marie, die in den 1930er Jahren in Wien als Hebamme arbeitet und nach dem Verschwinden des Arztes in ein kleines Dorf in der heutigen tschechischen Republik zieht, hat eine Tochter namens Magdalena, die auch ein uneheliches Kind namens Libusa auf die Welt bringt, die das Schicksal ihrer Vorfahren teilt und Eva in die Welt setzt. Diese Frauen, die von der Gesellschaft abgestempelt werden, entwickeln ihre eigene Freiheit. Ein interessantes Buch, das auch einen wunderbaren Einblick in die Geschichte von Tschechien im 20. Jahrhundert gibt, die zum Teil vom Kommunismus geprägt ist. In dem Buch werden die Ungleichheiten zwischen Geschlechter sehr ausführlich beschrieben und Marie, die Heldin des Buches, sorgt trotz ihrer „Makel“ dafür, dass ihre Töchter und Enkelinnen ein selbstbestimmtes Leben führen. Was mir besonders gut gefallen hat, ist die Erzählperspektive. Das Buch ist in 3 Teile gegliedert: Magdalena, Libuce und Eva, jede der drei Frauen erzählt ihre eigene Geschichte in erster Person, das einen Einblick in die Gefühle der Frauen schafft und für Nähe sorgt. Als ich schon mit dem Lesen angefangen habe, habe ich gemerkt, dass mir das Buch sehr gefallen wird, weil in dem alles enthalten ist, was ich von einem Buch erwarte: Lebensgeschichten, vor allem Frauengeschichten, eine realistische Darstellung der historischen Ereignisse und eine poetische Sprache. Lenka Hornakova Civade hat mich mit dem Buch sehr beeindruckt und ich hoffe noch vieles mehr von ihr zu lesen. Lenka Hornaková-Civade "Das weiße Feld" Verlag Blessing: 2017 ISBN 978-3-89667-582-8

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Lenka Hornaková-Civade "Das weiße Feld" Verlag Blessing: 2017 ISBN 978-3-89667-582-8 Meine Literaturweltreise Das Leben von drei Generationen von Frauen, die alle ohne Vater aufwachsen, wird in diesem Roman beschrieben. Magdalena, die in den 1930er-Jahren in Wien lebt und von dem jüdischen Arzt für den sie arbeitet eine Tochter hat, zieht nach Verschwinden dieses Mannes in ein winziges Dorf in der heutigen tschechischen Republik. Magdalenas Tochter Libuce wächst dort auf und bekommt ihrerseits auch eine Tochter: Eva. Ein interessantes Buch, das gewissermaßen einen Nebenschauplatz des 2. Weltkriegs beschreibt, das Leben von Menschen an der Peripherie des großen Weltgeschehens. Vom aufkommenden Naziregime bis zum Realkommunismus erlebt Magdalena die beiden ganz großen Katastrophen des Jahrhunderts; Von der Flucht aus Wien bis zu der Konfiszierung ihres erfolgreichen Gasthofs in dem kleinen mährischen Dorf unter kommunistischem Regime. Sehr gut gefallen hat mir, dass die Erzählperspektive von einer Frau an die nächste übergeht und dadurch die Personen und Geschehnisse von verschiedenen Blickpunkten aus beleuchtet werden. Die Autorin Lenka Hornaková-Civade wurde in der damaligen Tschechoslowakei in der Provinz Mähren geboren und wanderte 1991 nach Frankreich aus, wo sie an der Pariser Sorbonne Wirtschaft und Philosophie studierte. Der vorliegende Roman ist ihr erster, der  in französischer Sprache geschrieben wurde. Eva, die Enkelin von Magdalena, hat die große Sehnsucht nach Paris zu reisen. Vielleicht hat der Roman einen zumindest teilweise autobiographischen Hintergrund.

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"Das weiße Feld" gibt einen wunderbaren Einblick in die Geschichte von Tschechien im 20. Jahrhundert.   Die Hoffnungen nach dem ersten Weltkrieg, der Ausbruch des zweiten Weltkriegs, der Kommunismus und der Prager Frühling. Turbulente Zeiten in denen die Frauen leben. Lenka Horňáková-Civade schaffte es in ihrem Debütroman dem Leser eine Unmenge über dieses herrliche Land beizubringen. Eingebetet in eine spannende Familiensaga über drei Generationen lernt man die Ängste, Sorgen und Hoffnungen der Menschen kennen. Politische Unsicherheiten, Verurteilungen in einem kleinen Dorf nahe der österreichischen Grenze, die Sehnsucht nach der großen Liebe und jede Menge Leid. Es werden so viele Aspekte verarbeitet, dass es fasst unmöglich scheint diese auf gerade einmal 270 Seiten unterzubringen. Und dennoch verliert die Geschichte am Ende deutlich an Tempo. Es ist wie eine wilde Rallyefahrt die abrupt mit dem Aufprall an einer Mauer ins Stocken gerät. Der Roman ist die in drei Teile gegliedert. "Magdalena", "Libuče" und "Eva" jede der drei Frauen erzählt ihre Geschichte. Dabei wechselt in jedem Teil die Rolle des Ich-Erzählers. Dies beschert uns einen schönen Einblick in die Gefühle der Frauen und sorgt für Nähe. Doch gerade im letzten Teil von Eva merkt man wie die Geschichte Schwierigkeiten hat ein Ende zu finden. Die losen Fäden werden zusammengeknüpft und dabei wirkt vieles leider zu stark konstruiert. Dabei hätte es mich gar nicht gestört wenn diese Fäden einfach lose überblieben. Denn so wie im wirklichen Leben gebt es oftmals Fragen, die nicht aufgeklärt werden können. Oder Situationen in denen der Mantel des Schweigens vor unvorstellbaren Leid beschützt. Mit "Das weiße Feld" ist Lenka Horňáková-Civade ein hervorragender Debütroman gelungen. Man lernt eingebetet in eine spannende Geschichte so viel über Tschechien und seine Geschichte im 20. Jahrhundert. Die Autorin schafft es dabei die politischen Ereignisse so darzustellen, dass es kein/kaum Vorwissen bedarf. Leider wirkt das Ende etwas zu stark konstruiert und nimmt der hervorragenden Geschichte viel an Spannung. Dafür muss ich schweren Herzens einen Stern abziehen. Dennoch hoffe ich noch vieles mehr von Lenka Horňáková-Civade zu lesen.

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Das weiße Feld von Lenka Hornáková-Civade erzählt von vier Frauen: Marie, deren Tochter Magdalena, der Enkelin Libuce und der Urenkelin Eva. Geschildert werden die Ereignisse in drei Teilen, jeweils aus der Perspektive von einer der drei Jüngeren, die eines gemeinsam haben: Sie sind unehelich geboren, und das ist in dem kleinen mährischen Ort, in dem sie leben, ein schwerer Makel. Marie war mit der 1929 in Wien geborenen Magdalena in die Tschechoslowakei zurückgekehrt, nachdem der Arzt, bei dem sie gearbeitet hatte, mit seiner Familie vor den Nazis geflohen war. Magdalena verbringt den zweiten Weltkrieg in relativer Sicherheit und Abgeschiedenheit als Magd auf dem Gutshof der deutschstämmigen Familie Feldmann. Nach dem Krieg müssen die Feldmanns die Tschechoslowakei aufgrund der Benes-Dekrete verlassen, Magdalena bleibt mit ihrer Tochter Libuce zurück. 1968, zur Zeit des Prager Frühlings, ist diese eine junge Frau, und auch sie bekommt eine uneheliche Tochter. Als diese Tochter, Eva, gerade erwachsen geworden ist, fällt 1989 der Eiserne Vorhang, und der Westen, den Marie und Magdalena ein halbes Jahrhundert zuvor verlassen hatten, rückt endlich wieder in erreichbare Nähe. Meine Meinung: Ich mag Bücher, die persönliche Lebensgeschichten vor dem Hintergrund geschichtlicher Ereignisse erzählen, vorausgesetzt, diese sind realistisch dargestellt, und das ist hier der Fall. Die Autorin lebt zwar in Frankreich und hat den Roman auf Französisch geschrieben, aber sie ist hinter dem Eisernen Vorhang aufgewachsen, und im Nachwort sagt sie selbst, es handle sich zwar um keine Autobiographie, aber der Roman erzähle auch von ihr. Eine Geschichte über uneheliche Kinder ist immer auch eine Geschichte über Patchworkfamilien, auch wenn dieser Begriff so gar nicht zur Atmosphäre des Romans passt. Marie, Magdalena und Libuce heiraten und bekommen noch weitere Kinder. Die Ehemänner kommen im Roman allesamt nicht gut weg, und für mich war es schwer, als Leserin mitansehen, was die Frauen sich alles gefallen lassen und was sie vor allem auch ihren Töchtern abverlangen. Marie und Magdalena betonen immer wieder, wie wichtig die Freiheit sei, aber das, was sie als Freiheit bezeichnen, ist in meinem Verständnis nur die Fähigkeit, viel zu ertragen und nicht daran zu zerbrechen. Aus heutiger Perspektive wirkt das alles fast unverständlich, aber trotzdem hat mich das Buch sehr schnell gefangen genommen. Den Reiz hat für mich auch ausgemacht, dass die drei unehelichen Töchter als junge Mädchen und Frauen zu Wort kommen, die über ihre Träume, Hoffnungen und Sehnsüchte berichten, während sie als Mütter in den Erzählungen ihrer Töchter als pragmatisch, streng und unerbittlich erscheinen. Die Lebensgeschichten der Frauen sind dabei stimmig erzählt, sie folgen den unsichtbaren Mustern, die auch in der Realität häufig dafür sorgen, dass die nächste Generation das Leben der vorhergehenden nachspielt. Mein Fazit: Eine faszinierende und berührende Geschichte über eine Welt, die – hoffentlich – der Vergangenheit angehört.

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Das Buch: 3 Frauen. Mutter, Tochter, Enkelin. Magdalena, Libuce, Eva. Alle haben etwas gemeinsam. Sie kennen ihren Vater nicht. Und müssen in dem Zeitalter des 20. Jahrhunderts sich selbst und allen anderen beweisen, dass sie nicht ein Balg sind, sondern jeweils eine starke Frau. Sie meistern ihr Leben in Zeiten vieler Krisen. Magdalena kämpft um ihre Liebe zu einem Sohn aus reichem Hause, Libuce mag Außenseiter und Eva macht eh alles anders, als sie es sollte. Eine Familie, ein Schicksal, viele Leben. Das Fazit: Es ist ein Buch, dass durch die große Gemeinsamkeit der drei Frauen geprägt wird: der jeweils unbekannte oder verschollene Vater. Alle drei wachsen ohne ihren leiblichen Vater auf. Wie diese drei Frauen gezeugt wurden, kann man hier nachvollziehen, aber man muss es nicht verstehen. Es wirkt zu aufgesetzt. Aber da dieser Punkt für die weitere Geschichte notwendig wurde, ist sie nun einmal im Buch zu finden. Denn mit dem weißen Feld ist nicht ein Feldstück gemeint. Hier handelt es sich um das Feld z.B. bei der Geburtsurkunde, wo der Vater eingetragen werden sollte. Bei den Damen bleibt es leer. Und somit weiß. Das weiße Feld. Alle drei werden getrieben von der „Dörflichkeit“. Jeder Aufbruch in das Ungewisse, jede Tat abseits der Normalität des Dorfes wird von der Gesellschaft scharf verurteilt. Die drei Frauen müssen stets gewollt und auch ungewollt dagegen ankämpfen. Bei diesem Kampf bleiben sie aber leider immer für sich. Einzelkämpfer. Nicht einmal die eigene Tochter, die in die gleiche Situation wie die Mutter gerät, kann Mitleid von der Mutter erwarten. Sie bleiben für sich. So wie das Buch in drei Bücher, jeweils mit den Frauennamen betitelt, untergliedert ist. Sie bleiben sich und dem Leser sehr unnahbar. Diese Gemeinsamkeit ist neben der Familienzugehörigkeit fast die einzige Verbindung zwischen den drei Frauen. Lange ist nur der rote Faden der Zeit die Verbindung zwischen den Kapiteln des Buches. Man mag es kaum glauben, aber das Ende kam dann doch zu gewollt. Dies birgt nämlich eine kleine Verbindung zwischen Eva und Magdalena (die Oma von Eva). Diese ist aber so dünn, dass sich der Leser an dieser Stelle noch einige Seiten mehr gewünscht hätte. Auch Die drei Damen erzählen chronologisch jeweils aus der Ich-Perspektive ihre Leben bis zu dem Moment der Geburt der Tochter. Das soll wahrscheinlich eine Verbindung zwischen den Damen und dem Leser schaffen, tut es aber nicht. Es hätten ruhig ausführlicher die Geschehnisse rund um die Frauen erzählt werden können. Doch da hätte man eine andere Erzählweise wählen müssen. Zusammenfassend bleibt dieses Buch der Generationen hinter den eigenen Erwartungen zurück. Leider schafft es keiner der Damen, den Leser tief zu berühren. Sie leben ihr leben, begehen ein paar Dummheiten und schon geht es weiter zur nächsten Dame. Schade. Ein wenig mehr Tiefe und Gefühl hätten hier wahre Wunder bewirken können.

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Inhalt: Sie heißen Magdalena, Libusa und Eva und teilen dasselbe Schicksal: Sie wachsen jeweils ohne ihren leiblichen Vater auf. Aber statt an diesem Schicksal, das in den Augen ihrer Umgebung ein regelrechter Makel ist, zu zerbrechen, entwickeln sie jede auf ihre Art einen unbändigen Freiheitswillen: Magdalena, die mit ihrer Mutter Marie aus dem braun gewordenen Wien flieht. Libusa, die mit ihrer Neugierde auf die Außenseiter der uniformierten Gesellschaft ihre Umgebung in Atem hält. Und Eva, die als Linkshänderin pädagogische Umerziehungsprogramme sabotiert und von fernen Ländern träumt. Alle drei eint die Zuneigung zu ihrer ebenso mürrisch-verschlossenen wie unbeirrbar selbstbewussten, beinahe überlebensgroßen Großmutter "Maman Maire", die sich als Hebamme im Dorf unentbehrlich zu machen verstand. Mein Lieblingszitat: Meine Meinung: Vom Klappentext und dem schönen Cover angesprochen wollte ich diesen Roman auf Anhieb lesen. Es geht direkt auf der ersten Seite spannend los. „Das weiße Feld“ ist in drei Kapitel eingeteilt, die jeweils von der Frau einer Generation handelt, die Großmutter beginnt also mit dem Erzählen, anschließend ist die Mutter und dann die Enkelin an der Reihe. Meiner Meinung nach macht diese chronologische Reihenfolge viel Sinn, sodass es mir keine Schwierigkeiten bereitete, der Handlung zu folgen. Die Gefühle und Gedanken der Charaktere konnte ich aufgrund zweier Kriterien gut nachvollziehen: Erstens ist der gesamte Roman in der Ich-Perspektive geschrieben. Zweitens wechselt die Autorin beim Erzählen ihrer Geschichte zwischenzeitlich von der Vergangenheits- in die Gegenwartsform, was die Erlebnisse der Figuren realer erscheinen lässt. Die Hauptprotagonistinnen waren mir alle recht sympathisch, wobei ich Eva, die Enkelin am liebsten mochte. Urgroßmutter Marie mit ihrer strengen, aber herzlichen Art hat mir am meisten zugesagt, sie spielt in der Geschichte ihrer Familie die Hauptrolle. Humor ist im Buch zwar kaum zu finden, sollte bei so ernsten Themen aber auch nicht das Wichtigste sein. Neben dem Hauptthema des Buches, der Familie und der Identität, die damit einhergeht, beschäftigt sich der Roman noch mit der Tschechoslovakai und ihrer Geschichte. Dabei berichtet die Autorin mit großer Offenheit und lässt gewaltsame Szenen nicht zu kurz kommen. Erst am Schluss wird die Familiengeschichte komplett aufgedeckt und bringt einige Überraschungen. Mein Fazit: Ein interessanter Roman über das Schicksal dreier Frauen einer Familie in der Tschechoslowakei und deren Umgang damit. Vielen Dank an den Karl Blessing Verlag für das Rezensionsexemplar! Das weiße Feld bekommt von mir 4/5 Sterne!

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Sie heißen Magdalena, Libusa und Eva und teilen dasselbe Schicksal: Sie wachsen jeweils ohne ihren leiblichen Vater auf. Aber statt an diesem Schicksal, das in den Augen ihrer Umgebung ein regelrechter Makel ist, zu zerbrechen, entwickeln sie jede auf ihre Art einen unbändigen Freiheitswillen: Magdalena, die mit ihrer Mutter Marie aus dem braun gewordenen Wien flieht. Libusa, die mit ihrer Neugierde auf die Außenseiter der uniformierten Gesellschaft ihre Umgebung in Atem hält. Und Eva, die als Linkshänderin pädagogische Umerziehungsprogramme sabotiert und von fernen Ländern träumt. Alle drei eint die Zuneigung zu ihrer ebenso mürrisch-verschlossenen wie unbeirrbar selbstbewussten, beinahe überlebensgroßen Großmutter "Maman Maire", die sich als Hebamme im Dorf unentbehrlich zu machen verstand ... Dieses Buch habe ich letztes Jahr beim bloggerportal bestellt und am ersten Tag des neuen Jahres wirklich in einem Zug verschlungen. Das liegt nicht nur daran, dass es mit 195 Seiten wirklich angenehm kurz ist, sondern an diesem unglaublichen Sog, den es schon nach wenigen Seiten entwickelt. Die Geschichte wird der Reihe nach aus den Perspektiven von Magdalena, Libusa und Eva erzählt, und umfasst die Jahre 1938 bis 1988. Alle drei sind also nicht, wie der Klappentext es vermuten lässt, Schestern, sondern die jeweilige Tochter der Vorgängerin. Und das weiße Feld ist die freie Fläche in der Geburtsurkunde, in der der Name des Vaters stehen müsste, aber auch verschiedenen Gründen jeweils nicht stehen kann. Die Autorin schildert sehr direkt das Leben von Frauen, die ihr Leben in die eigene Hand nehmen und den tonangebenden Männern trotzen - unter anderem eben auch damit, dass sie sich sehr bewusst für ihre unehelichen Kinder entscheiden und dadurch in Kauf nehmen, selbst Nachteile zu erfahren oder Ehen schließen zu müssen. Die Männer kommen samt und sonders nicht gut weg. Sie sind feige, üebrheblich oder gewalttätig - und wenn sie doch einmal Verletzlichkeit zeigen, dann müssen sie daran letztlich zugrunde gehen. Die Frauen dagegen werden als Charaktere gezeichnet, die zwar einerseits diesen Männern ausgeliefert zu sein scheinen, dabei aber das Heft in der Hand behalten. Vier sehr unterschiedliche und dennoch ähnliche Frauen, die ich in der Literatur sehr selten finde. Ein wahnsinnig guter Einstieg in dieses Lesejahr, das hoffentlich so weitergeht!

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Starke Frauen

Von: get lucky

07.12.2017

Das weiße Feld - Lenka Hornakova-Civade: Sie heißen Magdalena, Libusa und Eva und teilen dasselbe Schicksal: Sie wachsen jeweils ohne ihren leiblichen Vater auf. Aber statt an diesem Schicksal, das in den Augen ihrer Umgebung ein regelrechter Makel ist, zu zerbrechen, entwickeln sie jede auf ihre Art einen unbändigen Freiheitswillen: Magdalena, die mit ihrer Mutter Marie aus dem braun gewordenen Wien flieht. Libusa, die mit ihrer Neugierde auf die Außenseiter der uniformierten Gesellschaft ihre Umgebung in Atem hält. Und Eva, die als Linkshänderin pädagogische Umerziehungsprogramme sabotiert und von fernen Ländern träumt. Alle drei eint die Zuneigung zu ihrer ebenso mürrisch-verschlossenen wie unbeirrbar selbstbewussten, beinahe überlebensgroßen Großmutter "Maman Maire", die sich als Hebamme im Dorf unentbehrlich zu machen verstand. Starke Frauen: Großmutter, Mutter, Tochter, Enkelin, das sind die Protagonistinnen in sehr schwierigen Zeiten in der Tschechischen Republik. Eins ist ihnen gemeinsam, sie alle haben ein weißes Feld in ihrer Geburtsurkunde, wo normalerweise der Name des Vaters eingetragen ist. Damit müssen sie dann im 20. Jahrhundert klar kommen. Sehr spannend, tief berührend und mitreißend wird in drei Zeitebenen die Geschichte der drei Frauen jeweils in der Ich- Perspektive erzählt. Es ist insgesamt keine leichte Kost, sehr raffiniert aufgebaut, und bei weitem nicht trivial. Mich hat das Schicksal der Frauen in Mähren sehr bewegt, und der Mut und die Couragiertheit aller ist bewundernswert.

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