Leserstimmen zu
Terror

Ferdinand von Schirach

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Ein Theaterstück: Das Bühnenbild ist ein Gerichtssaal. Auf der Bank sitzt ein Kampfpilot der Luftwaffe, angeklagt des 164-fachen Mordes. Er hat ein Passagierflugzeug abgeschossen, weil ein Terrorist im Cockpit den Piloten zwang, seine Boeing auf die vollbesetzte Allianz-Arena zuzusteuern. Bei dieser Gerichtsverhandlung geht es nicht um die Tatsachen. Sie sind klar. Es geht um die Schuld: 164 Menschen zu töten, um 70.000 zu retten - ist das Mord? Darf man Menschenleben gegeneinander aufrechnen? Beide Seiten dürfen sprechen, in den Figuren von Staatsanwältin und Verteidiger. Auch die Opfer kommen zu Wort, vertreten durch die Witwe eines Passagiers. Ferdinand von Schirach zwingt uns, abzuwägen. Freispruch oder lebenslänglich? Am Ende entscheidet das Publikum über das Urteil, denn wir alle sind die Schöffen in diesem Gericht. Wir urteilen über einen ausgedachten Fall, aber gleichzeitig entscheiden wir über die Realität: Sollte es jemals dazu kommen, sollte jemals ein Terrorist Unschuldige zu seiner Waffe machen, um andere Unschuldige zu töten - wollen wir, dass ein Kampfpilot dann schießen darf? "Terror" wurde am 3. Oktober 2015 uraufgeführt. Es ist und bleibt aktuell. Die Abstimmungsergebnisse jeder einzelnen Aufführung sind im Internet auf einer Weltkarte gesammelt. Hunderttausende haben inzwischen ihr Urteil gefällt. Hinten im Buch, nach dem Theaterstück, ist eine Rede mit abgedruckt. Ferdinand von Schirach hielt sie, als Charlie Hebdo einen Medienpreis bekam. Der TItel: "Machen Sie unbedingt weiter". Und heute? Was ist aus "Je suis Charlie" geworden?

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Allen, die die Möglichkeit haben sich dieses Theaterstück live anzusehen, möchte ich raten: Tut es. Allen anderen möchte ich dieses Buch ans Herz legen. Dieses Buch, das Gedankenexperiment und Unterhaltung auf höchstem Niveau zugleich ist. Das zum Nachdenken zwingt. Etwas Vergleichbares habe ich noch nicht gelesen.

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Terror

Von: miss.mesmerized

19.11.2016

Ein Gerichtssaal. Der Angeklagte ein Bundeswehrsoldat. Der Vorwurf: 160-facher Mord. Die Umstände: er hat ein ziviles Flugzeug, das von Terroristen gekapert wurde und Kurs auf die vollbesetzte Münchener Allianz Arena hielt, vor dem Einschlag abgeschossen. Er handelte in dem Wissen, gegen eine Anweisung seiner Vorgesetzten zu verstoßen. Er handelte eigenmächtig und tötete eine große Anzahl Menschen. Er ist schuldig. Aber hat er sich auch moralisch schuldig gemacht? Selbstjustiz oder mutiges Agieren eines Einzelnen zur Rettung vieler? Die Verhandlung muss dies klären. Ferdinand von Schirach ist für seine brisanten Themen bekannt. Mit „Terror“ trifft er zudem den Nerv der Zeit, seit nunmehr fast zwei Jahren sieht sich Europa zum ersten Mal seit dem zweiten Weltkrieg wieder unmittelbaren Bedrohungen ausgesetzt und tagtäglich muss man mit Schreckensmeldungen in direkter Nähe rechnen. Dies hat unweigerlich Einfluss auf das moralisch-rechtliche Empfinden. Was jahrzehntelang nur blanke Theorie war, wird nun zum Ernstfall. In diese Kerbe schlägt auch von Schirachs Szenario, das heutzutage vorstellbar und keineswegs nur theoretisch konstruiert erscheint. Die Verhandlung wird sachlich geführt, es werden Argumente und Sichtweisen dargelegt, die dem Zuhörer erlauben, sich selbst eine Meinung zu bilden. Die Staatsanwältin spielt auch Advocatus Diaboli, wenn sie den Angeklagten auf ganz persönlicher Ebene konfrontiert, um seine Motivation zu testen. Der Stoff ist ursprünglich als Theaterstück gedacht, in dem das Publikum am Ende ein Urteil fällen darf. Da in meiner Nähe keine Aufführung geplant ist, habe ich zum Hörbuch gegriffen, was sehr lebendig und überzeugend umgesetzt wurde und einem beim intensiven Zuhören auch eindringlich die Thematik näherbringt. In diesem speziellen Fall scheint mir die Hörfassung wirklich Vorzüge gegenüber dem geschriebenen Text zu haben, da es sich rein um Dialog handelt, der am besten eben gesprochen wird. Fazit: Gibt es derzeit relevantere Themen? Nein. Kann man sich diesem entziehen? Nein. Gibt es irgendeinen Grund, weshalb man nicht seine eigenen ethisch-moralischen Grundsätze auf die Probe stellen sollte? Nein. Dann bleibt nur nachhören und vor allem nachdenken.

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Um was geht es? Als ein Flugzeug von einem Terroristen entführt wird, trifft Lars Koch eine schwerwiegende Entscheidung: Er opfert die 164 Passagiere um 70'000 Menschen zu retten, die sich in einem Fussballstadion befunden haben und das Ziel des Anschlages gewesen wären. Nun steht er vor Gericht und es stellt sich die Frage: Schuldig oder unschuldig? Ich muss zugeben, dass ich das Thema Terrorismus langsam ein wenig über habe... Man hört jeden Tag davon und ich fühle mich übersättigt mit Infos etc. Nicht falsch verstehen: Ich möchte das Thema nicht herabwürdigen oder ähnliches, nur hört man überall davon, so dass ich Bücher etc. zu der Thematik normalerweise nicht beachte. Auf das Hörspiel bin ich aufmerksam durch das TV-Event geworden. Meine Arbeitskollegin hat das in der Firma zum Thema gemacht und wegen ihr habe ich mich dann mit 'Terror' von Ferdinand von Schirach befasst. Und was soll ich sagen? Es ist wirklich mal etwas anderes in Bezug auf die Thematik und ich bin sehr begeistert bezüglich der Umsetzung. Und da die Schauspieler auch die Sprecher sind, musste ich das Hörbuch einfach haben - es hat sich auf jeden Fall gelohnt. Man hört bei diesem Fall nur die Zeugenaussagen, die Aussagen vom Angeklagten, die Plädoies der Anwälte etc. Kurz: Die Gerichtsverhandlung. Man hat im Falle des Hörspiels nur den Aspekt des Hörens und keinen Visuellen Einfluss. Das finde ich wirklich toll gemacht! So muss der Hörer sich mit der Thematik befassen, sich seine eigene Meinung bilden und das ausschliesslich aus dem Gehörten. Zugegeben, ist es ein schmaler Grad zwischen Schuld und Unschuld. Ja, Lars Koch hat 164 Menschen getötet und für die Hinterbliebenen finde ich es schrecklich, dass sie die Konsequenzen tragen müssen. Daher konnte ich die Frau eine Passagieres sehr gut verstehen. Wenn ich als Angehöriger direkt betroffen wäre, würde ich vermutlich auch anders denken, als Menschen, die niemanden verloren haben. Was ich auch sehr gelungen fand, dass die Abläufe bei einem solchen Anschlag gut erklärt wurde! Die Fachbegriffe wurden den Beteiligten nicht einfach an den Kopf geworfen, sondern jeder Ausdruck wurde kurz erläutert. So konnte man sich besser in die Lage des Führungszentrum versetzen - obwohl sich auch hier einige Fragen aufgetan haben (aber das hört ihr euch am Besten selbst an) Ein wichtiger Aspekt finde ich: Lars Koch hat im Gegenzug 70'000 Menschen gerettet! Hätte man diese Menschen sterben lassen sollen, nur weil er sich einem Befehl hätte beugen müssen? Ich finde es sehr mutig von ihm, dass er die Entscheidung zum Abschuss getroffen hat. Er hat 'das kleinere Übel' gewählt und dafür in Kauf genommen, dass die Menschen an Bord der Maschine leider sterben müssen. Faszinierend, und zugegeben auch sehr radikal, fand ich die Aussage des Piloten an sich. Wie er zu der ganzen Sache steht, der Rechtslage etc. Das ist im ersten Moment schon ziemlich hart. Ich musste selbst zuerst darüber nachdenken, was er gesagt hat und wie ich zu den Aussagen von ihm stehe. Z.B. die Aussage, dass jeder Mensch, der sich an Bord eines Flugzeuges begibt, quasi sein Okay gibt, dass man ihn bei einem Terroranschlag tötet, fand ich sehr sehr krass. Ich selbst kann aber inzwischen seinen Ansichten zum grossen Teil zustimmen, nachdem ich es auch mit verschiedenen Personen diskutiert, mehrmals angehört und darüber nachgedacht habe. Es gibt noch viele weitere Aspekte, auf die ich selbst nie gekommen wäre, die aber einer simplen Logikt entsprechen und mich dazu gebracht haben, einige Dinge noch einmal zu überdenken. Die beiden Plädoies hatten beide sehr stichhaltige Argumente. Ich kann nicht sagen, dass die Staatsanwältin mit ihrer Meinung völlig daneben liegt: Auf gar keinen Fall! Aber ich finde, dass man in solchen Ausnahmensituationen ganz andere Regeln gelten lassen muss. Und daher stehe ich persönlich mehr hinter dem Plädoier des Verteidigers, was ich wirklich wirklich gut fand! Nachdem ich für mich selbst abgewogen habe, was ich vertreten könnte, wie ich zu den Aussagen stehe etc., bin ich für mich zu folgendem Urteil gekommen: Unschuldig! Ich würde Lars Koch definitv frei sprechen und ihn nicht für den Abschuss und den damit verbundenen Tod der Passagiere verurteilen. Die Sprecher fand ich wirklich toll und auch das Cover finde ich sehr gelungen. Ich werde mir den Film auf jeden Fall noch einmal ansehen und auch das Buch dazu noch lesen. Im März kommt das Theaterstück in meine Nähe und ich habe vor, mir auch das anzusehen. Ihr seht, ich bin begeistert und komme kaum aus dem Schwärmen heraus - trotz des ernsten Themas. Fazit Regt zum Nachdenken an und ist super umgesetzt worden. Daher klare 5 Sterne und eine grosse Empfehlung!

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.. auch wenn die Theretiker pfeifen und kreischen (s. Herrn Sowieso in der ZEIT "'Terror'" – Ferdinand von Schirach auf allen Kanälen. Eine Kolumne von T. F.) der Text und das Schauspiel ist eine gute, praktiische Rechtskunde. Ich habe keine Urteil über "Mord" oder "Freispruch" abgegeben, weil ich glaube, dass ein solches Kunst-Urteil soziologisch zwar interressant sein kann, aber der Zu-Richtende eines solchen Urteils enthoben sein sollte; wie eben eine Kunstfigur als Leser- oder Dramenstoff. Ich danke ausdrücklich dem Autor; er ist kompetent für Crimen et Psyche.!

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fragwürdige Sensationsheische !

Von: Sabine Hammer aus München

17.10.2016

FRAGE: Alle Menschen die in dem Flugzeug sitzen haben keine Chance - weder durchgezielten Absturz noch durch den Absturz in das Stadion. Warum wird das nicht thematisiert?

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Der Fall, um den das Theaterstück Terror von Ferdinand von Schirach kreist, ist in der Theorie als sogenannter Weichenstellerfall bekannt. Ein Wagon rast ein abschüssiges Stück Schiene herab und droht in einen vollbesetzten Personenwaggon auf der Strecke aufzufahren. Dutzende Opfer wären die Folge – doch da gibt es eine Weiche, die man umlegen könnte. Am Ende der alternativen Strecke befinden sich allerdings 5 Gleisarbeiter, die man mit der Entscheidung, die Weiche zu stellen, ermorden würde. Genau dieses Dilemma überträgt von Ferdinand von Schirach in seinem Stück nun auf den Bundeswehrpiloten Lars Koch. Dieser hat eine Lufthansa-Maschine abgeschossen, in der 164 Passagiere saßen. Die Maschine befand sich in der Hand eines Geiselnehmers, der drohte das Flugzeug auf die vollbesetzte Allianz-Arena abstürzen zu lassen. 70.000 Opfer wären die Folge gewesen. Lars Koch hat nun den Tod der 164 Fluggäste gegen den von 70.000 Arenabesuchern in Kauf genommen und das Flugzeug gegen die Anordnung seiner Vorgesetzten vom Himmel geholt. In der Folge sitzt er nun auf der Anklagebank und der Leser beziehungsweise der Zuschauer des Theaterstücks befindet über das Urteil. Durfte Koch das Flugzeug abschießen und damit die Verfassung im vorliegenden Einzelfall aushebeln? Oder darf man kein Menschenleben gegen ein anderes aufrechnen? Am Ende entscheidet jeder Betrachter selber. Ferdinand von Schirach hat mit Terror eines der größten moralischen Dilemma überhaupt in ein packendes und hinterfragendes Stück verwandelt. Jeder Leser oder Zuschauer muss sich selbst, unterstützt durch die durchexerzierten Beiträge von Verteidigung und Staatsanwaltschaft, eine eigene Meinung bilden. Was darf ich in Notsituationen? Hat die Verfassung immer Bestand? Würde ich im übertragenen Sinn die Weiche stellen? Das vorliegende Theaterstück beziehungsweise die schon bald ausgestrahlte Verfilmung des Buchs hat in den letzten Wochen einige Kontroversen ausgelöst. Die FDP-Politiker Gerhart Baum und Burkhard Hirsch werfen dem Schauspiel vor, es würde die Zuschauer auf verfassungswidrige Gedanken bringen und das Grundgesetz zersetzen. Ein in meinen Augen mehr als haltloser und lächerlicher Vorwurf. In Wahrheit ist dieses Stück der größte Gefallen, den man der Verfassung tun kann. Von Schirachs Stück ist ein unverbrüchliches Plädoyer für die Verfassung und ihren Geist, den sie atmet. Gekonnt exerziert er die Überlegungen zum Thema der Verfassung und ihrer Gültigkeit durch und stärkt dabei ihre Funktion und erreicht damit wahrscheinlich mehr Menschen, als Baum und Hirsch das heutzutage können. In zahlreichen Städten steht das Stück auf den Spielplänen, die Aufführungen immer ausverkauft – sicherlich auch ein Indiz für die Qualität dieses intensiven Moraldilemmas aus der Feder von Ferdinand von Schirach. Dieses Stück sollte Pflichtlektüre für alle Grundkurse in Recht und Moral sein und auf dem Lehrplan der Schulen stehen!

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