Leserstimmen zu
Der Fall Kallmann

Håkan Nesser

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www.btb-verlag.de/Kallmann

Von: Juergen Carl aus 60599 Frankfurt / Main

04.11.2017

5 Sterne für Der Fall Kallmann Endlich wieder ein Hakar Nesser wie ich ihn schaetze. Wunderbare Lesestunden.

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Nach dem Verlust seiner Frau und seiner Tochter zieht Leon Berger in eine schwedische Kleinstadt, um an der dortigen Schule als Lehrer neu anzufangen. Er übernimmt den Job eines gewissen Eugen Kallmann, der wenige Monate zuvor unter ungeklärten Umständen ums Leben kam. Für die Polizei war es ein natürlicher Tod, aber nachdem Leon in seinem Schreitisch Tagebücher gefunden hat, wachsen langsam Zweifel an dieser Version. Zusammen mit seinen Kollegen Ludmilla und Igor beginnt er nachzuforschen und will vor allem herausfinden, was an den Tagebüchern der Wahrheit entspricht und was Fiktion ist, denn dort berichtet Kallmann von einem Mord, den er begangen habe. Weitere Zwischenfälle in der Schule, zunächst antisemitische Briefe, dann aber auch ein Mord an einem Schüler scheinen im Zusammenhang mit dem undurchsichtigen Lehrer zu stehen, der in all den Jahren an der Schule trotzdem für alle Kollegen unbekannt und ein Rätsel blieb. Schätzungsweise war dies mein fünfzehnter Roman von Håkan Nesser und immer wieder bin ich begeistert davon, wie es ihm gelingt einen ganz eigenen, ruhigen Erzählton zu entwickeln, obwohl die Geschichte gerade eine dramatische Wendung nimmt und das Leben seiner Figuren tiefgreifend verändert. Der etwas langsamere Rhythmus der schwedischen Provinz wird so überzeugend umgesetzt und macht das Lesen seiner Krimis zu einem großen Spaß. Der aktuelle Fall um Eugen Kallmann kann mich ebenso überzeugen wie viele Vorgänger. Nesser verzichtet auf unnötige Komplikationen durch ein riesiges Figurenensemble, im Wesentlichen beschränkt er sich auf die beiden Lehrer Leon und Igor und die Schulpsychologin Ludmilla. Hinzu kommt eine Schülerin, deren Familiengeschichte in den Fall verwickelt zu sein scheint. Das Privatleben verleiht den Figuren mehr Tiefe, lenkt jedoch nicht von den Nachforschungen ab, sondern ist genau richtig dosiert. Auch setzt Nesser nicht auf unerwartete Zufälle, um seinen clever konstruierten Plot zu lösen, sondern dröselt langsam und zielgerichtet jeden Knoten auf, so dass nicht nur alle Fragen beantwortet werden, sondern auch die Motivationen der Figuren glaubwürdig bleiben und die Handlung in sich stimmig wirkt. Es sind einmal mehr urmenschliche Beweggründe, die die Figuren zu ihrem Handeln veranlassen. Wie nur wenigen anderen Autoren beweist Håkan Nesser eine hervorragende Beobachtungsgabe der menschlichen Natur und kann dies gekonnt in einen Roman umsetzen. Die perfekte Unterhaltung für lange Herbstabende.

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Ein außergewöhnliches Buch

Bücherstube Frank Wildhage GmbH

Von: Annette Wildhage aus Oberursel

30.10.2017

Ein außergewöhnliches Buch von einem außergewöhnlichen Autor. Viel mehr als nur ein Krimi. Hier treffen sich subtile Spannung und psychologische Raffinesse. Ein sehr klug und einfühlsam komponiertes Buch.

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Hakan Nesser in Bestform

Von: Ina Stahl aus Trippstadt

27.10.2017

Nachdem seine Frau und seine Tochter bei einem Bootsunfall ums Leben gekommen bzw. vermisst sind, hält Leon Berger nichts mehr in Stockholm. Eine ehemalige Kommilitonin, Ludmilla, die er zufällig wiedertrifft, erzählt ihm von einer freien Lehrerstelle an ihrer Schule in der Kleinstadt K. und Berger nutzt die Chance, bewirbt sich darauf und wird genommen. Bald erfährt er, dass sein bei den Schülern äußerst beliebter Vorgänger an der Schule, Eugen Kallmann, unter ungeklärten Umständen zu Tode gekommen ist. Als Berger beim Ausräumen von Kallmanns Schreibtisch auf dessen Tagebücher stößt, ist sein Interesse geweckt und er beginnt, gemeinsam mit Ludmilla und einem weiteren Kollegen Kallmanns Leben und Tod unter die Lupe zu nehmen. Vieles in den Tagebüchern erscheint ihnen wie Fiktion. Beispielsweise behauptet Kallmann, er könne erkennen, wenn ein Mensch ein Mörder ist, indem er ihm in die Augen blickt. Wo endet die Realität, wo beginnt die Fiktion? Sie stellen fest, dass keiner den Kollegen Kallmann wirklich gut gekannt hat, obwohl er mehr als 25 Jahre an der Schule tätig war. Der Kriminalfall Kallmann, sofern es sich wirklich um einen solchen handelt, sowie weitere ungeklärte Verbrechen bilden das Gerüst dieses Romans, stehen jedoch nicht im Vordergrund. Liebhaber von möglichst grusligen und spektakulären Thrillern, in denen viel Blut fließt, werden an diesem Buch keine Freude haben. Die Personen und ihre Lebensumstände werden genau und äußerst humorvoll beschrieben. Obwohl das Buch fast 600 Seiten umfasst und manchmal nicht sonderlich viel passiert, sondern vielmehr die Gedanken und das Seelenleben der einzelnen Personen beleuchtet werden, hat mir das Lesen jeder einzelnen Seite Spaß gemacht. Nesser ist ein Schriftsteller, dessen Bücher von gleichbleibend hoher Qualität sind. Ich habe jedes seiner Bücher gelesen, dieses hat mir sprachlich besonders gut gefallen, was nicht zuletzt der hervorragenden Übersetzung von Paul Berf geschuldet ist. Ein großer Lesegenuss für alle Nesser-Fans!

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"Der Fall Kallmann" von Håkan Nesser erweckt in Tagebuchform ganz besondere Charaktere zum Leben. Mit privaten Ermittlungen in der schwedischen Kleinstadt K. sorgen sie für starke Unterhaltung für uns Leser. Inhalt: Der Lehrer Leon Berger beginn in der schwedischen Kleinstadt K. nach einem Schicksalsschlag ein neues Leben. Nach der Sommerpause tritt er dort seinen Schuldienst an und findet im Lehrerpult Tagebücher seines Vorgängers Eugen Kallmann, der vor den Ferien gestorben ist. Die Polizei geht von einem Unglücksfall aus, doch diese Tagebücher werfen alles in ein anderes Licht. In den Aufzeichnungen behauptet Kallmann, in der Lage gewesen zu sein, in den Augen der Menschen zu erkennen, ob sie einen Mord auf dem Gewissen hätten. In den letzten Monaten vor seinem Tod, war er einem ungesühnten Verbrechen auf der Spur. Leon Berger beginnt mit einigen Mitstreitern private Untersuchungen und versucht etwas Licht in das Leben und den Tod seines Vorgängers zu bringen. Mein Eindruck: Was im Klappentext als außergewöhnlicher Fund beschrieben wird, ist im ganzen Buch Programm. Die Handlung der Geschichte wird ausschließlich in Tagebuchform aus den Perspektiven unterschiedlicher Charaktere erzählt. Daher erhält der Leser einen sehr tiefgehenden Einblick in deren Leben. Die Charaktere haben alle für sich ihre eigene Vergangenheit und eigene Sorgen und Probleme. Sie wirken daher sehr menschlich und fühlbar. Die Handlung an sich beschränkt sich nicht nur auf die Aufklärung des fragwürdigen Todes von Eugen Kallmann. Sie beziehen sich auch auf andere Personen und ihre Lebensgeschichten. Natürlich stehen dabei Vorgänge und Personen in Beziehung zueinander. So lernt der Leser auch die sympathische 15-jährige Andrea Wester kennen, die sich ebenfalls mit ihrer besten Freundin Emma als Detektivin versucht. Oder ihr Mitschüler Charlie, der Kallmann tot aufgefunden hatte, der mit seinem Verhalten mehr für Fragen als für Antworten sorgt. Eugen Kallmann ist die zentrale Person, dessen Tod in der schwedischen Kleinstadt verschiedene Dinge in Gang setzt. Dabei wird auch mehr als ein Geheimnis gelüftet, was die Geschichte vielschichtig und abwechslungsreich macht. Trotzdem haben alle Fäden eine Verbindung zueinander. Der Autor lässt nebenbei auch eine Gruppe fremdenfeindlicher Tendenzen auftreten, die in der Stadt K. ihr Unwesen treibt, was als Nebenlinie den Roman durchzieht und trotzdem nicht aufgesetzt wirkt. Insgesamt gesehen, handelt es sich um eine - vor allem rätselhafte - Geschichte, in der man sich als Leser einfach treiben lassen sollte. Der Schreibstil ist - wie bereits erwähnt - Tagebüchern zuzuordnen. Durch geschickte Abschweifungen, z.B. Zitate aus bekannteren Büchern und ganz persönlichen Überlegungen der schreibenden Charaktere wird eine besondere Tiefe hergestellt. Der Autor geht dabei weit über fade Beschreibungen hinaus und bringt einige interessante Formulierungen hervor. Fazit: "Der Fall Kallmann" ist eine vielschichtige und tiefgehende Geschichte mit ganz tollen Charakteren. Sehr lesenswert.

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