Leserstimmen zu
Osiris

Franck Goddio, David Fabre

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Vom 10.02.2016 bis 13.08.2017 zeigte das Museum Rietberg in Zürich die erfolgreiche Ausstellung "Osiris - Das versunkene Geheimnis Ägyptens". Die meisten der gezeigten Artefakte stammten aus Ausgrabungen des Europäischen Instituts für Unterwasserarchäologie (IEASM) unter Leitung des bekannten Unterwasserarchäologen Franck Goddio. Das hier vorliegende Buch ist der begleitende Ausstellungskatalog. Goddios Team entdeckte während seiner Unterwassergrabungen in der Bucht von Abukir die antiken, im 8. Jahrhundert n. Chr. versunkenen Städte Thonis-Herakleion und Kanopus. In diesen Städten spielte der Kult um den altägyptischen Gott Osiris eine große Rolle, und so beschäftigt sich der Begleitband eindrücklich mit dem 4000 Jahre alten Osiris-Mythos, den Ausgrabungsstätten sowie den Osiris-Prozessionen. Ich selbst habe leider diese Ausstellung nicht besuchen können. Da ich studierte Ägyptologin bin, interessierte mich dieses Buch natürlich sehr, da ich mir die Ausstellung wenigstens so doch noch indirekt anschauen konnte. Positiv hervorheben möchte ich gleich zu Beginn das wunderschöne Layout. Der Katalog ist durchgehend reich bebildert mit Aufnahmen der Objekte und Fotos von den Unterwassergrabungen. Einige der Bilder erstrecken sich sogar über drei (aufklappbare) Seiten. Das Buch macht wirklich einen sehr hochwertigen Eindruck. Der Textteil ist in unterschiedliche Kapitel eingeteilt, die sich mit verschiedenen Aspekten des Osiris-Mythos' beschäftigen. Diese sind von drei verschiedenen Wissenschaftlern (Jocelyne Berlandini-Keller, Anne-Sophie von Bomhard, Sydney Hervé Aufrère) verfasst. Und hier setzt auch meine Kritik an. Natürlich kaufen sich dieses Buch Menschen, die sich für Archäologie und das alte Ägypten besonders interessieren. Und vermutlich sind viele dieser Leute recht gebildet und haben vielleicht auch schon einige Vorkenntnisse in diesem Bereich. Allerdings fand ich die Text viel zu trocken und wissenschaftlich und eher weniger geeignet für "die breite Masse". Selbst ich als "Fachfrau" fand die Texte größtenteils ziemlich dröge. Ich finde, man muss Wissenschaft nicht immer trocken rüberbringen. Hinzu kommen zahlreiche Zitate aus antiken Inschriften, die scheinbar recht willkürlich zwischen oder neben die Texte gesetzt wurden, was den Lesefluss stört und das Layout etwas unruhig wirken lässt. Ich wusste manchmal gar nicht, was ich zuerst lesen soll. Positiv hervorzuheben ist die ausführliche Bibliographie im Anhang. Auch dass die Fußnoten direkt auf der Seite des Textes sind, gefällt mir gut. Und es ist löblich, dass einige Fachbegriffe auch in einer Randnotiz kurz erklärt werden, allerdings gibt es so viele Fachbegriffe, die wiederum nicht erklärt werden, dass man stattdessen entweder ein ausführliches Glossar hätte beifügen oder es alternativ direkt hätte lassen können. Trotz dieser Kritikpunkte ist dieser Katalog jedoch wirklich ein sehr schönes, hochwertiges Buch, das ich jedem ans Herz legen kann, der sich für das alte Ägypten und den Gott Osiris interessiert.

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„Von allen ägyptischen Göttern war Osiris den Menschen am Nächsten“. Und ebenfalls nun, durch diesen sorgfältig zusammengestellten und umfassenden Band kommt dieser Gott auch den heutigen Menschen zumindest in den Fakten wieder nah. Ackerbau und Viehzucht, Gesetzgebung, rundweg die Zivilisation den Menschen zu bringen, das wird Osiris zugeschrieben, dem „erben und Herrscher des irdischen Königreiches“. Mit dramatischem Ende als Opfer des Brudermordes durch Seth. Und, wie es bei Göttern so ist, wieder ins Leben geholt (mit „Einhauchen neuen Atems“, was doch an die Paradiesgeschichte der Bibel wiederum erinnert). Und dessen Sohn „Horus“, der für seinen Vater Rache nahm und wieder König auf Erden wurde. Wie nun, neben der Legende, das archäologische Material in vielfacher Form gefunden du geborgen wurde (Teils auf dem Grund der Bucht von Abukir) und wie die tatsächliche Geschichte sich darstellt, das zeigen Goddio und Fabre in gut lesbaren, informativen Texten und einer ebensolchen Fülle an Fotografien auf. Sie es 238 v. C. in der Verbindung des Osiris-Kultes mit der verstorbenen Tochter des damaligen Pharaos, Berenike, oder sei es, wie die „Nilpferdgöttin“ Horus, den Sohn vor seinem Onkel Seth schützte, bevor Horus die Macht an sich nahm, vielfach sind die Durchmischungen von Legende und Geschichte, von Inschriften und Stelen, von Statuetten und Bronzetafeln, die reichhaltig unter Wasser gefunden wurden und nun ausgestellt werden können. Beeindruckend dabei nicht nur, aber doch überaus, die auf dem Bauch liegende Statue des „erwachenden Osiris“, an der detailliert und genau die Virtuosität der Bildhauer zu betrachten ist. Und ebenso anregend zu lesen sind die vielfachen Elemente religiöser Überlieferungen und Mythen, die ihren Niederhall in vielen religiösen Vorstellungen der geographischen „Wiege der Religionen“ findet. Dass Osiris starb und wieder aufwachte und seitdem für die Menschen ein Tor zum „Leben nach dem Tod“ darstellt und in, diskret und geheim gehaltenen, Mysterien einen umfassenden Kult hervorbrachten. „Da die ägyptische und die griechische Religion weder Konkurrenten noch Antagonisten waren, vermischten sie sich in der griechisch-römischen Epoche so sehr, dass es schwierig wurde, in ihnen noch zwei Systeme mit unterschiedlichen Bekenntnissen und Praktiken zu erkennen“. Was sicherlich auch das „Moderne“ an so vielen Elementen und Ideen des Osiris-Kultes erklärt, die bis heute in der ein oder andern Form Eingang gefunden haben in die Religionssysteme und kulturellen Vorstellungen (natürlich ohne dies eins zu eins wiederzufinden). Was, wie die Autoren ebenfalls ruhige und ausführlich darlegen, auch mit der engen Verbindung zum ISIS-Kult zu tun hat Mutter der Götter und Schutzherrin der leidenden Menschheit. Götter, Tiergötter, Legenden, Fakten, Bildnisse und Artefakte, alles, was zum Osiris-Kult führt und das, was an vielfachen Verästelungen aus diesem folgte ist im Buch sorgsam zusammengetragen und in bester Weise aufbereitet für den Leser.

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