Leserstimmen zu
Gespräche mit Freunden

Sally Rooney

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Die Gedanken einer 21-Jährigen

Von: marvellous.books

08.10.2019

Frances ist eine 21-jährige Studentin, als sie zusammen mit ihrer besten Freundin Bobbi das Ehepaar Melissa und Nick kennen lernt. Melissa und Nick sind um einige Jähre älter als die beiden Studentinnen, Nick ein semi-erfolgreicher Schauspieler. Aber weder das Alter noch die unterschiedlichen Lebenssituationen sind ein Problem für die vier, sie treffen sich immer öfter, sie trinken und essen zusammen, führen Gespräche über das Leben, doch im Luft liegt etwas schwereres, etwas knisterndes und funkelndes… Ich habe schon, bevor ich es gelesen habe, viel zu viel über dieses Buch gehört, es wurde teils überschwänglich gelobt. Wird es diesem Hype gerecht? Vielleicht nicht ganz, ein grundsolides Buch ist es aber trotzdem. Es passiert im Grunde nicht sehr viel, doch diese etwas triviale Geschichte über die Macht der Anziehungskraft, Untreue und Beziehungsgeflechte, ist sprachlich ganz fabelhaft verpackt. Es kam bei mir keinerlei Langeweile auf, teilweise habe ich mich wiedererkannt, mein junges, zweifelndes Selbst von vor 10 Jahren, und die Dialoge und Themen genossen, die angeschnitten wurden: Liebe, Eifersucht, innere Zerrissenheit, Stolz und Depression sind nur einige der Gefühle, durch die uns die Protagonistin führt. Wer mit weniger Informationen an die Geschichte herangeht, der wird belohnt.

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Gespräche mit Freunden

Von: Bearnerdette

07.10.2019

Die junge Frances driftet durchs Leben, studiert und jobbt, hat aber kein richtiges Ziel. Gemeinsam mit ihrer Freundin und ehemaligen Partnerin Bobby nimmt sie an Poetry Slams teil, wobei sie in erster Linie für das Schreiben der Texte verantwortlich ist. Eines Tages lernen die beiden das Ehepaar Melissa und Nick kennen, sie Autorin, er Schauspieler. Die beiden sind weltgewandt, erfolgreich und einige Jahre älter als die jungen Frauen. Während Bobby sich zu Melissa hingezogen fühlt, beginnt Frances eine Affäre mit Nick. Doch bald schon ist Nick für Frances mehr als nur ein Liebhaber. Die irische Schriftstellerin Sally Rooney wird gerade auf Instagram und co. sehr gehypt, und ich kann gut verstehen warum. Sie schreibt über junge gebildete Menschen, über unangepasste Frauen und verhängnisvolle Beziehungen und hat dabei einen eingängigen angenehmen Schreibstil. Ihre Charaktere sind dreidimensionale Unsympathen, und selbst Hauptfigur Frances war mir bis zum Ende nicht wirklich sympathisch. Allerdings stört mich das gar nicht, Figuren mit Ecken und Kanten sind mir lieber als Mary Sues. Man könnte dem Buch vorwerfen, intelektueller sein zu wollen, als es ist, aber ich mochte die Art, wie Rooney erzählt. Etwas frustriert hat mich lediglich das Ende, welches ich aber natürlich nicht verrate. Davon abgesehen war das Buch unterhaltsam, überzeugte mich mit starken Charakteren und einer unvorhersehbaren Handlung. Von Frau Rooney würde ich gerne mehr lesen.

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Die introvertierte Frances (21) studiert am Dubliner Trinity College, schreibt Poetry und performt diese bei Spoken-Word-Veranstaltungen in Dubliner Pubs. Zusammen mit ihrer kontaktfreudigen Ex Bobby. So lernen die beiden jungen Frauen Journalistin Melissa (37) und deren gutaussehenden Mann (32) kennen. Während Melissa ein Porträt über das literarische Duo schreibt, lernen sich alle Vier kennen. Und lieben. Vergöttert Bobby Melissa, kommt Francis dem stillen Schauspieler Nick immer näher. Die Handlung könnte abgedroschener nicht sein. Eine junge Frau verliebt sich in einen weit älteren Mann. Eine Affäre beginnt. Warum also handeln große Teile der Literaturwelt „Gespräche mit Freunden“ als den heißen Scheiß der Millennium-Generation? Warum sorgt das Debüt der Irin Sally Rooney (Jahrgang 1991) für solch ein Aufsehen? So glasklar, dass Splitter fliegen Rooneys gibt einer jungen Frau eine Stimme, die wir sonst nicht hören würden. Einer jungen Frau, die mit sich selbst nicht im Reinen ist. Die kein Ziel hat. Die hadert und zweifelt und ihren Weg nicht kennt. Die viel zu klug für die Welt ist und doch – oder gerade deswegen – unzulänglich im Umgang mit Menschen. Die sich abschirmt, unsicher ist und cool wirken will. Die Mauern baut, um nicht verletzt zu werden. Und sich weh tut, um sich zu spüren. Die denkt, nichts wert zu sein. Anti-Heldin Francis verkörpert die selbstzerstörerische Zerrissenheit der Jungend so treffend, dass es schmerzt. So glasklar, dass Splitter fliegen. Dabei ist es kein Zeitgeist. Junge, gebildete Menschen, die Zeit zum Denken und für Müßiggang besitzen, denken diese Gedanken in jeder Generation. Herrje, ich bin 40 und sah mein rauchendes 21-jähriges Ich mit Kommilitonen über soziale Ungerechtigkeit, intellektuelle Diskrepanzen und polyamore Liebe philosophieren. Die Ähnlichkeiten sind unheimlich. All die Gedanken, die Francis denkt, sind mir bekannt. Oder besser, sie waren mir bekannt. Denn die Zeit schliff die Kanten der Splitter rund. Fügte Scherben zusammen. Machte mich gnädiger und sanfter. Lässt mich netter über mich und die Menschheit denken. Meist. Auch Frances beginnt diese Entwicklung. Am Ende ihrer Erzählung. Was Rooneys Debüt zu einem klassischen Entwicklungsroman macht. Fragt man die 1968er oder Zeitzeugen der 1920er, werden diese Ähnliches berichten können. Genauso wie die Erben wohlhabender Händler und die Kinder des Adels vergangener Jahrhunderte. Es war schon immer das Vorrecht der Jugend, alles besser zu wissen, als die Alten. Dennoch wirkt Frances Stimme frisch, fast revolutionär. Essenz der jungen, gebildeten Weiblichkeit Zumindest die Frage, wie feministisch sie sein muss, wie sehr eine junge Frau den Mann an sich hassen „muss“, ist in ihrer Reichweite und Intensität eine Frage unserer Zeit. Zu all den intellektuellen Problemen, die Frances als junge, moderne Frau mit sich herumträgt, gibt Rooney ihrer Protagonisten noch ein ganz reales weibliches Leiden mit auf den Weg. Endometriose – eine Krankheit, unter der immerhin 10 bis 15 % aller Frauen leiden. So ist Frances die Essenz all der Herausforderungen, Reizüberflutungen, moralischer Bürden und Gender-Debatten, die heute über die Heranwachsenden der gebildeten, gutbürgerlichen Mittelschicht hereinbrechen. Weckt Verständnis Ich fand die Gedankengänge interessant; Frances Zerrissenheit glaubwürdig. Auch wenn ich mich während des Lesens überwiegend zu alt für die Lektüre hielt, zu weit weg, weckte sie doch Verständnis für die jungen Frauen von heute. Weckte Erinnerungen an mein jüngeres Ich. Auch wenn ich dieses jüngere Ich heute gerne schütteln würde und ihm sagen möchte: „Denk nicht so viel. Das Leben wird es fügen. (Und man, wärst Du fasziniert, was aus Dir werden wird…)“ Schriftstellerisch ist Rooney ein Naturtalent. Auch wenn mich die Ich-Erzählweise mit der konsequenten indirekten Rede anstrengte: Die Metaphern reiche Sprache ist ein Genuss. Durch Frances Gedanken zu blättern erschreckend beklemmend und authentisch. Und so schwer die Kost sein könnte, so leicht ist sie dann doch. Leicht fließen die „Gespräche mit Freunden“ dahin und wir belauschen sie dabei.

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Schwacher Spannungsbogen

Von: Newspaper aus Krefeld

30.09.2019

Inhalt: „Frances und ihre Freundin Bobbi, Studentinnen in Dublin, lernen das gut zehn Jahre ältere Ehepaar Melissa und Nick kennen. Sie treffen sich bei Events, zum Essen, führen Gespräche. Persönlich und online diskutieren sie über Sex und Freundschaft, Kunst und Literatur, Politik und Genderfragen und, natürlich, über sich selbst. Während Bobbi von Melissa fasziniert ist, fühlt sich Frances immer stärker zu Nick hingezogen … Ein intensiver Roman über Intimität, Untreue und die Möglichkeit der Liebe, eine hinreißende, kluge Antwort auf die Frage, wie es ist, heute jung und weiblich zu sein.“ Schreibstil/Art: Die Persönlichkeiten der vier Hauptprotagonisten sind eigenwillig, teils unnahbar und unantastbar und teils provokativ aber stellenweise auch schwach gezeichnet. Eine Beziehung konnte ich leider zu keinem aufbauen obwohl das Buch aus Frances Perspektive geschrieben ist und man meinen müsste, dass es dadurch persönlicher wirkt. Da ich sie aber gelegentlich ziemlich anstrengend und naiv fand, störte mich ihre Sichtweise und Einstellung. Vor allem weil es sich meistens doch nur um ihre Befindlichkeit drehte und der Leser gar nicht die Chance hatte die Gedankengänge der anderen nach vollzuziehen. Die Personen sind zu sehr auf Distanz gehalten. Bei den Dialogen hätte ich mir das Gesprochene in Anführungszeichen gewünscht. Die Sprache hat mir gut gefallen; modern und flüssig. Aktuelle Themen wurden mit eingebunden und in Form von Gesprächen, E-Mail- und SMS Verkehr ausgetauscht. Fazit: Anfangs fand ich es noch interessant zu lesen, wie sich die Einzelbeziehungen entwickeln. Vor allem zusehen wie Melissa, Nick, Bobbi und Frances sich das Leben schwer machen, denn unausgesprochenes verkompliziert doch so einiges. Aber irgendwie habe ich mehr erwartet, mir fehlte die Spannung. Manches ist und bleibt für den Leser unplausibel und nicht nachvollziehbar. Ab und an fand ich den Inhalt fragwürdig, da ich oftmals den Entscheidungen nicht zustimmen konnte. Für alle die ein unkompliziertes und ruhiges Buch suchen, ist es passend. Leser die Spannung erwarten, bekommen diese hier leider nicht geboten.

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Eigentlich erzählt dieser Roman sehr triviale Beziehungsgeschichten. Eigentlich. Und dann schaut man genauer hin und bemerkt den feinen Unterschied. Natürlich geht es voranging darum wer mit dem und welcher Zuneigungsgrad aktuell ist. Wenn man dann auch noch in Betracht zieht, dass zwei von 4 Hauptpersonen Collagstudentinnen sind, dann könnte man geneigt sein das Buch nicht mal aufzuschlagen. Aber dann tut man dem Roman unrecht, denn der Unterschied zu anderen Romanen die auf den ersten Blick einen ähnlichen Plot haben, ist enorm. Die Autorin Sally Rooney bringt uns diese Geschichte nicht durch eine klassische narrative Erzählweise näher, nein, sie skizziert ihre Gespräche. Daher ist der Titel auch absolut passend gewählt. Die 4 wichtigsten Personen sind im ständigen Kontakt miteinander und tauschen sich aus. Sally Rooney beschreibt aus der Sicht einer der Collegestudentinnen, Frances, wie gesprochen wird, welche Tonlage angeschlagen wird, welche Körpersprache zum Einsatz kommt. Dann kommt noch hinzu, dass dieser Roman mit den Beziehungen die dort geführt werden, das klassische bekannte Lebensmodell, Mann und Frau in einer Ehe, in Frage stellt. Der Roman eröffnet den Blick auf neue Beziehungsmöglichkeiten und lässt es so normal erscheinen. Für viele ist es so, aber ich glaube für ganz viele leider noch nicht. All das macht den Roman so anders und ein Stück mehr Literatur als nur Schmöker. Allerdings muss ich auch zugeben, dass meine Erwartung an den Roman immens hoch war, da die britische Presse und Literaturszene diesen Roman in den Himmel gelobt haben. Die Latte lag leider etwas zu hoch durch die vielen überpositiven Stimmen. Wer mit weniger Informationen an den Roman herangeht wird belohnt. Die Übersetzung ist von der mit sehr geschätzten Zoe Beck hervorragend gelungen. Fazit: Wann habe ich zum letzten Mal ein Gespräch mit Hingabe mit einer/m Freund/in geführt? Der Roman inspiriert zum näheren und ehrlichen Austausch mit den wirklich wichtigen Menschen im Leben. Ich danke dem Verlag für das Rezensionsexemplar.

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Frances ist 21, studiert in Dublin und präsentiert Lyrik zusammen mit ihrer besten und zugleich Ex-Freundin bei Spoken-Word-Veranstaltungen. So lernen die beiden die 37-jährige Melissa und ihren Mann Nick kennen. Die beiden sind fasziniert von dem Paar, angezogen von der Präsenz, die die beiden ausstrahlen. Und Frances verliebt sich Nick. Sally Rooney entwirft eine Geschichte um ein ungewöhnliches Vierergespann, mitten drin eine junge Frau auf der Suche nach Liebe, Erkenntnis, aber vor allem sich selbst. ⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀ Sally Rooney trifft den Nerv einer Generation, naiv und dreckig, kultiviert und rotzig zugleich. Man merkt dem Werk an, dass es von einer jungen Frau geschrieben wurde, aber im positiven Sinne - Jedes ihrer Motive repräsentiert den Zeitgeist. Manchmal hatte ich den Eindruck, die Gefühlswelt der Protagonistin blieb zu blass. Bedenkt man allerdings, dass Frances ihre eigenen Gefühle ausgrenzt, sich selber am liebsten nicht spüren will, ergibt sich ein sehr stimmiges Bild. Schmerzen, Liebe und vor allem Unsicherheit brodeln unter der Oberfläche. Sie werden nicht gedacht, sondern durch sehr präzise, aber feine Handlungsmotive inszeniert. Rooney erwartet mit ihrem Debüt nicht zu viel von der Leserin, gibt dafür umso mehr: ein binge-read Roman, der sein Niveau konstant zu halten versteht.

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Meine Meinung Dieses Buch habe ich tatsächlich in irgendeiner Zeitung gefunden und es hörte sich wahnsinnig interessant an. Besonders der Satz wie „Sie ist die Stimme der jungen Generation“ hat sich sehr in meinem Kopf festgesetzt. Ich war sehr gespannt auf die Geschichte der jungen Studentin. Und damit wären wir bei Frances, die 21-Jährige Studentin in Dublin. Sie schreibt gerne, besonders Gedichte und ist allgemein nicht unzufrieden mit sich, obwohl sie es sich immer mal wieder in Erinnerung rufen muss. Sie studiert und macht Praktika, möchte aber mit diesem Leben am liebsten gar nicht mehr aufhören. Sie ist ein ruhiger Charakter, der vor Emotionen brodelt, diese aber aufgrund von Geschehnissen in der Vergangenheit kaum an die Außenwelt trägt. Dadurch wird sie oft als „die Coole“ oder „die Gelassene“ beschrieben, obwohl sie häufig alles andere als gelassen ist. Sie hat mir gleich sehr gut gefallen, einerseits weil ich mich selbst sehr stark in ihr sehe und andererseits weil ich mich vielleicht ein kleines bisschen in sie verliebt habe. Bei Nick wusste ich zu keinem Zeitpunkt, was genau ich von ihm halten sollte. Er war immer wieder sehr faszinierend, aber doch blieb seine Intention für mich sehr unklar, wobei es Frances da schließlich sehr ähnlich ergehen musste. Die Handlung ist ebenso aufregend, wie alltäglich und normal. Es gibt keine wahnsinnig hohen Höhepunkte, auf die das Buch hin arbeitet, aber trotzdem ist es nicht langweilig, im Gegenteil. Während Frances sich ihrer Leidenschaft zu Nick immer mehr hingibt, durchläuft sie eine wahnsinnige Entwicklung, die sehr spannend anzuschauen war. Sie lernt sich selbst immer weiter kennen und trifft Entscheidungen, die sie immer weiter verändern und trotzdem kommt sie immer wieder zu sich zurück. Es geht viel um Frances‘ Emotionen und Gefühle und weniger darum, eine wahnsinnig fantasievolle Geschichte zu entwickeln. Es geht um eine Geschichte, die jede junge Frau erleben könnte, ohne dass Dinge geschönt werden. Ohne, dass alles perfekt läuft. Es wird gezeigt, was Liebe und Wut aus einem Menschen machen könen, wie viel uns Freundschaft bedeutet und wie weit jemand gehen würde, wenn es um seine Gefühle geht und das ohne romantisierten Schnick Schnack, sondern als pure Realität. Zudem geht es natürlich auch noch um die Gespräche unter Freunden – die vier Hauptfiguren diskutieren gerne über sämtliche Themen, besonders aber auch über Politik, Feminismus, Diskriminierungen und Sexualität. All diese Gespräche waren wirklich sehr interessant dargestellt, sodass es niemals zu viel von einem wurde. Es gab einen guten Wechsel und die Gespräche kann ich wahnsinnig gut auf mich un meine Freunde übertragen. Fazit Sally Rooney hat mich wahnsinnig begeistern können. Ihr Buch spiegelt ehrlich und unromantisiert die Emotionen einer jungen Studentin wieder, die sich in einem großen Gefühlschaos befindet und das in einem wundervollen Schreibstil. Die Handlung hat mich sowohl gefesselt, als auch süchtig gemacht und ich wollte nicht, dass dieses Buch endet. Vielen Dank an das Bloggerportal und den Luchterhand Verlag für das Rezensionsexemplar!

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Gegenwartsliteratur, die sich nur um zwischenmenschliche Beziehungen dreht, lese ich eigentlich nicht. Und trotzdem. Für Menschen, die in Großstädte ziehen und „irgendwas mit Medien“ machen, interessiere ich mich nicht besonders. Und trotzdem. „Mann betrügt Ehefrau mit deutlich Jüngerer“ klingt für mich ziemlich nach Klischee. Und trotzdem habe ich „Gespräche unter Freunden“ beinahe an einem Tag durchgelesen. Die Autorin Sally Rooney wird als DER britische Shootingstar am Literaturhimmel (die Zeit 30/2019) bezeichnet und ihr Debut „Gespräche mit Freunden“ wird bereits von der BBC als zwölfteilige Serie verfilmt. Was macht die 28-jährige Irin mit ihrem Erstlingswerk also so besonders? Die Geschichte des Buches ist schnell erzählt und eine Spoilerwarnung auch nicht notwendig, weil es im Buch nicht um die Geschichte geht. Die Handlung bietet lediglich den Rahmen für die titelgebenden Gespräche, die beinahe schon eine Generationenstudie darstellen. Worum geht es also? Frances und ihre Exfreundin Bobbi – beide Anfang zwanzig – treten häufiger gemeinsam bei Spoken-Word-Veranstaltungen auf. Dort treffen sie auf ein Ehepaar Mitte dreißig, sie Autorin, er Schauspieler. Die vier kommen ins Gespräch, werden Bekannte. Frances, aus deren Perspektive die Geschichte geschrieben ist, beginnt eine Affäre mit dem verheirateten Mann, dessen Beziehung zu seiner Frau nicht mehr wirklich glücklich zu sein scheint. So weit, so unspektakulär. Allerdings passiert in dem Roman stilistisch und erzähltechnisch einiges, was den Roman von anderen abhebt und wovon ich berichten will. Was mir beim Lesen von „Gespräche mit Freunden“ aufgefallen ist: Der erste Bruch in meinem Leben fand statt, als ich feststellen musste, dass die meisten professionellen Fußballspieler mittlerweile deutlich jünger waren als ich. Nun muss ich mit dem Gedanken anfreunden, dass auch erfolgreiche Autor*innen jünger sind als ich. Hart! Sprachliche Äußerungen sind nicht durch Anführungszeichen markiert. Es mag sich nach einer Kleinigkeit anhören, es fühlt sich wahnsinnig neu und ungewohnt an. So war ich stellenweise zum Beispiel unsicher, ob es sich bei dem gerade Gelesenen um einen Gedanken oder einen Gesprächsbeitrag handelte. Ich fühlte mich als Leser gefordert, mir meine eigenen Gedanken zu machen: Was hätte ich gesagt? Hätte ich in der Situation dasselbe gedacht? Die „Freunde“ haben mich also in ihre Gespräche eingebunden. Die Unterhaltungen finden auch über Chats und E-Mails statt, die im Buch abgedruckt sind. Auch insgesamt ist der Schreibstil nüchtern, wie ein Chatgespräch, bei dem die Smileys fehlen. Als Leser wusste ich manchmal nicht: Ist das ernst gemeint? Fehlt da etwas? Wie soll ich auf das Gelesene reagieren? Keine der Figuren ist wirklich sympathisch. Frances nicht, die großen Wert auf ihr Äußeres legt und ständig erwähnt, welche Kleidung sie am jeweiligen Anlass an hatte. Auch Bobbi nicht, die von allen geliebt wird und sich deshalb benehmen kann, wie sie will. Schon gar nicht Nick, der sich häufig passiv verhält oder Melissa, die in ihrer Ehe die Zuneigung vergessen zu haben scheint. Trotzdem waren mir die Figuren für die Zeit der Lektüre wichtig und ich wollte teilhaben an ihrem Leben. Ich schätze, das ist eine ziemliche Leistung von Sally Rooney. Ein gelungener Ausflug ins Grüne Manchmal lohnt es sich, über den literarischen Tellerrand hinauszuschauen. „Gespräche mit Freunden“ ist ein denkwürdiges Debut von Sally Rooney und obwohl Gegenwartsliteratur nicht zu meinen bevorzugten Genres gehört, war ich von Anfang bis Ende gefesselt, zeitweise überrascht und auch über das Ende hinaus nachdenklich. Alle, die bis hierhin gelesen haben, sollten ernsthaft über einen Kauf des Buches nachdenken, mir fehlen nämlich noch Leute, mit denen ich mich darüber austauschen kann! Das wäre dann quasi ein weiteres „Gespräch mit Freunden“.

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