Leserstimmen zu
Töchter einer neuen Zeit

Carmen Korn

Jahrhundert-Trilogie (1)

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Henny und Käthe beginnen 1919 gemeinsam ihre Hebammenlehre in der Hamburger Entbindungsanstalt an der Finkenau. Tür an Tür in einer bescheidenen Wohngegend aufgewachsen haben die ansonsten recht unterschiedlichen Freundinnen den festen Vorsatz, die Aufbruchsstimmung nach dem Ersten Weltkrieg zu nutzen und aus ihrem Leben etwas zu machen. Zur selben Zeit sitzt Ida, für deren Familie Käthes Mutter als Putzfrau arbeitet, in einem vornehmeren Stadtteil Hamburgs im Haus ihrer Eltern und überlegt, wie sie der Verheiratung mit dem Wunschkandidaten ihres Vaters entgehen und etwas Abwechslung in ihr langweiliges Leben als Tochter aus gutem Hause bringen könnte. Mia, das zweite Dienstmädchen in der eleganten Villa, ist ihr nicht ganz freiwillig dabei behilflich. Und schließlich ist da noch Lina, die es in ihrer kleinen Wohnung als ihre Lebensaufgabe sieht, auf ihren jüngeren Bruder Lud aufzupassen, für den sie sorgt, seit ihre Eltern den Entbehrungen der Kriegsjahre zum Opfer gefallen sind, und die als Lehrerin davon träumt, die Ideen der Reformpädagogik umzusetzen. In den nächsten drei Jahrzehnten bilden Henny, Käthe, Lina und Ida eine Schicksalsgemeinschaft, und auch Mia spielt im Leben der Frauen immer wieder eine entscheidende Rolle. Meine Meinung: Mit Töchter einer neuen Zeit hat sich Carmen Korn offensichtlich das Ziel gesetzt, die politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts am Beispiel ihrer Hauptfiguren – der vier Frauen und der Männer in deren Leben – nachzuzeichnen: Henny, die aus kleinbürgerlichen Verhältnissen kommt, aber viel offener und toleranter als ihre deutschnationale Mutter ist und vorsichtig versucht, den alten und neuen Engstirnigkeiten etwas entgegenzusetzen; die aus einer Arbeiterfamilie stammende Kommunistin Käthe, die für ihre politischen Überzeugungen kämpft und deshalb zunächst aneckt und dann von den Nazis unerbittlich verfolgt wird; Ida, die zwar gerne ein Leben ohne gesellschaftliche Zwänge führen würde, aber nicht den Mut aufbringt, dafür ihr Dasein in bequemem Wohlstand aufzugeben; und Lina, der das Eintauchen in eine moderne Welt die Möglichkeit bietet, zu sich selbst zu finden und zu ihren Überzeugungen zu stehen, auch wenn sie sich damit in Gefahr begibt. Sehr leicht hätte das Vorhaben der Autorin in einer von Stereotypen geprägten Herz-Schmerz-Geschichte enden können, aber Carmen Korn ist es gelungen, glaubwürdige Charaktere zu schaffen und diese in einer spannenden Geschichte nicht ganz ohne, aber auch nicht mit übertriebener Dramatik agieren zu lassen. So hat sie mein echtes Interesse am Schicksal der Frauen geweckt und den Spannungsbogen bis zur letzten Seite mit manchmal überraschenden Wendungen aufrecht halten können. Die Autorin hat das Hörbuch selbst eingelesen, und auch wenn etwas längere Pausen die Übergänge zwischen den einzelnen Kapiteln klarer erkennbar gemacht und mir so die Orientierung erleichtert hätten, hat sie ihre literarischen Lektionen in Zeitgeschichte unter besonderer Berücksichtigung der Stadt Hamburg so erzählt, dass ich mich schon auf den zweiten und den dritten Teil ihrer Jahrhundert-Trilogie freue.

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Zum Inhalt: VIER FRAUEN. ZWEI WELTKRIEGE. HUNDERT JAHRE DEUTSCHLAND. Jahrgang 1900. Eine Generation, die zwei Weltkriege durchleben wird - Henny Godhusen ist eine von ihnen. 1918 stürzt sie sich voller Lebensfreude in die Hebammenausbildung in Hamburg-Uhlenhorst. Henny liebt das Viertel an der Alster, hier kommen die unterschiedlichsten Menschen zusammen und sie findet Freundinnen: Ida wohnt in einem der herrschaftlichen Häuser und weiß nicht viel vom Leben jenseits der Beletage. Käthe hingegen stammt aus einfachen Verhältnissen und unterstützt die Kommunisten. Und Lina führt als alleinstehende Lehrerin ein unabhängiges Leben. So verschieden die Frauen sind, so eng wird ihre Freundschaft über die Jahrzehnte ... Authentisch und einfühlsam gelesen von der Autorin. Über die Autorin: Carmen Korn, Jahrgang 1952, ist die Tochter des Komponisten Heinz Korn. Nach ihrer Ausbildung an der Henri-Nannen-Schule arbeitete sie als Redakteurin für den Stern. Carmen Korn lebt seit vierzig Jahren auf der Uhlenhorst. Sie ist in dem Viertel tief verwurzelt und beschäftigt sich schon seit langem mit dessen Geschichte. Carmen Korn ist verheiratet und hat zwei erwachsene Kinder Mein Fazit und meine Rezension: In der Geschichte treffen wir auf vier Frauen und deren jeweiligen Lebensgeschichten in der Zeit vom März 1919 bis zum Dezember 1948. Zunächst treffen wir auf die 19jährige Henny, die gemeinsam mit ihrer Freundin Käthe eine Hebammenlehre beginnt und in der Hamburger Frauenklinik Finkenau landet. Dabei erleben Henny und Käthe nicht nur das alltägliche Wunder der Geburt und die Pflege der Patientin und des Neugeborenen, sondern müssen auch inmitten der schwierigen Zeit von zwei Weltkriegen erfahren, dass Liebe, Freundschaft und Familie auch große Werte sind. Und vor allen Dingen Käthe strebt vielleicht doch ein anderes, ein politisches Ziel an - für eine Frau in der damaligen Zeit kein leichtes Unterfangen. Als nächstes lernt man die 17jährige Ida kennen. Reich und verwöhnt, das beschreibt sie am besten. Wenn sie etwas möchte, dann erhält sie es auch. Doch nicht immer läuft im Leben alles so, wie man es sich wünscht und Freiheit ist bekanntlich nicht käuflich. Zu guter Letzt läuft uns auch noch die 20jährige Lehrerin Lina über den Weg, die vom Aufbruch in eine neue Zeit gezeichnet ist und sich nicht mit dem Alten abgeben kann und will. Sie unterrichtet in einer Versuchsschule und lehrt dort nach den Ideen der Reformpädagogik. Die vier Geschichten sind nicht immer einfach zu verarbeiten, insbesondere dann nicht, wenn man sich auch den historischen Hintergrund genauer anschaut und sieht, wie dieser die Protagonistinnen beeinflusst. Natürlich handelt es sich hierbei um junge Mädchen, die im Grunde genommen alle dasselbe wollen: Liebe, eine Familie, aber auch ihre Freiheit selbst zu entscheiden. Doch wie soll man so etwas zwischen zwei Weltkriegen erreichen? Der Charakter, der mir am meisten imponiert und somit am besten gefallen hat, war die junge Lehrerin Lina. Sie lässt sich nicht in enge Fesseln zwängen und probiert etwas Neues aus. Sie interessiert sich für Kulturen, ist weltoffen und möchte ihren Horizont erweitern. Und genauso wie sie kann ich auch ihre Skepsis gegenüber ihrere Schwägerin Henny teilen, die bereits in jungen Jahren eine Familie gründet und so von ihren Träumen abkommt. Bei Lina merkt man als Leser/Zuhörer am meisten den Umbruch und ihren Wandel hin zu ehrgeizigen Zielen. Von Ida hätte ich - ich gebe es ehrlich zu - manchmal mehr erwartet. Gerade sie, die reich und einflussreich war, lässt sich mit einem ebenso reichen Mann verheiraten und verliert dadurch ihre Freiheit. Im Haushalt hat sie dank der Haushälterin nichts zu tun und beginnt eine Affäre, die wohl immer nur eine solche bleiben wird. Gerade ihr hätte ich mehr Zielstrebigkeit und auch Mut zugetraut. Doch dann habe ich mich gefragt, wie es wohl mir ergangen wäre? Wie hätte ich reagiert und hätte ich überhaupt reagieren können oder wäre ich - aufgrund der Zeit - doch eher zurückgewichen und hätte nur funktioniert oder nur das getan, was mir gesagt wurde? Ich habe, während ich den Geschichten gelauscht habe, viel darüber nachgedacht und bin bis jetzt noch zu keinem Ergebnis gekommen. So viele Emotionen und Probleme - auch alltägliche, die wir heute noch haben - sind auf mich eingestürzt, dass ich manches Mal einfach nur meinen Hut vor den Damen gezogen hätte. Ein besonderes Augenmerk der Autorin liegt aber nicht nur auf den Figuren und deren emotionalen Befinden bzw. Bedürfnisse, sondern eben auch auf der damaligen Zeit. Die Schauplätze werden anschaulich wiedergegeben. Ich selbst war erst vor einigen Tagen in Hamburg gewesen und mir ist, als sei ich dort auch schon in anderen Zeiten gewandelt. Carmen Korn möchte nicht nur ihre Geschichte erzählen, sondern den Hörer/Leser auch in die damalige Zeit entführen und ihn dort selbst erleben lassen. Und obwohl eine Hörzeit von über 10 Stunden (bei 8 CDs) nicht gerade wenig ist und man schon darauf sehr viel Information verpackt hat, hat mich das Ende doch abrupt getroffen und hinterlässt mich natürlich mit dem Gedanken an Band 2. Ich muss ihn unbedingt lesen/hören!

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Im Stadtviertel Uhlenhorst, dem geografischen Mittelpunkt Hamburgs, spielt diese Geschichte von Carmen Korn – allerdings nicht in der heutigen Zeit, sondern vor knapp hundert Jahren. Das Alsterufer dort trägt den Namen ‚Schöne Aussicht’, da sie einen Blick auf den Michel, den Fernsehturm und zahlreiche Kirchtürme bietet. Und welche Aussichten hatten die Frauen in der damaligen Zeit? Davon erzählt diese Geschichte, die sich um vier Frauen, ihre Freundschaft und ihre unterschiedlichen Lebenswege dreht. Henni und Käthe zum Beispiel beginnen im Frühjahr 1919 eine Ausbildung zur Hebamme an der Frauenklinik Finkenau. Henni ist ehrgeizig, hat viele Pläne, doch als sie sich in den Arzt Lud verliebt und schwanger wird, verläuft ihr Leben anders als erwartet während Käthe sich politisch engagiert und die Kommunisten unterstützt. Einen Einblick in höhere gesellschaftliche Schichten und in schicke Villen der Gründerzeit gibt uns die Figur Ida, die in eine unglückliche Ehe mit einem reichen Bankdirektor gezwungen wird. Da sich die Haushälterin Mia um alles kümmert, hat Ida nicht viel mehr zu tun, als ihrer Liebe zum Chinesen Tian nachzutrauern. Durch die Heirat mit Lud lernt Henni seine Schwester Lina kennen – für mich die interessanteste Figur in dem Roman, da sie die Aufbruchsstimmung, die Neugier und den Mut zu einem emanzipierten Leben am stärksten verkörpert. Sie kann nicht nachvollziehen, warum ihre Schwägerin, die so viele Pläne und Ehrgeiz hatte, in jungen Jahren eine Familie gründet. Lina vertritt die Ideen der Reformpädagogik und unterrichtet an einer Versuchsschule, interessiert sich für den Expressionismus und zieht in eine Mansarde – bereit für einen Neuanfang. Was die Handlung betrifft, hätte ich mir etwas mehr Spannung und überraschende Wendungen gewünscht. Doch die Stärken des Romans liegen für mich woanders. Carmen Korn versteht es, durch detailreiche Beschreibungen Figuren, Schauplätzen und der damaligen Epoche Leben einzuhauchen. Die Sehnsüchte der Figuren und ihre wachsende Angst vor dem Aufstieg der Nationalsozialisten sind immer wieder präsent. Auch die Charakterisierung der Männer kommt nicht zu kurz: zum Beispiel Käthes Mann, ein linker Romantiker, der in die KPD eintritt, Lud, der sich etwas Kindliches bewahrt hat und bei Frauen das Gefühl auslöst, ihn behüten zu wollen, oder der Arzt Theo Unger, der kein Glück bei Frauen hat. Wer weiß, ob ich bei der Buchversion der Geschichte mit der gleichen Aufmerksamkeit gefolgt wäre wie diesem Hörbuch. Die Autorin liest selbst und beweist ein großes Talent dafür. Mal kühl-sachlich, mal empathisch zieht sie mit ihrer unverwechselbaren Stimme die Hörer in den Bann. Man kann nur hoffen, dass die porträtierten Frauen und ihre Nachfahren im nächsten Band der Trilogie auf schönere Aussichten im Leben hoffen dürfen.

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Töchter einer neuen Zeit" ist der erste Teil einer Jahrhundert-Trilogie. Hamburg 1919. Im Nachkriegsdeutschland freunden sich vier junge Frauen an. Henny und die rebellische Käthe, die zusammen eine Hebammenausbildung beginnen. Ida, eine Tochter aus gutem Hause, die auf Wunsch ihres Vaters und aus finanziellen Gründen einen ungeliebten Mann heiratet und Lina, die mit ihrem Bruder zusammenlebt und Lehrerin werden möchte. Über ihre Freundschaft und ihre Schicksale erzählt Carmen Korn in diesem ersten Teil. Leider habe ich den Fehler gemacht, dieses Buch als Hörbuch zu hören, statt zu lesen. Als Buch hätte es mir sicher besser gefallen. Obwohl die Autorin selber liest, war mir die Stimme zu emotionslos und durch die vielen Charaktere und Kapitel, die ohne Übergang wechseln, verlor ich manchmal den Überblick. Zu Beginn der Geschichte ist gerade der erste Weltkrieg vorbei und vier junge Frauen (Henny, Käthe, Ida und Lina), die alle um die Jahrhundertwende geboren wurden, haben Träume und schmieden Zukunftspläne. Im Laufe der Jahre lernen sich alle kennen und freunden sich dauerhaft an. Der Autorin gelingt es, die Lebensverhältnisse, Probleme und Schicksale aller Charaktere glaubhaft zu schildern. Da die Geschichte aber über einen Zeitraum von fast 30 Jahren erzählt wird, tauchen sehr viele Personen und somit auch Namen auf. Partner, Freunde, Kollegen, Nachbarn, Bedienstete, Eltern und andere. Für mich waren das eindeutig zu viele und so konnte ich mit den meisten Charakteren nicht so richtig warmwerden und mitfiebern. Fazit: Trotz allem ein gutes Buch über eine Generation, die gleich zwei Weltkriege miterleben musste.

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