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Leserstimmen (6)

Andrea von Treuenfeld: Erben des Holocaust

Erben des Holocaust Blick ins Buch

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Gebundenes Buch mit Schutzumschlag ISBN: 978-3-579-08670-5

Erschienen: 27.02.2017
Dieser Titel ist lieferbar.

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Ein kleiner Einblick für zwischendurch

Von: Fantasticbookwords Datum : 13.10.2017

fantasticbookwords.wordpress.com

EIGENE MEINUNG

Ihr wisst ja schon das mir Bücher über den zweiten Weltkrieg gefallen. Doch dieses Buch war doch ein bisschen anders.

Das Buch ,, Erben des Holocaust“ berichtet über vielerlei Perspektiven über Kinder, deren Eltern den Holocaust erleben mussten. Die Geschichten der jeweiligen Personen, war sehr interessant zum mitlesen und fühlen. Dennoch ist sehr wenig Traurigkeit in diesem Buch zu spüren, was ja nichts schlechtes verheißen mag. Ich möchte nicht genauer auf die Geschichten der Personen eingehen, da ich kein Recht habe diese Lebensgeschichte einer Person zu vernein und nicht zu mögen. Ich kann aber ganz sicher sagen, dass dieses Buch für zwischendurch super geeignet ist.

Ich danke dem ,,Bloggerportal“ und dem ,,Gütersloher Verlagshaus“ für dieses Rezensionsexemplar.

FAZIT

Ein gutes Buch für Zwischendurch.
Das Buch bekommt 3/5 Sternen.

Erinnerungsliteratur

Von: Tanja Hammer Datum : 02.10.2017

https://musikgarten-hammer.blogspot.de/

Im Februar 2017 erschien im Gütersloher Verlagshaus eine Anthologie über Erfahrungen von Kindern, deren Familien den Holocaust überlebten. Die Kinder erinnern heute, als Erwachsene, die Erinnerungen der Eltern an Flucht, Vertreibung und Konzentrationslager. Andrea von Treuenfeld bat bekannte Persönlichkeiten, diese Herausforderungen und dieses Unsagbare Thema zu erinnern.

Kein anderes historisches Ereignis prägte die deutsche Geschichte und Familiengeschichte des 20. Jahrhundert nachdrücklicher, als der Zweite Weltkrieg und sein Ende. Dramatische und traumatische Erfahrungen vom Kriegserleben, Hunger, der Trümmerzeit und faschistischer Diktatur generierten Erinnerungen aus Erfahrungen, die der Gegenwartsgesellschaft (glücklicherweise) fremd sind. Unsagbares erlebten die Eltern der Autoren dieses Buches. Marcel Reif, Nina Ruge, Ilja Richter und andere bekannte Personen erinnern Erfahrungen, die die Eltern gemacht haben, den Umgang der Elterngeneration mit dem Unsäglichen. Die individuelle Erinnerung Einzelner steht hier im Fokus.
Nun gibt es unterschiedliche Formen des Erinnerns. Sprachliches Erinnern funktioniert, in dem Erzählungen von Erinnerungen wieder und wieder erzählt werden. Erinnert wird die Erzählung der Erinnerung. Menschen brauchen den Austausch über Erinnerungen, um sich überhaupt erinnern zu können. Es besteht jedoch die Gefahr, dass durch die Erzählung nicht mehr die Wirklichkeit erinnerbar ist, sondern nur noch die Worte, mir der die Erinnerung formuliert wurde. Die Erzählung wird zur „neuen“ Erinnerung. Man muss hoffen, dass durch die Vielzahl der Erinnerung kein Gewöhnungseffekt beim Leser einsetzt, kein abschleifen des Tragischen passiert und schon gar nicht Unterhaltung aus Kriegserinnerungen wird. Hier ist die Gefahr besonders groß, da die Erzähler bekannte und berühmte Persönlichkeiten sind. Es ist beim Lesen daher eine große Verantwortung, zwischen dem Schauspieler Ilja Richter und seiner in Worte gefassten (Kindheits-)Erinnerung zu differenzieren.
Der große Mehrwert dieses Buches ist, dass es versucht, das lückenhafte Gedächtnis durch den Versuch zu schließen, vorhandene und als bekannt vorauszusetzende Zeitdokumente mit Erzählungen zu verbinden. Uwe Timm gelang dies mit dem gleichen Konzept vor einigen Jahren mit seinem „Am Beispiel meines Bruders“. Gut ist, dass die Erinnerungen nun nicht mehr so leicht verblassen können, da sie versprachlicht wurden. In diesem Buch wird allein durch die bekannten Namen ein möglicherweise breiteres Publikum angesprochen, dass vielleicht nicht grundsätzlich an Erinnerungsliteratur interessiert ist.

Eine schwieriges Thema, niemals schön zu lesen und doch im Grund nicht verzichtbar.

Ein sehr berührendes Buch

Von: Curin Datum : 03.07.2017

https://www.lovelybooks.de/mitglied/Curin/

Konzentrationslager, Ghettos und Flucht haben Juden während des Holocausts tief geprägt. Auch wenn sie die Gräuel überlebt haben, blieben die Erinnerungen präsent und haben auch die nachfolgende Generation beeinflusst. In diesem Buch hat die Journalistin Andrea von Treuenfeld mit Prominenten wie Nina Ruge, Marcel Reif usw. gesprochen, deren Eltern den Holocaust miterlebt haben. Sie alle geben einen Einblick, wie und ob zu Hause über diese Zeit gesprochen wurde.
Mich hat dieses Buch sehr angesprochen und auch berührt. Alle Personen, die hier erzählen, haben natürlich ganz unterschiedliche Erfahrungen in ihrem Elternhaus gemacht. Während bei manchen das Thema ein Tabu war, über das gar nicht geredet wurde, gab es auch Eltern, die manchmal doch etwas erzählt haben. Bei allen Familien sieht man allerdings, dass der erlebte Holocaust viele Narben hinterlassen hat und die auch dort wo Sprachlosigkeit herrschte, immer wieder aufbrachen und in bestimmten Situationen zum Vorschein kamen.
Andrea von Treuenfeld lässt in jedem Kapitel dieses Buches einen anderen Prominenten zu Wort kommen und die Person wirklich ihre ganz persönliche Geschichte auf ihre Weise erzählen. So ist der Schreibstil immer unterschiedlich und beim lesen wird das Gefühl erzeugt, man würde dem jeweiligen Menschen wirklich gegenüber sitzen.
Insgesamt hat ,,Erben des Holocausts" mich berührt und auch nachdenklich gemacht. Gerade weil die Prominenten hier so offen reden, bekommt einen Einblick darin, was es heißt, mit dem Erlebten der Eltern klar kommen zu müssen. Gerne empfehle ich das Buch hier weiter.

Ein wichtiges Buch für alle, deren Eltern nicht reden konnten

Von: Ulrike Rosina Datum : 11.06.2017

leselustich.com/

Die Schilderungen von Nina Ruge, Ilja, Richter, Marcel Reif, Andrew Ranicki und einigen mehr, hatten so viel Wiedererkennungswert:

Die Unfähigkeit, das Erlebte beim Namen zu nennen.
Die ständige Verdrängung.
Das Unvermögen, Nähe zuzulassen und zu vermitteln.
Die Zerrissenheit in den Familien.
Die Härte im Umgang mit sich selbst.

Darunter haben nicht nur die Kinder derer gelitten, die direkte Holocaust-Opfer waren, darunter hat eine ganze Generation gelitten. Eine Erblast, die an die nächste Generation weitergegeben wurde und die meiner Meinung nach nur durch offene Kommunikation getilgt werden kann.

DIESES BUCH IST WIRKLICH WICHTIG

Für mich ist deshalb Erben des Holocaust von Andrea von Treuenfeld ein überaus wichtiges Buch. Und zwar nicht, weil über die Grauen des Krieges noch nie geschrieben worden wäre oder weil Andrea von Treuenfeld spektakuläre Neuigkeiten parat hätte, sondern weil es (mindestens) einer ganzen Generation helfen kann, die eigene Vergangenheit zu verstehen. Sich klar zu machen, dass die Distanziertheit der Eltern nichts mit einem selbst zu tun hatte, sondern Folgen “vererbter” Traumata waren.

Danke an die Interviewpartner, die uns einen Blick in ihre “Altlasten” gestattet haben. Wie schwer das einigen gefallen ist, ist nicht zu überlesen. Aber das ist der einzige Weg, mit der Vergangenheit wirklich abzuschließen.

Großartiges Buch gegen das Vergessen

Von: Lesefieber-Buchpost Datum : 10.03.2017

buchpost.blogspot.de/

Dass der Krieg unzählige von Menschen gezeichnet und sich für immer in ihre Gedächtnisse eingebrannt hat, wissen wir von unseren Großeltern. Doch wir wüssten gar nichts persönliches über den Krieg, wenn sie uns nichts darüber erzählt hätten. Wenn man keine jüdischen Vorfahren hat, kann man sich gar nicht genau vorstellen, welches Leid diese Menschen im Holocaust
durchgemachten.
In diesem Buch geht es um die Nachkommen der Menschen, die den Holocaust überleben. Die meisten dieser Opfer brechen erst viel später ihr Schweigen, manche auch nie. Vielen fiel es leichter erst ihren Enkeln davon zu erzählen. Andrea von Treuenfeld hat verschiedene Persönlichkeiten aus der Öffentlichkeit zu diesem Thema befragt und ihre Geschichten aufgeschrieben.

Dabei spiegelt jede Geschichte die Persönlichkeit der einzelnen Schicksale deutlich wider. Es wird erzählt, wie ihre Eltern den Krieg erlebt, überlebt und einen Neuanfang wagen. Interessant ist vor allem die Zeit nach dem Krieg. Oftmals wurde in Opfer und Täter unterteilt, denn wenn man als Jude nach Deutschland zurückgekehrte, lebte man teilweise zwischen den Menschen, die einen vor ein paar Jahren noch umgebracht hätten. Einige Juden lebten ihren Glauben offen und gaben diesen auch aktiv an ihre Kinder weiter. Andere hielten sich in ihrem Glauben zurück.
Ich fand es spannend in diese Geschichten einzutauchen. Dieses Buch befasst sich sehr persönlich mit diesem Thema. Man lernt die einzelnen Schicksale ohne nette Umschreibung kennen, fast so als hätte sie uns die Oma oder der Opa aus erster Hand erzählt. Die Menschen müssen unglaublich stark gewesen sein, um all das zu verarbeiten und ausgerechnet in Deutschland ihr Leben neu aufzubauen. Dabei ist die Sicht aus den Augen den Nachkommen sehr wichtig, denn sie haben teilweise ein ganz anderes Deutschland erlebt. Aber auch in der Zeit nach dem Krieg gab es Nazis, die diesen Menschen das Leben schwer machten.
Die Aufarbeitung dieses Themas ist heute wichtiger denn je, die Zeitzeugen sterben und die nachfolgende Generation darf nicht vergessen. Damit so etwas wie im zweiten Weltkrieg nie wieder passiert.

Das Unerzählbare erzählen - wichtiger denn je!

Von: Koreander.net Datum : 05.03.2017

www.koreander.net

Für viele Deutsche ist der Holocaust Geschichte. Vergangenheit mit der man nicht mehr belästigt werden will. Diese Perspektive auf die Erinnerung des Holocaust, ist die Perspektive der Täter bzw. der Nachfolgegenerationen der Täter. Es ist eine Verweigerung der Erinnerung und eine Abwehr der Auseinandersetzung mit der eigenen (familiären) Schuld. Während den Tätern das Schweigen leicht fällt, ist es bei den Opfern ein tödliches Schweigen. Die Erinnerung an den Holocaust ist hier keine Tradition oder Pflichtübung, sondern täglich erfahrenes Leid. Die Generation, die den Holocaust überlebt und erlebt hat, gibt ihre Traumata an die zweite und dritte Generation weiter. Ob unausgesprochen oder offen kommuniziert, ist der Holocaust das prägendste Thema.

Andrea von Treuenfeld hat mit Menschen der zweiten Generation gesprochen. Und zwar mit Menschen, die in das Land der Täter zurückgekehrt sind. Ausgerechnet. Wie, wenn überhaupt, wurde in den Familien über den Holocaust geredet? Wie wirken Flucht, Vertreibung und Massenmord auf das kollektive Gedächtnis? Wie erinnern Familien Auschwitz und Massenvernichtung? Was bedeutet es für die Kinder zu wissen, dass die eigene Familie potenziell von den Nachbarn vertrieben und ermordet wurde. Von Treuenfeld hat mit prominenten Persönlichkeiten über diese schwierige und intime familiäre Erinnerungskultur gesprochen.

Marcel Reif, Jakob Hessing, Sharon Brauner, Andrew Ranicki, Robert Schindel, Nina Ruge, Doron Rabinovici, Andreas Nachama, Ruth Brauer-Kvam, Martin Moskowicz, Abraham Josef Lehrer, Sandra Kreisler, Norman Nathan Gelbart, Ilja Richter, Sarah Singer, Josef Schuster, Gert Rosenthal und Rachel Salamander erzählen vom Unerzählbarem und erinnern das Unerinnerbare. Das Buch bietet dadurch einen Zugang zu einer kaum kommunizierten Perspektive der deutschen Geschichte. Der Holocaust ist keine Frage einer abgeschlossenen Vergangenheit, er ist Teil der Familienerzählung der Täter wie der Opfer. Und von Treuenfeld gelingt es die Erzählungen so zu verdichten, dass dem Leser deutlich wird, wie sehr der NS-Terror nachwirkt, wie sehr er die zweite Generation geprägt hat, die wiederum die dritte Generation prägt. Das Buch ist damit nicht nur ein Baustein in der Verarbeitung der NS-Geschichte, sondern auch ein Baustein zum Verständnis jüdischen Lebens in Deutschland und nicht zuletzt ein Baustein zum Verständnis Israels, so man denn bereit ist, diese Transferleistung anzustrengen.

In vielen Familien, oder was davon übriggeblieben ist, wurde über den Holocaust nie geredet. Schweigen war die Überlebensstrategie der Überlebenden. Eine kalte Mauer aus emotionsloser Abwehr sollte den Schrecken aus dem Bewusstsein verdrängen. Und gleichzeitig ist der Massenmord in den Familien immer präsent. Allein dadurch, dass die Familien so klein waren. Wo sind Oma und Opa? Wieso gibt es keine Tanten und Onkel? Und was bedeutet die eintätowierte Nummer im Unterarm? Besonders beeindruckend fand ich die Geschichten von Nina Ruge, Rachel Salamander und Sandra Kreisler. Vielleicht, weil hier die Nach- und Auswirkungen so besonders deutlich werden. Aber auch weil hier die Warnungen an die Gegenwart und Zukunft besonders deutlich mitschwingen.

„Diese fünf Jahre zwischen 1933 und 1938, […] in denen konnte man alles voraussehen. Alles hat sich angekündigt. Doch wir wollten es nicht wahrhaben. Wir konnten uns einen so schnellen Wandel zum Horror nicht vorstellen, also blendeten wir das so vieles Offensichtliches aus. Wir waren nicht wachsam genug, was Unterwerfung und was Willkür gegenüber anderen Glaubensrichtungen, aber auch gegenüber anderen politischen Meinungen anging“, warnt Nina Ruge mit den Worten ihres Vaters Jürgen.

Ein Buch mit Erinnerungen, Mahnungen und Warnungen, die gegenwärtig wichtiger denn je erscheinen.