Leserstimmen zu
Harz

Ane Riel

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Im Roman „Harz“ der dänischen Autorin Ane Riel wird dem Leser deutlich, wie ein totales Sicherheitsbedürfnis und die abgöttische Liebe zu den eigenen Kindern eine Obsession werden kann, die für manchen tödlich endet. Als Kind kommt Jens Haarder mit dem Stoff in Kontakt, der ihn den Rest seines Lebens fasziniert: Baumharz. Sein Vater, ein begnadeter Schreiner, erklärt seinen zwei Söhnen im Wald, was es mit dem Saft aus den Bäumen auf sich hat. Dass er Lebewesen konservieren kann, von einer kleinen Ameise bis zu ganzen Mumien. Vor allem Jens ist beeindruckt von den Erzählungen, hat er doch sowieso eine innige Beziehung zu seinem Vater. Ihr gemeinsames Hobby ist es, in den von seinem Vater frisch gezimmerten Särgen zu liegen und über Gott und die Welt zu reden. Sein Bruder Mogens dagegen hält die Enge auf dem einsamen Teil der Insel, auf dem sie abgeschieden vom Rest der Gemeinschaft leben, nicht aus und verschwindet aufs Festland. Der Tod des Vaters und die schlechte körperliche Verfassung seiner Mutter zwingen Familie Haarder dazu eine Hilfe für Hof und Haushalt zu engagieren. Deshalb fängt Maria an bei ihnen zu arbeiten. Jens verliebt sich und die beiden werden ein Paar. Die Mutter allerdings ist mit ihrer Schwiegertochter nicht einverstanden und beginnt sie zu schikanieren. Doch Maria wird schwanger und sie bekommen Zwillinge: Liv und Carl. Eines Tages findet Jens Carl tot neben seiner Wiege. Sie verdächtigen Jens Mutter etwas damit zu tun zu haben und jagen sie vom Hof. Die Tragödie nimmt Jens und Maria so mit, dass Maria beginnt alles in sich hineinzustopfen und Jens alles Mögliche sammelt und es im Haus und Hof deponiert. In diesem Chaos zwischen bettlägeriger Mutter und „Messi-Vater“ wächst Liv ohne ihren Zwillingsbruder auf. Gemeinsam mit ihrem Vater zieht sie nachts in den Häusern der anderen Bewohner der Insel umher und sammelt Dinge: Lakritztüten, Backhandschuhe, Socken. Jens Obsession alles behalten und sammeln zu wollen wird immer größer und seine Angst, seine einzige Tochter auch noch zu verlieren, mündet darin, sie für tot zu erklären. Dies wird für seine Mitmenschen zur tödlichen Gefahr. Ein Krimi, der keiner ist Nach „Blutwurst und Zimtschnecken“ heimst die dänische Autorin Ane Riel für ihren Roman „Harz“ nicht nur den dänischen Krimipreis, sondern gleich auch noch den norwegischen und schwedischen Krimipreis sowie den Preis für den besten Kriminalroman Skandinaviens insgesamt ein. Für mich ist der Roman allerdings nicht wirklich ein Krimi, wenn man der Definition „…thematisiert in der Regel ein Verbrechen und seine Verfolgung und Aufklärung durch die Polizei, einen Detektiv oder eine Privatperson“ folgt. Die Erwartung eines spannenden Krimis wurde deshalb leider nicht erfüllt. Dafür ist der Roman außerordentlich gut geschrieben und lässt durch die Sichtweisen der verschiedenen Protagonisten keine Langeweile aufkommen. Die Gefühle und Charaktereigenschaften jeder Person können durch die detailreichen Beschreibungen nachvollzogen werden. Selbst bei der Verübung von Verbrechen steht beim Leser das Mitgefühl für die Person im Vordergrund, weil man sich so gut in sie hineinversetzen kann. Wer keinen klassischen Krimi lesen möchte, wird von „Harz“ nicht enttäuscht sein.

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Beschreibung: Eigentlich wächst Liv wohlbehütet auf einem abgelegenen Hof im Schoße ihrer Familie auf. Doch Jens Haarder, ihr Vater, leidet sehr unter seiner Vergangenheit. Mit jedem Jahr sammelt er mehr und mehr "Dinge". Seine größte Sorge ist es, seine Tochter zu verlieren. Deswegen beschließt er, dass es besser sei, wenn Liv bei einem Unfall auf dem Meer ums Leben kommt. Offiziell lässt er sei für tot erklären, während sie jedoch weiterhin bei der Familie in einem Container lebt - abgeschieden und sorgsam vor der Außenwelt abgeschirmt. Meinung: Ich spar es mir jetzt darüber zu sinnieren, ob es ein Thriller war oder nicht, denn ein reines Drama ist es definitiv auch nicht. Mehr als dieses Genre-Wirrwarr, ärgert mich wieder dieser Klappentext, denn so manche Dinge daraus suche ich heute noch. Das es sich bei der Geschichte um ein unterschwelliges Familiendrama handelte, wusste ich zuvor schon aus einer anderen Rezension und genau das war es auch, was mich an dem Buch sehr interessierte, denn aus dieser las ich heraus, dass es sich bei dem Buch um die Geschichte einer Familie handelt, die nicht so ganz der gesellschaftlichen Norm entspricht. Wer möchte sowas denn bitte nicht lesen? Wie der Verlag schon auf der Buchseite wirbt, erzählt Ane Riel, diese Geschichte, über eine verkehrte Welt, in der Liebe Obsession wird, ganz meisterhaft. Obwohl das Werk nur knapp 300 Seiten umfasst, schafft es die Autorin einem Bilder in den Kopf zu pflanzen, die man da wahrlich nicht haben möchte. Doch es gibt auch schöne Seiten, denn der Ort, an dem die Haaders leben, war nicht immer voller Dinge. Dort gibt es Wald, Meer, Tiere, und einst war dort auch Platz für Liebe - die Liebe zur Natur, die man förmlich spüren konnte. Erzählt wird die Geschichte der Familie Haarder zum einen direkt aus der Sicht der kleinen Liv und zum anderen aus Sicht der dritten Person. Sehr befremdlich sind vor allem die Erzählungen des Mädchens, da sie gefühlt oftmals so falsch und weltfremd sind. Auf der anderen Seite sind gewisse Ansichten sogar schlüssig, besonders wenn man das Umfeld und die Gesamtsituation bedenkt. Die Kapitel aus Sicht der dritten Person drehen sich meist um die Kindheit und Geschichte von Jens Haarder, seiner Familie und deren Leben auf der Halbinsel "Kopf". Gerade diese Kapitel geben die Basis für das landschaftliche Idyll - oder eben für das was später einmal daraus wird. Dieses Buch hat mich mit so vielen Empfindungen zurück gelassen, dass ich es kaum in Worte fassen kann. Selbst beim Lesen war es eine reine Achterbahnfahrt. Gerade durch unsere Leserunde war es interessant, da immer mal wieder ein anderer Blickwinkel geboten wurde. Der eine sprach von Ignoranz, während der nächste einwarf, dass es mit Frust oder Schuldgefühlen zusammen hängen könnte. Die Möglichkeiten sind unglaublich vielfältig und es bleibt massig Platz für Interpretationen. Dennoch ist er wirklich erschüttert, was dies mit Menschen anstellen kann. Fazit: Ein ganz anderer Thriller über das Schicksal einer Familie, die in ihrer ganz eigenen Welt lebt.

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Harz

Von: Danis Reziseite

22.08.2019

ich finde das Cover total gelungen und passend zur Story gewählt. Es verrät so gar nichts über den Inhalt, das ist mega . Anes Schreibstil ist fesselnd, humorvoll und leicht zu lesen. Ich liebe es, dass sie in diesem Genre mit Humor/ Sarkasmus arbeitet. Mega! Die Charaktere wirken echt , denn durch kleinste Details in der Ausarbeitung hat Ane ihnen Leben eingehaucht. Die Story ist fiktiv, hoffe ich😂. Denn ich könnte mir durchaus auch vorstellen, das diese Story aus dem wahren Leben kommen könnte. Solch kranke Menschen gibt es leider immer und überall. Der Leser ahnt leider schnell was in der Geschichte zu passiert scheint, dennoch ist die Spannung durchgehend vorhanden, da man nicht weiß ob man richtig liegt. Ich muss sagen, das was passiert, hatte ich schnell raus, nur mit wem hat mich dann doch überrascht. Die Schauplätze beschreibt die Autorin ebensfalls sehr bildhaft. Ich konnte das Holz förmlich riechen und es graust mich bei dem Gedanken an das Ritual von Vater und Tochter immer noch. Diese Story wird aus der Sicht von Liv in Vergangenheitsform und als Briefe von Livs verstorbener Mutter, die an Liv gerichtet sind, erzählt. Was es aber mit dem Wort Harz auf sich hat, verrate ich an dieser Stelle nicht. Das düft ihr selbst herrausfinden.

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Cover: Im Hintergrund stapeln sich in Dunkelheit aufgestellt Kartons übereinander. Der TITEL "HARZ", mittig, imposant, aufdringlich, und in einem Bernsteinfarbton abgebildet. In den Buchstaben ist kleines Geäst und Blumen erkennbar, Inhalt: Ein abgelegenes Stück Inselland: Kopf genannt. Zu einer weiteren, größeren Insel, nur durch den schmalen Hals verbunden. Ein weiter Fahrtweg. Kaum ein jemand verirrt sich auf das Anwesen der Haarders, seit ... Das war früher anders. Die Haarders waren bekannt für ihre gute Schreinerarbeit. Für ihre Verbundenheit zu Tier und Natur. Doch das Leben wird einem nicht nur geschenkt, man muss es auch bestreiten. Und so passiert es, dass Jens Haarder in seinem Leben auch etwas verliert, das ihm viel bedeutet hat. Nie wieder möchte er diesen Schmerz fühlen. Nie wieder etwas in seinem Leben missen. Und so finden immer mehr "Dinge" den Weg zum Hof der Haarders. Mal in der einen, mal in der anderen Ecke. Um seine einzige Tochter Liv nicht auch noch zu verlieren, meldet er sie bei den hiesigen Behörden für tot. Ertrunken bei einem Ausflug auf dem Meer. Die Suche durch Hubschrauber und Rettungsteams vergebens. Liv ist gleichzeitig lebendig und auch tot. Sie lebt abgeschirmt von der Außenwelt auf dem Hof der Eltern weiter. Die Dunkelheit ist ihr bester Freund. Ihr Vater verbringt viel Zeit mit ihr. Liebt sie, behütet sie. Ihre Mutter ist ebenfalls sehr einfühlsam und liebevoll zu ihr. Doch sie frisst ihre Probleme immer mehr in sich hinein. Fazit: Liebe Büchereulen, bei meiner Inhaltsbeschreibung werdet ihr euch nun fragen, wo genau ist denn da der Thriller? Und genau diese Frage habe ich mir auch gestellt. Für mich ist HARZ eine Mischung aus Psychothriller und Dramatik. Das Buch wird überwiegend aus der Sicht von Liv in der Vergangenheit erzählt. Kindgetreu, naiv und manchmal erschreckend altklug berichtet sie von den Geschehnissen aus der Vergangenheit. Die Autorin beschreibt parallel dazu in einigen Kapiteln auch die Kinderjahre von Jens Haarder und wie er später seine Frau Maria kennen lernte, Liv´s Mutter. Die Beziehung von Jens Haarder zu seiner Tochter Liv wird sehr detailliert beschrieben. Sehr frühzeitig baut der Leser eine sehr intensive Beziehung zu den Charakteren auf. Die Beweggründe und auch das Verhalten jedes einzelnen Charakters, sei er erwachsen oder noch kindlich, wurde präzise dargestellt und dabei nicht ausschweifend umschrieben. So, wie die einzelnen Personen, wird auch die Umgebung beschrieben. Oftmals konnte ich mir diesen Hof mit seiner Werkstatt, den Tieren und auch die angrenzenden Wälder bildlich sehr genau vorstellen. Jeder hat sein ganz individuelles Bild von Unordnung und Durcheinander im Kopf. Durch den Erzählstrang wird dieses individuelle Bild nur noch intensiviert. Stellenweise ging mein Gemütszustand von einem Lächeln über zu Fassungslosigkeit, Ekel, Missverständnis und sodann wieder über zu Mitleid. Dieser Thriller behandelt ein paar wichtige Themen in Bezug auf Gesellschaftlichkeit und einer gewissen Ignoranz gegenüber seinen Mitmenschen. Doch auch, dass Elternliebe auf ganz unterschiedliche Weise gelebt werden kann. Es zeigt, wie Kinder sich ihrem Umfeld anpassen. Das Buch ist für mich vieles. In knapp 300 Seiten schafft es die Autorin, dass man nicht nur über das Storyboard spricht, sondern noch "darüberhinaus" denkt. Doch für mich ist es kein Thriller. Psychothriller vielleicht aufgrund der subtilen und teilweise gegen Ende erdrückenden Stimmung. Hätte ich es gelesen, wenn es im Genre Drama eingeordnet gewesen wäre? Wohl eher nicht. Für mich ist es ein gutes, solides und sehr durchdachtes Buch. Flüssig zu lesen und sehr kurzweilig. Gegen Ende mochte ich es kaum aus der Hand legen. Es ist gefüllt mit vielen Details, die man zunächst vielleicht gar nicht so wahrnimmt, im Nachhinein jedoch ein Ganzes formen. Von mir gibt es 4 Sterne.

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