Leserstimmen zu
Harz

Ane Riel

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Krankhafte Obsession

Von: Newspaper aus Krefeld

30.09.2019

Inhalt: "Liv ist seit dem sechsten Lebensjahr tot, ertrunken in der Brandung. Das zumindest lässt ihr Vater Jens die Behörden glauben. Jens ist ein krankhafter Sammler, getrieben von der Angst, seine einzige Tochter zu verlieren. Und so lebt Liv in der Einsamkeit eines Containers hinter dem Hof, versteckt zwischen selbst gezimmerten Särgen und in Harz konservierten Tieren - ein sorgsam von der Außenwelt abgeschirmtes Leben, ein Leben in der Falle. Meisterhaft erzählt Ane Riel von einer scheinbar verkehrten Welt, in der aus Liebe Obsession wird und aus dem Wunsch nach Sicherheit tödliche Gefahr." Schreibstil/Art: Ein ungewöhnlicher Schreibstil - teils hart, teils ein kindlicher Ton aus Liv´s Sicht. Sie steht auch Mittelpunkt dieser Geschichte. 
In Rückblenden, verschiedeneren Perspektiven und unvorhergesehenen Ereignissen, kitzelt dieser Thriller ein wenig an den eigenen Nerven da einige Beschreibungen ziemlich heftig und intensiv umschrieben sind. Die kursiven Einschübe sind Briefe an Liv von ihrer Mutter. Das Erzähltempo treibt die Geschichte zwar gut voran, könnte aber teilweise, vor allem in der Mitte des Buches ein wenig mehr Schwung gebrauchen. Das Werk von Ane Riel hat sich ansonsten trocken aber mühelos lesen lassen. Fazit: Das Auftreten des Vaters ist krankhaft und verstörend, doch seine Liebe ist echt. Stellenweise saß ich kopfschüttelnd vor dem Buch und empfand einfach nur Mitleid mit Liv doch für sie ist all das unnormale normal. So abgeschottet von der Außenwelt, so nah an der Natur und den Tieren, für uns vorstellbar - für sie gewöhnlicher Alltag. Mitreißend sind auch die Briefe der Mutter, Maria Haarder, die selbst nicht sicher ist, ob ihr Leben ein Märchen oder eine Horrorgeschichte ist. Die Tiefe, die mir in manchen Büchern fehlt, war hier definitiv vorhanden. Viele Szenarien konnte ich mir bildlich sehr gut vorstellen. 
 Dieses Buch fasziniert und schockiert zugleich. Liv´s Schicksal bleibt mir mit Sicherheit lange im Gedächtnis.

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Genre: Meines Erachtens ist dies ist kein klassischer Krimi oder Thriller, sondern eher ein zutiefst verstörendes Familiendrama, das sich gekonnt über Genregrenzen hinwegsetzt. Spannungsbogen: Das Buch entwickelt jedoch eine ungemeine Spannung – eine düstere Sogwirkung, der man sich nur schwer entziehen kann. Man schaudert, man ekelt sich, man wird geschüttelt von Grauen und Mitleid, aber man kann das Buch kaum einmal weglegen. Das erklärt wohl, warum Ane Riel für diesen Nicht-Krimi den dänischen, norwegischen und schwedischen Krimipreis erhielt, sowie den Preis für den besten Kriminalroman Skandinaviens insgesamt. Charaktere: Der Familienvater fällt durchs Raster und reißt Frau und Tochter mit sich in den Abgrund. Da blutete mir das Herz, nicht nur für die unschuldige kleine Liv, sondern auch für ihn selbst. Er ist nicht hassenswert, obwohl er furchtbare Dinge tut, denn er ist nicht böse, sondern motiviert von Angst und Leid – und fehlgeleiteter Liebe, die dennoch tief und wahrhaftig ist. Seine Obsession entsteht aus dem verzweifelten Versuch, das zu beschützen und festzuhalten, was ihm wichtig ist. Überhaupt ist Liebe der treibende Faktor für alle wichtigen Charaktere, und so kann man nicht umhin, mit ihnen mitzufühlen und mitzuleiden. Einen Großteil der Geschichte erlebt man aus Sicht von Liv, für die ihr alles andere als normales Leben eben doch die Normalität ist. Alles ganz logisch und richtig. Von ihrem Vater lernt sie, Tiere zu töten, in fremde Häuser einzubrechen und zu stehlen, ohne das geringste Unrechtsbewusstsein. Kleine Kinder akzeptieren die Welt noch, die ihnen ihre Eltern vorgeben, ohne dies zu hinterfragen. Da beschleicht den Leser schon ein mehr als ungutes Gefühl, aber das wahre Grauen bricht erst über einen herein, sobald Außenstehende den Mikrokosmos der Familie betreten. Schlüssigkeit und Wirkung: Es ist ein geschickter Schachzug der Autorin, sie zu Wort kommen zu lassen: Den neugierigen Postbote, der nur deshalb die Grenzen austestet, um etwas zum Tratschen zu haben. Den Wirt der Dorfkneipe, der aus ehrlicher Besorgnis um das Kind handelt, das er dabei beobachtet hat, wie es des Nachts Lebensmittel und andere Dinge stiehlt. Auf einmal sieht und hört und riecht und schmeckt man schonungslos, was bisher nur zu erahnen war, weichgezeichnet durch den Filter der vermeintlichen Normalität. Weg mit dem Filter, weg mit der Normalität, da rascheln die Ratten, stinkt es nach Blut und Urin, wimmert die Mutter, da stürzt man in ein ganz tiefes Loch, wie Alice in den Kaninchenbau… Nur das unten kein Wunderland wartet. Das ist entsetzlich, grauenhaft, ekelhaft, schauderhaft, da schüttelt es einen geradezu. Und das, ohne dass die Autorin auf billige Effekthascherei zurückgreift. Schreibstil: Die Autorin setzt den Schreibstil meisterhaft ein. Die klare und oft schlichte, fast nüchterne Sprache lässt umso deutlicher hervortreten, was in dieser Familie alles schiefläuft. In anderen Szenen baut sie mit prägnanten Bildern eine dichte Atmosphäre auf – besonders in den Passagen des Buches, in denen man die Geschehnisse aus den Außen der Außenstehenden sieht. FAZIT Ein kleines Mädchen ertrinkt – angeblich. Tatsächlich hat ihr Vater das nur vorgetäuscht, um sie für tot erklären zu lassen und nicht in die Schule schicken zu müssen. Er handelt aus Liebe, aber was er erschafft, ist ein familiärer Albtraum, eine verkehrte Welt, die für seine Tochter ganz normal ist. Obwohl das Buch meines Erachtens kein Psychothriller ist, sondern ein düsteres Familiendrama, fand ich es nervenzerfetzend hochspannend und werde noch lange darüber nachdenken. Die Autorin zieht alle Register, um unglaublich viel Atmosphäre zu erzeugen und Charaktere zu erschaffen, die sich einer einfachen Einteilung in gut oder böse entziehen.

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Ein kurzer Hinweis: der Klappentext lässt es klingen, als sei Liv den ganzen Tag eingesperrt in ihren Container. Tatsächlich darf sie diesen durchaus verlassen und ist nur darauf trainiert, sich dabei nicht sehen zu lassen und sich sofort in den Container zurückzuziehen, sobald Entdeckung durch einen Außenstehenden droht. Genre: Meines Erachtens ist dies ist kein klassischer Krimi oder Thriller, sondern eher ein zutiefst verstörendes Familiendrama, das sich gekonnt über Genregrenzen hinwegsetzt. Spannungsbogen: Das Buch entwickelt jedoch eine ungemeine Spannung – eine düstere Sogwirkung, der man sich nur schwer entziehen kann. Man schaudert, man ekelt sich, man wird geschüttelt von Grauen und Mitleid, aber man kann das Buch kaum einmal weglegen. Das erklärt wohl, warum Ane Riel für diesen Nicht-Krimi den dänischen, norwegischen und schwedischen Krimipreis erhielt, sowie den Preis für den besten Kriminalroman Skandinaviens insgesamt. Charaktere: Der Familienvater fällt durchs Raster und reißt Frau und Tochter mit sich in den Abgrund. Da blutete mir das Herz, nicht nur für die unschuldige kleine Liv, sondern auch für ihn selbst. Er ist nicht hassenswert, obwohl er furchtbare Dinge tut, denn er ist nicht böse, sondern motiviert von Angst und Leid – und fehlgeleiteter Liebe, die dennoch tief und wahrhaftig ist. Seine Obsession entsteht aus dem verzweifelten Versuch, das zu beschützen und festzuhalten, was ihm wichtig ist. Überhaupt ist Liebe der treibende Faktor für alle wichtigen Charaktere, und so kann man nicht umhin, mit ihnen mitzufühlen und mitzuleiden. Einen Großteil der Geschichte erlebt man aus Sicht von Liv, für die ihr alles andere als normales Leben eben doch die Normalität ist. Alles ganz logisch und richtig. Von ihrem Vater lernt sie, Tiere zu töten, in fremde Häuser einzubrechen und zu stehlen, ohne das geringste Unrechtsbewusstsein. Kleine Kinder akzeptieren die Welt noch, die ihnen ihre Eltern vorgeben, ohne dies zu hinterfragen. Da beschleicht den Leser schon ein mehr als ungutes Gefühl, aber das wahre Grauen bricht erst über einen herein, sobald Außenstehende den Mikrokosmos der Familie betreten. Schlüssigkeit und Wirkung: Es ist ein geschickter Schachzug der Autorin, sie zu Wort kommen zu lassen: Den neugierigen Postbote, der nur deshalb die Grenzen austestet, um etwas zum Tratschen zu haben. Den Wirt der Dorfkneipe, der aus ehrlicher Besorgnis um das Kind handelt, das er dabei beobachtet hat, wie es des Nachts Lebensmittel und andere Dinge stiehlt. Auf einmal sieht und hört und riecht und schmeckt man schonungslos, was bisher nur zu erahnen war, weichgezeichnet durch den Filter der vermeintlichen Normalität. Weg mit dem Filter, weg mit der Normalität, da rascheln die Ratten, stinkt es nach Blut und Urin, wimmert die Mutter, da stürzt man in ein ganz tiefes Loch, wie Alice in den Kaninchenbau… Nur das unten kein Wunderland wartet. Das ist entsetzlich, grauenhaft, ekelhaft, schauderhaft, da schüttelt es einen geradezu. Und das, ohne dass die Autorin auf billige Effekthascherei zurückgreift. Schreibstil: Die Autorin setzt den Schreibstil meisterhaft ein. Die klare und oft schlichte, fast nüchterne Sprache lässt umso deutlicher hervortreten, was in dieser Familie alles schiefläuft. In anderen Szenen baut sie mit prägnanten Bildern eine dichte Atmosphäre auf – besonders in den Passagen des Buches, in denen man die Geschehnisse aus den Außen der Außenstehenden sieht. FAZIT Ein kleines Mädchen ertrinkt – angeblich. Tatsächlich hat ihr Vater das nur vorgetäuscht, um sie für tot erklären zu lassen und nicht in die Schule schicken zu müssen. Er handelt aus Liebe, aber was er erschafft, ist ein familiärer Albtraum, eine verkehrte Welt, die für seine Tochter ganz normal ist. Obwohl das Buch meines Erachtens kein Psychothriller ist, sondern ein düsteres Familiendrama, fand ich es nervenzerfetzend hochspannend und werde noch lange darüber nachdenken. Die Autorin zieht alle Register, um unglaublich viel Atmosphäre zu erzeugen und Charaktere zu erschaffen, die sich einer einfachen Einteilung in gut oder böse entziehen.

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Liv ist sechs Jahre alt und lebt abgeschieden mit ihren Eltern Jens und Maria Haarder auf einem Anwesen auf einer dänischen Insel. Die Familie hat kaum Kontakt zur Außenwelt, nachdem Jens den Schreinereibetrieb seines Vaters aufgegeben hat. Die Mutter Maria liegt übergewichtig und bewegungsunfähig im Bett. Liv hat ein sehr enges Verhältnis zu ihrem Vater, mit dem sie auf die Jagd geht, und von dem sie gelernt hat, in fremde Häuser einzudringen und Dinge des täglichen Bedarfs zu entwenden Sie kennt kein Unrechtsbewusstsein, das Töten von Tieren gehört für das Mädchen zu seinem Alltag. Als sich die Briefe häufen, dass Liv zur Schule gehen soll, beschließt Jens kurzerhand, seine Tochter für tot zu erklären und versteckt sie in einem Container auf dem Anwesen. Liv lebt in der Einsamkeit, darf kaum noch hinaus in den Wald, um nicht entdeckt zu werden. "Harz" ist ein eindringlich geschildertes Drama über einen Mann, bei dem Liebe zu einer Obsession wird. Aus Angst, seine Tochter zu verlieren, sperrt er sie ein. Der Roman ist nüchtern und ruhig und überwiegend aus der Perspektive der kleinen Liv geschildert, für die dieses Leben normal ist, da sie kein anderes kennt. Nur bei den nächtlichen Diebeszügen erkennt sie, dass es Häuser gibt, die nicht voller Staub, Müll und Ungeziefer sind. Sie liebt ihren Vater und würde nie auf die Idee kommen, ihr Schicksal in Frage zu stellen. Die Situation der Familie ist entsetzlich und es ist kaum vorstellbar, wie es soweit kommen konnte, dass der schon als Kind etwas wunderliche Jens seine Familie in eine derartige Situation bringen konnte. Ohne Kontakt zu anderen Menschen fristen sie ein Leben in Armut, umgeben von Unrat und in Harz präparierte Tierleichen. Die Atmosphäre des Romans ist wirklich gruselig, es ist eine Mischung aus Horrormärchen und Psychothriller. Fassungslos macht, wie sich Jens entwickelt und sein Handeln immer abstrusere Formen annimmt. Die nüchterne Art der Schilderung hat mir dabei sehr gut gefallen, da sie unterstreicht, dass dieses Leben für Liv normal ist und sie ihren Vater bedingungslos liebt. Jens wirkt auf den Leser auch keinesfalls unsympathisch, sondern einfach krank, wohingegen Maria lethargisch und passiv erscheint und ihr Leben aufgegeben hat und es nicht schafft, für ihre Tochter stark zu sein. Wie sich Jens in seiner Obsession steigert, jeglichen Bezug zur Realität verliert und irrational handelt, lässt den Roman nicht aus der Hand legen und fesselte mich bereits von Anbeginn. Zusätzliche Spannung wir im letzten Drittel erzeugt, als Hilfe von Außen in Aussicht kommt. "Harz" ist ein Familiendrama, das schockiert und den Leser perplex zurücklässt.

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Liv lebt mit ihrem Vater und ihrer Mutter auf dem „Kopf“, eine kleine Insel über dem Dorf, sie sind meist auf sich alleine gestellt und genießen die Abgeschiedenheit. Liv lernt von ihren Eltern das Wichtigste und kennt keine anderen Kinder oder gar Schule oder andere Verpflichtungen. Die Wende tritt ein als die Großmutter von Liv an Weihnachten auftaucht und möchte dass Liv mit ihr in die Stadt zieht damit sie endlich Kind sein kann... und der Vater von Liv anders entscheidet... um Liv zu schützen meldet der Vater Liv als verstorben... Ein Thriller der gerade diskutiert wird. So genau wusste ich nicht was mich hier erwartet, Harz ist schon mal ein sehr spannender Titel, aber nach dem lesen kann ich sagen – passender hätte er nicht sein können. Der Plot ist gleich mal Mord und Totschlag, im wahrsten Sinne des Wortes, schon da stand ich erstmal fassungslos da und musste das Gelesene verarbeiten. Die Autorin Ane Riel beschreibt das abgeschiedene Leben auf dem „Kopf“ sehr schön, sehr intensiv, mit viel, oft widersprüchlichen, Gefühlen, aber man kann sich bildlich, die Insel sowie das ganze Drumherum sehr gut vorstellen. Wir lernen Joe kennen, der mit seinem Bruder Mogens und den Eltern auf dem Kopf lebt. Der Vater liebt und lebt sein Schreinerhandwerk und ist dafür auf der Insel berühmt. Doch alles ändert sich als der Vater plötzlich verstirbt... Joe wird immer verschlossener, Mogens fühlt sich eingeengt und zieht von heute auf morgen weg. Maria kommt als Haushaltshilfe auf den Kopf und Joe verliebt sich in sie. Als Maria schwanger ist stößt dies auf Unverständnis bei der Mutter die kurze Zeit später in die Stadt zieht. Für Maria und Joe ist Liv ihr Dreh – und Angelpunkt in ihrem Leben. Joe möchte mit den Bewohnern aus dem Dorf nichts mehr zu tun haben, verschließt sich immer mehr, will seine Familie und seinen Besitz krampfhaft beschützen/verteidigen. Maria sieht vieles anders was sie Liv in Briefen an sie mitteilt. Liv konnte mich begeistern, sie ist so unschuldig an der ganzen Situation und hat doch nie was anderes kennengelernt. Sie ist sehr selbstständig, lernt viel von ihrem Vater sowie ihrer Mutter, hat aber keinen Kontakt zu anderen Kindern, besucht keine Schule und lernt eben nur dieses Fenster kennen was ihre Eltern, gerade ihr Vater, ihr vorleben. Ist es ein Thriller? Dieses Buch kommt ohne Blut und grausame, detaillierte Beschreibungen von Gemetzel aus, es ist ein Thriller der anderen Art, ich denke so kann man ihn beschreiben. Wer hier auf Action und die üblichen Thrillerklischees hofft sollte die Finger von diesem Buch lassen. Die menschlichen Abgründe können oft tiefer, dunkler und abscheulicher sein als die Taten, die wir offensichtlich wahrnehmen bzw. gezeigt bekommen. Dieses Buch übte, auf mich, eine oft erschreckende Faszination aus, da ich auf der einen Seite die Eltern verstehen konnte, dass sie Liv eher das Leben beibringen können als es die Schule je könnte. Auf der anderen Seite sieht man aber auch was Abgeschiedenheit, kein rechtes Sozialleben mit einer Kinderseele anstellen können, wie sich die ganze Weltanschauung auf den Kopf stellt und es für ein Kind nicht offensichtlich erscheint was nun Gut oder Böse ist. Das Ende konnte mich dann auch richtig schocken und ja, man kann sich dann aussuchen wie es wohl weitergehen könnte. Ein Thriller der mit leisen, anderen Tönen und Abgründen spielt die aber nicht weniger spannend und erschreckend sind. Mich konnte die Autorin für ihren Thriller auf jeden Fall gewinnen!

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Klein, aber Oho!

Von: Kaisu

04.08.2019

“Im weißen Zimmer war es dunkel, als mein Vater meine Großmutter umgebracht hat. Ich war da.” (Buchbeginn) Liv ist ein kleines Mädchen. Unerfahren mit der großen weiten Welt, kaum soziale Kontakte, abgeschirmt von der Außenwelt. Dennoch ist sie glücklich. Sie hat ihren Vater und ihren Bruder. Der Vater ist ihr großes Vorbild und bringt ihr eine Menge bei. Wie man Hasen fängt, wie man Fische angelt, vor welchen Gefahren man sich in Acht nehmen soll. Ihre Mutter übernimmt dabei den Aspekt der Lehrerin und liest ihr vor. Bildet sie auf diese Art und Weise. Aber reicht das aus? “Das Kind muss in die Schule!”, bestimmt die Großmutter, die eines Tages zu Besuch kommt. Energisch nimmt sie die Dinge selbst in die Hand. Möchte das Wohnhaus der Familie auf Vordermann bringen, bestellt einen Container für den ganzen Schrott, der sich angesammelt hat und viele Räume fast unbewohnbar macht. Außerdem meldet sie Liv in der Schule an. Der frische Wind wird jedoch rasant im Keim erstickt. Jens, der Vater, bringt seine Mutter kurzerhand um. “Jens wünschte sich tief im Inneren einen Sohn, Maria wünschte sich tieg im Inneren eine Tochter, und Else Haarder wünschte sich tief im Inneren eine Katastrophe. Auf eine Art bekamen alle drei ihren Wunsch erfüllt.” (S.64) Damit die Behörden nicht nachfragen, wo die kleine Liv denn bleibt und warum sie nicht zur Schule kommt, täuscht der Vater ihren Tod vor. Ertrunken, ein tragisches Unglück, er konnte nichts mehr für seine Tochter machen und bittet von Mitleidsbekundungen abzusehen. Die Familie zieht sich immer weiter zurück. Liv spielt mit wilden Hasen und ihrem Bruder. Der Vater schreinert und bastelt weiterhin wild vor sich hin. Die Mutter nimmt immer mehr zu und kann das Bett nicht mehr verlassen. Der Familienhof vermüllt. Bis hierher ist die Basis der folgenden Ereignisse kurz zusammengefasst. Viel mehr kann ich auch nicht erzählen, da ich sonst zu viele Anreize für Hirngespinste und damit Spoiler geben würde. Letztlich zeigt das Buch eine Familie, die glücklich ist – oder eher war – und die nun an die Grenzen ihres Daseins stößt. Eine Grenze wo Menschen ihre Menschlichkeit verlieren und Dinge machen, die äußerst egoistisch und dramatisch sind. “Er wollte seine Tochter nicht bewahren, um ihre Seele zu erlösen. Er woltte seine Tochter einfach nur bewahren. Sie behalten. Sie nicht verlieren müssen.” (S.176) Liv kommt selbst zu Wort. Aus Kinderaugen – aber nicht zu kindisch – beobachtet sie aufmerksam ihre Umgebung und schildert ihre Eindrücke von den Erlebnissen auf dem Hof. Da werden zugemüllte Räume zu Abenteuerspielplätzen und eine Karnickelplage zu vielen Haustieren, die überall hinköteln. Parallel dazu darf Jens Haarder, aus der Sicht eines auktorialen Erzählers, sein Leben erzählen, ebenso die Mutter in kurzen Frequenzen und später kommt eine weitere Person hinzu. Gerade der Punkt, dass die junge Liv so viel berichten darf, lässt manche Szene übler wirken, als wenn der Vater sie erzählt hätte. Da spricht die Unschuld und Naivität aus ihrem Mund. Sie ahnt nicht im geringsten, welchen Bären ihr ihr Vater aufgebunden hat. Zudem zeigen sich bereits deutliche Auswirkungen der Abschirmung in ihren Wesenszügen. “Harz” ist ein Buch, was mich überrascht, überwältigt und am Ende vollkommen überzeugt hat. Der Schreibstil ist auf den ersten Seiten etwas ungewohnt, aber man ist rasch drin und verfällt seinem Sog. Letztlich sind es die kleinen dramatischen Momente, von denen das Buch lebt. Sie hauen stets eine weitere feine Schippe auf den Trümmerhaufen, bevor er am Ende komplett zusammenbricht. Das Ende, die letzten Zeilen, waren schlussendlich das perfekte i-Tüpfelchen. >> Ein Lesetipp für ein paar kurze Lesestunden, die sich emotional vollends lohnen werden!

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Erschreckend und beklemmend

Von: Büchermaulwurf

26.07.2019

Mit „Harz“ hat Ane Riel zu Recht alle vier wichtigen skandinavischen Krimipreise abgeräumt. Ich würde es jedoch nicht als Krimi oder Thriller bezeichnen. Es ist eher ein Familiendrama, das sich nach und nach zum Thriller steigert und mit einem dramatischen Finale abschließt. Sehr gut gefiel mir auch das Cover, dass ich immer wieder gerne in die Hand nehme. Der Titel „Harz“ aus Bernstein ist ungemein passend und die plastisch hervortretenden Holzklötze runden es ab. Zum Inhalt: Die Familie Harder lebt auf einer kleinen Insel, abgeschottet von der Außenwelt. Doch hier ist nichts normal, auch wenn das die sechsjährige Liv denkt. Ihr Vater Jens ist ein krankhafter Sammler mit starken Verlustängsten, was seine Familie betrifft. Ihre Mutter ist stark übergewichtig und kann das Bett zuletzt nicht mehr verlassen und die kleine Liv muss sich in einem Container zwischen Gerümpel verstecken, da ihr Vater ihren Tod vorgetäuscht hat. Die obsessive Liebe des Vaters mündet schließlich in eine Katastrophe. Ruhig und eindringlich, aber auch überaus fesselnd entwickelt die Autorin die Familientragödie aus verschiedenen Perspektiven. Das meiste wird aus der naiv kindlichen Sicht von Liv erzählt. Das alltägliche Grauen, das hier Einzug in den Familienalltag gehalten hat, lässt dem Leser zeitweise den Atem stocken. Und die Sichtweise von Liv macht es um so beklemmender. „Im weißen Zimmer war es dunkel, als mein Vater meine Großmutter umgebracht hat. Ich war da.“ Man erhält auch durch Rückblenden einen Einblick in die Kindheit und Jugend von Jens. Die Wandlung seines Charakters von einem gutaussehenden, naturverbundenen jungen Mann, hin zu dem verwahrlosten Messie wurde sehr gut und nachvollziehbar beschrieben. Auch die übergewichtige Mutter Maria kommt durch Briefe zu Wort, die sie für Liv geschrieben hat und die ebenfalls sehr betroffen machen. Sie liebt ihren Mann noch immer, trotz ihrer schrecklichen Lage. Obwohl Jens wirklich erschreckende Dinge tut, spürt man doch, dass er nicht „böse“ ist, sondern aus Liebe zu seiner Frau und Tochter handelt, die er unter keinen Umständen verlieren will. Diese Wandlung von obsessiver Liebe in Wahnsinn wurde sehr gut beschrieben. Ganz am Ende gibt es noch eine schockierende Enthüllung, die mich genau wie die Familientragödie noch einige Zeit beschäftigt hat. Fazit: „Harz“ ist ein ungewöhnliches Buch, dass mich gleichzeitig gefesselt, erschüttert, schockiert und mir Gänsehaut verursacht hat. Von mir gibt es die volle Punktzahl und eine absolute Leseempfehlung.

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Eine kleine dänische Insel, eigentlich ein wunderbarer Ort zum Leben. Der „Kopf“ der Insel ist durch eine schmale Nehrung, dem „Hals“ mit dem Rest der Insel verbunden. Dort am Kopf, in dieser Abgeschiedenheit wächst Jens Haarder mit seinem älteren Bruder Mogens und den Eltern Silas und Else auf. Den frühen Tod des Vaters verwindet der sensible und eigenbrötlerische Junge kaum. Später gründet Jens mit Maria, der Pflegerin seiner Mutter seine eigene kleine Familie. Doch es ist wieder ein schwerer Verlust, der Jens vollkommen aus der Bahn wirft. Nicht jeder Thriller braucht reißerische Effekte. In Ane Riels Thriller „Harz“ reicht der kleine private Wahnsinn eines Mannes, der in seiner selbst gewählten Isolation immer mehr in seiner eigenen verkehrten Welt lebt und alle mitnimmt, die er liebt. „Nein, er konnte nichts entbehren. Was ihn verließ, kam nicht zurück. Und darum verließ ihn nichts.“ Es ist eine obsessive, fehlgeleitete Liebe, die Jens Haarder die Grenzen zwischen Freund und Feind, zwischen Normalität und Wahn nicht mehr erkennen lässt. Hier wird eine Besessenheit beschrieben, die durchaus im Bereich des Möglichen liegt, was viel stärker auf mich wirkt als haarsträubende Killerstorys. Die Autorin erzählt die Geschichte teilweise aus unterschiedlichen Perspektiven. Die Kindheit und Jungend von Jens wird von einem durchaus neutralen und beobachtenden Erzähler geschildert. Aber auch die sechsjährige Tochter Liv berichtet aus ihrer kindlich naiven Sicht, eine Perspektive die das ständig ansteigende Grauen noch mehr vorantreibt. Was uns Liv nicht erzählen kann, wird oft durch Briefe der Mutter an das Kind ergänzt. „Harz“ ist ein Thriller, der eine ganze Palette an Gefühlen erzeugt, man wünscht und hofft ganz stark, dass Liv, dieses kleine Leben, gerettet werden kann. Es ist unglaublich in seiner Eindringlichkeit. Die Grausamkeiten Mensch und Tier gegenüber sind verstörend und trotzdem führt einen die Autorin auf seltsam behutsame Weise durch diese beklemmende Tragödie.

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