Leserstimmen zu
Courage zeigen

Sebastian Krumbiegel

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Es ist schwierig einen Menschen zu verstehen, ohne seine Geschichte zu kennen. Entsprechend beginnt Krumbiegel bei einem persönlichen und historischen Wendepunkt, nämlich den Montagsdemonstrationen in Leipzig 1989. Bereits damals mischten sich offenbar nationalistische Untertöne in die Sprechchöre, die eigentlich offene Grenzen, Meinungsfreiheit und Mitspracherecht einforderten. Da liegt es nahe die Stimme zu erheben, denn angesichts ähnlicher Phänomene in diesem Jahrhundert liegt der Schluss nahe, dass entsprechende Stimmungen nicht erst gestern entstanden. Was sein Buch nahbar macht und nicht unnötig moralisierend erscheinen lässt ist vor allem die Tatsache, dass Krumbiegel kein Verächter von Selbstkritik und kleinen Schritten auf dem Weg zu einem besseren Miteinander ist. Sei es im klärenden Gespräch mit Politikern oder Bild-Chef Kai Diekmann, die Frage, ob solche Aktionen überhaupt etwas bewegen oder nur nette Episoden bleiben, beantwortet er mit distanzierter Zurückhaltung. Einseitiges Missionieren gibt es bekanntlich auf allen Seiten des politischen Spektrums, das Ansprechen der Dinge, das Nachbohren, die Konfrontation mit unliebsamen Wahrheiten dagegen kann dazu führen, dass etwas "in den Köpfen hängenbleibt". Ein Ansatz der Geduld erfordert und genau deswegen mit Respekt zu behandeln ist Die starke persönliche Verbindung zum Thema wird spätestens anhand eines brutalen Überfalls durch Neonazis deutlich, den Krumbiegel in seiner Heimatstadt Leipzig erlebte. Kapitel wie der Versuch einer Aussprache mit einem der Täter offenbaren den Willen zum Verstehen der Denkweise hinter solchen Taten und klammern die davon Betroffenen auf beiden Seiten nicht von vornherein aus. Dem Vorwort nach will das Buch keine Autobiografie sein, weitere Kapitel befassen sich jedoch auf unterhaltsame Weise mit der musikalischen Laufbahn des Autors sowie verschiedenen anderen Stationen seines Lebens. Diverse Erlebnisse rund um die "Friedliche Revolution" 1989 sind ebenso Thema wie der Kirchenaustritt des ehemaligen Thomaners, den er mehr am Versagen der Institution und ihren Vertretern, als an persönlichen Glaubenserfahrungen festzumachen scheint. Unter all den Büchern, die mit mehr oder weniger Distanz gegenwärtige gesellschaftliche Problematiken thematisieren, liest sich "Courage zeigen" im Schnitt angenehm differenziert. Krumbiegel gibt außer der Demokratie keinem anderen politischen System den Vorzug, klärt aber auch über den erlebten DDR-Alltag auf, der eben nicht immer dem Klischee entsprach. Da war nicht alles schlecht, besonders wenn man als privilegierter Chorknabe ins westliche Ausland reisen durfte, aber manches eben schon. Seine Selbstreflexion im Hinblick auf protorassistische Äußerungen, die schnell ausgesprochen sind, auch wenn man es nicht so meint, bricht die idealistischen Gedanken auf ein alltagstaugliches Maß herunter. Die klare Positionierung gegen Rassismus, Sexismus und Homophobie ist bemerkenswert, Toleranz gegenüber Religionen bleibt im Vergleich eher außen vor. Man muss allerdings auch gar nicht alles gut finden um zu sehen, dass sich hier jemand wichtige Gedanken macht und, ähnlich wie in der Musik, "Unterhaltung mit Haltung" bieten will. Das hört man nicht von jedem Popstar. Wenn man aus dem Buch eines lernen kann, dann dass jeder für das mitverantwortlich ist, was in seinem Land und in seiner Stadt passiert. Und, dass man sich nicht darauf ausruhen sollte, dass andere sich schon kümmern werden. Seitenzahl: 224 Format: 14,2 x 22,1, gebunden Verlag: Gütersloher Verlagshaus Bonusmaterial: Song-Downloads per QR-Code

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