Leserstimmen zu
Sonntags in Trondheim

Anne B. Ragde

Die Lügenhaus-Serie (4)

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Wie schön war es die Neshov Sippe wiederzutreffen. Ein Gefühl wie Weihnachten, nur, dass ich selbst nicht involviert bin, sondern mir all die Dramen und Tragödien von Außen anschauen kann. Davon gab es in den ersten drei Bänden der "Lügenhaus"-Reihe ziemlich viele. In "Sonntags in Trondheim" geht es ein wenig beschaulicher zu. Ein wenig entspannter und gefühlt ein wenig glücklicher. Und weil ich der Familie nach drei Bänden so nah bin, freut mich das, als sei ich doch ein Teil von ihnen. Anne B. Ragde hat mit den Neshovs eine Familie konzipiert, die auf den ersten Blick ziemlich verschroben wirkt. Bei genauerem Hinsehen aber Züge erkennen lässt, die in jedem Haushalt, überall auf der Welt, so oder so ähnlich ablaufen könnten. Im Mittelpunkt steht Torunn, die vor einiger Zeit erfahren hat, dass ihr Vater ein Schweinezüchter in Norwegen ist und dass er und ihre Mutter nicht zusammenlebten, weil die Großmutter die Verbindung der Beiden nicht für gut hieß, so dass Torunns Mutter vom Hof gejagt wurde. Als der Vater stirbt, erfährt Torunn, dass sie die Erbin des Hofes ist. Das überfordert sie jedoch so sehr, dass sie erstmal wieder abhaut. Zurück in die Arme ihres langjährigen Freundes, der sie permanent mit jüngeren Frauen betrügt. Torunn neigt dazu an alten Gewohnheiten festzuhalten und erträgt diesen Zustand ihrer Beziehung eine ganze Weile, bis es ihr doch zu bunt wird. Sie kehrt zurück auf den Hof ihres Vaters, denn wie sollte man der Schwierigkeit gesunde Beziehungen zu führen anders auf den Grund gehen, als dorthin zurückzukehren, wo die Beziehung der Eltern noch vor der Geburt gekappt wurde. Für Torunn eine Möglichkeit zu sich selbst zu finden? Außerdem lebt ihr Onkel Margido in der Nähe. Ein einsam wirkender Endfünfziger / Anfang sechziger, der voll und ganz in seinem Beruf als Bestatter aufgeht. Seine Tagesabläufe sind penibelst genau durchgeplant. Systeme, die ihm Orientierung und Halt geben während er täglich dem Tod begegnet. Als Torunn bei ihm auftaucht, bringt sie sein Leben durcheinander. Ein ganz neues, gar nicht mal so unangenehmes Gefühl. Und dann gibt es noch den schwulen Erlend, der sich gemeinsam mit seinem Mann und zwei befreundeten Leihmuttern eine eigene Familie "gebastelt" hat. Ein Familiensystem wie er es nie gekannt hat. So perfekt, obwohl überhaupt nicht ans klassische Familiensystem angelehnt. Oder eben doch, weil Kinder ein ganzes Dorf brauchen, um behütet aufzuwachsen. Zwei Väter und zwei Mütter tun es für den Anfang aber auch. Hach ja, es steckt so viel Liebe in den Figuren, in all ihren Lebenswegen, ihren Entscheidungen, in all den Zwickmühlen und Verästelungen, die das Schicksal für sie ersinnt. Die Figuren leben. In der Sprache, in den Handlungen und ganz schnell auch in den Herzen der Leser. Während die Atmosphäre in den ersten drei Teilen eher von einem dünnen Nebelschleier überzogen ist, fühlt es sich so an, als komme Licht in das Leben aller Figuren. Dadurch unterscheidet sich "Sonntags in Trondheim" von Ton und Ambiente von den vorherigen Büchern, was dem Lesevergnügen jedoch nichts nimmt.

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sehr warmes Buch, macht ein angenehmes Gefühl in der Familienbauchgegend. Im Cover ist allerdings ne falsche Angabe bezüglich der Elternverhältnisse von Ellen und Nora, die beiden sind der Nachwuchs von Krumme und Lizzy, (im Cover ist Leon unter der Verbindung Krumme und Lizzi angegeben). Und Krumme stell ich mir irgendwie knuffelig und gemütlich vor, nicht so wie auf dem Gewinnspielflyer. Ansonsten fühlen sich alle Protagonisten wie Familienmitglieder oder enge Bekannte an.

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Als ich vor über zehn Jahren das Buch “Lügenhaus” von Anne B. Rage zum Geburtstag geschenkt bekommen hatte, kam ich erstmals mit der grandiosen Autorin in Berührung. Ein Freund hatte sich im Buchladen beraten lassen, “ein Buch für eine Skandophile” sollte es sein. Die Buchhändlerin hatte dann genau ins Schwarze getroffen, denn sobald ich mit dem Buch begann, konnte ich es nicht mehr aus der Hand legen. In “Lügenhaus” geht es um die Familie Neshov aus Trondheim. Bäuerin Anna liegt im Sterben und die Familie kommt erstmals nach Jahren wieder zusammen: Tor, der mit Mutter Anna den Schweinehof bestellt, Margido, der als Bestattungsunternehmer arbeitet und vor langer Zeit den Kontakt abgebrochen hat, der jüngste Sohn Erlend, der jetzt wohnhabend mit seinem Freund in Kopenhagen lebt, und auch Torunn, Tors erwachsene Tochter, die er erst einmal gesehen hat. Doch wie der Titel schon verspricht, ist das Leben der Familie auf Lügen gebaut, die nun — am Sterbebett der Mutter — zum Vorschein kommen. Das erste Buch hatte mich so in seinen Bann gezogen, dass ich noch während des Lesens des ersten Bandes den zweiten kaufen musste, aus Angst einen Tag ohne es überstehen zu müssen. Die Neshovs sind mir von der ersten Seite an sehr ans Herz gewachsen, als gehörten sie zur Familie. Buch 2 “Einsiedlerkrebse” und drei “Hitzewelle” wurden ebenso verschlungen. Leider hinterließ “Hitzewelle” offene Fragen und ließ einen unbefriedigt und nachdenklich zurück. Umso erfreuter war ich, als dieses Jahr ganz unerwartet Band 4 “Sonntags in Tromsö” erschien! Ragde hatte zwar immer gesagt, die Reihe sei nach drei Bänden zu Ende, schickte dann jedoch unangekündigt das Manuskript an den Verlag. Und wieder hat mich das Familienleben der Neshovs komplett eingenommen: Die Familie ist im Land zerstreut und der Schweinehof dient nur noch als Sarglager. Erst als Torunn an einem Sonntagmorgen beschließt, Margido einen Besuch abzustatten, setzt sie damit ganz erstaunliche Entwicklungen in Gang. Anne B. Ragde lebt selber in Trondheim und ist eine der erfolgreichsten Autorinnen Norwegens. Ihr Schreibstil ist so ausgefeilt, dass schon ein paar Sätze ausreichen, um ihre Charaktere kennen- und lieben zulernen. Wie schon die Vorgänger wird auch “Sonntags in Tromsö” aus drei unterschiedlichen Perspektiven erzählt, was die Geschichte vorantreibt und einen intensiven Einblick in das Leben der Rollen erlaubt. Ragde vermag es die Leidenschaften der drei Hauptpersonen so anschaulich zu beschreiben, dass man sich plötzlich auch für Dekoration, die norwegische Natur und — tatsächlich — für das Bestattungswesen zu begeistern beginnt. Was mich besonders an der Reihe fasziniert, ist Ragdes offener Blick auf unsere Gesellschaft und ihrer Fähigkeit, diese mit Leichtigkeit wiederzugeben. Nächstes Jahr erscheint sogar ein 5. Band und ich kann es kaum erwarten! Die Reihe ist so besonders und lesenswert, dass ich alle beneide, die erst jetzt das Vergnügen haben, die Familie Neshov kennenzulernen.

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Ansprechendes Wohlfühlbuch

Schepers, Friesoythe

Von: M. Cloppenburg aus Friesoythe

30.08.2017

Mein Mann hat sich beschwert, dass es kein warmes Essen gab! (Sorry Schatz, war in Trondheim.) Mich hat vor allem fasziniert, wie fein ausgelotet die Charaktere sind. Wenige Sätze, und man meint, sie zu kennen. Ein ansprechendes Wohlfühlbuch, das man vielen Kunden anbieten kann. Ich habe da schon einen Schweinezüchter und eine Bestatterin im Visier... Für Neustarter in der Lügenhaus-Reihe wäre an einigen Stellen etwas mehr Hintergrund-Info gut. Oder ich verkaufe gleich die Bände 1-3 dazu ;)

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Buchhandlung Schepers

Von: M. Cloppenburg aus Friesoythe

30.08.2017

Nach längerer Pause wieder im Buchhandel aktiv, bin ich quasi über Trondheim gestolpert. Nette Aufmachung, dachte ich, schau ich doch mal rein. Ah, es geht um Schweinezüchter, interessant, da kenne ich auch welche...aus der Familie...gar nicht allzuweit verstreut...könnte also lustig werden. Und dann habe ich zu lesen angefangen, und nicht wieder aufgehört. Gab mal wieder kein warmes Mittagessen bei uns... kurzum: Der Schweinezüchter aus meiner Familie liest es jetzt auch. (Hab ihm nicht verraten, dass es eher nicht so um Schweinezucht geht). Jetzt koche ich Eintopf auf Vorrat, bestelle mir die Vorgänger der Lügenhausreihe (diese Lücke, diese entsetzliche Lücke!)...und lege schon mal ein "Sonntags in Trondheim" an die Kasse...für den Herrn vom Bestattungsunternehmen in der Nachbarstraße!

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Lhotzkys Literaturbuffet

Von: Lena Samek aus Wien

29.08.2017

Anne B. Ragde erzählt in vier Bänden das Zusammen- und Auseinanderdriften einer vielköpfigen, schrägen und auf ihre Weise liebenswerten Familie, deren Verwandtschaftsverhältnisse nicht auf den ersten Blick zu durchschauen sind. Sonntags in Trondheim ist der unerwartete vierte Band dieser „Trilogie“, denn die Autorin hatte dem Verlag länger verheimlicht, dass sie an einem weiteren Band arbeitete, so lautet jedenfalls die Mär. Geglückt ist ihr ein Buch, dass unterhaltsam ist, feine, warmherzige Charaktere zeichnet, so vorhersehbar ist wie entspannte Literatur sein darf und außerdem lesbar, auch wenn man die ersten drei Bände nicht gelesen hat. Das nämlich ist mir passiert, unwissend, dass es sich dabei um eine Fortsetzung handelt. Mich hat der Titel angesprochen, das ewige Familienthema, der Humor und das Gefühl, dass dieses Buch (m)ein Urlaubsbuch sein könnte. (Das Cover allerdings nicht.) Urlaubsbuch war es dann auch und diesen Anspruch hat es erfüllt. Ich hatte große Freude beim Lesen, habe mich den Charakteren verbunden gefühlt und will auch die Vorgänger lesen, obwohl ich mir jetzt klarerweise das fulminante Ende schon vorweggenommen habe. Es fühlt sich allerdings nicht so an, als wäre das ein grober Fehler... Hauptpersonen sind die Brüder Margido – verschrobener, einsamer Bestattungsunternehmer in norwegischer Kleinstadt - und Erlend – hipper, homosexueller Schaufensterdekorateur in Kopenhagen und Vater dreier Kinder - , sowie deren Nichte Torunn, die im Laufe des Romans beschließt, ihre eigenwillige, mühsame Beziehung zu beenden und damit nicht nur ihr Leben verändert, sondern auch das Verhältnis zu ihrer Familie. Das Buch ist abwechselnd aus diesen drei Perspektiven erzählt, was ein Gefühl von Nähe zu allen Personen ermöglicht und das Lesen kurzweilig macht. Besonders mochte ich die längeren Passagen über die Leidenschaften der drei - Dekoration, Bestattung (!) und norwegische Natur.

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Familiensaga aus dem hohen Norden

Thailand Bücher aschaffenburg

Von: Claudia Stadler-Desch aus hösbach

21.08.2017

Anfangs etwas zäh dann aber spannende familiengeschichte.Band 4 und hoffentlich folgt Band 5. Sehr lesenswert

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Sommer in Europa

Buchhandlung A Kelle

Von: C. Weber aus Horn-Bad Meinberg

05.08.2017

Plötzlich war es da: Das Skript zum vierten Teil der Lügenhaus Serie von Anne B. Radge. Die Überraschung für die Fans der Norwegischen Erfolgsautorin war umso größer, als sie unlängst selbst angekündigt hatte, nach #Lügenhaus, #Einsiedlerkrebse und #Hitzewelle keine Fortsetzung zu schreiben. Obgleich also die Protagonisten mit ihrer einzigartigen Verbindung den Lügenhausfans bekannt sind, gelingt es Radge auch neue Leser ohne einschlägige Kenntnisse um die familiäre Bande der #Neshovs mit auf eine Erlebnisreise zu nehmen. Hierbei hilft freilich auch der auf dem Innencover abgebildete Stammbaum. Und obwohl das Buch langst vor der deutschen Aufregung um die gleichgeschlechtliche #Homo-Ehe verfasst und übersetzt war, könnte es eine aktuelle Liebeserklärung an Regenbogen-Beziehungen und die damit einhergehenden Herausforderungen des täglichen Lebens sein. „Sonntags in Trondheim“ ist eine freundliche Sommerlektüre, die nicht zuletzt aufgrund der gelungenen Übersetzung von Gabriele Haefs leicht zu lesen ist.

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