Leserstimmen zu
Zeitenwende

Carmen Korn

Jahrhundert-Trilogie (3)

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Mittlerweile sind in Deutschland die 1970er Jahre angebrochen. Der Zweite Weltkrieg scheint lange zurückzuliegen, die Zeiten sind politisch aber nicht weniger turbulent. Denn die RAF versetzt die Bundesrepublik in Angst und Schrecken, und das geteilte Deutschland liegt nicht nur geografisch mitten im Ost-Westkonflikt. All das hat auch Auswirkungen auf die Familien und Freunde von Henny und Käthe in Hamburg-Uhlenhorst. Je weiter sich das 20. Jahrhundert dem Finale nähert, desto mehr Veränderungen ergeben sich: neue Beziehungen werden geschlossen, Kinder geboren, aber auch die ersten Todesfälle erschüttern den Kreis um Henny und Käthe. Das war ein Gefühl wie Nachhause kommen! Zurück nach Hamburg-Uhlenhorst, in den Schoß der Familien und Freunde von Henny und Käthe. Ich habe es genossen, all die altbekannten Charaktere wieder zu treffen, neue kennenzulernen und zu erfahren, wie es mit ihnen weitergeht. Die Episodenhaftigkeit der Erzählung, gekennzeichnet durch das schnelle Springen vom Leben eines der Protagonisten ins nächste, macht “Zeitenwende” (und die gesamte Jahrhundert-Trilogie) für mich zum perfekten Hörbuchgenuss auf Autofahrten. Mir fällt es wahnsinnig leicht, beim Hören aufmerksam zu bleiben, und auch wenn ich einmal abschweife, kann ich ohne zurückzuspulen weiter hören und bin direkt wieder in der Geschichte drin. Mit der Stimme der Autorin Carmen Korn konnte ich mich jedoch nicht so ganz anfreunden. Die war mir eine Spur zu “weinerlich”. Die ganzen Charaktere sind mir im Laufe der drei Bände sehr ans Herz gewachsen. Besonders gelungen fand ich hier, wie Carmen Korn deren Alterungsprozess umgesetzt hat. Da gibt es jene, die das Alter nicht akzeptieren können. Und auf der anderen Seite die, die alles so nehmen, wie es kommt. Wie im echten Leben. Mein persönlicher Favorit ist und bleibt hier Dr. Theo Unger. Den mochte ich von Band 1 an besonders gerne. Genau wie seinen leider viel zu früh verstorbenen Kollegen Dr. Kurt Landmann, bei dem ich mich über jede Erwähnung gefreut habe. Besonders ans Herz legen möchte ich Euch einen Aspekt der Bücher von Carmen Korn: sie sind zwar in erster Linie wahnsinnig unterhaltsam, aber trotzdem bekommt man – ganz nebenbei und ohne große Anstrengung – eine Schnellbleiche in der neueren deutschen Geschichte. Hier war im dritten Band für mich besonders spannend, dass es zum einen Zeitperioden waren, die im Geschichtsunterricht – im Gegensatz zu den beiden Weltkriegen – keine große Rolle gespielt haben. Zum anderen ging es erstmals um Abschnitte, an die ich selbst eine Erinnerung habe. Neben der RAF und der Teilung und Wiedervereinigung Deutschlands hat mich am meisten bewegt, davon zu hören, wie damals der Ausbruch des AIDS-Virus medial und politisch ausgeschlachtet wurde. Für mich gibt es nur zwei kleine Kritikpunkte. Ein bisschen realitätsfern fand ich, dass die meisten Protagonisten der ersten Stunde ein geradezu biblisches Alter erreichen. Außerdem meint es das Schicksal ab Band 2 der Reihe trotz aller kleinerer und größerer Dramen im Leben der Charaktere doch ausgesprochen gut mit ihnen. Das ist vielleicht eine Spur zu viel “and they lived happily ever after” und zu wenig echtes Leben. Zum Abschluss muss ich das Cover lobend erwähnen. Das ist so typisch 1970er Jahre, dass es direkt aus dem Jugendalbum meiner Mutter stammen könnte. Ich habe mich jedes Mal gefreut, wenn mein Blick darauf gefallen ist. Für mich ein ausgesprochen gelungenes Finale der Jahrhundert-Trilogie. Ich bin beinahe melancholisch, wenn ich daran denke, dass diese schöne Geschichte nun zu Ende ist.

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„Literaturwerkstatt- kreativ / Blog“ stellt vor „Zeitenwende“ (Hörbuch) von Carmen Korn Jahrhundert-Trilogie (1919 – 2000) 1. Töchter einer neuen Zeit 2. Zeiten des Aufbruchs 3. Zeitenwende Hamburg 1970 – 2000 Frühling 1970: Henny Unger feiert ihren siebzigsten Geburtstag, sie wird somit genauso alt wie das Jahrhundert. Ihre Freundinnen Käthe, Lina und Ida und deren Familien – feiern mit ihr. Doch aus den vier Freundinnen sind inzwischen Mütter und Großmütter geworden. Hennys Enkelin Katja reist als Fotoreporterin zu den Krisenherden der Welt und lernt bei einem Besuch in Ost-Berlin einen Schauspieler kennen und lieben. Ruth, Käthes und Rudis Adoptivtochter sympathisiert mit der RAF. Idas und Tians glamouröse Tochter Florentine ist ein gefragtes Fotomodell und reist ebenfalls durch die ganze Welt. Als sie schwanger wird kommen gleich zwei Männer in Frage. Fazit: Der letzte Teil der Hamburger Jahrhundert-Trilogie begleitet weiterhin die vier Frauen durch ihr spannendes Leben in Hamburg und gewährt Einblicke in die deutsche Geschichte. Vom deutschen Herbst, dem Mauerfall und der Wiedervereinigung bis hin zur Jahrtausendwende. Allerdings rückt der Fokus des Geschehen nun mehr auf die nachfolgenden Generationen. Auch im dritten Teil ihrer Trilogie nimmt Carmen Korn die Fäden des zweiten Teils geschickt wieder auf und ihr gelingt es hervorragend, eine Mischung aus spannender Familiengeschichte, verbunden mit politischen Zeitgeschehen, gekonnt zu einem Ganzen zu verweben. Wie in meinen letzten Rezensionen schon beschrieben, versteht Carmen Korn es meisterhaft durch ihre sehr ausdrucksstarke und detaillierte Sprache, Figuren, Orte, aber auch den Zeitgeist spürbar werden zu lassen. Carmen Korn spricht das Hörbuch wieder selbst und ebenso gekonnt wie bei den ersten beiden Teilen, lässt sie die Bilder Hamburgs vor unserem geistigen Auge entstehen. Ja, und jetzt heiß es Abschied nehmen von Henny, Käthe, Ida und Lina. Mit „Zeitenwende“ ist Carmen Korn ein krönender Abschluss ihrer Trilogie gelungen. Wer „Töchter einer neuen Zeit“ und „Zeiten des Aufbruchs“ noch nicht gelesen hat, sollte es vielleicht doch vorher tun, da sonst doch zu viel Hintergrundwissen fehlen würde. Toller Abschluss der Jahrhundert-Trilogie !!!

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