Leserstimmen zu
Sag mir, was du kaufst, und ich sag dir, wer du bist

Jörn Höpfner

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Paperback
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Erster Satz: "Mit Büchern, die ihrem Lesern die Wahrheit versprechen, ist das so eine Sache: Im besten Fall liegen sie alle etwas daneben." Reflexion: Es ist keines dieser pseudowissenschaftlichen Büchern, das Dir sagt, wenn Du Chips isst, bist Du ein Couchpotato und bei Gemüse der Fitnessguru Deines Viertels oder vielleicht auch nur gerade auf Diät. Es ist ein Buch über Soziologie, aber deswegen klickt bitte nicht gleich weg. Denn es ist leicht und unterhaltsam geschrieben und verständlich für jeden Laien. Es gewährt auf sehr humorvolle Art Einblicke in die Denkweise eines Soziologen. Anhand vom "Sinius-Milieu" lernen wir etwas über die Strukturen der Gesellschaft. "Es geht darum, seine [des Menschen] persönliche Orientierung und seinen Wertehorizont zu bestimmen. Was ist diesem Menschen wichtig? Und warum? Betrachten wir den Menschen innerhalb seines Milieus, dann geht es nicht nur darum, wo er lebt, sondern wie er lebt. Sein Lebenstil, seine Lebensweise, seine ganz persönliche Lebenswelt werden miterfasst." Und für was soll das gut sein? Das Sinus-Milieu braucht man, um zu wissen, wie man einem Menschen etwas verkaufen kann. Und das muss nicht unbedingt ein Wertgegenstand sein, sondern kann eben auch eine Meinung sein. "Findet man heraus, wie Sie die Welt wahrnehmen, was Ihnen wichtig ist, was Sie ablehnen und was in Ihrem ganz persönlichen Lebensentwurf - der gar nicht so individuell und einzigartig ist, wie man das immer annimmt - von Wert ist, weiß man, wie man Sie emotional und sinnlich anpacken muss." Das fand ich eine spannende Sache. Schaut man sich seine Umgebung an, sein Viertel, seine Stadt, kann man viele Beispiele dafür finden, wie es umgesetzt wird. Bei Penny gehen andere Leute einkaufen, als bei Alnatura und in bestimmten Vierteln hätte der eine bzw der andere Laden keine Chance. Man kann es auf alles übertragen, bis hin zur Politik. Fazit: Ich kannte das Sinus-Milieu noch nicht. Ich fand es sehr verständlich geschrieben, Fach- und Fremdwörter kommen nicht vor. Außer natürlich die Namen der verschiedenen Milieus. Zudem ist es wirklich sehr unterhaltsam geschrieben, mit einer guten Prise Witz. Für Soziologiestudenten oder Menschen, die sich mit dem Sinus-Milieu vertraut sind, wird das Buch vermutlich nichts Neues bringen.

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Was haben Soziologen und Serienkiller gemeinsam? Na? Keine Idee? Euer Pech, denn verraten wird es der Rezensent nicht. Selber lesen macht schlau! Kapitel 14 "Das prekäre Milieu - Ich kaufe, also bin ich ... hoffentlich irgendwas" zum Beispiel. Und da sind wir schon beim ersten Kritikpunkt (der, ganzheitlich gesehen, natürlich gar keiner ist). Mit dem Buchtitel hat der Autor mich als Leser persönlich angesprochen. Das freut mich sehr, weil es doch relativ selten vorkommt, dass sich ein Autor direkt an einen Sesselpupser wie mich wendet. Danke Jörn! Auf die Begeisterung folgt jedoch die Ernüchterung, denn so ungefähr zehn Einkaufslisten erklären mir keinesfalls, wer ich bin. Das säuert mich nicht unwesentlich an, denn als Einkaufsvollprofi habe ich im Laufe der Jahre eine heftige Allergie gegen Mogelpackungen entwickelt. Ich sollte meine Reklamationsliste von momentan 1713 auf eine weitere erhöhen und von dem guten Jörn verlangen, dass er mir jetzt unverzüglich mitteilen soll, was ich für einer bin. Ich will das jetzt wissen und sammle schon mal meine aktuellen Einkaufslisten ... Ja genau, und wenn ich schon mal am Schimpfen bin, kann ich ja gleich noch eine Schippe nachlegen. Auf Seite 207 gibt es der Autor sogar zu, dass u. a. einige Passagen des Buches "geschmacklos" erscheinen mögen. Stimmt genau. Etwas zu überzeichnen, um es zu verdeutlichen, mag als Prinzip einleuchten, doch Formulierungen bezüglich der Gefahren, die in einem Supermarkt lauern, und welche "dem Geist eines Menschen mehr zusetzen können, als es zwanzig Jahre in einem vietnamesischen Foltercamp jemals könnten", sind tatsächlich geschmacklos und noch viel mehr. Auch die beschriebenen, tumultartigen Szenarien in verschiedenen Märkten kann der Rezensent (seit 30 Jahren Hausmann!) so nicht bestätigen. Schon gar nicht, dass "Supermärkte in den Speckgürteln der Stadt" so etwas sind wie "das Guantanamo für Lebensmitteleinkäufe". Rempeleien, renitente Rentner, schreiende Kinder, streitende Pärchen usw. sind ihm ebenfalls völlig unbekannt. Ja, egal jetzt ... denn eigentlich soll das hier kein Verriss werden. Auch wenn mir da noch einiges auf der Zunge läge. Denn dazu ist diese Soziologenbibel für unser aller Einkaufsverhalten einfach zu drollig geschrieben. Informativ und sachlich begründet natürlich auch. Jetzt wissen wir endlich, wie man uns Konsumenten einteilt, in Schubladen (ja ich weiß, dass sie "offen" bleiben sollen) steckt und beschriftet. Das ist amüsant und manchmal erschreckend. Je nachdem, wie offen man mit sich selbst und seinem Verhalten umgehen kann und will. Die rein wissenschaftlichen Passagen, auch wenn sie nur die Spitze des Eisbergs beschreiben, sind mitunter etwas kantig, aber die praktischen Erwägungen relativieren den Gesamteindruck dann ganz erheblich. Im Grunde sind es Milieustudien, die versuchen, durch das Studium menschlichen Verhaltens in Supermärkten soziale Strukturen zu definieren. Sehr unterhaltsam und ja, allgemeinverständlich übrigens. Jörn Höpfner ist ein scharfer Beobachter und er hat nebenbei auch ein untrügliches Gefühl für literarische Spannungskurven, was für das Verfassen einer doch eher "trockenen" Sachliteratur von ungeheurem Vorteil ist. Nur so kann man erklären, dass die Kapitel 12, 13 und 14 eben die Kapitel 12, 13 und 14 sind. Die Highlights zum Schluss. Samt integrierten Brüllern wie der Sache mit der "Bratwurst", einem "Performer in freier Wildbahn" oder jener Seite, von welcher der Rezensent seine Einleitung für diese kleine Besprechung geklaut hat. "Der Supermarkt als Petrischale der Gesellschaft" amüsiert, bestürzt und verändert (die, die es wollen oder zulassen können oder beides). Eins ist klar: Der nächste Besuch im Supermarkt wird ein anderer sein. Und wenn mir der Jörn über den Weg laufen sollte, trinken wir am entsprechenden Regal einen Kurzen (bevor ich ihn bezahlen werde). Vielleicht gibt es dann wirklich einen Tumult ...

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Nachdem der Soziologe Jörn Hofer bei einem Slam sechs Milieus anhand von Mitreisenden in einer Regionalbahn erklärte, kam ihm die Idee zu diesem Buch, in dem er soziale Milieus anhand von Einkaufenden inm Supermarkt aufzeigt. Angereicherd wird dieses durch zwei etwas erklärende Kapitel sowie der Einführung, dass man verschiedene Zeichen erkennen, kombinieren und empathisch auswerten sollte um sich ein Gesamtbild zu erschaffen. Bei den unterschiedlichen vorgestellten Kunden samt der Füllung ihrer Einkaufskörbe handelt es sich um einen Mix aus Paradebeispielen an Klischees, beispielsweise die Mutter, die nur Sonderangebote kauft, ein Uralthandy aus den 80ern benutzt und insgesamt zur bürgerlichen Mitte gehört oder der Neonazi, der sein Bier in schwarz-rot-goldener Dose samt Knackwürsten und Pumpernickel kauft und mit der EC-Karte der Deutschen Bank bezahlt.... Insgesamt fiel der Inhalt des Buches ganz anders aus als ich erwartet habe, hat mich aber dennoch ganz gut unterhalten, obwohl manche Passagen schon etwas langgezogen daherkamen. Einzelne Begriffe der Einführung in die Soziologie wurden erklärt, wobei der Autor auf Fachausdrücke weitgehendst verzichtet hat. Der Sprachgebrauch fällt ausgesprochen salopp aus, meist recht witzig, manchmal wirkt es aber auch schon ein wenig krampfhaft lustig; es ist kurzweilige, leichte und schnell lesbare Kost.

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Ich muss ehrlich sagen, dass die Erwartungen, die ich an dieses Buch hatte, nicht wirklich erfüllt wurden. Dabei gab es im Voraus zwei Möglichkeiten, wie es mich überzeugen hätte können: 1. Es vertieft soziologisches Grundwissen weiterführend und zeigt Aspekte auf, für die in der Soziologie-Einführungs-Vorlesung keine Zeit bleibt 2. Es ist hauptsächlich auf den Unterhaltungsaspekt fokussiert und unglaublich witzig Leider konnte das Buch mir weder den einen noch den anderen Wunsch erfüllen und ist mehr so eine Art Zwischenlösung. Inhaltlich gab das Buch nicht viel Neues her, da es nur um Sozialstrukturanalyse anhand der Milieus des Sinus-Instituts geht. Da ich mich aber schon ein paar Mal mit Soziologie beschäftigt habe, waren die verschiedenen Milieus mir bereits ein Begriff, auch wenn ich den Supermarkt-Bezug noch recht erfrischend fand. Vermutlich eignet sich das Buch also wohl eher für absolute Einsteiger in das Thema gesellschaftliche Struktur. Dafür spricht auch, dass der Autor versucht, komplexe Sachverhalte möglichst vereinfacht und verständlich darzustellen. Dabei fließt immer mal wieder eine lustige Anekdote oder ein cooler Spruch mit ein. So recht überzeugen konnte mich aber der Humor im Buch nicht: Ich hatte das Gefühl, die meisten der Witze schon mal gehört zu haben und die Pointen hatte ich oftmals bereits eine Seite im Voraus kommen sehen. Mein Fazit: ich finde es ziemlich schade, dass meine Erwartungen nicht erfüllt werden konnten (was wahrscheinlich am leicht irreführenden Klappentext liegt). Ich glaube aber gleichzeitig, dass meine Einschätzung zum Buch unglaublich subjektiv ist und es sich hierbei um ein Werk handelt, das individuell einfach komplett anders wahrgenommen wird (je nach Vorwissen und Geschmack). Das Buch hat durchaus seine guten Seiten, aber für mich war es einfach nicht geeignet.

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