Leserstimmen zu
Teich

Claire-Louise Bennett

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Mit ihrem ersten Roman „Teich“ ist Claire-Louise Bennett ein großer internationaler Erfolg gelungen, das kommt nicht so häufig vor, das wird gefeiert und alle wichtigen book reviews von New York bis Paris sind sich hier einig: „a fine literary talent“, „une l’orinalité surprenante“ . Worum geht es in diesem außergewöhnlichen Buch? Eine junge Frau mietet ein Cottage und berichtet von ihrem neuen Leben in einem irischen Dorf. Hier erwarten uns nun keine Tipps zur Gartengestaltung oder verklärende Naturschilderungen. Wir erfahren vielmehr von den technischen Tücken eines alten Herdes, der Gerümpelansammlung im Schuppen , den Nachbarn, der Vermieterin. Diesen Alltäglichkeiten wird nun durch eine Art assoziativem Gedankenfluss die Banalität genommen, sie erscheinen – real-träumerisch versponnen - in einem ganz neuen Gewand. Stilistisch ist das toll und wirkt sehr jung, sehr anders und Herzen fliegen , man spürt das förmlich , dieser charmant-intelligenten Autorin nur so zu. Liest man das Buch jedoch in einem Stück - ich rate davon ab – scheint durch das Junge, Frische, ganz leicht und nur ein bißchen, eine recht wohlbekannte kokett-naive Mädchenmasche.

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"Pfannengericht Haben eben mein Abendessen in den Müll geworfen. Ich wusste schon während des Kochens, dass ich das tun würde, deswegen habe ich alles hineingerührt, was ich nicht mehr sehen will." Ich mag Bücher, in denen Autorinnen oder Autoren einen eher zurückgezogenen, einen einfachen Lebensstil, möglichst ihren eigenen, beschreiben. Ich mag es, wenn sie in einsamen Häusern leben und mit jedem Staubkorn eine Beziehung eingehen, über die sie etwas sagen können. Das ist wie bei Handke und natürlich sowieso wie bei Karl-Ove Knausgard. Die Bücher dieser Autor*innen haben in der Regel keine weitere Handlung, scheinbar. Aber im Laufe der Lektüre enthüllt sich dann etwas aus dem tiefsten Inneren des Autors, oder auch aus dem menschlichen Leben allgemein, welches wie das Aufleuchten einer Wahrheit in einer langen Meditationssitzung scheint. Und vielleicht sind diese Bücher ja auch eher Meditationen als Ergebnisse einer "creative writing" Klasse. Das Erzählen ist wie ein gleichmäßiges Plätschern, ein ruhiges Schwimmen in einem, ja, zum Beispiel, grünen Teich, den man ganz für sich alleine hat, über einem blauer Himmel, nur Grillen und das Plätschern des Wassers. Das Lesen solcher Bücher empfinde ich genauso. Ab und an leuchten Weisheiten auf wie zum Beispiel: "Die Liebe muss überraschen" oder auch: "Im Grunde weiß jeder, dass vor allem das, was nicht passiert ist, unser Leben prägt..." Teich von Claire-Louise Bennett, 2018 im Luchterhand Verlag erschienen, ist ein solches Buch. Eine Frau lebt alleine in einem Cottage an der irischen Küste. Sie denkt über das Leben nach. Sie schreibt, scheinbar frei assoziierend, ihre Gedanken und Begegnungen nieder. Sie schreibt über das Cottage, seine Geschichte, die Nachbarn, ihr Verhältnis zu den Nachbarn, was sie isst, wie das Wetter ist, wie sie einkauft, bügelt, einen Mann trifft... Das Buch hat mich von Anfang an besonders an Knausgards Jahreszeiten-Bücher erinnert, die ich ebenfalls gerade lese. Und es kommt vermutlich nicht zufällig, das Knausgard Bennetts Buch, das im gleichen Verlag wie seine eigenen hier in Deutschland erschienen ist, sehr gelobt hat. Bei Knausgard kann es allerdings passieren, dass man sich plötzlich wie in einer Philosophie- oder Literaturvorlesung fühlt, weil er vom persönlichen Beschreiben eines Alltags hinüberschwenkt zu Analysen der Werke Hamsuns, zum Beispiel. Bennett bleibt mehr an der Oberfläche. Scheinbar. Aber immer mehr enthüllt sie sich dem Leser und es wird deutlich, dass Teich wie eine selbst gewählte Strategie ist, dem Leben näher zu kommen, "mit der Welt zurechtzukommen, die Widerstände zu überwinden." Die Einsamkeit in diesem Cottage ist eine bewusste Wahl, um schlussendlich dem Leben begegnen zu können. Was immer das heißt. Teich ruft dem Monster zu "Ich habe keine Angst", jenem Monster, das wir vielleicht alle in uns verspüren, das bei jedem eine eigene Form und Konsistenz hat, und ohne welches wir nicht wären, wo wir sind. Es gab Stellen, da hat das Buch mit seinem leisen Plätschern mich gelangweilt. Aber das geht mir bei Knausgard, selbst bei Handke, manchmal auch so. Wenn die Sätze mäandern und ich nicht mehr weiß, ob sie mich an irgendein Ziel führen, dann döse ich während der Lektüre schonmal weg. Aber solange ein Buch es immer wieder schafft, mich zurück zu holen, kann es mich haben. Bin ich bereit, eine Partnerschaft einzugehen. Außergewöhnlich gefallen hat mir Bennetts Sprache, die manchmal etwas extrem wagemutiges hatte, springendes, freches. Man findet bei ihr Sätze, die es nirgendwo sonst gibt. Man findet bei ihr auch Gedankengänge, die es nirgendwo sonst gibt. Wer ruhige Bücher mit kleinen Überraschungen und immer wieder der Einladung mag, in die eigenen Träume und Gedanken zu versinken, für den ist Teich genau das richtige. Zu lesen an einem Sommertag, unter den Bäumen, während ein einsamer See in der Nähe plätschert. Am besten allein. (c) Susanne Becker

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Teich

Von: Buchkonfetti

23.07.2018

Wie wundervoll unaufgeregt schreibt Claire-Louise Bennett. Eine traumhafte Sprache, wirkt teilweise überlegt und teilweise als kommen die Sätze genau im Moment des Lesens auf das Papier. Eine Frau, ein Haus und der Fluss des Lebens. Traumhaft beschrieben!

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Eine junge Frau lebt alleine in einem alten Landhaus an der irischen Westküste. Ihr Blick und ihre Sinne sind geschärft von der Einsamkeit. Sie erzählt von ihrem Leben, von den kleinen Dingen, der Schönheit und Eleganz des Alltäglichen. Sie ist weit weg von all der Ablenkung durch Konsum, Medien und Menschengetümmel und kann sich einen fantasievollen Fokus und Konzentration auf das Wesentliche leisten: „Ich finde es viel besser ein Zimmer vollständig zu verlassen, bevor man ein anderes betritt.“ Angesagte Achtsamkeit? Soweit, so gut. Soweit passt das Buch ganz wunderbar in die angesagte Achtsamkeits-Minimalismus-Ecke. Soweit passt der Inhalt auch prima zum pastellfarben nichtssagenden Cover mit Klappstuhl-Romantik. Aber das Buch kann noch so viel mehr. Da passt dann vielleicht auch doch wieder das Klappstuhlbild. Denn das hier ist eine unbequeme Landidylle. Die ist, genauso wie ihre Erzählerin, sperrig, eigensinnig und widerspenstig. Hier klappt nichts zusammen, aber hier ist auch nichts pastell, sondern tiefgrün schlammig oder blau und gewittrig und das macht die Faszination des Buches aus. Eine überquellende Biotonne mit Würmern, dazu hübsch lackierte Fingernägel, die sich liebevoll erdrückend um ein Würmchen schmiegen, das hätte besser gepasst. Das Buch nennt sich Roman, ohne eine Handlung zu haben, vielmehr lebt es von der Stimmung und einem herrlich eigenen Tonfall. Hier fängt der Widerspruch schon an. Und so zieht er sich durch alle Kapitel: es geht ums alleine sein, ohne sich einsam zu fühlen, um unverfängliche Alltagssituationen, die zu morbiden Assoziationsketten werden. Birnen sind nicht gesellig Die Beobachtungen fangen herzzerreißend hübsch und liebevoll an, schlagen Haken und enden dann oftmals in düsteren Gedanken: „Birnen sind weniger gesellig“, Bananen bekommt das Vergessenwerden kein bisschen und Porridge am fortgeschrittenen Tag ist ein bedrückender Rückschritt. Zum richtigen Zeitpunkt ist Porridge mit einem Klecks schwarzer Johannisbeermarmelade jedoch eine gute Idee. Dazu Mandeln. „Doch Obacht, Obacht bei den gehobelten Mandeln: Für mürrische oder zimperliche Gemüter sind sie nichts, und sie dürfen keinesfalls wie Konfetti über das Porridge geworfen werden, denn Mandeln haben mit Konfetti nichts gemein… Wenn man hingegen Mandelhobel einfach wahllos verstreut, erinnern sie an Fingernägel, die sich gerade aus der Erde bohren.“ Verlust der Kontrollknöpfe Auch das Kapitel „Kontrollknöpfe“ drückt das bestens aus: die Drehknöpfe am Herd zerbröseln nach und nach und so überlegt die Ich-Erzählerin sehr sorgfältig, wo neue herzubekommen wären, ohne das ganze Gerät austauschen zu müssen. Wie wertschätzend und ökologisch, denkt man sich, bis sie darüber sinniert, ob das Gerät nun selbstmordgeeignet ist, oder nicht. Ihr Kopf, so hat sie es ausprobiert, passt jedenfalls nicht hinein und außerdem sei er gar kein Gas- sondern ein Elektrogerät und somit ohnehin ungeeignet. Und so schließt sich der Kreis schön zum Titel, womit klar ist, dass mit dem Verlust der Knöpfe auch ein Kontrollverlust gemeint ist. Es endet mit dem Satz „Alle Namen bedeuten dir nichts, und dein Name bedeutet niemandem etwas“ und begräbt damit endgültig alle Romantik des Landexils. Keine Schubladen „Teich“ ist eine Entdeckung und eine Offenbarung. Das Buch ist sprachlich herausragend, es verführt zu einem neuen Blick auf Alltägliches, es ist selbstironisch, witzig, tiefsinnig und sexy. Vor allem ist es, ebenso wie seine Protagonistin, absolut schubladenuntauglich und das ist wunderbar, denn so bleibt es immer unberechenbar und ist damit für mich ganz große Literatur.

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Inhalt: Sie lässt alles hinter sich – Freund, Job, Karriere - und zieht in ein kleines irisches Küstendorf. Sprachmächtig und fesselnd zeichnet Claire-Louise Bennett das Porträt einer jungen Frau, die allein in einem hundert Jahre alten Steincottage lebt - mitten in der Natur, abseits von den Zwängen der Gesellschaft. Ein Rückzug, der die Wahrnehmung schärft und den Blick auf die Welt verändert, dem Profanen eine besondere Schönheit entlockt. Mitreißend und kunstvoll beschreibt Claire-Louise Bennett ihren Alltag und zeigt, wie kleine Dinge mit einem Mal eine ungeahnte Tiefe gewinnen, wenn man auf alles Überflüssige verzichtet und die Welt auf sich wirken lässt. Mein Lieblingszitat: Meine Meinung: Ich wollte diesen Roman unbedingt lesen, weil die Idee hinter der Geschichte mich schlicht und ergreifend angesprochen hat, genauso wie das schöne Cover, das gut zum poetischen Inhalt passt. Das Buch ist insgesamt in ein gutes Dutzend Kapitel aufgeteilt, die mal sehr kurz, mal etwas länger sind und meist treffende Überschriften tragen, die neugierig auf den Inhalt machen. Sehr besonders an Claire-Louise Bennetts Buch ist, dass sie zwar die ganze Zeit über in der Ich-Perspektive schreibt, ihr Schreibstil, sowie die Zeitform, in der sie schreibt jedoch je nach Stimmung einem stetigen Wandel unterliegen. Aus diesem Grund fiel es mir an der ein oder anderen Stelle erst einmal schwer, in ihre Gedanken hineinzufinden und ihre oft ungewöhnliche Sicht der Dinge nachzuvollziehen. Auch war mir beim Lesen die meiste Zeit über nicht bewusst, ob das Erzählte gerade stattfindet, oder die junge Frau wieder einmal in die Vergangenheit gesprungen ist. Es kam mir so vor, als würde sie einfach alles, was ihr in den Sinn kommt aufschreiben und dies mit den verschachtelten Sätzen, die ihr gerade einfielen. Zum Inhalt kann ich auf alle Fälle sagen, dass die Hauptprotagonistin teilweise über ganz alltägliche Dinge berichtet. Hier einige exemplarische Berispiel: Kontrollknöpfe an einem Herd, alte Briefe, Postkarten, Tomatenmark, die Farbe von Tinte und einen Teich (wie der Titel schon sagt). Diese außergewöhnliche Wahrnehmung von den klitzekleinen Dingen im Leben regt wirklich zum Nachdenken über die eigene Anordnung von solchen Dingen im eigenen Leben an. Zu diesen meist recht ernsten Erzählungen stößt unvermeidlich auch etwas Humor, weil viele Situationen einfach so skurril oder genau beschrieben sind, dass automatisch Witz entsteht. Mein Fazit: Ein wunderbar nachdenkliches Buch, das den Gedankenfluss einer von der Gesellschaft isolierten Frau mit großer Offenheit wiedergibt. Ein großes Dankeschön an den Luchterhand Literaturverlag für das Rezensionsexemplar! Teich bekommt von mir volle 5/5 Sterne!

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Irische Westküste. In einem Cottage lebt eine junge Frau. Claire-Louise Bennett beobachtet sie und schreibt alles auf. "Alles" im wahrsten Sinne des Wortes. Sie sieht durch die Augen ihrer Protagonistin, sieht und fühlt die Welt, wie sie es vielleicht auch selbst tut. Es ist so, als ob die junge Frau jeden Moment ihrer Existenz bewusst wahrnimmt. Das eröffnet eine Menge Möglichkeiten. Die Momente, die sie sammelt, werden somit an der Flucht gehindert. Gerne bleiben sie, wie zur Belohnung, noch eine Weile bei ihr. Wie jene, welche in dem verwilderten Garten an ihrem Haus entstehen. Blumenpracht und stolze Bäume, bewohnt von Lebewesen ohne Zahl. "Alle hatten so viel zu tun." Sie betrachtet die Dinge, wie andere es nicht sehen können oder auch gar nicht wollen. Zwangsweise kommt es nicht selten vor, dass man sich ihr gegenüber Hinweise erlaubt, sich doch "ein wenig mehr Zurückhaltung aufzuerlegen". Sie gibt es ja zu, wenn sie sich die Fähigkeit wünscht, "nicht alles Gesagte sofort auf die Goldwaage zu legen". Sie schafft es aber nicht, weil sie es nicht kann. Es gibt sie nicht, die "mannsgroßen Filter", die sie beispielsweise von ihrem "kritischen Desinteresse", was Männer betrifft, abhalten. Die Autorin zeichnet ein Versteckspiel der Worte und deren Bedeutung. Profane Dinge, wie alle möglichen Hausarbeiten bis hin zum Fegen des Bodens, werden bis ins Detail ausgeführt. Die Gründe für jene Handlungen werden vordergründig geschildert, und doch sind sie zumeist aus bestimmten, tiefer liegenden Beweggründen entstanden oder versuchen solche abzudecken und zu kaschieren. Es kann so sein, aber auch anders. Ambivalenz hinter jeder Ecke. Das ist in etwa so, wie Claire-Louise Bennett ebenso ständige wie auffallende Wiederholungen einsetzt, wobei, neben "genau" oder "streng genommen", "ehrlich gesagt" eine führende Rolle spielt. Das kann - ehrlich gesagt - ganz schön auf den Zeiger gehen. Fünfzig mal. Ein Stilmittel sicherlich, die Ursache und Wirkung schön durcheinanderbringen können. Paradox: Oft kann man ihr nicht folgen, jedoch ablassen ebenfalls nicht. Wie in literarischen Verwirrspielen fast üblich, verstecken sich bedeutungsschwangere Deutungen der Welt und ihrer Funktionen im endlosen Gestrüpp, wuchernde, als Banalitäten getarnte Hinweise, Wegtafeln und Einsichten, und sie tun es in diesem Fall sehr gründlich. Man könnte auch unterstellen, dass jene Frau ein traumatisierendes Erlebnis zu verarbeiten sucht oder schlicht und einfach krank ist. Oder sie sitzt einfach da und denkt nach. Eine eigentliche Handlung erübrigt sich hierbei. Herrlich, wie man dies drehen und wenden kann. Erstaunlich die Gedankenwelten. Wer keine Lust mehr am Leben findet, hat "die Magie des Todes verspielt". Unverzeihlich ist es, einen Hund namens Luchs für eine Katze gehalten zu haben. Abhandlungen über Füller, einen alten Küchenherd und seine Bedienung, den "elenden Prozess des Suppe-Essens", oder einen Tumult, wo man "Schicksale verrührt und die Sterblichkeit beschmutzt." Vielleicht sucht die Autorin auch nach Worten, die es noch gar nicht gibt. "Genau genommen" (auch gerne wiederholt) schreibt sie gar nicht in ihrer Muttersprache. Welche die ist, gilt es aber noch herauszufinden. Somit wäre die Ausführung von "Teich" als eine Art Behelf anzusehen. Sie räumt aber ein, dass es möglicherweise bei diesem "Provisorium" bleiben wird, da sie befürchtet, dass sich ihre Muttersprache womöglich gar nicht sprechen, geschweige denn aufschreiben lässt. Doch es könnte ja sein, dass sie irgendwo "leise Gestalt annimmt". Es wird also, je nach Sichtweise und Standpunkt der Leser, sehr spannend oder noch langweiliger werden, Claire-Louise Bennett weiterhin zu begleiten, denn "Teich" kann das letzte Wort nicht bleiben. In welcher Angelegenheit auch immer. Oder - ehrlich gesagt - auch keiner. Egal. Hauptsache der gewaltige Interpretationsspielraum bleibt bestehen. Wer es mag. Schließlich geht es doch stets um ein "imaginäres Anderswo".

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Während ich diesen Text schreibe, stürmt es draußen. Es regnet, Apfelblüten schneien herab, die Äste der Bäume bewegen sich im Takt des Windes. Und irgendwie erscheint mir das auch richtig so, denn "Teich" ist kein Buch für leichte, fröhliche, sonnige Tage. "Teich" ist ein sprachlich wunderschönes, inhaltlich aber recht sperriges Buch und es ist völlig anders als von mir erwartet. "Vom Leben in einem einsamen Cottage an Irlands Westküste" heißt es auf dem Umschlag, und sofort sprangen mir Bilder in den Kopf von steinigen Klippen, von selbstgezogenem Gemüse, vom einfachen Leben im Einklang mit der Natur. Nichts davon findet sich in Claire-Louise Bennetts Debütroman wieder, kein Einklang, kein Gemüse. Eine junge Frau erzählt aus ihrem Leben. In Bruchstücken, unzusammenhängend, eigentlich mehr öffentlich denkend. Antriebslos wirkt sie, fast menschenfeindlich. An Gartenarbeit hat sie kein Interesse, die Nachbarn meidet sie, näheren Kontakt erträgt sie nur mit Alkohol. Einen Freund scheint es zu geben, der regelmäßig vorbei schaut, auch wenn sie ihn lieber gehen als kommen sieht. Sie lebt in ihrer eigenen Welt, die ein wenig verzerrt wirkt, ein wenig wie unter Wasser betrachtet, abgeschlossen. Ihr Blickwinkel auf den Alltag, die Alltagsdinge ist anders, schon das sondert sie ab. Ihr offensichtliches Desinteresse an ihren Mitmenschen tut ein übriges. Das einfache Leben in dem alten Häuschen, mit wenig Abwechslung und täglichen Abläufen wie Feuer machen, Tee kochen scheint das Maximum dessen zu sein, was sie bewältigen kann. Schon der Gang zur Biotonne ist ein tägliches Zuviel. Schreiben gibt ihr den selbstgewählten Kontakt zur Außenwelt. Sie spricht nicht mit sich selbst, sondern wendet sich häufig direkt an den Leser, offenbart ihre Gedanken, ihre Überlegungen, sprunghaft, ohne Tabus, scheinbar plötzlichen Eingebungen folgend. "Teich" ist ein Buch, das sich nicht sofort öffnet. Man muss sich dem Sprachfluss anvertrauen, in der Stimmung sein für eine Blickwinkeländerung, sich einlassen. Und auch dann ist der Inhalt nicht leicht zu fassen, muss man Puzzleteilchen aneinander reihen, bereit sein, dem nächsten Gedankensprung zu folgen. Dabei ist der Roman nicht hektisch, eher im Gegenteil fokussiert auf einzelne Momente, Überlegungen. Und da hat der Gedanke, ob eine Banane zum Frühstückskaffee passt, dieselbe Wertigkeit wie die Frage, ob von dem einsamen männlichen Wanderer irgendeine Gefahr ausgeht. Es gibt Schriftsteller, deren Gedanken mäandern flussgleich. Hier dagegen passt der Buchtitel "Teich" hervorragend, denn es werden immer neue Aspekte einer in sich abgeschlossenen Welt betrachtet. Die Frau, das Cottage, die Landschaft drumherum. Mehr braucht es nicht.

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