Leserstimmen zu
Ein Schlag ins Gesicht

Franz Dobler

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in Schlag ins Gesicht ist der zweite Band zu Robert Fallner, in diesem Buch erstmals als abgehalfterter Ex-Bulle. Denn Fallner hat nach einem tödlichen Schuss auf einen jugendlichen Verbrecher nach 20 Jahren den Dienst quittiert und in der Security-Firma seines Bruders angeheuert. Sein erster Auftrag: Einen Stalker dingfest machen, denn das ehemalige Schmuddelfilm-Sternchen Simone Thomas wird verfolgt. Die alternde Diva wurde mit dem Film “Die Satansmädels von Titting” berühmt, der schon beim jugendlichen Fallner für feuchte Träume sorgte. Fallner ermittelt, er schlägt sich mit Sohn, Manager, Schwiegertochter und nicht zuletzt den Launen der Diva herum und stößt auf drei mögliche Väter des vaterlos aufgewachsenen und missratenen Söhnchens. Und wird immer wieder von der Vergangenheit eingeholt, seiner eigenen und der der Diva. Denn die erzählt nebenher ihre Lebensgeschichte, die als Erzählstrang in eigenen Kapiteln zwischen die Haupthandlung geschoben wird. Ein prima Kunstgriff des Autors den so erfährt der Leser nach und nach, woher die aktuellen Stalking-Probleme kommen. Aber bei diesem Krimi ist die Handlung eher zweitrangig und der Fall mitsamt Lösung eher mittel spannend. Was das Buch so außergewöhnlich macht, sind der Erzählstil Doblers, die Sprache des Krimis sowie die Konstruktion der Figuren. Der Autor spielt mit Witz und Worten, erfindet kreative und treffende Neuschöpfungen, wo es keine passenden Worte gibt. Doblers Sprache ist hart und auf den Punkt, sein Sound zynisch, manchmal schon aggressiv und sehr plakativ, was seine Wirkung nicht verfehlt – das muss man mögen. Zahlreiche Exkurse in die Musikwelt der 1960-er und 70-er-Jahre sowie Zitate, Anspielungen und Anleihen aus Büchern oder Filmen, besonders zur Geschichte des deutschen Softpornofilms, erzeugen ein ganz eigenes Gewebe und persiflieren gleichzeitig die schwarzen Serien der hardboiled-Krimis aus Groschenromanen jener Zeit. Auch die Figuren erinnern sehr an den Stil von Irvine Welsh und die Trainspotting-Trilogie: Skurrile Typen, die teilweise krasse und absurde Dialoge führen. Figuren, die in Bahnhofscafés oder ranzigen Kaschemmen wie “Bertls Eck” verkehren. Notorische Loser, Hasardeure und andere Glücksritter, die versuchen ein bisschen Glück in ihrem Leben zu erzwingen. Alles etwas überzeichnet, aber schön schrullig, was auch für die Hauptfigur Fallner gilt: Von der Freundin betrogen und verlassen, dann Sex mit der Ex und der verzweifelte Kampf um Zuneigung. Fallner ist verschroben, depressiv, heruntergekommen, aber knallhart und klar, wenn es darauf ankommt. Eine lesenswerte Milieustudie, ein wilder Parforce-Ritt durch das etwas andere München mit dem Schmuddel-Image, welches die Schickeria in ihrer vermeintlich heilen Glitzerwelt so gern verdrängt.

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