Leserstimmen zu
Scharnow

Bela B Felsenheimer

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Merkwürdige Dinge geschehen. Und manchmal ziemlich oft. So als ob die Welt ganz langsam aus den Fugen geraten würde. Kalle scheint es zu merken oder mindestens zu ahnen. Was ist nur los mit ihm? Am Zeitschriftenregal im "Billkauf" entdeckt er zwischen Liebesromanen und Sportzeitschriften, wie achtlos hineingeworfen, ein seltsames Buch. Er fragt sich, wie um alles in der Welt er auf die Idee gekommen ist, es könnte dort selbst hineingesprungen sein. Eine Antwort findet er zunächst nicht. Ist auch nicht weiter schlimm, denn es gibt weitaus wichtigere Dinge zu tun. Schließlich trägt er Verantwortung. Der "Pakt der Glücklichen" ist sein Lebenswerk und als Gründer und Oberhaupt hat er alle Hände voll zu tun, denn neben allem Unbill des Lebens ist es gar nicht mal so einfach, seine illustre Truppe zusammen zu halten. Der "Bund skeptischer Bürger" (BsB) kann ein ähnliches Lied singen. Erschwerend kommt hinzu, dass die Gemeinschaft der Verschwörungstheoretiker sich zwangsläufig nicht nur höheren Zielen verpflichtet sieht, sondern zu allem Überfluss auch noch kurz vor der Vollendung ihrer großen Ziele steht. Man ist ihnen auf der Spur, den "Weltenlenkern"... und was dies alles mit einem Güllemilliardär und Gysis ehemaliger Katze zu tun hat, muss sich erst noch herausstellen. "Scharnow" beginnt unüblich und doch so, wie es sich die große Vielzahl der Damen und Herren der schreibenden Zunft einmal hinter die Ohren schreiben könnte: Mit einem Personenverzeichnis. Holla! In jedem Film und jeder Oper längst Usus. Neben den ersten unterhaltsamen Lachern könnte jedoch allein der Umfang etwas verängstigen. Doch keine Angst, der Herr Felsenheimer kriegt das ganz prima auf die Reihe. Halbwegs jedenfalls. Das und noch viel mehr. Was der Autor hier abliefert, katapultiert ihn aus dem Stand in die Nähe des Ranges eines deutschen John Niven. Dies fällt um so positiver auf, als diese Qualitätsstufe doch recht spärlich besetzt ist. In einem CD-Review würde man jetzt noch anfügen, dass hier keinesfalls etwas kopiert wird, sondern durch seine Eigenständigkeit überzeugen kann. Wo und wie man mit den Lobliedern beginnen soll, ist schwierig, denn hier stimmt einfach alles. Von einem bestimmten Standpunkt aus gesehen, versteht sich, denn wer keinen schrägen Humor mitbringt und das ganze Leben nicht als absurde Aneinanderreihung von sinnlosen Zufällen begreift, wird an der Geschichte, die Bela B Felsenheimer seiner "Jugend in Spandau" gewidmet hat, keinerlei Gefallen finden. Das Brandenburger Örtchen Scharnow, in der Nähe der Kreisstadt "Sahsenheim", gibt es natürlich nicht. Na und? Die ganzen Akteure ja auch nicht. Oder? Bei dieser Frage gerät man ins Schleudern, zumindest wenn man sich, wie auch dem Autor freundlichst unterstellt werden darf, in gewissen Kreisen tage-, wochen-, monate-, jahrelang oder gar immer noch herumtreibt. In jenen verrauchten Kaschemmen, wo das Leben wahre Gesichter zeigt. Dort gibt es alles, was man sich nur wünscht. Selbst ebenso fliegende wie verkannte Superhelden wirken dort gar nicht mal so spektakulär, sondern eher normal. Helden sind sie eh alle und verkannt sowieso. Scharnow ist somit nichts anderes als ein aktualisierter Bericht des ganz normalen Wahnsinns, der unten, gleich um die Ecke, tobt. Ein geniales Sammelsurium kapitaler Missverständnisse, falsch interpretierter Beobachtungen, vermeintlicher Halluzinationen oder entzauberter Verschwörungstheorien, jedoch gleichzeitig mit einigen metaphysischen Überraschungen angereichert. Wenn man so will. Was man unbedingt auch wollen sollte, ist ein gewisser Abstand zum Thema: Fragen müssen nicht beantwortet werden. Sackgassen dürfen ebenfalls kein Problem sein. Wenn nicht hier, geht es woanders weiter. Oder halt gar nicht. Eine geistreiche (mit Fanta versetzte) Klamotte ist es auch und eine durchgeknallte Milieustudie. Ein herrliches Stück Leben, voll abgehangen. Was ich damit sagen will: Natürlich gibt es sie wirklich. Leute wie Kalle und seine Jungs, Sylvia, das einstige Sportidol, "Trotsky" und seine Spezialkräfte, der "omnipräsente" Schlagersänger oder die ganzen anderen Verlierer. Ausnahme: Die Weltenlenker. Jene gibt es in der Realität natürlich nicht ...

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Ein Buchblogger stirbt einen mysteriösen Tod, ein Hund wird erschossen, vier Männer rauben einen Supermarkt aus mit Masken aber sonst nichts an, ein Mann fliegt durch die Lüfte. Wer versucht Scharnow, den Roman aus der Feder von Bela B. Felsenheimer, nachzuerzählen kann scheitern, so skurril ist die Anhäufung von Absurditäten. Trash, Schund, Pulp Fiction, wie man es bezeichnen will kann man sich aussuchen. Eine Tour de Force zum Teil ziemlich brachialer Komik. Mich hat Bela B ja schon mit dem Prolog erwischt, denn der Tod eines Buchbloggers wird hier auf so herrlich schräge Weise herbeigeführt. So eine Medizin kann nur ein Oberarzt verabreichen. Scharnow ist eine Reminiszenz an die coolen Actionfilmstars der 80er Jahre, ein „Heimatroman mit Fantasy-Elementen“ Scharnow, die namengebende Stadt dieses Romans, befindet sich irgendwo nördlich von Berlin im ehemaligen Osten. Dort leben Felsenheimers Protagonisten, es sind Wohlstandsverlierer, Asylwerber, Superhelden, Verschwörungstheoretiker. Wenn man das Sammelsurium der Absonderlichkeiten einmal ein bisschen von der Seite betrachtet, bekommen wir jedoch ganz klare Einblicke in die Tristesse der provinziellen Einöde. Vielleicht genießt Bela B ein bisschen den Promibonus als Leadsänger einer „kleinen deutschen Nachwuchsband“ (Copyright Campino). Aber so viel Schwachsinn literarisch in einen unterhaltsamen Roman zu packen, das muss man einmal zusammenbringen. Mir jedenfalls hat Scharnow großen Spaß gemacht, und dich bin mit „lustiger Literatur“ wirklich schwer zu bedienen.

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Als grosser Ärzte-Fan seit rund 25 Jahren habe ich natürlich nicht lange gezögert, als ich von Bela B. Felsenheimers Ausflug ins Autoren-Genre hörte. "Scharnow" heisst sein Werk über ein kleines Kaff irgendwo in Brandenburg, wo sich Fuchs und Hase gute Nacht wünschen und nie etwas passiert. Wirklich nie? Rückblickend fallen mir zu "Scharnow" die endlos vielen Protagonisten ein. Die Namen konnte ich mir dar nicht alle merken, so viele gibt es davon. Seien es "besorgte Bürger", ziellose Alkoholiker, alte Omas, junge Punkerinnen, Supermarktverkäuferinnen, Flüchtlinge, Ausseriridische und gar noch denkende Bücher. Irgendwie hängen schlussendlich alle zusammen, aber eigentlich sind die Zusammenhänge auch nicht wirklich relevant. Jedenfalls sind die Figuren alle ziemlich skurril gezeichnet, was allerdings niemanden verwundern dürfte, der sich auch nur ein bisschen mit Bela B. beschäftigt hat. Die Handlung ist, wie von Bela B. zu erwarten war, ziemlich überdreht und genau so skurril wie seine Figuren, besteht aber mehr aus einzelnen Anekdoten als einer wirklichen Geschichte. Im Laufe der Erzählung wurde das Ganze dann immer bizzarrer, bis ich kaum noch durchblickte, was genau passiert. Die eigentliche Handlung verlief sich ohne effektiven Höhepunkt im Sand. So konnte mich das Buch inhaltlich leider nur mittelmässig begeistern. Wirklich toll fand ich allerdings die Lesung vom Autoren Bela B. Felsenheimer selbst. Man merkt, dass Bela B. mittlerweile mehrere Jahrzehnte Bühnenerfahrung hat und dies auch nicht sein erstes Hörbuch ist. Der Tonfall passt immer zur jeweiligen Situation und die einzelnen Figuren lassen sich gut unterscheiden, ohne dass manche Stimmen lächerlich wirken. Mein Fazit Bizzarre Anekdotensammlung

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Bevor ich irgendetwas zum Inhalt schreibe, rein optisch finde ich dieses Buch Top! Die schwarz eingefärbten Seiten und die mit Hand gemalte Karte am Anfang sind wirklich ein Blickfang! Eingeführt wird in das Buch durch ein Personenregister und dabei dachte ich mir schon: "So viele Verrückte kann man doch gar nicht an einem Ort versammeln". Falsch gedacht! Bela B. kann das! Und Bücher die eine Karte und ein Personenregister benötigen, deuten ja schon an, dass es verwirrend werden könnte, das trifft auch auf "Scharnow" zu. Eine Pornodarstellerin, Möchtegern-Nazis, Verschwörungstheoretiker, ein Buch-Blogger, eine Manga-Liebhaberin, die nette Omi von nebenan und ein Leukämiekranker Superheld sind nur ein Bruchteil der Personen, um die es in dem Buch geht. Und wodurch sind diese unterschiedlichen Menschen miteinander verbunden? Durch ein Buch natürlich! Wer Bela B. Kennt wird sich jetzt auch nicht über den Titel des fiktiven Buchs wundern: "Horror Vacui". So kann der Horror Enthusiast Bela in seinem Erstlingswerk diese Seite seines Charakters ausleben. Auch eine derbe Wortwahl und genauso derbe Sprüche gehören zum guten Ton Bela B's. der alles ziemlich direkt ausspricht. So sollten zartbesaitete Menschen "Scharnow" mit genügend Skepsis betrachten, denn Wörter wie "Wichsen" und "vögeln", oder Sprüche wie "Diese Wiese war beliebter, als ein Kindergarten im Vatikan" bestimmen dieses Buch. Die Wortwahl passt jedoch zu den Protagonisten des Buches und wirkt nicht, als ob sie gezwungen schockieren soll, sind ein Großteil der Protagonisten doch eingefleischte Asoziale mit Herzblut. Inhaltlich kann man die ganze Geschichte sehr gut mit einem Wort zusammenfassen: Grotesk! Bela B. Felsenheimer hat ein groteskes Erstlingswerk erschaffen und ich denke, dass seine Bekanntheit als Drummer der Band "Die Ärzte" dem Erfolg des Buches verhalf, denn ohne diesen Bekanntheitsgrad wäre ich defintiv nicht darauf aufmerksam geworden. Das Buch ist in 6 Teile aufgeteilt zuzüglich Prolog und Epilog. Innerhalb der Teile gibt es kurze Kapitel, so dass man jederzeit beim Lesen pausieren kann. Das erste Kapitel umfasst die Hälfte des Buches, demnach passiert dort auch die meiste Handlung. So grotesk das Buch auch ist so seicht ist es auch, zusammen mit einen kleinen gesellschaftskritischen Unterton. Es ist wie ein Ärzte Song, nur als Buch. Fazit: "Scharnow" von Bela B. Felsenheimer ist eine leichte Sommerlektüre. Warum Sommerlektüre? Es ist nichts tiefgründiges, man kann es gut zur Unterhaltung runterlesen, ohne viel nachdenken zu müssen. Es ist zwar nicht wirklich schlüssig, aber im Urlaub, oder bei 30 Grad im Schatten, wenn man nicht viel Denken möchte, ist "Scharnow" das richtige Buch. Bela B. wird zwar nicht der nächste Goethe, aber das war wahrscheinlich auch nicht sein Anspruch. Es ist unterhaltsam, ein wenig sinnfrei und amüsant, das sollte für ein Erstlingswerk reichen!

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Scharnow ist eine Kleinstadt in der Nähe von Berlin. Nichts ist wie es scheint, nichts passiert so wie gedacht. Ein Manga-Mädchen trifft auf einen jungen Flüchtling, mysteriöse Tode geschehen, es gilt eine Übermacht zu vernichten und dann geht dem Pakt der Glücklichen auch noch das Bier aus. Als großer Die Ärzte Fan war mir natürlich sofort klar: Den Debütroman von Bela B. Felsenheimer muss ich lesen! Dabei bin ich eigentlich ohne jede Erwartungshaltung an die Lektüre heran gegangen und wurde definitiv überrascht. Es mischen sich aktuelle Themen, ein Hauch Gesellschaftskritik, Fantasy, Übernatürliches, SciFi und Komik. Heraus kommt ein herrlich skurriles, verrücktes und teilweise sowas von absurdes Buch. Es ist schwer dies inhaltlich zusammenzufassen, weil es so viele Handlungsstränge und so viele verschiedene Charaktere gibt, die scheinbar nichts miteinander zu tun haben, dann aber in irgendeiner Form doch irgendwann aufeinander treffen. Zugegeben: An der ein oder anderen Stelle fragt man sich, was das Ganze eigentlich soll, wo es hin führen soll. Grade die übernatürlichen Elemente des Romans lassen doch einige Fragen offen. Man kann aber nicht bestreiten, dass Bela B. unterhält, zum Schmunzeln bringt, einen den Kopf schütteln lässt und mit jeder Menge unerwarteter Wendungen aufwartet. Grade bei den Charakteren merkt man auch, wie liebevoll ausgearbeitet und durchdacht sie sind. Jeder von ihnen ist etwas besonderes und es macht Spaß kleine Episoden deren Leben zu begleiten. "Scharnow" ist ein Kaleidoskop aus verrückten Ideen, Personen und Absurditäten, das mitreißt und amüsiert.

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Handlung? Welche Handlung? Gibt es nicht. Jedenfalls keine herkömmliche von A bis Z. Eher fangen wir bei M an, machen einen kurzen Abstecher zu B, verlaufen uns auf dem Weg nach C und landen bei P. Ob wir jemals bei Z ankommen, bleibt fraglich – und so mancher Leser fragt sich womöglich, ob er das überhaupt noch will. Während wir so unterwegs sind, begegnen wir Geheimbündnissen, Superhelden, telepathischen oder schwulen Tieren, im wahrsten Sinne des Wortes blutrünstigen Büchern – aber auch splitterfasernackten Räubern und dem ganz alltäglichen Wahnsinn, der durchaus mal in absurden Schießereien endet, die auch aus einem Film von Quentin Tarantino stammen könnten. Normal ist was anderes. Oder vielleicht sollte man sagen: Scharnow hat offensichtlich sein ganz eigenes Normalnull. Das ist sicher nicht jedermanns Sache, setzt aber auf jeden Fall neue Maßstäbe, wenn es um Originalität geht. Denn würde man mich nach dem größten Pluspunkt des Buches fragen, wäre dies ganz klar meine Antwort: sein unerschöpflicher Einfallsreichtum. Ich liebe es, wie sich die vielen verschiedenen Ebenen der Geschichte überlappen und gegenseitig übertrumpfen – schamlos, skurill und schrill –, und wie selbstverständlich sich die absurdesten Geschehnisse dabei als die Normalität von Scharnow etablieren. Das ist irre. Das ist abgedreht. Das ist geschmacklos. Das ist genial. Auch mit bunten Anspielungen auf diverse Filme, Comics und andere Werke der Pulp Fiction wird nicht gespart, und wenn man das alles einmal kräftig durchmischt, bekommt die Welt von Scharnow ihren ganz eigenen Groove. Aber eigentlich habe ich von Bela B gar nichts andres erwartet. Die Songs seiner Band, “Die Ärzte” gehörten gerade wegen der schrägen Texte (mit denen man damals noch die Eltern schocken konnte) zu den musikalischen Highlights meiner Jugend. Bela B schert sich auch in Scharnow nicht um altbackene Konventionen oder irgendwelche Vorschriften, was Literatur zu sein hat und was nicht, und das ist auch gut so. Langweilig wird das nie. Manchmal etwas derb, ja. Oft sogar etwas eklig. Für meinen Geschmack gibt es zu viel Kotze, Sperma, spritzendes Gehirn oder Männer, die sich bei jeder sich bietenden Gelegenheit am Sack kratzen. Dennoch… Das hat einfach was. Und nicht nur die Klischees werden dabei gekonnt und genüsslich auf die Spitze getrieben, auch die Gesellschaftskritik schleicht sich unter dem ganzen Getöse immer mal wieder leise herein. Auf den ersten Blick wirken die Charaktere hemmungslos übertrieben und daher unrealistisch. Aber wenn man genauer hinguckt, ist man solchen Menschen im Grunde schon einmal begegnet oder hat zumindest von ihnen gehört. Da tun sich kleinbürgerliche Engstirnigkeit, wutbürgerliche Raserei, spießbürgerlicher Kontrollzwang oder möchtegernbildungsbürgerliche Arroganz auf – doch bevor man sich versieht, bringt man auf einmal Verständnis, Mitleid und sogar Sympathie auf für die unmöglichsten Charaktere. Der Autor ist ein Meister darin, menschliche Eigenschaften beinahe schmerzhaft auf die Spitze zu treiben, ohne dass die Menschlichkeit dabei verloren geht. Und dass die ganzen Handlungsstränge immer wieder dadurch verbunden werden, dass in einer Kleinstadt wie Scharnow irgendwie jeder jeden kennt, ist ein Geniestreich. Als Buchbloggerin kann ich mir eine kleine Anmerkung allerdings nicht verkneifen: der von Bela B beschriebene Literaturkritiker ist ja wohl eine Schande seiner Zunft! Lässt sich bezahlen für schnell hingeschluderte positive Rezensionen zu Büchern, die er gar nicht gelesen hat. Oder schreibt zum Spaß vernichtende Verrisse – kostenlos, aber ebenfalls, ohne die Bücher gelesen zu haben. Dennoch ist sein Blog unglaublich erfolgreich. Irgendwas mache ich wohl falsch… Es ist schwierig, über einen Spannungsbogen zu sprechen. Zu rasant springt die Geschichte von Handlungsfaden zu Handlungsfaden, so dass der aktuelle Spannungsbogen immer wieder zerbricht, nur um direkt wieder einem anderen Spannungsbogen zu weichen. Da kann einem schon mal der Kopf schwirren, aber auch hier gilt: langweilig wird das nie. Am schwierigsten ist es wahrscheinlich, über den Schreibstil zu schreiben. Denn so knallbunt und originell die Geschichte ist, so überdreht, kompromisslos, und ungefiltert ist der Schreibstil – und dabei durchaus gekonnt und um einiges intelligenter, als es auf den ersten Blick den Anschein hat. Hinter all der Brachialität versteckt sich verdammt viel Tiefgang, und das in einer unverwechselbaren Schreibe. Den Humor reizt Bela B oft bis zum Äußersten aus, und manchmal war mir das zuviel, manchmal fand ich es saukomisch… Aber um mich ein drittes Mal zu wiederholen: langweilig wird das nie. FAZIT “Scharnow” ist ein Buch, dessen Handlung sich nicht so einfach zusammenfassen lässt, weil sie aus unzähligen Handlungssträngen mit über 30 Charakteren besteht und keiner davon (weder Handlungsstrang noch Charakter) auch nur annähernd ‘normal’ ist. Ob jetzt ein Attentäter eine Hündin umbringen soll, weil die die Schwester des Hundes von Barack Obama ist und ein Geheimbund über diesen Hund telepathisch Einfluss auf die Weltpolitik nehmen könnte, oder ob eine besoffene Männer-WG beschließt, splitterfasernackt und mit Küchengeräten bewaffnet den Supermarkt zu überfallen… Das ist alles unglaublich schrill, oft derb, manchmal eklig, und dennoch wollte ich ständig den Hut ziehen vor dem Einfallsreichtum des Autors. “Scharnow” ist auf den ersten Blick eine ganz normale Kleinstadt – und auf den zweiten Blick ist da absolut gar nichts normal. Und das macht verdammt viel Spaß!

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Wow!

Von: Die Linkshänderin

16.05.2019

Dieser Roman ist ein buntes Feuerwerk aus sehr vielen skurrilen Figuren und wilden Ereignissen. Die Perspektiven sind durchweg einfühlsam gezeichnet, die Geschichte mäandert durch verschiedenste Themen und Genres. Sogar das Verknüpfen verschiedener Handlungsstränge, die sich erst nach sehr langer Zeit überraschend begegnen, was ich sonst eigentlich nicht leiden kann (z.B. in den verkrampften "Stadtgeschichten" von Armistead Maupin), ergibt sich in Scharnow ganz entspannt und natürlich. Von lautem Krawall über Humor und sanfte Zwischentöne bis hin zu zarter Liebe beherrscht Bela B Felsenheimer das gesamte Repertoire der Literatur. Lediglich im erotischen Bereich gibt es noch Luft nach oben, da war mir einiges zu sachlich geschildert, hier dürfte gern mit mehr Wumms und Leidenschaft beschrieben werden, was in den Betten, auf den Sofas oder am Küchentisch so passiert. Das Ende einiger Ebenen habe ich nicht so ganz verstanden, aber vielleicht klärt sich das, wenn ich das Hörbuch gehört habe. Die Aufmachung gefällt mir sehr: vom Coverbild über den schwarzen Schnitt und das quer abgedruckte Manifest bis hin zur Übersichtskarte der Handlungsorte. Sensationell finde ich, dass ich keinen einzigen Schreibfehler finden konnte. Kompliment an den Autor und das Korrektorat! Zum Schluss bleibt mir nur noch der Hinweis, dass dieser Roman nichts für zartbesaitete Gemüter ist, was Gewalt und Erotik betrifft.

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Bela B. Felsenheimer dürfte den Jugendlichen meiner Generation überwiegend als Mitglied der Band „Die Ärzte“ bekannt sein. Durch viele Interviews und Reportagen wusste ich schon im Vorfeld, dass der Schlagzeuger ein sehr fantasievoller und vielschichtiger Mensch ist, mit einem skurrilen Sinn für Humor. Daher war ich sehr begeistert, als ich vor einigen Monaten das Veröffentlichungsdatum von „Scharnow“ entdeckt habe! Das Buch schildert das Leben in einer deutschen Kleinstadt, vor den Toren von Berlin, voller schräger Vögel und noch viel unglaublicherer Ereignisse. Es erzählt keine klassisch-flüssige Geschichte, sondern setzt sich aus vielen individuellen Handlungen zusammen, die sich aber konsequent miteinander verflechten. Die Protagonisten sind sowohl positiv wie negativ denkwürdige und durchgeknallte Charaktere, deren oft haarsträubende Gedanken und Taten ein absolut einzigartiges Gesamtpaket ergeben. Bela B. rockt schreibender Weise einfach mal drauf los! Ohne sich großartig um die Konventionen eines Genres oder einer sinnvollen Geschichte zu kümmern. Dennoch merkt man dem Roman an, dass das Ganze durchaus eine klare und gute Struktur hat. Es besticht mit einer skurrilen Geschichte und überraschenden Wendungen. Erst bei näherem Hinsehen eröffnet sich dem Leser ein Kosmos aus Büchern, Filmen und der flimmernden Welt von Comics und Pulp Fiction, der sich erstaunlich greifbar in unseren Köpfen festsetzt! Der Schreibstil ist durchaus anspruchsvoll, mit vielen tollen Phrasen und Umschreibungen, passt aber dennoch perfekt zu den unglaublichen Handlungen der Geschichte. Die Szenen sind bildlich und lebendig. Zudem hat der Autor ein enormes Talent, die Szenen unterhaltsam und ironisch zu gestalten. Vermutlich kein Humor für Jedermann, aber bei mir hat er total ins Schwarze getroffen. Obwohl ich mir den Debütroman von Bela B. Felsenheimer schon so in etwa so vorgestellt habe, wurde ich doch positiv überrascht. Ein bisschen hat sich „Scharnow“ auch in meine Seele gebrannt … und wenn mir in Zukunft irgendwo das Lied „Fiesta Mexicana“ unterkommt, werde ich wohl unweigerlich an dieses Buch denken müssen!

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