Leserstimmen zu
Und wenn die Welt verbrennt

Ulla Scheler

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Mein allererstes Buch von Ulla Scheler. Obwohl ich durchaus weiß, dass ihr Debüt "Es ist gefährlich bei Sturm zu schwimmen" sehr erfolgreich war. Sowohl Cover als auch Klappentext hatten mein Interesse schnell geweckt, als ich das Buch im Bloggerportal von Randomhouse entdeckte. Scheeler gelingt es, ihrer Schreibweise viel Poetisches zu verleihen. So hatte sie mich mit ihrem Stil zu schreiben schnell auf ihrer Seite. Ich mochte die authentischen und klaren Formulierungen und die gut ausgearbeiteten Figuren. Die Geschichte berührt, weil sie viel Platz für Emotionen bietet. Der Charakter der Alisa hat mich an manchen Stellen etwas genervt zurück gelassen, dennoch ist sie eine Sympathieträgerin und ihre Gedanken sind sehr bedeutend für die Geschichte. Erzählt wird abwechselnd aus der Sicht von Alisa und Felix. Das erleichtert das Lesen und lässt das Buch nicht langweilig werden. Während mich der erste Teil noch oft für sich einnehmen konnte, ließ die Geschichte leider nach. Ich kann schwer beschreiben, woran es genau lag. Sicherlich ist aber einer der Gründe der rasante Anstieg an Wirrungen. Die Handlungen der Protagonisten wirken übereilt und nicht immer nachvollziehbar. Das hat mir das Ende etwas vermiest. Allerdings haben mich auch ab Mitte des Buches viele Textpassagen begeistern können. Insgesamt ein gute Buch mit ansprechenden Charakteren und einem sehr, sehr ansprechenden Schreibstil.

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Wenn aus Funken Flammen werden Er ist ein Junge mit bunten Kreiden, der Menschen in Bildern auf dem Asphalt einfängt. Sie ist ein Mädchen mit einem dunklen Geheimnis, das niemanden an sich heranlässt. Felix und Alisa. Beide leben in ihrer eigenen Welt, bis sie sich durch Zufall begegnen. Und plötzlich ist es ausgerechnet Alisa, die Felix versteht wie niemand sonst. Zusammen sind sie stark, fast unschlagbar. Bis ein Haus brennt und Alisa von den Schatten der Vergangenheit eingeholt wird ... (Klappentext) Letztes Jahr habe ich den Debütroman "Es ist gefährlich, bei Sturm zu schwimmen" von Ulla Scheler gelesen und fand den richtig toll. Deshalb war ich auch schon sehr gespannt auf dieses Buch. Erzählt wird die Geschichte abwechselnd aus der Sicht von Felix und Alisa, wo die Kapitel jeweils mit einem Datum versehen sind und der Leser die Charaktere einige Monate begleitet. Felix war mir als Protagonist gleich sympathisch, ich fand es cool, wie er Menschen auf der Straße mit Kreide zeichnet und ihnen dabei seine ganz eigene Note verleiht. Dabei begegnet er auch zum ersten Mal Alisa und sie geht ihm danach nicht mehr aus dem Kopf. Zitat Felix : "Als sie zurücksah, erhaschte ich ein kurzes Flackern. [...] Ich warf einen kurzen Blick in die Runde der Passanten, aber außer mir schien es niemand gesehen zu haben. War ich der Einzige, der ihren Blick bemerkt hatte ? Ihre Augen waren für einen Moment so offen gewesen, dass sie fast ängstlich aussah." Der Anfang des Buches und wie es sich Alisa und Felix immer wieder getroffen haben, hat mir echt gut gefallen. Die beiden passen super zusammen und ich mochte es gerne, wie sie sich gleich gut verstanden haben und auf einer Wellenlänge sind. Doch es zeigen sich jedoch auch Probleme in der Beziehung, denn Alisa verschließt sich immer in bisschen vor Felix und hat Geheimnisse, die sie belasten und über die sie auf keinen Fall reden will. Leider hat mir dieser Aspekt nicht so gut gefallen, weil mir Alisa insgesamt nicht so sympathisch war. Auch wenn man auch aus ihrer Sicht liest, erfährt man kaum etwas über sie. Sie macht ihr Medizinstudium in München, verbringt viel Zeit mit Felix, und dem Leser unbekannte Ereignisse aus der Vergangenheit sind in ihren Gedanken immer noch stark präsent. Charakterlich blieb sie aber dadurch aus ziemlich blass, ich hätte mir gewünscht mehr über sie zu erfahren. Zitat Alisa : "Mir ist bewusst, dass ich das hier nicht verdient habe und dass ich für dieses Glück irgendwann bezahlen muss. Aber hier im Regen, unter diesem Schirm, kommt es mir vor wie ein Geheimnis, fast nicht echt. Im Regen gibt es keine Ameisen. Und Regen kann Feuer löschen. Vielleicht löscht er auch meine Gedanken." Felix dagegen war deutlich facettenreicher, er liebt seine Kunst, hat jedoch auch Versagensängste, kocht leidenschaftlich gerne und hat Identitätsprobleme wegen seinem großen erfolgreichen Bruder. Super gerne mochte ich den Schreibstil von der Autorin, er hat etwas Schönes und Poetisches und lässt sich toll lesen. Schön gemacht fand ich die Bedeutung von Kunst in diesem Buch und welche Rolle sie insgesamt gespielt hat. Von der Handlung war ich im Ganzen leider nicht so überzeugt. Ich hatte schon recht schnell eine Vorahnung über ein paar Geschehnisse, was ich ziemlich schade fand. Und auch gegen Ende sind ein paar Dinge geschehen, das Buch hat teilweise eine Richtung eingeschlagen, die mir nicht wirklich gefallen hat. Fazit : Leider nicht komplett überzeugend. Konnte mich nicht so begeistern wie der tolle Debütroman der Autorin.

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Er ordnet die Kreide vor sich neu und schiebt einige Farben ein Stück nach vorne. Sind das meine Farben? Die Aufregung sammelt sich in meinem Magen, und ich wünsche mir ein Stück Plopp-Folie, um mich beim Zerdrücken der Blasen zu beruhigen. Dann schaut er auf, und er sieht nicht mein Gesicht an, sondern mich. Das Gefühl ist sofort da: Wie ein Gummiband um meine Brust, das sich spannt, je länger er den Blick hält. Ich schaue zurück, solange ich kann, dann blicke ich weg. "Das war schon richtig", sagt er. "Schau einfach zu mir." Also sehe ich wieder zu den blauen Augen. -- INHALT: Auf der Flucht vor den Schrecken ihrer Vergangenheit ist Alisa in München gelandet, aber wirklich eingelebt hat sie sich nicht - was vor allem daran liegt, dass sie anderen Menschen nach Möglichkeit aus dem Weg geht. Bis sie auf Felix trifft, der mit Kreide Bilder auf dem Asphalt entstehen lässt. Schnell finden sie eine Verbindung zueinander, denn sie beide haben das Gefühl, endlich einmal wirklich gesehen zu werden. Doch es dauert nicht lange und Alisa wird von ihren vergangenen Handlungen und ihren Schuldgefühlen eingeholt. In dem Versuch, Felix vor der Wahrheit zu bewahren, macht sie alles nur noch schlimmer... MEINE MEINUNG: Auch wenn mich Ulla Scheler mit ihrem Debüt Anfang des Jahres (bzw. hauptsächlich mit dessen Ende) nicht vollends überzeugen konnte, ist mir ihr beeindruckend wortgewandter Schreibstil in Erinnerung geblieben. "Und wenn die Welt verbrennt" beeindruckt mit einer ebenso lebendigen Sprache, die inbesondere in den Szenen, die sich um Kunst drehen, wunderbar zur Geltung kommt. Die beiden Protagonisten erzählen abwechselnd aus der Ich-Perspektive von ihren Erlebnissen, wobei Felix' Kapitel im Präteritum und Alisas im Präsens verfasst sind, was sich mir leider nicht ganz erschlossen hat. Sie spricht auch immer wieder eine Person, "Kleiner Käfer", mit Du an, was was zwar im Prinzip Sinn ergibt, aber meistens wie ein überflüssiges Stilmittel wirkt. Wie so oft in Büchern wie diesem hat einer der Hauptcharaktere ein schwerwiegendes Geheimnis - in diesem Falle ist das Alisa. Aus Angst davor, dass ihre Vergangenheit ans Licht kommen könnte, hält sie sich so gut es geht von anderen Menschen fern und stößt diese im Extremfall auch von sich. Sie lernt im Laufe der Handlung, langsam wieder mehr Vertrauen zu fassen, aber ihre ewige Geheimniskrämerei, die sich noch bis kurz zu Schluss zieht, ging mir irgendwann auf die Nerven. Felix ist das genaue Gegenteil von Alisa: Er hat keine Schwierigkeiten, sich an andere Menschen zu binden, und so ist er größtenteils die treibende Kraft hinter der Beziehung. Allerdings ist er sehr schnell eingeschnappt und eifersüchtig, und er trifft besonders auf den letzten 100 Seiten so einige Entscheidungen, die nicht nachzuvollziehen sind. Seine beste Freundin Olli und "Kleiner Käfer" sind die wohl interessantesten Figuren, gehen aber in der Dramatik der Protagonisten einfach zu oft unter. Sieht man von den Schwächen der Figuren ab, werden die Sorgen beider Protagonisten durchaus gut beleuchtet - insbesondere Felix' Angst, einfach nicht gut genug im Zeichnen zu sein und niemals gegen seinen erfolgreichen Bruder anzukommen, weswegen er sich immer wieder in Zweifel flüchtet. Ebenso dreht sich vieles um häusliche Gewalt und Verlust, Themen, die größtenteils sensibel angesprochen werden. Stück für Stück wird Alisas Vergangenheit offenbart, wodurch sich eine gewisse Spannung hält - aber da man sich irgendwann das Puzzle selbst zusammen setzen kann, hätten die Details auch früher offenbart werden können. Vor allem aber hatte ich meine Schwierigkeiten damit, Alisas frühere Taten und Erlebnisse einfach so hinzunehmen, ohne mir über das moralische Dilemma Gedanken zu machen - was Felix ganz eindeutig nicht tut. Das Ende wirkt sehr gehetzt, ohne rechten Abschluss, was sich erklärt, wenn man in der Danksagung liest, welche Schwierigkeiten die Autorin mit dem Buch hatte. Am Schluss fehlt die erforderliche Auseinandersetzung mit einer Straftat, die eigentlich die gesamte Handlung prägt; stattdessen wird das Problem einfach übergangen - und das ist weder wirklich realistisch noch sinnvoll. FAZIT: Ulla Scheler hat einen wunderbaren Schreibstil, der mich immer wieder beeindruckt - aber ihren Geschichten fehlte es für mich bisher jedes Mal an einem guten Ende, das offensichtliche Probleme nicht einfach als gegeben hinstellt. "Und wenn die Welt verbrennt" spricht wichtige Themen an, setzt diese aber nicht konsequent genug um. 3 Punkte.

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Schon mit ihrem Debüt "Es ist gefährlich, bei Sturm zu schwimmen" hat Ulla Scheler bewiesen, wie gut sie schreiben kann. Deshalb habe ich mich umso mehr gefreut, eine Chance zu erhalten, "Und wenn die Welt verbrennt" zu lesen. Nach Erhalten des Buches war meine Neugier so groß, dass ich es gleich am selben Abend aufgeschlagen habe – und am Abend darauf die letzte Seite las. Dass das Buch über 400 Seiten schwer ist, merkt man zu keinem Augenblick, im Gegenteil; ich inhalierte Felix' und Alisas Geschichte förmlich, und gerade die ersten drei Viertel des Buches waren toll, stellenweise grandios. Die Geschichte wird sowohl aus Alisas Perspektive im Präsens als auch aus Felix' Perspektive im Präteritum erzählt – ein Tempuswechsel, der mir so noch nie begegnet ist und der mir überraschend gut gefallen hat. Bis auf ein paar holprige Übergänge ist die Erzählung aus den zwei Perspektiven in meinen Augen sehr gut gelungen. Schnell hat sich Felix als mein persönlicher Favorit herauskristallisiert: seine Gefühle, nie gut genug zu sein, und seine Ziellosigkeit im Leben werden von Scheler so subtil, aber doch allanwesend dargestellt, dass ich gar nicht anders konnte, als mit ihm mitzufühlen. Mit Alisa hatte ich dafür ein paar Schwierigkeiten, was hauptsächlich daran liegt, dass sie die Geheimnistragende der beiden ist – sie hat diese düstere Vergangenheit, die sie zwar verdrängen will, aber nicht kann. Allerdings wird gerade zu Anfang dieses Geheimnis nur angedeutet, auch in Felix' Perspektive, und das ziemlich oft, etwas, was mich persönlich stört. Es ist klar, dass ein Geheimnis besteht, dann muss man nicht noch andauernd darauf hinweisen, ohne dem Leser oder den Figuren selbst irgendwelche Klarheit anzubieten. Umso besser hat mir dann die Richtung gefallen, die die Geschichte eingeschlagen hat. Während ich die Beziehung von Felix und Alisa zumindest anfangs etwas überstürzt fand, begannen die beiden schnell, sich besser kennen zu lernen und miteinander statt gegeneinander zu arbeiten – zumindest von Felix' Seite aus, Alisa öffnete sich nur langsam. Und gerade diese Enthüllung ihrer Vergangenheit, die Twists beinhaltet, die selbst Alisa so nicht vorausgesehen hat, war der prominente Faktor, der es mir unmöglich machte, das Buch aus der Hand zu legen. Immer, wenn ich dachte, jetzt auf der richtigen Spur zu sein, brachte Ulla Scheler eine neue Überraschung ein, und es gab bis zum Ende eigentlich nur einen Aspekt, den ich richtig erraten hatte – sehr cool, und vor allem eine Richtung, die ich nicht erwartet hatte. Wie bereits erwähnt: Der Schreibstil hat mir außerordentlich gut gefallen, noch besser als in Schelers Debüt. Einerseits trug er mich durch die Geschichte, andererseits schaffte es die Autorin mit ihren Worten, kleinste zwischenmenschliche Nuancen auszudrücken und Gefühle zu formulieren, die man sonst gar nicht erfassen kann. Klasse fand ich es auch, dass Alisa in ihren Kapiteln immerzu einen "kleinen Käfer" anspricht. Wirklich wunderschön. Jetzt kommt das große Manko. Leider. Denn bis zu etwa den ersten dreihundert Seiten wäre "Und wenn die Welt verbrennt" ein Buch gewesen, das vier, wenn nicht sogar fünf Sterne verdient hätte. Ich war voll und ganz in der Geschichte drinnen – bis die Charaktere sich auf einmal selbst zu widersprechen schienen, und der Plot zwar einen überraschenden Twist nahm, die Konsequenzen aber so absurd waren, dass ich das Gefühl hatte, ein völlig anderes Buch in der Hand zu halten. Felix machte plötzlich Dinge, die nicht im Geringsten zu erklären waren, und darüber hinaus beinhaltete der Plottwist eine Straftat, die von keinem der Charaktere – weder von den Tätern noch von den Mitwissenden – thematisiert wurde. Die Krönung zu dieser Absurdität bildete das letzte Kapitel, das mehr wie ein verzweifelter Versuch wirkte, die Geschichte in die richtige Richtung zu biegen, letztendlich bei mir aber nur einen bitteren Beigeschmack hinterließ. In der Danksagung berichtet Ulla Scheler von ihren Problemen beim Schreiben des Buches, und leider merkt man das dem Endprodukt auch an. Nach diesem fulminanten Auftakt war das Ende so absurd und abwegig, dass ich enttäuscht und frustriert gleichermaßen war und mir fast wünschte, niemals die letzten Kapitel gelesen zu haben. Ich kann mir aktuell nicht vorstellen, in der Zukunft zu einem weiteren Buch von ihr zu greifen; der Schreibstil rettet nicht über die Probleme der Charaktere und des Plots zurück, und in dem Fall von "Und wenn die Welt verbrennt" auch nicht über die Ignoranz, mit der ernste Probleme im Text behandelt werden.

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Inhalt: Wenn Felix tagsüber seine Kreide verteilt, die neugierig an ihm vorbeihuschenden Menschen betrachtet, eine Person unter ihnen auswählt und auf dem kalten Stein unter ihm verewigt, dann fühlt er sich in seinem Element, denn Malen ist sein Talent. Malen ist sein Leben. Malen ist das einzige, in dem er sich von seinem, scheinbar in allen Bereichen talentierteren großen Bruder abzuheben zu vermag. Wenn Alisa bei Nacht heimlich in den Park schleicht, um die bunten Kreidebilder auf dem Asphalt zu betrachten, dann nur, weil sie ihrem grauen Leben ein wenig Farbe verleihen möchte. Ein großes, dunkles Geheimnis hütend, verkriecht sie sich in ihrer eigenen Welt, in der nur sie und die Einsamkeit einen Platz haben. Als Felix und Alisa aufeinanderstoßen, zwei Welten, zwei Leben kollidieren, treffen zwei Seelen aufeinander, die sich gegenseitig mehr brauchen, als sie zunächst ahnen. Doch ihre Liebesgeschichte wird ins Dunkel getaucht, denn Alisas Leben wirft tiefe Schatten, die zu bekämpfen Felix alles abverlangt. Meinung: Ich kann mich noch ganz genau an den Tag erinnern, an dem ich innerhalb weniger Stunden, das Debüt von Ulla Scheler "Es ist gefährlich, bei Sturm zu schwimmen" verschlang. Graue Wolken hingen bedrohlich am Himmel, der Geruch von Pfefferminztee dampfte in der Luft und ich lag eingekuschelt mit meiner Lieblingsdecke und Flauschesocken auf dem Bett und wurde durch die bunten Worte der Autorin tief hinter die Seiten, tief in die Geschichte gesogen. Meine Erwartungen an "Und wenn die Welt verbrennt", dem neusten Buch aus der Feder der Jungautorin, waren demnach hoch. Erzählt wird die Geschichte um Alisa und Felix aus je zwei Perspektiven, in insgesamt drei Akten. Je im Wechsel legen uns die zwei Protagonisten in der Ich-Perspektive ihre Welt und ihre Gefühle zu Füßen und ermöglichen so einen sehr tiefen, emotionalen und nahen Einstieg in die Buchwelt. Was der Protagonist mit Kreide auf den Asphalt zu zaubern vermag, vermag Ulla Scheler mit Worten. Bildgewaltig, von Metaphern und Vergleichen triefend, malt die Autorin mit Buchstaben und zaubert dabei eine sehr atmosphärische Geschichte auf die Seiten. Auch wenn es, gerade wegen des eher ungewöhnlichen Schreibstiles, einige Kapitel mehr braucht, bis man als Leser das Schlupfloch in die Welt von Felix und Alisa findet, wenn man sie einmal betreten hat, riecht man förmlich den Kaffee aus Carlos Café, schmeckt die von Felix gekochte Tomatensoße auf der Zunge und sieht seine Kreidebilder, wie Alisa sie sehen würde, als kleine Bilder der Wahrheit, welche hinter die Fassade der Menschen blicken und sie so verewigen, wie sie tief in ihrem Inneren wirklich sind. Auch die Figuren kommen durch den Schreibstil gut zur Geltung und werden sehr detailreich vorgestellt. Besonders Alisa, mit ihrer tiefgründigen Denkweise, ihrer etwas geformteren und bildlicheren Sprache, regt zum Nachdenken an und ist, trotz des großen Geheimnisses, das sie mit sich trägt und erst auf den letzten Seiten offenbart und ihrer eher verschlossenen Art, ein sympathischer Charakter, den man nicht selten gerne in die Arme schließen würde. Felix bildet hier einen guten Kontrast, obwohl auch er sehr tiefgründig ist, präsentiert er sich mit einer gewissen Leichtigkeit, die jedoch trügerisch ist, denn auch Felix trägt seinen ganz eigenen Ballast mit sich herum. Ballast, den jeder von uns kennt und den jeder, in welcher Weise auch immer, schon einmal erlebt hat: Das Gefühl, nicht genug zu sein. Das Gefühl, nicht gut genug in etwas zu sein. Das Gefühl, nur Durchschnitt zu sein. All dies kreiert die Autorin sehr authentisch mit ihren Worten. Schreibtechnisch demnach ein absolutes Muss, was sich jedoch nicht von der Handlung behaupten lässt. Ulla Scheler schreibt in ihrer Danksagung, dass sich dieser Roman für sie unglaublich schwer schrieb und sie die Geschichte nicht gleich vor Augen hatte, dass sie sich in durchwachsenen Schreibphasen entwickeln musste - das merkt man leider auch. Die ersten ca. 300 Seiten folgen noch einem gewissen roten Faden, selbst wenn sich die Liebesgeschichte von Alisa und Felix relativ schnell entwickelt, schmälert das die Authentizität der Geschichte nicht, nicht die Glaubwürdigkeit der Figuren. Man versteht die Einsamkeit von Alisa, ihren tiefen Wunsch nach Zuneigung, die sie sich selbst, aufgrund ihrer Vergangenheit, verbietet. Man vollzieht nach, welche Geheimnisse Felix in ihren Augen sieht und warum er sich von ihr so sehr angezogen fühlt, weil Alisa, als einzige, die Wahrheit hinter seinen Kreidebildern sieht, weil sie ihn sieht. Soweit so gut, doch dann verlieren die Protagonisten Seite um Seite an Plausibilität, indem Szenen kreiert werden, die viel zu plötzlich auftreten und gar nicht so richtig zur eigentlichen Geschichte zu passen zu mögen. Es werden Entscheidungen von den Figuren getroffen, die keinen Sinn ergeben und auch gar nicht in ihren vorher gezeichneten Charakter passen. Schließlich wirkt die ganze Storyline nur noch konstruiert. Der Wendepunkt, der Höhepunkt und besonders das Ende - das in meinen Augen am wenigsten Sinn ergeben hat und wie ein Fremdkörper in der Geschichte wirkt - bleiben blass, bleiben flach. Die Handlung plätschert von sich hin und vermittelt den Eindruck, dass sie teilweise selbst nicht so genau weiß, wo sie eigentlich hin will. So steht letztlich ein großartiger Schreibstil einer nicht zu Ende entwickelten Geschichte entgegen und mag in ihrem Schatten zu versinken, mag an Überzeugungskraft zu verlieren und tritt in seiner Bewertung deutlich hinter dem Debüt der Autorin zurück. Fazit: "Und wenn die Welt verbrennt" von Ulla Scheler, verzaubert und bannt mit einem bildgewaltigen Schreibstil, der das Setting und die Gefühle der Figuren lebendig werden lässt, der die Realität des Lesers mit Kreidebildern der Buchwelt übermalt und real werden lässt. Handlungstechnisch kann der neuste Roman der Jungautorin jedoch nicht an den Debüterfolg anknüpfen und bleibt durchweg relativ blass, besonders gegen Ende muss die Geschichte zudem stark an Glaubwürdigkeit einbüßen - das nicht nur konstruiert, sondern auch überflüssig wirkt. Trotzdem bleibe ich Ulla Scheler - Fan, weil sie ihr Handwerk versteht, weil sie mit Worten malt und Buchwelten empor zaubert, die mit allen fünf Sinnen zu spüren, zu erleben und gerade dadurch so außergewöhnlich atmosphärisch sind.

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