Leserstimmen zu
München

Robert Harris

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Dass Robert Harris ein Meister seines Fachs ist, müsste bei den Lesern von Kriminalromanen und Thrillern ja bereits weitgehend bekannt sein. In „München“ verarbeitet er die vergeblichen Bemühungen, Adolf Hitler von dem drohenden Krieg abzuhalten. Die Handlung erstreckt sich über die vier ereignisreichen Tage der Münchner Konferenz im September 1923. Wir begleiten unsere beiden Protagonisten Hugh Legat auf der britischen und Paul von Hartmann auf der deutschen Seite, welche sich von ihrem gemeinsamen Studium in Oxford kennen. Legat arbeitet als einer der Privatsekretäre des englischen Premierministers Neville Chamberlain, der die schwierige und angespannte Lage mit seiner Appeasement-Politik retten möchte. Aber auch im deutschen Lager bekommt der Führer Gegenwind: Von Hartmann hat sich einer Gruppe Aufständiger angeschlossen, die scharf gegen die machthungrige und unmenschliche Führung der Nationalsozialisten vorgehen möchten. Robert Harris liefert seinen Lesern auch in diesem Buch wieder gut recherchierte und sehr klar ausformulierte Schilderungen der politischen Lage der damaligen Zeit. Ich würde dieses Buch nicht als Thriller, sondern eher als Kriminalroman bzw. als Politkrimi einstufen, ist das Buch doch sehr ruhig und sachlich gehalten. Wer aber Interesse an den Vorgängen des 2. Weltkrieges zeigt, wird hier voll auf seine Kosten kommen. Der Roman ist klug konstruiert, spannend erzählt und besticht durch seine klare und schöne Sprache. Die Recherchen sind glaubwürdig, detailreich und zeugen von der Kenntnis des Autors. Auch Atmosphärisch ist er sehr dicht. Die Spannung wurde vielschichtig aufgebaut und hielt mich trotz der sachlichen Ruhe sehr gut in der Geschichte! Robert Harris gelingt es wie keinem Anderen, historische Ereignisse und Personen zum Leben zu erwecken! Der spätere Premierminister Churchill zieht mit seinem Kommentar ein sehr klares Resümee aus der Münchner Konferenz: „Sie (Neville Chamberlain) hatten die Wahl zwischen Krieg oder Schande. Sie haben die Schande gewählt und werden den Krieg bekommen!“

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Robert Harris steht für umfassendes historisches Wissen, egal ob es um das antike Rom unter Cicero geht, oder um Hitler, bei jedem von Harris Bücher hat man das Gefühl, dass Harris wirklich Ahnung hat. Es ist nicht nur ein Gefühl, der ehemalige Cambridge-Student hat Literatur studiert und danach bei der BBC und etlichen namhaften britischen Zeitungen gearbeitet. Sein erster Thriller war „Vaterland“ - und eben jenes Buch war auch mein erstes von ihm, das ich gelesen habe. Damals war er noch fiktiv unterwegs, denn das Buch beschreibt ein Deutschland im Jahr 1964 – ein Deutschland, das den Zweiten Weltkrieg gewonnen hat. „München“ spielt etliche Jahre davor und beschreibt die Geschichte des Münchner Abkommens. Es gibt in „München“ etliche Auftritte von historischen Persönlichkeiten – Hitler zum Beispiel. Ein Mensch mit bleichem Gesicht, der ständig nach Schweiß riecht und dem man die Texte auf einer speziellen Schreibmaschine, die größere Buchstaben schreibt, schreiben muss, damit er sie leichter lesen kann. Oder der britische Premierminister Neville Chamberlain, ein sturer und gleichzeitig komplett uncharismatischer Mensch, der mich im Buch mit seiner Beschwichtigungspolitik und seinem „Herr Hitler" (ich hab noch nie jemanden gesehen, der dem „Hitler" ein „Herr" vorangestellt hat) fast wahnsinnig gemacht hat. Oder Benito Mussolini, Ernst von Weizäcker, Joachim von Ribbentrop, und etliche mehr. Eigentlich stehen die fiktiven Charaktere gefühlt klar in der Minderheit. Robert Harris zeichnet die Geschichte rund um die Ausfertigung und Unterzeichnung des Münchner Pakts 1938, wo es um den Einmarsch Hitler-Deutschlands in die Tschechoslowakei geht, genauer um die Eroberung des Sudetenlandes. Und wir dürfen dies anhand zweier (fiktiver) Charaktere miterleben: Einerseits anhand des Privatsekretärs des britischen Premierministers Chamberlains, Hugh Legat, und andererseits an Paul von Hartmann, Beamter im deutschen Außenministeriums. Die zwei kennen sich, haben zwei Jahre gemeinsam studiert. Nun treffen sie nach sechs Jahren wieder aufeinander und wollen etwas Schwung in die Verhandlungen bringen, denn von Hartmann ist, obwohl er in der NSDAP ist, keineswegs ein Fanatiker von Hitler – das genaue Gegenteil ist der Fall. Generell erfahren wir über Paul von Hartmann aber ziemlich wenig. Von Legat ist es dann doch etwas mehr, wenngleich sich Harris auch bei ihm nicht gerade verausgabt. Ich mag Harris' Art, wie er uns Geschichte näherbringt, es macht Spaß und ist auch noch lehrreich. Ich hätte Harris gerne als Geschichtslehrer gehabt, das merkte ich bereits bei „Intrige“, wenngleich man dessen Handlung auch auf Wikipedia nachlesen könnte. Bei „München“ gelingt ihm dann doch etwas, was mich fasziniert hat: Er zieht den Leser mit seinen ausführlichen Beschreibungen nicht nur zurück ins Jahr 1939, der dadurch nicht nur das Gefühl bekommt, live dabei zu sein - Harris gewährt dem Leser auch einen Blick hinter die Kulissen der Politik, er gewährt uns Einblick in die Verhandlungsräume der ganz großen Politik. Und das macht Spaß. Wenngleich… ...man bekommt nicht alles mit, bei Weitem nicht. Bis wir nach München an den Verhandlungstisch kommen, dauert es dazu auch noch seine gut 200 Seiten. Dazu kommt, dass das Buch zwar interessant ist, aber weit weg von einem Thriller – denn Spannung sucht man lange und findet sie doch nicht. Manchmal denkt man sich „Jetzt, JETZT passiert etwas Wichtiges, da kommt jetzt der Plot-Twist!“ - nope, Sir. Das ist immens schade, denn Harris baut sich mehrmals eine Rampe für den großen Höhepunkt, sprengt sie aber im selben Atemzug wieder in die Luft.

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*** gekürzte Rezension - in voller Länge + Fotos auf meinem Blog *** Von Robert Harris habe ich mittlerweile bereits drei Bücher gelesen, das waren “Imperium”, “Pompeij” (mein Lieblingsbuch des Autors) und “Vaterland”, und war in jedem dieser Werke wieder vom Ideenreichtum Harris begeistert. Eine Wahnsinns Storyline, gepaart mit ausgezeichneten Recherchen und politischen Intrigen. Auch Hörbüchern durfte ich bereits zweien lauschen, “Dictator” und “Enigma”. Das Konzept der Romane über Hochverrat, Loyalität und Vertrauensbruch scheint für Robert Harris ziemlich gut aufzugehen, weshalb sich das Hörbuch “München” natürlich auch hier nahtlos in die Reihe seiner Romane einreiht. Was ja nicht zwangsläufig etwas schlechtes bedeuten muss. Ich habe mir nun für euch das Hörbuch in einer gekürzten Fassung angehört und dabei versucht herauszufinden, was damals im September 1938 in München geschah. ->> Das Hörbuch Das Hörbuch wurde in der gekürzten Lesung auf sechs Audio-CDs mit 7 Stunden und 58 Minuten Laufzeit gepresst. Die vollständige Lesung dauert hingegen etwa 2 Stunden 30 Minuten länger, wobei ich persönlich mit knapp 8 Stunden schon genug bedient bin. Schön wäre es gewesen, wenn die Geschichte auf einem MP3-Datenträger ausgeliefert worden wäre, da es für mich als Medienserver-Nutzer so deutlich einfacher gewesen wäre, das Hörbuch auf meinem Smartphone mitzunehmen. So musste ich die CDs erst einmal rippen um sie komfortabler verwalten zu können. Aber eigentlich brauche ich an dieser Stelle nicht meckern, denn Random House Audio haben ihre Hausaufgaben bereits gemacht und liefern immer mehr Hörbücher auf CDs im MP3-Format aus. Vielleicht gibt es ja auch von “München” eines Tages eine Neuauflage im moderneren Gewand. ->> Der Erzähler In “München” erzählt Frank Arnold die Geschichte um Hitler und der verzweifelt Kampf einer Widerstandzelle gegen den drohenden Krieg. Der in Berlin geborene Dramaturg hat bereits so einige Hörbücher und Hörspiele aufgenommen, allerdings kannte ich seine Stimme tatsächlich nur aus dem Hörbuch “Dictator”, dessen Romanvorlage ebenfalls von Robert Harris verfasst wurde. Ich muss zugegeben, ein riesiger Fan werde ich wohl von Frank Arnold nicht werden. Insgesamt liefert er eine gute Leistung ab, dennoch ist mir seine Stimme irgendwie ein wenig zu langweilig. Ich bin oftmals in Gedanken einfach abgedriftet, was natürlich für ein Hörbuch mit sehr starkem politischem Hintergrund fatale Folgen haben kann. Plötzlich tauchen Protagonisten auf, von denen man bis zu diesem Zeitpunkt überhaupt nichts mitbekommen hat, aber wohl schon länger in der Geschichte behandelt wurden … wer kennt das nicht? ;-) ->> Fazit Was an der ganzen Geschichte sehr spannend ist, man erlebt “München” aus einer Perspektive, in der es auf jeden Fall noch möglich ist, den drohenden zweiten Weltkrieg im letzten Moment noch irgendwie zu verhindern. Wer den Geschichtsunterricht in der Schule nicht ganz verschlafen hat, weiß natürlich, wie diese Anstrengungen gefruchtet haben und die Geschichte letzten Endes ausging. Und genau das ist irgendwie das spannende an diesem Polit-Thriller. Wobei Thriller jetzt meiner Meinung nach auch nicht unbedingt die richtige Genre-Bezeichnung ist, dafür beginnt die Geschichte irgendwie ein wenig zu langsam. Sehr ruhig werden die Hauptprotagonisten in der Geschichte eingeführt, wobei ich mir hier vorstellen kann, dass die gekürzte Fassung des Hörbuchs bereits einiges an Hintergrund-Fakten zu den Hauptpersonen, einen Übersetzer im auswärtigen Amt der Reichsregierung, Paul von Hartmann und den ihm aus seinen Jugendjahren bekannten Engländer Hugh Legat, seines Zeichens Sekretär, der Schere zum Opfer gefallen sind. Das besonders am Anfang eher träge Tempo erschwert den Zugang zur Geschichte ein wenig, allerdings wird gerade dadurch teils sehr interessantes Geschichtswissen erstklassig recherchiert und aufbereitet vermittelt. Besonders beeindruckend fand ich die Sorglosigkeit der Londoner Bürger, zum Beispiel Hugh Legats Frau, die ihrem Mann beim Mittagessen mal eben so mitteilt, dass sie endlich Gasmasken für die Kinder besorgt hat. Wenn man sich das mal so überlegt, kurz vor dem zweiten Weltkrieg muss schon eine seltsam aufgeladene Atmosphäre in der Luft gelegen haben. Man bereitet sich auf einen Krieg vor, glaubt aber irgendwie nicht so recht daran und legt eine gewisse Art Galgenhumor an den Tag. Während nun Chamberlain, bis 1940 Premierminister des vereinigten Königreichs, Mussolini und Hitler sich in München zu einer Konferenz treffen, um den ziemlich angeschlagenen Weltfrieden wieder ein wenig zu kitten, beginnt dort auch das gemeinsame Wirken von Legat und von Hartmann, der beiden fiktiven Figuren in einem politischen Spiel, welches nicht realer sein könnte. Von Hartman hat sich einer Widerstandszelle angeschlossen, die die Offenlegung Hitlers Machenschaften und dessen Tod als obersten Punkt ihrer Agenda führt. Doch von Hartmann schafft dies nicht allein und benötigt dringend die Hilfe Legats, um den Kontakt zum englischen Premierminister herzustellen und damit dem deutschen Diktator das Wasser abzugraben. Legat sieht aber zuerst nur seine Karriere in Gefahr und wägt die Konsequenzen für sich und seine Familie ab. Bis er Lena wieder trifft… Auch wenn das Hörbuch ein paar unnötige Passagen aufweist, weiß es meistens doch ganz gut zu unterhalten. Man merkt durchaus, das Robert Harris sehr viel Zeit in die Recherche gesteckt hat. Wobei es natürlich auch sein kann, dass er noch ein ordentliches Repertoire an Informationen besaß, welches er möglicherweise in seinem damaligen Bestseller “Vaterland” nicht verwenden konnte. Auf jeden Fall lässt Harris in “München” die Geschichte kurz vor Hitlers Einmasch in die Tschechoslowakei lebendig und nachvollziehbar werden und weiß auch mit den beiden fiktiven Hauptprotagonisten gut zu unterhalten. Von Hartman und Legat tragen meiner Meinung nach die Geschichte sehr gut und man fiebert stellenweise wirklich mit, ob denn die Pläne der beiden nicht vielleicht doch noch irgendwie aufgehen. Aber wie es endet, zeigt der schulische Geschichtsunterricht … Abschließend fehlt dann eigentlich nur noch die Wertung. Abzüge gibt es für die wenigen Längen, ohne die es ein hervorragendes Hörbuch hätte werden können. Zwar ist der Erzähler Frank Arnold nicht so ganz mein Fall, aber ich Insgesamt gesehen vergebe ich dann doch 4 von 5 Couchpiraten für diesen politisch motivierten Thriller.

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Stellt euch vor ihr sitzt in einem Restaurant, schaut aus dem Fenster und seht plötzlich wie draußen schon die Splittergräben ausgehoben werden...für einen Krieg, der wohlmöglich kurz bevor steht. So ergeht es dem Hauptdarsteller Legat, der für das englische Außenministerium arbeitet. Der Geschichtsthriller von Robert Harris basiert auf das Münchener Abkommen, welches 1938 von den Großmächten England, Frankreich, Italien und Deutschland unterzeichnet wurde. Hätte mir gewünscht, damals in der Schule  statt oftmals langweiliem Unterricht solch  ein Buch gelesen zu haben. Eine bessere  Grundlage für eine abwechslungsreiche unterhaltsame Geschichtsstunde kann man  sich nicht wünschen. Interessant finde ich, dass Harris oft  erwähnt wie wichtig doch die Leistung des Übersetzens und Dolmetschens ist. Auch wird überhaupt die Anstrengung, die mit politischen Verhandlungen einhergehen sehr gut an der Person von Chamberlain dargestellt. Wie erschöpft dieser ist wird in zahlreichen Szenen erwähnt. Um den Weltfrieden zu retten reisen Legat  als Privatsekretär Chamberlains, sein  einstiger Studienkollege Hartmann aus dem  Auswärtigen Amt sowie Premierminister Chamberlain nach MÜNCHEN.  Im Führerbau angekommen, werden die Verhandlungen und Treffen mit Hitler so authentisch dargesellt, dass der Leser das Gefühl hat neben den Personen zu stehen.  In jeder Hinsicht ist dieses packende Werk empfehlenswert. Für Leser die eine Geschichte mit hervorragend  ausgearbeiteten Spannungsbogen und lehrreicher Hintergrundinformation über geschichtlich-politische Zusammenhänge die zum Zweiten Weltrieg führten zu schätzen wissen, ist deses Buch eine  kluge und bereichernde Lektüre.

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Could the Second World War have been avoided?! ~ The Munich Agreement The historical thriller Munich based on the Munich Agreement was signed by the Great Powers England, France, Italy and Germany. It is very well shown in the book that the Czechs were excluded from the negotiations, although the contract was about their state: a humiliation. What I like very much is when the two special trains of Germany and Italy arrive at Kufstein, Austria. The scenes on the train during the journey as well as the meeting afterwards at the station is described brilliantly as you can already feel the tension and nervous atmosphere increasing gradually among the different parties. If I had had such a great book to read once at school I would have been thankful. I could not imagine a better historical knowledge basis for an entertaining History lesson! With the brilliant presentation of the political problems during the time of the Third Reich Robert Harris wants to emphasize that Hitler wanted a war by all means. To be exact, he wanted a war of conquest! The policy of appeasement intended by Chamberlain, who wanted peace in any case was highly esteemed by his people. Furthermore the Author does a great job in describing how phisically exhausting the challenging duties of a politician are. Moreover we can learn how different persons rely on each other when they have to work out difficult political tasks. The author shows how essential efforts of a translator and interpretor are. The politicians depend on these people because if they do not translate properly there can be misunderstandings which lead to possible awful results. The do-gooders of the plot are Prime Minister Chamberlain as well as his private secretary Legat who works for the Department of Foreign Affairs. In all respects the book has an excellent arc of suspense and presents informative background information about historical coherence regarding the reasons that lead to the Second World War. For that reason it is a smart and enriching reading experience.

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Bisher kannte ich nur “Ghostwriter” des Autors. 2016 erschien “Konklave”, mit diesem Buch wurde ich überhaupt nicht warm. Das lag aber nicht aber Thema sondern an der Umsetzung des Autors. Gestern habe ich endlich “München” zu Ende gelesen. “München” fiel mir eigentlich nur, da ich München zu meinem Lieblingsstädten gehört. Manchmal wäre es gut, wenn ich Vorbestellen den Klappentext lese.. Ehrlich gesagt, fällt es mir ein wenig schwer, diese Rezension zu schreiben und es mittlerweile mein dritter Versuch. Ich habe mich während des Lesen gefragt, wer diesem Buch den “Politthriller” Stempel verpasst hat. Wir schreiben das Jahr 1938, Hitler ist an der Macht und will das Sudentenland annektieren. Um einen Krieg zu verhindern macht sich Chamberlain, Daladier und Mussolini auf dem Weg nach München, um dort das “Münchner Abkommen” zu unterzeichnen. Bis Chamberlain sich auf den Weg nach München macht, vergehen leider mehr als 180 Seiten. Erzählt wird die Handlung aus der Sicht der fiktiven Personen von Hartmann und Hugh Legat. Legat und von Hartmann kennen sich aus Cambridge, haben sich aber aus den Augen verloren. Von Hartmann hat Daten, die er seinen ehemaligen Freund Hugh zuspielen will. Während Legat Familienvater ist, blieb von Hartmann Single. man erfährt, wie Paul und Hugh, die unterschiedlicher nicht sein können, Freunde wurden. Ein zeitlang war auch Lena ein Teil des Freundeskreises. Im Verlauf zeigt Paul Hugh das Konzentrationslager Dachau, gemeinsam besuchen sie Lena, die schwerkrank ist, in einem Heim. Das waren die seltenen Augenblicke in denen sich das schriftstellerische Potential des Autors erkennen lässt. Doch diese Augenblicke sind sehr selten und immer wenn es ein bisschen spannend wurde, verliert sich der Autor in Ausschweifungen, die ich überhaupt nicht gebraucht hätte. “München” ist alles andere als ein spannender Politthriller. Für mich war es ein gut interessanter historischer Roman. “München” liest sich leider sehr schwerfällig und mir haben die Thriller Elemente gefehlt. Bis auf ein paar Ausnahmen passiert einfach zu wenig. Es ist kein Buch, das man unbedingt gelesen haben muss.Ich wollte das Buch mehrfach abbrechen, doch dann las ich die ersten 180 Seiten und irgendwie war ich doch neugierig, ob es doch noch spannend wird.

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INHALT: September 1938 – in München treffen sich Hitler, Chamberlain, Mussolini und Daladier zu einer kurzfristig einberufenen Konferenz. Der Weltfrieden hängt am seidenen Faden. Im Gefolge des britischen Premierministers Chamberlain befindet sich Hugh Legat aus dem Außenministerium, der ihm als Privatsekretär zugeordnet ist. Auf der deutschen Seite gehört Paul von Hartmann aus dem Auswärtigen Amt in Berlin zum Kreis der Anwesenden. Den Zugang zur Delegation hat er sich erschlichen. Insgeheim ist er Mitglied einer Widerstandszelle gegen Hitler. Legat und von Hartmann verbindet eine Freundschaft, seit sie in Oxford gemeinsam studiert haben. Nun kreuzen sich ihre Wege wieder. Wie weit müssen sie gehen, wenn sie den drohenden Krieg verhindern wollen? MEINUNG: Robert Harris ist ein Autor, von dem ich unbedingt mal etwas lesen wollte. Ich schaue sehr gerne mal Politthriller und wollte es gerne mal mit einem Buch in diese Richtung probieren. Der Roman befasst sich mit dem Münchner Abkommen, welches am 29. September 1938 zwischen Hitler, Chamberlain. Daladier und Mussolini geschlossen worden ist. Dieses Abkommen bestimmte, dass die damalige Tschechoslowakei das Sudetenland an das ehemalige Deutsche Reich abtreten musste. Sowohl die Tschechoslowakei als die Sowjetunion waren allerdings bei diesem Treffen nicht dabei. Das Buch wechselt immer wieder zwischen den Sichten von Hugh Legat und Paul von Hartmann. Man spürt die Beklommenheit auf englischer Seite. Chamberlain möchte unbedingt einen Krieg verhindern. Legat und von Hartmann sind fiktive Charaktere. Das Treffen der Herren ist wirklich geschehen und der Personenkreis um die Regierungschefs existierte z.T. auch wirklich, aber die sonstige Handlung ist aus der Feder von Robert Harris gesprungen. Dennoch hält er sich sehr nah an die Fakten. Man hat das Gefühl, dass quasi jedes wichtige Dokument aus dieser Zeit ausgespürt und dieses in dem Roman verarbeitet hat. Dieser Bürokratismus ist zwar wichtig für das Ereignis, hat mich aber dann doch sehr ermüdet. Der Personenkreis ist auch sehr groß. Ich hatte große Mühe, die zu großen Teilen nur aus Männern bestehenden Nebencharaktere auseinander zu halten. Mir sagten die Namen auch alles nichts. Ich habe nebenbei immer gegoogelt, um mich ein bisschen vertrauter mit den Herren zu machen. Dennoch wäre ein Personenverzeichnis wirklich hilfreich gewesen, denn man erfährt zwar die Funktionen der Männer, aber sonst bleiben sie recht farblos und so auch weniger Gedächtnis. Die Handlung schleicht so 200 Seiten vor sich hin bis sich die Delegation dann endlich auf den Weg nach München macht. Das Buch hat nur gute 400 Seiten. Es tut dem Ablauf nicht gut, wenn auf der Hälfte eigentlich nichts Nennenswertes passiert, aber ich habe auf den zweiten Teil gehofft. Ich habe weitere 300 Seiten gelesen, die minimal spannender waren, weil sich auch endlich Legat und von Hartmann wieder begegnen. Auch der Widerstand gegen Hitler auf deutscher Seite hätte Spannungspotential haben können, aber auch das wurde nicht ausgeschöpft. Man führte eher steife Gespräche. Nach 300 Seiten habe ich das Buch dann abgebrochen, weil es einfach nicht mehr ging und es mich auch einfach nicht mehr interessiert hat. FAZIT: Mein erster Harris war jetzt leider nicht von Erfolg gekrönt. Leider konnte mich das Buch überhaupt nicht überzeugen, geschweige denn mitreißen. Mir fehlten hier schlichtweg die Spannung und der Sog, der mich die Geschichte hätte weiterverfolgen lassen. Trotzdem bekommt Robert Harris nochmal ein Chance. Ich vergebe 2 von 5 Sternen.

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Wenn es darum geht, aus historischen Fakten und/oder Persönlichkeiten interessante Romane zu kreieren, dann ist man bei dem englischen Autor Robert Harris an der richtigen Adresse. Ganz gleich, ob er die Lebensgeschichte des römischen Konsuls Cicero oder, wie in seinem neuesten Roman, die Ereignisse rund um das Münchner Abkommen von 1938 beschreibt. Das Ergebnis liefert dem historisch interessierten Leser immer eine nicht nur informative sondern auch unterhaltsame Lektüre, die es schafft, auch aktuelle politische Strömungen und Ideen in diesem fiktionalen Rahmen zu verarbeiten. In Harris‘ aktuellem Roman „München“ geht es um nichts weniger als den Weltfrieden. Deutschland rasselt mit dem Säbel, Europa befindet sich an der Schwelle zu dem nächsten großen Krieg, weshalb sich Großbritannien, Italien, Frankreich und Deutschland – vertreten durch Chamberlain, Mussolini, Daladier und Hitler – auf Initiative des britischen Premiers in München treffen, um das Unheil abzuwenden und die weitere Vorgehensweise zu besprechen. Hitlers Begehr ist das Großdeutsche Reich, und darum möchte er sich die nach dem Ersten Weltkrieg verlorenen Territorien zurückholen. Sein Expansionsdrang geht Richtung Osten, konkret möchte er sich das Sudetenland zurückholen, am liebsten mit Waffengewalt. Und genau das gilt es, mit aller Kraft und sämtlichen Tricks zu verhindern. Soweit die historisch verbürgten Tatsachen, auf die sich Harris in seinem Roman stützt. Fiktion sind die beiden vom Autor hinzugefügten Protagonisten: Hugh Legat (Brite und Privatsekretär Chamberlains) und Paul von Hartmann (Deutscher und Mitarbeiter des Auswärtigen Amts). Sie kennen sich von früher und waren befreundet. Und vielleicht können die beiden über ihre persönlichen Beziehungen den Lauf der Weltgeschichte beeinflussen… Dass dem nicht so war, ist ja hinreichend bekannt, und dennoch lockert gerade dieses fiktionale Element das stellenweise sehr trocken erzählte Prozedere der Konferenz auf und sorgt gleichzeitig durch die thematisierte Septemberverschwörung für eine minimale Dosis Dramatik. Dennoch bleibt dieser Roman doch hinter meinen Erwartungen zurück. Harris hat zwar wie immer gut recherchiert, aber im Großen und Ganzen ist mir das Ergebnis zu langatmig, zu detailverliebt, zu bedächtig – es fehlen die entsprechenden Verwicklungen, die ich von einem spannenden Politthriller erwarte.

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