Leserstimmen zu
Den Absprung wagen

Fabian Hambüchen

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Fabian Hambüchen hat mich seit der Olympiade 2004 immer wieder mächtig beeindruckt. Da ich früher selbst geturnt habe, konnte ich mir gut vorstellen, wie er sich gefühlt haben muss, wenn er z.B. mitten im Turnier vom Reck gekracht ist. Deshalb habe ich dieses Buch mit großem Interesse zu lesen begonnen. Den Anfang fand ich etwas anstrengend, weil er sich da ausgerechnet von einer recht unsympathischen Seite zeigt. Aber gerade für diesen Mut, so ehrlich zu sein, habe ich großen Respekt vor ihm. Je länger ich gelesen habe, desto mehr hat mich sein Lebenslauf berührt. Als er gegen Ende von seiner letzten Olympiade 2016 erzählt, hatte ich Tränen in den Augen und musste das Buch für eine Weile weglegen, weil ich so mitgefiebert und mitgefühlt habe, obwohl ich doch schon längst wusste, wie die Sache endet.

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Sportler aus Randsportarten fristen in Deutschland traditionell ein Schattendasein. Aber ab und zu schafft es doch einer ins Rampenlicht. Meist aufgrund einer Kombination aus Spitzenleistung, auffälligem Charakter (oder super gutem Aussehen) und „zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein“. So in etwa hat es sich auch bei Fabian Hambüchen zugetragen, der in Deutschland selbst bei Menschen, die sich zum letzten Mal im Schulunterricht über ein „Pferd“ gequält haben, ein Begriff sein sollte. Hambüchen hat früh sein außergewöhnliches Talent aufblitzen lassen und wurde direkt bei seinen ersten olympischen Spielen 2004 als sehr junger Sportler wegen seiner auffälligen „Harry-Potter-Brille“ zum Star. Ich selbst bin schon seit Kindertagen Kunstturnanhänger (ähnlich wie beim Eiskunstlaufen vor allem von der sowjetischen/russischen Schule) und habe mir von Hambüchens Buch einen Einblick in seinen Trainingsalltag, seine Höhen und Tiefen in Wettkämpfen und sein Privatleben erhofft. Dieser Wunsch hat sich nicht in allen Teilen erfüllt, „Den Absprung wagen“ habe ich trotzdem sehr gerne gelesen. Anders als erwartet war z.B., dass die Zeit vor Hambüchens letztem olympischen Zyklus nur eine untergeordnete Rolle spielt. Er konzentriert sich stark auf die Vorbereitung auf seinen finalen großen Wettkampf in Rio 2016. Wenn man bedenkt, dass er 2010 bereits eine Biografie veröffentlicht hat, ein logischer Schritt. Außerdem sind diese vier Jahre nach den Spielen 2012 in London auch besonders spannend, denn in dieser Periode hatte er mit großen Verletzungsproblemen und Zweifeln zu kämpfen. Genauso überraschend war für mich die große Rolle, die das Thema Sportpsychologie in „Den Absprung wagen“ gespielt hat. Aber auch das entbehrt nicht einer gewissen Logik, schließlich wurde Hambüchen jahrelang intensiv von seinem Onkel betreut und strebt mittlerweile selbst in Richtung „Coaching“. Vielleicht kommt bei diesem Thema der begeisterte „Bunte“-Leser in mir durch, aber ich finde die privaten Details in Biografien immer extra interessant. Und da wartet Hambüchen mit ein paar „Spitzen“ gegen einen ehemaligen Nationalmannschaftskameraden auf, der sich recht leicht als Philipp Boy identifizieren lässt. Hier gelingt es ihm sehr gut, die Balance zwischen „ich sage meine Meinung“ und „schmutzige Wäsche waschen“ zu halten. Trotz der Differenz zwischen meiner Erwartungshaltung und dem tatsächlichen Inhalt ist „Den Absprung wagen“ für mich eine gelungene Sportlerbiografie. Hat sie mir doch einen tieferen Einblick in das Seelenleben und den Tagesablauf eines weiteren Spitzensportlers gegeben. Gerne mehr davon.

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Auch in diesem Buch beschreibt Fabian Hambüchen Teile seines Lebens, die dem Sport zugewandt sind. Allerdings beschreibt er hier diesmal hauptsächlich seine Tiefpunkte. Tiefpunkte, die von Verletzungen herrühren. Tiefpunkte, die ihn nahe, sehr nahe, an die Aufgabe gebracht haben. Momente, in denen er seinen Vater für alles verflucht und gehasst hat, was dieser ihm versucht hat zu vermitteln. Momente, in denen er ihn doch nötiger an seiner Seite gebraucht hat, als jeden anderen Menschen. Ich habe den Gewinn der Goldmedaille natprlich verfolgt, habe mit ihm und all den anderen Sportlern mitgefiebert. Ich fand es wirklich gut, einfach einmal zu lesen, wie der Turner selbst diese Momente erlebt. Vor einem Wettkampf, nach einem Wettkampf und auch mitten drin. Ich finde in diesem Buch kam es noch weitaus besser rüber, was Fabian empfunden hat. Auch das mentale Training findet in diesem Buch seinen Platz, welches Fabian sehr geholfen zu haben scheint. Seine Sicht der Dinge hat nochmal ein anderes Licht auf die Welt des Turnes geworfen und ich habe wirklich Respekt vor der Leistung, die diese Männer und Frauen nicht nur bei Wettkämpfen, sondern auch beim Training aufbringen müssen. Wer sich für das Thema interessiert und auch mal einen Blick hinter die Kulissen der Öffentlichkeit werfen möchte, ist mit diesem Buch wirklich an einer richtigen Adresse.

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