Leserstimmen zu
Das Modehaus - Töchter der Freiheit

Julia Kröhn

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Vorsicht - Spoiler! Das Frankfurter Modehaus König wird von drei Generationen Frauen der Familie König begleitet, teilweise geführt und geprägt. Fanny will in den 1920er Jahren allerdings lieber in Paris Modeschöpferin werden, wird stattdessen Mannequin und kommt ihr Leben lang nicht über die Fehlentscheidungen dieser Jahre hinweg. Fehlentscheidungen ist ein Wort, dass für die beiden kommenden Generationen, Lisbeth in den Jahren nach dem 2. Weltkrieg und ihre Tochter Rieke zu Beginn der 1970er ebenso prägend ist. Gemeinsam haben die Frauen aus drei Generationen, dass sie versuchen, den passenden Weg aus Unterordnung und eigenen Lebensweg zu finden. Im Klappentext steht “Die Frauen der Familie König sind auf der Suche nach Glück, Inspiration – und dem perfekten Kleid.” Am Ende finden sie alle drei einen Weg, der für sie jeweils passt. Den Untertitel Töchter der Freiheit verstehe ich nicht. Auch wenn es primär um die 1920er und die Zeit nach 1945 geht, habe ich die Freiheit beim Lesen nicht gespürt, viel mehr Bedrückung. Es ist für mein Empfinden kein fröhliches Buch, allerdings auch kein rührseliges – eher lebensrealistisch. Wenn die Welt um einen zusammenbricht, Männer an Körper und Seele kaputt aus dem Krieg wiederkehren oder in den 1970ern ihre Frau lieber am Herd beim Kind als in der Geschäftsleitung des Familienunternehmens sehen wollen, kann einem als Frau der Spaß dabei schon mal vergehen. Den Rahmen der Geschichte bildet ein Brief, den Lisbeth an eine Anverwandte in den USA schreibt, die sich nach der Familiengeschichte erkundigt. Die Erzählung springt kapitelweise zwischen den Jahren und den drei Frauen hin und her. Über den Kapiteln steht nur die Hauptfigur und das Jahr, in dem es spielt, zum Beispiel FANNY 1914 oder LISBETH 1949. Das erleichtert das Eindenken in die jeweilige Perspektive. Was das Springen zwischen den Schauspielplätzen und Personen aber wiederum für mich schwierig gemacht hat, war die Überschneidung der Geschichten der Personen. Bei FANNY 1925 ist Lisbeth ein Kind. Im direkt folgenden Kapitel LISBETH 1949 ist Lisbeth erwachsen und Rieke ein Kind. Wobei Rieke vorher schon als Erwachsene in eigenen Kapiteln aufgetaucht ist. Ich konnte der Geschichte folgen, fand das aber streckenweise mühsam. Fazit Ein Frauenroman für Leserinnen, die gerne Bücher lesen, die über mehrere Generationen hinweg spielen und sich für die Entwicklung der Rolle der Frauen in der deutschen Gesellschaft aus der Perspektive der Frauen interessieren.

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Da ich Julia Kröhn an ihrer Lesung in Leipzig mit ihrem Buch "Das Modehaus" gehört hatte, war ich sehr gespannt. Julia Kröhn hat viel über den Schreibprozess erzählt und auch über die verschiedenen Modestile. Dabei hat man bemerkt, dass die Autorin sich sehr mit der Mode in den verschiedenen Epochen auseinandergesetzt hat. Das Buch mit dem wunderschönen Cover macht dann zusätzlich neugierig. Die Geschichte um drei Frauen während hundert Jahren ist interessant. Sehr detailreich erzählt die Autorin die Umgebung und man merkt, dass sie in Frankfurt zu Hause ist. Sie beschreibt die Winkel und Gassen sehr anschaulich. Als Leser fühlt man sich sehr nah beim Geschehen, was vor allem in der Kriegszeit sehr eindrücklich aber hart ist. Die drei Generationen von Frauen werden authentisch beschrieben. Jede Generation hat ihre eigene Familie und Freunde, Stärken und Schwächen und Probleme. Zudem kommt bei jeder Generation eine andere gesellschaftliche Struktur zum Zuge. Dies ist zwar sehr interessant zum Lesen, jedoch war dies für mich auch etwas schwierig. Die Kapitel sind jeweils mit dem Namen gekennzeichnet, so dass man als Leser jeweils weiss, in welcher Geschichte man sich befindet. Da es aber drei ganze Geschichten waren, inklusive Familien/Freunde etc., musste ich mich manchmal sehr anstrengen, dass ich nichts durcheinander brachte. Nichts desto trotz ist der Roman um das Bekleidungsgeschäft sehr gelungen. Es ist ein Buch, welches die Frau in den Mittelpunkt stellt. Die Männer sind zwar dabei, bleiben aber Nebendarsteller. Die Nebendarstellerin Alma wuchs mir richtiggehend ans Herz und ich freute mich jeweils sehr, wenn sie wieder irgendwo auftauchte. Auch gefiel mir die Ganze Geschichte der Mode. Der Wandel wurde gut recherchiert und interessant wiedergegeben.

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3 Zeiten 3 Generationen

Von: hope23506

15.04.2019

Schon der Klappentext hat mich unheimlich neugierig auf diese Geschichte gemacht. Ich bin auch recht gut in das Buch gestartet. In den Kapiteln wechseln sich immer die Geschichten der einzelnen Generationen ab, was es mir sehr leicht machte, die Personen einzuordnen und zu erleben. Den Schreibstil fand ich grandios. Das Buch lässt sich flüssig lesen und ist sehr bildhaft geschrieben. Besonders die Stärke und der Kampfgeist der Frauen tritt hier besonders in der Vordergrund. Jede für sich hatte es nicht leicht und musste kämpfen. Man hat beim Lesen auch erkannt, wie genau und detailverliebt die Autorin recherchiert hat. Gesellschaftliche Ereignisse wurden ebenso in die Geschichte verflochten wie auch die Rolle der Frau zu der jeweiligen Zeit. Leider konnte ich keine Beziehung auf emotionaler Seite zu den Charakteren aufbauen. Mir fehlte ein bisschen die Gefühle, wodurch alle drei Frauen für mich sehr unnahbar wirkten. Trotzdem sehr interessant und lebensnah geschrieben. Mich konnten die Schicksale, abgesehen von der Unnahbarkeit der Protagonisten, doch berühren, was sicherlich auch an den Umständen der jeweiligen Zeil liegen mochte. FAZIT: Interessant und abwechslungsreich, aber leider zu wenig Emotionen und unnahbare Charaktere.

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Das Modehaus führt uns in drei Zeiten und wir begleiten drei Frauen. Einmal Fanny, die es kurz nach dem ersten Weltkrieg nach Paris zieht, um dort als Modeschöpferin zu arbeiten, da ihr daheim die Unterstützung fehlt. Dann Lisbeth, die nach dem Krieg versucht das Modehaus König wieder aufzubauen und nach dem Krieg wieder neu anzufangen. Und zu guter Letzt ihre Tochter Rieke, die sich Anfang der siebziger Jahre plötzlich mit der Leitung des kurz vor dem Konkurs stehenden Modehauses beschäftigen muss. Allen dreien werden immer wieder Steine in den Weg gelegt und alle drei müssen sich klar werden, was sie aus ihrem Leben machen wollen. Dabei sind die drei sehr verschieden. Fanny widersetzt sich den Konventionen und bricht aus, wohingegen die beiden anderen auf ihre Weise ihr Leben so leben, wie es von ihnen erwartet wird. Beide wagen den Ausbruch aber nur eine von beiden bekommt am Ende ihre Wünsche und die Erwartungen der Anderen unter einen Hut. Das Buch zeigt sehr deutlich die Einschränkungen, unter denen die Frauen des letzten Jahrhunderts lange zu leiden hatten. Die Freiheit selbst über sich und ihr Leben zu entscheiden blieb den meisten Frauen verwehrt. Entweder durften sie von Staats her nicht arbeiten, oder weil der Mann es nicht wollte. Oder aber sie durften arbeiten, aber nur zu den Bedingungen der Männer. Julia Kröhn ist es gelungen die Zeiten farbig einzufangen. Man sieht die Bilder vor Augen, Frankreich und Italien in den Zwanzigern, das zerbombte Frankfurt nach dem Krieg und das wiederauferstandene Frankfurt in den Siebzigern. Auch die gesellschaftlichen Gegebenheiten sind toll wiedergegeben. Wie die Frauen nach den Kriegen anpackten und wie es in den Siebzigern absolut unüblich war, als Ehefrau und Mutter arbeiten zu gehen. Und wie gleichzeitig über Abtreibung und die richtige Form des Feminismus diskutiert wurde. Das Buch wird nicht chronologisch erzählt, es wechselt immer zwischen den Geschichten von Fanny, Lisbeth und Rieke. So fügt sich das Gesamtbild der Familie auch erst ganz am Ende zusammen. Insgesamt hat mir das Buch gut gefallen, allerdings bin ich mit den drei Frauen nicht wirklich warm geworden. Dafür waren sie mir alle drei zu spröde und gefühlsarm. Die durchaus vorhandenen Gefühle werden regelmäßig unterdrückt und verleugnet. Glücklich ist keine der drei damit. Am nächsten ist mir am Ende doch Rieke gekommen, wahrscheinlich weil es der einzige Teil ist, der in der Ich-Form geschrieben ist. Alles in allem war es ein schönes Buch, das mich aber emotional nicht so richtig packen konnte.

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Die Autorin, in Österreich geboren, lebt schon viele Jahre am Schauplatz ihres neusten Romans, der Stadt Frankfurt am Main. Und dies merkt man der Geschichte von Anfang an an – sei es durch das eindrückliche Beschreiben des glühenden Mains oder die verschiedenen Winkel der Stadt, in die uns die Protagonisten mitnehmen. „Das Modehaus“ handelt von drei Geschichten – drei Generationen (Großmutter Fanny, eine Rebellin der 20iger; Mutter Lisbeth, die kreative Überlebenskünstlerin der 50iger; Enkelin Rieke, berufstätige Mutter der 70iger) – die auf den ersten Blick so unterschiedlich erscheinen, aber letztendlich doch an einem Strang ziehen. Julia Kröhn zeigt uns auf interessante, aber leider auch ziemlich anstrengende Weise das Leben in diesen drei Jahrzehnten, die immer auch das darauffolgende geprägt haben. Die Aufbruchstimmung der 20iger, in welchem auch die Frauen Schritt für Schritt den Spaß entdecken; daraus entstehen selbständige, starke Frauen der 50iger, die im Krieg die Familie ernähren, Kriegsrückkehrer auffangen und das Land neu aufbauen müssen und nicht zuletzt die bunten Hippie-70iger mit dem Kontrast zwischen der suchenden, sich ausprobierenden Generation und den Familienmenschen, die das Glück im Altbewährten finden... eine spannende Reise, die gekonnt von der Autorin beschrieben wird. Viele Geschehnisse spielen sich beim Lesen vor meinem inneren Auge ab und den drei Protagonistinnen konnte ich größtensteils auch gut folgen... aber den einzelnen Kapiteln leider nicht! Das große Manko dieses Romans ist für mich das „Kapitel-Hopping“. Wir wechseln immer wieder von einer Generation zur nächsten. Und mir fiel es ehrlich gesagt nicht leicht, nach zwei anspruchsvoll zu lesenden Generationenkapiteln wieder zurück zur ersten zu finden... was bei einem Wechsel von 2 Ebenen noch recht einfach erscheint, wirkt für mich bei einem Wechsel zwischen 3 Ebenen störend und anstrengend – ein Stimmungskiller, der mich das Buch immer wieder weglegen ließ (eigentlich untypisch für mich, bin ich doch der „in-einem-Rutsch-Leser“). Dass ich dennoch bis zum Ende durchgehalten habe – und das Lesen des Endes lohnt sich! - ist wirklich der wunderbaren, bildlich anregenden Sprache der Autorin geschuldet, die ein spannendes Szenario geschaffen hat. Gerne würde ich diesen Roman als Verfilmung sehen... ein bisschen Anregung hierzu findet sich ja schon im Buchcover, welches gut und gerne als Filmcover durchgehen würde ;) Alles in allem ein inhaltlich lesenswerter Roman für den konzentrierten Leser; mit eingeschränkter Empfehlung aufgrund des Kapitel-Hoppings, aber mit Daumen hoch für die Geschichte der drei faszinierenden Frauen rund um das Modehaus in Frankfurt am Main.

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In dem Roman wird die Geschichte dreier Frauen erzählt, verbunden mit dem Modehaus der Familie. Dies geschicht über einen Zeitraum von einem guten Jahrhundert. Als Leser wird man zurückversetzt in die Zeit des Ersten und Zweiten Weltkriegs, wo sich vieles abspielt, was für die Handlung interessant ist. Fanny, Lisbeth, Rieke, in den jeweiligen Kapiteln erfährt man deren Geschichte. Beginnend 1914 mit Fanny, dann geht es mit Lisbeth 1944-1945 weier und nach einem großen Zeitsprung 1971 mit Rieke. Hauptsächlicher Handlungsort ist Frankfurt. Wer sich für Geschichte interessiert, wie es den Menschen im Krieg erging und was diese Zeit mit ihnen machte, fließt der historische Hintergrund rundum mit in die Handlung ein. Und ebenso Familiengeschichten. Zu Beginn muss ich aber sagen, man sollte sich für den Einstieg Zeit nehmen, um die einzelnen Protagonisten kennenzulernen. Dies kann schon nach den ersten drei Kapiteln sein, aber auch später. Eine kleine Auflistung der Kapitelfolgen nur mal kurz zur Info am Ende meiner Lesermeinung. Ich für mich habe ein gutes Drittel gebraucht, um richtig in die Geschichte hineinzuwachsen. Hiernach gewinnt das Buch schon an Stärke. Allerdings muss ich sagen, dass die Idee dieses Drei-Generationen-Romans gut ist, doch man hätte meiner Meinung das splitten sollen. Eine Zusammenfassung zum Inhalt ergibt sich nicht - siehe Klappentext. Anfänglich fand ich einen schlechten Zugang zu den Charakteren. Ich mochte Fannys Story. Dann wiederum Riekes Auftritt in Paris, als sie ihre Schwester Vera für einige Tage besucht, ziemlich überspannt, merkwürdig. Das Cover finde ich gelungen" Hier sieht man eine Frau der Zeit, bereit für den Aufbruch, m. E. um glücklich zu werden. Romane, die etwas bewegen, nämlich Erinnerungen an Vergangenes und dazu gehören eben auch die Art fiktiver Familiengeschichte verflochten mit historischem Hintergrund. Es ist gut die Vergangenheit zu kennen, um klar in die Zukunft zu schauen.

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Handlung: Frankfurt 1914 Fanny lebt in den goldenen Zwanzigern und hat große Pläne. Ihre Leidenschaft für Mode wurde ihr in die Wiege gelegt, hat doch die Mutter selbst einen Miederladen. Doch Fanny will Kleiderträume erschaffen, die der Frau Freiheit geben und sie weg von dem Korsett bringen. Klammheimlich verschwindet Fanny nach Paris, um sich dort ein Standbein als Modeschöpferin aufzubauen. Frankfurt 1946 Der Zweite Weltkrieg ist vorbei. Lisbeth kämpft nicht nur um das Überleben von sich und ihrer Familie, sondern will auch das Modehaus ihrer Eltern wieder aufbauen. Dazu findet Lisbeth besondere Ideen, wird erfinderisch und überwindet Höhen und Tiefen, trifft einen besonderen Menschen und am Ende wird ihre Welt auf den Kopf gestellt... Frankfurt 1971 Rieke führt ein zufriedenes Leben als Ehefrau, Mutter und Hausfrau. Ihr Bruder Martin leitet währendessen das Familienunternehmen, an dem auch Rieke sehr hängt. Bis Martin eine folgenschwere Entscheidung trifft und die Karten für Rieke neu gemischt werden. Sie steht vor der Entscheidung: die Liebe oder eine Karriere... Meinung: Das Cover gefällt mir wirklich gut, es spiegelt den Inhalt und die Themen des Romans ein Stück weit wieder. Im Vordergrund des Romans stehen drei starke Frauen mit einem Ziel, die gut durch die Dame auf dem Bild dargestellt werden. Anhand ihrer auffallenden Kleidung sticht sie stark ins Auge und zeigt ein Thema des Romans auf. Insgesamt finde ich die Farben stimmig und passend, es ist ein schönes Gesamtbild und gefällt mir. Es gibt drei Zeitstränge, in einem immer gleichen Wechsel reist man mit Fanny, Lisbeth und Rieke durch die Zeit, lernt sie kennen und lüftet mit ihnen Geheimnisse. Zu Beginn eines jeden neuen Kapitels steht der Name und eine Jahreszahl, wodurch es immer eine klare Abgrenzung zwischen den Zeiten gab. Es gibt einen interessanten Einstieg in den Roman, welcher erst ganz am Ende der Buches Sinn macht. Hier werden schon Geheimnisse angedeutet, die mit der Zeit gelüftet werden. Danach gibt es einen direkten Einstieg in die Handlung, welche stets spannend und angenehm geschildert wurde. Die Autorin Julia Kröhn nutzt eine leichte, gut und einfach verständliche Sprache, die den Roman zu einem Lesevergnügen werden lässt. Nicht nur die Mode, das Modehaus König, sondern auch ein roter Schal zieht sich wie ein Faden durch den Roman und tauchen immer wieder auf. Das war ein Detail, das mir wirklich gut gefallen, es hat die Geschichte an sich rund gemacht. Als Setting dient durchweg Frankfurt, allerdings zu verschiedenen Zeiten und somit auch zu verschiedenen Zuständen. Besonders bei Lisbeths Erzählungen wurde die Stadt ausführlich beschrieben und eindrucksvoll gezeigt, wie die Stadt nach dem Krieg aussah und wie das alltägliche Leben ablief. Im besonderen Mittelpunkt stehen die drei Damen und sie wurden wirklich genau und stark dargestellt. Lange Zeit habe ich besonders mit Fanny sympathisiert, ihre Erlebnisse und auch die Zeit der goldenen Zwanziger hatte für mich einen besonderen Reiz. Doch irgendwann ließ das leider für mich nach, Fanny wurde für mich zu unsicher und unentschlossen, sie hat sich häufig treiben lassen und ihr Leben nicht richtig in die Hand genommen. Genau das hat mich auch bei Rieke gestört, mit ihr wurde ich gar nicht richtig warm. Ihr Leben war zu sehr von anderen und auch von gesellschaftlichen Normen bestimmt, teilweise hatte ich das Gefühl, dass sie jeder in eine andere Richtung schieben wollte und sie dadurch ihre eigenen Wünsche und Bedürfnisse vergessen hat. Lisbeth war eigentlich durchweg die Stärkste und ich konnte sie nur durchweg für ihre Tatkraft, ihren Erfindungsreichtum und ihr Durchhaltevermögen bewundern. Als Charakter war sie etwas schwierig, sie war ein ernster und strenger Mensch, mit dem ich mich schwer getan habe. Sie hatte gefühlt nur sehr wenig Herzlichkeit und dadurch fiel es mir schwer, eine Bindung zu ihr aufzubauen. Fazit: Eine wirklich interessante Handlung mit Frauen, die auf den ersten Blick sympathisch wirken und tolle Charakter sind, aber auf Dauer eher schwierig werden und ihren ersten positiven Eindruck verlieren. Ansonsten finde ich, dass es geschickt gelöst wurde, wie sich die Geheimnisse und alle Probleme aufgelöst haben und alles rund wurde. Besonders gut gefallen hat es mir, wie immer der Zahn der Zeit getroffen wurde und die verschiedenen Jahrzehnte einfach und gut dargestellt wurden.

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Am liebsten hätte ich anfangs Jahr, gleich nachdem ich die die Vorgeschichte ausgelesen habe, im "Das Modehaus" weiter gelesen. Doch ich musste mich bis Februar gedulden. Als ich es endlich beginnen konnte, viel mir der Einstieg komischerweise schwer. Zum einen lag es sicher daran, dass ich nicht länger als 15 Minuten am Stück lesen konnte, da ich diesen historischen Roman die ersten Tage nur unterwegs las oder sonst kurz vor dem Schlafen als Bettlektüre. Für die meisten Kapitel braucht man 10 bis 15 Minuten und da hört man dann eher auf zu lesen, als spätabends noch ein neues Kapitel zu beginnen. Für das weit verbreitete Phänomen "nur noch ein Kapitel" fehlte mir ein wenig die Spannung sowie der Umstand, dass es in jedem Kapitel um eine der Frauen geht. Wenn man sich also gerade in das Leben der einen eingelesen hat, geht es mit der anderen im neuen Kapitel weiter. Zum andern lag es auch daran, dass man als Leser zwar weiss, dass das Modehaus König das Zentrum des Romans ist, aber wie die Leben oder das Schicksal der drei Generationen zusammen hängen bzw. auf was die Geschichte hinaus läuft, wird erst gegen Schluss ersichtlich. Mein Roman-Einstiegs-Problem wäre wahrscheinlich nicht aufgetreten, wenn die Geschichten chronologisch erzählt oder samt Vorgeschichte auf zwei Bände aufgeteilt worden wären. Aber das ist nicht so und deshalb empfehle ich allen Lesern, sich am Anfang der Lektüre ein bis zwei Stunden ungestörte Lesezeit zu gönnen, damit man von jeder Person mindestens zwei Kapitel lesen kann um richtig in die Story reinzukommen. Der Erzählstrang über Grossmutter Fanny beginnt 1914. Mutter Hilde ist Korsettschneiderin, Tante Alma eine Soufragette. Fanny ist fasziniert von neuen Kleiderformen, doch ihre selbstgeschneiderten Kleider finden keinen Anklang bei ihrer Mutter Hilde. Fanny liebt alles Französische, für Fanny ist das der Inbegriff der Modewelt. Als sie Georg König kennenlernt, scheint sie ihrem Wunsch näher gekommen zu sein. Zumindest gehört Georg ein Modehaus in Frankfurt, doch der erste Weltkrieg steht bevor und bald ändert sich alles. Fanny will Modeschöpferin werden, scheitert aber immer wieder. Sie hätte ich mir stärker vorgestellt. Ihr Leben war von Sehnsucht geprägt, doch ihr fehlte der Ehrgeiz und der Mut mehr aus ihrem Talent zu machen. Mutter Lisbeth's Erzählstrang beginnt während zur Zeit des zweiten Weltkriegs, um 1944 und berichtet wie Lisbeth alles möglich macht um ihren Kindern Rieke und Martin das Überleben einfacher zu machen und später das Modehaus wieder zu eröffnen. Lisbeth ist enorm kreativ, schneidert u.a. aus alten Regenschirmbespannungen Kleider. Ihr Leben war nicht einfach, sie musste viel entbehren und trotzdem war Lisbeth die Person, die ich am wenigsten mochte. Erst ganz am Schluss bekam sie von mir einige Sympathiepunkte. Ab 1971 spielt Tochter Riekes Teil. Als Riekes Bruder Martin das Modehaus abwirtschaftet, greift sie ein und übernimmt zum Erstaunen aller das Geschäft. Mutter, Ehefrau und Geschäftsfrau zu sein, war damals unüblich und es wird beschrieben mit welchen Vorurteilen sie zu tun hatte. Riekes Beginn in Paris fand ich nicht so geglückt, man lernt zwar die Figuren besser kennen, es hat aber keine Auswirkung auf das spätere Geschehen, es ging der Autorin wohl mehr um das Verständnis der damaligen Mode- und Musikkultur. Die Geschichte des Modehauses ist eng an die drei Frauen gebunden. Neben dem Modehaus bildet ein roter Schal den roten Faden durch den 529 Seiten langen Roman. Die Männer der Frauen tragen zwar viel zum Schicksal der weiblichen Familienlinie bei, sind aber immer nur Nebencharaktere. Stattdessen zeigt die Autorin weitere mögliche Frauenschicksale auf, in den Figuren von Tante Alma, Frieda, Klara, Alice, Vera und Ute. Insbesondere Alma und Klara fand ich gelungen - ich freute mich immer, wenn die zwei wieder in einem der Kapitel auftauchten. Ganz stark sind die vielfältigen Informationen, natürlich passend zur jeweiligen Zeit, die Julia Kröhn hervorragend recherchiert und in die Geschichte eingewebt hat. Für mich war zum Beispiel neu, dass in den 70ern Männer die Arbeitsstelle ihrer Ehefrauen kündigen konnten. Die Probleme des Modehauses König über die Jahrzehnte hinweg sind nachvollziehbar. Was in den 70ern das Problem mit den Versandhäusern, ist heute wohl der Onlinehandel. "Das Modehaus" ist kein Pageturner, dafür abwechslungsreich, anschaulich und trotz aller Dramatik humorvoll geschrieben. Fazit: Vielfältiger und mit interessanten Infos gespickter Familienroman über die Geschichte eines Modehaus im Zeitraum von knapp 200 Jahren. 4 Punkte.

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