Leserstimmen zu
Dreck am Stecken

Alexandra Fröhlich

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Vier teils schrullige Halbbrüder, die bei ihrem Großvater aufwachsen, irgendwie ihre herausfordernde Jugend überstehen und mittlerweile zu Männern mit ihren ganz eigenen Problemfeldern und Familienkonstrukten geworden sind, stehen nach dem Tod des Opas vor vielen rätselhaften Fragen zu ihrer eigenen Familiengeschichte, die eh schon wenig normal erscheint. Sie suchen Antworten und gehen aus diesem Grund auf Reise – denn eines ist ganz offensichtlich: „Opa hatte Dreck am Stecken“. Alexandra Fröhlich hat mit ihrem neuesten Buch einen tollen Familienroman vorgelegt, der sich nicht nur mit den Familienangelegenheiten und vielen Eigenheiten der vier Halbbrüder und ihrem Großvater auseinandersetzt, sondern auch Geschichte, sowie Schuld und Reue behandelt. Allerdings schreibt die Autorin wie gewohnt mit so viel Witz und trotz manch derbem Sprachgebrauchs der Charaktere mit so viel Feingefühl, dass das Lesen des Buches großen Spaß macht. Es ist sehr facettenreich und die Figuren, sind trotz aller Kuriosität liebevoll in Szene gesetzt und gut in ihre jeweilige Rolle eingefügt. Ich finde, der Roman lässt sich sehr leichtgängig lesen und bietet viele eher lustige, aber einige auch spannende Szenen. Die Erzählung ist in ihrem Fluss zum Ende hin vielleicht nicht zu 100% authentisch (zu viel „Ganoventum“), aber im Gesamtrückblick trotzdem noch sehr stimmig. Meines Erachtens war der Vorgänger-Roman „Gestorben wird immer“ zwar noch etwas besser, aber auch „Dreck am Stecken“ ist eine wahre Lesefreude. Deshalb von meiner Seite für das Buch 5 Sterne.

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“Opa Heinrich ist tot.” (Zitat Buchrücken) Johannes wächst mit seinen drei Halbbrüdern und seiner alleinerziehenden Mutter in ärmlichen Verhältnissen inmitten einer Hochhaussiedlung auf. Die Mutter trinkt, raucht und ist depressiv. Eines Tages steht der unbekannte Großvater vor der Tür und zieht ebenfalls in die Wohnung ein. Sein Lieblingsort ist die kleine Kneipe um die Ecke. Doch wenn es drauf ankommt, kann man auf den Großvater zählen. Für seine Enkelkinder, lässt er alles stehen und liegen. Auf ihn ist einfach Verlass. Als er Jahre später stirbt, hinterlässt er seinen zum Teil beruflich sehr erfolgreichen Enkeln ein vergilbtes Tagebuch. Auf seiner Beerdigung erscheinen überraschender Weise Menschen, mit denen die Brüder weder gerechnet haben, geschweige denn sie kennen. Besonders eine ältere, übellaunige Dame fällt den Brüdern auf. Johannes beginnt das Tagesbuch zu lesen und bereits auf den ersten Seiten steht fest: Großvater hatte Dreck am Stecken. Er weiht seine Brüder mit ein und die vier sind sich einig, dass der Familiengeschichte auf den Grund gegangen werden muss. Ihr gemeinsamer Weg führt sie bis nach Argentinien. Der Zusammenhalt der Brüder hat mich sehr beeindruckt. Obwohl die vier Jungen nicht unterschiedlicher sein können, ist ihr Leben von gegenseitiger Hilfe geprägt. Sie sind einfach ein sehr sympathischer, chaotischer Haufen voller authentischer Charaktere. Dieser witzig, spritzig geschriebene Roman mit einem gewissen Tiefgang hat genau meinen - vor allem auch meinen schwarzen - Humor getroffen. Ich bin sehr beeindruckt von dem Schreibstil. Danke @pengiunverlag - es war mir eine große Freude dieses Buch zu lesen.

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Als Fan von Familiengeschichten sprach mich der Klappentext enorm an, aber ich konnte ja nicht ahnen was für eine amüsante Geschichte ich da zu lesen bekam. Im Roman geht es um die vier Brüder Johannes, Jakob, Philipp und Simon, die sich nach dem Tod ihres Großvaters auf Spurensuche begeben, um die Familiengeschichte zu ergründen. Als das Tagebuch des Opas auftaucht, sind sie dem Geheimnis ganz dicht auf den Fersen. Werden sie das Rätsel lösen? Der älteste Bruder Johannes agiert als Ich- Erzähler des Romans und lässt uns über zwei Zeitebenen am Familienalltag teilhaben. Zum einen wandeln wir im damals, die Zeit nicht konkret benannt, zum anderen in der Gegenwart im Jahr 2008. Tagebucheinträge runden diese besondere Familiengeschichte ab. Selten habe ich eine Familie erlebt, die mich trotz aller Tragik so zum Schmunzeln gebracht hat und deren Mitglieder ich bereits nach wenigen Seiten ins Herz geschlossen hatte. Nie im Leben hätte ich gedacht, dass mich solch ein Männerhaufen mal emotional berühren würde. Die Jungs wachsen unter schwierigen Verhältnissen auf und gehen trotzdem ihren Weg. Ich habe vor allem ihren Zusammenhalt bewundert, denn trotz aller Schwierigkeiten wird niemand zurückgelassen. Ich denke jeder Leser wird seinen Liebling finden, da die Jungs durch ihre Ecken und Kanten so liebenswert sind. Ich weiß nicht ob es an der Erzählperspektive lag, aber ich mochte am meisten Stotterer Johannes, der sich als Ältester um alles kümmert und den Zusammenhalt der Familie am meisten forciert. Auch wenn er nicht der typische Anführer ist, sorgt er für das Wohl der Truppe. Das Geheimnis, welches im Laufe der Handlung gelüftet wird, hat es wirklich in sich. Ich hatte zwar beim Lesen bereits erste Vermutungen, aber alle Hintergründe werden wirklich erst zum Schluss aufgeklärt, so dass es lange spannend bleibt. Fazit: Ein klasse Familienroman, der mich berührt und zum Schmunzeln gebracht hat. Gern spreche ich eine Empfehlung aus. Spitze!

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Klasse

Von: Jenny Murakami

03.04.2020

Vier Brüder die alle einen anderen Vater haben und in je 2 jährigen Abständen geboren wurden leben mit ihrer manisch-depressiven Mutter und dem schrulligen Opa unter einem Dach. Die Mutter nimmt sich das Leben sobald der erste Sohn 18 ist. Man erfährt Dinge aus der Jugend und Gegenwart der sehr verschiedenen Brüder die aber bedingungslos zusammen halten. Die Wege trennen sich zwar durch Beruf usw. aber als der Alzheimer kranke Opa stirbt, kommen sie wieder zusammen und erfahren mehr über den Opa und lernen die Oma kennen. Das Buch ist Komödie und Tragödie in einem, ich musste oft lachen. Die 4 Brüder sind trotzdem sie in sozial schlechten Verhältnissen aufwuchsen erfolgreich (einer ist Arzt, alle haben Abi) aber sie setzen auch wie als Kinder gerne die Fäuste ein wenn es sein muss. Das ernste Thema NS-Zeit kommt hier zum tragen und die Jungs machen auf ihre verquere Weise etwas gut, was 2 Generationrn zuvor verbockt haben, unbedingt lesen. Inhaltlich und sprachlich ein Highlight. 5/5⭐️

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"Unsere Mutter rauchte und trank. Beides nicht zu knapp. Und sie war ein lustiger Vogel, wenn sie nicht gerade einen ihrer Schübe hatte. Dann rauchte und trank sie noch mehr und sprach kein Wort, sondern starrte tagelang lieber stumpfsinnig aus dem Fenster. Alles in allem aber war sie ziemlich in Ordnung. Sie war nur anders als andere Mütter." Die Frau, die der Ich-Erzähler Johannes am Beginn von Alexandra Fröhlichs Romans "Dreck am Stecken" charakterisiert, ist Mutter von vier Söhnen mit vier verschiedenen Vätern. „Vier Sommer vor der großen Katastrophe“ stößt auch noch Opa Heinrich zur Familie im Osdorfer Born, einer Hamburger Plattenbau-Großsiedlung. „Die Katastrophe“ ist der Selbstmord der Mutter, einen Tag nach Johannes‘ 18. Geburtstag: "Als hätte sie beschlossen, dass es nun gut war. Dass sie alles getan hatte, um uns auf den richtigen Weg zu bringen. Und dass nun jemand anderes dran war, für das Weitere zu sorgen." Vier Enkel und ein schräger Großvater Offiziell ist es der Großvater, der sich um die Enkel kümmert, doch hauptsächlich übernimmt Johannes die Verantwortung für seine Brüder Jakob, Philipp und Simon, unterstützt von Jakobs finanzkräftigem Vater, den der Sohn nach Strich und Faden erpresst. Alle vier Brüder schaffen ihr Abitur, Johannes wird Journalist, Jakob ein erfolgreicher Banker, Philipp Herzchirurg mit eigener Familie und Simon lebt als Künstler auf einem Bauernhof. Doch die Kindheit hat bei allen Narben hinterlassen: Johannes stottert je nach Aufregung mal mehr, mal weniger, Jakob überspielt seine Unsicherheit mit fast unerträglicher Großspurigkeit, Philipp ist Alkoholiker und Simon leidet unter Krampfanfällen und Stimmungsschwankungen. Der enge Kontakt zwischen den Brüder löst sich mit den Jahren auf, nachdem Simon mit einer polnischen Pflegekraft und Opa Heinrich im Heim versorgt ist. Die Wende Als der Großvater stirbt, hinterlässt er seinen Enkeln nicht nur eine geheimnisvolle Kiste mit einem vergilbten Tagebuch, es kommen auch erstaunlich viele Unbekannte zu seiner Beerdigung. Allmählich dämmert den Brüdern, warum weder er noch ihre Mutter über die Vergangenheit sprechen wollten. Ein Schock, doch auch die Chance, den alten Zusammenhalt wiederherzustellen, gilt es doch, bei einer gemeinsamen Tour nach Argentinien zu retten, was zu retten ist… Zwischen Tragödie und Komödie Wie schon in ihrem letzten Roman, "Gestorben wird immer", der mir noch besser gefallen hat, findet Alexandra Fröhlich auch dieses Mal wieder einen leichten, schwarzhumorigen Ton für eine tragische Thematik, wird aber dabei nie seicht, rührselig oder sprachlich banal. Allerdings geht mir die Verarbeitung des Holocaust-Themas als nicht ganz ernst gemeinte Komödie bisweilen deutlich zu weit und insbesondere den Titel des Buches, "Dreck am Stecken", empfinde ich als unzulässige Verharmlosung. Mit den vier unterschiedlichen Brüdern hatte ich jedoch meinen Spaß, denn hier sind Alexandra Fröhlich vier ganz besondere Protagonisten gelungen, die mit der lebensklugen, sympathischen polnischen Pflegekraft Ania ein wahrlich außergewöhnliches Team bilden. Die Erzählstruktur mit den drei Ebenen „Damals“, „2008“ und „San Miguel de Tucumán“ erhöht die Spannung und das hochaktuelle Thema generationenübergreifende Traumatisierung lohnt die Lektüre allemal.

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Die manisch depressive Mutter hat bei ihrem Selbstmord vier sehr verschiedene Halbbrüder und deren pflegebedürftigen Opa zurückgelassen. Aus den Jungs werden Männer. Der erste ist ein stotternder Journalist, der zweite ein arroganter Manager, der dritte ein alkoholsüchtiger Arzt und der vierte ein manisch depressiver Künstler. Als der Opa stirbt, entdecken sie, dass er früher bei der SS war und seine Frau, also ihre Oma, eine Nazi-Sau übelster Sorte ist. Und noch lebt. In Argentinien. In dieser Geschichte prallen die Nazi-Verbrechen der Großeltern auf das Chaos der Enkelsöhne, die mit ihren unterschiedlichen Charakteren, Berufen und Talenten ein wunderbar schräges Team bilden, zuerst um die Wahrheit zu erforschen und dann, um das Unrecht ihrer Großeltern wenigstens ein Stückchen wieder gut zu machen. Kann und darf es Spaß machen, ein Buch über so schlimme Themen zu lesen? Ja, das geht! Alexandra Fröhlich hat diese Geschichte mit so viel Leichtigkeit und Witz geschrieben, dass ich es mit großem Vergnügen gelesen habe und sich mir trotzdem die Nackenhaare angesichts der Altnazis aufgestellt haben.

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Welch eine Geschichte, welch schwarzer Humor! Ein besonderes Buch über vier chaotische Brüder, die trotz allen Widrigkeiten zusammenhalten. Wunderbar lebhaft geschrieben, herrlich zu lesen. Opa Heinrichs Tagebuch wird häppchenweise aufgedeckt. Und er hatte eine Menge Dreck am Stecken, wie die Brüder finden. Und das muss man wieder gut machen. Es beginnt eine Spurensuche, die auch etwas Absurdes an sich hat. Ein köstliches Buch für alle, die sich beim Lesen so richtig amüsieren wollen.

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Die Protagonisten und ihre Geschichte Vier Brüder mit unterschiedlichen Vätern, eine Mutter, die sich das Leben nimmt und ein Großvater, der plötzlich auftaucht und sich eher schlecht als recht um seine Enkel kümmert. Als er stirbt, hinterlässt er ein Tagebuch und so erfahren die Brüder von dessen Nazi-Vergangenheit und seinem Leben in Argentinien. Sie versuchen, die Vergangenheit aufzuarbeiten und einiges wieder gut zu machen. Meine Gedanken zum Buch >Die Geschichte wird in drei Ebenen erzählt. Zum einen handelt es sich um die Lebensgeschichte der vier Brüder Johannes, Jakob, Philipp und Simon, dass sie ganz unterschiedlich sind, liegt schon alleine darin begründet, dass sie unterschiedliche Väter haben. In der zweiten Ebene erfährt der Leser von den Geschehnissen in der Gegenwart, hier im Jahr 2008. Welchen Dreck ihr Opa im Stecken hat, erfahren die Enkel dank des Tagebuches und damit sind wir dann bei Ebene 3, denn aus dem Tagebuch geht die Geschichte des Großvaters hervor. Der Roman ist unterhaltsam, enthält aber schwarzen Humor, das ist vielleicht nicht jedermanns Sache und dann hat das Ganze auch noch einen geschichtlichen Hintergrund, den man weder mit „unterhaltsam“, noch mit „Humor“ in Verbindung bringen möchte.

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