Leserstimmen zu
Star Wars™ Thrawn

Timothy Zahn

Die Thrawn-Trilogie (Kanon) (1)

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USA 2017 Star Wars: Thrawn Autor: Timothy Zahn Verlag: Blanvalet Übersetzung: Andreas Kasprzak Genre: Science Fiction Das Expanded Universe ist tot, lange lebe das Expanded Universe! So ähnlich hört es sich an, wenn man über das erweiterte Star Wars Universum der heutigen Zeit redet. Das Expanded Universe war zu Beginn der 90er maßgeblich daran beteiligt, dass das Star Wars Franchise sich wieder ins Gespräch brachte. Dieses Universum bestand zu einem Hauptteil zwar aus Romanen, dazu gabs aber auch noch andere Medien wie Comics, Videospiele und gar Spielzeug, was das Star Wars Universum um viele neue Geschichten erweiterte. Vor einiger Zeit thematisierte ich den Fall dieses Universums hier auf "Am Meer ist es wärmer" und die Geschichte dürfte unter Fans quasi ein alter Hut sein. George Lucas respektierte das Expanded Universe, äußerte sich nur nie wirklich über die Kanonisierung. Natürlich ist darunter auch viel Schund dabei, der absolut gar nichts im Star Wars Universum zu suchen hat. Ein Fakt, der gerne mal verschwiegen wird bzw. stillschweigen darüber vereinbar wird. Als Disney die Rechte an Star Wars erwarb, flog letztendlich auch das Expanded Universe nun hochoffiziell aus der offiziellen Star Wars Chronologie. Seitdem heißt dieses Universum und alles, was sich dort abspielte, "Star Wars: Legends". Disney führt jedoch auch noch eine offizielle Variante von all dem weiter, was das Expanded Universe bot, nur eben in wesentlich geordneteren Strukturen. Als 1991 "Erben des Imperiums" erschien und später als sogenannte "Thrawn Trilogie" zum Kult wurde, war quasi der Startschuss des Expanded Universe, der von Autor Timothy Zahn damals eingeleitet wurde. Vermutlich sehen einige eingefleischte Fans die Thrawn Trilogie noch heute als einzig wahren legitimen Nachfolger zu "Die Rückkehr der Jedi Ritter" an. Zahns ikonischer Bösewicht Thrawn stand einem Darth Vader oder dem Imperator in nichts nach. Im Gegenteil, Thrawn war eher noch gnadenloser und gerissener. Mit dem Wegfall des Expanded Universe starb auch Thrawn. Zumindest so, wie wir ihn bisher kannten. Allerdings war sich auch Disney der großen Beliebtheit von Thrawn bewusst und konnte diesen Charakter nicht einfach wegwerfen wie einen Gegenstand, der nicht mehr gebraucht wird. Umso überraschender war es, dass der Charakter in der animierten TV-Serie "Star Wars Rebels" wieder aufgetaucht ist. So groß die Freude bei manchen war, so stirnrunzelnd nahm man diesen Auftritt auch zur Kenntnis. Der große Bösewicht Thrawn nun in einer Serie, konzipiert für Kinder. Grund genug für alle Beteiligten, diesem Charakter ein angemessenes Revival zu verpassen. Und kein geringerer Autor als Timothy Zahn wurde damit beauftragt, den Großadmiral aus dem Ruhestand zu holen. Für Zahn war die Rückkehr zu einem neuen Thrawn-Roman eine Herzensangelegenheit. Als heißblütiger Fan muss man hier seine Erwartungen jedoch anders verteilen. Obwohl Name und Erscheinung gleich sind, agiert und handelt der neue Thrawn anders als der alte Thrawn (jetzt wirds verwirrend). Zeitlich spielt Thrawn nicht nach den Ereignissen von Episode IV-VI sondern davor. Hier lernen wir Thrawns Vergangenheit und somit ihn selbst besser kennen, als je zuvor. Und wir erfahren, wie er zu dem begnadeten Taktiker wurde, der von Imperator Palpatine so hoch geschätzt wurde. Der neue Thrawn ist nahbarer als zuvor und Zahn hat es geschafft, dass die Leser sich in diesem Update des Charakters besser hineinversetzen können. Überraschenderweise, obwohl er der Namensgeber des Romans ist, ist die Rahmenhandlung des Romans deutlich weiter gefächert. So verlagert sich die Geschichte nicht nur auf Thrawn, sondern auch sein Protegé Eli Vanto spielt eine wichtige Rolle. Ich habe mich zusätzlich dabei ertappt, die Kapitel rund um Eli spannender zu finden als die des eigentlichen Protagonisten, Thrawn. Politik und Intrigen kamen im Roman ebenfalls nicht zu kurz. Durch den enormen Umfang gibt es aber leider auch ein paar Durststrecken, mit denen Timothy Zahn jedoch schon immer zu kämpfen hatte. Das Ende selbst weist geschickt auf eine Fortsetzung hin, die in den USA im Juli dieses Jahres erschienen ist. Ebenfalls verfasst von Zahn. Resümee "Thrawn" ist eine spannende Neuinterpretation eines ikonischen Charakters, der wohl hauptsächlich den eingefleischtesten Star Wars Fans ein Begriff sein wird. Damit will ich Thrawn als Charakter natürlich nicht degradieren, im Gegenteil. Die Relevanz der Filme ist nur so enorm, dass die Roman-Charaktere praktisch ihre komplett eigene Fangemeinde haben. Genug Potential besitzt der Taktiker auch heute noch, um sämtliche Antagonisten der neuen Trilogie gegen die Wand zu spielen. In dieser Prequel-Story beweist Timothy Zahn noch immer, dass die Macht ihn in all den Jahren nicht verlassen hat (Zahn ist für wesentlich mehr Romane aus dem Star Wars Universum verantwortlich und es wäre unfair, sein Werk nur auf "Erben des Imperiums" zu reduzieren). Mit Ausnahmen einiger vermeidbarer Längen ist das Thrawn-Reboot zu einem gelungenem Star Wars Abenteuer geworden, welches sicherlich nicht so einen Einfluss haben wird wie Zahns alte Trilogie, aber seine Daseinsberechtigung mehr als nur unter Beweis gestellt hat. Ich freue mich auf die Fortsetzung.

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Eigentlich war der Karriereweg für den imperialen Kadetten Eli Vanto vorgezeichnet: Abschluss seiner Ausbildung auf der Myomar-Akademie, Versetzung zu irgendeiner relativ überschaubaren Versorgungstätigkeit und danach ein langsamer, aber stetiger Aufstieg innerhalb der für einen vom Rand des Unbekannten Raumes stammenden Mann möglichen Ränge. Doch als die Mannschaft des imperialen Kreuzers Strikefast auf einem unbedeutenden Planeten von einem einzigen Mann gnadenlos vorgeführt wird, verändert sich die Zukunft des Kadetten entscheidend – denn der Mann ist der Chiss-Exilant Mitth‘raw‘nuruodo und außer Eli Vanto beherrscht an Bord des Schiffs niemand die Handelssprache Sy Bisti, mit welcher sich Thrawn hauptsächlich verständigt... Auf Lothal hingegen muss sich die junge Arihnda Pryce mit einer Bedrohung auseinandersetzen, die ihre Familie den Lebensunterhalt kosten könnte: als ihr Vater bei Minengrabungen auf eine Ader des seltenen Metalls Doonium stößt, richten sich plötzlich eine Menge begehrliche Blicke auf das Unternehmen - nicht zuletzt die der imperialen Verwaltung des Planeten, welche sich eine dicke Scheibe vom zu erwartenden riesigen Kuchen abschneiden möchte ... Als der Roman »Thrawn« aus der Feder von Timothy Zahn angekündigt wurde, war meine Vorfreude als doppelter Thrawn-und-Zahn-Fan riesengroß, war doch klar, dass ein guter Teil der Vorgeschichte des genialen Großadmirals beleuchtet werden würde. Wer aber viele Einblicke in die Gefühlswelt des Chiss oder aber mehr Hintergrundwissen über seine Spezies erhofft hat, wird ziemlich enttäuscht, da Thrawn zwar eine der Hauptpersonen des Buches und sein Werdegang der rote Faden der Erzählung insgesamt ist, jedoch maximal über sein Handeln und seine Beobachtungen anderer genauer beleuchtet wird. Gegenüber dem Storyanteil von Eli Vantos Handlungen und dem Werdegang der Arihnda Pryce treten die Beobachtungen aus Thrawns Blickwinkel sogar ein gutes Stück zurück und erinnern an die Erzählstruktur der Sherlock-Holmes-Romane, welche stets aus dem Blickwinkel seines treuen Begleiters Dr. Watson geschrieben sind. Sie beleuchten die Genialität des Detektivs zwar, lassen ihm aber den Nimbus des Geheimnisvollen, da man nie in seine Gedankenwelt eintauchen kann und man als Leser immer wieder durch dessen Schlussfolgerungen und Lösungswege überrascht wird. Vermutlich ist das auch die einzige sinnvolle Möglichkeit, mit einem so überragenden Taktiker wie Thrawn umzugehen – so kommt der Autor nicht in Zugzwang, Thrawns Genialität allzu genau erklären zu müssen. Dennoch sind die Abschnitte, in denen er anhand von Mimik, Stimm-Klangfarbe und allgemeinem Verhalten Rückschlüsse auf den emotionalen Zustand des jeweiligen Gegenübers zieht, interessant geschrieben und beleuchten nicht nur Eli Vanto immer wieder neu, sondern zeigen auch die wachsende Erfahrung Thrawns im Umgang mit einem menschlichen Gegenüber. Vanto indes entwickelt sich im Lauf der Erzählung vom unsicheren, von seiner Herkunft und den geringen Aufstiegsaussichten geprägten jungen Mann unter Thrawns Anleitung zu einer ganz anderen Persönlichkeit, ohne sich selbst zu verraten. Inmitten karrieregeiler, opportunistischer imperialer Karrieristen bleibt Eli Vanto bodenständig und sympathisch und eignet sich deswegen so hervorragend als menschlicher Begleiter des oft unnahbaren und mit nur wenig politischem Gespür ausgestatteten Thrawn. Beide Männer bilden einen interessanten, sich gegenseitig stützenden Kontrast, den man über den Handlungsbogen hinweg gerne verfolgt und schließlich auch feststellen kann, warum Thrawn den vergleichsweise einfach gestrickten jungen Mann so zu schätzen weiß. Umso mehr Strahlkraft entwickeln Thrawns geniale taktische Manöver, die immer wieder zu überraschen wissen - genau so muss es sein, wenn der beste Stratege der Galaxis am Werk ist. Dagegen ist Arihnda Pryce eine ganz andere Persönlichkeit, die im gesellschaftlich-politischen Sumpf von Coruscant überleben muss und sich bei ihrem Aufstieg auch für einige reichlich unsaubere Manöver nicht zu schade ist. Während sie zunächst noch Skrupel hat, entwickelt sie nach und nach eine sehr radikale Art, die durch ihre Umgebung entstehende Lebensgefahr für sich selbst gering zu halten und trotz aller Hindernisse ihre Ziele zu verfolgen. Ihre Motivation und ihre Wünsche bleiben für den Leser immer klar formuliert, man fiebert bei kritischen Momenten in ihrer Geschichte durchaus mit – sie bleibt als Antiheldin trotz aller fiesen Tricks irgendwie sympathisch. Leider wird relativ lange nicht klar, warum sie in einem Roman über Thrawn so viel Raum erhält, allenfalls Fans der Serie »Rebels« dürften in ihr die spätere Gouverneurin Lothals erkennen, die naturgemäß eine Gegenspielerin der Rebellen-Crew um Hera Syndulla darstellt. Ein inneres Zusammenzucken hat mir indes die Übersetzung des Romans beschert: so sehr ich den flüssigen Stil von Andreas Kasprzak ansonsten schätze, hätte ich mir doch gewünscht, er hätte die imperialen Ränge nicht mit übersetzt, da die deutschen Entsprechungen nicht zur Rangstruktur des imperialen Militärs passen und folglich gerade bei einer größeren Menge an Offizieren in einer Szene zu einer gewissen Verwirrung führen. Da bleibt nur zu hoffen, dass das im Folgeroman nicht mehr passiert… Generell bekommt man als Leser mit »Thrawn« eine abwechslungsreiche Erzählung über drei sich entwickelnde Personen an die Hand, welche ein gutes Maß Action und Intrigen mit sich bringt – Lichtschwertfans gehen hier allerdings leer aus, die Handlung konzentriert sich auf politische und militärische Szenerien und die zu einem solchen Setting passenden Personen. Obwohl jedoch Eli Vanto und Arihnda Prcye interessante Persönlichkeiten darstellen, hätte ich mir mehr Geschehen gewünscht, das direkt mit dem künftigen Großadmiral und den ihn umgebenden Intrigen anderer hochrangiger Persönlichkeiten zu tun hat. Das Volk Thrawns hätte vielleicht in Rückblenden und Erinnerungen genauer beleuchtet werden können, die während der Handlung zwangsweise auftretenden Zeitsprünge hätte der Autor mit allgemeinen galaxisweiten Ereignissen und genaueren Zeitangaben unterfüttern können, damit man als Leser die Entwicklung besser nachvollziehen kann. Trotz dieser Mankos bleibt "Thrawn" ein lesenswerter Roman im Kosmos um die "Rebels" und natürlich als Einblick in die Vorgeschichte eines wirklich einzigartigen Charakters. Fazit: Interessanter Einblick in Thrawns Aufstieg in den Rängen des Imperiums, der allerdings ein paar kleinere Macken mitbringt. Acht von zehn möglichen Punkten.

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Hinweis: Die Rezension bezieht sich auf einen Kanon-Roman! „Es gibt Dinge im Universum, die man schlicht und ergreifend nur als böse bezeichnen kann. Ein Krieger versucht nicht, diese Dinge zu verstehen oder sich mit ihnen zu arrangieren. Alles, was er will, ist, sie zu zerstören.“ — Zitat aus Thrawn Blaue Haut, stechend rote Augen, Kunstliebhaber und taktisches Genie - Großadmiral Thrawn zählt mit Sicherheit zu den ikonischsten Legends-Figuren. Ursprünglich von Timothy Zahn in den 1990ern als neuer Antagonist für die Helden der Neuen Republik nach der Schlacht von Endor geschaffen, wurden ihm nach und nach mehrere Romanreihen, Comics und Rollenspielbücher gewidmet. Die Star-Wars-Fans fanden Gefallen an dem kompetenten, nicht-machtsensitiven Flottenanführer, der kein Lichtschwert schwingen musste, um eine ernst zu nehmende Bedrohung zu sein. Daher war die Frustration groß, als durch die Kanon-Umgestaltung durch Disney 2012 sämtliche seiner Auftritte zu Legenden erklärt wurden. Was zuerst für ein belangloses Gerücht gehalten wurde, wurde jedoch tatsächlich Realität: Der Großadmiral wurde von Dave Filoni wieder aus der Versenkung geholt – und das auch noch direkt auf die Leinwand! Als Hauptschurke der dritten und vierten Rebels-Staffeln fügt er der Phönix-Flotte schwere Verluste zu und ebnet den Weg für eine alles entscheidende Konfrontation, die im März 2018 in den USA als Serienfinale ausgestrahlt werden wird. Doch wie gelangte Thrawn ursprünglich in den Dienst des Imperiums und welche höheren Ziele verfolgt er? Diese Fragen sollen im gleichnamigen Roman beantwortet werden. 221B Chimaera Street Das Buch beginnt tatsächlich mit einer Adaption der Legends-Kurzgeschichte „Mist Encounter“, die das erste Aufeinandertreffen Thrawns mit dem Imperium beschreibt: Von der Aszendenz der Chiss ins Exil verbannt gelingt es ihm, die Crew eines imperialen Kreuzers in eine Falle zu locken und sich an Bord zu schleichen. Von seiner Raffinesse beeindruckt beschließt der diensthabende Offizier, ihn nach Coruscant zu bringen und dem Imperator vorzustellen. Dieser erkennt das enorme Potential des künftigen Großadmirals und bietet seinem Volk Schutz im Gegenzug für dessen Dienste als Berater für die Unbekannten Regionen. Außerdem schickt er ihn auf die imperiale Akademie, um die Offizierslaufbahn zu durchlaufen und so sein Talent im Sinne des Imperiums nutzen zu können. Begleitet wird Thrawn dabei stets von Eli Vanto, der ihm als Adjutant und Übersetzer treu zur Seite steht. Zwischen den beiden Männern entsteht rasch eine Beziehung, die sich am besten mit der von Sherlock Holmes und John Watson vergleichen lässt: Thrawns genialer Verstand ist für die meisten Außenstehenden nicht verständlich und seine Art kann zuweilen überheblich wirken. Vanto fungiert daher als Bindeglied zwischen ihm und den Durchschnittsimperialen, denen er die Gedankengänge seines Mentors oftmals „übersetzen“ muss, damit sie seine Befehle korrekt ausführen können. Als die größten Schwierigkeiten, denen sich die beiden stellen müssen, erweisen sich ironischerweise nicht die aufständischen Rebellensympathisanten, gegen die sie in die Schlacht ziehen, oder Thrawns mysteriöser Widersacher „Schattenschwan“, sondern vielmehr kulturelle Grundzüge des Imperiums: Die alles durchdringende Xenophobie sorgt dafür, dass der Chiss, den manche fälschlicherweise für einen missratenen Pantoraner halten, von seinen Kollegen oftmals nicht ernstgenommen wird. Dies wird verstärkt durch die strikte Hierarchie in der Flotte, die es inkompetenten Vorgesetzten ermöglicht, Thrawns Pläne als ihre eigenen Ideen auszugeben und ihn zugleich als Sündenbock für ihr persönliches Versagen darzustellen. Trotz aller Widrigkeiten gelingt es dem Nicht-Menschen in Rekord-Geschwindigkeit in der Rangordnung aufzusteigen, sodass sich seine Rivalen darauf beschränken müssen, Vanto wiederholt die Beförderung zu verweigern, was zu Spannungen zwischen den beiden führt. Eli zweifelt zudem an Thrawns Absichten ihm gegenüber, da er ihn als Übersetzer eigentlich überhaupt nicht mehr benötigt, und befürchtet, den Rest seiner Karriere im Schatten des Chiss' verbringen zu müssen. Dabei bemerkt er gar nicht, dass dieser ihm eine besondere Stellung zugedacht hat und sich sein strategisches Denken allmählich auf ihn abfärbt. Mittel zum Zweck Der andere Handlungsstrang des Romans dreht sich um Arihnda Pryce, die spätere Gouverneurin von Lothal. Ursprünglich im lokalen Minenunternehmen ihrer Eltern tätig taucht sie nach deren unrechtmäßigen Verhaftung und Enteignung in die Welt der Intrigen und Korruption auf Coruscant ein, um sich ihren Weg zur Spitze zu erarbeiten und zurückfordern zu können, was ihr gehört. Dabei hat sie keinerlei Skrupel, auch ihre Freunde oder Vorgesetzten zu verraten, um dadurch wieder ein Stück mehr Einfluss zu erlangen. Als sie in die Falle eines hochrangigen Imperialen gerät, wendet sie sich an einen vielversprechenden blauhäutigen Offizier, dem sie zuvor begegnet ist und bietet ihm ein Bündnis an: Im Gegenzug für seine militärische Unterstützung würde sie ihm in der Politik Rückendeckung geben, um sein mangelhaftes Gespür für Diplomatie und Ränkeschmieden zu kompensieren. Thrawn missbilligt ihre radikalen Methoden zwar, erkennt durch seine bisherigen Erlebnisse mit anderen Politikern aber auch den Nutzen ihrer Hilfe. Dadurch wird der Weg für die Geschehnisse in Rebels bereitet und erklärt, woher sich die beiden gekannt haben. Zwei weitere Schlüsselfiguren, die ebenfalls in der TV-Serie auftauchen, sind Großmoff Wilhuff Tarkin und Colonel Wulff Yularen. Während Tarkin für Pryce ein Mittel ist, um ihre Versprechungen Thrawn gegenüber einhalten zu können, arbeitet Yularen mit dem Chiss zusammen, um den Rebellenführer „Schattenschwan“ aufzuhalten und beschafft ihm Geheimdienstinformationen. Eine weitere Person, die anscheinend in einer nicht unwichtigen Beziehung zu Thrawn steht, ist Anakin Skywalker alias Darth Vader. Ihre gemeinsame Vergangenheit, die in diesem Buch nur angedeutet wird, wird dem Cover nach zu urteilen eine entscheidende Rolle in der Fortsetzung "Thrawn – Alliances" spielen. Dem aufmerksamen Großadmiral entgeht selbstverständlich auch nicht, dass ein geheimes Projekt des Imperators Unmengen an Ressourcen verschlingt (die Hintergründe dazu erfahrt ihr in diesem Buch) und wie gefährlich nahe er der Wahrheit nur anhand von Deduktionen kommt, ist ein weiterer Beleg für seine Intelligenz. Kontinuität Die entscheidende Frage ist nun aber: Wie fügt sich "Thrawn" in die Reihe der bereits existierenden Werke ein? Zum einen wäre da natürlich Rebels: Der Roman endet mehr oder weniger direkt vor dem Pilotfilm der dritten Staffel, "Ein dunkles Geheimnis", in dem die beiden Hauptcharaktere ihren ersten animierten Auftritt haben. Während gerade Pryce aufgrund der begrenzten Screentime in der Serie relativ eindimensional wirkt — die meiste Zeit schreit sie Befehle durch die Gegend —, ermöglicht "Thrawn" eine nuanciertere Darstellung der Figuren. Arihnda bleibt zwar eine machthungrige und ruchlose Unsympathin, aber man kann zumindest teilweise nachvollziehen, wieso sie so geworden ist. Obwohl Thrawn selbst in der Haupthandlung vor allem aus Eli Vantos Sicht beschrieben wird, beginnt jedes Kapitel mit einem Tagebucheintrag des Großadmirals, das inhaltlich ein Pendant zu Sunzis "Die Kunst des Krieges" darstellen soll. Auch Thrawns Beobachtungen seiner Gesprächspartner (vergleichbar mit Sherlocks Deduktionen) werden gesondert hervorgehoben, indem sie im Präsens verfasst sind. Persönlich finde ich diese Spielereien eher unnötig: Der Tempus-Wechsel stört den Lesefluss und die Monologe sind so abstrakt geschrieben, dass ich ihre Aussagen zwei Seiten später bereits vergessen habe. Dennoch tragen sie im Gesamtbild wohl dazu bei, die entscheidenden Charakterzüge des Chiss' zu verdeutlichen. Leider sind mir auch ein paar Diskrepanzen zwischen "Thrawn" und der Serie aufgefallen, die den Eindruck erwecken, dass Thrawns Story in Rebels zum Zeitpunkt der Buchentstehung noch nicht vollständig umrissen war. In Zahns Roman ist der Großadmiral sehr bemüht, Kollateralschaden und zivile Opfer zu vermeiden, wohingegen er in Rebels unbarmherzig gegen vermeintliche Rebellen vorgeht (man denke an die Speederbike-Szene mit Morad Sumar) und sogar ein orbitales Bombardement von Capital City anordnet. Den Widersachern, die er als würdig erachtet, erweist er zwar in beiden Medien Respekt, doch während er in der Serie als imperialer Loyalist dargestellt wird und vor Folter und Hinrichtungen nicht zurückschreckt, sieht er Palpatines Regime im Buch deutlich kritischer und wird kreativ beim Umgehen von inhumanen Vorschriften. Von Rukh, der eine größere Rolle in Staffel 4 spielt, fehlt jede Erwähnung, obwohl sie sich sinnvollerweise zumindest gegen Buchende gekannt haben müssten. Unumgänglich ist natürlich auch der Vergleich mit der „originalen“ Thrawn-Trilogie: Die für den Chiss charakteristischen Kernelemente wie der respektvolle Umgang mit seinen Untergebenen, das ausgeprägte Interesse für die Kunst fremder Welten und sein taktisches Können wurden erwartungsgemäß übernommen genau wie kleinere Easter-Eggs mit eingebaut. Im Gegensatz zur Trilogie muss sich der Chiss in "Thrawn" seine militärische Stellung allerdings erst mühevoll erarbeiten, was unterstrichen wird durch die Tatsache, dass der kampferfahrene Gilad Pellaeon durch den eher naiven Vanto ersetzt wurde. Wer Thrawn in Hochform erleben will und Gefallen an seiner Figur gefunden hat, dem kann ich die Legends-Romane unbedingt empfehlen. Handlungstechnisch erinnert mich das Buch sehr an James Lucenos "Tarkin". Beide Romane sind stark biographisch angehaucht und versuchen dies zu verschleiern, indem sie ihre Titelcharaktere einen mysteriösen Rebellenanführer jagen lassen, der letztendlich von mäßiger Relevanz ist. Dies ist generell mein Kritikpunkt an vielen Kanon-Romanen in letzter Zeit: Ein packendes Buch lebt für mich von einem guten Lesefluss, Spannung und Emotionen. Ersteres ist (in der Regel) die Voraussetzung, um Star Wars schreiben zu dürfen und Spannung kann bei den eben genannten Beispielen nur beschränkt aufkommen, da der Ausgang vorhersehbar ist. Daher hätte man meiner Meinung nach ordentlich Drama einbauen müssen, was bei Tarkin, der weniger Emotionen als ein Stück Durastahl hat, zugegebenermaßen ein schwieriges Unterfangen ist. Auch bei Thrawn kann man sich große Gefühlsausbrüche nur schwer vorstellen, aber (vgl. Sherlock) vielleicht hätte man ihn aus seiner stoischen Ruhe bringen können, wenn man Eli etwas mehr in Gefahr gebracht hätte. Der Autor Timothy Zahn war im Legends-Universum eine feste Größe und wurde von vielen Fans als der beste Star-Wars-Autor schlechthin gefeiert. Er legte mit seiner Thrawn-Trilogie den Grundstein für die Post-Endor-Geschichten der Filmhelden und schuf bekannte Charaktere wie Mara Jade, Garm Bel Iblis oder Talon Karrde. Auch der Name der galaktischen Hauptstadt, Coruscant, ist auf ihn zurückzuführen. Seine literarische Karriere begann mit einer schlechten Fernsehserie: Überzeugt davon, eine bessere Geschichte schreiben zu können, ließ er sich eine eigene Kurzgeschichte einfallen und fand rasch Gefallen an seinem neuen Hobby. Heute hat er zahlreiche New-York-Times-Bestseller veröffentlicht und ist stolz darauf, Thrawns Weg auch über fünfundzwanzig Jahre seit seinem ersten Auftritt noch gestalten zu können. Auch abseits von Star Wars schreibt er Fantasy- und Science-Fiction-Romane. Fazit Timothy Zahns Roman „Thrawn“ wird seinem namensgebenden Charakter auf jeden Fall gerecht und eignet sich gut als literarisches Begleitwerk zur letzten Hälfte von Rebels. Nachdem nun die Grundlagen für Thrawns Re-Kanonisierung geschaffen worden sind, erhoffe ich mir von der Fortsetzung wortwörtlich einen Ausflug in die „unbekannten Regionen“, wo sowohl Thrawn als auch Vader auf echte Herausforderungen treffen können.

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„Thrawn“ by Timothy Zahn Bei diesem Buch handelt es sich um eine klassische Origin-Story und wie der spätere Großadmiral es geschafft hat, einen so hohen Rang innerhalb des alien-phoben Imperiums zu erklimmen. Es beginnt damit wie Thrawn durch eine imperiale Patroullie an den Grenzen des Outer Rim zu den Unkekannten Regionen aufgelesen wird und von dort an in den Dienst des Imperators tritt und Karriere bei der Imperialen Navy macht. Die Handlung setzt kurz nach den Klonkriegen ein und erstreckt sich über mehrere Jahre, in den denen Thrawn vom Leutnant bis ganz oben aufsteigt. Begleitet wird er von dem imperialen Eli Vento – bei ihrem ersten Zusammentreffen noch Rekrut und fortan als Übersetzer für Thrawn abgestellt. Thrawn mag zwar ein militärisches Genie sein, doch die Politik ist nicht seine Bühne. Während ihm zwar der Erfolg recht gibt, weht im von politischer Seite sehr starker Gegenwind entgegen. Auf fast jede absolvierte Mission folgt eine Klage, ein Tribunal oder irgendein Versuch ihn abzusägen. Wie gesagt, gibt ihm der Erfolg allerdings Recht. Weniger Glück hat da sein Begleiter Eli, der über die Jahre bei Beförderungen immer übergangen wird. Als roten Handlungsfaden begleitet man Thrawn bei seinem Aufstieg und seiner Jagdt nach „Nightswan“ – einem Piraten/Schmuggler/Rebellen mit außerordentlichem strategischem Geschick. Nightswan wird quasi zu seinem persönlichen Projekt, da dieser es immer wieder schafft gerade so außerhalb Thrawn´s Reichweite zu bleiben. Der zweite Handlungsstrang des Buches folgt Ahrinda Pryce, der Tochter einer erfolgreichen Bergbauunternehmerfamilie auf Lothal. Diese wird durch politische Winkelzüge vom Imperium enteignet, doch Ahrinda gelingt es irgendwie das beste aus der Situation zu machen und als Assistentin von Lothals Senator nach Coruscant zu reisen, um unerbittlich ihre Rache zu planen. In der Hauptstadt lernt sie das politische Gefüge des Imperiums kennen und wird zum Spielball von Moffs und Politikern, um sich ihrerseits von ganz unten nach oben zu arbeiten und zum Schluss sogar bei Gouverneur Tarkin persönlich vorstellig zu werden. Und wie ist das Buch? Herr Zahn hat es geschafft! Thrawn ist im neuen Kanon…und das genau so wie wir ihn kennen. Die Zeitlinie mag etwas verschoben sein, aber die Figur des blauhäutigen Chiss ist besser ausgearbeitet als je zuvor. Das Buch selbst bietet keine neuen Überraschungen, noch ist der Plot super spannend, aber das Geschehen hat mich gefesselt. ich wollte immer wissen wie es mit Thrawn weitergeht und wie er seine Vorgesetzten das nächste Mal vorführt. Das Gefühl der „Dark Times“ wird sehr gut transportiert und die Allgegenwart des Imperiums ist auf jeder Seite spürbar – gerade die Patrouillenflüge oder die Taskforce fühlen sich wie der Fanfilm „Imps – The Relentless“ an. Zum Schluss des Buches spricht Thrawn über seine wahren Beweggründe, weshalb er in die Dienste des Imperiums getreten ist – um zu evaluieren, ob das Imperium ein würdiger Verbündeter für die Chiss wäre, oder besser als Ablenkung für einen namenlosen Schrecken aus den unbekannten Regionen dienen sollte… ob damit Ereignisse in den kommenden Filmen gemeint sind? Wir werden sehen. In diesem Sinne kann ich das Buch besten Gewissens empfehlen!

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