Leserstimmen zu
Landhäuser

Melanie Breuer

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Entweder werden sie abgerissen oder verschandelt. Ein altes Haus ist eine Herausforderung und das nicht nur in finanzieller Hinsicht. Oft wird ein Umbau als gelungen bezeichnet, doch letztlich hat man dem altehrwürdigen Gebäude die Seele herausgerissen. Dass es auch andere Wege und Möglichkeiten gibt, zeigt "Landhäuser" auf beeindruckende Weise. Wer, wie der Rezensent, vor Entscheidungen steht, wie ein altes Gemäuer umzubauen wäre, kommt rasch auf Ideen, die sich ohne die Lektüre und die kongenialen Fotografien wahrscheinlich so nicht ergeben hätten. Es kann beispielsweise überlegt werden, den alten Kuh- und Saustall doch nicht abzureißen und wie Heustadl, alte Werkstatt oder Hühnerställe irgendwie integriert werden können. Ein Paradebeispiel mag hier ein restaurierter Bauernhof in Baden Württemberg sein. Das "Stallbad" zeigt auf sehr unkonventionelle Weise, wie ein ehemaliger Kuh- und Ziegenstall in ein Bad mit zwei Waschtischen und einer freistehenden Wanne verwandelt werden kann. Ein Teil des alten Bodens und sogar die originale Futterkrippe für die Heueingabe wurden belassen und in den Umbau integriert. Dieser Kontrast sucht seinesgleichen! Schon das Titelbild zeigt, um was es in diesem Buch geht. Moderne Technik: Ja. Altes bewahren: Ebenfalls ja. Weshalb deshalb nicht ein ehemaliges Stalltor belassen, um es als Abtrennung für ein Esszimmer zu nutzen. Auch eine verputzte Stallmauer kann man stehenlassen. Der Traum von einem "modernen Reiterhof in alten Gemäuern" wurde wahr. Traumhaft auch ein "Schweizer Stallhaus", ein modernes Wohnhaus, welches in einen ehemaligen Kuhstall integriert wurde. Das über zweihundert Jahre alte Gebäude präsentiert sich heute äußerlich fast unverändert. Innen jedoch treffen wiederum alte auf neue Materialien. Alte Steinmauern, Holz und Beton harmonieren hier in einer fast selbstverständlichen Harmonie. Völlig neue Ansichten ergeben sich auch zum Thema "Schwimmteich und Naturpool" oder "Grasdach und Vertikalgarten". Einen Überblick über historische Baustoffe kann man sich ebenso verschaffen, wie sich über die Verwendung traditioneller Holzschindeln zu informieren. Auch was mit Lehm als Baustoff möglich ist, ist absolut sehenswert. Wo sich jedoch der tiefere Sinn verbirgt, Treppen ohne Geländer zu konstruieren, bleibt ein Rätsel. Optischen Erwägungen sollte doch stets der Sicherheitsgedanke vorangehen, und was nutzt das ästhetischste Design, wenn die Stiege, insbesondere für Kinder und ältere Menschen, zu einer Todesfalle werden könnte. Doch auch hier bietet das Buch Alternativen, die den Treppen "ohne" im optischen Bereich in nichts nachstehen. Insgesamt ist "Landhäuser" mehr als eine kreative Fundgrube, denn die einzelnen Bauergebnisse reizen nicht nur zum Nachbauen oder zumindest zum Nachempfinden an, sondern regen die eigene Phantasie an, sensibilisieren den Blick auf das Besondere, das nicht verlorengehen darf, und erweitert die Wahrnehmung. Wie gesagt, man wäre vielleicht gar nicht darauf gekommen, hätte man in diesem Buch nicht die eine oder andere aufregende Entdeckung gemacht.

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