Leserstimmen zu
Zeckenbiss

Sabine Thiesler

(9)
(12)
(4)
(2)
(2)
Taschenbuch
€ 9,99 [D] inkl. MwSt. | € 10,30 [A] | CHF 14,50* (* empf. VK-Preis)

Die erfolgreiche Anwältin Lara Sennen und ihr Mann verbringen wieder einmal einen Urlaub in der Toskana. Sie möchten dort gerne ein Haus kaufen, und so fährt ein Makler mit Lara auf Besichtigungstour ... von der sie allerdings nicht zurückkehrt. Stattdessen findet man ihre Leiche auf einem einsam gelegenen Anwesen. Bernd Gernersheim wohnt in Deutschland, ist ein pensionierter Richter und verwitwet. Nun hat er mit der 38 Jahre jüngeren Veronika wieder sein Glück gefunden. Aber am Tag ihrer Hochzeit erscheint ein Fremder bei der Feier und bittet Gernersheim um ein Gespräch. Später findet man den Bräutigam ermordet im Park des Gasthauses. Diana Klee (45) ist Gefängnis-Psychologin, die sich für ihre Schützlinge engagiert, was bei einigen Vollzugsmitarbeitern nicht immer auf Verständnis stößt. Sie ist Single, hat sich aber immer sehnlichst ein Kind gewünscht. Nun ist es endlich soweit: Sie ist schwanger und könnte nicht glücklicher sein. Aber nach einer Fehlgeburt wird auch sie umgebracht. Ein weiterer Protagonist ist Faruk - jugendlicher Intensiv- und Mehrfachtäter. Er hat bereits wegen diverser Delikte vor Gericht gestanden, aber jedes Mal eine milde Strafe bekommen. Während der Morde an Lara Sennen, Bernd Gernersheim und Diana Klee sitzt er zwar im Gefängnis, es drängt sich jedoch bald der Verdacht auf, dass er trotzdem etwas mit den Taten zu tun hat. Resümee: Sehr differenziert beschreibt Sabine Thiesler auf der einen Seite die berufliche Situation der engagierten Anwältin Lara Sennen und des Richters Bernd Gernersheim. Beide beschäftigen sich gewissenhaft mit jedem einzelnen ihrer Fälle, denn beiden geht es um gerechte Urteile. Dabei werden sie aber bei jugendlichen Straftätern von dem Gedanken geleitet, ihnen durch zu harte Strafen nicht die Zukunft zu verbauen, sondern ihnen die Chance zur Resozialisation zu geben. Gleiches gilt auch für die Gefängnis-Psychologin Diana Klee, der von anderen Vollzugsmitarbeitern oft Realitätsferne vorgeworfen wird, wenn sie sich für die Lockerung von Haftbedingungen einsetzt. Auf der anderen Seite stehen die Opfer und ihre Angehörigen, also die im wahrsten Sinne des Wortes Leidtragenden. Sie empfinden die milden Urteile meist als Schlag ins Gesicht und geben den Verantwortlichen außerdem vielfach die Schuld dafür, dass die Täter nach ihrer Freilassung weitere, oft sogar schwerere Taten begehen. Wie der gefährliche Biss einer Zecke (Titel) bohren sich dann vielleicht Rachegedanken in ihr Hirn. Im Rahmen der Handlung arbeitet Sabine Thiesler die Sichtweisen beider Gruppen sehr detailliert und kritisch heraus - als Leser kann man die Motivation aller Betroffenen sehr gut nachvollziehen und verstehen. Und die Täter selbst? Erkennen und ergreifen sie die ihnen gewährten Chancen? Sehen sie nach der Freilassung ihre kriminelle Karriere wirklich als beendet an und bemühen sich um ein gewaltfreies, bürgerliches Leben? Im Fall von Faruk, um den es beispielhaft in diesem Roman geht, kann man das verneinen: Er ist ein jugendlicher Intensiv- und Mehrfachtäter, der schon oft vor Gericht gestanden hat, und immer mit milden Strafen davongekommen ist. Eine Chance hat er darin nie gesehen, im Gegenteil, er hat danach nicht nur weitergemacht wie gehabt, sondern zum Schluss im Rahmen der Vergewaltigung seiner 15-jährigen "Freundin" durch ihn und seine Kumpel sogar einen Mord an ihr begangen. Faruks kriminelle Laufbahn erfährt der Leser in Rückblenden im Verlauf der Handlung, seine Einstellung ist auch und gerade während des aktuellen Geschehens - er verbüßt eine Gefängnis-Strafe - ständig präsent. Obwohl die Autorin eine reale und hochaktuelle Problematik sehr ausgewogen beschreibt, ist die fiktive Handlung sehr spannend. Zunächst rätselt der Leser, ob die Morde an Lara Sennen in der Toskana und Bernd Gernersheim in Berlin in einem Zusammenhang stehen, und ggf. in welchem. Doch allerspätestens wenn es um Diana Klee geht, sind Motiv und Täter klar ... was der Dramatik allerdings keinen Abbruch tut, im Gegenteil. Etwas kürzer als in anderen Thiesler-Romanen kommt diesmal Donato Neri weg, Commissario im toskanischen Ambra. Aber das ist kein Wunder, da ein Großteil der Handlung diesmal in Berlin spielt. Die polizeilichen Ermittlungen jedoch treten dort ziemlich in den Hintergrund. Vielmehr lernen sich die Witwe von Bernd Gernersheim und der Mann der ermordeten Lara Sennen kennen und stellen intensive Recherchen an. Fazit: ein etwas anderer Thiesler-Roman, aber nicht minder spannend als seine Vorgänger

Lesen Sie weiter

Genre: Bei diesem Buch handelt es sich um einen Thriller, allerdings wie immer bei Sabine Thiesler mit Einfluss einer Krimigeschichte, da wir unserem lieben Kriminalcommissario Neri (wie ich glaube in allen Thiesler-Büchern) wieder begegnen. Auch wenn Neri in den meisten Büchern, wie auch hier nur eine kleine Story hat und nicht sooo viel zur Geschichte beitragen muss, finde ich es immer wieder schön ihn und seine Frau in ihrem kleinen Häuschen in Ambra wieder zu begegnen :) Cover und Titel: Das Cover gefällt mir unheimlich gut und es passt zur düsteren Stimmung dieses Buches, auch wenn es mit dem Inhalt nicht unbedingt etwas zutun hat. Ich würde nach dem Cover schließen, dass ein Mörder im dunklen sein Unwesen treibt und das ist in diesem Buch wirklich nicht der Fall..  Unter dem Titel hingegen, konnte ich mir überhaupt nichts vorstellen. Aber dieser passt wirklich super zum Inhalt - mehr kann ich aber an dieser Stelle nicht verraten...  Handlungsort: Wie immer spielen viele wichtige Teile dieser Geschichte in der Toskana. In diesem Buch spielt sich aber die Hauptsstory in Berlin ab. Ausserdem und das ist wirklich interessant zu lesen - erhalten wir Einblicke in eine Jugendvollzugsanstalt. Protagonisten: In diesem Buch gibt es [mindestens] 5 "Opfer" (allerdings werden die nicht zwangsweise von DEM Mörder dieses Buches ermordet) und in diese 5 Opfer ist das Buch unterteilt. Neben den Opfern und Neri spielt natürlich auch der Mörder Sabine Thiesler verrät uns schon vor der Mitte des Buches wer der Mörder ist.. aber wir kennen die Hintergründe nicht - Erst ziemlich weit am Ende erfahren wir die ganze tragische Geschichte und verstehen die Zusammenhänge.. Ich mag diesen Schreibstil von Sabine Thiesler sehr, denn selbst wenn man bereits denkt, durchschaut zu haben worum es in diesem Buch geht, bleibt noch etwas Spannung... Einen richtigen Protagonisten gibt es also nicht. In diesem Buch tauchen unheimlich viele Figuren auf.. Reine Nebenfiguren.. präsente Hauptfiguren und Figuren die einen wichtigen Beitrag leisten, die aber nun nicht zwingend zu Hauptpersonen werden.. Und trotz der vielen kleinen & großen Geschichten in diesem Buch und der vielen handelnden Personen ist das Buch klar strukturiert, hat keine Längen und ist gut verständlich (: weitere Meinung: Sabine Thiesler Bücher fesseln mich einfach immer wieder.. Ich habe dieses Buch in wenigen Tagen zuende gelesen, weil ich einfach wissen wollte worum es geht und wie es ausgeht. Das Buch behandelt interessante Themen, die mich wirklich zum Nachdenken angeregt haben.. Sabine Thiesler schreibt in diesem Buch über einen kleinen türkischen Jungen, der auf die schiefe Bahn geraten ist - wir erleben Faruk in seinem Umfeld und die Gegenseite vor Gericht, die über sein Schicksal bestimmen muss - Richter, Anwälte, Psychologen und später im Gefängnis treffen wir sogar ein paar Aufsehen und Mithäftlinge und bekommen so ein ziemlich gutes Bild von Geschehnissen, die einfach nur tragisch sind.. Sabine Thiesler schreibt "kritisch", ehrlich und nimmt kein Blatt vor den Mund.. Das hat mir gut gefallen, mich traurig und eben nachdenklich gemacht.. Vielleicht - ganz vielleicht könnte dieses Buch so auch im wahren Leben passieren.. Wahrscheinlich - und zwar mit hoher Wahrscheinlichkeit, gibt es in Deutschland eine ganze Reihe ähnlicher tragischer Fälle und Vorkommnisse... Fazit: Für mich, wieder mal ein hervorragendes Sabine Thiesler Buch und eine absolute Leseempfehlung ♥ 

Lesen Sie weiter

Top

Von: Jenny82

22.10.2018

Ein absolut fesselndes Buch von Anfang bis zum Ende. Teilweise war ich in einer anderen Welt, und habe mich total drin im Buch gefunden. Wer einen super spannenden Thriller will, der einen nicht mehr los lässt, der ist hier absolut richtig.

Lesen Sie weiter

Erst ein Mord an einer deutschen Touristin in der Toskana und kurze Zeit später ein zweiter Mord an einem ehemaligen Richter in Berlin. Aber das ist erst der Anfang und in beiden Fällen gibt es weder einen schlüssigen Hinweis auf den Täter noch auf ein Motiv. Erst durch die Initiative der Ehefrau des getöteten Richters, die in seinen alten Gerichtsakten nach Anhaltspunkten für ein mögliches Mordmotiv sucht, zeigt sich, dass es wohl einen Zusammenhang zwischen den brutalen Morden geben muss. Verzweifelt sucht sie gemeinsam mit dem Ehemann des ersten Opfers nach dem entscheidenden Hinweis der sie auf die Spur des Täters bringt. Dabei stoßen sie auf die Akte eines Jugendlichen, der schon häufiger mit dem Gesetz in Konflikt geraten ist. Doch dieser sitzt zur Zeit im Gefängnis und kommt daher als Täter nicht infrage. Trotzdem weisen alle Indizien darauf hin, dass er eine Schlüsselrolle in dem Fall spielt und ihnen wird klar, dass ihnen nicht mehr viel Zeit bleibt bevor es das nächste Opfer geben wird. FAZIT Eine brisante Geschichte, die sich zu einer tragischen Gratwanderung entwickelt, in der es nur Verlierer geben kann.

Lesen Sie weiter

Zeckenbiss

Von: Mara

01.09.2018

Inhalt: Die Großstadt, ein Moloch, Brutstätte des Verbrechens. Faruk lernt von Kindesbeinen an, dass man als Krimineller am besten fährt. Er ist Mehrfach- und Intensivtäter, kommt aber immer wieder mit geringen Strafen davon. Bis irgendwann etwas Schreckliches geschieht. Wenig später mordet ein Mann scheinbar wahllos, sucht sich komplett unterschiedliche Opfer. Und erst allmählich wird klar, dass er mit all seinen Taten einen grausamen Plan verfolgt … Faruk sitzt im Gefängnis und versucht mit allen Mitteln, vorzeitig entlassen zu werden. Gleichzeitig geschehen "draußen" Morde und die jeweils zurückgebliebenen Ehepartner ermitteln auf eigene Faust. Außerdem erfährt man noch viel über das grausame Schicksal einer Familie, die ihr einzigstes Kind verloren haben. Meine Meinung: Auch dieser spannende Thriller der Autorin hat mir sehr gut gefallen, mich konnte die Geschichte wieder sehr packen. Durch denn leichten und flüssigen Schreibstil und die kurzen Kapitel, liest man automatisch dieses Buch in einem Rutsch durch. Die Charaktere waren vielseitig und glaubwürdig, Sie wurden gut ausgearbeitet und fand sie recht sympatisch. Besonders toll fand ich wieder das Setting in der Toskana, hier erfahren wir das Sabine Thiesler sehr oft in der Toskana verreist ist. Sie hat die Orte gut beschrieben somit ich mir alles bildlich vorstellen konnte. Auch ihre weitere Werke spielen immer in der Toskana, und genau das gefällt mir. Vor allem wirkt alles auf mich a realistisch wie in einem echten Film. Solche Fälle könnte tatsächlich in der Realität vor kommen. Während dem Lesen, aber ich mit den Charakteren mit gefiebert, ich konnte das Buch nicht mehr aus der Hand legen, auch wenn am Anfang die Story ein wenig langsam angefangen hat wurde es von Kapitel zu Kapitel sehr spannend und rasant. Fazit: Das wird mit Sicherheit nicht das letzte Buch der Autorin werden was ich Lesen werde, eine klare Lesempfehlung von mir.

Lesen Sie weiter

Leider erfährt man am Anfang schon, wer der Mörder ist und man kann sich das Ende schon nach den paar Hundert Seiten denken. Auch ist es unvorteilhaft, wenn des öfteren die italienische Sprache verwendet wird und man nicht versteht, was gesagt wird. Die Handlung ist recht modern und kann bei dem einen oder anderen Leser durchaus extreme Reaktionen hervorrufen. Zu oft liest man in der Zeitung nach härteren Urteilen für diverse Jugendtäter, die scheinbar keinerlei Reue zeigen. Dennoch sollte man nicht alle über einen Kamm scheren und versuchen, sie zur Besserung ihres Verhaltens zu bewegen. Hoffnung, Wut, Zweifel ... All diese Emotionen werden durch die Protagonisten nur allzu oft beim Leser hervorgebracht. Trotz allem war es ein gutes Buch. Der Schreibstil ist fesselnd und flüssig und die Charaktere sind gut durchdacht worden, obwohl man nicht zu viel in einzelne Charaktere investieren sollte, da die meisten ein kurzes Haltbarkeitsdatum aufweisen. Das Geschehen wurde aus mehreren Sichtweisen erzählt, zum Teil auch vom Täter selbst. Somit konnte man seine Gedankengänge mitverfolgen.

Lesen Sie weiter

Als ich mitbekommen habe, dass Sabine Thiesler ein neues Buch veröffentlicht, war ich sofort Feuer und Flamme. Denn im letzten Jahr begeisterte mich die Autorin mit “Nachts in meinem Haus” komplett und seitdem warte ich gespannt auf Nachschub. Ja, ich könnte mir die alten Bücher besorgen und diese lesen, allerdings ist dann ein gänzlich neues Werk doch nochmal spannender. Umso toller dann, dass sie schnell nachgelegt hat und mit “Zeckenbiss” ihren nunmehr 10. Roman veröffentlichte. Ob dieser an mein positives Bild vom letzten Roman anknüpfen konnte und warum der Titel Programm ist, das erfahrt ihr jetzt. Im Buch geht es zunächst um völlig verschiedene Personen: Wir lernen ein Ehepaar in Italien kennen, das ihren Sommer sehr oft in der Toskana verbringt und die ein eher unkonventionelles Eheleben leben. Dann geht es um Faruk, der in der JVA sitzt und bereits sein ganzes Leben in schrecklichen Verhältnissen aufgewachsen ist. Außerdem gibt es ein Wiedersehen mit unserem Commissario Neri, der bereits in den vorherigen Geschichten von Sabine Thiesler in den Ereignissen involviert ist. Zuletzt gibt es dann auch noch einen pensionierten Richter, der ein neues Leben mit einer sehr jungen Frau anfängt. All diese Leben scheinen nichts miteinander zu tun zu haben und doch laufen sie irgendwann zusammen – oder? Ich muss sagen, dass ich von Anfang an in der Geschichte drin war und gar nicht mehr aufhören konnte zu lesen. Sabine Thiesler schreibt einfach so unglaublich auf den Punkt und könnte nicht spannender beschreiben, was alles passiert. Ihr Schreibstil zeichnet sich durch eine sehr präzise Darstellung aus, kombiniert mit sehr bildhaften und filmischen Ausführungen, die die Geschichte schnell erzählen. Dabei sind die Kapitel so kurz, dass die Seiten nur so verfliegen und ehe man sich versieht, sind schon wieder 100 Seiten vergangen. Diese Organisation der Kapitel ist einfach so charakteristisch, dass man nur Fan werden kann, das die Geschichte wie ein Film an einem vorbeizieht. Damit ist Sabine Thiesler für mich ein absolutes Vorbild für all jene Autoren, die einen spannenden Thriller planen – lest dieses Geschichte und versucht nicht nachzumachen, sondern von ihrem rasanten Aufbau und ihrer sehr präzisen Schreibweise zu lernen. Doch zurück zur Geschichte: Diese steigert sich immer mehr und findet (für ich Thiesler-typisch) gar keinen richtigen Höhepunkt, dennoch steigert sie sich kontinuierlich und endet wirklich erst mit der letzten Seite. Diesmal war die Geschichte sehr viel komplexer als im Vorgänger “Nachts in meinem Haus”, was dazu führte, dass man sehr viel mehr grübeln konnte und die Geschichte wirklich durchsteigen musste. So war sie auch spannender und obwohl mir die Grundidee im Vorgänger besser gefallen hat, überzeugte mich diese Geschichte letztendlich dann doch etwas mehr. Wie völlig planlos man am Anfang war und was dann alles aus dieser Ahnungslosigkeit entstand – das war einfach genial und hatte Suchtpotenzial. Der Plot begeistert von Anfang bis Ende ohne Ausnahme und lässt einen einfach nicht mehr los. Ich habe an einem Tag über 250 Seiten gelesen, einfach, weil ich wissen wollte, wie es denn nun ausgeht. Das habe ich nicht bei vielen Büchern und deshalb gebührt “Zeckenbiss” auch Respekt – besonders, weil ich derzeit eigentlich nicht wirklich in Thriller-Stimmung bin. Umso erstaunlicher also, dass ich den 10. Roman von Sabine Thiesler sogar als Highlight beschreiben würde. Am beeindruckendsten fand ich neben dem Plot und dem Aufbau die Ausführungen zum deutschen Rechtssystem. Denn mit der Geschichte unterhält Frau Thiesler nicht nur, sie übt auch durchaus Kritik am System. So gibt es einige Abläufe in der JVA, die unfassbar sind, sollten sie so in deutschen Gefängnissen ablaufen. Aber auch in Gerichtsverhandlungen lässt die Autorin tief blicken und stellt eine sehr lückenhafte Bearbeitung der Fälle da. Ich möchte gar nicht sagen, dass das bei jedem Fall passiert, aber ich kann mir durchaus vorstellen, dass es ebenso genauso viele Fälle gibt, die genau das unterstreichen. Faszinierend, was Thiesler da beschreibt und auf welche Gedanken sie den Leser bringt, ohne darüber zu urteilen oder selbst Position zu beziehen. Ja, sie übt Kritik, aber es wird nicht klar, wie sie selbst dazu steht. Genau das fand ich gut, denn aufgrund der Kritik kommt man ja erst zum Nachdenken. Ein großer Pluspunkt und einer, den ich so gar nicht erwartet hätte. Mein Fazit: Sabine Thiesler kann’s einfach! Ein herausragend konstruierter Plot, der für manche vielleicht zu unrealistisch, für mich aber genau richtig war; Charaktere, die scheinbar nichts miteinander zu tun haben und dennoch irgendwie zusammenhängen sowie ein Stil und Aufbau, die einfach überzeugen. Ich bin und bleibe Fan einer deutschen Meister-Autorin, die ihr Genre wahnsinnig gut beherrscht und immer wieder neue Seiten ihres Stils zeigt. “Zeckenbiss” ist ein wahnsinnig großer Schritt vom letzten Thriller und für mich eine wahre Steigerung, obwohl bereits der Vorgänger einfach nur Klasse war! Deshalb kann es gar nichts anderes als 5 Sterne geben – wer nach einem Page-Turner sucht, ist hier definitiv richtig.

Lesen Sie weiter

Sabine Thieslers neuer Thriller "Zeckenbiss" spielt, wie ihre Vorgänger-Titel auch, sowohl in Italien als auch in Deutschland. Der Roman ist in mehrere Abschnitte unterteilt, in denen wir so einigen Personen; Opfern und Tätern begegnen. Eine Anwältin lässt ihr Leben, ebenso ein pensionierter Richter. Unterdessen sitzt Jugendstraftäter Faruk in Berlin eine milde Haftstrafe ab, mit der er in Anbetracht seiner Taten sehr zufrieden sein dürfte. Doch hat der Intensivstraftäter trotzdem etwas mit diesen Morden zu tun? Wie gewohnt lässt der sehr, sehr angenehme Schreibstil der Autorin den Leser wieder fast durch das Buch fliegen. Mit den vielen Protagonisten machte Frau Thiesler es einem allerdings nicht immer leicht. Die dadurch entstandenen abwechslungsreichen Kapitel hingegen gefielen mir sehr. Ständig befand ich mich beim Lesen "woanders". In den zahlreichen JVA-Kapiteln jedoch wurde mir das Ausländer-Thema zu arg thematisiert. Ich hatte ständig das Gefühl, hier wurde mit dem erhobenen Zeigefinger gearbeitet. Kaum Deutsche im Jugendknast... Ebenfalls schade fand ich, dass in diesem Roman wirklich viel zu erahnen war. Sowohl im Bezug auf zwischenmenschliche Beziehungen, als auch auf die Morde. Hier hätte ich mir ein bisschen mehr Raffinesse gewünscht. Den bunten Mix an verschiedensten Charakteren, sympathisch wie unsympathisch, fand ich klasse. Gut gemacht, bei den vielen Protagonisten. Ein kleiner Fehler bzgl. unserem lieben Neri hat sich auch eingeschlichen: Im Vorgänger "Nachts in meinem Haus" hatte der gute Mann ein paar Tage Urlaub in Rom. Hier im "Zeckenbiss" sagt er, er hätte viele Jahre keinen Urlaub mehr nehmen können... Insgesamt bewerte ich diesen Thriller mit 3,5 Sternen. Im direkten Vergleich mit vorherigen Spannungsromanen der Autorin, schwächelte dieses Buch etwas. Vielleicht weil ich einfach weiß, dass sie es besser kann. Dennoch freue ich mich sehr auf weitere Titel von Sabine Thiesler, die mir immer wieder verlässlich kurzweilige und gute Unterhaltung bieten. Die Frau kann einfach schreiben!

Lesen Sie weiter