Leserstimmen zu
Der Buchhalter von Auschwitz

Reiner Engelmann

(2)
(6)
(2)
(0)
(0)
€ 16,00 [D] inkl. MwSt. | € 16,50 [A] | CHF 22,90* (* empf. VK-Preis)

Es gibt bereits eine riesige Bandbreite an Büchern, die sich mit den Geschehnissen des 2. Weltkrieges befassen. Insbesondere mit dem Holocaust. Oftmals sind diese aus der Perspektive der Opfer geschrieben und geben uns immer wieder aufs Neue einen erschreckenden Einblick in die Gräueltaten der Nationalsozialisten. Aber was ist mit denjenigen, die für diese Verbrechen verantwortlich sind? Die eine Mitschuld zu tragen haben? Als ich auf „Der Buchhalter von Auschwitz - Die Schuld des Oskar Gröning“ aufmerksam wurde, war für mich ziemlich schnell klar, dass ich es lesen wollte. Denn wo es Opfer gibt, gibt es auch Täter! Ich hatte durch die Medien von dem Prozess Grönings in 2015 zwar gehört, es damals aber nicht weiter verfolgt. Welchen Zweck hat es denn noch, wenn man jemand wie Oskar Gröning im Alter von 93 Jahren, erst Jahrzehnte später, für seine Taten vor Gericht stellt? Warum ist das nicht schon viel eher passiert? Denn wir wissen: Auch auf Beihilfe zum Mord gibt es keine Verjährung. Und ist es ausreichend, sich als Täter in Anbetracht des Vorwurfes nur moralisch schuldig zu fühlen? Diese Fragen, wie auch ich sie mir gestellt habe, werden bereits im Vorwort des Autores aufgegriffen und sachlich beantwortet. In diesem besagten Vorwort ist mir auch direkt eine Aussage aufgefallen, über die ich mir vorher tatsächlich nie wirklich Gedanken gemacht habe: In unserem sprachlichen Alltag neigen wir gerne dazu, all jene, die in Konzentrationslagern eingesperrt waren, als Häftlinge zu bezeichnen. Der Begriff „Häftling“ impliziert jedoch, dass jemand eine Straftat begangen hat und deswegen inhaftiert ist. Die Menschen, die in Auschwitz oder in anderen Lagern waren, sind aber keine Straftäter, sondern einfach Menschen, die entweder einer bestimmten Religion, einer Volksgruppe oder einer zu jener Zeit verfolgten Minderheit angehörten. /.../ Es waren Verbrechen an unschuldigen Menschen. S.9/10 Diese, doch so simple, Erklärung hat sich im Nachhinein praktisch direkt in mein (Unter-)Bewusstsein eingebrannt und meine Wahrnehmung im Umgang mit diesem Wort gestärkt. Sinnfrei war für mich jedoch, wieso der Autor diesen negativ behafteten Begriff dann trotzdem weiterhin verwendet und nicht durch ein anderes Wort (wie z.B. „Gefangener“) ersetzt hat. Das Buch ist in drei Abschnitte aufgeteilt. Im ersten Teil -„Die Schuld des Oskar Gröning“- wird die Person Grönings und dessen Werdegang beleuchtet, wobei ich sagen muss, dass das für mich lediglich an der Oberfläche kratzt und ich mir hier etwas mehr Tiefgang gewünscht hätte. Da Reiner Engelmann aber nie die Gelegenheit hatte mit Gröning persönlich über die Ereignisse zu sprechen, sondern das Buch auf dem bekannten BBC-Interview und zahlreichen Hintergrundliteraturen, sowie einigen Prozessprotokollen aufgebaut ist, kann man da meines Erachtens ein Auge zudrücken. Teil zwei -„Die Ungarn-Aktion“- handelt ausschließlich von der ungarischen Zeitzeugin Éva Fahidi, die während dieser Aktion mit Ihrer Familie nach Auschwitz-Birkenau deportiert wurde. Womit man in diesem Abschnitt konfrontiert wird, ist selbstredend und ich brauche hier nicht weiter drauf eingehen. Zu erwähnen ist, dass sich Gröning und Fahidi dort nie persönlich begegnet sind. Manche fragen sich vielleicht, warum man dieses Einzelschicksal dann mit in dem Buch aufgenommen hat, wobei es doch in keinem Kontext zu der Person Oskar Gröning zu stehen scheint. Die Antwort ist recht simpel: Sie ist eine der letzten Überlebenden des Holocaust und war Nebenklägerin im besagten Prozess. Der dritte und letzte Teil -„Prozess und Urteil“- beschäftigt sich dann mit dem Prozess von 2015 und dessen Urteil. Wie auch bereits in anderen cbj-Büchern findet der Leser hier im Anhang ein tolles Glossar, wo einige eventuell fremdartige Begriffe, gerade für Jugendliche, sehr einfach, sach- und verständlich erklärt werden. Für mich war besonders das Verzeichnis verschiedener Personen und deren Werdegang, die in Auschwitz tätig waren, interessant zu lesen, weil dies wieder das geschichtliche Wissen vertieft und an Bedeutung gewinnt. Fazit: Engelmanns romanartig geschriebenes Buch über Oskar Gröning, welches auch leichte biografische Ansätze hat, ist eine Geschichte über Schuld, das Leben in Auschwitz auf der Seite der Täter und den Werdegang eines Mannes, der sich nicht als eben solchen Täter, sondern als „kleines Rädchen im Getriebe“ (S. 152) sah. Zwar konnte ich im Großen und Ganzen nicht viel Neues aus diesem Buch ziehen, spreche aber definitiv eine Leseempfehlung für Jugendliche und/oder Erwachsene aus, die sich mit diesem Thema befassen möchten. Man sollte sich aber bewusst sein, dass es sich hierbei um ein Jugendbuch handelt, welches entsprechend in leicht verständlicher Sprache geschrieben ist und man hier kein komplexes Vokabular erwarten kann. Außerdem ist es wieder ein Werk, welches man auch im Geschichtsunterricht sehr gut mit einbeziehen kann und gerade zu Beginn dieser Thematik einen verständlichen und leichten Einstieg dank des flüssigen Schreibstils findet. Es hat mich in einigen Punkten (wieder einmal) sehr nachdenklich gestimmt. Trotz der Rechtfertigung Grönings hat man doch den Eindruck, dass die Schuld innerlich an ihm nagte. Und eine Sache muss man diesem Mann, der Mitschuld am Tod von 300.000 Auschwitz-Gefangenen hat, auch zugute halten: Später widersprach er den Holocaust-Leugnern. Oskar Gröning verstarb 2018 vor seinem Haftantritt.

Lesen Sie weiter

Oskar Gröning war „Der Buchhalter von Auschwitz“. Seine Geschichte hat Reiner Engelmann thematisiert und beim cbj Kinder- und Jugendbuchverlag veröffentlicht. Auf dem Cover sehe ich einen jungen Mann mit Brille und feinen Gesichtszügen. Ich frage mich, welche Schuld dieser Oskar Gröning auf sich geladen hat. Er war damals 21 Jahre und ein überzeugter SS-Mann. Nach Auschwitz abkommandiert, war Gröning dafür zuständig, die Wertsachen der Häftlinge zu verwalten. Daneben stehen und Wegsehen war wohl seine Devise. Tagein tagaus zogen die Menschenzüge an Gröning vorbei in die Gas und Folterkammern von Auschwitz. Er sah, wie ein Josef Mengele die Häftlinge sortierte und in den Tod schickte. Oskar Gröning war zwar nicht unmittelbar an den Tötungen beteiligt, aber das rechtfertigt sein Handeln keinesfalls. 2015 wird der Buchhalter von Auschwitz wegen Beihilfe zum Mord an 300000 Juden verurteilt. Reiner Engelmann hat Interviews und Gerichtsakten ausgewertet, das Lebensumfeld des Buchhalters durchleuchtet und sich mit der Bedeutung des letzten großen Auschwitz-Prozesses vor dem Landgericht Lüneburg beschäftigt. Das ca. 200 Seiten umfassende Buch habe ich an einem Abend gelesen. Eine interessante, aber auch schockierende Thematik. Ich versuche mich in die Gedanken des jungen Mannes hineinzuversetzen, sehe einen schwachen Charakter, einen Mitläufer, der sich mit seinem Pflichtbewusstsein reinzuwachsen versucht. Es ist mir trotzdem ein Rätsel, wie Menschen zu diesen Taten fähig waren bzw. sie tolerieren konnten. Reiner Engelmann hat einen flüssigen, gut verständlichen Schreibstil. Er bedient sich einer einfachen Wortwahl, so dass die Lektüre für Jugendliche gut verständlich ist. Das Buch ist romanartig geschrieben und dürfte auch die erwachsene Leserschaft ansprechen. Mich hat das Psychogramm des Oskar Gröning mitgerissen und nachdenklich gestimmt. Obwohl er seine Arbeit in Auschwitz rechtfertigte, vermittelte er mir im Buch den Eindruck, dass die Schuld innerlich an Gröning nagte. Später widersprach er den Leugnern des Holocaust. „Der Buchhalter von Auschwitz“ ist ein wichtiges Zeitdokument gegen das Vergessen, informativ und lesenswert!

Lesen Sie weiter

Der ehemalige SS-Mann Oskar Gröning hat sich im hohen Alter von 93 Jahren im Jahre 2015 , seiner Verantwortung vor dem Gericht gestellt .beihilfe zum Mord in 300 000 Fällen. Das Buch ist in 3 Teile gegliedert Teil 1 1942 kommt Gröning nach Auschwitz , kurze zeit nach seiner Ankunft stellt er fest, das es sich hier nicht um ein Arbeitslager handelt . Wir lesen hier wie er seine Arbeit verrichtet und bekommen auch einblicke in seine Gedanken und in seine Reaktionen Wir bekommen auch einblicke in seine Frühen Kinderjahre in der Hitlerjugend Teil 2 Hier lernen wir die Jüdin Eva Fahidi kennen, und haben einblicke in das Leben im Arbeitslager Auch hier gibt es einen kurzen Rückblick in die Kinderjahre von Eva. Teil 3 Hier kann man in kurze Kapiteln den Prozess und das Urteil von Oskar Gröning verfolgen Das Buch aus dem CBJ Verlag ist ab 13 Jahre gekennzeichnet, was ich für zu Jung halte , da einige Szenen doch brutal beschrieben sind, wo ich als Erwachsener sogar innehalten musste. Der Schreibstil ist sehr flüssig und die 200 Seiten lassen sich sehr gut lesen . Die Kapitel sind kurz und sehr Informativ jedoch in keinster weise zu trocken. Ein Buch das ich gerne weiterempfehle um sich mit der Geschichte auseinander zu setzen nicht nur für Jugendliche (ab 16 Jahren, meine Empfehlung) sondern auch für Erwachsene.

Lesen Sie weiter

Ein Buch, das nicht nur Jugendlichen kluge Fragen stellt

Von: Eva Maria Kohl aus Berlin

13.05.2018

Wir kennen die Opfer, aber über die Täter wissen wir nicht viel - dieses Buch zeichnet das Bild eines Täters nicht in schwarzweiß.

Lesen Sie weiter

Der "Buchhalter von Auscchwitz" von Reiner Engelmann hat 225 Seiten und erschien am 26. März 2018 bei CBJ. Das Buch:„ Der Buchhalter von Auschwitz“ hat insgesamt drei Teile. Im ersten Teil des Buches geht es um den SS-Mann Oskar Gröning, der zweite Teil handelt von Éva Fahidi und im dritten Teil geht es um Oskar Grönings Gerichtsprozess und sein Urteil. Ganz am Anfang erzählt das Buch von Oskar Grönings Kindheit zu Hause in seinem Elternhaus und bei den Stahlhelmen bzw. danach in der Hitlerjugend. Weiter geht es dann mit seinem Dienst bei der SS in dem Konzentrationslager Auschwitz Buchenau. Dort wird sein Dienst in der Verwaltung von Auschwitz, wo er das Geld ,welches den ankommenden Juden abgenommen worden ist, zählt und seinen gelegentlichen Diensten auf der „Rampe“ beschrieben Der zweite Teil des Buches handelt um die Jüdin und Holocaust Überlebende Éva Fahidi. Éva wuchs mit ihrer Mutter, ihrem Vater und der jüngeren Schwester Gilike in Ungarn in der Stadt Debrecen auf, bis sie alle ins Ghetto mussten, von wo sie mit Viehwagons nach Auschwitz gebracht wurden. Nach einem großen Zeitsprung von über 70 Jahren geht es im dritten Teil um den Prozess von Oskar Gröning, welcher vom 21. April 2015 bis zum 15. Juli 2015 verhandelt wurde. Weitergehend handelt dieser Abschnitt vom Urteil, welches das Gericht traf. Ich finde das Buch sehr Interessant, da man auf der einen Seite sehr viele Einblicke in das Macht zugewandte Leben von Oskar Gröning bekommt und man erfährt wie er gedacht und alles verarbeitet hat als er im Konzentrationslager Auschwitz Birkenau in der Verwaltung gearbeitet hat. Ach sein Denken in der Zeit nach dem zweiten Weltkrieg bekommt der Leser beschrieben. Auf der anderen Seite wirft das Buch auch einen Blick auf das Leben der Holocaust Überlebende Éva Fahidi und damit auf die andere Seite. Das finde ich auch ziemlich gut an diesem Buch, man erhält Einblicke in beide Seiten, einmal in das der Täter und einmal in das der Opfer des Holocausts. Das hilft einem sehr, zu verstehen, was während des Holocausts wirklich geschehen ist. Da es im ersten Teil immer wieder ein paar Zeitsprünge gibt, welche zu Verständigungsfehlern führen, aber mir sonst nichts weiter negativ aufgefallen ist, gebe ich dem Buch 4.5 von 5 Sternen. Ich empfehle dieses Buch jedem, der sich mit der Thematik zweiter Weltkrieg und dem Holocaust schon ein bisschen auseinandergesetzt hat aber auch Jedem, der noch nicht viel darüber weiß.

Lesen Sie weiter

Ende 2017 / Anfang 2018 war der Prozess und die Verurteilung von Oskar Gröning in allen Medien zu verfolgen. Im März 2018 verstarb er, bevor er seine Haftstrafe antreten konnte. Viele Diskussionen erhitzten die Gemüter. Mord verjährt nicht, aber muss man einen Mann mit über 90Jahren noch ins Gefängnis bringen? Als ich das Buch im Bloggerportal entdeckte, stand für mich fest, dass ich es auf jeden Fall lesen muss. Ich wollte seine Geschichte lesen, wollte wissen wer dieser Mensch war. Wollte seine Sichtweise sehen... Dem Autor Reiner Engelmann ist es gelungen ehrlich, schonungslos und doch behutsam die Geschichte des Buchhalters zu Papier zu bringen. Aber genauso wird Auschwitz betrachtet. Und den Opfern gedacht! Die Überlebenden erwähnt und ihnen Gehör geschenkt. Hintergründe beleuchtet. Aufgeteilt in Erster Teil -Die Schuld des Oskar Gröning Dort lernt man den Menschen kennen. Aber auch Auschwitz und dortige Abläufe. Weiteres Personal der Todes Maschinerie... Zweiter Teil -Die Ungarn-Aktion Die Sicht einer Überlebenden (Êva Fahidi) macht nachdenklich... Dritter Teil - Prozess und Urteil Klasse,dass auch dies einen Platz im Buch fand! Da es ein Jugendbuch ist (aber auch absolut etwas für Erwachsene) fand ich die ruhige Schreibweise perfekt. Und auch die Erklärungen am Ende des Buches!/ Fazit: ein Buch gegen das Vergessen, sachlich und doch so nah

Lesen Sie weiter

Inhalt Oskar Gröning ist 21 Jahre alt, als er als überzeugter SS-Mann nach Auschwitz abkommandiert wird. Seine Aufgabe besteht darin, die Wertsachen der Häftlinge zu verwalten. Obwohl Gröning von der Ermordung der Menschen weiß, rechtfertigt er seine Arbeit damit, dass er nicht unmittelbar an den Tötungen beteiligt ist. In einem der letzten großen Auschwitz-Prozesse wurde Oskar Gröning wegen Beihilfe zum Mord an 300.000 Juden verurteilt. Reiner Engelmann hat seine Lebensstationen anhand von Interviews und Gerichtsprotokollen aufgeschrieben – ein wichtiger Beitrag über eine verführte Jugend, versäumte Gewissensentscheidungen und ein Leben mit Schuld. Quelle: cbj Meine Meinung Ich weiss beim besten Willen nicht, wie ich dieses Buch am besten darstellen oder zusammenfassen soll. Natürlich lernen wir in der Schule, was während dem zweiten Weltkrieg passiert ist! Natürlich wissen wir zum Teil schon was in Auschwitz passiert ist und doch werden uns die Fakten und Zahlen hoffentlich noch sehr lange im Gedächtnis bleiben. Wer ist schuld? Ab wann ist man schuldig? Eine sehr schwierige Frage, die auch in diesem Buch indirekt besprochen wird. Ist man schuldig, wenn man alles miterlebt, aber wegschaut? Ist man schuldig, wenn man eigentlich nicht direkt gemordet hat, aber im Hintergrund doch zum Bestehen der Anlage gesorgt hat? Oskar Gröning ist jahrzehntelang von seiner Unschuld überzeugt und doch stellt er genau diese am Ende seines Lebens noch einmal in Frage. Die meisten Bücher über den 2. Weltkrieg sind aus der Sicht der Opfer oder Helfer geschrieben. Oskar Gröning war damals jedoch überzeugter SS-Soldat, was den Blickwinkel der Geschehen natürlich drastisch verändert. Teilweise wurde mir beim lesen fast schon schlecht! Alles wird so trocken geschildert, als wären alle diese Opfer keine richtig Menschen. Immer wieder musste ich für einen Moment innehalten um selber zu realisieren, was ich da überhaupt gerade gelesen hatte. Persönlich weis ich nicht, ob das wirklich etwas für 13. Jährige Jugendliche ist, kann das aber natürlich nicht wirklich beurteilen. Fazit Beim Buchhalter von Auschwitz handelt es sich nicht um einen Roman bei dem man über den Schreibstil oder die Entwicklung der Charaktere diskutieren kann. Es handelt sich nicht um ein Buch, dass man am Schluss auf irgendeiner Weise bewerten kann. Es handelt sich hier nicht um eine erfundene Geschichte, die man nach dem Lesen vielleicht wieder vergisst. Es ist ein Stück Geschichte, dass uns alle daran erinnern soll, was damals passiert ist und genau aus diesem Grund, sollte es jeder von uns gelesen haben.

Lesen Sie weiter

Nachdem man im Geschichtsunterricht gefühlt die halbe Schulzeit lang den zweiten Weltkrieg mehr als ausführlich behandelt hat, hätte ich nicht gedacht, dass es mich je wieder zu einem Buch mit diesem Thema ziehen würde - allerdings hat der Unterricht in der Oberstufe anscheinend doch eine prägendere Wirkung auf mich gehabt, als zunächst gedacht, denn als ich über dieses Buch gestolpert bin, war für mich ziemlich schnell klar, dass ich es unbedingt lesen wollte, da ich die Schuldfrage nicht uninteressant finde. Bereits im Vorwort wirft der Autor einige Fragen auf, wie zum Beispiel ob es reicht sich lediglich moralisch schuldig zu fühlen - eine Aussage Grönings -, wo Beihilfe einen strafrechtlicher Tatbestand erfüllt oder was für ein Zweck überhaupt dahinter steht ehemalige SS-Männer erst jetzt, in hohem Alter, auf die Anklagebank zu setzen. Wieso wurden diese Männer nicht bereits viel früher verurteilt? Und kann man sie jetzt nicht einfach ihr Leben leben lassen, Jahrzehnte später? Auch wirft er einen Gedanken auf, an den ich mir gleich einen Klebezettel geheftet habe, denn darüber habe ich mir tatsächlich nie Gedanken gemacht: "Noch ein weiterer Punkt muss klargestellt werden. In unserem sprachlichen Alltag neigen wir gerne dazu, all jene, die in Konzentrationslagern eingesperrt waren, als Häftlinge zu bezeichnen. Der Begriff "Häftling" impliziert jedoch, dass jemand eine Straftat begangen hat und deswegen inhaftiert ist. [...] Es waren Verbrechen an unschuldigen Menschen." (S. 11/12) Den Gedanken fand ich gut, allerdings ist mir dann ziemlich schnell aufgefallen, dass der Autor das Wort Häftling das gesamte Werk durch weiterhin verwendet. Warum man ein Wort, das man kritisiert, weil es einen negativen Beigeschmack hat, nicht ersetzt, hat sich mir nicht so ganz erschlossen. Aber gut, weiter im Text. Das Buch besteht aus drei Teilen. Der erste beschäftigt sich mit dem Leben des Oskar Gröning, allerdings auch nur mit dessen Jugend und anschließend mit Gröning im hohen Alter. Etliche Jahrzehnte seines Lebens werden nicht beleuchtet. Dafür spricht der Autor in einem Viertel des Buches von dem Leben der Éva Fahidi, einer ungarischen Jüdin, die nach Auschwitz kam und dort ihre Familie verlor. Gröning und Fahidi hatten persönlich nie etwas miteinander zu tun, weshalb der zweite Abschnitt zwar einen erschreckenden Exkurs darstellte, mit dem Thema des Buches - nämlich der Schuld des Oskar Gröning - nur wenig zu tun hatte. Der dritte Abschnitt schließlich beschäftigt sich dann mit dem Prozess von 2015 und dem Urteil und war für mich persönlich der spannendste Part. Was mir vermehrt beim Lesen aufgefallen ist, ist, dass sich teilweise Passagen im Text dem Wortlaut nach sehr ähnlich wiederholen, was ich nicht so schön fand, da sich dadurch bei mir recht schnell eine Ja-ich-weiß-du-musst-mir-nicht-alles-drei-Mal-sagen-ich-bin-nicht-doof-Einstellung eingestellt hat. Zumal es mich zunächst vor allem irritiert hat, da ich mich gefragt habe, woher dieses Déjà-vu kommt. Und schließlich sind mir am bittersten aufgestoßen Formulierungen wie (nur um ein paar Beispiele zu nennen) »offenbar hatte keiner von ihnen Skrupel, dort ein ausgelassenes Leben zu führen« (S. 42) oder »Es schien ihn emotional nicht zu berühren.« (S.158). Das impliziert für mich, dass der Autor den Personen in den Kopf schauen konnte, weiß, was sie denken - was nun einmal nicht der Fall ist. Das kann er schließlich gar nicht. Engelmann schreibt dieses Buch mit dem Hintergrund von Interviews und Prozessprotokollen. Er ist selbst kein Zeitzeuge, nimmt sich aber heraus der Position dieser zu schreiben und impliziert zu wissen, was sie dachten und fühlten. Leider bin ich neben den Kritikpunkten, die ich bereits angebracht habe, mit dem Gefühl aus dem Buch herausgegangen, kaum etwas Neues gelernt zu haben. Das Buch behandelt die Ereignisse, die es schildert, recht oberflächlich - in Anbetracht dessen, dass das Werk allerdings für eine jüngere Zielgruppe gedacht ist finde ich dennoch angemessen und ausreichend. Wer kaum etwas über Auschwitz und die Ungarn-Aktion weiß, für den wird das Buch durchaus informativ sein, wer den zweiten Weltkrieg allerdings in der Schule behandelt hat, wird vermutlich kaum etwas finden, das man nicht wusste. Aber trotz, dass das, was der Autor erzählt, nicht neu für mich war, hat er es dennoch geschafft mir wieder einmal vor Augen zu führen, wie schrecklich die Zustände in Auschwitz und anderen Lagern waren - nämlich unvorstellbar.

Lesen Sie weiter